All das wird in Clarks Buch wunderbar und packend und bis ins letzte intrigante Detail erklärt. Man erfährt aber auch vom Schicksal des Stephen Gray. Er war Handwerker und Amateur-Wissenschaftler ohne formale Ausbildung aber trotzdem sehr begabt. Und er war ein Freund von Flamsteed, was ihm zum Verhängnis wurde. Denn in der damaligen Zeit kam man als Wissenschaftler nicht um Newton herum. Der Präsident der Royal Society bestimmte, was in den wissenschaftlichen Journalen der Gesellschaft publiziert wurde und was nicht. Und die Arbeit des Freundes seines Erzfeindes Flamsteed wurde nicht veröffentlicht. Dabei war die Arbeit von Gray durchaus wichtig. Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts führte er Experimente mit Elektrizität durch und war der erste, dem es gelang, mittels elektrischer Signale über große Distanzen zu kommunizieren. Er war auch der erste, der Stoffe in elektrische Leiter und Nichtleiter einteilte. Viele der grundlegenden Erkenntnisse von Gray musste Jahre und Jahrzehnte später von anderen Wissenschaftlern erneut “entdeckt” werden, da Gray sie wegen Newtons Einfluss nicht publizieren konnte und niemand davon wusste. Er nach Newtons Tod gelanten Grays Arbeiten an die Öffentlichkeit und der Pionier der Elektrizität erhielt ein wenig von der Ehre und Anerkennung, die ihm eigentlich schon viel früher zugestanden hätte…

Eine Reise in das Innere der Erde

Ich hab mich in letzter Zeit viel mit Geophysik und dem Aufbau der Erde beschäftigt (zum Beispiel hier oder hier) und daher auch das kürzlich erschienene Buch “Journey to the Centre of the Earth: The Remarkable Voyage of Scientific Discovery into the Heart of Our World” von David Whitehouse gelesen. Es ist ein gutes Buch. Aber es ist definitiv nicht so gut, wie es sein hätte können!

whitehouse

Das Thema an sich ist ja eigentlich durchaus faszinierend und es gibt genug spannende Geschichten die man über das Innere der Erde erzählen kann. Es sollte also auch nicht allzu schwer sein, ein packendes Buch darüber zu schreiben. Vor allem, wenn der Autor ein Wissenschaftler ist, der schon einige andere Bücher geschrieben hat, so wie Whitehouse. Und im Prinzip ist das Buch ja auch gut. Es enthält jede Menge spannende Geschichten. Man erfährt vom Leben vieler Geophysiker und Geophysikerinnen von denen die meisten wahrscheinlich noch nie etwas gehört haben. Man liest von Orten, an denen Bohrungen, Experimente und Entdeckungen gemacht worden sind. Und vor allem erfährt man Dinge, die man – sofern man kein Experte ist – anderswo vermutlich noch nicht erfahren hat. Zum Beispiel dem Mantel der Erde. Die meisten werden zwar wissen, dass unter der Erdkruste ein Erdmantel und erst darunter der Erdkern liegt. Aber wer kennt schon Details zur Struktur und dem Aufbau des Erdmantels, der immerhin die hauptsächliche Masse unseres Planeten ausmachen? Dabei gibt es da viel zu wissen! Allein die Geschichte über die Bruchstücke alter Kontinente, die langsam durch den Mantel sinken und dabei nicht immer zerstört werden sondern vielleicht wieder auftauchen und erneut ihren Platz im Gestein der Erdoberfläche einnehmen. Und die Suche der Geologen nach diesen ältesten Gesteinen! Oder die schwierigen Bohrungen die überall auf der Welt durchgeführt worden sind, um möglichst tief in das Innere der Erde vorzudringen.

Das Buch Whitehouse ist voll mit solchen tollen Geschichten und ich bin froh, dass ich sie gelesen habe. Aber das, was ich weiter oben über das Lektorat gesagt habe, gilt auch hier. Obwohl das Buch nicht im Selbstverlag erschienen ist, könnte man fast den Eindruck bekommen, es wäre so. Denn wenn es da überhaupt ein Lektorat gegeben hat, muss es extrem mies gewesen sein! Die Struktur des Buches ist höchst konfus; es fehlt ein roter Faden. Anfangs sieht es zum Beispiel so aus, als wollte Whitehouse seine Geschichte anhand des berühmten Buchs “Reise zum Mittelpunkt der Erde” von Jules Verne erzählen. Die Kapitel werden mit Zitaten aus Vernes Werk eingeleitet und passend zu den Erkenntnissen der echten Geophysik ausgewählt. Auch im Text gibt es immer wieder Bezüge auf Verne. Aber nach dem ersten Drittel taucht Verne dann auf einmal gar nicht mehr auf. Gegen Ende des Buchs wird der Verne-Bezug dann aber wieder aufgenommen…

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Kommentare (8)

  1. #1 kdm
    28. September 2015

    “Die Kapitel werden mit Zitaten aus Vernes Werk eingeleitet und passend zu den Erkenntnissen der echten Geophysik ausgewählt. Auch im Text gibt es immer wieder Bezüge auf Verne. Aber nach dem ersten Drittel taucht Verne dann auf einmal gar nicht mehr auf. Gegen Ende des Buchs wird der Verne-Bezug dann aber wieder aufgenommen…”
    .
    ich finde diesen Ablauf sehr vernünftig und sinnvoll.

  2. #2 Florian Freistetter
    28. September 2015

    @kdm: Kennst du das Buch?

  3. #3 Rex-Lii
    28. September 2015

    Ich wollte mal fragen ob ich als Gastartikel die beiden Schattenspringer-Bücher vorstellen darf.
    Wie schonmal erwähnt handeln die Bücher über Autismus und in Kombination mit den Büchern kann ich ja auch etwas über Autismus erzählen.
    Geht das oder muss ich irgendwelchen Kriterien erfüllen oder so?

  4. #4 Florian Freistetter
    28. September 2015

    @Rex-Lii: “Geht das oder muss ich irgendwelchen Kriterien erfüllen oder so?”

    Du musst nur den Blogger-Ausweis der Vereinigung der Deutschen Blogger vorzeigen 😛

    Nein, solange du halbwegs lesbare Texte produzieren kannst und das Thema hier rein passt, freu ich mich immer über Gastbeiträge.

  5. #5 Rex-Lii
    28. September 2015

    @Florian

    Dann wäre wohl die Frage eher ob ein Beitrag über Bücher (Im Comic Stil) über Autismus zu deinem Blog passt.
    Sonst mache ich das nächstes Jahr beim Bloggschreibwettbewerb.

  6. #6 Florian Freistetter
    28. September 2015

    @Rex-Lii: Also da ich selbst immer über alle möglichen Bücher schreibe, würde das schon passen. Wenn du dir das für den Bewerb 2016 aufheben willst, ist das aber auch ok.

  7. #7 -karlos-
    28. September 2015

    Keppler ist ja nun schon länger als 70 Jahre “im Himmel”.
    Und da wollen die Geld für eBooks?
    Deutsch:
    http://www.mobileread.com/forums/showthread.php?t=205271

  8. #8 Florian Freistetter
    29. September 2015

    @karlos: “Keppler ist ja nun schon länger als 70 Jahre “im Himmel”.”

    Naja, da zählt auch der Übersetzer…