Wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen aufeinander treffen, dann streitet man sich gerne mal darüber, welche Wissenschaft denn nun die “beste” ist. Und wenn diese Streitigkeiten meistens nicht sehr ernst gemeint sind, sind sie doch interessant. Kann man denn überhaupt feststellen, ob eine Wissenschaft “besser” ist als die andere?

Wieso steht in dieser Naturwissenschaftscollage eigentlich die Chemie im Mittelpunkt ?! (Bild: Wikipedia, CC-BY 2.0

Wieso steht in dieser Naturwissenschaftscollage eigentlich die Chemie im Mittelpunkt ?! (Bild: Wikipedia, CC-BY 2.0

Wer das versucht, argumentiert dann meistens mit dem Tätigkeitsfeld der jeweiligen Forschungsrichtung. Physik sei dann zum Beispiel “besser” als die Biologie, weil die Forschungsobjekte der Biologie aus den Forschungsobjekten der Physik bestehen. Oder Chemie sei “besser” als Biologie, weil biologische Vorgänge immer auch chemischen Reaktionen beruhen. Und so weiter. Und am Ende kommt dann meistens die Mathematik und erklärt, dass ohne sie sowieso überhaupt keine Wissenschaft möglich ist und sie deswegen die beste und wichtigste von allen ist.

So wie auch in diesem schönen Video, in dem sich Physik, Chemie, Biologie und Mathematik musikalisch ob ihrer Wichtigkeit “bekämpfen”:

(Hmm – ich vermute mal angesichts des Titels und der Outfits, dass die Musik auf der Filmmusik von “Star Wars” basiert? So gut kenn ich mich mit Star Wars dann aber doch nicht aus…)

Ein nettes Video und jede Wissenschaft hat gute Argumente. Und natürlich stellt sich auch hier die Mathematik wieder über alle anderen. Das kann ich natürlich nachvollziehen, immerhin bin ich selbst Himmelsmechaniker; ich betreibe also mathematische Astronomie und bin ein großer Fan der Mathematik. Und auch Galileo Galilei hat mit seiner vielzitierten Aussage recht: “Das Buch der Natur wurde in der Sprache der Mathematik geschrieben”. Ohne Mathematik kann man keine Naturwissenschaft betreiben und insofern kann man ihre Bedeutung auch kaum überschätzen.

Trotzdem habe ich immer ein wenig Bauchweh, wenn man die Mathematik mit den anderen Naturwissenschaften zusammen wirft. Denn Mathematik selbst ist ja keine Naturwissenschaft. Mathematik ist eine Formalwissenschaft. Und eine Formalwissenschaft ist eine Wissenschaft, die sich mit der Analyse von formalen Systemen beschäftigt. Also, vereinfacht gesagt, mit einem Satz an Symbolen und Regeln die erklären, wie diese Symbole zu manipulieren sind. Das ist nicht nur in der Mathematik der Fall, sondern auch beispielsweise in der Grammatik oder der Informatik. Auch in der Logik oder in Teilen der Rechtswissenschaften findet man solche formale Systeme und wenn man sie untersucht, betreibt man Formalwissenschaft. Die Mathematik hat – vorerst – nichts mit der Realität zu tun. Wie ich schon in dieser Buchbesprechung geschrieben habe: In der Mathematik existiert alles, sofern es keinen logischen Widerspruch erzeugt. Und die Mathematiker probieren herauszufinden, was sich alles aus den vorgegebenen Regeln logisch widerspruchsfrei folgern lässt.

Erst wenn man Phänomene aus der Realität mithilfe mathematischer Symbole ausdrückt, wird die Mathematik zu einem Werkzeug der Naturwissenschaft. Die muss sich aber eben immer auch an der Natur messen. Hier gilt nicht: Alles was man sich vorstellen kann und was funktioniert muss auch existieren. Naturwissenschaften sind Wissenschaften, die empirisch arbeiten. In den Naturwissenschaften wird beobachtet, gemessen und experimentiert. Und der Wert einer Hypothese wird an ihrer Übereinstimmung mit den empirisch gewonnenen Fakten gemessen.

Formal- und Naturwissenschaft sind zwei völlig unterschiedliche Systeme. Und wenn sie auch massiv voneinander profitieren und die Naturwissenschaft ohne die Mathematik nicht existieren könnte, ist es doch nicht angebracht, sie mit den gleichen Maßstäben zu messen. Die Mathematik ist wichtig und steckt in allen Naturwissenschaft – aber sie steht nicht über ihnen. Das würde implizieren, dass Physik, Biologie, etc irgendwie aus der Mathematik folgen oder in ihr enthalten wären, was ganz offensichtlich Unsinn ist.

Übrigens: Auch die Astronomie ist eine Naturwissenschaft (obwohl ich schon Leute fälschlicherweise erklären gehört habe, sie wäre eine Formalwissenschaft, da sie mit ihren Forschungsobjekten ja nicht direkt experimentieren kann…). Und zumindest in diesem Video wird sie offensichtlich als Teil der Physik betrachtet (das entnehme ich zumindest dem Text). Dem kann ich als Astronom natürlich überhaupt nicht zustimmen 😉

Und wenn man schon eine Wissenschaft als die “beste” oder “wichtigste” definieren will, dann kann das doch logischerweise nur die Astronomie sein. Immerhin ist ihr Forschungsgebiet das gesamte Universum! Zeitlich und räumlich umfasst die Astronomie mit ihrer Forschung alle anderen Naturwissenschaften. Alles andere sind nur Spezialfälle 😉

Aber gut – ich will den Streit über die “beste” Wissenschaft nicht weiter anfachen. Das Universum ist groß (wie die Astronomie herausgefunden hat!) und es ist genug davon für alle Forschungsrichtungen da. Die Vertreter der verschiedenen Disziplinen laufen nicht Gefahr, einander irgendetwas “wegzuforschen”. Und – wie ja auch am Ende des Videos gesungen wird – nur gemeinsam wird man zu einem umfassenden Verständnis des Kosmos kommen.

Kommentare (65)

  1. #1 klauszwingenberger
    8. Dezember 2015

    Legt man die üblichen Maßstäbe an, ist die Frage schon unwissenschaftlich.

    Etwa so wie die Frage nach dem Weltmeister der Kunst.

  2. #2 Crazee
    8. Dezember 2015

    Ingenierue sind die besten Wissenschaftler! 😉

    Bei uns kommt halt alles zusammen. Wenn ich mit meinen Studierenden z. B. einen Versuch zum Stauchen einer Probe mache, dann kommen wir ohne Probleme an Mechanik (Kräftegleichgewicht), Thermodramatik (Wärmebilanz), Physik (Kraftmessung mittels Federwirkung), Elektrotechnik (Wegmessung mittels Induktion), Werkstoffkunde/Chemie (Aufbau der Kristallite), Konstruktionstechnik (Funktion der Maschine), Informatik (Aufnahme der Messwerte mittels rechnergestützter Messkette), Mathematik (Flächenberechnung/-messung im Kraft-Weg-Diagramm z. B. mittels Planimeter) etc. vorbei.

    *duckundweg*

  3. #3 Alderamin
    8. Dezember 2015

    @Florian

    Und wenn man schon eine Wissenschaft als die “beste” oder “wichtigste” definieren will, dann kann das doch logischerweise nur die Astronomie sein.

    Zumindest scheint Astronomie die interessanteste Wissenschaft zu sein. Schaut mal in die Kursverzeichnisse der Volkshochschulen. Bietet da jemand Physik-, Chemie- oder Biologiekurse an? Eher selten. Aber Astronomie ist fast immer dabei. Es gibt auch deutlich mehr Hobby-Astronomen als Hobby-Physiker.

  4. #4 Crazee
    8. Dezember 2015

    @Alderamin: Dann ist Astrologie/Esoterik die interessanteste Wissenschaft, weil es davon noch mehr Kurse an VHSn gibt.

  5. #5 Crazee
    8. Dezember 2015

    Es hat die Sarkasmus-Tags herausgeschnitten!

  6. #6 Florian Freistetter
    8. Dezember 2015

    @klauszwingenberger: “Etwa so wie die Frage nach dem Weltmeister der Kunst.”

    Die aktuelle Kunstweltmeisterin heißt Karin: http://www.kunstsahne.de/html/reglement1.htm 😉

  7. #7 vortex
    8. Dezember 2015

    die beiden comic strips dürfen bei solch einer diskussion nicht fehlen :)

    https://xkcd.com/435/

    http://abstrusegoose.com/544

  8. #8 Alderamin
    8. Dezember 2015

    @Crazee

    Dazu müsste Astrologie/Esoterik erst mal überhaupt eine Wissenschaft sein…

  9. #9 Crazee
    8. Dezember 2015

    Wie gesagt, ich hatte da Sarkasmus-Tags drumgesetzt.

  10. #10 Flori
    8. Dezember 2015

    Ich denke Tachyonen (Hypothetische Teilchen, die sich immer schneller als Lichtgeschwindigkeit bewegen) sind hier ein schönen Bespiel. Diese lassen sich mathematisch hervorragend beschreiben, aber Aussagen über ihre Existenz lässt sich daraus natürlich nicht ableiten.

  11. #11 bikerdet
    8. Dezember 2015

    Ich finde den Streit völlig unsinnig. Selbstverständlich ist jede Wissenschaft wichtig. Sie schaft Wissen. Ich habe in vielen Dokus gesehen, das jeder Wissenschaftler auf die Hilfe der anderen Disziplinen angewiesen ist und sie auch selbstverständlich nutzt. So nutzen die Astronomen ja auch Erkenntnisse aus (in alphabetischer Reihenfolge …) Biologie, Chemie, Mathematik, Physik um ihre Beobachtungen zu erklären bzw. um überhaupt neue Erkenntnisse gewinnen zu können.
    Ich fände es also sehr viel effektiver, wenn die Zusammenarbeit über alle Grenzen (fachlich / national / religiös / …) hinaus intensiviert würde.

  12. #12 Till
    8. Dezember 2015

    Mein Argument für die Physik als beste (grundlegenste) Naturwissenschaft ist, dass Physik sowohl in der Chemie als auch in der Biologie eine immer größere Rolle spielt. In der Chemie hat die Physik mit der Quantenmechanik und mit der Statistischen Thermodynamik vor ca 50-70 Jahren Einzug gehalten und hilft uns massiv, Chemische Vorgänge besser zu verstehen, zu modellieren und vorherzusagen. In der Biologie hält die Physik gerade (in den letzten 10-20 Jahren) Einzug, da wir inzwischen in der Lage sind einzelne Proteine zu vermessen und z.B. die Kräfte die sie ausüben zu vermessen.

  13. #13 Captain E.
    8. Dezember 2015

    Tja, wie war das? In Österreich (so stand es einst hier im Blog) kann man Astronomie studieren, in Deutschland nicht bzw. nur als Vertiefung in einem Physik-Studium. Und die Mathematik wird von der einen Hochschule als Naturwissenschaft angesehen, von der anderen aber als Geisteswissenschaft.

  14. #14 chefin
    8. Dezember 2015

    @Bikerdet

    Spielverderber 😛

    Du bist sicher auch einer, der beim PS-Quartett spielen meint das der Golf Diesel einfach süß aussieht und deswegen gegen den 911 GT4 gewinnt

    PS: falls dir unverständlich, soll das ganze heisen: Wenn Wissenschaftler streiten wer die beste Wissenschaft hat, gehts um Spaß und nicht um Erkenntnisse.

  15. #15 Moss
    8. Dezember 2015

    Es gibt nur eine Wissenschaft, alles andere ist Spekulation. Till, Du hast mir die Pointe geklaut. 😉

  16. #16 schlappohr
    8. Dezember 2015

    @Alderamin

    “Aber Astronomie ist fast immer dabei. Es gibt auch deutlich mehr Hobby-Astronomen als Hobby-Physiker.”

    Das liegt sicher auch daran, dass man Astronomie seltener in die Kategorie eines langweiligen Schulfaches einordnet, genau wie z.B. Informatik. Bei einem VHS-Kurs Chemie oder Algebra würde es die meisten wohl eher schütteln.

  17. #17 Till
    8. Dezember 2015

    @Moss
    Sorry 😛
    Freut mich, einen verwandten Geist gefunden zu haben. Und Danke, dass Du das so schön in einem Satz zusammengefasst hast!

  18. #18 AndreasMa
    8. Dezember 2015

    Man kann durchaus auch Naturwissenschaft ohne Mathematik betreiben, stösst dabei aber schnell an Grenzen, an denen man dann entweder direkt Mathematik verwendet oder einen Formalismus entwickelt, der früher oder später zu einer Mathematik wird.

    Die Disziplingrenzen zwischen den einzelnen Naturwissenschaften sind historisch bedingt und meist ziemlich diffus. Und was man nicht irgendwas anderem zuordnet, schmeißt man halt in die Physik.
    Insbesondere Astronomie und Physik sind eigentlich eins, da man hier die gleichen Vorgänge anders zuordnet, nur weil sie woanders passieren.

  19. #19 Ferrer
    8. Dezember 2015

    Die beste Wissenschaft ist Philatelie, denn sie schliesst nach Ernest Rutherford alles ein, was nicht Physik ist.

  20. #20 MichaelSB
    8. Dezember 2015

    Titel: “Was ist die beste Wissenschaft?”

    Im Text wird dann diskutiert, daß Mathematik keine “Naturwissenschaft” ist und daher nicht “gilt” in dem Vergleich. Haken an der Argumentation ist nun, daß die Frage nach der besten “Naturwissenschaft” gar nicht gestellt wurde und die Feststellung “Mathematik ist keine Naturwissenschaft” bzgl der im Titel gestellten Frage keinerlei Relevanz hat.

  21. #21 Folke Kelm
    8. Dezember 2015

    Denkt man mal an das Studium zurück erinnert sich bestimmt jeder an diese Rivalitäten zwischen den unterschiedlichen Fachbereichen.Chemiker und Physiker gucken auf alle anderen herab, Physiker auch auf die Chemiker und die Mathematiker stehen sowieso aussenvor.
    Das lässt man irgendwann definitiv hinter sich, sollte man zumindest.
    Die Frage nach der besten Wissenschaft ergibt sich für mich persönlich eigentlich gar nicht mehr, viel mehr die Frage nach schlechter Wissenschaft, und das ist jene, die die anderen Disziplinen missachtet oder nicht mit ihnen arbeitet.
    Zu meiner Zeit war das in der Geologie recht normal, der Geologe der 60er, 70er und 80er Jahre hat durchaus mal von Physik, Chemie und Mathematik gehört, aber man muss sich einmal vorstellen, dass zu meiner Zeit als Student die Mathematik für Geologen noch nicht im Anforderungskatalog vorgesehen war.
    Heute hat sich das alles grundlegend geändert, Zusammenarbeit über die Fakultätsgrenzen ist eher die Regel als die Ausnahme udn man kann durchaus auch als Lehrer in anderen Fakultäten arbeiten.
    Alle Naturwissenschaften sind heute letztendlich als Werkzeug zu betrachten. Die Mathematik ist dabei das am meisten grundlegende Werkzeug das wir haben, aber die anderen Wissenschaften sind, je nach Aufgabenstellung, auch unverzichtbar.
    Für mich ist es immer wieder die Chemie die mich als Geologen verfolgt, kurz dahinter die Physik und auch die Mathematik, wogegen ich die Biologie im Berufsleben nur selten als Werkzeug benutze. in anderen Feldern der Geologie ist aber Biologie unverzichtbar.
    In der heutigen Naturwissenschaft können wir meiner Meinung nach keine Disziplin als besser oder schlechter betrachten. Wir müssen diese alte Fakultätsrivalität hinter uns lassen, genauso, wie den alten Lateinerdünkel, die alte Art und Weise sich gestelzt akademisch auszudrücken, wie man sie immer noch sieht, überhaupt den Elfenbeinturm der Wissenschaft.
    Heute ist Wissenschaft ersten ein Ideal an sich, zweitens aber auch ein gesellschaftliches Werkzeug. Wissenschaft ist gelebte Verantwortung und sollte meiner Meinung nach auch so kommuniziert werden.

  22. #22 Captain E.
    8. Dezember 2015

    Wurde da etwa insgeheim bei einigen “Wissenschaft = Naturwissenschaft” vorausgesetzt? Also grundsätzlich keine Mediziner, Ingenieure, Geisteswissenschaftler…

  23. #23 Florian Freistetter
    8. Dezember 2015

    @MichaelSB: “und die Feststellung “Mathematik ist keine Naturwissenschaft” bzgl der im Titel gestellten Frage keinerlei Relevanz hat.”

    Ich setze selbstverständlich voraus, dass sowieso nur Naturwissenschaft als Wissenschaft gelten.

  24. #24 MatthiasR
    8. Dezember 2015

    Hmm, war schon Philosophie im Gespräch? Nur die Philosophie kann ergründen und begründen, was überhaupt ‘Wissenschaft’ ist. Wenn wir Wissenschaft definieren, als jegliche Tätigkeit, die ‘Erkenntnisgewinn’ bringt, so fehlt doch allen anderen Universen ohne die Annahme von a priori Axiomen zu definieren was ‘Erkenntnisgewinn’ sein soll.

    Vielleicht hilft uns aber auch die Überlegung ‘wer die besten Wissenschaftler/innen sind weiter’? Wenn die Biologie eine echte Teilmenge der Mathematik ist, so ist jeder Biologe auch Mathematiker (er/sie) beschäftigt sich ja mit einem Teilgebiet der Mathematik. Umgekehrt versteht nicht zwingend jeder Mathematiker/in etwas von Biologie. Jetzt kommt Psychologie hinzu wer mag schon behaupten, dass er keine Ahnung von einem Teilgebiet seines Fachs hat aber sein Fach trotzdem das Beste sei 😉 – nur so als Gedankenanstoß.

  25. #25 MichaelSB
    8. Dezember 2015

    @FF: “Mathematik ist eine Formalwissenschaft. Und eine Formalwissenschaft ist eine Wissenschaft, die sich mit der Analyse von formalen Systemen beschäftigt.”

    😀

  26. #26 Florian Freistetter
    8. Dezember 2015

    @Matthias: “Hmm, war schon Philosophie im Gespräch?”

    Was hat die bei diesem Thema verloren?

  27. #27 Markus W.
    8. Dezember 2015

    “Übrigens: Auch die Astronomie ist eine Naturwissenschaft (obwohl ich schon Leute fälschlicherweise erklären gehört habe, sie wäre eine Formalwissenschaft, da sie mit ihren Forschungsobjekten ja nicht direkt experimentieren kann…).”

    Einer dieser Leute scheint Werner Gruber zu sein: http://www.youtube.com/watch?v=WTw77flRaDs#t=33m40s

  28. #28 Gerrit
    8. Dezember 2015

    @MatthiasR

    Nur die Philosophie kann ergründen und begründen, was überhaupt ‘Wissenschaft’ ist.

    Nee, Philosophie kann sich nur ausdenken was Wissenschaft ist. 😉

  29. #29 MichaelSB
    8. Dezember 2015

    Mal ein Bsp einer Doktorarbeit eines Philosophen:
    http://www.ubs.sbg.ac.at/pdf/AC04907704.pdf
    Ich verstehe nicht, wieso die Philosophie hier als Wissenschaft nicht ernst genommen wird. Klar, ist keine Naturwissenschaft… aber das ist Mathematik auch nicht und da zweifelt – außer Florian – hoffentlich keiner an, daß es sich um Wissenschaft handelt :)

  30. #30 T
    8. Dezember 2015

    Nicht schon wieder die “Ist Philosophie eine Wissenschaft?”- Diskussion! Laaangweilig!
    ‘Home is where heart is’, also auch ‘best science is where heart is’! 😉

  31. #31 Braunschweiger
    8. Dezember 2015

    Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, was die Definitionen von “gut” und “besser” in diesem Zusammenhang eigentlich sein sollen? Bemerkenswert jedenfalls, dass in den Kommentaren hier bisher noch nie das Wort “gut” und selten “besser” verwendet wurde (in FFs Text schon).

    Was soll das heißen, dass eine Wissenschaft “besser” als eine andere ist? Die Bemerkung von “T” passt da noch am schönsten als Antwort. — Jede Wissenschaft hat sich für eine bestimmte Menge von Betrachtungs-“Gegenständen” entwickelt, weil sie dort in dieser Form besser als jede bis dato vorhandene Wissenschaft anzuwenden war. Wäre das nicht so, hätte sich keine neue Wissenschaft bilden brauchen.

    Man sollte also hoffen, das jede Wissenschaft für ihr eigenes Anwendungsgebiet die beste ist, und nicht eine andere. Wobei interessanterweise zu beobachten ist, das gebietsübergreifende Zweitverwendungen einer Wissenschaft manchmal neue Impulse in der Forschung ergibt.

  32. #32 Florian Freistetter
    8. Dezember 2015

    @Markus: “Einer dieser Leute scheint Werner Gruber zu sein”

    Genau den hatte ich im Sinn als ich den Satz geschrieben habe 😉 Und ich freu mich schon darauf, falls er das mal in ner gemeinsamen Show sagen sollte – dann gibts auf der Bühne einiges zu diskutieren 😉

  33. #33 Florian Freistetter
    8. Dezember 2015

    Nur zur Sicherheit: Ich bin natürlich NICHT der Meinung, eine Wissenschaft wäre tatsächlich “besser” als eine andere. Ich wollte nur das Video und die üblichen Sticheleien unter Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen ein wenig aufgreifen…

  34. #34 Braunschweiger
    8. Dezember 2015

    Zustimmung. So eine Frage wie oben kann nur mit Humor zu tun haben. 😉

  35. #35 CC-103
    8. Dezember 2015

    Ich feier das Video jetzt schon 😀

    Die Musik ist durchaus an Star Wars angelehnt, am Anfang, als alle zusammen singen, hört man das berühmte Hauptthema, bei der Physik ist “Duel of the Fates” (Die Musik beim Kampf zwischen Qui Gon Jinn und Darth Maul), die Chemie singt auf die Musik der Cantina Band, sowieso die beste im Star Wars-Universum :), die Biologie singt das Han Solo-Leia Love-Theme (deswegen auch diese Kopfhörer, wer sich auskennt weiß wieso) und die Mathematik singt auf den Imperial March (Darth Vader’s Theme), der auch sehr bekannt ist.

  36. #36 Kyllyeti
    8. Dezember 2015

    Sticheleien zwischen den grundlegenden Wissenschaften sind immer zu begrüßen, wenn dabei gute Pointen rauskommen – und wenn wir uns alle dann aber einig sind, wenn etwa Mediziner oder so sich melden sollten.

  37. #37 Jens
    8. Dezember 2015

    „Keine Wissenschaft imponiert die Menge so sehr wie die Astronomie” (Arthur Schopenhauer)

  38. #38 rolak
    8. Dezember 2015

    Gehen wir die Fragestellung doch mal wortwörtlich bzw buchstäblich an: Welche Wissenschaft passt am ehesten zu ‘beste’? Mathematik – 2/5. Physik – 1/5. Chemie – 1/5. Philosophie (nach Florians Vorgabe außer Konkurrenz) – 1/5 (und auch chancenlos). Astronomie – 3/5 [aaaah!].

    Bloß, zB Bestatter ist ja auch ne Wissenschaft für sich – 5/5. And the winner is…

  39. #39 MatthiasR
    8. Dezember 2015

    Ich sag dass jetzt nur ungern, darüber zu diskutieren was ‘beste’ sein soll, dass kann nur die Philosophie 😉 zumindest wenn es ein übergreifendes Maß sein soll, was ‘beste’
    Bedeutet sind wir aber ruckzuck bei der Sprachphilosophie.

    Wobei wenn ich mir es recht überlege da in Deutschland sowieso alles dem Diktat der Wirtschaft unterworfen wird, erheben wir doch die Wirtschaftswissenschaften zum Schiedsrichter, die sollen die Keyperformancesindices festlegen, nach denen wir die Wissenschaftt messen können :-p

  40. #40 MatthiasR
    8. Dezember 2015

    @kyllyeti: lass Deine nächste Bypass OP doch nen Mathematiker machen 😉

  41. #41 MatthiasR
    8. Dezember 2015

    @florian freistetter unbedingt mal lesen: ‘Karl Popper’, Wissenschaftsphilosoph. Mit seiner Theorie des ‘Falsifikationismus’ erklärt sich ganz leicht warum Einstein gültig ist und warum Astrologie keine Wissenschaft ist. Wenn schnell gehen muss reichts auch den Wikipedia Eintrag zu lesen. Suchbegriffe in hochkommata 😉

  42. #42 Florian Freistetter
    8. Dezember 2015

    @MatthiasR: “Karl Popper’, Wissenschaftsphilosoph.”

    Karl Popper ist mir durchaus ein Begriff. Ich hab während meines Studiums einige Vorlesungen zur Wissenschaftstheorie gehört (was jetzt aber nicht zwingend notwendig war um zu erkennen, warum Astrologie keine Wissenschaft ist…)

  43. #43 Kyllyeti
    8. Dezember 2015

    @MatthiasR

    lass Deine nächste Bypass OP doch nen Mathematiker machen

    Da darf ggf. auch ein Mediziner ran, wenn er sein Handwerk versteht.

  44. #44 MatthiasR
    8. Dezember 2015

    @florian freistetter
    Sorry, mein Fehler, ich dachte auf nem Scienceblog, noch dazu bei nem Artikel zum Thema ‘was ist die beste Wissenschaft’ wären Hinweise gut aufgehoben, mit welchen (bereits gut durchdachten) methodischen Ansätzen man gute von schlechter Wissenschaft unterscheidet. Oder wie man in fremden Fachgebieten antworten auf eigene Fragen finden kann, vielleicht lesen ja noch andere Interessierte mit.;-)

    Getreu dem Motto, dass der Diskurs der Vater aller Dinge ist, komme wir doch nur so zu neuer Erkenntnis? (Naja zumindest meistens kommen wir zu neuer Erkenntnis.)

    Es liegt mir fern anderen Unwissen zu unterstellen, schließlich weiß man doch das man nichts weiß :-).

    So long, schönen Abend noch…

  45. #45 Florian Freistetter
    8. Dezember 2015

    Sorry, mein Fehler, ich dachte auf nem Scienceblog, noch dazu bei nem Artikel zum Thema ‘was ist die beste Wissenschaft’ wären Hinweise gut aufgehoben,

    Sind sie ja auch. Aber du hast mich ja persönlich angesprochen und ich wollte dir halt nur sagen, dass ich Popper schon kenne.

  46. #46 Adent
    8. Dezember 2015

    Manche sollten vielleicht mal ihren Ironie-Detektor neu kalibrieren ,-)
    @MatthiasR
    Popper, ja ist bekannt und nun?

  47. #47 Braunschweiger
    8. Dezember 2015

    @Adent: nicht jeder Mensch kann Ironie gleich schnell und gleich gut erkennen.
     

    @CC-103: “…Musik der Cantina Band, sowieso die beste im Star Wars-Universum”

    Natürlich ist sie das, denn John Williams hat dafür Musik von Benny Goodman verwendet, die schon 1928 geschrieben wurde. Hier ein paar Zeilen dazu.

  48. #48 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2015/12/08/qr-codes/
    9. Dezember 2015

    Die Mathematik hat – vorerst – nichts mit der Realität zu tun.

    und

    Das Buch der Natur wurde in der Sprache der Mathematik geschrieben.

    Erkenne den Widerspruch.

    An der Wurzel der Mathematik liegen die Zahlen und Zahlen und Zahlenverhältnisse findet man alle naselang in der Natur.

    Dass 3 Salzkristalle und 2 Salzkristalle 5 Salzkristalle sind, das ist auch empirisch überprüfbar. Jetzt wird sicher jemand einwenden, dass die Mathematik aber vom Salzkristall abstrahiert, und nur noch 2+3=5 sagt.

    Auf der anderen Seite abstrahiert die Chemie aber nicht weniger. Nur weiß der Chemiker nichts von Zahlen und sagt einfach ‘Salz plus Salz ist wieder Salz’. Er abstrahiert von den Zahlen, aber ‘Das Salz’, wie es der Chemiker im Kopf hat, ist genauso abstrakt wie die 5, die der Mathematiker im Kopf hat.

    In Wahrheit hat der Chemiker dann doch etwas Mathe im Kopf um bei H2O auf Wasser zu kommen, womit aber doch die Naturhaftigkeit der Mathematik nur unterstrichen wird.

    Das Video beantwortet die Frage nach der Königsdisziplin implizit damit, dass der Gesang über allem steht, aber Musik ist natürlich keine Wissenschaft, allenfalls Mathematik.

    Wenn man die Frage beantworten will, wie man Mathe, Chemie, Physik, Biologie usw. an die Kinder heranbringt, und die Frage so beantworten will, dass sie von dritten unabhängig genauso beantwortet wird, dann braucht man auch Erziehungswissenschaften. Wenn man das menschliche Zusammenleben erklären will und sich nicht einem Geisterglauben ausliefern will, dann braucht man auch eine Soziologie, Psychologie, Politikwissenschaften.

    Die Hochnäsigkeit gegenüber den Geisteswissenschaften ist billig und peinlich. Für die Konflikte von heute und morgen dürfen dann die Naturwissenschaftler, die sie nicht verstehen und nicht verstehen wollen den Sprengstoff und die Raketen entwickeln. Gratulation.

  49. #49 Florian Freistetter
    9. Dezember 2015

    @user unknown: “An der Wurzel der Mathematik liegen die Zahlen und Zahlen und Zahlenverhältnisse findet man alle naselang in der Natur.”

    Also ich hab in meinem ganzen Leben noch nie irgendwo in der Natur eine 3 gesehen. Drei Dinge, ja. Aber keine 3. Mathematik analysiert eine formale Sprache. Mit dieser formalen Sprache kann man die Natur sehr gut beschreiben. Ich seh da keinen Widerspruch.

    “Die Hochnäsigkeit gegenüber den Geisteswissenschaften ist billig und peinlich. “

    Wo genau wäre ich in meinem Artikel “hochnäsig” gewesen? (Da kommen GeWi gar nicht vor)

  50. #50 noraconn
    9. Dezember 2015

    Ich setze einfach mal auf einen Außenseiter und sage Kristallographie :) Da kommt man um alle anderen nicht drumrum (mittlerweile besteht sogar Kontakt zur Biologie) und hat außerdem den Vorteil übersichtlich kleiner, friedliebender Fakultäten. Und NIEMAND sagt “… das hab ich in der Schule als erstes abgewählt”!

  51. #51 MatthiasR
    9. Dezember 2015

    Herr Freistetter, in Bezug auf user unknown,

    sie sagen in einem ihrer Kommentare:
    ‘Ich setze selbstverständlich voraus, dass sowieso nur Naturwissenschaft als Wissenschaft gelten.’ und In ihrem Artikel reden Sie von ‘Wissenschaft’ und meinen damit implizit Naturwissenschaft.

    Die meisten Menschen, vor allem die aus den Geisteswissenschaften interpretieren dass als hochnäsig, weil Sie damit die Nicht-Naturwissenschaften (mit oder ohne Formalwissenschaft) von vornherein aus den Wissenschaften außschließen.

    Ist doch klar oder nicht?

    Wenn ihnen das nicht klar war, dann sind sie hiermit entschuldigt.

    Da ihnen Karl Popper schon bekannt ist, empfehle ich diesmal, die TV Serie ‘Big Bang Theorie’, die Frage ‘wo sie hochnäsig waren’ die hätte Sheldon nicht besser stellen können.

  52. #52 Florian Freistetter
    9. Dezember 2015

    @Matthias: “‘Ich setze selbstverständlich voraus, dass sowieso nur Naturwissenschaft als Wissenschaft gelten.’ “

    Ok. Ich bin davon ausgegangen, dass jedem klar ist, dass das als Witz gemeint war. Ist anscheinend nicht so.

  53. #53 Robert aus Wien
    9. Dezember 2015

    @schlappohr:
    “Das liegt sicher auch daran, dass man Astronomie seltener in die Kategorie eines langweiligen Schulfaches einordnet, genau wie z.B. Informatik.”

    Vielleicht liegt’s auch daran, daß die Astronomie eine der wenigen Naturwissenschaften ist, wo auch Amateure noch Entdeckungen machen können.

  54. #54 bitmess
    Na dann geb ich euch mal eine Hausaufgabe:
    9. Dezember 2015

    LEST : https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft_als_Beruf
    http://www.textlog.de/2324.html

    und dann können wir fröhlich weiterstreiten :-)

  55. #55 Rüdiger Kuhnke
    München
    9. Dezember 2015

    Da sind aber ‘ne Menge sehr bierernster Kommentare dabei. Wo es doch mit einem lustigen Video anfing…

  56. #56 noraconn
    9. Dezember 2015

    @Rüdiger Kuhnke Humor ist die schwierigste Disziplin von allen 😉

  57. #57 Wage
    9. Dezember 2015

    Ich denke, das es ein umfassendes Gebiet sein müsste, das die Astrobiologie, mit ihrem interdisziplinären Ansatz, wohl am besten umfasst, auch wenn sich diese noch vorwerfen lassen muss ein Gebiet ohne Forschungsobjekt zu sein.

  58. #58 Rolly
    9. Dezember 2015

    Wiki ist wie so oft unser Freund: Schauen wir uns doch mal die deutsche (“ie Wissenschaft [(früh.) mittelhochdeutsch für lat. scientia; mittelhochdeutsch wizzen(t)schaft = (Vor)wissen, Genehmigung] ist der Inbegriff der Gesamtheit menschlichen Wissens der Erkenntnisse und Erfahrungen einer Zeitepoche, welches systematisch gesammelt, aufbewahrt, gelehrt und tradiert wird.”) Definition von Wissenschaft im Unterschied zur englischen Definition (“Science[nb 1] is a systematic enterprise that builds and organizes knowledge in the form of testable explanations and predictions about the universe.[nb 2][2]:58 In an older and closely related meaning, “science” also refers to this body of knowledge itself, of the type that can be rationally explained and reliably applied.”) von Science (darum geht es halt in den Videos) an. Daraus wird klar, Mathematik und Geisteswissenschaften (Nebenbei, mein Mathelehrer im Leistungskurs, mitverantwortlich für mein Mathestudium sagte uns bereits in der ersten Stunder der 11. Klasse: “Mathematik ist eine Geisteswissenschaft”) sind im Sinne der Definition “Wissenschaften”, aber eben kein “Science”, das sind nämlich eben “Naturwissenschaften” (“Knowledge … about the universe”). In diesem Sinne Danke Florian für den humorvollen Artikel, der die Auseinandersetzungen an Universitäten toll beschreibt, aber bitte den Unterschied “Wissenschaft” und “Science” im Auge behalten.
    Natürlich ist nebenbei gesagt Mathematik natürlich die tollste Wissenschaft, aber Astronomie die tollste “Science”, denn wo sonst erfährt man mehr über das Universum :-).

  59. #59 Adent
    9. Dezember 2015

    @all
    Also wenn man hier das ein oder andere mal mitliest, dann konnte man schon an Florians ersten Erwiderungen erkennen, dass er es provokativ ironisch meinte. Ging zumindest mir so und wie ich ihn einschätze (was auch aus den Texten hier lesbar ist), findet er den Streit darüber welche Wissenschaft die beste sei allenfalls amüsant.
    Just my two cents.
    Im übrigen gilt, ohne Biologie geht gar nichts, dann wären wir alle nur totes Material (Achtung, könnte auch Spuren von Ironie enthalten).

    @user unknown
    Nene, so nicht, wenn du 3 Salzkristalle nimmst udn 2 Salzkristalle, dann können da 5 rauskommen, sie können aber auch verschmelzen oder sich auflösen, daher hilft die Mathematik da gar nichts 😉

  60. #60 Kyllyeti
    9. Dezember 2015

    @Adent

    Im übrigen gilt, ohne Biologie geht gar nichts

    … abgesehen von Uhren und einigen von diesen neumodischen Robotern – aber im übrigen hast du meine volle Zustimmung.

  61. #61 PDP10
    9. Dezember 2015

    Die beste Wissenschaft ist selbstverständlich jene vom Kochen!

    Sie schliesst alle anderen Wissenschaften wie Physik, Chemie, Biologie und selbstverständlich auch die Mathematik – Wie wir neulich erst gelernt haben – ein.

    Und wenn man alle diese Wissenschaften korrekt anwendet, hat man am Ende auch noch was leckeres zu Essen.

    Womit jene Wissenschaft gleich zwei der drei Grundtriebe des Menschen (Neugier, Hunger, F…dingens) abdeckt!

    Besser gehts nicht.

  62. #62 Cobi
    9. Dezember 2015

    Laut Wikipedia bezeichnet Natur “als Leitkategorie der westlichen Welt im Allgemeinen das, was nicht vom Menschen geschaffen wurde, im Gegensatz zur (vom Menschen geschaffenen) Kultur”.
    Viele Mathematiker vertreten die Ansicht, dass die Strukturen mit denen sie sich befassen nicht erfunden sondern entdeckt werden.
    Meinem persönlichen Gefühl nach erscheint mir ein mathematisches Objekt auch nicht weniger real zu sein als zum Beispiel die Sonne.
    Ebenso wie die greifbare Natur eine unumstößliche Tatsache zu sein scheint, in der wir uns nur in dem von ihr vorgegebenen Rahmen bewegen und sie manipulieren können, scheint es auch eine fundamentale “Logik” zu geben.
    Dass diese nicht etwa nur den menschlichen Geist in den Objekten die er zu begreifen sucht spiegelt, wird in der Macht deutlich, welche tieferes Verständnis dieser Logik uns wiederum über die greifbare Natur verleiht.
    Ein Gehirn welches dazu geformt wurde das überleben und die Fortpflanzung des Organismus in einer archaischen Umwelt zu sichern wäre sonst wohl kaum in der Lage eine Atombombe zu entwickeln.
    Damit plädiere ich dafür die Mathematik in den Kreis der Naturwissenschaften aufzunehmen.
    Natürlich als die beste.
    (Und das sage ich als Physiker)

  63. #63 Ferrer
    10. Dezember 2015

    Die beste Wissenschaft ist der Wissenschaftsjournalismus, denn es ist die einzige die, wenn gut gemacht, jeder fachübergreifend versteht und geniesst, wie man an diesem Blog hier vortrefflich sieht. Einschliesslich der Unterkategorie Wissenschaftsbücherrezensionen. Auch wenn sie kein neues Wissen schafft (oh-ooh… Linguistik? Sprachphilosophie? Uiuiui! Ironiealarm!), sondern nur vermittelt, aber dafür auf unterhaltsame Weise

  64. #64 MatthiasR
    10. Dezember 2015

    Ich pflichte #63 bei! Auch #59 hat Recht, es ist aber auch nicht schlimm wenn wir streiten, so lange wir alle was daraus lernen hat der Autor, der die Diskussion befeuert, ja die Ziele des Wissenschaftsjournalisten erreicht! Und wir gehen alle als Gewinner aus der Diskussion.

    Da sich hier der Trend abzeichnet die Mathematik zur Naturwissenschaft zu machen. Und sie gleichzeitig zu hehresten (das Wort beste ist hier verbrannt) aller (Natur)Wissenschaften zu machen, möchte ich noch einen drauf setzen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Mathematik

    Philosophie der Mathematik, ist ziemlich abgespaced, dass setzt dem Sahnehäubchen noch die Krone auf.

    Oder kennt das auch schon wieder jeder hier?

  65. #65 Aginor
    11. Dezember 2015

    Ich sehe die Mathematik gerne als Werkzeugkasten, die Mathematiker sind die Werkzeugbauer.
    Wenn jemand sich mit den Naturwissenschaften beschäftigt, dann benutzt der- oder diejenige diesen Werkzeugkasten (bzw. ein Subset daraus), um eigene Werkzeuge für sein/ihr jeweiliges Fach zu erstellen, oder der Werkzeugbauer (Mathematiker) selbst hilft dabei.

    Daher steht die Mathematik für mich neben den Naturwissenschaften, nicht darüber oder darunter. Für sich ist sie relativ unnütz. Obwohl auch hier manchmal schon Werkzeuge erstellt wurden, für die man noch gar nicht wusste was ihre Anwendung sein würde (John Nash hat da z.B. ein paar Dinge gefunden, die er interessant fand, auch wenn er zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste wofür sie gut sein könnten. Und auch Euler und Gauss hatten IIRC ein paar solche Phänomene und Formeln parat).
    Sie entstehen aus der Beschäftigung des Werkzeugbauers mit seinem Werkzeugkasten. Da wird es dann spannend, denn auch wenn hier Mathematik “zum Selbstzweck” betrieben wird, so bringt sie doch den anderen Wissenschaften etwas.

    Ich finde das unglaublich faszinierend. Vor allem die vielen Synergien. Jeder trägt zu einem Teil des Puzzles bei. :)