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sb-wettbewerb
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Manche meinen, der – nunmehr Zwergplanet – Pluto wurde nach Walt Disneys Zeichentrickhund Pluto benannt. Dass dem nicht so ist, auch wenn der Gedanke, einen (damals noch) Planeten nach einer Trickfilmfigur zu benennen, recht nett sein mag, lässt sich leicht herausfinden, wenn man das Datum der Entdeckung Plutos (des Planeten) mit dem Datum der ersten Namensnennung Plutos (des Hundes) vergleicht.
Ab „The Moose Hunt“ von 1931 heißt der bislang namenlose Hund von Micky Mouse „Pluto“. (1)
Inwiefern wirklich die Entdeckung Plutos dafür maßgeblich war, lässt sich nicht hundertprozentig sagen, aber es spricht wenig dagegen. (2)

Venetia Burney Phair, die offiziell als Namensgeberin des Planenten Pluto gilt, äußert sich in einem BBC Interview auch dahingehend: “People were repeatedly saying: ‘Ah, she named it after Pluto the dog’. It has now been satisfactorily proven that the dog was named after the planet, rather than the other way round. So, one is vindicated.” (3)

Offiziell…

Aber, ob die offizielle Geschichte so ganz der Wahrheit entspricht, ist wohl auch stark zu bezweifeln.

Durch einen Zufallsfund auf einem Bücherflohmarkt im April 2011 entdeckte ich etwas, was die ganze Angelegenheit wohl doch nicht ganz so eindeutig macht.

Aber erst mal die „Offizielle Version“:

Nun, wie kam es dazu, dass ein damals elf Jahre altes britisches Schulmädchen einem neuentdeckten Planeten den Namen verleiht?
Die wirklich rührende Geschichte, die überall zu lesen ist und so auch offiziell in die Geschichte der Astronomie Eingang fand, ist schnell erzählt:

Am 18. Februar 1930 wurde von Clyde Tombaugh nach langer Suche ein neuer, bis dato unbekannter Planet entdeckt, indem er von dem Lowell-Observatorium angefertigte Photographien mittels Blinkkomperator verglich. Wichtig in dem Zusammenhang mit der späteren Namensgebung ist der Name des Gründers des Lowell-Observatorium, Percival Lowell (1855-1916) welcher selbst – leider vergeblich nach dem Planeten-X suchte, welcher sich jenseits der Neptunbahn aufhalten sollte.

Da weder „Transneptun“ noch „Planet-X“ brauchbare Kandidaten für den neuentdeckten Himmelskörper waren, wurde entsprechend nach einem passenden Namen gesucht.

Da es damals üblich war, dass der „Entdecker“ – in diesem Fall das Lowell Observatory – dem neuen Planeten einen Namen gibt, gingen bei der Sternwarte mehr als 1000 Vorschläge ein.
Cronus, Odin, Persephone, Erebos, Atlas, Prometheus – ein junges Paar wollte sogar, dass der Planet nach ihrem neugeborenem Kind benannt werde.(4)

Constance Lowell, die Witwe des Sternwartengründers, schlug als Namen Zeus, dann Percival (nach ihrem verstorbenen Mann) und letztendlich ihren eigenen Namen „Constance“ vor. (5)

Keiner dieser Vorschläge erschien den Verantwortlichen geeignet, denn üblicherweise wurden den Planeten die Namen römischer Gottheiten gegeben (wie auch aus „Herschel“ später Uranus wurde, und auch Neptun nicht „LeVerrier“ genannt wird, wobei auch das eine spannende Geschichte an sich ist, welche Irrungen und Wirrungen dem voran gingen).
Schließlich kristallisierten sich drei Namen heraus:
Minerva, Cronus und Pluto.
„Minerva“ war ungeeignet, weil es bereits einen so benannten 1867 entdeckten Asteroiden gab.
„Cronus“ fiel durch, weil der Vorschlag von Thomas Jefferson Jackson See kam, welcher zwar früher am Lowell Observatory arbeitete, aber durch seine arrogante Art in Ungnade gefallen und bereits 1898 entlassen worden war.
Übrig blieb „Pluto“!

Wer nun hatte die Idee zu diesem Namen?

Hier beginnt ein Rührstück, welches so wohl einzigartig ist – aber ob diese Geschichte so ganz der Wahrheit entspricht…

Eines Morgens, man schrieb den 14. März, saß die elfjährige Venetia Burney mit ihrem Großvater in dessen Haus in der Nähe von Oxford beim Frühstück. Dieser Großvater, Falconer Madan, las seiner Enkelin einen Artikel auf Seite 14 der Time über die Entdeckung des lange gesuchten Planeten jenseits der Neptunbahn vor – und, dass jener noch keinen Namen hatte.

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Kommentare (35)

  1. #1 Spritkopf
    20. September 2015

    Hier beginnt ein Rührstück, welches so wohl einzigartig ist – aber ob diese Geschichte so ganz der Wahrheit entspricht…

    Auf diese Geschichte von dem 11jährigen Mädchen als Namensgeberin des neuen Planeten passt wohl am besten das italienische Sprichwort: “Se non è vero, è ben trovato”.

  2. #2 HF
    20. September 2015

    Ein ganz verblüffender Fall von Kryptomnesie?
    Sogar ganze wissenschaftliche Entdeckungen geraten in Vergessenheit, zu erinnern wäre an den Fall der Gallager-Codes, die das Shannon-Limit erreichen und schon 1962 publiziert wurden.

  3. #3 emreee
    20. September 2015

    Ich möchte ein wenig sudern . Normalerweise behalte ich gewisse dinge für mich aber das regt mich schon auf .
    Ich persönlich will Spaß beim Lesen haben . Wenn ich schon im ersten Satz Schachtelsätze lesen muss , will ich nicht mehr weiterlesen Beim ersten mal war das Niveau viel höher . Ich habe dazu im allgemeinen einen sehr bösen verdacht . Ich bemerke, dass dieses mal mehr Teilnehmer eigene Blogs haben und die Art wie die Texte geschrieben worden sind, einfach dazu anregen sollen die jeweiligen Blogs anzuklicken und das missfällt mir sehr .

  4. #4 brian
    20. September 2015

    Nette Anekdote, schöner Beitrag. Kommt auf meine Liste.
    @emreee #3: Ich finde Deine Kritik überzogen. Der erste Satz besteht aus 13 Wörtern, zwei davon zwischen Gedankenstrichen. Wenn man Sätze zu kurz verfasst, werden sie oft missverständlicher oder inhaltsleer. Als Beispiel nehme ich Deinen letzten Satz, bestehend aus 32 Wörtern (!), zwei Kommas (eines davon nicht ganz richtig gesetzt, wenn ich nicht irre) und dennoch vier non sequiturs. Länger und durchdachter wäre besser gewesen. Und wenn Du dann alles nochmals gelesen hättest, hättest Du Dein Post vermutlich nicht abgeschickt.

  5. #5 Alderamin
    20. September 2015

    @Joachim

    Super Artikel, und wieder was gelernt!

  6. #6 Erzblume
    20. September 2015

    Ich finde das Ganze sehr interessant und gut geschrieben 🙂

    Mir fällt dazu lustigerweise eine Szene aus der Disney-Hercules-Serie ein, wo die Römer die griechischen Götter übernehmen und neu benennen. Zum Schluss sagt Hades ganz aufgebracht: “Pluto? Pluto??? So würde ich ja nicht mal meinen Hund nennen!”

  7. #7 Joachim
    Taunusstein
    20. September 2015

    @HF
    “Kryptomnesie” – ich wünschte, dieser Begriff wäre mir nur “entfallen” – zugegeben, er war mir neu 😉 In diesem Zusammenhang hochinteressant und wäre wohl eine gute Erklärung – ohne irgendwelche Verschwörungstheorien hinsichtlich zerstrittener astronomischer Kreise verschiedener Nationalitäten konstruieren zu müssen.

    @Spritkopf
    nettes Sprichwort

    @brian, @Alderamin, @Erzblume
    Dankeschön 🙂

  8. #8 Florian Freistetter
    20. September 2015

    @emreee: “Beim ersten mal war das Niveau viel höher . “

    Findest du? Mal ganz unabhängig von diesem Artikel finde ich die Qualität der Beiträge dieses Jahr eigentlich ziemlich gut…

  9. #9 Alderamin
    20. September 2015

    @Florian

    Sehe ich genau so. Erst zwei Artikel, wo ich sicher keinen Punkt geben würde. Muss mich am Ende echt zwingen, mich auf eine Auswahl zu beschränken.

  10. #10 rolak
    20. September 2015

    auf eine Auswahl zu beschränken

    Hier wirds die dreiteilige Grobauswahl (Uih^^, ok, bloßnich) geben, deren vorderstes Drittel Florian dann zugesandt bekommt. Falls das mal (diesmal sicher nicht) unbesetzt sein sollte, würde das mittlere Paket verschickt werden.

  11. #11 gaius
    20. September 2015

    Interessanter Artikel, sogar mit eigener Forschung! Hätte gerne noch weitergehen können …

  12. #12 AmbiValent
    20. September 2015

    Ich halte es für wahrscheinlich, dass man wusste, dass der Name “Pluto” bereits von mehreren Astronomen vorgeschlagen wurde, aber einen Streit vermeiden wollte, wen man als Namensgeber “adeln” sollte.

  13. #13 Joachim
    20. September 2015

    @ AmbiValent
    Auf diesen Gedanken bin ich noch gar nicht gekommen, Streitvermeidung – das wäre schön.
    Leider habe ich keine persönlichen Erfahrungen mit “der astronomischen Gesellschaft”, aber ich fürchte, es geht dort zu wie überall sonst auch. Ich denke dabei auch an das Zwergplanetdebakel. Da stehen wohl manchmal auch irrationale Interessen im Vordergrund…
    “The efforts of a very small clique of Pluto-haters within the International Astronomical Union (IAU) plutoed Pluto in 2006. Of the approximately 10,000 internationally registered members of the IAU in 2006, only 237 voted in favor of the resolution redefining Pluto as a “dwarf planet” while 157 voted against; the other 9,500 members were not present at the closing session of the IAU General Assembly in Prague at which the vote to demote Pluto was taken. Yet Pluto’s official planetary status was snatched away.”
    http://blogs.discovermagazine.com/crux/2015/02/25/pluto-ceres-planet-again/

  14. #14 Kyllyeti
    20. September 2015

    Für mich ist das ganz klar: Die die zerstrittenen Geologen haben das gedeichselt.

    Nachdem die Neptunisten 1846 himmlisch geadelt worden waren, wollten die späten Plutonisten dann endlich auch ihren Anteil an dem neuentdeckten Zeugs da oben bekommen.

  15. #15 Joachim
    20. September 2015

    @Kyllyeti
    🙂

  16. #16 Karl Mistelberger
    20. September 2015

    > Wer immer Pluto seinem Namen gab, Venetia Burney – offizielle Geschichtsschreibung hin und rührselige Geschichte her – war es ursprünglich wohl nicht. immer Pluto seinem Namen gab, Venetia Burney – offizielle Geschichtsschreibung hin und rührselige Geschichte her – war es ursprünglich wohl nicht.

    Die kleine Venetia ist mittlerweile 96 Jahre alt und ihre Geschichte ist glaubhaft trotz aller möglichen Gerüchte:

    Mrs Phair is keen to scotch one rumour that grew up in the years after Pluto’s discovery; namely that she had named the planet after Disney’s cartoon dog, which also debuted in 1930. People were repeatedly saying: ‘Ah, she named it after Pluto the dog’. It has now been satisfactorily proven that the dog was named after the planet, rather than the other way round. So, one is vindicated.”

  17. #17 BreitSide
    Beim Deich
    20. September 2015

    Ist jetzt Pluto nach dem ex-Planeten benannt?

  18. #18 Niemand von Bedeutung
    20. September 2015

    >Die kleine Venetia ist mittlerweile 96 Jahre alt

    Die kleine Venetia ist 2009 im Alter von 90 Jahren verstorben.

  19. #19 Dietmar
    20. September 2015

    Die kleine Venetia ist mittlerweile 96 Jahre alt und ihre Geschichte ist glaubhaft trotz aller möglichen Gerüchte:

    Nur ist das, was Du jetzt “aller möglichen Gerüchte” nennst, oben belegt. Das, was Du jetzt “glaubhafte Geschichte” nennst, ein unbelegtes Gerücht. Is´ irgendwie blöd jetzt …

  20. #20 Dampier
    20. September 2015

    Wow, spannend. Echte eigene Nachforschungen in alten Büchern, und ein wirklich überraschendes Ergebnis. Was will man mehr?

    Ich fand die Sätze auch etwas arg verschachtelt. Es wirkt ein wenig, als wolltest du den Text nicht zu lang geraten lassen, und hast dann zu vieles in Nebensätze gepackt. Da hättest du dir ruhig mehr Zeit nehmen können zum Erzählen.

    Dieser Großvater, welcher ehemaliger Chef-Bibliothekar der Bodleian Library in Oxford und auch zufälligerweise der Bruder von Henry George Madan, welcher, wie es der Zufall so will, der Namensgeber der beiden Marsmonde Daimos und Phobos war, war sofort hellauf von dieser Namensidee begeistert.

    Da fehlt ein “war” zwischen “war, ” und “war” 😉

    @emreee
    Aua. Wer so übel plenkt wie du (und nicht nur das), sollte sich vielleicht etwas zurückhalten, hier das Niveau zu kritisieren.

    Beim ersten mal war das Niveau viel höher

    Kann ich überhaupt nicht bestätigen.

  21. #21 Karl Mistelberger
    20. September 2015

    > #18 Niemand von Bedeutung, 20. September 2015
    > Die kleine Venetia ist 2009 im Alter von 90 Jahren verstorben.

    R.I.P.

  22. #22 gaius
    20. September 2015

    @Dampier: “Wer so übel plenkt wie du …”

    Plenken und Klempen – wieder was gelernt 🙂 (Solche Schriftbilder machen mich wahnsinnig!)

  23. #23 AmbiValent
    20. September 2015

    @Joachim
    Das Ergebnis (237 dafür, 157 dagegen) gehört nicht zur Resolution 5A mit der Definition von Planeten und Zwergplaneten, sondern zur Resolution 6A für Pluto-class objects (später kurz Plutoide genannt). Resolution 5A wurde mit so deutlicher Mehrheit bestätigt, dass gar nicht mehr gezählt wurde.

    Und das war nicht einfach eine Zufallsabstimmung, sondern basierte darauf, dass schon im Vorfeld nur zwei Planetendefinitionen erwogen wurden: Objekte im hydrostatischen Gleichgewicht oder Objekte, die ihren Orbit dominieren. Zuerst wurde die erste Definition favorisiert, bei der Pluto seinen Planetenstatus nicht verloren hätte. Es war geplant, auch Ceres, Eris und Charon als Planeten anzuerkennen (da Pluto und Charon einen Schwerpunkt zwischen den beiden Körpern umkreisen).

    Diese Definition verlor aber an Zuspruch, als klar wurde, dass es nicht bei diesen 12 (9+Ceres+Eris+Charon) Planeten bleiben würde, sondern noch viele weitere Kandidaten gab. Als für das hydrostatische Gleichgewicht eines Planeten nötige Mindestgröße waren 800 km im Gespräch; wenn man nach den Größen in der neuesten Version von Mike Brown’s Liste der Zwergplanetenkandidaten geht, gäbe es jetzt 20 Planeten.

  24. #24 dgbrt
    21. September 2015

    Sehr interessanter Artikel, auch wenn tatsächlich die Sätze manchmal etwas abenteuerlich formuliert sind.

    Im deutschsprachigen Raum muss der Begriff Pluto wohl schon vor der eigentlichen Entdeckung verwendet worden sein. Ob das aber über den großen Teich hinüber geschwappt ist möchte ich bezweifeln.

    Die Suche nach einem neunten oder sogar zehnten Planeten beruhte ja vor allem auf falschen Annahmen zu den Massen von Uranus und erst recht Neptun. Spätestens seit den Voyager-Missionen wissen wir, dass es keine abnormen Bahnstörungen gibt. Und genauere Messungen an Pluto führten auch schon vorher dazu, dass dieses Objekt immer kleiner wurde. Seit New Horizons wissen wir natürlich noch viel mehr.

    Wenn diese Fehleinschätzung der Massen von Uranus und Neptun nicht existiert hätte, dann wäre Pluto erst dieses Jahrtausend zusammen mit Sedna und Co. gefunden worden. Eine Diskussion über einen Status als Planeten hätte es niemals gegeben.

    Dass Pluto bereits 1930 entdeckt wurde ist purer Zufall. Also sollten wir dem kleinen Mädchen auch die Namensgebung gönnen. Die hatte die deutschen Bücher bestimmt nicht gelesen.

  25. #25 Joachim
    21. September 2015

    @Dampier
    Oh, nur ein “war” – ja, bei meinen Sätzen entfleucht schon mal eines 😉
    Dass sie, wie @dgbrt so treffend schreibt, “manchmal etwas abenteuerlich formuliert sind”, ist wohl auch dem geschuldet, dass ich eben zu lange, zu oft und zu viele Bücher aus der Zeit vor 1930 lese und irgendwie etwas von dem damals nicht unüblichen Stil hängengeblieben ist.
    Außerdem war das mein erster längerer Text seit Schulzeiten – die auch schon einige Zeit in der Vergangenheit liegen, bin etwas arg außer Übung 😉

  26. #26 Joachim
    21. September 2015

    @AmbiValent
    Danke für diese genauen Informationen – da gibt es ja in der Tat auch einige abweichende Versionen.

  27. #27 Joachim
    21. September 2015

    @dgbrt
    Ich vermute, nicht nur im deutschsprachigem Raum, sondern (wie bei dem erwähnten Astrologen im französischen) sondern auch mindestens im dänischen. Lau war Däne – leider hab ich das Kapitel Lau etwas stiefmütterlich behandelt, aber die Quellen sind dürftig.

    http://adsabs.harvard.edu//full/seri/AN…/0208//0000084.000.html
    Und auf der englischen Wikipedia:
    “He also published speculative orbits of two trans-Neptunian planets in 1900, which were never found.”

    Wenn er dort bereits “Pluto” erwähnen sollte (was ich nur vermuten kann, denn Valier beruft sich ja auf Lau und den zwei (sic!) Plutos), wäre das natürlich für meine “Forschungen” ein gewaltiger Fortschritt – nur wie gesagt – ich habe da noch keine weiteren Quellen ausfindig machen können.

    Man könnte anstatt von Unkenntnis auch von Ignoranz ausgehen – zB. um den Kontinentaleuropäern die “Neptunschlappe” heimzuzahlen und endlich was ordentliches im angloamerikanischen Raum vorzuweisen – aber dafür gibt es keine Belege und es kommt einer Verschwörungstheorie sehr nahe.

    Aber Großbritannien liegt nicht jenseits des großen Teiches – und inwiefern Nationalstolz damals (oder heute) eine Rolle bei so etwas spielt… Ausschließen möchte ich es nicht.

    Aber Du hast ganz recht – Plutos Entdeckung war ein Zufallsfund – denn schon kurze Zeit später war klar, dass es sich dabei nicht um den gesuchten Planeten-X oder Transneptun handeln konnte – sondern der winzige Fleck auf der Photoplatte nur zufällig in der Nähe des vermuteten Ortes jener war.

    Zum “Kleinen Mädchen” – abgesehen davon, dass sie das ja nicht lange war, Niedlichkeit und Rührigkeit einer Geschichte sollte kein Kriterium sein für Wissenschaft oder Wissenschaftsgeschichte.
    Stell Dir vor, all die Pseudowissenschaftler, Hohlwelttheoretiker, Kreationisten, Homöopathen etc. würden “kleine Mädchen” vorschicken – der Herzensbonus würde die abstrusen Theorien nicht wirklichkeitsnäher machen 😉

  28. #28 Ursula
    21. September 2015

    @ Joachim
    Finde den Artikel sehr gelungen. Kommt auch auf meine Liste! Ich mag solche G’schichtln!
    Mit Schachtelsätzen hab ich keine Probleme, was unter Umständen eventuell daran liegen könnte, dass ich bei dem Verfassen eigener Texte selbst dazu neige, weil ich möglichst gleich von vorhinein Missverständnisse, die sich ergeben könnten, vorbeugen möchte und am liebsten alles gleich jetzt in einen Satz packe. 😉

  29. #29 Karl Mistelberger
    21. September 2015

    > Aber selbst, wenn man von den astrologischen Quellen absieht, es sind genug astronomische Quellen und Belege vorhanden und es bleibt erstaunlich rätselhaft, wie der Name Pluto für genau jenen Transneptun trotzdem so komplett in Vergessenheit geraten und als Idee einer elfjährigen Britin wieder auftauchen und in den Vereinigten Staaten dann offiziell ans Tageslicht treten konnte.

    > #19 Dietmar, 20. September 2015
    > Nur ist das, was Du jetzt “aller möglichen Gerüchte” nennst, oben belegt. Das, was Du jetzt “glaubhafte Geschichte” nennst, ein unbelegtes Gerücht. Is´ irgendwie blöd jetzt …

    This article is about hypothetical planet(s). For known objects beyond Neptune, see Trans-Neptunian object.

    Spätestens nach dem Lesen genau dieses Artikels ist klar, dass es sich bei dem “Pluto”, den Max Valier in seinem Buch erwähnt und dem von Clyde Tombaugh gefundenen Objekt um zwei ganz verschiedene Dinge handelt. Der eine ist hypothetisch, der andere reell. Die beiden haben im rechten Licht betrachtet überhaupt nichts miteinander zu tun.

  30. #30 neurino
    21. September 2015

    Toller Artikel und sehr interessante Diskussionsbeiträge!

    Auch wenn wir die Wahrheit vielleicht niemals erfahren, fügt sich das ganze für mich zu einem recht plausiblen Gesamtbild zusammen.

    Pluto existierte zuerst als Idee:
    Man wollte jenseits des Neptun einen Planeten Pluto finden und hat so lange gesucht, bis man einen gefunden hat. (Der menschliche Geist schafft sich seine Wirklichkeit ein Stück weit selbst.)
    Und auch wenn seinem Status als Planet inzwischen ein “Ex-” hinzugefügt wurde, hält seine Faszination bis heute an.

    Die Idee (der Wunsch) eines neuen Planeten gab es schon lange vor seiner Entdeckung, auch einen Arbeitstitel “Pluto” gab es schon.

    Man kann davon ausgehen, dass die Wissenschafts-Gemeinde schon damals über ihre Fachartikel und Bücher sehr gut “vernetzt” gewesen ist (wenn auch nicht in Echtzeit wie heute). Außerdem galt das Deutsche zur damaligen Zeit als die führende Wissenschafts-Sprache (so wie vorher das Französische und später das Englische).

    Da das Lowell Observatory sich bereits seit langem an dieser Suche beteiligt hatte, sollte ihnen auch die Ideue des Namens Pluto nicht unbekannt gewesen sein.

    Wie geht man also damit um, wenn man endlich den neuen Planeten entdeckt hat und nun als offizieller Namensgeber auftreten darf? Den vorhandenen Namensvorschlag nehmen oder sich mit einem neuen Namen verewigen?
    In der “offiziellen Version” heißt es immerhin, dass man etwa den Namen „Cronus“ verworfen hätte, weil der Vorschlag von einem “in Ungnade” gefallenen ExKollegen stammte.
    Solche Überlegungen und Befindlichkeiten waren also durchaus nicht unüblich.

    Ich vermute, dass man sich schlißlich doch dazu durchgerungen hat, den (nur für einen kleinen Kreis von Spezialisten) vorhandenen Namen Pluto zu übernehmen, und man darum herum eine schöne Entstehungsgeschichte garniert hat, um sich damit schmücken zu können.

    Und die kleine Venetia? Sie war doch Zeit ihres Lebens der Meinung, die Namensgeberin zu sein?

    Denkbar, dass auch sie -die sich früh für Planeten interessierte- den Namen Pluto zuvor irgendwo aufgeschnappt und wieder vergessen hatte (etwas zwischen “Kryptomnesie” und Kindlicher Vergesslichkeit), und diesen nun dem Großvater vorschlug, der den Vorschlag dankbar aufgriff und (über einen Mittelsmann) an das Lowell Observatory weiterleitete, welches seinerseits diesen Vorschlag dankend aufgriff und nun endlich eine Passende Story hatte für den gewünschten Namen Pluto.
    Dann hätte Venetia die Wahl dieses Namens immerhin begünstigt.

  31. #31 Joachim
    22. September 2015

    @ Ursula
    Danke für das Lob – und besonders Danke für das Verständnis, daß manche Sätze, auch wenn sie nicht unbedingt einfach – oder kurz und knapp – formuliert sind, dennoch nicht unbedingt an Verständlichkeit verlieren, sondern durchaus ihre Inhalte angemessen und vollständig transportieren.
    😉

  32. #32 Joachim
    22. September 2015

    @neurino
    Deine Vermutungen warum es so kam wie es dann kam, finde ich – vor allem weil nicht irgendwie absurd oder verschwörungsschwurblerisch – sehr plausibel und sie könnten durchaus einer wohl nie mehr erfahrbaren Wahrheit sehr nahe kommen.

  33. #33 strompo
    welt unter bang
    22. September 2015

    Macht euch keine Sorgen wegen dem EX-Planeten Pluto,
    es gibt jetzt hunderte von neuentdeckten EXO-Planeten 🙂

  34. #34 neurino
    23. September 2015

    NACHTRAG
    #33 strompo, das ist richtig, astronomisch ist Pluto ein Planetoid unter vielen.

    Im Grunde lief es so:

    Erst kamen die Astrologen und Esoteriker.
    Die hatten die Idee oder Vision, dass hinter Neptun noch ein weiterer mystischer Planet Namens Pluto existieren sollte.

    Diese Idee “Hinter Neptun kommt Pluto” scheint in Geisteskultur der damaligen Zeit eingesickert zu sein.
    (Interessanter Weise -und völlig unabhängig von der Astronomie- nannten selbst die Geologen damals ihre beiden konkurrierenden Theorien: “Neptunismus” -die ältere, hatte etwas mit Wasser zu tun- und “Plutoniums” -die neuere-.
    Denn: “nach Neptun kommt Pluto”.)

    Dann kamen die Astronomen durch Messungen an Uranus und Neptun zu dem Ergebnis (was sich erst viel später als Fehlinterpretation herausstellen sollte), das es hinter Neptun tatsächlich einen weiteren Planeten geben müsse. Arbeitstitel Pluto.

    Und schließlich begannen die Sternwarten überall auf der Welt mit einer fieberhaften Suche nach dem – nun vermeintlichen wissenschaftlich vorausgesagten- Planeten Pluto.

    Nach dem sie den Himmel lange genug vergeblich gemäß Vorhersage abgesucht hatten, flog zufällig ein Gesteinsbrocken genau an prognostizierter Stelle vor die Linse.
    Dieser wurde zum neuen Planeten Pluto gekürt.

    In den Schulbüchern wurden bis vor kurzem neun Planeten gelehrt und auch die Planetarien hatten schöne anschauliche Planetenmodelle – mit neun Planeten.

    Das wurde erst in jüngster Zeit korrigiert.
    Der “arme Pluto” ist nun kein Planet mehr, und seine Namensgeberin jetzt wohl auch nicht mehr seine Namensgeberin.

  35. #35 Florian Freistetter
    23. September 2015

    @neurino: “Die hatten die Idee oder Vision, dass hinter Neptun noch ein weiterer mystischer Planet Namens Pluto existieren sollte. “

    Nein. Das waren keine Astrologen. Das war eine zur damaligen Zeit valide wissenschaftliche Hypothese. Siehe zB hier: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/10/11/nicht-jeder-planet-x-ist-gefahrlich/