Es war eine richtig heftige Party. So richtig wild. Ihr wacht auf und habt keine Ahnung wo ihr seid. Absolut keine Ahnung. Und es ist auch niemand da, den ihr fragen könnt. Keine Menschen, keine Gebäude, keine Straßenschilder. Nur der Sternenhimmel über euch. Und wenn ihr jetzt ein wenig Ahnung von Astronomie habt, dann habt ihr Glück und könnt herausfinden, wohin es euch verschlagen hat. Denn welche Sterne man am Himmel sehen kann, hängt davon ab, wo man sich befindet.

Das liegt daran, dass die Erde eine Kugel ist. Von einem konkreten Ort ihrer Oberfläche kann man immer genau die Hälfte des Himmels sehen (wenn man mal Dinge wie Bäume oder Berge ignoriert, die einem den Blick auf den Horizont verstellen können). Bewegt man sich von Nord nach Süd (oder gerne auch von Süd nach Nord), dann ändert sich der Anblick der Himmels. So sieht zum Beispiel der Himmel in der Nacht von heute auf morgen aus, wenn man von Jena aus kurz vor Sonnenaufgang nach Süden blickt:

Screenshot Stellarium (GFDL)

Screenshot Stellarium (GFDL)

Man sieht das, was man gewöhnt ist, wenn man auf der Nordhalbkugel öfter mal zum Himmel schaut: Das Sternbild Wassermann, den Steinbock, den Planet Mars. Zur gleichen Zeit liefert der Blick von Kapstadt auf der Südhalbkugel aber einen völlig anderen Himmel:

Screenshot Stellarium (GFDL)

Screenshot Stellarium (GFDL)

Hier sehen wir Sternbilder, die wir in Deutschland normalerweise nicht sehen. Da gibt es den Paradiesvogel, den Tafelberg, die Pendeluhr oder den Schwertfisch. Und keinen Mars. Vor allem sehen wir auch das berühmteste Sternbild des südlichen Himmels: Das Kreuz des Südens. Es gehört zu den kleinsten Sternbildern, aber trotzdem sind die vier Hauptsterne mit freiem Auge gut zu sehen.

Aber eben leider nur, wenn man sich weit genug im Süden befindet. Das man von unterschiedlichen Orten der Erde aus unterschiedliche Sterne sehen kann, ist keine neue Entdeckung. Das wusste man schon vor Jahrtausenden im antiken Griechenland. Schon Aristoteles hat festgestellt, das man von Ägypten und Zypern aus Sterne sehen kann, die von weiter nördlich gelegenen Regionen aus nicht sichtbar sind. Und daraus korrekt geschlossen, dass das nur auf einer kugelförmigen Erde der Fall sein kann.

Kreuz des Südens (oben rechts) und Kohlensack (links daneben). (Bild: ESO/Y. Beletsky)

Kreuz des Südens (oben rechts) und Kohlensack (links daneben). (Bild: ESO/Y. Beletsky)

Ungefähr zur Zeit des Aristoteles konnte man vom südlichen Mittelmeerraum übrigens auch noch das Kreuz des Südens (gerade so) sehen. Das liegt daran, dass die Ausrichtung der Rotationsachse unseres Planeten nicht immer konstant ist. Zieht man eine Linie vom Südpol durch die Erde hindurch zum Nordpol und verlängert sie hinauf in den Himmel, dann zeigt sie momentan ziemlich genau in Richtung des Polarsterns. Das ist aber nicht immer so: Die Erdachse schwankt und beschreibt im Lauf von etwa 25.000 Jahren einen kleinen Kreis am Himmel. Damit verändert sich auch der Ausschnitt des Himmels, den man von einem Ort aus sehen kann. Vor knapp 5000 Jahren hätte man das Kreuz des Südens sogar noch von Deutschland aus am Himmel sehen können. Seitdem hat sich unser Blickwinkel aber verändert und mittlerweile ist das prominente Sternbild von Mitteleuropa aus immer unter dem Horizont.

Auf der Südhalbkugel ist es aber weiterhin deutlich sichtbar und ich würde es wirklich gerne mal mit eigenen Augen sehen (bis jetzt hab ich es leider noch nie über die Nordhalbkugel hinaus geschafft). Die vier hellen Sterne sind mit Sicherheit ein beeindruckender Anblick. Weniger beeindruckend sind ihre Namen: Acrux, Becrux, Gacrux und Decrux. Was wie “Tick, Trick und Track treffen Asterix” klingt sind Abkürzungen der offiziellen Namen Alpha Crucis, Beta Crucis, Gamma Crucis und Delta Crucis. “Crucis” ist der Genetiv von “Crux”, dem latenischen Namen des Sternbilds und mit den griechischen Buchstaben Alpha, Beta, Gamma, Delta, etc werden die Sterne in einem Sternbild einfach der Helligkeit nach bezeichnet. Die meisten hellen Sterne am Himmel haben auch “echte” Eigennamen (meistens arabische Bezeichnungen); bei den Sternen des Südhimmels ist das aber nicht der Fall. Beziehungsweise haben die Menschen die schon immer auf der Südhalbkugel gelebt haben, den Sternen natürlich jeweils eigene Namen in ihren eigenen Sprachen gegeben. Aber so etwas haben wir Europäer bei unseren Entdeckungsreisen in den letzten Jahrhunderten natürlich nicht ernst genommen…

Jede Menge Sterne

Jede Menge Sterne

Beeindruckt hat uns das Kreuz des Südens aber trotzdem. Man findet es auf überraschend vielen Staatsflaggen: Brasilien, Australien, Neuseeland, Papua-Neuguinea und Samoa haben das Sternbild auf ihrer Landesflagge abgebildet. Dazu kommen dutzende Flaggen von Bundesländern, Regionen und Städten. Das Kreuz des Südens findet man auf Münzen und in den Logos von Universitäten und Organisationen (zum Beispiel der Europäischen Südsternwarten). Sogar ein Fußballverein – der brasilianische Erstligaclub Cruzeiro Belo Horizonte – trägt die Sterne im Wappen.

Was man auf den Flaggen aber nicht sieht, ist eines der interessantesten Objekte in diesem Sternbild: Der Kohlensack. Im Südwesten der vier hellen Sterne befindet sich eine sogenannte “Dunkelwolke”, also eine große Wolke aus interstellarem Gas in deren Inneren neue Sterne entstehen. Der Kohlensack befindet sich etwa 600 Lichtjahre von der Erde entfernt und hat einen Durchmesser von etwa 70 Lichtjahren. Beim Blick durch ein Teleskop sieht es aus, als wäre da ein Loch im Himmel. Umringt von hellen Sternen ist da einfach nur ein dunkles Nichts. Im Inneren dieser das Licht der dahinterliegenden Sterne blockierenden Wolke ist aber definitiv nicht Nichts. Dort entstehen Sterne, die irgendwann vielleicht ebenso hell leuchten werden wie es heute das Kreuz des Südens tut.

Ein Teil des Kohlensacks (Bild: ESO)

Ein Teil des Kohlensacks (Bild: ESO)

Aber auch ohne Teleskop kann man – gute Bedingungen vorausgesetzt – den Kohlensack sehen. In der Astronomie der australischen Aborigines ist der Kohlensack gemeinsam mit anderen Dunkelwolken Teil des “Emu am Himmel”; ein “Sternbild” das nur aus Dunkelwolken zusammengesetzt ist von denen der Kohlensack den Kopf des Emus bildet.

Meinen Urlaub werde ich in diesem Jahr nur in Mitteleuropa verbringen. Die Sterne des südlichen Himmels werde ich also auch diesmal wieder nicht sehen. Aber falls ihr euch im Sommer auf den Weg in den Süden macht, dann nutzt die Gelegenheit, ab und zu mal nach oben zu sehen. Denn was es dort zu sehen gibt, seht ihr nur dort!


Alle Artikel aus der Serie “Erdkugelgeschichten”
Einleitung: Die Erde ist nicht flach und das ist gut so
Sternengeschichten Folge 293: Al-Biruni und die Größe der Erdkugel (erscheint am 06.07.2018)
Erdkugelgeschichten 01: Das Kreuz des Südens und der Himmel auf der anderen Hälfte der Erde (erscheint am 09.07.2018)
Erdkugelgeschichten 02: Der Sonnenuntergang kommt später als man denkt (erscheint am 10.07.2018)
Erdkugelgeschichten 03: Zu groß um flach zu sein: Der Future Circular Collider und die Zukunft der Teilchenphysik (erscheint am 11.07.2018)
Erdkugelgeschichten 04: Perseiden, Sternschnuppen und Plädoyer für das frühe Aufstehen (erscheint am 12.07.2018)
Sternengeschichten Folge 294: Warum sind Planeten rund? (erscheint am 13.07.2018)
Erdkugelgeschichten 05: Terraforming Mars: Wie kriegt ein Planet ein Magnetfeld? (erscheint am 16.07.2018)
Erdkugelgeschichten 06: Mach es wie die Sonnenuhr: Zeitmessung für alle! (erscheint am 17.07.2018)
Erdkugelgeschichten 07: Der blaue Himmel, die rote Sonne und die runde Erde (erscheint am 18.07.2018)
Erdkugelgeschichten 08: Flache Erde oder Erdkugel – Wer profitiert von der Verschwörung? (erscheint am 19.07.2018)
Sternengeschichten Folge 295: Mondfinsternisse und der “Blutmond” (erscheint am 20.07.2018)

Kommentare (25)

  1. #1 schlappohr
    9. Juli 2018

    “Da gibt es den Paradiesvogel, den Tafelberg, die Pendeluhr oder den Schwertfisch. Und keinen Mars.”

    Hier habe ich gestutzt beim Lesen: Grundsätzlich ist der Mars aber schon auch von der Südhalbkugel sichtbar, oder?

  2. #2 Heljerer
    9. Juli 2018

    Grundsätzlich ist der Mars aber schon auch von der Südhalbkugel sichtbar, oder?

    Selbstverständlich! Wenn man Mars grundsätzlich nicht von der Südhalbkugel sehen könnte, könnte man auch die Sonne grundsätzlich nicht von der Südhalbkugel sehen.

  3. #3 Heljerer
    9. Juli 2018

    Zur Zeit ist Mars sogar besser von der Südhalbkugel zu sehen, da er deutlich südlich (Deklination: -23,6°) vom Himmelsäquator steht.

  4. #4 schlappohr
    9. Juli 2018

    Dann ist mein Weltbild wieder gerade gerückt, danke *Smiley*

  5. #5 Heljerer
    9. Juli 2018

    Es scheint auch nicht zu stimmen, dass die beiden Stellarium-Screenshots den Himmel zur jeweils gleichen Zeit darstellen. Das Bild der Nordhalbkugel gibt den aktuellen Stand wieder. Mars im Steinbock, Saturn im Schützen. Auf dem Bild der Südhalbkugel, steht Jupiter aber nicht an der aktuellen Stelle. Jupiter ist derzeit in der Waage, nicht im Skorpion.

  6. #6 Alderamin
    9. Juli 2018

    @schlappohr

    Dann ist mein Weltbild wieder gerade gerückt, danke *Smiley*

    Ich hab’s so verstanden, dass man “keinen Mars” im Blickfeld des Bildes sieht. Der steht nämlich auf der Südhalbkugel Richtung Norden. Man würde in dieser Richtung dieselben Sternbilder sehen wie auf der Nordhalbkugel im Süden, nur auf dem Kopf stehend. Das reicht aus, um sie nicht wiederzuerkennen.

  7. #7 noch'n Flo
    Schoggiland
    9. Juli 2018

    @ FF:

    Meinen Urlaub werde ich in diesem Jahr nur in Mitteleuropa verbringen. Die Sterne des südlichen Himmels werde ich also auch diesmal wieder nicht sehen.

    Ich habe Dir schon einmal angeboten, Dich mit Bonusmeilen nach Chile zu bringen, damit Du für uns mal einen Vor-Ort-Bericht von der ESO machst. Das Angebot steht noch.

  8. #8 Andreas Schnabel
    9. Juli 2018

    Ich war schon 2x in Namibia und ich muss immer wieder feststellen, dass die südliche Himmel deutlich interessantere Objekte enthält. Da ist zum einen das Zentrum der Milchstraße, dass im Mai gegen Mitternacht im Zenit steht und an dunklen Standorten so hell, dass es regelrecht Schatten wirft. Mit der Orientierung am Sternenhimmel hatte auf der Südhalbkugel nie Probleme. Im Gegenteil: Ich musste immer für meine Freunde die Skytracker einsüden, da sie Schwierigkeiten hatten, Sigma Octantis (den südlichen Polarstern) überhaupt zu finden, da dieser nur eine Helligkeit von 5,5 mag besitzt. Außerdem kann man von Namibia aus noch rund 70-80% der Objekte der nördlichen Hemisphäre beobachten. Der Ringnebel in der Leier, Andromedagalaxie, Hantelnebel, Whirlpoolgalaxie und selbst der Große Wagen sind kein Problem. Erstaunlich ist, dass man im Mai noch ein Großteil der Wintersternbilder am frühen Abend beobachten kann, die bei uns im Januar/Februar am höchsten stehen. So sinkt der Orion, auf der Seite liegend, erst gegen 22 Uhr unter den Horizont.

    https://flic.kr/p/LkhGqE

  9. #9 schlappohr
    9. Juli 2018

    @Alderamin

    So war es vermutlich auch gemeint. Bin beim Lesen nur drüber gestolpert.

    Meine bisher einzige Begegnung mit dem Südhimmel war vor etwa 20 Jahren in Kenia. In der Nähe von Mombasa, wo die Reise begann, sah man natürlich nichts, obwohl die Lichtverschmutzung mit unseren Großstädten kaum zu vergleichen ist, aber die Hotelanlage war die ganze Nacht in gleißendes Flutlicht gehüllt, damit niemand Angst haben muss vorm schwarzen Mann (ja, diesen Schwachsinn gibt’s nicht nur bei uns).

    In der Nordserengeti war das schon viel besser. Leider war ich damals ohne geeignete Fotoausrüstung unterwegs, und alleine in der Savanne rumzulaufen ist schon tagsüber nicht angeraten. Aber was ich vom Sternenhimmel gesehen habe, war beeindruckend: Die unglaublich helle Milchstraße vor den charakteristischen Silhouetten der Akazien, dazu die Rufe der Tiere aus der Dunkelheit. Ein bemerkenswerter Kontrast zu der Stille, die der Sternenhimmel normalerweise vermittelt. Die Luftfeuchtigkeit war so gering, dass nicht einmal der zunehmende Mond das Seeing stark verschlechtert hat (zumindest rein visuell nicht).

  10. #10 Alderamin
    9. Juli 2018

    @Andreas Schnabel

    Außerdem kann man von Namibia aus noch rund 70-80% der Objekte der nördlichen Hemisphäre beobachten. Der Ringnebel in der Leier, Andromedagalaxie, Hantelnebel, Whirlpoolgalaxie und selbst der Große Wagen sind kein Problem.

    Was natürlich der Tatsache geschuldet ist, dass Namibia ungefähr auf der Breite der Kanarischen Inseln liegt, nur eben südlich des Äquators. Von den Kanaren kann man ja auch zur richtigen Jahres-/Tageszeit schon Omega Centauri, Alpha Centrauri und Crux sehen. Am Äquator sieht man dann alles.

    Tolle Aufnahme, übrigens (wie immer, die Twitter-Aufnahmen von La Palma sind auch klasse). Südlicher als 12° Nord war ich noch nicht, aber für Crux und Alpha Centauri hatte das gereicht. Löwe und Orion über Kopf fand ich allerdings verwirrend.

    Muss mich auch mal aufraffen, auf die Südhalbkugel zu fliegen. In knapp einem Jahr ist in Chile/Argentinien ‘ne Sonnenfinsternis, wäre ein Anlass.

  11. #11 Florian Freistetter
    9. Juli 2018

    @nnF: “Das Angebot steht noch.”

    Wenns denn so einfach wäre 😉 Aber so ne Fernreise braucht deutlich mehr Zeit für Planung/Vorbereitung, als ich sie momentan habe. Aber mal sehen, was die Zukunft bringt.

  12. #12 noch'n Flo
    Schoggiland
    9. Juli 2018

    @ FF:

    Aber so ne Fernreise braucht deutlich mehr Zeit für Planung/Vorbereitung, als ich sie momentan habe. Aber mal sehen, was die Zukunft bringt.

    Naja, Tickets in der Business Class (in der Economy würde ich Dir die lange Anreise nun wirklich nicht empfehlen) bekomme ich derzeit sowieso für frühestens nächsten April – wenn das als Vorlauf ausreicht…

    Alderamins Idee mit der SoFi am 2. Juli 2019 finde ich auch nicht schlecht – Flüge kriege ich um diese Zeit in jedem Fall, vielleicht fliegt Ihr ja zusammen runter: zwei ScienceBlogger on tour.

  13. #13 noch'n Flo
    Schoggiland
    9. Juli 2018

    Hey, da gibt es sogar ein ESO-Event:

    https://www.eso.org/public/germany/news/eso1822/

  14. #14 Uli Schoppe
    9. Juli 2018

    Sagt mal, ist das der Niven Kohlensack?

  15. #15 stephan
    10. Juli 2018

    Bei Diskussionen mit Flacherdlern war bis jetzt IMMER augenblicklich Funkstille und Schluß, wenn ich nach der Begründung dafür fragte, warum der Polarstern genau so hoch steht wie die geogr. Breite des Standortes beträgt.

  16. #16 Jonas Schimke
    10. Juli 2018

    @stefan,

    neben den Flacherdlern gibt es aber auch noch andere Spinner, die den Sternenhimmel für ihre eigenen Zwecke missbrauchen. Hier ein Beispiel vom berüchtigten Kreationisten Werner Gitt:

    Was liegt also näher, als dass Sterne in ihrer Konstellation das Kreuz verkünden? Sie tun es lautlos (Ps. 19,4) – wie es dem Zeugnis der Schöpfung angemessen ist. So empfinde ich es als äusserst bemerkenswert, dass eine Sternkonstellation das Kreuz symbolisiert.
    Weiterhin entgeht dem aufmerksamen Beobachter nicht, dass das Schatzkästlein hier gleichnishaft für den Himmel und der finstere Kohlensack für die Hölle stehen könnte.

    Quelle, S. 25-26

  17. #17 Bullet
    10. Juli 2018

    @Uli (#14):
    Äh…

  18. #18 Gudea
    10. Juli 2018

    #16
    Unglaublich…. wen will er mit diesem Unfug fangen ?? Zu welchem Zweck ?
    Für mich ein Fall für die Nervenheilanstalt-

  19. #19 Jonas Schimke
    10. Juli 2018

    @Gudea,

    Gitt – übrigens promovierter Maschinenbauingenieur und ehemaliger Abteilungsleiter Informatik der PTB in Braunschweig – tingelt mit zahlreichen Vorträgen, die allesamt ein schräges fundamental-christliches Weltbild repräsentieren, durch die Welt, vornehmlich in evangelikalen Kreisen. Auffällig viele seiner Zuhörer sind Russlanddeutsche.

    Seine Schriften und Vorträge sind auch leicht im Internet zugänglich.

    Pikant ist, dass der saubere Herr Gitt sich gerne als “Professor” titulieren lässt und dies wohl auch selber auf seiner Website tut, z. B. hier. Dabei darf er als ehemaliger Abteilungsleiter offiziell nur als “Direktor und Professor a. D.” firmieren. Eigentlich ein Fall für die Justiz (§132a, Amtsanmaßung).

    Ich bin mir selber nicht klar, welchen Zweck er damit verfolgt. Vor allem weiß ich nicht, ob er den Unsinn, den er da erzählt, selber glaubt oder ob er seine Zuhörer bewusst in die Irre führt. Eigentlich kommt nur letztes infrage, denn dumm ist der Typ nicht und er hat auch einen halb-naturwissenschaftlichen Hintergrund.

    Durch seine zahlreichen Vorträge ist er höchstwahrscheinlich auch mit vielen Fakten konfrontiert worden, die etliche seine Thesen, z. B. die “6-Tage-Schöpfung” und damit ein Erdalter von weniger als 10.000 Jahren(!) eindeutig widerlegen. Da müsste er ziemlich vernagelt sein, um nicht einzusehen, wie schief er mit seinen Ansichten liegt.

    Dass er ein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit hat, lässt sich leicht zeigen: er behauptet z. B. (als “argumentative” Stütze einer Bibel-“Prophetie”), dass Moskau und Jerusalem auf dem selben Längengrad lägen. Kann JEDER allerdings mit Google Maps o. ä in wenigen Minuten als Falschbehauptung entlarven.

  20. #20 Uli Schoppe
    10. Juli 2018

    @Bullet Äh ja stimmt :)

  21. #21 Heljerer
    10. Juli 2018

    Von Astronomie hat Herr Gitt jedensfalls keine Ahnung. In seinem Vortrag “Wozu gibt es Sterne?” zeigt er Beispiele von Galaxien:
    Orionnebel, M42
    Ringnebel, M57
    Pleyaden, M45
    Eulennebel, M97
    Fehlt nur noch die Galaxie “Kreuz des Südens”.

  22. #22 Jonas Schimke
    10. Juli 2018

    @Heljerer,

    Von Astronomie hat Herr Gitt jedensfalls keine Ahnung.

    Der Herr Gitt hat von vielen Dingen keine Ahnung, die mit Naturwissenschaft zu tun haben, am allerwenigsten von Biologie. Er ist ein vehementer Leugner der Evolution und versteigt sich zu der Behauptung, der hätte die Evolution widerlegt, wohlgemerkt, die Evolution, nicht nur die Evolutionstheorie. Er “begründet” das durch die von ihm erfundenen “Naturgesetze der Information” wie folgt:

    NGI-1: Eine materielle Größe kann keine nicht-materielle Größe hervorbringen.

    NGI-2: Information ist eine nicht-materielle fundamentale Größe.

    NGI-3: In statistischen Prozessen kann keine Information entstehen.

    NGI-4: Information kann nur durch einen intelligenten Sender entstehen.

    Der “intelligente Sender” ist dann natürlich sein Gott, der die “Information” der DNA “geschaffen” habe. Durch diesen semantischen Unsinn hat er gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Evolution widerlegt und seinen Gott bewiesen. Wird Zeit, dass man Gitt für einen Nobelpreis vorschlägt. :-)

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  24. #24 T
    13. Juli 2018

    @ nnF #13
    Habe heute um 13.01 Uhr versucht online eine Karte für das ESO-Event zu erstehen: ausverkauft. Angeblich. Hat es irgendjemand geschafft und ist bereit eine Karte weiterzuverkaufen?

  25. […] Folge 293: Al-Biruni und die Größe der Erdkugel (erscheint am 06.07.2018) Erdkugelgeschichten 01: Das Kreuz des Südens und der Himmel auf der anderen Hälfte der Erde (erscheint am 09.07.2018) Erdkugelgeschichten 02: Der Sonnenuntergang kommt später als man denkt […]