Vorgestern habe ich mich darüber beschwert das es mit der bemannten Raumfahrt nicht vorwärts geht. Seit gestern reden alle vo Stephen Hawkings Beteiligung am “Breakthrough Starshot”-Projekt, mit dem man zu den Sternen fliegen will. Das ist natürlich eine spannende Sache – aber mit Raumfahrt im eigentlich Sinn hat das wenig zu tun und schon gar nicht mit bemannter Raumfahrt. Man will mit briefmarkengroße “StarChips” mit einem Laserstrahl von der Erde aus antreiben und während weniger Jahrzehnte bis zu Alpha Centauri schicken. Es wäre grandios, wenn das wirklich klappt und noch grandioser wäre es, wenn man mit den Mini-Dingern irgendwelche brauchbaren Daten sammeln könnte. Bis sich daraus ein neuer Weg für die bemannte Raumfahrt entwickelt (wenn überhaupt) wird es mit Sicherheit noch viel länger dauern.

Das grundlegende Problem aller Raumfahrtprojekte ist ja das vergleichsweise kurze Stück von der Erde in den Weltraum. Die gravitative Anziehung zu überwinden braucht riesige Raketen, die nicht nur kompliziert und teuer sind, sondern im Vergleich zu ihrer Größe nur sehr wenig Material/Menschen transportieren können. Die aktuellen Projekte mit wiederverwendebaren Raketen sind ein guter Schritt vorwärts aber auch ein Schritt, der nichts fundamental ändern kann. Bessere Raketen sind immer noch Raketen. Wollte man die Situation wirklich ändern, müsste man auch einen wirklich anderen Weg ins All finden.

Oben das All. Unten die Erde. Dazwischen der Weltraumlift. (Bild: NASA)

Oben das All. Unten die Erde. Dazwischen der Weltraumlift. (Bild: NASA)

Zum Beispiel den Weltraumlift. Die Idee dazu stammt vom Raketen-Pionier Konstantin Ziolkowski und er hatte sie noch bevor er sich die Sache mit den Raketen ausgedacht hatte. Seit damals haben sich viele Leute Gedanken über eine physische und dauerhafte Verbindung zwischen Erde und All gemacht und festgestellt, dass es prinzipiell machbar ist (Ich habe darüber in diesen beiden Podcastfolgen gesprochen und noch ausführlicher in meinem Buch “Asteroid Now!” geschrieben). Nur halt sehr teuer und kompliziert. Vorerst zumindest. Denn wenn so ein Ding erstmal da wäre, würde die Raumfahrt auf einmal extrem billig und wir könnten Projekte verwirklichen, die heute tatsächlich nur Science-Fiction sind.

Aber ich wollte ja eigentlich nicht schon wieder ein Plädoyer für die (bemannte) Raumfahrt bzw. den Weltraumlift halten, sondern nur auf dieses schöne Video zum Thema hinweisen:

Kommentare (44)

  1. #1 Eumenes
    14. April 2016

    Schönes Video. Nur wie soll ein “Fahrstuhl” auf dem Mond funktionieren, wenn für eine lunastationäre Umlaufbahn ein Seil von ca. 90 000 km nötig wäre; also längst die Gravitation der Erde überwiegen würde? Ein Erdsatellit hätte dort eine Umlaufzeit von ca. 18 Tagen.

  2. #2 L.X.
    14. April 2016

    Ich war von Hawking sehr enttäuscht, dass er sich an einem solchen projekt beteiligt. naturwissenschaft läuft immer mehr gefahr in grenzenlose neu-GIER zu verfallen.
    da ein naturwissenschafter immer beweisen kann dass er recht hat und mit technologischem fortschritt seine macht demonstrieren kann, kann seine gier so nicht gestoppt werden.

    ich kann mir aber auch vorstellen, dass durch derartige neu-GIER projekte, sich die naturwissenschaft mehr und mehr kritiker in den eigenen reihen einfängt.

    Der Menschen wird leidvoll erkennen, dass er durch die naturwissenschaften ein monster erschaffen hat, welches er selbst mit vernunft nicht stoppen kann.

    eine seriöse wissenschaft, schafft nicht nur wissen, sondern ist auch in der lage die probleme auf der erde zu lösen. wer den menschen keine arbeit geben kann, wird früher oder später den status der “seriösität” verlieren.

    wenn das so weitergeht, dann muss sich eine generation aufopfern um dieses monster zu zügeln.

    wer meldet sich freiwillig ?

  3. #3 Robert
    Muenchen
    14. April 2016

    Ich fürchte nur, der Weltraumfahrstuhl ist konzeptionell nicht so viel anders als das Projekt “Wir bauen einen Turm bis in den Weltraum”. Beim Fahrstuhl ist die Belastung via Zentrifugalkraft eben oben, beim Turm normalerweise unten. Aber sie sind ähnlich realistisch.

  4. #4 Captain E.
    14. April 2016

    @L.X.:

    “Erschaffene Monster”? “Wer den Menschen keine Arbeit geben kann?” Das hört sich nicht nach Wissenschaftlern an, sondern nach Milliardären, Managern, Spekulanten, Daytradern, Panama-Anlegern, Steuerbetrügern. Die Wissenschaftler stehen auf dieser Liste der Menschen, die ihre Mitmenschen im Stich lassen, obwohl sie ihnen helfen könnten, ziemlich weit hinten.

    Und übrigens: Den “Beweis” im eigentlichen Sinne gibt es in den Wissenschaften nicht. Ideen können mit Belegen gesichert, aber niemals bewiesen werden. Widerlegt werden können sie dagegen schon.

  5. #5 Francisco Garcia
    Aachen
    14. April 2016

    Bin ein großer fan des Weltraumlifts. Wundert mich das die Sciencefiction dem Thema keine Beachtung schenkt. Oder gibt es einen Film mit dem Weltraumlift?

  6. #6 André
    14. April 2016

    @Robert: nimm doch mal eine Angelschnur, sagen wir mal 1,5m lang; häng ein Bleigewicht dran, so etwa 1kg schwer. Halte die Schnur am anderen Ende fest und lass das Bleigewicht frei hängen … geht problemlos, oder?
    Und jetzt versuche es umgekehrt: also suche einen 1,5m langen Stab, auf dem Du das Gewicht oben anbringst, und den stellst Du auf Deine Hand und lässt ihn frei stehen.

    Erkennst Du den Unterschied? Ich erkenne gleich mehrere:
    1. der Stab ist dicker als die Angelschnur.
    2. der Stab ist schwerer als die Angelschnur.
    3. der Stab muss aktiv vorm umfallen bewahrt werden (balancieren), während die Schnur ganz von alleine senkrecht bleibt.

  7. #7 Robert
    Minga
    14. April 2016

    @André: Der Weltraumlift wäre ja vermutlich ebenso ausbalanciert, dass er nicht mehr wesentlich an seiner Verankerung ziehen würde. Am Boden ist die Kraft also praktisch 0, das ist grade die Grenze zwischen stehen und hängen. Sowohl beim Weltraumturm als auch beim Weltraumlift wird oben nach oben und unten nach unten gezogen. Und das Problem bei beiden ist, dass das Ding doch ziemlich lang ist und daher ein so grosses Eigengewicht hat, dass dies das Hauptproblem ist (selbst wenn es 150km lange carbon nano tubes gäbe, die man sinnvoll verknüpfen könnte). Was sich sage, dass es nur ein anderes framing ist, ob man das Ding als Lift oder als Turm begreift (physisch ist es das gleiche Ding), nur als Turm wird einem die technologische Herausforderung klarer.

  8. #8 Hobbes
    14. April 2016

    @Robert:
    Vermutlich wüde man auch die ersten 1000 Meter mehr oder weniger als Turm bauen und ihn auf einer Möglichst hohen stelle bauen (von denen es leider nicht all zu viele geeignete gibt.) Nicht unbedingt weil es sinnvoll ist. Sondern weil man damit mehr erfahrungen hat und somit unbekannte minimiert. Auch wenn dieser Turm nur 2% der strecke sparen würde, wäre das schon 2% mehr Planungssicherheit.

    Zum Thema
    Rechnen wir mal die Kosten durch.
    Realistisch kostet nen Kilo 10.000$ um es in den Weltraum zu befördern. Wahrscheinlich noch billiger (je nachdem wann das Ding fertig ist.)
    Eine Tonne also 10Mio. Die Masse die wir pro Jahr ins All befördern kenne ich leider nicht (und finde ich nichts zu) Aber gehen wir mal von 200 Tonnen aus. Also etwa 2 Milliarden Jahresumsatz. Man kann nun davon ausgehen das bei billigerem Preis mehr nachfrage generiert wird, der Umsatz allerdings gleich bleibt. Eine realistische Abschreibungsdauer dürfte 15 Jahre sein. Eine Wirtschaftlichkeit liegt also erst Kosten unter 30Mrd vor. Sagen wir eventuell 60Mrd da man Forschungsgelder ohne ende abgreifen kann.
    Darin sind aber noch keine Risiken drin. Vor allem die diplomatischen Verstrickungen dürften locker zu den 10fachen Kosten führen die theoretisch machbar sind. Ein stationäres hoch empfindlich Megaprestigeobjekt dürfte zudem kaum versicherbar sein. Selbst wenn ein Staat wirklich wollte könnte er so ein Projekt leider nicht realisieren. Einfach weil die Eckdaten zu schlecht sind um das Projekt anderen schmackhaft zu machen. Und die politischen Folgen wären zudem Katastrophal wenn es kein UN-Projekt wäre.

  9. #9 Hobbes
    14. April 2016

    muss natürlich 0,2% heißen

  10. #10 Roland
    14. April 2016

    Mit 36000 km haben die sich aber um eine Größenordnung vertan.
    Und mir fehlt der Hinweis darauf, daß der Lift nicht nur der Weltraumforschung dient, sondern auch jede Menge Probleme auf der Erde lösen würde (allen voran die Energieversorgung und alles, was sich mit billiger Energie dann lösen läßt).

  11. #11 Captain E.
    14. April 2016

    @Hobbes:

    Ich komme mit deinen 0,2% auf eine Gesamtlänge von gerade einmal 500 km. Das wird nicht reichen…

  12. #12 Alderamin
    14. April 2016

    @Hobbes

    Wahrscheinlicher ist, dass die Bodenstation ein Schiff ist, das bei der Gefahr einer Kollision mit größerem Weltraumschrott das Seil zur Seite ziehen könnte.

    In internationalen Gewässern hätte man auch weniger Stress mit Territiorialpolitik.

    Realistisch kostet nen Kilo 10.000$ um es in den Weltraum zu befördern. Wahrscheinlich noch billiger (je nachdem wann das Ding fertig ist.)

    Im Video oben geht man $200/kg aus, gegenüber $20000 mit einer konventionellen Rakete; mit der teilweise wiederverwendbaren Falcon 9 könnten es zukünftig $1600/kg sein, mit der Falcon Heavy gar $500/kg, was die Kalkulation eines Weltraumlifts ganz schön in die Bredouille bringen würde.

  13. #13 Alderamin
    14. April 2016

    @Roland

    Mit 36000 km haben die sich aber um eine Größenordnung vertan

    Wieso? Der Lift muss bis zur geostationären Bahn reichen, und die liegt 35800 km über der Erdoberfläche. Mit einem Lift bis in 53100 km Höhe könnte man von dort sogar das Schwerefeld der Erde verlassen, mit einem noch längeren Kabel gar Jupiter erreichen.

  14. #14 Rubeus Schmidt
    de
    14. April 2016

    Ich kann die Folge “Space Elevator” aus dem Podcast Raumzeit nur wärmstens empfehlen.
    ESA Missionsanalyst Markus Landgraf hat sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt und gibt Einblicke wie so ein Ding funktioniert.

    http://raumzeit-podcast.de/2013/07/05/rz054-space-elevator/

    Überhaupt, Raumzeit ist eine Empfehlung.

    Gruß
    R.Schmidt

  15. #15 gedankenknick
    14. April 2016

    @Francisco Garcia #5
    Ich meine, schon mal einen SF-Film mit Weltraumlift (am Rande erwähnt) gesehen zu haben, aber mir fällt derzeit nicht ein, wie er heißt.

    Buchtechnisch bin ich das erste Mal bei Terry Pratchett in “Strata” drüber gestolpert.

  16. #16 Christian
    Herten
    14. April 2016

    Schön beschrieben wurde der Lift auch bei F.Schätzings “Limit”

    https://de.wikipedia.org/wiki/Limit_%28Roman%29

  17. #17 Roland
    14. April 2016

    @Alderamin
    Der Schwerpunkt muß auf der geostationären Bahn liegen. Darunter zieht aber mindestens das Gewicht des Seiles. Soweit ich verstanden habe, plant man eher, das Seil auf 143.780 km zu verlängern, so daß sich Zentrifugalkraft und Zentripetalkraft auf der geostationären Bahn aufheben.

  18. #18 Captain E.
    14. April 2016

    Bei Star Trek Voyager gab es einmal eine Folge mit einem Lift. Neelix konnte da mit Erfahrungen glänzen, die selbst Tuvok abgingen. Optisch war es allerdings keine große Sache.

  19. #19 Bullet
    14. April 2016

    eine seriöse wissenschaft, schafft nicht nur wissen, sondern ist auch in der lage die probleme auf der erde zu lösen.

    Genau. Und außerdem Glückskekse für alle. Und freitags.

  20. #20 Richard
    14. April 2016

    @Francisco Garcia (#5), gedankenknick (#15) Christian (#16):

    Wundert mich eigentlich, dass hier noch niemand den SF-Klassiker zum Thema erwähnt hat: “The Fountains of Paradise” von Arthur C. Clarke

  21. #21 Florian S.
    14. April 2016

    Naja, auch dies ist wieder ein Beispiel dafür, wie sehr wir in unserem heutigen Denken und Handeln auf Technik fokussiert sind und damit die wichtigeren Fragen und drängenderen Probleme, die auf uns zukommen, erfolgreich verdrängen. Denn menschlich bringt uns so ein Weltraumlift keinen Schritt weiter, nur kulturell. Eine ethische Weiterentwicklung ist aber unabdingbar um die zukünftigen Herausforderungen hier unten, die unweigerlich auf uns zukommen, zu meistern um DANN in der Lage zu sein, so ein Vorhaben gemeinschaftlich und ohne partikularinteressen umzusetzen, damit wir auch alle – als Menschheit – davon profitieren. Die Technik wird uns hier leider keine Lösung liefern, es liegt ganz an uns selbst.

    Ich bin nicht gerne der Spielverderber, auch mich faszinieren solche Ideen wie der Weltraumlift, aber es muss klar sein, dass unsere Prioritäten momentan einfach woanders liegen sollten, weil wir eben in Zivilisationen leben, die dauerhaft für diesen Planeten untragbar sind und sich zugrunde richten werden wenn man weiter so verfährt wie bisher. Manche Probleme sähe ich eben gerne gelöst bevor der letzte Tropfen Öl quasi sinnlos verbrannt wurde und das erste Seil ohne konkretes Ziel, ohne eine Vision, in den Weltraum gespannt wird.

    Leider liest man in dieser Hinsicht viel zu wenig in wissenschaftlichen Artikeln. Generell habe ich das Gefühl, es geht in der Wissenschaft zu sehr um “das können wir” und fast niemand fragt “aber sollen wir?” Letzere ist zwar keine wissenschaftliche Fragestellung, ist meiner Meinung nach aber unbedingt erforderlich wenn Wissenschaft nicht nur Mittel zum Zweck sein soll.

  22. #22 Francisco
    Aachen
    14. April 2016

    @Captain E.

    Korrekt, Staffel 3 Folge 19 “Die Asteroiden”

    Vielen Dank für den Hinweis 🙂

  23. #23 Florian Freistetter
    14. April 2016

    @Florian: ” Denn menschlich bringt uns so ein Weltraumlift keinen Schritt weiter”

    Und zwar weil? Wenn die gesamte Menschheit (und so ein Projekt kann kein Land alleine stemmen) so ein Vorhaben verwirklicht, dann hat das durchaus Folgen!

    “Manche Probleme sähe ich eben gerne gelöst bevor der letzte Tropfen Öl quasi sinnlos verbrannt wurde und das erste Seil ohne konkretes Ziel, ohne eine Vision, in den Weltraum gespannt wird.”

    Und wer sagt, dass es diese Ziele nicht gibt? Die gibts natürlich (und ich hab im Text ja auch auf weiterführende Literatur verwiesen). Gerade das Energieproblem ist eines der Ziele. Wenn ein Weltraumlift da ist, sind auch Kraftwerke im All keine unrealisierbare Sci-Fi mehr. Sondern eine reale Option das Energieproblem der Erde dauerhaft zu lösen. Und das war nur ein Beispiel von vielen…

  24. #24 advanced deep space propeller
    14. April 2016

    @ florian s

    und siehe bitte auch den

    https://de.wikipedia.org/wiki/Overview-Effekt

  25. #25 Artur57
    14. April 2016

    Hier wird das ganze Problem einmal rechnerisch behandelt. Es hapert da noch an der Reißlänge der Materialien, allerdings ist der Artikel da nicht auf dem Laufenden, denn da hat sich Entscheidendes getan. Mit Graphen hat man eine Verbesserung um den Faktor 10 und mehr erreicht. So langsam kommt der Fahrstuhl in den Bereich des Möglichen.

  26. #26 Dirk Zabel
    14. April 2016

    Was ist eigentlich mit der Corioliskraft? Würde nicht eine aufwärts transportierte Nutzlast eine horizontale Kraft entgegen der Rotationrichtung der Erde auf das Tragseil ausüben? Würde dadurch das ganze System nicht nach vielen solcher Transporte derart gestört, dass sich das Seil irgendwann “um den Äquator wickeln” würde.

  27. #27 Artur57
    15. April 2016

    @Dirk Zabel

    Ja, die Corioliskraft wirkt natürlich und bewirkt einen Bauch des Seils in Richtung Osten. Aber andererseits ist da das Gewicht in 108.000 Kilometer Entfernung, das das Seil wieder strafft (gemäß von mir verlinktem DRG-Artikel). Wenn nun das Seil durch die Transporte einen zu argen Bauch bekommen hat, müssen eben alle Transporte so lang warten, bis das Seil durch die Fliehkraft des Gewichts wieder senkrecht ist.

    Verlangamt die Sache zwar, macht sie aber nicht unmöglich.

  28. #28 Tohuwabohu
    Berlin
    15. April 2016

    @Artur57
    Die Sonne geht im Osten auf – also dreht sich die Erde in Richtung Osten. Der aufwärts fahrende Lift hat beim Start die Geschwindigkeit der Erdoberfläche und muss während der Aufwärtsfahrt in Richtung Osten beschleunigt werden – der Bauch ist also nach Westen gerichtet (wenn es wieder nach unten geht, dann muss der Lift in Drehrichtung abgebremst werden, hier zeigt der Bauch also nach Osten).
    Das Gegengewicht (der “Satellit an der Leine”) muss nur weiter als 36Mm (Megameter) über der Erdoberfläche sein, eine Verlängerung auf 108Mm ist unnötig – Hauptsache die Masse reicht, um das Seil mit Lift und Nutzlast straff zu halten. Ein längeres Seil würde allerdings an seinem der Erde abgewandten Ende eine höhere Startgeschwindigkeit für weitergehende Raumflüge bieten.

  29. #29 Artur57
    16. April 2016

    @Tohuwabohu

    Da hast Du natürlich recht. Bauch nach Westen.

    Bezüglich der Seillänge: das ist eben eine Abschätzung, wie weit außen das Gewicht sein muss, um die Masse bis 35.800 Kilometer senkrecht zu halten. Bei 35.800 Kilometer herrscht (geostationär) Gleichgewicht zwischen Fliehkraft und Anziehungskraft. Aber das darunter liegende Gewicht muss getragen werden. Eine nur kleine Abweichung von diesem Radius reicht da nicht. Der Artikel kommt auf eine Gesamtlänge von 108.000 km. Schon viel. Das ist mehr als ein Viertel der Strecke zum Mond.

  30. #30 TSK
    16. April 2016

    Der Weltraum”lift” selbst wird wohl nicht gebaut werden. Wenn die Leute hier von Mond- oder Jupiterkabeln reden, fehlt wohl die Vorstellung, welche Belastungen auftreten. Noch mal: Der Weltraumlift benötigt eine Länge von 36 000 km (!). Kilometer, nicht Meter. Das Bauen eines Turms von 1 km würde ungefähr 0,003 % sparen. Um das mal zu verdeutlichen: Unter der Reißlänge eines Materials versteht man, ab wann man ein Seil mit gleichbleibenden Durchmesser unter dem Eigengewicht reißt. Je leichter und zugfester, desto besser. Bester Stahl hält nur wenige Kilometer, moderne Angelschnüre und Seide kommen in den 10-100 km Bereich. Graphen ist etwa 100 mal stärker als bester Stahl und ungefähr 3.5 mal leichter, würde also optimal bis 350 * 10 km = 3500 km reichen, was immer noch eine Größenordnung zuwenig ist. Zwar nimmt die Erdanziehung ab, andererseits besitzen Materialien Fehlstellen und Atome wandern im Material, was die Zugfestigkeit bei längeren enorm schwächt.

    Was aber tatsächlich möglich ist und die Idee ist wirklich faszinierend: Der Weltraumspringbrunnen (Space fountain, leider nur in Englisch) . Man feuert elektromagnetisch beschleunigte Kugeln mit 12 km/s nach oben. Die Struktur bremst diese Kugeln mittels Induktion ab (evtl. korrigiert die Richtung) und wird als Gegenkraft nach oben beschleunigt. Die Kugeln werden oben umgelenkt und fallen dann wieder nach unten, um Fallenergie aufzunehmen. Am Ende werden die Kugeln aufgefangen und wieder nach oben umgelenkt (Die Technologie für solche Magnete haben wir bereits, dank Beschleunigeranlagen und Kernfusionsforschung). So kann man ganz ohne exotische Materialien einen Turm an beliebiger Stelle (nicht nur geostationär) bauen und auf beliebiger Höhe unterhalb der geostationären Bahn aufhören.

  31. #31 karlos
    17. April 2016

    Tolles Video, gutes Thema, schön getrickfilmt. Aber wer hat das gemacht und dabei die Raumpatrouille-Orion eingebaut!?

  32. #32 Vortex
    17. April 2016

    Ein auf Kohlenstoff basierendes Seil ist elektrisch Leitfähig, was auch ein logischer Grund wäre, daß ein solcher Weltraumlift niemals gebaut werden kann, denn die lange Leitung würde sofort durchbrennen, wegen der enormen Ströme die ja abgeleitet werden müssen.

    Von ständigen weltraumnahen, extrem starken Blitzschlägen (Kobolde) ganz zu schweigen, dazu kommt noch die zunehmend stärkere UV-Strahlung entlang des Kabels in großen Höhen, besonders aber im Weltraum selbst. Die ständige Einwirkung durch solare Partikelstrahlung und kosmische Mikrometeoriten würden die Struktur des Kabels ebenso recht rasch zerstören.

    Am vernünftigsten wäre vmtl. ein ca. 200 – 300 km langer Linearbeschleuniger, der eine aerodynamisch-zylindrische Kabine inkl. Material, kontinuierlich so beschleunigt das damit eine stabile Umlaufbahn erreicht werden kann, der Rest der Strecke bis zur Raumstation kann dann problemlos mit kleinen Steuerdüsen reguliert werden.

  33. #33 Mirko
    HH
    18. April 2016

    Hallo FF,

    Kannst du mal was zur Mechanik bei dem Hawking-Thema um diese Briefmarkenraumschiffe sagen?
    – Wieso beschleunigen Photonen das Raumschiff?
    – Wieso muss das Segel spiegeln?
    – Reicht es, die Raumschiffe einmalig auf Reisegeschwindigkeit zu beschleunigen (Trägheitsgesetz und nichts was bremst) oder muss man das über die 20 Jahre dauerhaft mit Energie ‘versorgen’ (v aus E=m/2*v^2) bzw regelmäßig ‘Beschießen’
    Warum versucht man das nicht erstmal mit einer neuen Mission zu Neptun etc- würde doch billiger sein und soll tolle Fotos bringen?

    Danke!

  34. #34 Florian Freistetter
    18. April 2016

    @Mirko: Das ist im Prinzip nichts anderes als ein Lichtsegel: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/11/16/segeln-im-weltall/?all=1 Nur nimmt man hier halt einen Laser statt des Sonnenlichts. Und da der Laser auf der Erde bleibt, kann man auch nicht beliebig lang beschleunigen. D.h. man gibt einmal Gas und dann ist Schluss.

  35. #35 Vortex
    18. April 2016

    Ergänzung zu #32:

    Eine zunehmende Unwucht der Erdrotation könnte nach einigen Jahren des Weltraumlift-Betriebes sich bemerkbar machen, also evtl. sowas wie ein Resonanzeffekt sich aufbauen.

    Wenn bereits starke Erdbeben geringfügige Auswirkungen auf die Erdrotation haben, dann wäre ein einseitiger Seilzug eines konzentrierten Massepunktes, (Seil+Gegengewicht) vmtl. irgendwo am Äquator positioniert, ebenso eine permanente Störquelle für die derzeitigen Rotationsparameter der Erde. (Veränderung des Massenschwerpunktes der Erde?)

    Man könnte z.B. ein kleines maßstabgetreues Modell einer Erdkugel bauen und an einem Seil eine kleine Gegenmasse montieren, das ganze dann rotieren lassen, wobei ein Drucksensor die Unwucht der Erdmasse ausgibt. Gab es evtl. schon solche Versuche?

  36. #36 André
    19. April 2016

    @Vortex:

    Veränderung des Massenschwerpunktes der Erde?

    Auch wenn ich nicht in der Lage bin, das auf die Schnelle genau auszurechnen, trotzdem sagt mir mein Gefühl, dass da kaum messbare Auswirkungen zu befürchten sind.
    Das erste “Seil” soll bei einer Länge von 144.000km etwa 30t wiegen. Das ist dann aber erst Angelschnurdick. Also wird das wohl noch kräftig verstärkt werden, am Ende soll es wohl etwa einen halben Meter dick sein.
    Wenn wir davon ausgehen, dass die “Angelschnur” 1mm Querschnitt hat, also eine Fläche von 0,7854mm² (π*r²), und der Endausbau 785.398mm², dann wiegt das “Seil” am Ende (785.398/0,7854)*30t = 29.999.929,84t, sagen wir grob 30 Millionen Tonnen.

    Hört sich nach viel an, aber ausgepasst: die Erde wiegt rund 6 Trilliarden Tonnen! Und bei so großen Zahlen verliert man schnell das Gefühl für die Größenordnungen.
    Denn das Verhältnis zwischen Erde und Seil ist (6*10^24) / (3*10^7), also 2*10^17. In Worten: Die Erde ist 200 Billiarden mal schwerer als das Seil.

    Ich hoffe, ich hab mich jetzt nirgendwo verrechnet. Aber ich schätze die Auswirkungen des Seils auf die Erde kaum anders ein, als die Auswirkungen der alten Dame, die mit ihrem Hund auf’m Deich spazieren geht 🙂

  37. #37 Franz
    19. April 2016

    @Florian S.
    Ich bin nicht gerne der Spielverderber, auch mich faszinieren solche Ideen wie der Weltraumlift, aber es muss klar sein, dass unsere Prioritäten momentan einfach woanders liegen sollten,
    Liegen sie doch. Schau dir mal die Zahlen an. Nimm als Beispiel Österreich.
    Soziale Sicherung:74,6 Milliarden
    Bildung: 16,8 Milliarden
    Gesundheit: 27 Milliarden
    Forschung (Topf wirtsch. Angelegenheiten, allgemein): ca. 4 Milliarden, davon Raumfahrt so an die 0,048 Milliarden (ESA Beitrag)

    Auf Grund der Zahlen würde ich sagen ,dass der Fokus definitiv NICHT auf Weltraumfahrt liegt in Österreich. In anderen Ländern ist es vermutlich ähnlich.

  38. #38 Wage
    19. April 2016

    Hmmm… ein Weltraumlift wäre eine tolle Sache, da wären allerdings noch zwei ziemlich interessante Ansätze:

    1) Magnetoplasmadynamische Antriebssyteme und eine Mondbasis. Wer so ein wenig auf aktuelle, wissenschaftliche Titelgeschichten geachtet hat wird festgestellt haben das es im Moment ziemlich viel Wirbel um Wasser auf dem Mond gibt. Antriebssysteme funktionieren nach dem Rückstoßprinzip und im Prinzip handelt es sich dabei um einen elektromagnetischen Antrieb, ähnlich eines Ionentriebwerks, welche mit Gas funktionieren. In diesem Fall funktioniert der Antrieb tatsächlich mit Wasser und abgesehen davon das auf dem Mond nur etwa ein Sechstel der Erdschwerkraft zum starten bewältigt werden muß, erledigt sich damit auch die Treibstoffproblematik. Das bedeutet das man diesen nicht erst umständlich von der Erde ins Orbit transportieren müßte.

    2) Ich habe da eine sehr interessante Idee vom Breaktrough Starshot Kongreß gehört: einige hier werden sich sicher noch an diese FOCAL Geschichte erinnern, dabei geht es darum die Gravitation der Sonne als Linse für ein Teleskop zu nutzen. Dazu müßte man allerdings einige Werkzeuge recht weit aus dem Sonnensystem heraus bewegen. Die Idee ist folgende: also selbst wenn man so eine Mikrosonde per beamed propulsion (Laser auf Lichtsegel) nach Alpha Centauri bringen könnte (und es spricht im Prinzip nichts dagegen), hat man das Problem das diese Sonde ja Daten senden müßte. Das ist speziell bei kleinen Sonden und einer Entfernung von 4,34 Lichtjahren nicht ganz unproblematisch. Der Ansatz ist FOCAL mit Mikrosonden mit lasergepushten Lichtsegeln umzusetzen um dies als Gravitationslinse zu verwenden um kleinste Lasersignale von Interstellaren Sonden (z.B. von Alpha Centauri) zu vergrößern, aufzufangen um so die Kommunikation zu gewährleisten, was die Zeitspanne um die FOCAL mission umzusetzen von ca. einem Jahrhundert auf irgendwas um die fünf Jahre verkürzen würde. Es kommt aber noch besser:

    Für lasergetriebene Lichtsegel braucht man leistungsstarke Laser. Kürzlich hat die NASA allerdings ein, meiner Meinung nach, weitaus geeigneteres Antriebskonzept ausgebrütet: das Heliopause Electrostatic Rapid Transit System. Es geht im Prinzip darum mit polarisierten Drähten die positiven Teilchen vom Sonnenwind zur Beschleunigung zu nutzen. Wenn man der Arbeit glauben darf ist dies noch effizienter als Lichtsegel und man benötigt keinen Laser, den Stern haben wir ja schon. Außerdem lassen sich per Neutrinomessung ziemlich genau solare Emmisionsausbrüche vorhersagen. Das ist ein mächtiges Katapult.

  39. #39 ZeT
    21. April 2016

    Mobile Suit Gundam 00 (wenn mich nichtg alles täuscht)

    Da find ich den Solarkollektorring ja auch interessant. Muss man sich mal angesehen haben. 😉

  40. #40 Basilios
    Suits
    23. April 2016

    @ZeT
    An einen Solarkollektorring konnte ich mich da gar nicht mehr erinnern. Ich hatte bei Gundam 00 nur noch die “Orbital Elevators” im Kopf. Aber stimmt, das System aus drei Weltraumliften ist ja noch um diese zwei geostationären Ringe erweitert worden:

    http://gundam.wikia.com/wiki/Orbital_Elevator

    Coole Idee
    \(^_^)/

  41. #41 rolak
    23. April 2016

    Gundam

    Mist. Sammle grad sowieso die Brösel aus mehreren Teilarchiven zusammen – nach dem Kickstart von euch beiden fange ich bestimmt auch noch an zu gucken…

    ;‑)

  42. #42 Basilios
    Suits
    24. April 2016

    Ach weißt Du, rolak, ich bin nie so der große Gundam Fan gewesen. Das ist mir meist viel zu sehr Jungskino gewesen, bei dem man nicht so sehr auf die Handlung achten sollte, weil man sonst mehrkt, daß nicht so viel originelle drin steckt. Außerdem finde ich schon die grundlegende Idee, daß man Kampfmaschinen in Form von Mechas bauen könnte, ziemlich absurd. Selbst wenn man die coole Technologie hätte, dann würde man schon aus praktischen Überlegungen heraus ganz bestimmt eine rationalere Form wählen. Da fällt es mir einfach schwer so ein Setting auch nur halbwegs als glaubwürdig zu akzeptieren. Deshalb fällt es mir in Mecha-Shows auch recht schwer mich auf das bisschen Handlung zu konzentrieren. Mit zwölf Jahren hätte ich das alles verschlungen. Aber zu der Zeit gab es bei uns im TV ja nur die Wahl zwischen Heidi und Captain Future. Also habe ich eben die beiden angekuckt.
    Im gesammten (wirklich verdammt riesigen) Gundam-Universum sticht Mobile Suit Gundam 00 meines Erachtens dann schon doch ziemlich heraus. Eine sehr packende Handlung mit viel grau-in-grau Moral. Die Zeichnungen sind ziemlich aufwändig und schön gemacht. Man könnte sich allenfalls daran stören, daß die Grundidee der Handlung von Foundation gekl inspiriert sein könnte.
    00

  43. #43 rolak
    24. April 2016

    Vielen Dank für die Beihilfe zur Freizeitgesterhaltung, Basilios.