Heute gibt es wieder mal einen Gastbeitrag. Till Korten berichtet von einem sehr coolen Projekt: Er hat meinen Sternengeschichten-Podcast auf die von den Kinderbüchern bekannten Minicomputer in Stiftform übertragen. Wie das geht und warum das cool ist, erklärt euch Till jetzt in seinem Beitrag.
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Die Sternengeschichten als Hörbuch auf dem tiptoi® Stift

von Till Korten

Ich bastele in meiner Freizeit gerne mit Elektronik herum und habe keinerlei Verbindung zu Ravensburger.

Als begeisterter Sternengeschichtenhörer habe ich nach einem Weg gesucht, wie auch meine Kinder (5, 5 und 9 Jahre) selbst einfach die Sternengeschichten anhören können. Heraus gekommen ist ein Programm, mit dem man die Sternengeschichten auf dem tiptoi® von Ravensburger abspielen kann.

Für diejenigen, die noch nicht wissen was ein tiptoi® ist: Dabei handelt es sich um einen Minicomputer in Stiftform. An der Spitze des Stiftes befindet sich eine Kamera, die spezielle sehr feine Punktmuster, die sogenannten OID codes, erkennt. Je nach Punktmuster spielt der Stift dann über einen eingebauten Lautsprecher Musik oder Sprache ab. Die Kids können also durch einfaches antippen von bestimmten Mustern die Wiedergabe steuern. Das geht im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht, ist also ideal damit die Kids selbständig die Sternengeschichten anhören können.

So sieht der tiptoi® Stift aus. (Bild: Till Korten)

So sieht der tiptoi® Stift aus. (Bild: Till Korten)

Aber wie bringe ich jetzt die Sternengeschichten auf den tiptoi®? Bei meiner Recherche bin ich relativ schnell auf das tttool von Joachim Breitner gestoßen. Mit diesem Open Source Programm kann man eigene Bücher für den tiptoi® erstellen. Dazu kann das Programm einerseits die OID Steuerungscodes als Bilder erstellen und andererseits Audiodateien in das GME Format verpacken, das der Stift versteht. Das Programm wird ausschließlich über die Kommandozeile gesteuert, was erst einmal kein Nachteil ist. Allerdings ist vor allem das Layouten der Steuerungscodes ziemlich aufwendig, da man im Bildbearbeitungsprogramm mit einer sehr hohen Auflösung (1200 dpi) arbeiten und höllisch aufpassen muss, dass die feinen Punktmuster nicht verzerrt, skaliert oder anderweitig verfälscht werden. Das wäre für 275 Sternengeschichten eine ziemliche Mammutaufgabe geworden.

Zum Glück hatte ich schon vor einiger Zeit eine Benutzeroberfläche für tttool (ttmp32gme genannt) geschrieben, mit der man die Steuerungscodes ansprechend formatiert bekommt und auch gleich Audiodateien im MP3 oder OGG Format in GME Dateien verpacken und auf den Stift kopieren kann. Das Programm ist Open Source, also sowohl kostenlos als auch (Programmierkenntnisse vorausgesetzt) frei erweiterbar. Ihr könnt es sowohl für Windows als auch für den Mac hier von GitHub herunterladen oder unter Linux dieser Installationsanleitung folgen. Falls euch das Programm gefällt oder falls Ihr verbesserungsvorschläge habt lasst es mich in den Kommentaren wissen und falls ihr das Programm anpasst oder verbessert freue ich mich selbstverständlich über Pull Requests ;-).

In diesem Video seht ihr, wie das Anhören der Sternnengeschichten mit dem tiptoi® funktioniert:

Zunächst benötigt ihr die Sternengeschichten im MP3 Format. Florian hat netterweise eine Übersichtsseite erstellt, auf der ihr alle Sternengeschichten (als MP3) und am besten auch gleich das schöne Sternengeschichtenlogo (SG_logo_klein.jpg) herunterladen könnt.

Nach dem Starten des Programmes öffnet sich ein Browserfenster mit der Adresse localhost:10020 (der Link funktioniert nur, wenn das Programm schon auf eurem Computer läuft). Dort könnt ihr auf der “Upload” Seite in einem ersten Schritt Audiodateien und ein Bild hochladen. Zieht dazu die Dateien per drag and drop in das “Drop files here” Feld oder wählt sie über den Knopf “Select Files” aus. Damit die Steuerung nachher nicht zu unübersichtlich wird, empfehle ich maximal 24 Folgen auf einmal hochzuladen. Wenn ihr dabei auch ein Bild (z.B. das Sternengeschichten Logo) hochladet verschönert dieses Bild später die Steuerung.

So sieht das gefüllte upload Fenster aus (Bild: Till Korten)

So sieht das gefüllte upload Fenster aus (Bild: Till Korten)

Wenn alle gewünschten Dateien in der Upload box erscheinen, klickt auf “Add Album to Library”. Jetzt werden die Dateien in die Bibliothek von ttmp32gme kopiert (keine Sorge, sie bleiben dabei auf eurem Rechner). Anschließend werdet ihr auf die “Library” Seite weitergeleitet. Dort findet ihr jetzt den Eintrag: Florian Freistetter – Sternengeschichten.

Die Sternengeschichten in der Bibliothek von ttmp32gme. (Bild: Till Korten)

Die Sternengeschichten in der Bibliothek von ttmp32gme. (Bild: Till Korten)

Klickt neben dem Eintrag auf “edit” um den Titel um die Folgen zu ergänzen. z.B. “Florian Freistetter – Sternengeschichten – Folge 001-024”. Hier könnt ihr auch noch einmal kontrollieren, ob alle Folgen da sind und in der korrekten Reihenfolge erscheinen. Da Florian die mp3 Dateien sorgfältig mit id3 Tags versehen hat sollte eigentlich alles o.k. sein und auch die Titel der einzelnen Folgen sollten stimmen. Wenn ihr zufrieden seid klickt auf “Update” um die Änderungen zu speichern.

Nach dem Klicken auf den "edit" Knopf könnt ihr die Überschrift um die Folgen ergänzen (Bild: Till Korten)

Nach dem Klicken auf den “edit” Knopf könnt ihr die Überschrift um die Folgen ergänzen (Bild: Till Korten)

Auf diese Art und Weise könnt ihr jetzt alle gewünschten Folgen für den tiptoi® vorbereiten. Bedenkt dabei aber, dass alle 275 Folgen zusammen stolze 2,5Gigabyte belegen. Das sind etwa zwei Drittel des gesamten verfügbaren Speicherplatzes auf der neuesten Version des tiptoi® Stiftes. Die erste Version des tiptoi® hatte sogar nur 1 Gigabyte Speicherplatz, da passen nicht alle Folgen drauf. Prinzipiell ist es möglich die Audiodateien weiter zu komprimieren, da der Lautsprecher des Stiftes sowieso nur recht bescheiden ist. Ravensburger selbst verwendet OGG Dateien mit 22050Hz Mono. Die sind ca. um den Faktor 3 kleiner als die MP3s von Florian. Das Umcodieren zu erklären würde hier aber zu weit führen. Die großen MP3 Dateien funktionieren auch wunderbar und wenn man einen Kopfhörer an den Stift anschließt profitiert man auch von der besseren Audioqualität. Bei Platzproblemen würde ich empfehlen, zunächst nur 24 bis 72 Folgen auf den Stift zu kopieren und diese dann auszutauschen wenn die Kinder sie alle gehört haben.

Wenn ihr alle gewünschten Folgen zusammen habt, schließt den tiptoi® per USB an den Rechner an. Jetzt sollte (nachdem ihr die “Library” Seite neu geladen habt) ein neuer Knopf “Copy selected to tiptoi” oben auf der Seite erscheinen. Klickt zuerst auf den Knopf “Select all” und danach auf “Copy selected to tiptoi”. Das kann jetzt, je nachdem wie viele Folgen ihr kopieren wollt, eine ganze Weile dauern. Der Stift kopiert nur einige MB pro Sekunde, da benötigen alle 275 Folgen bis zu 30 min zum Kopieren. Trennt den Stift in dieser Zeit nicht vom Rechner und stellt sicher dass der Rechner nicht schlafen geht.

Wenn das Kopieren abgeschlossen ist (ttmp32gme meldet dass ihr den Stift jetzt vom Rechner trennen dürft), klickt auf der “Library” Seite oben auf den Knopf “Select all” und danach auf “Print selected”. Anschließend seht ihr eine Vorschau des Drucklayouts:

Beispiel des kompakten "Tiles" Layouts. (Bild: Till Korten)

Beispiel des kompakten “Tiles” Layouts. (Bild: Till Korten)

Das könnt ihr über “Configure Print Layout” noch anpassen. Für Kinder die noch nicht lesen können empfehle ich es beim kompakten “Tiles” Layout zu belassen. Dieses Layout funktioniert allerdings nur sinnvoll mit maximal 24 Folgen pro Album (wie oben schon angekündigt). Außerdem werden die Titel der einzelnen Folgen nicht angezeigt. Für Kinder die schon lesen können empfiehlt sich daher das “List” Layout, in dem auch die Titel der Folgen angezeigt werden:

Beispiel des detaillierteren "List" Layouts. (Bild: Till Korten)

Beispiel des detaillierteren “List” Layouts. (Bild: Till Korten)

Hierbei sollten die Häkchen neben “Cover” und “Album information” abgewählt werden um Platz zu sparen (siehe Bild unten). In diesem Layout können prinzipiell auch alle Folgen in ein Album gepackt werden. Allerdings passen auch hier 24 Folgen gut auf eine A4 Seite, die dann auch gleich das entsprechende Anschaltzeichen enthält insofern würde ich auch für das “List” Layout maximal 24 Folgen pro Album empfehlen. So könnt Ihr auch später noch zum kompakten Layout zurück gehen (z.B. wenn ihr im Auto nicht so viele Zettel herumfliegen haben wollt).

Empfohlene Druckkonfiguration des "List" Layouts für Kinder die schon lesen können. (Bild: Till Korten)

Empfohlene Druckkonfiguration des “List” Layouts für Kinder die schon lesen können. (Bild: Till Korten)

Unter Windows könnt ihr jetzt mit dem Knopf “Save as PDF” eine PDF Datei zum Ausdrucken herunterladen. Mit dem Edge Browser funktioniert auch das direkte Ausdrucken aus dem Browser heraus. Unter Mac/Linux funktioniert das Drucken am besten mit Chromium (oder Chrome).
Das Drucken funktioniert leider nicht mit jedem Drucker auf Anhieb und mit manchen Druckern gar nicht. Das Problem hierbei ist, dass der Drucker die feinen OID Muster exakt wiedergeben muss ohne einzelne Punkte zu unterschlagen bzw. zu verschieben. Es Kann helfen in der Druckkonfiguration auf der “Print” Seite von ttmp32gme die Auflösung und die OID Pixelgröße anzupassen. Bei meinem Drucker funktioniert zum Beispiel 1200 dpi und OID Pixelgröße 3 am besten. Auf dem Wiki von tttool gibt es gute Tipps wie man den Drucker evtl. doch zum funktionierenden Ausdruck bewegen kann.

Ich hoffe ich konnte einige von Euch (z.B. diejenigen die genug Ausdauer hatten bis hierher zu lesen) überzeugen, euren Kindern mit den Sternengeschichten auf dem tiptoi® eine Freude zu machen (und sie so für Astronomie zu begeistern).

Kommentare (21)

  1. #1 Thomas Baumgärtel
    15. März 2018

    Respekt!

  2. #2 Crazee
    15. März 2018

    Das ist ja obercool! Danke!

  3. #3 eisentor
    15. März 2018

    Sehr cool. Muss ich mal ausprobieren.

    Die neueren Tiptoy Stifte können ja auch Hörbücher abspielen. Aber wenn ich das richtig sehe gibt es hier ein DRM System das man vermutlich nicht umgehen kann.

  4. #4 Till
    15. März 2018

    @Eisentor richtig, die Hörbücher und die Musik sind mit einer Verschlüsselung gesichert, dafür gibt es keine Alternative als diese direkt bei Ravensburger zu kaufen.

    In Anbetracht der Tatsache dass diese dann (anders als CDs oder MP3s) nur auf dem Tiptoi funktionieren und dass sie genauso viel kosten wie eine CD kann ich mir nicht vorstellen, dass Ravensburger damit viel Umsatz macht.

    Soweit ich weiss hat Ravensburger das DRM eingesetzt, da sie sonst pro Stift noch eine Pauschalabgabe von 5 Euro an die GEMA abdrücken müssten. Das hätte den Stift unnötig verteuert.

  5. #5 Crazee
    15. März 2018

    Ich konnte die ersten 24 Folgen erfolgreich bearbeiten. Gespannt, was mein Zwerg dazu sagt…

  6. #6 zeppr
    Österreich
    15. März 2018

    Super sache!
    Das ganze gibt es auch für den TING Stift:
    https://www.ting-el-tangel.de

  7. #7 Till
    15. März 2018

    @Crazee

    Ich konnte die ersten 24 Folgen erfolgreich bearbeiten. Gespannt, was mein Zwerg dazu sagt…

    Klasse, ich wünsche viel Spaß.

  8. #8 Kai
    15. März 2018

    Hallo Till,
    klingt nach einer interessanten Spielerei, aber wie installiere ich das Tool unter Linux?
    Gruß
    Kai

  9. #9 Till
    15. März 2018

    @Kai
    Leider gibt es für Linux keine fertigen Packete.
    Das Tool ist in perl geschrieben, läuft also ohne Kompilation. Du musst hauptsächlich zusehen, dass alle benötigten Perl Packete installiert sind. Du kannst dafür dieser Installationsanleitung folgen. Anschliessend steuerst Du das Programm über den Browser Deiner Wahl (vorzugsweise Chromium).
    Evtl. funktionieren auch die Windows Binaries unter wine (habe ich selbst aber nicht probiert).

  10. #10 Kai
    15. März 2018

    @Till
    Die Anleitung habe ich befolgt, aber wie starte ich das Tool dann?
    Kenne mich mit Perl überhaupt nicht aus.

  11. #11 Kai
    15. März 2018

    @Till
    Perl habe ich so installiert:

    sudo cpan -if EV AnyEvent::HTTPD Path::Class Cwd File::Basename File::Find List::MoreUtils PAR Encode Text::Template JSON::XS URI::Escape Getopt::Long Perl::Version DBI DBIx::MultiStatementDo Log::Message::Simple Music::Tag::MP3 Music::Tag::OGG Music::Tag::MusicBrainz Music::Tag::Auto MP3::Tag Image::Info

    Start versuche ich mit:
    ~/Downloads/ttmp32gme-master/src/ttmp32gme.pl

    Erhalte dann folgende Fehlermeldung:
    Can’t locate EV.pm in @INC (you may need to install the EV module) (@INC contains: /usr/local/lib/perl5/site_perl/5.26.1/x86_64-linux /usr/local/lib/perl5/site_perl/5.26.1 /usr/local/lib/perl5/5.26.1/x86_64-linux /usr/local/lib/perl5/5.26.1) at /home/kai/Downloads/ttmp32gme-master/src/ttmp32gme.pl line 8.
    BEGIN failed–compilation aborted at /home/kai/Downloads/ttmp32gme-master/src/ttmp32gme.pl line 8.

  12. #12 Till
    15. März 2018

    @Kai ich glaube, das passt hier nicht wirklich. Kannst Du bitte ein neues issue bei github aufmachen? Danke!

  13. #13 EAE
    16. März 2018

    Bekannt. Dazu ist der Artikel in der c’t 8/2015, ab Seite 156 “Eigene Bücher und Spiele für den Tiptoi vertonen” zu empfehlen.

    C.

    PS: Grüße an die Linuxer hier im Forum.

  14. #14 schlappohr
    16. März 2018

    Super Anleitung, das werde ich mal testen. Der Osterhase ist damit entlastet! Umwandlung von mp3 in ogg in Linux funktioniert z.B. so:

    ffmpeg -i Sternengeschichte-Folge7.mp3 -ar 22050 -ac 1 sg_f7.ogg

    Dabei bedeutet -ar 22050 eine Audio-Samplerate von 22.05kHz und -ac 1 die Anzahl der Audiochannels (1=mono). Im gezeigten Beispiel mit Folge 7 sinkt die Dateigröße von 11.7 auf 4.1MByte ohne (für mich) merklichen Qualitätsverlust. ffmpeg ist bei allen aktuellen Linux-Distributionen dabei oder kann aus dem Repository nachinstalliert werden.

  15. #15 Crazee
    16. März 2018

    Hmmm, gestern am Desktop-Rechner (Win10/Firefox) hat alles gut geklappt. Heute am Tablet (Win10/Firefox/Edge) macht er die PDFs nur auf in A5-Größe oben in die Mitte der A4-Seite.

  16. […] gute Florian stellt die ziemlich clevere Idee vor, wie man einen Tip-Toi-Stift zur Podcast-Lausch-Maschine umfunktionieren […]

  17. #17 Till
    16. März 2018

    @Crazee
    auf einem Tablet habe ich das noch nicht getestet.

  18. #18 Till
    16. März 2018

    @Alle Für technische Fragen zum Programm schlage ich vor, dass Ihr sie auf der Github Seite stellt. Wenn Ihr dem Link folgt einfach oben rechts auf den grünen Knopf “New Issue” klicken.

    Dort bekommt jedes Problem eine eigene Diskussionsseite. So kann ich Euch besser helfen und andere Nutzer finden die Lösung zu den Problemen dann auch leichter.

  19. #19 Ralf
    Würzburg
    18. März 2018

    Sehr, sehr cool! 🙂

  20. #20 Artur
    BN
    23. Juni 2018

    Hallo Till.

    Was kann man machen wenn der Stift sich aufgehangen hat?
    Der leuchtet nur noch dauerhaft und wird leider auch nicht vom Computer erkannt.

    Gruß Artur

  21. #21 Junior
    10. Oktober 2018

    Hi,
    ich habe auf einem convertible das gleiche Problem wie crazee (Din A5 mittig auf der Din A4 Seite bei Booklet Auswahl).

    Hat das denn irgend einen Einfluss? Ich frage nur deshalb, weill wenn ich versuche die eigene Datei über das Display (direkt auf dem Monitor, 3000er Auflösung) zu aktivieren geht es nicht. Leider ist bei uns kein Drucker gerade parat um das mal mit einer gedruckten Version zu probieren. Also funktioniert das aktivieren nur bei einer gedruckten Version (stichwort Spiegelung vom Display oder so)

    Schöne Grüße