BierAstronomieIch mache derzeit eine Fahrradtour durch Bayern. Um das entsprechend zu würdigen und um auch endlich mal meine Recherche zum Thema “Bier und Astronomie” aufzuarbeiten, gibt es daher zu jedem Wissenschaftsartikel der in dieser Woche bei mir im Blog erscheint, einen kleinen Bonustext, in dem ich erklären, wo der Zusammenhang zwischen der jeweiligen astronomischen Forschung und dem Bier besteht. Prost! Und alle Artikel aus dieser Serie gibt es hier.
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Heute Vormittag habe ich über eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben, in der der Einfluss radioaktiver Elemente auf die Bewohnbarkeit extrasolarer Planeten untersucht worden ist. Es ging dabei um die Frage, wie viele Wärmeenergie einem Himmelskörper zur Verfügung steht. Denn nur bei ausreichender Energie kann ein Planet geologisch aktiv sein und Phänomene wie Plattentektonik oder Vulkanismus zeigen. Und die spielen eine wichtige Rolle wenn es darum geht, lebensfreundliche Bedingungen zu schaffen. Plattentektonik spielt aber auch eine wichtige Rolle für die Existenz von Bier und die soll das Thema dieses kurzen Bier-Bonus-Texts sein.

Abgesehen davon, dass es Bier natürlich sowieso nur auf einem Planeten geben kann, der ausreichend lebensfreundlich ist und die geologische Aktivität daher eine der fundamentalen Voraussetzungen für die Existenz dieses Getränks ist, hat die Bewegung der Kontinente und die langsame Veränderung der Gesteine aber auch noch einen viel konkreteren Einfluss. Nämlich dort, wo es um die Lagerung von Bier geht!

Bier, das nicht irgendwie speziell behandelt wird, verdirbt leicht. Zumindest dann, wenn es nicht kühl gelagert wird. Bewahrt man es bei Temperaturen von um die 4 Grad Celsius auf, kann man die Haltbarkeit stark verlängern. Heute legen wir das Bier daher in unseren Kühlschrank, damit es immer schön frisch bleibt. Aber früher war das nicht möglich, denn da gab es keine künstliche Kühltechnik. Aber es gab Bierkeller!

Anfangs, also in der Entstehungszeit des Bieres, waren das vermutlich natürlich Höhlen. Davon unterscheidet man zwei hauptsächlich Arten: Primäre Höhlen und sekundäre Höhlen. Eine primäre Höhle entsteht gleichzeitig mit dem Gestein in dem sie sich befindet. Zum Beispiel wenn bei der Sedimentation Hohlräume ausgespart werden oder durch Hohlräume die durch Gasblasen in Lavaströmen gebildet werden. So oder so ist Plattentektonik und geologische Aktivität beteiligt; über den Carbonat-Silicat-Zyklus und die Sedimentation habe ich ja schon heute Vormittag geschrieben. Die sekundären Höhlen entstehen in Gestein, das sich schon gebildet hat. Zum Beispiel durch Erosion aber auch direkt durch tektonische Vorgänge.

Ohne geologische Aktivität gibt es also auch keine Höhlen. Die geologische Aktivität bestimmt aber auch, wo man auf der Erde welche Arten von Gestein finden kann. Zum Beispiel Sandstein, in dem sich gut künstliche Höhlen bzw. Keller anlegen lassen, so wie das die Bierbrauer in Franken schon sehr früh getan haben, um dort ihr Bier einlagern zu können. In Erlangen findet man unter der Stadt ein ganzes Labyrinth aus Kellern und Höhlen mit einer Länge von 21 Kilometern und ähnliche unterirdische Anlagen gibt es auch in vielen anderen Orten.

Heute können wir Bier auch ohne Plattentektonik kühl lagern und frisch halten. Aber wäre unser Planet nicht so geologisch aktiv, hätte den frühen Bierbrauern ein wichtiges Element bei der Produktion gefehlt. Und wer würde schon ungekühltes Bier trinken wollen…

Die Bierempfehlung zum Artikel

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Ich könnte natürlich einfach irgendein Bier mit “Keller” im Namen empfehlen, davon gibt es ja einige. Oder ein “Kellerbier” (aber meiner Erfahrung nach gibt es nur wirklich wenig gute davon; zumindest in Deutschland – in Österreich wo die Sorte “Zwickl” heißt sind sie irgendwie besser). Aber wenn ihr die Möglichkeit habt, solltet ihr auf jeden Fall mal das “Fire Rock Pale Ale” der Kona Brewing Company aus Hawaii probieren! Ob die ihr Bier in Lavahöhlen lagern, bezweifle ich zwar. Aber es leuchtet ebenso so schön orange-bräunlich wie es die frische hawaiianische Lava tut. Und die vielen verschiedenen Hopfensorten machen es aromatisch und bitter gleichzeitg, was zumindest mir sehr gut geschmeckt hat. Trotz der exotischen Herkunft habe ich es schon in einigen gut sortierten Lokalen gesehen und man findet es auch in so gut wie jedem Online-Biershop.

Kommentare (4)

  1. #1 Folke Kelm
    27. August 2015

    Ganz wichtig für das Bier ist aber auch das Wasser. Grundwasser bzw Quellwasser (kein Mensch würde auf die Idee kommen Wasser zum Bierbrauen aus der Elbe zu schöpfen) ist in seiner Qualität und den darin gelösten Salzen sehr stark abhängig vom Grundwasserleiter, und damit sind wir wieder bei der Geologie und im weitesten Sinne der Plattentektonik. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob Wasser durch die Spalten eines Kalksteins, die Poren eines sandes oder Sandsteins oder durch Spalten vulkanischer Gesteine fliesst. Man schmeckt den Unterschied, man fühlt den Unterschied und manchmal sieht man ihn auch, ganz zu schweigen von instrumenteller Analytik.
    Meiner Meinung nach das beste Wasser mit gleichmässiger Qualität kommt aus sandigen Grundwasserleitern. Kalk macht, ja was wohl, hartes kalkhaltiges Wasser und vulkanische Gesteine mengen dem Wasser schon mal komische Sachen wie Fluor, Schwefelwasserstoff und merkwürdige Metalle wie Barium (ach nee, das kommt doch von den chemtrails) bei.
    Die Filterwirkung des Wassers konnte ich als Student bei Exkursionen im Lahntal zwischen Giessen und Marburg anschaulich sehen und demonstrieren. Da gibt es ein paar Kiesgruben in nicht weit von der Lahn, die durchaus nicht so sauber ist wie viele glauben wollen (bakteriologisch bedenklich). Aus der Grubenwand, in 20m Entfernung sickert also das Lahnwasser heraus, so dass Du ein Glas drunterhalten kannst. 20 m filtern alles raus was Du nicht trinken möchtest, das Wasser ist fantastisch gut.

  2. #2 myotis
    27. August 2015

    zu dem Thema kommt mir das https://de.wikipedia.org/wiki/Mayener_Grubenfeld in den Sinn Da ist alles beisammen Vulkanuismus Steinbruch seit der Steinzeit und dann Bierkeller!

  3. #3 Johann Hermann
    Straubing
    27. August 2015

    Würde mich sehr freuen, wenn SIE mir d Artikel über Bier, nochmal separat auf meine E.Mail senden würden. Gr J H a SR

  4. #4 Karl Mistelberger
    30. August 2015

    Eine geologische Laune lässt im an sich sehr weiten Regnitztal die Frankenalb in Form des Burgbergs bis an die Ufer des Flusses herantreten. Die Eisenbahn führt am Nordende der Stadt durch den ersten Tunnel Bayerns, erbaut neun Jahre nach Eröffnung der ersten Dampfeisenbahnstrecke Deutschlands zwischen Nürnberg und Fürth. Heuer im Juli wurde eine zweite Röhre durchschlagen.

    Die im weichen Gestein problemlos anzulegenden Keller im Burgberg führten dazu, dass Erlangen, ein kleines Nest mit 15.000 Einwohnern, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts drei mal so viel Bier exportierte wie die Landeshauptstadt München. Erst die Erfindung Lindes machte der Vormachtstellung ein Ende. Mit der Kältemaschine konnte nun überall problemlos Bier erzeugt werden.

    Die Keller gibt es immer noch: http://www.querbeet-freizeit.de/html/querkeller.html
    Sie sind auch noch im Betrieb, hauptsächlich für die Bergkirchweih, eines der größeren Feste in Bayern: http://www.der-berg-ruft.de

    Apropos Kellerbier: Ich bevorzuge das St. Georgen Bräu aus Buttenheim und könnte schwören, dass die Flaschen nur 0,33 l fassen, so schnell sind sie leer: http://www.georgenbraeu.de/produkte.html