Anlässlich der Entdeckung eines großen Asteroiden der derzeit weiter von der Sonne entfernt ist als alle anderen bekannten Himmelskörper des Sonnensystems haben mir viele Leute die Frage gestellt, ob es vielleicht irgendwo auch noch andere, größere Objekte geben kann. Die heutige Ausgabe von “Fragen zur Astronomie” möchte ich daher für eine Antwort nutzen. Also: Kann es noch unentdeckte Planeten im Sonnensystem geben?.

Die Entdeckung neuer Planeten im Sonnensystem ist ein recht seltenes Ereignis. Der erste, der einen neuen Planeten fand war Wilhelm Herschel im Jahr 1781. Da fand er den Uranus und demonstrierte, dass da tatsächlich noch etwas zu entdecken ist und die klassischen Planeten der Antike – Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter und Saturn – nicht alles sind.

Die Beobachtung des Uranus warf einige neue Fragen auf; seine Bewegung lief nicht ganz so ab wie man es erwartet hatte. Es sah eher so aus, als wäre da noch ein weiterer Himmelskörper, der seine Bahn stören würde. Man suchte also weiter und fand 1846 den Planeten Neptun. 1930 folgte dann die Entdeckung von Pluto, der damals noch fälschlicherweise als Planet klassifiziert wurde.

Neptun! Zuerst vermutet, dann entdeckt! (Bild: NASA/JPL)

Neptun! Zuerst vermutet, dann entdeckt! (Bild: NASA/JPL)

Die Entdeckung des Pluto markiert einerseits das Ende der Planetenfunde im Sonnensystem. Seitdem wurde kein neuer Planet mehr beobachtet. Andererseits war Pluto der erste große Asteroid des Kuipergürtels den man gefunden hat. Seitdem und vor allem seit den 1990er Jahren hat man in diesem Asteroidengürtel außerhalb der Bahn Neptuns immer wieder weitere neue große Asteroiden beobachtet. Aber nichts, was man berechtigterweise “Planet” nennen könnte.

Natürlich gibt es jede Menge pseudowissenschaftliche Spinner, die behaupten dass da irgendwo noch Himmelskörper wie “Nibiru” oder “Planet X” herumfliegen, die demnächst mit der Erde kollidieren und uns alle umbringen werden. Diese Geschichten existieren schon seit Jahrzehnten und sie sind immer Unsinn! Wer mehr darüber wissen will, findet hier und hier mehr Informationen. Es ist allerdings Unsinn, der einige Elemente echter und seriöser Astronomie enthält. Der Begriff “Planet X” beispielsweise wird auch in der Astronomie verwendet und steht genau für die potentiell vorhandenen noch unentdeckten Himmelskörper im äußeren Sonnensystem die uns hier interessieren.

Bevor ich erkläre, wie es damit nun wirklich aussieht, muss man sich eine Sache deutlich klar machen: Planeten können sich nicht einfach irgendwie durch das Sonnensystem bewegen! Sie folgen Bahnen, die von der Gravitationskraft der Sonne festgelegt werden. Diese Bahnen können außerdem noch von den kleineren Gravitationskräften der anderen Planeten leicht verändert werden. Aber es gibt Naturgesetze, an die sich auch die Planeten halten müssen. Planeten können nicht einfach aus dem Nichts auftauchen.

Die Gravitationskraft ist es auch, die uns schon längst dabei geholfen hätte, einen “gefährlichen” Planet X zu finden. Ein Planet muss gar nicht unbedingt sichtbar sein, damit man seine Anwesenheit bemerkt. Bei der Entdeckung von Neptun war das ja auch so: Der ist so weit von der Sonne entfernt, das er mit freiem Auge und kleinen Teleskopen nicht zu sehen ist. Aber man hat schon fast 100 Jahre vor seiner tatsächlichen Entdeckung damit gerechnet, dass es ihn geben muss. Denn man hat ja den Uranus gesehen. Mit den bekannten Gesetzen der Gravitation konnte man berechnen, wie sich Uranus unter dem Einfluss der Gravitationskraft der Sonne und der bekannten Planeten bewegen muss. Und wenn die bekannten Planeten wirklich auch schon alle Planeten ausmachen, die vorhanden sind, dann müsste die vorherberechnete Bahn des Uranus mit der beobachteten Bahn übereinstimmen. Das war aber nicht der Fall!

Es gab Abweichungen und die waren ein deutlicher Hinweis, dass man eben nicht alle Einflüsse berücksichtigt hat. Es musste noch etwas – einen Planeten! – geben, der Uranus störte und dessen Einfluss in den Rechnungen nicht berücksichtigt worden ist. Und so war es ja auch: Dieser Planet war Neptun!

Mittlerweile haben wir viel bessere Teleskope als damals und können die Bewegung der Himmelskörper auch viel genauer berechnen. Die bekannten Planeten bewegen sich alle im Prinzip exakt so wie sie es tun müssen; es gibt keine Hinweise darauf, dass wir irgendwas übersehen haben. Wenn da also irgendwo tatsächlich noch ein unbekannter Planet im Sonnensystem vorhanden ist, muss er sehr weit entfernt sein. Wie weit er weg sein muss, kann man leicht berechnen. Dazu muss man sich nur überlegen, wie groß die gravitativen Störungen so eines Himmelskörpers auf die Bahnen der bekannten Planeten wären und dann die Distanz bestimmen, in der diese Störungen so klein sind, dass sie innerhalb der aktuell möglichen Messgenauigkeit nicht auffallen würde.

Das hat man gemacht und dabei festgestellt: Ein Planet mit der Masse der Erde müsste mindestens 750 Astronomische Einheiten (AE) weit weg sein. Er muss also 750 Mal weiter von der Sonne entfernt sein, als unser Planet. Der kürzlich entdeckte große Asteroid – das derzeit am weitesten entfernte bekannte Objekt im Sonnensystem – ist knapp 86 Astronomische Einheiten weit weg. Jeder erdgroße Planet der näher an der Sonne wäre als diese 750 AE würde die Bahnen der bekannten Planeten so stark stören, dass wir das schon längst gemerkt hätten.

Je größer der Planet, desto stärker die Störungen und desto weiter muss er weg sein, um noch unentdeckt geblieben zu sein. Ein Planet der so schwer ist wie Jupiter muss beispielsweise 13.500 AE von der Seite entfernt sein. Und zwar immer! Hätte er eine Bahn, auf der er der Sonne auch nur zeitweise näher kommen würde, könnte er nicht unentdeckt bleiben!

Oortsche Wolke Größenvergleich zum Rest des Sonnensystems. Ebenfalls eingezeichnet ist die Bahn des Asteroiden Sedna (Bild: NASA, public domain)

Oortsche Wolke Größenvergleich zum Rest des Sonnensystems. Ebenfalls eingezeichnet ist die Bahn des Asteroiden Sedna (Bild: NASA, public domain)

Heißt das nun also, dass es keine weiteren Planeten mehr zu entdecken gibt? Nicht unbedingt. Das Sonnensystem ist groß! Sein weit entferntes Ende bildet die Oortsche Wolke; eine Region in der sich unzählige Kometen und andere kleine Himmelskörper befinden. Dass die Oortsche Wolke existiert wissen wir aus theoretischen Überlegungen und der Tatsache, dass wir immer wieder ein paar der Kometen beobachten können, die von dort bis ins innere Sonnensystem gelangen. Die Oortsche Wolke entstand in der Frühzeit des Sonnensystems als bei den chaotischen Vorgängen während der Bildung der Planeten jede Menge kleinere und größere Felsbrocken weit hinaus ins All geschleudert worden sind. Manche haben das Sonnensystem komplett verlassen; andere haben weit draußen die Oortsche Wolke gebildet.

Und es ist durchaus möglich, dass auch Planeten dort hin geschleudert worden sind! Wir wissen, dass bei der Bildung von Planetensystemen immer viel mehr Planeten entstehen, als am Ende auch tatsächlich Platz haben. Es kam zu Kollisionen, zum Beispiel die, bei der der Mond entstand; viele Planeten wurden in den interstellaren Raum geworfen – und einige könnten auch in der Oortschen Wolke gelandet sein.

Es ist sogar ziemlich wahrscheinlich, dass sich dort draußen noch der eine oder andere größere Planet befindet. Die Oortsche Wolke erstreckt sich bis in eine Entfernung von knapp 100.000 AE; da ist also noch viel Platz! Und wir haben derzeit kaum eine Chance, solche Planeten zu beobachten. Sie sind viel zu weit weg, um direkt gesehen zu werden – selbst die besten Teleskope würden es nicht schaffen, so weit entfernte Planeten zu sehen (so weit von der Sonne entfernt sind sie extrem dunkel und kalt). Und dank der großen Entfernung üben sie auch keine für uns messbaren Einflüsse auf die Bahnen der bekannten Planeten aus.

Es gibt zwar ein paar sehr vage Hinweise, dass manche der wenigen bekannten Asteroiden am Rande des Sonnensystems Umlaufbahnen aufweisen, die eventuell von einem noch unbekannten Planeten gestört wurden (siehe zum Beispiel hier oder hier). Aber das sind derzeit nicht mehr als Spekulationen und es wird noch lange dauern bevor wir genug Daten haben um mehr zu wissen.

Die Antwort auf die Frage “Gibt es noch unentdeckte Planeten im Sonnensystem?” lautet also: Ja, solche Planeten gibt es höchstwahrscheinlich – aber wir haben keinerlei Chance, sie auch tatsächlich zu entdecken.

Mehr Antworten findet ihr auf der Übersichtsseite zu den Fragen, wo ihr selbst auch Fragen stellen könnt.

Kommentare (30)

  1. #1 Orley
    23. November 2015

    “Mit den bekannten Gesetzen der Gravitation konnte man berechnen, wie sich Uranus unter dem Einfluss der Gravitationskraft der Sonne und der bekannten Planeten bewegen muss. Und wenn die bekannten Planeten wirklich auch schon alle Planeten ausmachen, die vorhanden sind, dann müsste die vorherberechnete Bahn des Uranus mit der beobachteten Bahn übereinstimmen. Das war aber nicht der Fall!”

    Es würde mich sehr interessieren und freuen, wenn du mich kurz erklären oder auf einen bekannten Artikel hinweisen könntest, wie man diese Bahn genau berechnet, dass es eine Abweichung vorliegt und einen weiteren Planeten in Betracht gezogen war.

  2. #2 Thomas N.
    23. November 2015

    Ich kann mich erinnern, dass du einmal darüber geschrieben hattest, dass auch beim Merkur die mit den Gravitationsgesetzen berechnete Bahn nicht mit der beobachteten übereinstimmt. Du hattest bemerkt, dass diese Abweichung in diesem Fall nicht auf die Existenz eines unbekannten Planeten, sondern auf die Verwendung eines unzureichenden Modells zu erklären war: berücksichtigt man die Relativitätstheorie, stimmt es wieder. Das fand ich bemerkenswert.

  3. #3 cassandra
    23. November 2015

    Bei einer Entfernung von 1000 AE kommt man auf Umlaufzeiten von ca 30000 a – selbst bei einer stark elliptischen Bahn, die so ein Objekt irgendwann mal näher (beobachtbar) zu uns führt, kann es sein, dass dieses Objekt derzeit zu weit entfernt ist um es beobachten zu können. In 20000 Jahren vielleicht?

    Noch eine “andere Frage” – müssen alle Planeten in einer Ebene sein oder kann uU einer komplett aus der Ekliptik rausfallen (also nicht nur wenige Grad sondern 70-90 Grad?)

    muss man nur in der Ekliptik suchen oder in der ganzen Kugelschale?

  4. #4 Florian Freistetter
    23. November 2015

    @Orley: “Es würde mich sehr interessieren und freuen, wenn du mich kurz erklären oder auf einen bekannten Artikel hinweisen könntest, wie man diese Bahn genau berechnet, dass es eine Abweichung vorliegt und einen weiteren Planeten in Betracht gezogen war.”

    Die Frage versteh ich nicht ganz. Willst du die Newtonschen Gravitationsgleichungen vorgerechnet sehen? Das ist SEHR technisch und mathematisch und auch sehr langwierig. Man berechnet halt, wo sich ein Planet befinden sollte und vergleicht das mit der tatsächlichen Position. Wenn es stimmt, dann passt alles – wenn nciht, dann hat man was übersehen…

  5. #5 Florian Freistetter
    23. November 2015

    @cassandra: “muss man nur in der Ekliptik suchen oder in der ganzen Kugelschale?”

    In der Oortschen Wolke kann die Inklination auch größer sein; die Dinger dort sind ja auf chaotischem Weg dorthin gelangt. Aber rein von der Entstehung her sollten die Himmelskörper alle annähernd in der gleichen Ebene sein.

  6. #6 Crazee
    23. November 2015

    Weihnachten muss auf dem Weg sein… Ich habe eben wirklich “nicht mehr als Spekulatius” gelesen.

    Danke für den Artikel.

  7. #7 phunc
    23. November 2015

    Fragerunde :)

    1. Die Bahn von Sedna (und vermutlich vielen anderen Objekten) wirkt für den Laien so als wäre nicht die Sonne der Ursache für den Bahnverlauf sondern “etwas anderes” im Zentrum von Sednas Umlaufbahn. Dass Sedna allerdings die Sonne umkreist und nicht irgendein massenreiches, noch nicht entdecktes Objekt ist vermutlich nachweisbar. Wieso ist eine solche Umlaufbahn aber überhaupt möglich? Warum befindet sich die Sonne nicht im Zentrum bzw warum bewegt sich Sedna nicht so im Raum wie alle anderen Planeten auch? Vermutlich einfach Zufall? Oder warum ist diese sehr elliptische Bahn überhaupt stabil? Ist das eventuell abhängig vom Abstand zur Sonne? Je weiter weg desto elliptischer oder sowas?

    2. Sofern es noch Planeten geben sollte in der Oortschen Wolke, umkreisen die dann überhaupt unsere Sonne? Ist denn die Gravitationskraft überhaupt ausreichend stark so weit draußen um eine solche Bahn zu ermöglichen?

    3. Wäre es möglich dass es innerhalb der Oortschen Wolke noch andere, recht massenreiche Objekte gibt, die quasi als gravitatives Zentrum für andere Objekte dienen? Und somit andere Planeten/Objekte gar nicht um die Sonne kreisen? Ich meine die Oortsche Wolke ist ja schon riesig – könnte es nicht eine “unsichtbare Sonne” oder sonstwelche schweren Objekte geben, die da irgendwo rumdümpeln und ihr eigenes System besitzen, ohne Einfluss auf das unsere auszuüben?

    4. Angenommen es gäbe noch ein Objekt mit der Masse der Sonne am anderen Ende der Oortschen Wolke – würde sich das überhaupt bemerkbar machen? Wäre ja sowas ähnliches wie ein Doppelsternsystem (nur das einer leuchtet und der andere nicht)? Dieses zweite gravitative Zentrum war ja dann schon immer da und das Gesamtsystem ist dann in dem Fall auch stabil. Wie könnte man sowas überhaupt nachweisen, wenn es so gut wie keine Störungen gibt? Bzw wenn so ein zweiter “Stern” existiert und er dafür sorgt dass unsere Beobachtungen deswegen so ausfallen wie sie ausfallen weil er existiert, wie können wir dann wissen dass er nicht existiert?

  8. #8 Steppl
    23. November 2015

    @Florian:
    Ich vermute Orley hat interessiert, wie Le Verrier die Bahn oder zumindest die Position des Neptun gefunden hat. Die Feststellungen der Abweichungen von Uranus ist das eine, aber wie bekommt man daraus die Bahndaten für einen bisher unbekannten Planeten? Man kann ja kaum so lange hypothetische Planeten durchrechnen, bis man mal einen gefunden hat, der die beobachteten Störungen hervorruft. Gerade Methode wird momentan doch auch bei Exoplanetensystemen versucht.

  9. #9 Alderamin
    23. November 2015

    @phunc

    1. Die Bahn von Sedna (und vermutlich vielen anderen Objekten) wirkt für den Laien so als wäre nicht die Sonne der Ursache für den Bahnverlauf sondern “etwas anderes” im Zentrum von Sednas Umlaufbahn.

    1. keplersches Gesetz: Planeten kreisen auf Ellipsenbahnen, in deren einem Brennpunkt die Sonne steht.

    Die Brennpunkte der Ellipse liegen unter Umständen (bei großer “Exzentrizität”) weit weg vom Mittelpunkt, wo sie nur bei einer nahezu kreisförmigen Bahn liegen.

    2. Sofern es noch Planeten geben sollte in der Oortschen Wolke, umkreisen die dann überhaupt unsere Sonne?

    Natürlich, sonst würden sie ja keine Wolke um das Sonnensystem bilden. Jenseits 100000 AU wird dann allmählich die Kraft naher vorbeitreibender Sterne so stark, dass die Objekte dort nicht verweilen können.

    3. Wäre es möglich dass es innerhalb der Oortschen Wolke noch andere, recht massenreiche Objekte gibt, die quasi als gravitatives Zentrum für andere Objekte dienen?

    Es wäre denkbar, dass ein Planet dort von ein paar Monden umkreist würde, aber ein Objekt, dass die ganze Oortsche Wolke beeinflusst, würde auch die Sonne beeinflussen, das müssten wir eigentlich bemerken. Der Infratrotsatellit WISE hat aber die Existenz von Braunen Zwergen oder lichtschwachen Sternen in der Oortschen Wolke schon ausgeschlossen.

    4. Angenommen es gäbe noch ein Objekt mit der Masse der Sonne am anderen Ende der Oortschen Wolke – würde sich das überhaupt bemerkbar machen?

    Ja, das wäre dann der hellste Stern am Himmel. Ein Stern von Sonnenmasse hat auch die Leuchtkraft der Sonne (Alpha Centauri ist schon recht hell und mit der Sonne vergleichbar, aber 270000 AU entfernt, ein Objekt im Kuiper-Gürtel wäre also mindestens dreimal näher und damit 9mal heller [mal abgesehen davon, das Alpha-Centauri aus zwei sonnenähnlichen Sternen besteht]). Wenn’s ein Sternenrest wäre (weißer Zwerg) wäre der immer noch auffällig in Teleskopen und nicht zu übersehen. Schwarze Löcher von Sonnenmasse gibt es wiederum nicht.

    Dieses zweite gravitative Zentrum war ja dann schon immer da und das Gesamtsystem ist dann in dem Fall auch stabil.

    Das Objekt müsste mit der Sonne um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreisen, das wäre also keinesfalls ein statischer Zustand. Andere, weit entfernte Objekte würden dann ebenfalls um diesen gemeinsamen Schwerpunkt kreisen.

  10. #10 Artur57
    23. November 2015

    Wobei die Massenermittlung der Planeten im Sonnensystem in den letzten Jahren nochmal entscheidend verbessert wurde. Hier. Was sich, schätze ich, in den nächsten Jahren nochmals verbessern wird. Die Chance für unentdeckte Objekte im Sonnensytem wird immer kleiner. Und ich denke auch mal, dass es früh bemerkt würde, wenn sich ein Schwarzes Loch der Erde nähert.

    Wobei ich das Verfahren anfangs nicht verstanden habe, die drücken sich etwas kompliziert aus. Also es ist so: man berechnet aufgrund bisher bekannter Methoden das Baryzentrum des Sonnensystems, also den Schwerpunkt. Liegt dieser fest, dann ist damit auch die Momentangeschwindigkeit der Erde festgelegt. Denn diese ändert sich ständig mit der Bewegung des Baryzentrums.

    Hat man nun dabei einen Fehler gemacht, dann merkt man das daran, dass die Signale von Pulsaren nicht entsprechend der angenommenen Momentangeschwindigkeit pulsieren. Denn dabei gibt es einen Dopplereffekt, der zur Momentangeschwindigkeit passen muss.

    Ich hoffe, dass es so verständlich ist.

  11. #11 Trauerflor
    23. November 2015

    @FF: selbst die besten Teleskope würden es nicht schaffen, so weit entfernte Planeten zu sehen (so weit von der Sonne entfernt sind sie extrem dunkel und kalt)

    Ist bei der Aussage “zu Kalt” auch die Zerfallswärme durch radioaktive Elemente berücksichtigt? Bei der Erde wird ja die gesamte Plattentektonik von dieser Zerfallswärme angetrieben. Bei einem ähnlich großen Gesteinsplaneten in der Oortschen Wolke müsste das ja auch der Fall sein. So ein Planet X mit aktiver Plattentektonik (von Vulkanismus ganz zu schweigen) müsste ja auch Infrarotstrahlung abstrahlen. Wäre diese Infrarotstrahlung detektierbar?

  12. #12 noonscoomo
    Berlin
    23. November 2015

    Man erkennt doch Planeten, die um andere Sterne kreisen daran, dass sich die Helligkeit der Sterne ändert. Könnte man grössere Objekte der Oort’schen Wolke nicht auch dadurch erkennen, dass man viele Sterne beobachtet, die genau in der Sichtachse liegen und die dann von den Objekten etwas verdunkelt (weil verdeckt) werden? Mit einem hinreichend guten Teleskop müsste man doch fast beliebig viele Sterne beobachten können, die genau in der Sichtachse liegen und dann “sehen”, wie sich ein solches Objekt vor dem Hintergrund bewegt. Selbst die Hintergrundstrahlung müsste doch von solchen Objekten messbar abgeschirmt werden, oder nicht?

  13. #13 Florian Freistetter
    23. November 2015

    @noonscoomo: ” Mit einem hinreichend guten Teleskop müsste man doch fast beliebig viele Sterne beobachten können”

    Ja – aber das “hinreichend” ist teuer… Und außerdem hat man dann nur EIN Ereignis beobachtet und keine periodischen Helligkeitsänderungen wie bei den normalen Planeten anderer Sterne. Das Prinzip stimmt schon, nur die Umsetzung ist sehr schwierig.

  14. #14 René
    23. November 2015

    Ich habe zwar jetzt nicht viel Thematisches beizutragen, würde aber gerne mal Blumen in die Runde werfen – in puncto Astronomiethemen insbesondere an Dich, Alderamin! Deine Beteiligung hier halte ich für eine riesige Bereicherung im Zusammenspiel mit Florians Arbeit. Ich hoffe, er schätzt das auch so sehr. Natürlich möchte ich auch allen anderen danken, die hier eine gelungene Konversation erst möglich machen und viel Interessantes und Lehrreiches liefern.

    Vielen Dank Florian, Alderamin und Euch allen, die Ihr aus diesem Blog das macht, was er ist!

  15. #15 Alderamin
    23. November 2015

    @noonscoomo

    Im Prinzip ginge das, aber nicht gezielt, man würde auf zufällige Bedeckungen einiger Sterne hoffen müssen und damit die Dichte der Oortschen Wolke schätzen können, aber nach großen Einzelobjekten suchen könnte man so nicht. Dafür wäre die Chance einfach zu klein, dass diese einen Stern bedecken, der hell genug ist, gerade wenn man hinschaut.

    Weitere Probleme sind:
    – die Helligkeit der Hintergrundsterne; die Verfinsterung ist nur kurz (wenige Sekunden), aber je schwächer die Helligkeit der Sterne, desto länger muss man belichten. Kepler ist theoretisch in der Lage, solche Verfinsterungen zu messen, aber seine Belichtungszeit wäre schon so lang, dass der gesamte Transit darin stattfände.
    – Die Absicherung gegen Fehldetektionen. Kepler beobachtet jeden Planetentransit dreimal, bevor ein Planet zum Kandidaten erhoben wird. Bei einem Oort-Objekt-Transit hätte man nur eine einzelne Gelegenheit pro Objekt und könnte auch auf Sensor-Fehler oder irgendwelche Störungen beim Auslesen oder Übertragen der Bilder hereinfallen. Idealerweise würde man dazu gleich mehrere Teleskope in relativer Nähe einsetzen, die dann alle dieselbe Verfinsterung mit kleinem Zeitunterschied messen würden. Nur so hätte man auch eine Idee der Größe des Objekts.

    Es gab einen Vorschlag für ein günstiges Weltraumteleskop, das die Lichtkurven solcher Events messen sollte (mit 5 Messungen pro Sekunde, auch aus den Lichtkurven könnte man erschließen, ob es sich um die richtige Art von Transit handelt). Kam aber offenbar nicht zustande.

  16. #16 Alderamin
    23. November 2015

    @René

    Danke 😀

  17. #17 Earonn
    23. November 2015

    Das finde ich so toll an Astronomie (oder an Wissenschaft generell): als Kind bin ich noch mit Pluto als Planeten aufgewachsen, und seitdem ändert sich so vieles – und das Ganze wird immer noch faszinierender. :)

    Danke für die Erklärungen, Florian.

  18. #18 Florian Freistetter
    23. November 2015

    @René: ” Ich hoffe, er schätzt das auch so sehr.”

    Tut er.

  19. #19 AmbiValent
    23. November 2015

    @Florian
    Ich habe gerade nochmal den Link zu deinem alten Artikel mit dem Link zu den Mindestabständen eines möglichen Planeten verfolgt. Du verlinkst momentan auf einen Artikel von 2009, wo auch zu Iorio verlinkt wird, allerdings sind die Werte da noch kleiner (für zB Erdmasse 175 AU). Du wolltest wahrscheinlich auf den Artikel von 2014 über seine neuen Werte verlinken.

  20. #20 AmbiValent
    23. November 2015

    Ich weiß nicht so recht, wie ich mir diesen Sprung bei den Werten erklären kann. Kann es sein, dass Iorio die Genauigkeit der heutigen Messungen auch auf vergangene Werte angewendet hat statt nur auf die neuesten? Dann wäre die Aussage aber nicht “es hätte auffallen müssen”, sondern “wenn man weiterhin mit dieser Genauigkeit misst, würde es auffallen”.

  21. #21 Thomas
    23. November 2015

    Ich kann mir kaum vorstellen, dass es einen größeren Planeten im äußeren Sonnensystem geben kann.
    Er muss ja immerhin noch gravitativ an die Sonne gebunden sein. Das fällt mir schon schwer zu glauben, wenn ich bei der Oortschen Wolke nur an kleine Körper denke.
    Muss man sich mal vorstellen, dass wenn die Erde ein Fußball wäre, die Sonne dann die Krche im Nachbardorf und die Felsen der Oortschen Wolke Staubteilchen auf dem Mond wären.
    Ein veritabler Planet müsste dann wohl fast “stehen”, um nicht durch die Fliehkraft wegzutreiben.
    Und wachsen kann dort ein Planet ja auch kaum, bei den gigantischen Räumen sind Kollisionen/Verdichtungen ja
    erst recht unwahrscheinlich.

  22. #22 AmbiValent
    23. November 2015

    @Thomas
    Der Planet würde sich ganz normal aus der Staubscheibe um einen entstehenden Stern bilden, aber dann vermutlich durch eine nahe Begegnung mit einem der Gasriesen auf einen exzentrischen Orbit befördert werden. Wenn dann noch ein anderer Stern in relativer Nähe ist, kann er den Planeten zwar nicht der Sonne entreißen, aber er kann durch seine Gravitation verhindern, dass der Planet wieder in Sonnennähe zu den Gasriesen zurückkommt. (Erdgroße Körper dürften unter diesen “Planeten” wohl nur eine kleine Minderheit sein)

  23. #23 Flori
    24. November 2015

    @Thomas: Die Masse eines eventuellen Planeten in der Oortschen Wolke hat keinen Einfluss auf dessen Bahngeschwindigkeit. Diese hängt nur vom Orbit um die Sonne ab.

  24. #24 walter
    24. November 2015

    Ich habe eine eventuell verrückte Frage: wäre es möglich, sich anhand der bekannten Objekte im Koipergürtel oder noch weiter draußen, die nicht mehr im Einflussbereich der inneren Planeten oder Sonne liegen, jedoch von weit draußen herumfliegenden Objekten beeinflusst werden, rechnerisch “weiter zu hangeln”? Ich stelle mir das so wie einen durch den Dschungel sich an Lianen schwingenden Tarzan vor. So quasi, dieser Asteroid oder Zwergplanet verhält sich so und müsste eigentlich anders rumfliegen. (Ähnlich der Berechnungen wie sie zur Entdeckung von Neptun geführt hat)

    Wie gesagt, eine etwas verrückte Idee.

  25. #25 Alderamin
    24. November 2015

    @walter

    Nur massive Objekte können die Bahn von Asteroiden oder anderen Planeten verändern. Da jenseits des Kuiper-Gürtels bisher keine Planeten entdeckt wurden, gibt es deren sicherlich nicht genug, um sich an den Bahnen irgendwelcher Objekte nach außen hangeln zu können (die Kuiper-Gürtel-Objekte selbst sind jedenfalls nicht massiv genug, andere Objekte gravitativ zu beeinflussen). Die seltsame Bahn von Sedna kann zwar mit gleich zwei größeren Planeten in einer gewissen Entfernung von der Sonne erklärt werden, aber nur generell die Form und Ausrichtung der Bahn, nicht jedoch, wo diese Planeten sich jetzt gerade aufhalten sollen, und es ist auch nicht die einzig mögliche Erklärung.

  26. #26 Promethia
    Zeta Reticuli :P
    24. November 2015

    Ein interessanter Artikel. Ich habe vorher schon gelesen, dass die Existenz eines weiteren Planeten in unserem Sonnensystem vermutet wird. Dennoch finde ich es ein bisschen sinnlos nach diesem angenommenen Planeten zu suchen. Ich denke nicht, dass er zu irgendwas nützlich sein könnte.

  27. #27 Alderamin
    24. November 2015

    @Promethia

    Ich denke nicht, dass er zu irgendwas nützlich sein könnte.

    Ich denke schon. Er könnte uns etwas über die Entstehung des Sonnensystems verraten und helfen, entsprechende Modelle zu verbessern. Wie es auch bei Eris oder Sedna der Fall ist.

    Was heißt schon “nützlich”? Was nützt uns Pluto? Oder Merkur?

  28. #28 Promethia
    24. November 2015

    @Alderamin

    Und was genau haben diese Planeten/TNOs über die Entstehung des Sonnensystems verraten? Im Endeffekt kann man nie genau wissen, was passiert ist. Auch die bisherigen Modelle sind lediglich Annahmen.
    Ich meinte mit “nützlich” nur, dass die Planeten so weit weg sind, dass sie für uns nicht mehr von Relevanz sind. Zu Merkur und Pluto kann man eine Raumsonde schicken. Bei Sedna wird das ein bisschen schwieriger. Im Grunde genommen können da draußen noch ein Dutzend Planeten existieren, die wohl zu unserem Sonnensystem gehören, aber keinerlei Effekt auf die inneren Planeten ausüben. (Außer Kometen aus der OC.)

  29. #29 knorke
    24. November 2015

    @Promethia
    Ich verstehe deinen Standpunkt irgendwie nicht. Irgendeine lausige “Supererde” in 120 Lichtjahren Entfernung ist ja demnach auch unnütz. Dann kann man das Erforschen auch gleich einstellen.

  30. #30 rambaldi
    21. Januar 2016

    Mal so aus Laiensicht, wie paßt da der “Planet9” rein, der wäre ja näher als die oben angegebene Entfernung?

    Im Artikel steht ja
    “Ein Planet mit der Masse der Erde müsste mindestens 750 Astronomische Einheiten (AE) weit weg sein.”

    http://iopscience.iop.org/article/10.3847/0004-6256/151/2/22/meta