Über das “Goldene Brett” habe ich in der Vergangenheit schon oft in meinem Blog berichtet. Dieser “Negativpreis für den größten unwissenschaftlichen Unfug des Jahres” wird auch dieses Jahr wieder verliehen und zwar am 23. November 2017 parallel in Wien und Hamburg. Und so wie in den vergangenen Jahren sind auch diesmal wieder drei würdige Kandidaten aus all den Nominierungen ausgewählt worden:

  • Andrew Wakefield: Impfgegner; mit seiner Arbeit aus dem Jahr 1998 über einen angeblichen Zusammenhang zwischen Autismus und Impfungen hat der ganze Unsinn erst so richtig Fahrt aufgenommen. Die Studie war Quatsch, Wakefield hat Berufsverbot als Arzt – aber Leute die Impfungen für gefährlich halten gibt es trotzdem immer noch. Und Wakefield ist immer noch vorne mit dabei.
  • Peter Fitzek: Reichsbüger; selbsternannter “König von Deutschland” und prominenter Vertreter jener seltsamen und gefährlichen Gruppe von Menschen die behaupten das Deutschland (bzw. Österreich) keine souveränen Staaten sind sondern nur Firmen die wahlweise von den USA, den Juden, den Illuminaten, den Aliens oder anderen Organisationen gesteuert werden.
  • Johannes Huber: Professor an der Medizin Universität Wien, ehemaliger Vorsitzender der Bioethik-Kommission Österreich, “Hormonpapst” und Autor pseudowissenschaftlicher Bücher in denen er von Schutzengeln, Auren und Wiedergeburt fabuliert.

Außerdem gibt es wie immer den Preis für das “Lebenswerk” den diesmal die Homöpathin Cornelia Bajic und der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte bekommen.

Man mag darüber meckern dass hier so viel Unsinn so prominent präsentiert wird. Man mag darüber meckern dass man so viel Aufwand treibt um sich öffentlich über Leute “lustig zu machen”. Aber wenn man zu Ende gemeckert hat dann erkennt man dass es wichtig ist all diesen esoterischen und pseudowissenschaftlichen Unsinn nicht einfach zu ignorieren sondern auf großer Bühne zu thematisieren. Der nominierte Johannes Huber ist ein gutes Beispiel warum das wirklich wichtig ist: Einerseits ist er Professor und Mediziner und als Universitätsmitarbeiter in den Augen der Öffentlichkeit ein Vertreter der Wissenschaft. Und die medizinische Kompetenz kann man ihm sicherlich auch nicht absprechen. Aber gerade deswegen ist es um so tragischer dass dieses Vertrauen der Öffentlichkeit missbraucht wird um esoterische und komplett unwissenschaftliche Behauptungen über Schutzengel et al. mit der Autorität des Wissenschaftlers unter die Menschen zu bringen. Da sollte man weder schweigen noch zusehen sondern genau das tun was die Organisatoren des Goldenen Bretts tun und laut und deutlich darauf hinweisen um was es sich hier tatsächlich handelt.

Wer am 23. November 2017 in Wien ist der sollte in der Urania vorbei kommen wo um 20:15 die große Preisverleihung startet. Als Laudatoren werden Wissenschaftsjournalist Alwin Schönberger, Verhaltensbiologin, Science-Busters-Kollegin und Ig-Nobelpreisträgerin Elisabeth Oberzaucher und Kabarettistin Lisa Eckart die Nominierten vorstellen. Dazwischen gibt es ein buntes und lustiges Programm – bei dem auch Martin Puntigam und ich mit einer kurzen Show der Science Busters dabei sein werden.

Wer nicht in Wien ist kann sich die Parallel-Veranstaltung in Hamburg ansehen bei der unter anderem Lydia Benecke und Alexander und Alexa Waschkau (“Hoaxilla”) auftreten werden. Und wer weder in Wien noch in Hamburg sein kann, kann sich das ganze auch per Livestream im Internet ansehen (Informationen dazu gibts zeitnah auf der Homepage des Goldenen Bretts.

Ich bin schon gespannt wer diesmal den Preis mit nach Hause nehmen kann und ob sich von den Nominierten jemand bei den Veranstaltungen blicken lässt…

Kommentare (19)

  1. #1 René
    15. November 2017

    Die Finalisten haben es tatsächlich alle verdient dort ausgezeichnet zu werden. Auch der Preis für das Lebenswerk. Ich kann diesen ganzen homöophatischen Unsinn einfach nicht mehr ertragen. Erst gestern wieder eine Diskussion mit einem Homöophatieliebhaber geführt. Anstrengend sag ich da nur.

  2. #2 RPGNo1
    15. November 2017

    @FF
    Ich wünsche dir viel Spaß bei deinem Auftritt in Wien. Vielleicht kommst du ja auch dazu, einen kurzen Artikel drüber zu schreiben und hier zu veröffentlichen.

  3. #3 walter
    15. November 2017

    hmmm, wie kann sich jemand König von Deutschland nennen, wenn er das Staatsgebilde Deutschland nicht anerkennt? Das beißen sich ja alle Viecher selbst in den Schwanz (falls halt einen haben :-) )

    Und dieser Johannes Huber ist aber nicht wirklich ernsthaft noch als Professor an der Uni tätig? Wenn ja…. na Bravo….

    Aber leider gibt es genig gehirnbefreite, die diesen Dampfplauderern nachlaufen und sie damit auch noch in ihren Gedankengut unterstützen…. traurig.

  4. #4 Christian Berger
    15. November 2017

    “hmmm, wie kann sich jemand König von Deutschland nennen, wenn er das Staatsgebilde Deutschland nicht anerkennt?”

    Ganz einfach, man erkennt zwar Deutschland (oder die Deutschländer) an, jedoch nicht die Bundesrepublik Deutschland.

  5. #5 Madouc
    Hamburg
    15. November 2017

    Ich teile die Ansicht, dass man diesen Schwachsinn öffentlich thematisieren und bloßstellen muss.

    Sich kopfschüttelnd und milde lächelnd abzuwenden führt nur dazu, dass den Bauernfängern noch mehr Opfer zulaufen.

  6. #6 DH
    15. November 2017

    “Man mag darüber meckern dass hier so viel Unsinn so prominent präsentiert wird.”
    Würde man ständig prüfen, ob gerade zuviel oder zuwenig über solche Phänomene berichtet wird, machte man sich abhängiger von ihnen als indem man einfach das macht, was man für richtig hält.

  7. #7 walter
    16. November 2017

    Hab gerade eine “Diskussion” mit einem Chemtrail Gläubiger gehabt. Hat nicht ganz eine Minute gedauert und dann ist er kopfschüttelnd weggegangen, weil ich ihm erklärt habe, was diese “Chemtrails” eigentlich sind – Kondensstreifen. Temperaturunterschied und den ganzen Kram.

    Das ICH der falschdenkende Idiot bin, is eh klar.

    Einfach traurig…..

  8. #8 Chemiker
    16. November 2017

    Warum sind Reichsbürger unwissenschaftlich? Die Frage, ob eine Bundes­republik Deutsch­land existiert oder nicht hat doch gar keine wissen­schaft­liche Kom­po­nen­te, gegen die man mit un­wissen­schaft­lichen Schwach­sinn sündigen könnte.

  9. #9 Wizzy
    16. November 2017

    @Chemiker Darüber kann man vielleicht streiten. Allerdings kommt die Bundesrepublik Deutschland in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen als Nation vor, z.B. in allen Vergleichsstudien nach Ländern, statistischen Untersuchungen von Biologie bis Ökonomie, Soziologie und Politik.

    Nun könnte man argumentieren, die Reichsbürger würden nur eine Umdefinition vornehmen. Ungebräuchliche Definitionen zu nutzen kann man aber auch als versuchte Täuschung werten: Wenn ich z.B. per paper vor 15 Jahren verkündet hätte, ich hätte soeben das Higgs-Boson gefunden. Später kommt heraus und die Reviewer haben übersehen, dass ich Mesonen gemessen und einfach nach meinem Gutdünken umgetauft hätte, würde das als Täuschungsversuch gewertet werden (scientific misconduct).

  10. #10 Chemiker
    16. November 2017

    @ Wizzy

    Das Beispiel finde ich ein bißchen überzeichnet, denn das Higgs-Boson hat ja andere Eigen­schaf­ten als Mesonen, nicht bloß einen anderen Namen. Außer­dem ist es zwar nur eine Kon­ven­tion, das Teilchen „Ḩiggs-Boson“ zu nennen, aber es existiert nicht nur per Kon­ven­tion, sondern aus sich selbst heraus. Es mit dem Namen eines anderen, ebenfalls existierenden Teilchens zu be­nen­nen ist also wissen­schaft­lich flasch.

    Bei Staaten habe ich dagegen den Eindruck, daß die nur aufgrund einer Über­ein­kunft (nach innen und außen) existie­ren. Und das hat mehr mit Macht und Hinter­zimmer­lobbyis­mus zu tun als mit ir­gend­etwas Ob­jekti­vem und Wissen­schaft­lichem (ich bin eben arroganter Natur­wissen­schafter).

    Gibt es eine wissenschaftliche Methode herauszufinden, ob ein Mensch der zeit seines Lebens in Sevasto­pol gelebt hat, nun Ukraïner oder Russe ist? Oder ob Taiwan und Tibet zu China gehören? Oder ob es einen Staat „Nord­ossetien“ gibt?

    Wenn man auf eine solche Frage die dem Gegenüber falsch schei­nen­de Antwort gibt, dann ist man viel­leicht im Auge des Gegen­übers ein Träumer, ein Revisionist, ein Nationalist oder sogar ein politi­scher Extremist, aber doch kein Pseudo­wissenschafter.

  11. #11 René
    16. November 2017

    @Chemiker
    zählt Politik und Rechtswissenschaften nicht zu den Wissenschaften? Klar es sind keine Naturwissenschaften aber eine Wissenschaft ist es schon.

  12. #12 Uli
    16. November 2017

    In einer echten Wissenschaft bekommt man bei gleichem Input in ein Experiment immer den gleichen Output.
    Das ist in der Politik und Jura nicht so.
    Bei gleicher Faktenlage kann da durchaus etwas völlig Gegensätzliches bei rauskommen.

    Freispruch oder schuldig?
    Erneuerbare Energien oder Braunkohlekraftwerke?

    Die Antwort ist praktisch unabhängig von den vorhandenen Informationen…

  13. #13 Florian Freistetter
    16. November 2017

    @Chemiker: “Warum sind Reichsbürger unwissenschaftlich? “

    Müssen sie nicht zwingend sein. Aber sie sind irrational. Und in ihrer Ideologie taucht jede Menge Esoterik auf.

  14. #14 Spritkopf
    17. November 2017

    Na, ich kann nur hoffen, dass Fitzek nicht das Goldene Brett verliehen bekommt. Meiner Ansicht nach ist Fitzeks Tun weniger durch ein absurdes Weltbild, sondern vielmehr durch Geldgeilheit und kriminelle Energie motiviert.

  15. #15 Cornelia S. Gliem
    18. November 2017

    #12 oha !!! “Echte” Wissenschaft? ! nein lieber uli – das ist wenn überhaupt nur die Definition für Naturwissenschaften seit dem 19. Jahrhundert also bitte vorsichtig hier … zudem gibt es gerade in der Rechtswissenschaft exakte Definitionen für den staat x – was wann wo.

  16. #16 Chemiker
    20. November 2017

    @ FF

    Daß die Reichsbürger auch Esoterik-Freaks sind wußte ich nicht. Dann passen sie wirklich besser in die Liste hinein.

    @ René

    zählt Politik und Rechtswissenschaften nicht zu den Wissenschaften

    Das ist natürlich eine gute Frage und kann uns lange be­schäf­ti­gen und auf Ab­wege führen. Aber bitte, hier eine schnelle Antwort:

    Rechts„wissenschaft“ ist meiner Meinung nach wirklich kei­ne. Sie hat keine empiri­sche oder mathe­mati­sche Kom­po­nen­te (außer Logik, und die ist nur sehr simpel be­rück­sich­tigt), die ein Testen und Wider­legen von Hypo­thesen er­mög­licht, sie ar­bei­tet mit Heili­gen Büchern, um deren Aus­legung ge­strit­ten wird, und diese Bücher sind zu allem Un­glück auch noch national begrenzt.

    Objektive Fakten gibt es gar nicht, alles ist von Menschen ge­macht und be­ansprucht Autori­tät in Ab­hän­gig­keit da­von, wer es ge­macht hat. Da­ge­gen habe ich noch nie ge­hört, daß ein Phy­si­ker ge­sagt hätte „Diese Formel ist von Hawking, die stimmt sicher“.

    Während in echten Wissenschaften die Ergebnisse einer Unter­suchung re­pro­du­zier­bar sein müs­sen und nicht von den be­teilig­ten Per­so­nen ab­hän­gen dürfen, ist das bei Richtern genau um­gekehrt und gilt sogar noch als Vorteil („rich­ter­liche Un­abhän­gig­keit“, „Einzel­fall wür­digen“).

    Nein, mit Wissenschaft hat das nix zu tun, eher mit Macht und Ver­wal­tung und Diskurs­hoheit. Und wer in der Politik eine wissen­schaft­liche Kom­po­nen­te sieht, hat sich wohl von Eurer Bundes­kanzle­rin blenden lassen.

  17. #17 tomtoo
    20. November 2017

    Wären Rechtswissenschaften mit Naturwissenschaften vergleichbar , sollte gleiches Recht in SaudiArabien und Österreich geschrieben werden. Ist wie mit den theologischen Wissenschaften. Schwammige Sache. Natürlich kann man behaupten man ist Wissenschaftler. Aber welches Wissen schafft denn die Rechtswissenschaft ?

  18. […] Das ist der Preis für den größten Esoterik/Pseudowissenschaftsunsinn des Jahres und ich habe hier schon berichtet wer diesmal nominiert worden ist. Das ganze findet in der Urania in Wien statt und […]

  19. #19 Th. Koch
    27. November 2017

    “Natürlich kann man behaupten man ist Wissenschaftler. Aber welches Wissen schafft denn die Rechtswissenschaft?”

    Nach Möglichkeit Wissen um das geltende Recht. Ob Rechtswissenschaft eine Wissenschaft ist, darüber streiten auch die Rechtswissenschaftler. Der dazu von Naturwissenschaftlern gelegentlich eingenommene Standpunkt ist aber Ausdruck einer doch etwas arroganten begrifflichen Verengung. Wer Wissenschaft nur bejaht, wo es um die Ermittlung objektiver Wirklichkeit geht, kann Geisteswissenschaften nicht erfassen.

    Abgesehen davon ist es eher albern, zb Politikwissenschaft nicht als Wissenschaft anzusehen, indem Sie mit Politik verwechselt wird (“…Und wer in der Politik eine wissen­schaft­liche Kom­po­nen­te sieht, hat sich wohl von Eurer Bundes­kanzle­rin blenden lassen”). Pol. Wiss. versucht gerade, Funktionsbedingungen und -mechanismen der Politik zu beschreiben. Und Rechtswiss. versucht, ein dogmatisches System zu entwickeln, in das sich einzelne Elemente der Rechtsordnung so einfügen, dass sich ein stimmiges und berechenbares System ergibt. Methodisch gibt es hier iÜ Parallelen zur Mathematik, wobei Rechtswiss. aber anspruchsvoller ist, weil mit etwas so unpräzisem wie Worten gearbeitet werden muss; die lassen sich nach dem bisherigen Wissensstand auch nicht mit Gewinn durch Symbole ersetzen).