Ich kann es nur empfehlen. Das Leben von Mayer wird ausführlich dargestellt und man bekommt einen guten Eindruck davon, wie es war, in einer Universitätsstadt des 18. Jahrhunderts zu leben und zu arbeiten. Die wissenschaftlichen Leistungen Mayers werden verständlich erklärt und auch ihre Bedeutung für die allgemeine Entwicklung der damaligen Forschungslandschaft wird deutlich. Das Buch liest sich trotzdem recht einfach und spannend; es ist immer allgemein verständlich und nie zu fachspezifisch kompliziert.

Ich war überrascht, als ich gesehen habe, dass Weißbecker sein Buch im Selbstverlag veröffentlicht hat. Rein formal hat man das dem Text nämlich nicht angemerkt. Bei selbstverlegten Büchern ist das ja leider meistens nicht so… Viele Autoren unterschätzen die Bedeutung eines vernünftigen Lektorats massiv! Und dabei geht es nicht nur darum, Rechtschreibung und Grammatik zu korrigieren. Ein guter Lektor hat einen objektiven Blick von außen, den man als Autor selbst nie auf sein Werk werfen kann. Ein Lektor kann einem Autor sagen, wann ein Thema im Buch vielleicht zu sehr ausgebreitet wird; wann ein Thema zu knapp behandelt wird und wo die Dinge unverständlich sind. Ein Lektor sieht, wann einzelne Abschnitte nicht zusammenpassen; hilft dabei einen roten Faden zu finden und so weiter. Und man merkt es Büchern durchaus an, wenn kein Lektorat stattgefunden hat!

Ich weiß nicht, ob Weißbecker für sein Buch die Dienste eines externen Lektors in Anspruch genommen hat oder selbst so viel Erfahrung hat um ohne Lektorat klar zu kommen. Auf jeden Fall ist es ein sehr lesenswertes Buch geworden. Weißbecker hat auch noch einen Roman geschrieben, in dem es um den Mond geht und Tobias Mayer als Figur auftaucht: “Die dunkle Seele des Mondes”. Im Gegensatz zum Sachbuch ist diese Mischung aus Fantasy und Historienroman aber nicht ganz so gut gelungen. Vielleicht liegt es daran, dass bei belletristischen Texten das Lektorat noch viel wichtiger ist als bei Sachbüchern… Die Geschichte an sich war zwar recht interessant, die Ausarbeitung aber ein wenig oberflächlich. Für meinen Geschmack war vieles zu klischeehaft und vorhersehbar.

Es ist schade, dass Weißbeckers Buch das einzige über Mayer zu sein scheint, das derzeit erhältlich ist (es gibt noch ein älteres, englischsprachiges Werk: “Tobias Mayer (1723-62): Pioneer of Enlightened Science in Germany” von Eric Forbes). Mayers Leben war faszinierend und relevant genug, um mehr Beachtung verdient zu haben.

Newton, der Tyrann

Über Isaac Newton dagegen gibt es nicht nur Bücher; über ihn und sein Leben wurden ganze Bibliotheken verfasst. Durchaus zu Recht, immerhin war er einer der wichtigsten Wissenschaftler aller Zeiten; wenn nicht sogar der wichtigste. In den klassischen Biografien konzentriert man sich meistens auf die üblichen Themen und die großen wissenschaftlichen Leistungen von Newton. Es ist aber auch lohnend, ein wenig auf Newtons Umfeld zu schauen. Denn wenn Newton ohne Zweifel ein großes Genie war und mit seinen Erkenntnissen die Welt nachhaltig verändert hat, war er als Mensch deutlich unangenehmer. Newton war keine umgängliche Person; ganz im Gegenteil. In seinem Bekanntenkreis gab es hauptsächlich Feinde und kaum Freunde und das lag hauptsächlich an Newton selbst, der schnell mit jedem in Streit geriet und an diesem Streit dann unerbittlich fest hielt.

Eine der vielen Konflikte in Newtons Leben wird im Buch “Newton’s Tyranny: The Suppressed Scientific Discoveries of Stephen Gray and John Flamsteed” von David Clark beschrieben. Das kurze Werk, das leider nicht auf deutsch erhältlich ist, ist höchst interessant und passt gut zum vorherigen Buch über Tobias Mayer. Denn es behandelt den Streit zwischen Isaac Newton und dem königlichen Astronom John Flamsteed. Auch da ging es um die Suche nach einer Theorie des Mondes. Newton wollte damit die zweite Ausgabe seines Werks über die Gravitation krönen und war auf Beobachtungsdaten von Flamsteed angewiesen. Er vermutete, dass er vom Astronom nur minderwertige Daten bekam, weil er mit der Theorie einfach nicht voran kam. Flamsteed dagegen wollte seine Daten nicht so einfach herausrücken; er wollte sie vernünftig und richtig ausgewertet nach seinen eigenen Vorstellungen publizieren. Der mächtige Newton aber ließ das nicht zu und fädelte äußerst komplexe Intrigen ein, um an die Beobachtungsdaten Flamsteeds zu kommen. Effektiv lief es darauf hinaus, das Newton die Daten einfach gestohlen hatte – was ihm aber nicht viel nutzte, denn das Problem an der Mondtheorie war die komplizierte Mathematik und die nicht Qualität der Daten. Newton schaffte es trotzdem nicht, eine gute Mondtheorie zu erstellen; Flamsteeds Lebenswerk dagegen war zerstört und erst nach seinem Tod konnte seine Witwe die Beobachtungsdaten so veröffentlichen, wie Flamsteed das sich immer vorgestellt hatte.

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Kommentare (8)

  1. #1 kdm
    28. September 2015

    “Die Kapitel werden mit Zitaten aus Vernes Werk eingeleitet und passend zu den Erkenntnissen der echten Geophysik ausgewählt. Auch im Text gibt es immer wieder Bezüge auf Verne. Aber nach dem ersten Drittel taucht Verne dann auf einmal gar nicht mehr auf. Gegen Ende des Buchs wird der Verne-Bezug dann aber wieder aufgenommen…”
    .
    ich finde diesen Ablauf sehr vernünftig und sinnvoll.

  2. #2 Florian Freistetter
    28. September 2015

    @kdm: Kennst du das Buch?

  3. #3 Rex-Lii
    28. September 2015

    Ich wollte mal fragen ob ich als Gastartikel die beiden Schattenspringer-Bücher vorstellen darf.
    Wie schonmal erwähnt handeln die Bücher über Autismus und in Kombination mit den Büchern kann ich ja auch etwas über Autismus erzählen.
    Geht das oder muss ich irgendwelchen Kriterien erfüllen oder so?

  4. #4 Florian Freistetter
    28. September 2015

    @Rex-Lii: “Geht das oder muss ich irgendwelchen Kriterien erfüllen oder so?”

    Du musst nur den Blogger-Ausweis der Vereinigung der Deutschen Blogger vorzeigen 😛

    Nein, solange du halbwegs lesbare Texte produzieren kannst und das Thema hier rein passt, freu ich mich immer über Gastbeiträge.

  5. #5 Rex-Lii
    28. September 2015

    @Florian

    Dann wäre wohl die Frage eher ob ein Beitrag über Bücher (Im Comic Stil) über Autismus zu deinem Blog passt.
    Sonst mache ich das nächstes Jahr beim Bloggschreibwettbewerb.

  6. #6 Florian Freistetter
    28. September 2015

    @Rex-Lii: Also da ich selbst immer über alle möglichen Bücher schreibe, würde das schon passen. Wenn du dir das für den Bewerb 2016 aufheben willst, ist das aber auch ok.

  7. #7 -karlos-
    28. September 2015

    Keppler ist ja nun schon länger als 70 Jahre “im Himmel”.
    Und da wollen die Geld für eBooks?
    Deutsch:
    http://www.mobileread.com/forums/showthread.php?t=205271

  8. #8 Florian Freistetter
    29. September 2015

    @karlos: “Keppler ist ja nun schon länger als 70 Jahre “im Himmel”.”

    Naja, da zählt auch der Übersetzer…