Vor 1859 war die Astronomie in einer schwierigen Situation. Man konnte zwar mit den immer besseren Teleskopen immer mehr Sterne beobachten. Aber man hatte mehr oder weniger keine Ahnung, was diese Dinger eigentlich waren. Man wusste nicht, woraus die Sterne zusammengesetzt waren; kannte ihr Alter nicht; wusste nicht wie sie entstehen und vergehen beziehungsweise ob sie überhaupt entstehen und vergehen. All das, was wir heute in der modernen Astronomie längst voraussetzen war damals nicht nur nicht bekannt sondern man hatte auch nicht die geringste Ahnung, wie man es jemals herausfinden sollte. Man wusste nicht, dass es andere Galaxien gibt; hatte keine Idee wie das Universum entstanden sein konnte; verstand seine Entwicklung nicht, und so weiter. Die Astronomie der damaligen Zeit bestand im Wesentlichen daraus, möglichst umfassende und genaue Kataloge mit Sternpositionen anzulegen. Mehr war nicht möglich. Erst die Entdeckung der Technik der Spektroskopie durch Bunsen und Kirchhoff im Jahr 1859 änderte das. Auf einmal hatte man einen Weg, das Licht der Sterne auf eine völlig neue Art und Weise zu betrachten und tatsächlich herausfinden zu können, woraus diese unvorstellbar weit entfernten Objekte bestehen. Man fand heraus, wie man ihr Alter bestimmen konnte und die Geschwindigkeit, mit der sie sich bewegen. Man entdeckte, dass es andere Galaxien gibt; dass das Universum sich ausdehnt und vieles mehr. Ohne Spektroskopie gäbe es die moderne Astronomie nicht!

Spektren von Sternen und ihre Spektrallinien (Bild: New International Encyclopaedia, Public Domain)

Spektren von Sternen und ihre Spektrallinien (Bild: New International Encyclopaedia, Public Domain)

Über die Spektroskopie könnte und sollte man viel länger und ausführlicher berichten (und wenn ich irgendwann mal wieder nicht so gestresst bin wie ich es in den letzten Wochen war und in den kommenden Wochen immer noch sein werde, werde ich das tun!). Bis dahin gibt es dieses kurze und nette Video der Max-Planck-Gesellschaft zum Thema:

(via Amphibol)

Kommentare (5)

  1. #1 René
    21. November 2015

    Ich mag solche Grundlagenartikel sehr. Gerne auch viel auführlicher, wenn Du Zeit hast! :o)

  2. #2 BrgrBr
    Müllermilchstraße
    21. November 2015

    Gut erkannt.

    Warum stellen führende Wissenschaftler eigentlich nicht die Frage, wie es sein kann, dass die Sonne das komplette Farbspektrum (weißes Licht) abstrahlen kann, wenn nur Wasserstoffkerne verbrannt werden: http://goo.gl/e0wAh0

  3. #3 PDP10
    22. November 2015

    @BrgrBr:

    “Warum stellen führende Wissenschaftler eigentlich nicht die Frage, wie es sein kann, dass die Sonne das komplette Farbspektrum (weißes Licht) abstrahlen kann, wenn nur Wasserstoffkerne verbrannt werden:”

    1. Bitte beachten Sie folgendes:

    Das Sie zu dumm sind etwas zu verstehen, heisst nicht, dass es falsch ist.
    Es bedeutet nur, dass Sie zu dumm sind.

    2. Bitte verschonen Sie uns mit Links auf Spinner-Seiten.

  4. #4 AmbiValent
    22. November 2015

    *seufz*
    Man sagt zwar manchmal, Wasserstoff würde verbrannt, die stattfindende Fusion ist aber etwas anderes. Bei der Fusion von Wasserstoff zu Helium tief im Innern der Sonne wird Energie frei. Diese Energie wird aber von der Materie der Sonne immer wieder absorbiert und ausgestrahlt (als Wärmestrahlung mit komplettem Spektrum), bis sie die Sonnenoberfläche erreicht hat und die Strahlung ins Weltall entkommt.

    Emissionsstrahlung ist nicht dasselbe wie Wärmestrahlung. Bei Emissionsstrahlung fallen einfach Elektronen in Atomen oder Molekülen von höheren auf niedrigere Energieniveaus, während die Wärmestrahlung durch die schnelle Bewegung der Atome selbst (bzw das Abbremsen davon) verursacht wird.

    Wie man oben sieht, finden sich auch im Sonnenspektrum Linien, allerdings sind das Absorptionslinien. Das Licht mit dieser Frequenz passte genau, um Elektronen auf höhere Niveaus zu heben, und wurde dabei absorbiert. Daher kann man sehen, woraus zumindest die Sonnenoberfläche besteht.

  5. #5 JaJoHa
    22. November 2015

    @BrgrBr
    Weil die Frage nach der Energieverteilung über das Spektrum bei gegebener Temperatur bereits beantwortet ist.
    Das hat zwar einige Zeit gebraucht, aber “heute” (seit über 100 Jahren) kann man das Schwarzkörperspektrum korrekt beschreiben.