Der Mars ist heute ein lebensfeindlicher Planet. Aber früher hat es dort ganz anders ausgesehen. Wir haben mittlerweile eine recht guten Überblick über die geologische Vergangenheit des Mars und wissen, dass dort vor langer Zeit offenes Wasser, warme Temperaturen und lebensfreundliche Bedingungen geherrscht haben. Wie sich der Mars im Laufe der Zeit verändert hat, ist Thema der aktuellen Folge der Sternengeschichten.

Und wie immer gibt es weiter unten eine Transkription des Podcasts.

Sternengeschichten-Cover

Die Folge könnt ihr euch hier direkt als YouTube-Video ansehen oder direkt runterladen.

Den Podcast könnt ihr unter

http://feeds.feedburner.com/sternengeschichten

abonnieren beziehungsweise auch bei Bitlove via Torrent beziehen.

Am einfachsten ist es, wenn ihr euch die “Sternengeschichten-App” fürs Handy runterladet und den Podcast damit anhört.

Die Sternengeschichten gibts natürlich auch bei iTunes (wo ich mich immer über Rezensionen und Bewertungen freue) und alle Infos und Links zu den vergangenen Folgen findet ihr unter http://www.sternengeschichten.org.

Und natürlich gibt es die Sternengeschichten auch bei Facebook und bei Twitter.



Transkription

Sternengeschichten Folge 173: Die geologische Geschichte des Mars

Der Mars ist ein ganz besonderer Planet. Auf jeden Fall für uns Menschen. Er gehört zu den Himmelskörpern, die leicht mit freiem Auge sichtbar sind und seine deutlich erkennbare rote Farbe hat die Menschen schon von Anbeginn der Zeit inspiriert und den Planeten zum Symbol für diverse Götter gemacht. Als man später ein wenig genauer herausgefunden hatte, wie der Planet beschaffen ist, wurde der Mars zur hypothetischen Heimat von außerirdischen Lebewesen.

Mars: Heute lebensfeindlich. Aber früher? (Bild: NASA)

Mars: Heute lebensfeindlich. Aber früher? (Bild: NASA)

Der Mars ist kleiner als die Erde, aber er hat eine feste Oberfläche, er hat eine Atmosphäre und er ist nicht so weit von der Sonne entfernt als das dort lebensfeindliche Bedingungen herrschen müssen. Die Vorstellung, dass sich dort ebenfalls Leben entwickelt hat, war lange Zeit plausibel. Erst als in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts die ersten Raumsonden unseren Nachbarplaneten aus der Nähe untersucht haben, wurde klar: Auf dem Mars ist kein Leben möglich. Zumindest kein höheres, intelligentes Leben wie wir es von der Erde her kennen. Der Mars hat zwar eine Atmosphäre, aber sie ist extrem dünn und besteht fast komplett aus Kohlendioxid. Es ist dort extrem kalt mit Durchschnittstemperaturen von minus 55 Grad Celsius. Es gibt keine größeren Flächen mit offenem Wasser; keine Flüsse, Meere oder Seen. Es gibt keine Vegetation und auch sonst keine offensichtlichen Anzeichen für Leben.

Und trotzdem ist der Mars ein ständiges Ziel von Raumsonden und Satelliten. Verständlicherweise: Der Mars ist einerseits vergleichsweise nahe. Ein Flug dorthin ist in ein paar Monaten machbar. Der Mars ist ein Planet auf dem man landen und längere Zeit Untersuchungen anstellen kann. Unser zweiter Nachbar im All, die Venus, bietet da wesentlich unfreundlichere Bedingungen. Der extrem hohe atmosphärische Druck und die enormen Temperaturen von über 400 Grad die dort herrschen machen es fast unmöglich, eine Landeeinheit abzusetzen die dort länger als ein paar Minuten überleben kann. Der einzige andere Planet mit einer festen Oberfläche wäre Merkur, aber der ist aufgrund seiner Nähe zur Sonne schwer zu erreichen. Bleibt also der Mars…

Und weil wir den Mars schon so oft und so gut untersucht haben, haben wir mittlerweile auch eine ganz gute Vorstellung über seine Vergangenheit. Eine Vergangenheit die zeigt, dass dort früher einmal ganz andere Bedingungen geherrscht haben als heute.

Auf der Erde ist die Geologie vergleichsweise einfach. Wir haben jede Menge Gestein, das wir direkt vor Ort untersuchen und so sein Alter bestimmen können. Auf dem Mars ist es schwieriger. Wir haben zwar ein paar Meteoriten gefunden, die von unserem Nachbarplaneten stammen und ich habe in Folge 116 der Sternengeschichten mehr davon erzählt. Aber aus diesen paar Steinen lässt sich nur schwer eine komplette Geschichte eines Planeten rekonstruieren. Dazu braucht es die vielen hochauflösenden Bilder seiner Oberfläche, die Raumsonden in den letzten Jahren gemacht haben. Dann kann man zum Beispiel beginnen, die Krater zu zählen.

Je mehr Krater in einer bestimmten Region zu finden sind, desto älter muss sie sein. Eine genaue Analyse ist natürlich wesentlich komplexer als diese simple Faustregel, aber im Prinzip ist die Zählung von Kratern die Grundlage der Marsgeologie. Von ähnlichen Kraterzählungen zum Beispiel auf dem Mond wissen wir, wann in der Geschichte unseres Sonnensystems viele oder wenig Asteroiden mit einer bestimmten Größe durchs innere Sonnensystem geschwirrt sind und mit den Planeten dort kollidieren konnten. Vom Mond haben wir auch wesentlich mehr Gestein, das mit radiometrischen Analysen untersucht werden konnte. So lässt sich nicht nur bestimmen, welche geologischen Schichten älter oder jünger sind sondern man kann auch absolute Angaben zum Alter machen.

Die Satellitenbilder des Mars zeigen uns auch viele geologische Strukturen, die durch Wind, Wasser, Vulkanismus und andere Prozesse entstanden sind und wenn man alle Informationen kombiniert kann man so einen guten Eindruck der Vergangenheit des Planeten bekommen.

Auf der Erde haben wir so ein sehr feines Systems von Erdzeitaltern definiert, das mit dem Hadaikum vor 4,5 Milliarden Jahren beginnt und über bekannte Namen wie “Kambrium”, “Karbon”, “Jura” oder “Kreide” bis zum aktuellen Zeitalter des “Quartär” verläuft. Beim Mars ist die Sache ein wenig schwieriger, aber auch dort kann man zumindest drei prinzipielle geologische Zeitalter voneinander unterscheiden.

Oder eigentlich vier, wenn man mit der sogenannten “Prä-Noachischen Periode” beginnt. Über die weiß man allerdings nicht viel. Die ältesten erkennbaren bzw. ableitbaren geologischen Spuren auf dem Mars sind circa 4,1 Milliarden Jahre alt. Aber da der Mars auch in der Zeit davor existiert haben muss, hat man diese Epoche eben als “Prä-Noachische Periode” bezeichnet. Sie beginnt mit der Entstehung des Planeten. Der Mars entstand, so wie alle anderen Planeten auch vor 4,5 Milliarden Jahren. Und so wie alle anderen Himmelskörper muss auch der Mars damals sehr, sehr oft mit anderen Himmelskörpern kollidiert sein. Damals schwirrte ja noch sehr viel mehr Krempel durchs Sonnensystem; all die großen und kleinen Brocken die während der Hauptphase der Planetenentstehung übrig geblieben sind. Und große Brocken gab es damals deutlich mehr als heute. Im inneren Sonnensystem gibt es heute keine Asteroiden mehr, die größer als 1000 Kilometer sind; damals müssen jede Menge davon da gewesen sein. Und einer Kollision mit so einem Riesen-Asteroid dürfte der Mars auch die heute immer noch sichtbare Zweiteilung seiner Oberfläche zu verdanken haben. Die nördliche Hemisphäre wird von flachen Ebenen dominiert, im Süden ist der Planet von riesigen Gebirgen und tiefen Tälern durchzogen.

Die ursprüngliche Atmosphäre des Mars muss sehr dicht und heiß gewesen sein. All die Einschläge von Asteroiden und Kometen haben Gase aus dem Mantel des Planeten an die Oberfläche gebracht. Wasserdampf könnte zu einem gewaltigen, heißen Ozean kondensiert sein der vielleicht sogar den ganzen Planeten umspannt hat. Dann wurden die Einschläge seltener, das Wasser kühlte ab und die dichte Atmosphäre wurde langsam dünner. In dieser Phase bestand das erste Mal die Möglichkeit, dass sich Leben auf unserem Nachbarplaneten entwickeln könnte.

Vor 4,1 Milliarden Jahren begann dann die erste “offizielle” Periode in der geologischen Geschichte des Mars – die “Noachische Periode”. Benannt ist sie nach Noachis Terra, einer Hochebene in der südlichen Hälfte des Planeten.

Es gab nur zwar weniger, aber im Vergleich zu heute immer noch viele Asteroideneinschläge. Hellas Planitia, die Hellas-Tiefebene entstand damals. Mit einem Durchmesser von etwa 2000 Kilometer ist es der größte Krater auf dem Mars und der zweitgrößte im ganzen Sonnensystem. Mit einer Tiefe von 9 Kilometer findet man darin den tiefsten Punkt des ganzen Planeten. Auch andere große Krater des Mars stammen aus dieser Zeit.

Das Noachische Zeitalter war aber auch das Zeitalter der Vulkane. In der Tharsis-Region entstanden zum Beispiel Pavonis Mons, Arsia Mons und Ascraeus Mons; mächtige Schildvulkane die mit Höhen von 12, 14 und 18 Kilometern höher sind als alle Berge der Erde und zu den höchsten Erhebungen im ganzen Sonnensystem gehören. Die Vulkane brachten jede Menge Gase in die Atmosphäre und der Planet wärmte sich auf. Wolken entstanden, es regnete und die tiefen Täler und Canyons entstanden. Wasser hat sich in Kratern und Becken gesammelt und es könnte sogar einen Ozean gegeben haben, der die nördliche Hemisphäre bedeckte.

In seinem Inneren kühlte der Mars aber immer weiter aus. Während große Planeten wie Erde oder Venus auch heute noch in ihren Kernen heiß sind, hat der kleine Mars seine Wärme schnell verloren. Irgendwann gab es keine Ströme aus flüssigem Metall mehr, die sein Magnetfeld aufrecht erhalten konnten. Ohne Magnetfeld war die Atmosphäre des Mars dem Einfluss der Sonne schutzlos ausgeliefert und sie entschwand langsam aber sicher ins All.

Trotzdem muss es während der gesamten Noachischen Periode Regionen auf dem Mars gegeben haben, die lebensfreundlich waren und in denen Leben existieren oder sich entwickeln konnte. Dieses frühe Marszeitalter endete circa vor 3,7 Milliarden Jahren.

Olympus Mons! (Bild: NASA)

Olympus Mons! (Bild: NASA)

Es folgte die “Hesperianische Periode”. Die Rate der Asteroideneinschläge war nun schon stark gesunken; die Vulkane dominierten die Geologie des Planeten aber immer stärker. Olympus Mons, der sich mit 26 Kilometer über die Tharsis-Ebene erhebt entstand und ist heute immer noch der größte Berg und größte Vulkan des Sonnensystems. Die Lavaflüsse der Vulkane bildeten große Ebenen, wie zum Beispiel Hesperia Planum, nach der die Epoche auch benannt ist. Knapp ein Drittel der Marsoberfläche wurde durch die Lavaströme umgeformt. Der Vulkanismus führte auch zur Bildung riesiger Grabenbruchsysteme wie den Mariner-Tälern, ein 4000 Kilometer langes, 700 Kilometer breites und bis zu 7 Kilometer tiefes Netzwerk aus Canyons und Schluchten.

Trotz des Vulkanismus war es jetzt schon deutlich kälter, das Wasser gefror immer öfter im Boden, brach aber auch immer wieder hervor, wenn die Hitze der Eruption oder von Einschlägen es auftaute. Es kam zu kurzen aber katastrophalen Überflutungen, die ebenfalls große Bereiche der Marsoberfläche umgestalteten.

Vor 2,9 Milliarden Jahren begann schließen die “Amazonische Periode”, das jüngste und aktuelle Zeitalter des Mars. Die großen geologischen Umwälzungen der Vergangenheiten haben nun weitestgehend aufgehört. Die Zahl der Asteroideneinschläge hat sich stark reduziert, die Vulkane brachen nicht mehr so oft aus und die Atmosphäre war mittlerweile so dünn, dass Wasser in flüssiger Form kaum noch an der Oberfläche existieren konnte. Der atmosphärische Druck war so gering, das es sofort gasförmig wurde. Und es war kalt am Mars, sehr kalt. Wasser existierte sowieso nur noch gefroren tief im Permafrostboden und taute nur sporadisch auf.

Im Laufe der Jahrmilliarden verändert sich die Umlaufbahn des Mars um die Sonne und genau so wie bei der Erde führt das zu langfristigen Veränderungen im Klima. In Folge 55 der Sternengeschichten habe ich über diese “Milankovic-Zyklen” schon ausführlich besprochen so wie die Erde hat auch der Mars zwischen Warm- und Eiszeiten gewechselt.

Ab und zu gab es noch ein paar größere Vulkanausbrüche, ab und zu floß kurz ein wenig Wasser über die Oberfläche, ab und zu stieß ein Asteroid mit dem Planeten zusammen. Aber verglichen mit der hektischen Frühzeit tat sich im Amazonischen Zeitalter nicht mehr viel. Die Gesteine der Oberfläche verwitterten langsam vor sich und chemische Reaktionen bildeten Eisenoxid das dem Planeten seine charakteristische rote Farbe gab.

1976, aus geologischer Sicht kaum einen Augenblick in der Vergangenheit, landete mit Viking 1 die erste Raumsonde der Menschen auf dem Mars. Seitdem zieht es uns immer wieder dorthin und immer wieder sind wir auf der Suche nach Leben. Dass es auf dem Mars keine Marsmenschen gibt, wissen wir mittlerweile. Aber all unsere Missionen haben uns gezeigt, dass der Mars früher ein ganz anderer Planet war als heute! Und früher könnte es Leben gegeben haben. Bakterien, Mikroben – Leben, das vielleicht tief unter der Oberfläche des Mars seine Spuren hinterlassen oder eventuell sogar bis heute überlebt hat.

Es zu finden, wird nicht einfach sein. Aber wir werden nicht aufhören danach zu suchen.

Kommentare (22)

  1. #1 Chemiker
    18. März 2016

    Du erwähnst hier, daß die Vulkane des Mars Höhen von um die 15 km aufweisen und daher höher als alle Berge der Erde sind.

    Worauf sind diese Höhen eigent­lich bezogen? Der Mars hat ja keinen bequemen Höhen­nullpunkt wie das Meeres­niveau auf der Erde. Würde ich die Höhe des Himālaya (von dem ich ein paar Gipfel sogar hier sehen kann) relativ zum tief­sten Punkt der Erde, also dem Marianen­graben, an­geben, dann käme ich ja auch auf ungefähr 20 km. Oder nimmt man dafür eine mittlere Höhe als Null­punkt (und wo würde so etwas bei der Erde liegen)?

  2. #2 pdb17
    18. März 2016

    Hallo Florian,

    “[…] Schichten älter oder jünger sind sondern man kann auch absolute Angaben zum Alter machen. […]”

    nur mal zum Verständnis, da ich bei einigen Bereichen der Wissenschaft (u.a. in der Astronomie) immer wieder Verständnisprobleme mit den Begrifflichkeiten habe: Ist hier “absolut” das richtige Wort? Ist das Alter, wie wir es im Normalfall verwenden, nicht eher relativ und liefern nicht die meisten Methoden (bspw. Radiokarbonmethode, auch wenn sie hier sicher keine Rolle spielt) auch relative Werte bezogen auf das Jetzt? Wäre dann nicht evtl. “quantitativ” eine genauere Beschreibung (insbesondere im Gegensatz zum qualitativen “jünger” und “älter”)?

    Das ist keine Kritik an Deinem Text, mich interessiert nur wann für Astronomen etwas relativ und wann absolut ist, da ich da wie gesagt häufiger etwas irritiert bin.

    Ansonsten: Du machst einen absolut :-) hervorragenden Job, mach weiter so!

    Herzliche Grüße
    Pdb

  3. #3 pdb17
    18. März 2016

    Hallo Florian,

    da ich gerade sehe, dass Kommentar #1 in eine ähnliche Richtung geht: Wäre das nicht evtl. bei Gelegenheit auch mal einen Artikel wert? Also wann ist etwas relativ, wann absolut, ggf. mit ein paar Grenzfällen. Und als äußersten Grenzfall dann Pseudo-Wissenschaft mit der “relativen Absolutheit” 😉

    Herzliche Grüße
    Pdb

  4. #4 Florian Freistetter
    18. März 2016

    Ich hab übrigens diesmal das Audiosetup geändert. Merkt man da etwas davon?

    Zur Sache mit dem Höhen schreib ich gern mal nen extra Artikel; vielleicht schon Montag.

  5. #5 pdb17
    18. März 2016

    Ich muss gestehen, dass ich mir den Podcast noch nie angehört habe und immer nur die Transkription lese. Das hat aber nichts mit Deinem Podcast im Speziellen zu tun, sondern ganz allgemein lese ich lieber solche Dinge statt sie mir anzuhören. Ich bin so deutlich aufmerksamer und kann im Zweifel einen Satz viel einfacher nochmal lesen. Von daher kann ich leider auch nichts zum Ton sagen.

  6. #6 Fabian
    Berlin
    18. März 2016

    Zu deiner Frage mit dem Audiosetup: Und ob man das merkt – nur deswegen bin ich gerade hierher gekommen. Keine Festplatten- oder Lüftergeräusche mehr, einfach nur Stille im Hintergrund! Ich hatte schon Sorgen, du wärest von Aliens entführt worden und würdest aus dem Nichts senden. 😉

  7. #7 Folke Kelm
    18. März 2016

    pdb17
    Das relative oder absolute Alter von Gesteinen fällt in diesem Fall ja eher in mein Fachgebiet, die Geologie, wobei ich mich ja wahrscheinlich hier mit Florian streiten muss, der ja eventuell den Mars als Astronom und, noch schlimmer, Himmelsmechaniker als den seinen beanspruchen kann. Nun ja, das diskutiere ich mal mit ihm über ne Flasche Bier,
    Aber in medias res, wir Geologen, und Florian bezieht sich hier auf geologisches Alter, bezeichnen als absolutes Alter das Alter auf den jetzigen Zeitpunkt bezogen und als relatives Alter das Alter im Kontext zu anderen Gesteinen. Das was oben drüber ist, ist immer das jüngere (Anstelle von Klammer würde ich gerne Fussnoten setzen….bei den Geologen kann auch mal das was drunter liegt in wirklichkeit drüber liegen, wie das passieren kann ist aber ne andere Geschichte), und so kann man eine ganze Reihe von Gesteinen relativ zu anderen datieren. Findet man in dieser Abfolge von Gesteinen mit relativem Alter einen vulkanische Schicht, hat man die Chance, diese Schicht absolut zu datieren, also wirklich zu sagen, diese Schicht ist x millionen Jahre alt.
    Ich hoffe Dir erschliesst sich mit diesen wenigen Worten die Bedeutung von relativem oder absolutem Alter.
    @ F.F. und all
    man darf bei deinem schönen Text, Florian, nie vergessen, dass wir uns beim Mars noch immer in der guten alten Zeit der beschreibenden Geologie befinden. Wir gucken und die Oberfläche an und beschreiben sie nach bestem Wissen und nach unserer Erfahrung. Das funktioniert in der Regel recht gut, ist aber weit davon entfernt so exakt zu sein wie die direkte “hands on rock” Methode mit Hilfe der modernen instrumentellen Analytik. Es kann also durchaus umwälzende Änderungen Deiner Beschreibung geben, wenn wir erst einmal dort vor Ort sind und gezielt Proben nehmen können, auch wenn ich das eigentlich bezweifele. Unsere Beschreibenden Methoden sind doch auch ganz erfolgreich, aber, wie gesagt, nie die Zweifel weglassen und immer fragen.
    Die Geschichte der Atmosphäre ist eigentlich auch recht interessant, weil man hier die Bedeutung des CO2 als wichtiges Gas sieht. auch auf der Erde ist CO2 natürlicherweise an Vulkanismus gebunden. Viele Vulkane machen viel CO2 machen nach einiger Zeit sehr warm. Wenig Vulkane machen dann viel Verwitterung was das CO2 rausfischt aus der Atmosphäre und Carbonate macht, und dann machts kalt.
    Silikate der Kruste, die Eisen enthalten, enthalten das übrigens meistens in zweiwertiger Form. wenn man jetzt die Verwitterung durch CO2 noch dahingehend unter die Lupe nimmt, was sie für Auswirkungen auf das Eisen hat, dann wundert man sich nicht, dass sie auf dem Mars eben auch den Sauerstoff weggefischt hat, denn das Eisen wird dann über das Karbonat langsam zum dreiwertigen Oxid und damit ist der Sauerstoff gebunden. Die Geschichte des Mars spielt sich also im Prinzip auch auf unserer Erde ab, nur dass wir noch (aufgrund von mehr Masse und eventuell auch höherem Anteil an schweren radioaktiven Elementen (Spekulation)) in weitaus früherem Stadium stehen, mit intaktem Magnetfeld, intakter Palttentektonik, intaktem Vulkanismus und damit ständigem Recycling von CO2. Wenn bei uns der Vulkanismus mal temporär eine Pause macht, dann frieren wir hier gnadenlos ein, ist schon ein paar mal in der Erdgeschichte passiert. Wenn der Vulkanismus aber mal richtig krachen lässt und beim feiern durchgeht, dann wirds, nachdem sich der Staub verzogen hat äusserst und unangenehm warm. Ist auch schon passiert.
    das Menschengemachte CO2 steht übrigens komplett ausserhalb des natürlichen geologischen CO2 Kreislaufes.

  8. #8 Folke Kelm
    18. März 2016

    #1 Chemiker
    Das bezieht sich auf dem Mars immer auf die Höhe zur umgebenden Ebene, also eine relative Höhe. Würde man das auf der Erde so machen, dann wäre Hawaii mit den Gipfeln Mauna Loa und Mauna Kea der höchste Berg der Erde mit etwas über 10 000 m. Da wir uns aber hier auf normal null geeinigt haben ist der Mount Everest der Sieger. Normal null ist übrigens auch ein riskantes Konstrukt, weil die mittlere Meereshöhe an unterschiedlichen Punkten der Erde ganz unterschiedlich ist. Das östliche Mittelmeer liegt zum beispiel mehr als 2 m tiefer als das westliche, und global variiert der Meeresspiegel um mehrere zehner m rauf oder runter. Deshalb ist die Höhe über dem Meeresspiegel auch in allen Ländern unterschiedlich definiert.

    #3 pdb17
    Du kannst auch ohne “absolute” Genauigkeit gute Wissenschaft betreiben. Die Geologen haben das immer betrieben solange sie die Isotopengeochemie noch nicht hatten. Pseudowissenschaft wirds erst, wenn man ohne Belege eine absolute Genauigkeit behauptet und versäumt, auf die notwendige und auch obligatorische Fehlerrechnung zu verweisen.

  9. #9 Alderamin
    18. März 2016

    @Folke Kelm

    wenn wir erst einmal dort vor Ort sind und gezielt Proben nehmen können

    Sind wir doch schon… Spirit, Oppi und Curiosity schnüffeln, bohren und lasern/spektroskopieren doch fleißig das lokale Gestein. Oder ist von einer irdischen Analyse zurückgebrachter Proben erheblich viel mehr zu erwarten? Frage ich als geologischer Laie.

  10. #10 Folke Kelm
    18. März 2016

    Auf die Gefahr hin, dass ich mich durch multiposting zum neuen Nemesis entwickele, fällt mir zum Thema Mars noch was ein, nämlich die Zeitperspektive. In dem Artikel wird schön beschrieben, wie lange das her ist, dass der Mars mal potentiell lebensfreundlch gewesen sein könnte (man beachte den Konjunktiv).
    das sind mehrere Milliarden Jahre. Ein durchschnittlicher Mensch kan sich schon kein Bild von zehntausend Jahren machen, ein durchschnittlicher Boulevardzeitungsleser hat ein temporäres Gerdächtnis von maximal 6 Jahren (nach dieser Zeit wiederholen sich die Schlagzeilen, alle 6 Jahre werden also Prominente (als variable zu nutzen, also zu der jeweiligen Zeit aktuelle Promis) von Aliens entführt, alle 6 Jahre wedren in Fischen Nematoden gefunden, alle 6 Jahre geht die Erde wirklich unter usw usw.).
    Die Vorstellung, dass diese Alienzivilisation, die das Marsgesicht hinterlassen hat, weiter von der Entstehung der Menschheit entfernt ist als die ersten auf der Erde überhaupt nachgewiesenen Fossilien ist dem Normalbürger nicht zugänglich. Als Geologe übt man sich darin, aber den Aspekt von millionen oder milliarden von Jahren zu erfassen gelingt nicht einmal allen Geologen.

  11. #11 Folke Kelm
    18. März 2016

    Alderamin

    durchaus erheblich mehr. Die Analytik auf dem Mars vor Ort ist aus Platz und Energiegründen doch recht beschränkt. Du kannst einfach keine komplette Röntgenfluoreszens oder Röntgendiffraktometrie in den keinen Dingern unterbringen. Du kannst keine Massenspektroskopie betreiben, Du kannst keine grossen Gesteinsproben räumlich orientiert entnehmen und Dünnschliffe machen die Du dann unters Mikroskop legst und vor allem kannst Du nicht eben mal das Team in unterschiedliche Richtungen schicken und einfach mal gucken lassen. Du kannst auch keine systematische Auswertung von Schichtflächen vornehmen.
    Das einzige was wir bisher können ist punktgenau eine oder mehrere ganz bestimmte Fragestellungen zu bearbeiten. Interessant wirds erst, wenn wir uns dahinbegeben und zuerst grob, und dann in interessanten Bereichen sehr detailliert arbeiten können, eben mit der “hands on the rock” Methode (die ich lustigerweise im zarten Alter von Mitte 50 gerade wieder hervorkrame), mit Unterstützung eines kompletten Feldlabors. Auch wenn die Analytik seit meinen grossen Tagen in den 80ern und 90ern bei weitem kleiner geworden ist, so sind die kleinen raumfahrtkompatiblen Systeme doch auch leider recht beschränkt.

  12. #12 Florian Freistetter
    19. März 2016

    @Folke Kelm: “das diskutiere ich mal mit ihm über ne Flasche Bier,”

    Immer gerne!

  13. #13 Folke Kelm
    19. März 2016

    Na dann, am 18. April gibts hier bei mir ein Bierseminar, da müsstest du aber schon nach Schweden kommen.

  14. #14 Dietmar
    19. März 2016

    Wieder eine Perle. Artikel wie Kommentare.

  15. #15 Roland B.
    19. März 2016

    Man kann die echte/absolute Höhe eines Berges auch noch ganz anders definieren, nämlich als Abstand zum Planetenmittelpunkt. Dann wäre, wegen der Abweichung des Geoids von einer Kugel der Chimborazo in den Anden Sieger.

  16. #16 Adent
    19. März 2016

    @Folke Kelm

    Auf die Gefahr hin, dass ich mich durch multiposting zum neuen Nemesis entwickele,

    Weit, weit, weit davon entfernt, aber beschrei es nicht :-)

  17. #17 Higgs-Teilchen
    Im Standardmodell oben rechts
    19. März 2016

    @Folke Kelm

    Nice! Das ist mal echt ein guter, verständlicher Kommentar.
    Danke!

    Lg H.

  18. #18 Paul
    19. März 2016

    @Folke Kelm

    Normal null ist übrigens auch ein riskantes Konstrukt, weil die mittlere Meereshöhe an unterschiedlichen Punkten der Erde ganz unterschiedlich ist.

    Das kann auch zu peinlichen Fehlern führen:

    das ausführende Ingenieurbüro legte eine Seite der Brücke ganze 54 Zentimeter zu tief an. … Während man bei den Schweizer Nachbarn nämlich das Niveau des Mittelmeeres bei der Berechung einer Höhe zu Grunde legt, orientieren sich die Deutschen gen Norden, an der Nordsee.

    Aus SPON: Planungspanne: Rheinbrücke mit Treppe – 54 Zentimeter Höhenunterschied

  19. #19 Paul
    19. März 2016
  20. #20 Dampier
    19. März 2016

    Und einer Kollision mit so einem Riesen-Asteroid dürfte der Mars auch die heute immer noch sichtbare Zweiteilung seiner Oberfläche zu verdanken haben. Die nördliche Hemisphäre wird von flachen Ebenen dominiert, im Süden ist der Planet von riesigen Gebirgen und tiefen Tälern durchzogen.

    Interessant. Da muss ich an einen Artikel aus den 90er Jahren denken, als das Internet noch rätselhaft und spannend war; der postulierte, dass die ungleiche Verteilung der Marskrater auf den Impakt eines kurz vorher zerbrochenen Asteroiden zurückzuführen sein. Das scheint ja sogar zu stimmen. Allerdings wird dort auch behauptet, das alles hätte an einem einzigen Tag stattgefunden und sei auch noch nicht lange her. Das klingt dann doch eher nach Velikowsky …

    Der Vollständigkeit halber wollte ich die Geschichte mal hier erwähnen.

    The Scars of Mars

    93 percent of all the craters 20 miles in diameter or larger are in one hemisphere. The “Hemisphere of Craters” is centered at Latitude 45 degrees South and at Longitude 319 degrees West. This hemisphere is termed “The Hemisphere of Craters” and its opposite hemisphere is called “The Opposite Hemisphere.”

    A count has been made of the craters 20 miles and larger in diameter on Mars. […]

    The following conclusions can be made:

    I . Mars received about 86 percent of its craters in one catastrophic day.

    2. Mars received the other 14 percent of its craters during all other time.

    3. The 14 percent in all other time impacted Mars equally in both hemispheres.

    4. Approximately 2831 of the 3068 craters in the Hemisphere of Craters impacted Mars during one single day, and, for that matter, during one single 60-minute spasm of tidal upheaval and crater formation.

    5. Apart from this catastrophic day, Mars has had an astronomical history far more serene, for whatever reason, than either Mercury or the Moon.

    6, As expected, the highest crater count is in the 270 to 360 degree region.

    7. The Hemisphere ot Craters is centered on the aforementioned subpoint of 45 degrees South Latitude and 319 degrees West Longitude.

    8 The subpoint is just east of the massive Hellas Crater, which is logical if Hellas was the core of the fragmenting Astra.

  21. […] ich letzte Woche in meinem Podcast über Berge auf dem Mars gesprochen habe, wurde mir dabei auch eine Frage gestellt, die mir in diesem Zusammenhang oft […]

  22. […] Folge 173: Die geologische Geschichte des Mars […]