Der Nikolaus hat neue Bilder von Pluto gebracht! Und zwar in einer fantastischen Auflösung. Seit dem nahen Vorbeiflug der Raumsonde New Horizons im Sommer werden kontinuierlich Daten zur Erde geschickt und es gibt immer wieder neue Bilder. Die aktuellen zeigen die Oberfläche des Himmelskörpers in der bisher höchsten Auflösung von bis 77 Metern pro Pixel. Und sie sind großartig!

Hier zum Beispiel sieht man die (noch nicht offiziell benannten) al-Idrisi Berge:

Die Region auf dem Bild ist etwa 80 Kilometer breit und sieht aus wie die zugefrorene Küste eines Ozeans. Es sind aber nicht Berge und Wasser, die man hier sieht. Alles auf dem Bild besteht aus Eis. Die gebirgige “Küste” besteht aus übereinander geschobenen Wassereisbergen, die bis zu 2,4 Kilometer hoch sind. Das “Meer” ist die Sputnik-Ebene, die hauptsächlich aus weicherem stickstoff-haltigem Eis besteht.

Ebenso beeindruckend sind diese Bilder von Kratern auf Plutos Oberfläche (fast so beeindruckend wie die Tatsache, dass die NASA anscheinend immer noch nicht akzeptiert hat, dass die Welt außerhalb der USA und vor allem die Welt der Wissenschaft SI-Einheiten verwendet):

Besonders interessant an diesen Kratern ist die geschichtete Struktur, die in ihrem Inneren zu sehen ist. Schichten deuten immer darauf hin, dass sich im Laufe der Zeit irgendwelche geologischen Veränderungen ergeben haben, aber ob das hier auf globale Vorgänge in der Vergangenheit von Pluto hindeutet oder nur lokale Ereignisse im Rahmen der Kraterbildung zeigt, ist momentan noch nicht klar.

Das nächste Bild zeigt große Canyons und ein zerklüfftetes Terrain. Die große Klippen im oberen Bereich des Bildes sind fast 2 Kilometer hoch! Es ist Teil eines Schluchtensystems, dass sich hunderte Kilometer über ganz Pluto erstreckt.

Und es ist schön zu sehen, dass irgendwo im Sonnensystem jede Menge Eis und Schnee zu finden ist, wenn schon der Dezember hier in Europa so gar nicht winterlich ist (aber Skifahren ist sowieso schon viel zu lange viel zu teuer geworden…)

Dieses Video zeigt alles noch einmal im großen geografischen Zusammenhang:

Ich bin schon gespannt, was wir in den nächsten Monaten und Jahren noch an beeindruckenden Bildern von Pluto zu sehen bekommen. Es gibt noch so viel über diesen Himmelskörper herauszufinden…

Kommentare (22)

  1. #1 Spritkopf
    6. Dezember 2015

    (fast so beeindruckend wie die Tatsache, dass die NASA anscheinend immer noch nicht akzeptiert hat, dass die Welt außerhalb der USA und vor allem die Welt der Wissenschaft SI-Einheiten verwendet)

    Ganz davon abgesehen, dass man mindestens mit dem im Video eingeblendeten Maßstab ziemlich geschludert hat. Der Bildausschnitt wandert von Plutos Horizont langsam in Richtung eines senkrecht auf Plutos Oberfläche stehenden Kamerablickwinkels, d. h., der Maßstab müsste immer größer werden. Tut er aber nicht.

  2. #2 DasKleineTeilchen
    terra
    6. Dezember 2015

    *das* hier ist der oberknaller, das zusammengesetzte panorama der detailaufnahmen; 80×800 km:

    http://pluto.jhuapl.edu/Multimedia/Science-Photos/pics/Very-best-view-of-Pluto-%28mosaic%29.jpg

    un-fcking-believable!

  3. #3 Chemiker
    6. Dezember 2015

    Ich gebe es zu: Als ich gehört habe, daß die NASA zum Pluto fliegen will, habe ich mir gedacht: Das wird die teuerste Mission ever, um einen Eiswürfel zu photographieren.

    Ich hätte mich nicht schlimmer irren können.

  4. #4 SkeptikSkeptiker
    6. Dezember 2015

    DasKleineTeilchen “…zusammengesetzte panorama…”

    Fußspuren um unteren Ende des obersten Drittels! Eindeutig!

    Nein, im Ernst, els die ersten verwaschenen Bilder kamen, dachte ich, da hat doch nicht einer auf die Linse gepatscht, aber später, und jetzt: Wahnsinn!

    Oder es stammt doch alles wieder aus einem Hollywood-Studio…..;-)

  5. #5 Tina_HH
    6. Dezember 2015

    Fantastische Bilder. Von über 4 Mrd. km entfernt gesendet. Muss man sich einfach nochmal klarmachen.

  6. #6 Stefan
    7. Dezember 2015

    Die NASA ist, denk ich, nicht der Welt verpflichtet, sondern den US-amerikanischen Steuerzahler. Und der Kongress verpflichtet auch die NASA regelmäßig, der US-Öffentlichkeit, die Erkenntnisse zur Verfügung zu stellen (was die NASA aber selbst auch machen würde). Jetzt kann man sich zwar noch über die Verwendung nicht-metrischer Systeme in den USA lustig machen, dass aber die USA eben diese verwendet, um Wissenschaft eben dieser US-Öffentlichkeit nahe zu bringen, braucht einen nun wirklich nicht verwundern. Wir sollten uns über die Erkenntnisse freuen – und so schwer ist die Umrechnung auch wieder nicht, das schafft auch der Durchschnittseuropäer.

  7. #7 Moss
    7. Dezember 2015

    6 miles ≈ 10 km

  8. #8 Darth Ewok
    7. Dezember 2015

    Wir machen uns immer über die USA und die Meilen lustig. Dabei kaufen wir Smartphones und Fernseher immer noch nach Zoll. Im Badezimmer und bei Reifen ist auch noch alles in Zoll angegeben. Autos werden noch immer nach PS gekauft. Alte Gewohnheiten sterben nun mal nicht aus, egal ob diesseits oder jenseits des grossen Teichs.

  9. #9 Darth Ewok
    7. Dezember 2015

    Aber zum eigentlichen Thema: die Bilder sind SUPERCOOL!

  10. #10 Artur57
    7. Dezember 2015

    Was mich immer wieder wundert: wie hell diese Bilder sind. Pluto ist im Schnitt 40 Astronomische Einheiten von der Sonne entfernt und bekommt somit nur 1/1600 der Einstrahlung, verglichen mit der Erde. Eigentlich hatte ich ja echt gruftige Fotos erwartet, bin also diesbezüglich positiv überrascht.

    Das wurde sicher durch lange Belichtungszeiten erreicht. Was man tatsächlich sähe, wenn man im Raumschiff säße, wäre ja auch mal interessant. Gibt es da etwas?

  11. #11 nur Consuela
    7. Dezember 2015

    @ Artur57:

    Gibt es. Die NASA hatte da eine coole Idee und sagt dir die Uhrzeit, zu der es bei dir zuhause so hell ist wie auf Pluto zu Mittag.

    http://solarsystem.nasa.gov/plutotime

  12. #12 Florian Freistetter
    7. Dezember 2015

    @Stefan: “Die NASA ist, denk ich, nicht der Welt verpflichtet, sondern den US-amerikanischen Steuerzahler. “

    Die NASA arbeitet aber auch nicht isoliert, sondern ist mit ihren Missionen Teil der wissenschaftlichen Community. Und auch bei New Horizons waren sehr viel mehr Länder beteiligt als nur die USA. Und es sind vor allem sehr viel mehr Länder an den Ergebnissen interessiert als die USA. Mich ärgert ja nur, dass man dieses Dinge SO LEICHT lösen könnte, in dem man halt einfach beide Werte angibt. Das ist kein Aufwand – aber die NASA tut es trotzdem regelmäßig nicht. Also muss man sich da anscheinend explizit dazu entschlossen haben, den Rest der Welt zu ignorieren. Was einer internationalen und wissenschaftlichen Organisation unwürdig ist.

  13. #13 klauszwingenberger
    7. Dezember 2015

    @ Artur57:

    Auf dem luto ist es tatsächlich ziemlich finster, aber in der Bildbearbeitung kann man’s richten. Die Rohbilder sehen sicher anders aus. Ganz anders.

  14. #14 Tina_HH
    7. Dezember 2015

    So dunkel ist es dort gar nicht. Wenn man sich zu der Uhrzeit umsieht, bei der die gleiche Helligkeit herrscht, wie auf Pluto zur Mittagszeit, finde ich es sogar überraschend hell. Ich hatte mir das vor einiger Zeit mal angesehen.

    Man könnte z.B. einen Text ganz normal lesen. Unser Auge kann sich ziemlich gut an die Dämmerung anpassen. Selbst wenn bei uns die Sonne komplett untergegangen ist, können auch Vollmondnächte noch reichlich hell erscheinen.

  15. #15 bikerdet
    7. Dezember 2015

    Vom aktuellen Stand des Pluto kann ich es nicht sagen, aber vom Neptun aus, ist die Sonne noch 300x heller als der Vollmond bei uns. So dunkel scheint es dort nicht zu sein ….

  16. #16 klauszwingenberger
    7. Dezember 2015

    Die Bilder hier suggerieren aber etwas anderes: es sieht aus, als wäre es quasi “taghell”, und das ist es dort eben nicht. 300 mal so hell wie der Mond: das wären etwa 5 Größenklassen. Zwischen Vollmond und Sonne auf der Erde liegen etwa zwölf, und jeder Schritt zur nächsten entspricht einem Faktor von etwas mehr als 2,5.
    Diese Bilder – genauso wie die von dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko – sind aggressiv hochbearbeitet. Nicht nur in Gradation, Tonwerten und Kontrast, sondern auch in der Farbsättigung. So rot, wie Teile von Pluto auf einigen Bildern aussehen, sind sie in natura definitiv nicht.

  17. #17 nur Consuela
    7. Dezember 2015

    @ klauszwingenberger:

    Selbstverständlich wurden die Fotos von Pluto bearbeitet, ab wann aber das Attribut „agressiv“ zutrifft, ist aber Geschmackssache. New Horizons ist ja kein Menschensimulator, der mit den in vielerlei Hinsicht unzulänglichen menschlichen Sinnen operieren muss, sondern „sieht“ in „interessanten“ Wellenlängen (zB Infrarot).

    Die NASA veröffentlicht aber immer wieder Bilder, die der menschlichen Sicht angepasst sind – aber auch die sind selbstverständlich bearbeitet, aus Sicht der jeweiligen Sonde vielleicht sogar „agressiv“. 😉

    Ansonsten nochmal: Sooo dunkel ist es auf Pluto nicht, siehe
    http://solarsystem.nasa.gov/plutotime

  18. #18 klauszwingenberger
    7. Dezember 2015

    @ nur Consuela:

    “Aggressiv” habe ich auch nicht negativ konnotieren wollen. Mir fällt nur kein treffenderes Attribut ein – auch wenn ich meine eigenen Rohbilder mit den fertigen Endergebnissen vergleiche und mir den Prozess dazwischen betrachte. Aus keiner Perspektive und aus keiner Entfernung würde ein menschliches Auge z.B. eine Andromedagalaxie so wahrnehmen, wie es ein gelungenes Astrofoto desselben Objektes ansieht.

  19. #19 Florian Freistetter
    7. Dezember 2015

    @klauszwingenberger: “Diese Bilder – genauso wie die von dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko – sind aggressiv hochbearbeitet.”

    Ja, weils um Wissenschaft geht und man Dinge sehen will – und keine naturgetreuen Abbildungen schaffen…

  20. #20 nur Consuela
    7. Dezember 2015

    @ klauszwingenberger:

    Da hast du natürlich Recht. Aber wie du ja selbst sagst: Das menschliche Auge ist hoffnungslos überfordert, wenn es zum Beispiel um Wahrnehmung bei Dunkelheit geht – deshalb hat eine solche Darstellung aus wissenschaftlicher Sicht keinen besonderen Wert.

    Wenn du dich selbst mit Fotografie beschäftigst hast du dir ja sicher auch schon die philosophisch wichtige Frage gestellt: Wie sieht das Motiv (welches auch immer) nun in Wirklichkeit aus? Die Antwort ist immer dieselbe: Kommt drauf an.

  21. #21 nk
    7. Dezember 2015

    @klauszwingenberger

    Drastisch. Oder um in Kontext zu bleiben: Exorbitant :)

  22. #22 Alderamin
    7. Dezember 2015

    @klauszwingenberger

    Die ersten 4 Bilder hier geben die natürliche Farbe von Pluto ungefähr wieder.

    Die Andromedagalaxie taugt hier als Vergleich nicht wirklich, denn die ist größtenteils unter der Wahrnehmungsschwelle des menschlichen Auges (bis auf den Kernbereich, und der ist wiederum für die farbsichtigen Zäpfchenzellen noch zu dunkel).

    Wer schon einmal zur Pluto-Hour (Consuelas Link) nach draußen geschaut hat, der wird zwar eine im wesentlichen vom blauen Himmelslicht etwas kühl beleuchtete, aber durchaus noch farbige Landschaft sehen, wie in einem beleuchteten Zimmer:

    Even on Pluto the sunlight would still be bright enough to almost match the average living room

    Nur wäre das Sonnenlicht bei Pluto weniger blau als der Himmel zur Pluto-Hour und weniger rötlich als Glühlampenlicht.

    Wenn Du schon einmal eine totale Sonnenfinsternis erlebt hast, dann weißt Du ja, dass das Licht erst Sekunden vor der vollständigen Bedeckung richtig herunter dimmt. Das menschliche Auge passt sich der Helligkeit sehr gut an. Konnte ich gestern wieder feststellen, als ich auf einem Weihnachtsmarkt Fotos von beleuchteter Schrift machte. Nur wenn das Handy im “HDR”-Modus aufnahm (also “aggressive Bildbearbeitung” betrieb) war die Schrift auf dem Bild zu lesen, die mit dem Auge ganz einfach zu lesen war. Und die Landschaft drum herum wirkte mit bloßem Auge viel heller als die auf dem Foto. Auch unser Gesichtssinn macht Bildverarbeitung, und nicht zu knapp. 😉