Die Raumsonde Cassini ist großartig! Seit September 1997, also seit fast 20 Jahren (!) ist sie im All unterwegs und seit 2004 erforscht sie das Saturn-System. 2005 wurde die Landesonde Huygens auf dem Mond Titan abgesetzt und ich erinnere mich noch gut daran, wie aufregend das damals war. Ich erinnere mich auch noch an die vielen anderen coolen Entdeckungen: an den Eisvulkanismus auf Enceladus, die bis dahin unbekannten Riesenringe, die Dynamik der Monde und Ringteilchen, und so weiter – Cassinis Erkenntnisse waren von Anfang an immer wieder Thema bei mir im Blog.

Dank Cassini wissen wir so viel mehr über den Saturn (Bild: NASA/JPL/SSI)

Dank Cassini wissen wir so viel mehr über den Saturn (Bild: NASA/JPL/SSI)

Diese großartige Mission ist jetzt bald vorbei. Cassini war viel länger unterwegs als geplant und der Treibstoff geht zu Ende. Man will verhindern, dass die Sonde nicht mehr kontrolliert werden kann und eventuell auf einem der Monde abstürzt. Denn damit könnten diese Himmelskörper durch irdische Mikroorganismen kontaminiert werden, die sich noch auf/an/in der Sonde befinden. Also nutzt man die Gelegenheit und spendiert Cassini zum Missionsende ein großes Finale. Die Sonde wird erstmals den Bereich zwischen den innersten Ringen und dem Saturn erforschen (etwas, das man bis jetzt vermieden hat, weil die Gefahr zu groß ist dass Cassini durch Kollisionen mit Ringteilchen zu Schaden kommt). Und am Ende wird Cassini Kurs auf Saturn selbst nehmen: Sie wird in die äußeren Schichten seiner Atmosphäre eindringen und solange Daten zur Erde schicken, wie sie kann.

Es wird ein wissenschaftlich beeindruckendes Missionsende einer wissenschaftlich beeindruckenden Mission werden. Und die NASA wäre nicht die NASA, wenn sie diesen Anlass nicht für die Produktion eines dramatischen Videos nutzen würden. Man kann darüber streiten, ob so viel Pathos nötig ist oder nicht. Man kann es aber auch lassen und sich einfach den schönen Bildern hingeben:

Ich freue mich schon auf September!

Kommentare (18)

  1. #1 Gerhard
    12. April 2017

    Gut gemacht.
    Bin auch gespannt auf die letzten Daten!

  2. #2 Alderamin
    12. April 2017

    Als das Video auf der NASA-PK vorgeführt wurde, twitterte Emily Lakdawalla, dass da anscheinend wohl jemand gerade Zwiebeln hacken würde… 😉

  3. #3 wereatheist
    12. April 2017

    In der Tat, da hat doch gerade Wer neben mir Zwiebeln gehackt!

  4. #4 noch'n Flo
    Schoggiland
    12. April 2017

    Warum hat man eigentlich so grosse Probleme damit, möglicherweise einen Mond zu kontaminieren, wenn man doch selber auf einem anderen Mond eine Sonde abgesetzt hat? Oder wurde die vor dem Start sterilisiert?

  5. #5 Alderamin
    12. April 2017

    @noch’n Flo

    Der Huygens-Lander war nicht sterilisiert worden, weil man die Wahrscheinlichkeit, dass es auf Titan Leben geben könnte, als sehr gering eingeschätzt hatte. Diese Ansicht hat sich mittlerweile etwas geändert, aber Huygens ist nun einmal schon gelandet, da kann man nichts mehr dran ändern.

    Cassini könnte aber auch auf Enceladus stürzen, und da stehen die Chancen auf Leben nicht so schlecht, angesichts eines Ozeans mit Felskontakt am Boden. Daher wird Cassini auf den Saturn versenkt. Das ist, wie im Video erklärt wird, aber nicht der einzige Grund, sondern auf diese Weise hofft man auch ein paar Messungen von Saturns Atmosphäre zu bekommen. Und man hinterlässt keinen Weltraummüll.

    Ganz ähnlich wie bei Rosetta – es war klar, dass man von der Sonde nach dem Bodenkontakt keine Signale mehr empfangen würde, aber so bekam man noch ein paar letzte Bilder aus unmittelbarer Nähe.

  6. #6 Roland
    12. April 2017

    Aliens oder Romulaner – nicht Zwiebeln.
    Das Video hat viel von Star Trek (Voyager) oder Alien (Vorspann) – toll gemacht.
    Danke “Cassini” für spannende Erkenntnisse und Danke Florian für den Beitrag.

  7. #7 Limpi
    12. April 2017

    Wie plant man eigentlich das Eindringen in die Atmosphäre eines Planeten wo man noch nicht wirklich alle Daten hat?

    Hintergrund der Frage: wenn ich mich recht erinnere kam es bei Shoemaker-Levy 9 aufgrund der recht hohen Geschwindigkeit der Bruchstücke zu einer enormen Abbremsung des Materials, was bereits beim Eintritt in die Atmosphäre zu “Explosionen” führte. Die Erklärung war (meines Wissens) dass bei hohen Geschwindigkeiten eine dichte Gasatmosphäre letzten Endes wie festes Material wirkt und die einwirkende Kraft nicht vollständig absorbieren kann, weswegen dadurch ein eindringendes Objekt den kürzeren zieht.

    Mir ist klar, dass Cassini nicht so schnell eindringen wird, aber trotzdem wäre es interessant zu wissen inwiefern man die optimale Eintrittsgeschwindigkeit berechnen kann, ohne wirklich zu wissen wie “hart” die Atmosphäre sein wird. Und selbst wenn man das abschätzen kann, wie gut kann man das überhaupt steuern? Könnte Cassini überhaupt (theoretisch) ganz sanft irgendwo landen?

  8. #8 Cloudy
    12. April 2017

    Typisch Mensch, schmeißt seinen Müll einfach aufn fremden Planeten… -.-

  9. #9 tomtoo
    12. April 2017

    Hätte man Cassini nicht in den “Polsturm” abstürzen lassen können ?

  10. #10 Dr. Elizabeth Shaw
    12. April 2017

    Mir gefällt das Video. Ist es von Ridley Scott? 😉 Schon im JOI-Video gab es mehr als eindeutige Anspielungen auf die Alien-Saga, aber dieses ist deutlich ästhetischer und wird wohl mehr für die Mission begeistern.

  11. #11 Limpi
    13. April 2017

    @Dr. Elizabeth Shaw

    Ne, das Video (und ein paar andere sehr tolle) sind von Erik Wernquist:


    erikwernquist

  12. #12 Florence
    13. April 2017

    Könnte Cassini überhaupt (theoretisch) ganz sanft irgendwo landen?

    Naja soweit ich weiß hat Saturn zumindest keine Oberfläche. Also ist “landen” das falsche Wort. Ganz zu schweigen davon, dass Cassini nicht genug Treibstoff hat um ausreichend zu bremsen für eine sanfte Landung (denke mal das gilt auch für die Monde, die ja doch auch ordentlich Masse haben).

    Hätte man Cassini nicht in den “Polsturm” abstürzen lassen können ?

    Dafür müsste man den Menge Drehimpuls loswerden. Denke nicht dass das möglich ist.

  13. #13 Alderamin
    13. April 2017

    @Florence

    Dafür müsste man den Menge Drehimpuls loswerden. Denke nicht dass das möglich ist.

    Die Bahn von Cassini hat zuletzt eine starke Inklination (Bahnneigung gegen die Äquatorebene Saturns). Im Prinzip könnte man deshalb schon einen Einschlag auf einem der Pole durchführen. Allerdings wäre es dann genau dies, ein Einschlag, die Bahn käme steil von oben, die Sonde würde sehr schnell verglühen und man hätte kaum Möglichkeiten, irgendetwas sinnvolles zu messen. Beim jetzt geplanten Manöver trifft man die Atmosphäre streifend und hat noch ein paar Minuten, in denen die Sonde Messungen anstellen und zur Erde senden kann.

    Noch toller wäre es gewesen, wenn man die Sonde in die Ringe hinein manövriert hätte, um wirkliche Nahaufnahmen zu bekommen, aber das hätte wohl mehr Treibstoff gekostet, als die Sonde jemals an Bord hatte, wenn man ungefähr die Geschwindigkeit der Ringteilchen hätte erreichen wollen – und nur dann hätte man sie scharf abbilden können.

  14. #14 Robert aus Wien
    13. April 2017

    @Alderamin:

    Und man hinterlässt keinen Weltraummüll.

    Außer im Erdorbit…

  15. #15 tomtoo
    13. April 2017

    @Alderamin

    Ach Wissenschaftler immer so trocken.

    “Im Auge des Sturms verglüht” sowas ist ein Finale ! ; )

  16. #16 Alderamin
    13. April 2017

    @Robert aus Wien

    Hat die Rakete von Cassini denn was im hohen Erdorbit zurück gelassen?

  17. #17 Manuel Rodriguez
    https://trollheaven.wordpress.com/
    14. April 2017

    Endlich mal ein seriöser Bericht über die Erforschung des Saturns. Schön mit Video und verlässlichen Fakten von der NASA. Nicht so ein Mist, wie er in den Flatearth Foren verbreitet wird, wonach der Saturn nur 100 Kilometer von der Erde entfernt ist und platt ist wie eine Scheibe.

  18. #18 ramoncito
    27. April 2017

    Eine Frage noch zu den Fotos vom Saturn (und eigentlich die anderer Planeten auch):
    Sind die bunten Bilder “Falschfarbenbilder”?

    Ich erinnere mich an einen Blogeintrag zu den Farben, aber da ging es um das sichtbarmachen des für uns sonst nicht sichtbaren Farbspektrums. Die Planetenfarben dürften wir aber erkennen :-)

    Als Beispiel das verwendete erste Bild zum hiesigen Blogeintrag vom Saturn, ist das ein normales hochaufgelöstes Foto oder nachbearbeitet bzw. mit Falschfarben?

    Ich frage, weil es die ersten Fotos vom ersten Ringdurchflug zu sehen gibt und die sind in s/w und es heißt dazu “unprocessed image”.