“Losgelöster Stern rast auf unser Sonnensystem zu” (WebCite) und
“Rogue star heading towards Earth and will bring APOCALYPTIC asteroid shower” (WebCite)

Diese beiden Schlagzeilen stehen exemplarisch für jede Menge Artikel in der deutschsprachigen und internationalen Presse. Aufregung ist angebracht: Ein Stern rast auf das Sonnensystem zu. Jawohl! Er “rast”. Und er kommt früher als erwartet. Außerdem ist er “losgelöst”, was wohl heißt, das absolut nichts ihn zurück oder aufhalten kann. Danach “prallt” er auf das Sonnensystem. Ach ja – und den Weltuntergang löst er auch noch aus. Tja.

Momentan macht die Astronomie wieder Schlagzeilen. Allerdings nicht so wie es eigentlich angebracht wäre. Also mit vernünftiger Berichterstattung über interessante Forschungsergebnisse. Dazu bräuchte es ja Wissenschaftsjournalismus und wer braucht das schon! Nein, Panikmache, Clickbait und hysterische Schlagzeilen sind viel besser – das kann man auch in den sozialen Netzwerken viel besser verbreiten; das gibt viel mehr Aufmerksamkeit und Klicks die man den Werbekunden verkaufen kann.

Aber bevor ich jetzt weiter meckere: Um was geht es denn? Nun, die “Neuigkeiten” aus der Astronomie sind nicht so dramatisch neu, wie man denken würde. Es geht um den Stern “Gliese 710”. Der bewegt sich auf das Sonnensystem zu. Das weiß man allerdings schon seit einigen Jahrzehnten – seit der Astronom Wilhelm Gliese damals seinen Sternkatalog er- und festgestellt hatte, dass dieser Stern unserem Sonnensystem nahe kommen wird.

Daran ist erst mal nichts außergewöhnlich. Alle Sterne bewegen sich. Nicht nur um das Zentrum unserer Milchstraße herum, sondern auch mit einer “Eigenbewegung” quasi irgendwo hin. Und da kommt es halt auch immer mal vor, das zwei davon ein wenig näher aneinander vorbei fliegen. Momentan ist Proxima Centauri mit einer Entfernung von ein wenig mehr als 4 Lichtjahren der uns nächst gelegene Stern. In ein paar 10.000 Jahren wird das ein Stern namens “Ross 248” sein. Danach “Gliese 445”. Und so weiter. Aber “nahe” heißt in dem Zusammenhang: Ein paar Lichtjahre weit entfernt. Und Gliese 710? Kommt uns in circa 1,4 Millionen Jahre nahe.

Was ist jetzt neu an der ganzen Sache und verursacht die ganze Aufregung? Ein Fachartikel mit dem Titel “An independent confirmation of the future flyby of Gliese 710 to the solar system using Gaia DR2” der nicht mal eine Seite lang ist und dessen Inhalt schon im Titel vorweg genommen wird. Zwei Astronomen von der Universität Madrid haben die Sache mit der Annäherung nochmal neu berechnet und bestätigt. Dabei haben sie die Daten der GAIA-Mission berückichtigt, die viel besser und genauer die Bewegung der Sterne unserer Milchstraße vermessen hat als je zuvor. Damit kommen sie auf ein Annäherungsdatum, dass ein wenig näher in der Zukunft liegt – 1,3 Millionen Jahre – und konnten auch die wahrscheinlich größte Annäherung an das Sonnensystem genauer berechnen als bisher. Die liegt bei 4300 Astrono mischen Einheiten. Das ist weit entfernt von der Sonne und der Erde; das ist weiter entfernt als alle bisher bekannten Himmelskörper des Sonnensystems. Das ist so weit entfernt, dass die Erde und die anderen Planeten des Sonnensystems dadurch nicht gestört werden. Es ist nahe genug, dass eventuell die Kometen der Oortschen Wolke gestört werden. Dann könnten ein paar von denen ins innere Sonnensystem gelangen und ein paar davon eventuell mit den Planeten dort kollidieren.

Annäherung diverser Sterne an das Sonnensystem in den nächsten 80.000 Jahren (Bild: FrancescoA, CC-BY-SA 3.0)

Annäherung diverser Sterne an das Sonnensystem in den nächsten 80.000 Jahren (Bild: FrancescoA, CC-BY-SA 3.0)

Oder nicht. Denn nur weil Kometen aus der Oortschen Wolke gestört werden, müssen die noch lange nicht auf der Erde landen. Und Gliese 710 könnte auch weiter entfernt am Sonnensystem vorbei ziehen. So exakt lässt sich die Bewegung eines Sterns über diese Zeiträume nämlich auch wieder nicht vorhersagen. Im Fachartikel selbst steht auch dass die maximale Annäherung 4300 Astronomische Einheiten betragen “könnte”; nicht dass das definitiv der Fall ist.

Zusammengefasst: Astronomen haben mit neuen Daten einen Befund bestätigt, der seit Jahrzehnten bekannt ist. Weder besteht eine akute Gefahr für die Erde, noch ist klar, das überhaupt irgendeine Gefahr besteht. An dieser Geschichte ist viel, das berichtenswert wäre. Man könnte davon erzählen, was wir dank der GAIA-Mission neues gelernt haben. Wie sich der Anblick unseres Nachthimmels im Laufe der nächsten Jahrmillionen verändern wird. Man könnte über die Dynamik der Milchstraße schreiben, über die Bedeutung von Sternkatalogen, und so weiter. Wie gesagt: Es gäbe jede Menge Gelegenheit für guten und interessanten Wissenschaftsjournalismus. Wenn denn da noch Leute wären, die sowas machen.

Ja, natürlich gibt es die spezialisierten Medien wie Spektrum der Wissenschaft oder bild der wissenschaft. Dort findet gute Arbeit statt. Aber das lesen die Leute, die auf so einen Panik-Clickbait eh nicht reinfallen. Ich würde mir vernünftige Berichterstattung über Astronomie auch in den anderen Medien wünschen. In den Tageszeitungen, in den Online-Redaktionen: Aber da wird mangels Wissenschaftsredaktion gar nicht über Astronomie berichtet oder nur sehr sporadisch und dann, wenn etwas passiert, was dann sowieso in allen Medien ist (Sonnenfinsternis, Start einer neuen Raumsonde, etc). Das Resultat: Die meisten Leute kriegen ihre “Informationen” über das Universum von Clickbait-Medien wie denen, die über den auf uns “zurasenden” Stern berichten und denen es nur um Hysterie, Drama und Klicks geht.

Man könnte fast froh darüber sein, dass die Wissenschaft in den meisten Redaktionen einen so geringen Stellenwert hat. Wenn ich mir denke, dass mit der Wissenschaftsberichterstattung das passiert, was derzeit in der Politikberichterstattung los ist – wo monothematisch fast ausschließlich über Flüchtende, den Islam und Terrorismus diskutiert wird – fängt es an mich zu gruseln.

P.S. Kann mir jemand erklären, was dieser Absatz in diesem Artikel (WebCite) bedeuten soll: “Gliese 701 ist ein „Rogue Star“. Solche Sterne sind dadurch gekennzeichnet, dass sie sich frei bewegen können, ohne dass sie durch die Schwerkraft ihres Systems aufgehalten würden.” Ich hab keine Ahnung, aus welcher Quelle diese astronomisch sinnlose Aneinanderreihung von Worten stammt…

Mehr schlechte Schlagzeilen gibt es hier.

Kommentare (26)

  1. #1 Thomas
    5. Juni 2018

    https://en.wikipedia.org/wiki/Rogue_star 😀 😀 😀 Also, der Stern, der gerade aus der Entfernung von um die 63 Lichtjahren in der 120000 Lichtjahre großen Milchstrasse auf uns zurast, und in 1,3 Millionen Jahren uns relativ nahe kommt, hat die Gravitation der Milchstrasse überwunden! Und vor allem kann er sich frei bewegen. Wenn er Lust hat, dann wendet er einfach… Wenn das nicht spannend ist… 😀

  2. #2 Ingo
    5. Juni 2018

    @Florian:
    Immerhin nur ein kleiner Stern von 0.6Sonnenmassen, und keine Supernova auf Kollisionskurs mit der Erde wie hier in der Folge “Planet ausser Kurs”
    Damals wurden die Begriffe “Stern, Asteroid, Komet und Planet” scheinbar weitgehend synonym verwendet.

  3. #3 RainerO
    5. Juni 2018

    Redaktionen, die solche Artikel produzieren, sind nur auf Dummenfang aus. Die rechnen mit dem mangelnden Wissen der potentiellen Leser. Also haben sie auch keinerlei Interesse daran, korrekt zu informieren. Damit generieren sie kaum Umsatz.
    Ob das Clickbaiting jetzt mit Artikeln über vermeintliche Terroranschläge, schmutzige Details von C-Promi-Scheidungen, oder wildgewordene Sonnen passiert, ist denen letztendlich egal.
    Solange sich solche Medien über Klicks finanzieren müssen, wird es solch haarsträubenden Unsinn geben. Ich bin gespannt, wie lange es bis zum Jubiläumsbeitrag “Schlechte Schlagzeilen Folge 100” dauern wird, oder ob schon vorher die Kapitulation erfolgt 😉

  4. #4 Alderamin
    5. Juni 2018

    Über das Paper habe ich kurz in meinem Teil 4 der Gaia-Reihe berichtet, Unterkapitel “Wenn die Nachbarschaft auf Besuch kommt…“. Die 4300 AU waren der absolute Minimalwert, den sie herausbekommen haben, ganz außen in der Streuung der berechneten Annäherungen (scheinen diskret gerechnet worden zu sein). Der Mittelwert liegt bei 10700±2100 AE. Eine andere Gruppe kommt nur auf 17000 AE (findet aber noch mehr Besuch, nur nicht so aufdringlichen).

    Aber so what, 1,3 Millionen Jahre und dann noch ein paar zehntausend Jahre bis mögliche Kometen im inneren Sonnensystem eintreffen. Ob es die Menschheit dann überhaupt nocht gibt? Mag ich kaum dran glauben.

    Viel interessanter: Scholz’ Stern war vor 70.000 Jahren schon in der Oortschen Wolke und man hat drei Kometen gefunden, die genau aus der Richtung der nächsten Annäherung kommen (Sternbild Zwillinge) (schreibt Sky & Telescope). Wenn wir unter Beschuss sind, dann jetzt gerade…

  5. #5 Bullet
    5. Juni 2018

    Hähä …

    seit der Astronom Wilhelm Gliese damals seinen Sternkatalog er- und festgestellt hatte, dass dieser Stern unserem Sonnensystem nahe kommen wird.

    Ich wollte schon was sagen wegen des “er-” … (nanu? Da fehlt doch was?) – aber nein. Man lese den Satz zuende und lehne sich beruhigt zurück. 😛

  6. #6 Bullet
    5. Juni 2018

    @FF:

    P.S. Kann mir jemand erklären, was dieser Absatz in diesem Artikel (WebCite) bedeuten soll: “Gliese 701 ist ein „Rogue Star“[…]

    Ein Artikel im Business Insider? Ja, kann ich. Wird dir aber nicht gefallen: ein Trottel schreibt im Auftrag seiner Redaktion und dessen Scheff einen Artikel über ein Thema, von dem er keine Ahnung hat, mit dem er aber eine gewisse Wortanzahl erreichen soll. Weil er keine Ahnung hat, was ein “Rogue Star” sein soll, “recherchiert” er (immerhin!) in der englischen Wikipedia und findet – wie Kommentator “Thomas” in #1:

    A rogue star, primarily known as an intergalactic star, is a star that has escaped the gravitational pull of its home galaxy and is moving independently in or towards the intergalactic void. More loosely, any star in an unusual location or state of motion may be termed a rogue star.

    Daraus schließt er messerscharf, daß “has escaped the gravitational pull of its home galaxy” zu kompliziert für die Leser des BI ist. Aus “Galaxie” wird dann “System”, und fertig ist der Bullshit.

  7. #7 Spritkopf
    5. Juni 2018

    @Bullet

    ein Trottel schreibt im Auftrag seiner Redaktion und dessen Scheff einen Artikel über ein Thema, von dem er keine Ahnung hat, mit dem er aber eine gewisse Wortanzahl erreichen soll.

    Also bitte. Die Autorin ist immerhin studierte Philosophin.

  8. #8 Aginor
    5. Juni 2018

    Ich musste wie Ingo auch sofort an “Raumpatrouille” denken. 😀

    Der Absatz mit dem Stern auf den Gravitation keinen Einfluss hat ist…. wow. Mir fehlen die Worte. Man könnte lachen wenn es nicht so traurig wäre.

    Gruß
    Aginor

  9. #9 stone1
    5. Juni 2018

    Boah, wie langweilig, erst in 1,3 Millionen Jahren und Annäherung ‘nur’ auf 4300 AU. Aber interessant wäre, wie hell Gliese 710 dann am Nachthimmel zu sehen ist bzw. ob man (also wer auch immer dann da ist, um zu gucken) den dann sogar am Tag sehen kann?

    Es werden uns wohl noch viele Clickbait-Sensationsmeldungen aufgrund von unreflektiertem Umgang mit den GAIA-Daten ins Haus stehen, gut dass Florian und Alderamin uns mit fachkundigen Informationen dazu versorgen.

  10. #10 Leser
    5. Juni 2018

    Wenn ich richtig gerechnet habe, sind ein Lichtjahr etwa 63000 AE. Wenn ich das richtig sehe, kommt Gliese 710 gut 20mal näher als alle anderen hie aufgeführten Sterne auf etwa 1/6 Lichtjahr an unsere Somme heran. Ist das so oder habe ich mich verrechnet ?

  11. #11 Alderamin
    5. Juni 2018

    @Leser

    Stimmt alles.

  12. #12 UMa
    5. Juni 2018

    @stone1:
    Heute hat Gliese 710 einen Entfernung von 62 Lichtjahren bzw. 19 Parsec und eine Helligkeit von 9,7 mag.

    Bei einer größten Annäherung von 10700 AE wäre Gliese 710 -3,1 mag hell, heller als Mars oder Jupiter in Opposition aber nicht so hell wie die Venus.

    In 1280000 Jahren wird er damit kurzzeitig der hellste Stern(*) am Himmel sein, und den sonst hellsten Stern, Delta Scuti mit ‘nur’ -1,8 mag übertreffen. Sirius ist nur noch bis zum Jahre 210000 der hellste Stern, da sich alle Sterne weiterbewegen.

    Sollte, was weniger wahrscheinlich ist, der Abstand nur 4300 AE betragen, wäre die Helligkeit von Gliese 710 sogar -5,1 mag, heller als die Venus.

    (*) außer der Sonne natürlich

  13. #13 Leser
    5. Juni 2018

    Und Objekte wie Sedna nur noch ein wenig weiter draußen werden davon nicht beeinflußt ? Ich empfinde das als sehr nah ! Ich stelle mir vor ein Objekt wie Sedna gelangt dadurch in das innere des Sonnensystems, periodisch und in der Ekliptikebene. Gesund kann das nicht sein !

  14. #14 Heljerer
    5. Juni 2018

    Allein schon, wie in dem Express-Artikel mit Zahlen umgegangen wird, zeugt nicht unbedingt von hoher Fachkompetenz.

    Dort heißt es: Bisher ging man von 1,35 Millionen Jahren aus, aber neue Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Stern schon viel früher – nämlich in 1,29 Millionen Jahren – eintreffen könnte.

  15. #15 Alderamin
    5. Juni 2018

    @Leser

    Rechne eher mit Wald- und Wiesenkometen, aber die sind auch gerne einige Kilometer groß, größer als der durchschnittliche Asteroid. Hale-Bopp hatte an die 60 km!

    Selbst wenn Sedna abgelenkt würde (unwahrscheinlich, zu weit innen) wäre die Chance klein, dass sie ausgerechnet ins innere Sonnensystem und dann auch noch auf Kollisionskurs mit der Erde gelenkt würde. Aber aus der schieren Zahl von kleinen Kometen in der Oortschen Wolke werden mit Sicherheit einige ihren Weg hierher finden – genau daher stammen ja alle langperiodischen Kometen (wie auch Hale-Bopp), und die kurzperiodischen letztlich auch, die wurden von einem Planeten auf eine kürzere Bahn umgeleitet.

    Nur: was interessiert mich, was in 1,28 oder 1,35 Millionen Jahren passiert? Bei uns ist gerade das 6. große Massensterben in Gang, ganz ohne Kometen. Erst mal so alt werden. Falls es unsere Nachfahren dann noch gibt, fangen die solche Kometen mit Hyperraumfallen und kühlen ihre Dyson-Sphäre damit, oder so…

  16. #16 Spritkopf
    5. Juni 2018

    @Leser

    Und Objekte wie Sedna nur noch ein wenig weiter draußen werden davon nicht beeinflußt ?

    Eine Beeinflussung ist möglich, aber selbst im allerungünstigsten Fall – wenn Sedna sich im Aphel befindet und dieser auf der Seite liegt, auf der Gliese 710 das Sonnensystem passiert – hat Sedna mehr als den dreifachen Abstand zu Gliese 710 als zur Sonne (und das nur unter der Voraussetzung, dass Gliese 710 nur die als Minimalabstand angegebenen 4.300 AU Abstand zur Sonne hat).

    Bei 0,6facher Sonnenmasse von Gliese 710 übt dieser (wenn ich richtig gerechnet habe) mithin grob nur ein Zwanzigstel des Gravitationseinflusses der Sonne auf Sedna aus. Das ist nicht viel und wird vielleicht ein bißchen Sednas Perihel von gegenwärtig 76 AU nach oben oder unten verändern, ihn aber ziemlich sicher nicht in das innere Sonnensystem befördern. Und wie gesagt, das nur im wirklich ungünstigsten Fall.

  17. #17 Uli Schoppe
    5. Juni 2018

    Oh Scholz´Star kommt in dem Artikel auch vor @Alderamin, und seht Euch mal die Leseemphehlungen in und unter dem Artikel durch.
    Ich hänge jetzt noch unterm Tisch…

  18. #18 Leser
    5. Juni 2018

    Natürlich wäre es eine sehr großer Zufall, wenn dabei ein Objekt die Erde trifft. Ich werde es auch nicht mehr erleben. Und ich bin überzeugt, falls es die Menschen in
    1,3 Millionen Jahren noch gibt, dann werden sie das voraus berechnen können und auch verhindern können.

    Ich habe gegoogelt. Bei Wikipedia gibt es das Objekt 2014 FE72. Und da steht explizit drin, daß man mit Instabilitäten der Umlaufbahn durch extrasolare Einflüsse rechnet.

    Und ich habe noch etwas gerechnet. Wenn ein Stern in 1,3 Millionen Jahren eine Strecke von 63,5 Lichtjahren zurücklegt, dann hat er eine Relativgeschwindigkeit von 14,5 km/s zu uns. Reicht das aus um unsere Galaxis zu verlassen ? Oder hab ich mich jetzt doch verrechnet ?

  19. #19 stone1
    5. Juni 2018

    @UMa

    Danke, also wird dann Gliese 710 so wie die Venus schon in der Dämmerung gut zu sehen sein. Für einige Zeit gibts dann einen Morgen/Abendstern, der tatsächlich ein Stern ist.

  20. #20 Alderamin
    5. Juni 2018

    @Leser

    Reicht das aus um unsere Galaxis zu verlassen ?

    Nein, bei weitem nicht. Die Fluchtgeschwindigkeit ist √2-mal die Kreisbahngeschwindigkeit, und die ist auf der Sonnenbahn schon 230 km/s. Zudem steckt der größte Teil der Masse der Milchstraße im Halo, selbst mit √2*230 km/s =325 km/s entkommt man der Milchstraße nicht, denn wenn man weiter nach außen geht, zieht einen mehr Masse nach innen. Da muss man schon noch ein paar Schippen Kohle mehr drauflegen.

  21. #21 tomW
    5. Juni 2018

    Sorry aber ich kann nicht anders…

  22. #22 gast-on
    Deutschland
    5. Juni 2018

    @alle und Florian: immer wieder erbaulich auf “https://derstandard.at/r1223/Raum” selbiger Zeitung Artikel vorzufinden, die der clickbait-verführung widerstehen, lesbar und sachlich sind; und darüber hinaus manchmal interessante weiterführende Links bieten. Habe so etwas in deutschen Printmedien noch nicht entdeckt.
    Und du Florian, du solltest unbedingt mit diesem Blog weitermachen. Ich schaue sehr gerne rein.

  23. #23 Peter Weismann
    8. Juni 2018

    Aus dem Beitrag: “P.S. Kann mir jemand erklären, was dieser Absatz in diesem Artikel (WebCite) bedeuten soll: “Gliese 701 ist ein „Rogue Star“. Solche Sterne sind dadurch gekennzeichnet, dass sie sich frei bewegen können, ohne dass sie durch die Schwerkraft ihres Systems aufgehalten würden.” Ich hab keine Ahnung, aus welcher Quelle diese astronomisch sinnlose Aneinanderreihung von Worten stammt… ”

    Darüber muss ich ja immer noch grinsen, köstlich.
    Immerhin ist die Formulierung ja so, dass man mit einiger Mühe tatsächlich noch irgendwie hinein interpretieren könnte, was die sagen wollen und genau deshalb hätte ich das vermutlich gar nicht weiter wahrgenommen und einfach mit einem Stirnrunzeln als vielleicht verunglückte Formulierung abgetan.
    Nein, ich fürchte, die reden einfach Stuß, weil sie wirklich gar keinen blassen Schimmer haben, was sie überhaupt sagen.
    Wahnsinn…

    Vielleicht bin ich auch betriebsblind. Mehr als nur die aller aller grundlegendsten Dinge, weiß ich ja in vielen Bereichen auch gar nicht und unterhalte mich trotzdem oft mit anderen Leuten darüber. Nicht auf fachlichem Niveau, eher “philosophisch”.
    Es trug sich mal zu, dass ich bei einem Coaching gezwungen wurde, meinem neuen Chef eine Frage zu stellen, “was wollen Sie von ihrem neuen Chef gerne wissen?” Ich wollte gar nichts von ihm wissen und tat mir schwer, überhaupt eine Frage zu finden. Kurz zuvor hatte ich mit einem Kollegen über “String-Theorie” “philospiert” und so kam ich auf die sau blöde Frage, was denn mein Chef “von der String-Theorie” hält. Man sieht sofort, dass ich mir bei dieser Frage nicht viel gedacht hatte. Es sollte unverfänglich und lapidar sein und etwas, worüber jeder irgendwas sagen kann.
    Mir war im Traum nicht die Möglichkeit in den Sinn gekommen, dass ein junger, moderner Mensch, der frisch von Uni kommt, noch nie etwas von “String-Theorie” gehört hat und sich deshalb durch diese Frage öffentlich vorgeführt fühlte.
    Für mein Verhältnis zu diesem Chef hatte ich mir mit meiner doofen Frage keinen Gefallen getan.

    Man muss sich eben fragen, was denn Allgemein-Bildung beinhalten soll. Da bin ich nicht Wertfrei.

    Nur, würde ich mich trauen, einen Artikel über Musik zu schreiben, ich meine, einen Artikel der ernsthaft sein soll und auch noch veröffentlicht wird, wo ich nie in meinem Leben ein Instrument gespielt habe, keine Noten lesen kann und Töne nicht richtig zu unterscheiden vermag? Wohl kaum!

    Wirklich schlimm ist aber, dass dies nun nur ein Beispiel ist.
    Mir fällt auf, dass generell bei allen Themen, die ich mir genauer ansehe oder wo ich nur ein klein wenig tiefer drin stecke immer genau auf gleich niedrigem und unpassendem Niveau berichtet wird. Immer nur!
    Und noch schlimmer: dass die Mehrzahl der Bürger diese Berichte als Grundlage für ihre Meinungsbildung her nimmt.
    Wirklich schlimm!

  24. #24 Peter Weismann
    8. Juni 2018

    Übrigens möchte ich da gerade mal wieder Werbung für meinen “Meter” machen.
    Wir Handwerker haben ja oft einen “Meter” in der Tasche und der ist 200cm lang. Bis vor kurzem reichte der, um die komplette Menschheitsgeschichte (mit 1cm = 1000 Jahre) darzustellen. Nun müsste man noch 100cm anhängen. So lange gibt es den Menschen also sicher auf diesem Planeten und alles, was ungefähr früher als die letzten zehn Zentimeter war, ist Vorgeschichte. Erst auf den letzten zehn Zentimetern wurde es interessant, nachdem der Mensch “vom Baum der Erkenntnis” genascht hatte, aus dem Paradies vertrieben wurde und im Schweiße seines Angesichts fortan sein täglich Brot verdienen musste. Er hatte die Landwirtschaft erfunden oder besser entwickelte diese.
    Erst von da an wurde er sesshaft, Boden erlangte Bedeutung, Religion, Kultur, Zivilisation und so weiter nahm ihren Lauf.
    Das ist ein guter Maßstab, weil 1mm 100 Jahren entspricht und das liegt innerhalb des menschlichen Horizontes. Man kann das dann gut vergleichen.
    Nebenbei: vor weniger als einem Millimeter wurde die ökologische Landwirtschaft erstmals in einigen Teilen der Welt aufgegeben und ein neues Experiment gestartet. Seitdem sind in Deutschland 60% der Vogelarten verschwunden, mehr als 75% der Insektenmasse, mehr als 99% an (Un-)Kräutern.
    Auf diesem Maßstab käme Gliese 710 in etwa 13 oder 14m.

    Den gleichen “Meter” kann man sehr gut zum her zeigen einiger Verhältnisse im Sonnensystem nutzen.
    Wenn die Erde etwa einen Durchmesser von 1mm hat, dann ist der Mond ungefähr einen drittel Millimeter groß (es kommt hier wirklich nicht auf Kommastellen an) und läuft ungefähr 3cm entfernt von der Erde. Man sollte sich ruhig mal einen Meter zur Hand nehmen und diese Dinge betrachten. Vielleicht braucht man schon eine Brille für den Mond…
    Nunja, in dem Maßstab wäre die Sonne in etwa 11cm groß und stünde beinahe 120m entfernt und das ist eine AE. 4300AE sind auf diese Weise schon nicht mehr gut vorstellbar, außer, man erkennt, es ist wirklich ziemlich weit weg für einen kleinen Menschen.

    (PS: ich habe diese Zahlen nicht auswendig gelernt und kann mich nun irren oder auf dem Taschenrechner vertippt haben. Es geht mir um Idee, Zahlen praktisch greifbar zu machen).

  25. #25 Folke Kelm
    8. Juni 2018

    @ Peter Weismann

    kommst du aus Hessen? (wegen Meter zum ausklappen)

  26. #26 Peter Weismann
    8. Juni 2018

    Folke Kelm:

    kommst du aus Hessen? (wegen Meter zum ausklappen)

    Wieso? Haben die das erfunden?
    Die gibt es doch überall, oder?

    Nein, bin “Saarländer by birth …”
    Nebenbei: unsere Nachbarn nennen das Ding “le double-metre”, was etwas korrekter aber auch etwas umständlicher ist.