Schwarze Löcher nehmen uns die Luft zum Atmen weg!! Und wenn das jetzt auch nur eine nach Aufmerksamkeit heischende Verkürzung ist, steckt hinter dieser Aussage doch ein Stück sehr interessanter Wissenschaft. Ich bin ja zur Zeit bei der Generalversammlung der Interationalen Astronomischen Union in Wien und es gibt einen sehr wichtigen Grund, solche Konferenzen zu besuchen: Man lernt dort jede Menge coole Sachen! So wie ich, als ich heute dort auf eine Arbeit gestoßen bin, die sich mit einem Phänomen beschäftigt, dessen Existenz mir bis jetzt noch nicht in den Sinn gekommen wäre.

Schwarze Löcher sind keine Staubsauger. Und nicht schwarz

Es geht um den Einfluss den schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien auf die Atmosphäre von Planeten in anderen Galaxien haben können. Und weil das vollkommen absurd klingt, tue ich fürs Erste mal so als hätte ich das gar nicht geschriben und erkläre lieber, dass das nichts damit zu tun hat, das ein schwarzes Loch die Lufthülle eines Himmelskörpers einsaugt. Denn schwarze Löcher sind keine Staubsauger; sie “saugen” nichts an auch wenn das eine weitverbreitete Vorstellung ist. Und wenn man die Sache ein wenig genauer betrachtet, dann ist ein schwarzes Loch auch nicht “schwarz”. Ein schwarzes Loch ist – sehr vereinfacht gesagt – sehr viel Masse die auf sehr wenig Raum zusammengequetscht wird. Das führt dazu, dass man der Masse auch sehr nahe kommen kann (weil sie eben einen sehr winzigen Raum einnimmt). Und je näher man einer Masse kommt, desto stärker wird die Anziehungskraft und desto schneller muss man sein, um sich wieder entfernen zu können. Ein schwarzes Loch hat man nun genau dann, wenn diese “Fluchtgeschwindigkeit” größer als die Lichtgeschwindigkeit wird. Die kann nichts überschreiten – und der Bereich, aus dem man nicht mehr weg kommt ist das “schwarze Loch”. Außerhalb dieses Bereichs kann man sich aber durchaus von einem schwarzen Loch entfernen.

Aktive Löcher muss man füttern

Stellen wir uns jetzt ein großes schwarzes Loch vor. So ein schwarzes Loch, wie es sich im Zentrum unserer Milchstraße befindet. Das hat eine Masse die mehr als 4 Millionen mal größer ist als die der Sonne. Solche “supermassereichen schwarzen Löcher” findet man in den Zentren aller großen Galaxien. Was man in diesen Zentren ebenfalls noch findet: Jede Menge Zeug! In der Zentralregion einer Galaxie gibt es jede Menge Gas, jede Menge Staub und jede Menge Sterne die alle sehr dicht bei einander stehen. Es gibt also auch genug Zeug, das von der Gravitationskraft eines schwarzen Lochs beeinflusst werden kann. Ohne auf die Details eingehen zu wollen: Ein supermassereiches schwarzes Loch ist oft von einer großen und schnell rotierenden Scheibe aus Gas und Staub umgeben. All das Material wirbelt wild umher, bevor es irgendwann ins schwarze Loch fällt. Zuvor “heizt” die schnelle Bewegung das Material aber stark auf und es leuchtet. Es gibt jede Menge Strahlung ab; vor allem hochenergetische Strahlung wie Röntgenstrahlung oder UV-Strahlung.

Künstlerische Darstellung eines supermassereichen schwarzen Lochs mit einer strahlenden Scheibe aus Zeug (Bild: NASA/ESA)

Künstlerische Darstellung eines supermassereichen schwarzen Lochs mit einer strahlenden Scheibe aus Zeug (Bild: NASA/ESA)

Ein supermassereiches Loch mit ausreichend Material in seiner Nähe das auf diese Weise leuchten kann, nennt man “aktives schwarzes Loch” bzw. einen “aktiven Galaxienkern”, wenn es sich um ein Loch im Zentrum einer Galaxie handelt. Das Loch im Zentrum der Milchstraße ist nicht mehr aktiv. Früher, vor ein paar Milliarden Jahren, als die Milchstraße noch jung und schmutzig und voller Staub war, war das anders. Aber heute ist kaum noch Material übrig, das ins Loch fallen kann. Und wenn ein schwarzes Loch nicht mehr gefüttert wird, dann leuchtet seine Umgebung auch nicht. Andere Galaxien haben aber durchaus noch aktive Kerne.

Windige Zusammenhänge

Was hat das aber jetzt mit der Atmosphäre von Planeten zu tun? Sofern ein Planet überhaupt eine Atmosphäre hat, kann er die auf viele verschiedene Arten verlieren. Der Erde zum Beispiel entkommen immer wieder ein paar der schnelleren Luftmoleküle; wenn sie schnell genug sind, können sie die Anziehungskraft überwinden und sich ins All verabschieden. Ungefähr 260 Tonnen pro Tag, was viel klingt aber im Vergleich mit dem Rest der Atmosphäre wenig genug ist, dass wir darunter nicht zu leiden haben.

Eine Atmosphäre kann aber auch auf andere Weise verschwinden. Zum Beispiel wenn sie durch hochenergetische Strahlung von außen aufgeheizt wird. Passiert das auf genau die richtige Weise, dann durch den Temperaturunterschied in den äußeren Schichten einer Atmosphäre eine Art Wind entstehen und anstatt Molekül für Molekül strömt die Atmosphäre dann regelrecht hinaus ins All.

Keine Sorge! Ist noch genug Atmosphäre da! (Bild: NASA)

Keine Sorge! Ist noch genug Atmosphäre da! (Bild: NASA)

Diese hochenergetische Strahlung kann zum Beispiel von Sternen kommen. Sehr viel mehr hochenergetische Strahlung erzeugen aber supermassereiche schwarze Löcher. So viel davon, dass wir sie auch noch in unvorstellbar weiter Entfernung leuchten sehen. Wir können zum Beispiel Quasare sehen, deren Licht mehr als 10 Milliarden Jahre bis zu uns unterwegs ist und wir können sie deswegen sehen, weil Quasare nichts anderes sind als extrem helle aktive Galaxienkerne aus der Frühzeit des Universums.

Licht aus, es zieht!

Und damit sind wir jetzt bei der Arbeit angelangt, die mich heute auf der Konferenz so überrascht hat. Beziehungsweise sind wir vorerst mal bei einer Arbeit die die Grundlage einer Arbeit darstellt, die ich auf der Konferenz gesehen habe. Der Artikel heißt “Evaporation of planetary atmospheres due to XUV illumination by quasars” und stammt von John Forbes & Abraham Loeb von der Universität Harvard. Der Titel sagt eigentlich schon ziemlich genau worum es geht: “Evaporation of planetary atmospheres” ist das Verschwinden einer planetaren Atmosphäre. Und “XUV illumination by quasars” ist die hochenergetische Ultraviolettstrahlung von aktiven Galaxienkernen.

Es geht also um die Frage, wie die hochenergetische Strahlung von schwarzen Löchern in den Zentren von Galaxien die Atmosphäre von Planeten beeinflusst. Ich wäre bis heute nicht auf die Idee gekommen, dass man sich diese Frage überhaupt stellen kann. “Kann man aber”, haben sich kreativere Astronomen als ich aber gedacht und sich auf die Suche nach Antworten gemacht.

Wie viel Atmosphäre verschwinden kann, hängt einerseits von der Dichte des Planeten ab (die ja wiederrum die Anziehungskraft bestimmt). Andererseits aber natürlich auch von der Menge der eintreffenden UV-Strahlung. Und davon, wie viel davon fürs Aufheizen der Atmosphäre genutzt werden kann. Kommt zu wenig Energie an, gibt es keinen Wind. Kommt zu viel, dann kühlt der Wind – vereinfacht gesagt – die Atmosphäre ab und der Massenverlust stoppt ebenfalls. Und selbstverständlich spielen auch die Eigenschaften der Atmosphäre (also die Art der Gase) eine Rolle. Man muss außerdem berücksichtigen, wie weit der Planet um den es geht vom schwarzen Loch weg ist. Und wie aktiv das schwarze Loch ist (was sich im Laufe der Zeit ja ändert). Und wie die Bahn des Planeten ums Zentrum aussieht. Un so weiter!

Umlaufbahnen von Sternen um das zentrale schwarze Loch der Milchstraße. Wer auf nem Planeten dort wohnt, hat ganz andere Probleme als ne windige Atmosphäre... (Bild: ESO/L. Calçada/spaceengine.org)

Umlaufbahnen von Sternen um das zentrale schwarze Loch der Milchstraße. Wer auf nem Planeten dort wohnt, hat ganz andere Probleme als ne windige Atmosphäre… (Bild: ESO/L. Calçada/spaceengine.org)

Es ist also wenig überraschend, wenn die Antwort auf die Frage nach dem Einfluss der schwarzen Löcher nicht so simpel ist. Forbes und Loeb jedenfalls haben sich jede Menge unterschiedliche Arten Galaxien mit unterschiedlich aktiven Galaxienkernen angesehen und ausgerechnet, welchen Einfluss das auf die Atmosphäre von Planeten haben kann. Das wurde dann verallgemeinert um Aussagen und zusammengefasst lauten die Ergebnisse so: 50 Prozent aller Planeten im Universum verlieren durch die Strahlung schwarzer Löcher einen Teil ihrer Atmosphäre, die der Masse der Marsatmosphäre entspricht. 50 Prozent – das ist die Hälfte aller Planeten. Ok, der Mars hat so nur eine recht dünne Atmosphäre. Würde die Erde ne Marsatmosphäre verlieren, dann würde uns das nicht weiter auffallen. Also auffallen schon – aber es wäre nicht weiter tragisch.

Definitiv tragisch für die Erde wäre es, würde sie eine Menge an Atmosphäre verlieren, die der Masse der Erdatmosphäre entspricht. Das passiert den Rechnungen von Forbes und Loeb zufolge immerhin 10 Prozent aller Planeten im Universum. Und 0,2 Prozent der Planeten verlieren Atmosphäre in einer Menge die der Masse der irdischen Ozeane entspricht. Das war die allgemeine Statistik; die konkreten Ergebnisse für den Spezialfall unserer Erde sind hier eher beruhigend: So wie es aussieht hat keiner der Planeten im Sonnensystem etwas seiner Atmosphäre durch den Einfluss des zentralen schwarzen Lochs verloren. Obwohl man das nicht fix sagen kann. Wir wissen nicht genau, wo sich unser Sonnensystem in der Vergangenheit herum getrieben hat. Vielleicht war es früher einmal näher am Zentrum der Milchstraße und vielleicht gerade dann, als das schwarze Loch dort einen Aktivitätsausbruch hatte. Die Milchstraße ist in der Vergangenheit auch mit anderen Galaxien kollidert. Wenn so etwas passiert, dann verschmelzen die beiden supermassereichen schwarzen Löcher, was zusätzliche Aktivität erzeugt UND es bringt die Umlaufbahnen der Sterne ziemlich durcheinander. Es kann also trotz allem sein, dass auch unser Planet in der Vergangenheit ein wenig seiner Atmosphäre durch das schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße verloren hat.

In a galaxy far, far away…

Das war jetzt aber nur der Einfluss des schwarzen Lochs im Zentrum unserer Milchstraße. Beziehungsweise der Einfluss den schwarze Löcher auf die Planeten in ihren eigenen Galaxien haben. Aber was ist mit dem Einfluss, den ein schwarzes Loch in einer Galaxie auf Planeten in anderen Galaxien hat? Klar, diese aktiven Galaxiekerne sind viel, viel weiter weg als das jeweils lokale schwarze Loch. Andererseits gibt es aber auch sehr, sehr viele aktive Galaxien. Und der Effekt summiert sich auf.

Müssen wir also auch berücksichtigen, was in anderen Galaxien passiert, wenn wir Planeten innerhalb der Milchstraße verstehen wollen? Vielleicht. Davon handelt die Arbeit, die ich hier auf der Konferenz in Wien gesehen habe und die auf der Arbeit von Forbes und Loeb aufbaut. Allerdings handelt es sich dabei um noch sehr vorläufige Ergebnisse, die noch nicht veröffentlicht worden sind. Weswegen auch ich hier nicht im Detail darüber berichten werde. Aber sobald es entsprechende Publikationen gibt, werdet ihr hier im Blog auf jeden Fall davon hören!

Denn die ganze Sache ist und bleibt extrem faszinierend: Wenn wir die Entwicklung und die Eigenschaften von planetaren Atmosphären verstehen wollen, sollten wir uns auch darüber Gedanken machen, was irgendwo weit, weit entfernt im Zentrum einer Galaxie passiert und vielleicht sogar was in den Zentren fremder Galaxien stattfindet.

Die Distanzen zwischen den Sternen und Galaxien sind für uns Menschen unvorstellbar. Ebenso unvorstellbar scheint es, dass da überhaupt irgendein Einfluss ist der sie überbrücken kann. Aber die Astronomie zeigt uns immer wieder aufs Neue, dass das Universum in seiner Gesamtheit viel komplexer und verbundener ist, als wir uns denken.

Kommentare (21)

  1. #1 derdeet
    28. August 2018

    @Florian,

    glaube, da ist ein Tipper: Im vorletzten Satz des Absatzes “Aktive Löcher muss man füttern” muss doch am Ende ein “nicht” stehen – und nicht “noch” . . . :-)

  2. #2 Wraps
    28. August 2018

    Äußerst interessanter Artikel!

    Für mich hört sich das nach einem nicht berücksichtigten Faktor des Fermi-Paradoxons an.
    Eventuell ist das Universum in seiner Gesamtheit doch ein wesentlich lebensfeindlicher Ort als angenommen.

    Ich arbeite selber in Wien, werde jedoch nicht dazu kommen mir die Vorträge der Konferenz anzuhören. Danke daher für die laufende Berichterstattung hier im Blog. :)

  3. #3 Jürgen A.
    Berlin
    28. August 2018

    Es ist erstaunlich, daß man immer noch vom unendlichen Gravitationspotential am Schwarzschild-Radius ausgeht. Ich vermute, bevor Wechselwirkungen mit unserer Atmosphäre auftreten, würde durch die Gezeitenwirkung des SL der Erdkörper so verformt, daß die Erdplatten der Plattentektonik zerbrechen und wir im Vulkanismus ersticken würden. Aber das ist alles nur sinnlose Spekulation.

    Ich habe neulich beim Durchzappen auf einem privaten Sender einen Film mit einem solchen Endzeit-Szenarium (stückchenweise) gesehen. Warum hauen Wissenschaftler in diese hochspekulative Kerbe. Ist es für die großen Fragen der Astronomie wichtig, zu wissen, ob S2 und Co. einen Planeten haben können oder nicht ? Auf Grund der harten Strahlung des SL dürfte da auch auf einem paradiesischen Planeten kein Leben möglich sein. Aber das ist auch nur eine an den Erfahrungen orientierte, nicht beweisbare Spekulation.

  4. #4 Florian Freistetter
    28. August 2018

    @Jürgen: “Es ist erstaunlich, daß man immer noch vom unendlichen Gravitationspotential am Schwarzschild-Radius ausgeht. “

    Tut ja auch keiner. Und bitte hier nicht wieder ne Diskussion darüber anfangen, warum Wissenschaftler nicht verstehen was ein SL wirklich ist… Es geht auch nicht darum, dass GRAVITATION die Atmosphäre beeinflusst. Davon ist nirgendwo im Artikel die Rede. Es geht um einen völlig anderen Mechanismus, den ich jetzt aber nicht wiederhole, weil ich ihn im Artikel ausführlich erklärt habe.

    “Ist es für die großen Fragen der Astronomie wichtig, zu wissen, ob S2 und Co. einen Planeten haben können oder nicht ?”

    Es geht nicht um S2. Es geht um ALLE Planeten einer Galaxie. Nicht nur die direkt beim schwarzen Loch.

  5. #5 Jürgen A.
    Berlin
    28. August 2018

    @FF

    Ich wollte damit eigentlich nur auf das Spekulative in deinem Beitrag hinweisen. Ich habe gelernt, daß die wesentliche Kraft, die ein Planet benötigt um seine Atmosphäre zu halten, die Schwerkraft ist. Obwohl der Jupiter nur eine Gaskugel mit geringer Dichte ist, wird er durch Strahlung mit Sicherheit keinen wesentlichen Teil seiner Atmosphäre verlieren. Dafür ist sein Gravitationsfeld zu stark. Eine Supererde würde auf diese Weise wahrscheinlich auch kaum Atmosphäre verlieren. Die Erde ist schon fast ein Grenzfall, denn Wasserstoff kann die Erde nicht mehr richtig halten, er verflüchtigt sich auf die Dauer. Die anderen Gase, mit größerem Molekülgewicht, kann die Erde aber halten. Die Venus ist etwas kleiner und deutlich leichter als die Erde und kann eine gewaltige Atmospäre halten, obwohl sie nur ein äußerst schwaches Magnetfeld hat und dem Sonnenwind mehr ausgesetzt ist als die Erde. Die Venusatmosphäre enthält aber keinen freien Wasserstoff und nur extrem wenig Wasser. Der Mars ist so klein und leicht, daß er nur kleine Reste einer Atmosphäre aus Kohlendioxyd (schwere Moleküle) halten kann.

    Natürlich kann eine hochenergetische Strahlung einer Atmosphäre Partikel (Moleküle) entreißen. Damit das aber einen wesentlichen Einfluß hat, muß man nahe an der Strahlungsquelle (am SL) sein. 26 000 Lichtjahre bis Sgr A* sind genug und wir müssen uns keine Sorgen machen. Das Thema ist sehr spekulativ.

    In den Randbereichen eine roten Riesensterns ist die Gravitation schwach. Hat man denn schon einmal beobachtet, daß so einem roten Riesenstern seine Außenhülle durch eine Ursache von Außen weggeblasen wurde ? Gibt es im galaktischen Zentrum keine roten Riesen ?

  6. #6 Jürgen A.
    Berlin
    28. August 2018

    @FF

    Andere Frage : Hast Du die Chance (gehabt) mit Heino Falcke zu sprechen ?

  7. #7 Florian Freistetter
    28. August 2018

    @Jürgen: Nein; hat sich nicht ergeben. Bei 3000 Leuten und nem halben Dutzend Sessions die täglich parallel laufen ist es nicht immer einfach…

  8. #8 Florian Freistetter
    28. August 2018

    @Jürgen: “Obwohl der Jupiter nur eine Gaskugel mit geringer Dichte ist, wird er durch Strahlung mit Sicherheit keinen wesentlichen Teil seiner Atmosphäre verlieren.”

    Wieso denkst du, dass diese Aussagen in ihrer Absolutheit stimmt? Es gibt viele konkrete (und beobachtete!) Fälle, wo Gasriesen jede Menge ihrer Atmosphäre verloren haben. ZB wenn sie sehr nahe an einem Stern sind. Es kommt auf die Umstände an. Und genau diese Umstände werden in der Arbeit untersucht.

    “Damit das aber einen wesentlichen Einfluß hat, muß man nahe an der Strahlungsquelle (am SL) sein. 26 000 Lichtjahre bis Sgr A* sind genug und wir müssen uns keine Sorgen machen. “

    Und das weißt du woher? Hast du das selbst ausgerechnet? Denn in der Arbeit geht es gerade darum, das konkret auszurechnen!!. Wissenschaft ist nicht “Ich glaub das muss so sein, da muss ich gar nicht erst nachschauen”. Sondern genau das Gegenteil davon.

  9. #9 tomtoo
    28. August 2018

    Und ich dachte immer SL’s sind keine Staubsauger?

  10. #10 tohuwabohu
    Berlin
    28. August 2018

    Sollte ich mich jetzt immer (also auch nachts) mit Sonnencreme einreiben, damit ich keinen Sonnenbrand durch die UV-Strahlung der SL bekomme? 😉

    Natürlich kann ein von hochenergetischer Strahlung getroffenes Molekül dabei soviel Energie erhalten, dass es zerbricht und/oder so beschleunigt wird, dass es die Fluchtgeschwindigkeit überschreitet. Hier stellt sich allerdings die Frage: “Ob die dauerhafte (nicht ganz so viel Energie übertragende) Strahlung der eigenen Sonne nicht viel mehr Moleküle aus der Atmosphäre herausschlägt als sie weit entfernten SL?”

    Schade, dass ich den Beitrag nicht lesen konnte (bzw. wollte, denn 25,00€ war mir für einen 24:00h-Zugriff doch zu viel).

    So habe ich nur eine (Bauch-)Vorstellung – und so mehr Fragen als Antworten:
    Um die Atmosphäre durch das auftreffende Licht auszudünnen muss das Gas soviel Energie aufnehmen, dass es die Schwerkraft überwindet und ins All entweicht.
    Wieviel Energie strahlen alle Sterne auf die Atmosphären aller Planeten, wieviel Licht davon stammt von SLn und wieviel liefern die eigenen Sonnen? Das ist natürlich abhängig von der Lage des Planetensystems in seiner Galaxie. So sind die Systeme die weiter weg vom zentralen SL sind auch entsprechend weniger Strahlung ausgesetzt, zumal die jeweiligen Jets nicht in die eigene Galaxie strahlen. Zwar ist die Atmosphäre von Planeten in Planetensystemen in der Nähe des Galaxie-Zentrums viel mehr Strahlung ausgesetzt, aber vermutlich gibt es dort aufgrund gegenseitiger Störungen durch benachbarte Sterne auch weniger Planeten, die zu Planetensystemen gehören. Was ergeben denn Simulationen hinsichtlich der Bildung von Planeten in sternreichen Gebieten, wie z.B. dem Bulge? Werden da schon die protoplanetaren Scheiben so gestört, dass die Planetenbildung gar nicht richtig in Fahrt kommt? Wenn die SL in den Zentren der Galaxien heute “satt sind” (zumindest das in der Milchstraße und der meisten nahen Galaxien?), d.h. fast alles Gas in ihrer Umgebung verbraucht haben, wie lange ist das her, dass sie früher viel heller waren? Wenn dieser Zustand schon länger anhält, als die meisten Planetensysteme entstanden sind (die bestehen ja aus den Elementen, die in früheren Sterngenerationen “erbrütet” wurden), dann können die SL die Planetenatmosphären ja nicht mehr besonders beeinflusst haben.

    Ohne den Beitrag zu kennen, bleiben da noch viele Fragen.

  11. #11 Florian Freistetter
    28. August 2018

    @tohuwabohu: “Schade, dass ich den Beitrag nicht lesen konnte (bzw. wollte, denn 25,00€ war mir für einen 24:00h-Zugriff doch zu viel).”

    ?? Ich bin verwirrt. Wo denkst du, dass du etwas bezahlen musst? Mein Blog zu lesen kostet nix. In meinem Artikel hab ich ja das wichtigste erklärt. Und der Fachartikel ist kostenlos im arxiv: https://arxiv.org/abs/1705.06741
    Hast du dort auf den doi-Link geklickt anstatt auf den pdf-Link in der rechten Spalte, dort wo “Download” steht? (den hier: https://arxiv.org/pdf/1705.06741)

    P.S. Ich glaub ich schreib hier seit 2015 schon nur mehr über Fachartikel, die kostenfrei online zugänglich sind (hab irgendwann mal auch nen Artikel geschrieben und erklärt, warum ich das tue)

  12. #12 tohuwabohu
    Berlin
    28. August 2018

    Ich meinte natürlich den verlinkten Original-Beitrag.
    Da habe ich nach dem Klick auf Ihren Link auf der Folgeseite den Weg über “DOI:
    10.1093/mnras/sty1433” genommen und bin so beim “Oxford Academic – Monthly Notes of the Royal Astronomical Society” angekommen – da wir es dann teuer.

    Ich lese jetzt erstmal den Originalbeitrag – Danke. Mal sehen wieviel ich davon verstehe. :-)

  13. #13 Jürgen A.
    Berlin
    29. August 2018

    @FF #8

    “Wieso denkst du, dass diese Aussagen in ihrer Absolutheit stimmt? ”

    Weil das in der Arbeit, die ich gelesen hatte, vorgerechnet wurde. Du bist der Astronom, und müßtest das eigentlich wissen. Ich bin nur Physiker und habe das aus Interesse gelesen. Es ist schon sehr lange her und ich kann dir die Quelle nicht mehr angeben. Aber ich habe mich im Anschluß immer sehr amüsiert, wenn jemand vom Terraforming des Marses geschrieben hat. Diese Leute haben sich offensichtlich niemals darüber informiert, welche Voraussetzungen zum Halten einer Atmosphäre notwendig sind.

    In der Arbeit, die ich gelesen hatte, ging es aber auch nur um das Halten einer Armosphäre, ohne Einfluß von Außen. Deshalb noch einmal die Frage : Hat man schon einmal beobachtet, daß einem roten Riesenstern seine Außenhülle durch eine Ursache von Außen weggeblasen wurde ? Gibt es im galaktischen Zentrum keine roten Riesen ?

  14. #14 Florian Freistetter
    29. August 2018

    @Jürgen: “Es ist schon sehr lange her und ich kann dir die Quelle nicht mehr angeben. “

    Du hast also irgendwo irgendwas gelesen.

    “In der Arbeit, die ich gelesen hatte, ging es aber auch nur um das Halten einer Armosphäre, ohne Einfluß von Außen.”

    Du hast irgendwo irgendwas gelesen das nichts mit dem Thema meines Artikels zu tun hatte.

    “Hat man schon einmal beobachtet, daß einem roten Riesenstern seine Außenhülle durch eine Ursache von Außen weggeblasen wurde ? “

    Noch einmal meine Antwort: Ja. Google doch einfach mal nach “planetary evaporation”. Und zur Erinnerung: Es geht in meinem Artikel um die Atmosphäre von PLANETEN (nicht um Sterne) die durch hochenergetische Strahlung (kein sichtbares Licht) aufgeheizt werden so dass sich darin Winde entwickeln, die zu einem atmosphärischen Verlust führen. Ich weiß nicht, warum du ständig über was anderes reden willst – aber ich würde dich bitten, das nicht mehr zu tun sondern beim Thema zu bleiben.

  15. #15 Wizzy
    29. August 2018

    Ich habe mir die gleiche Frage wie ich u.a. bei Jürgen zwischen den Zeilen lese, “Ist ein derart großflächiger Einfluss der SL in unserer Galaxis ebenfalls vorhanden?”, und komme spekulativ zu dem Schluss “Nein”. Die sehr weiträumig atmosphäre-beeinflussenden Schwarzen Löcher sind die Strahlungsquelle der Quasare, und Quasare kommen im Universum häufig genug vor, dass der Schluss der Autoren insgesamt stimmt [Meine Spekulation]

  16. #16 Wizzy
    29. August 2018

    [gestellt]

  17. #17 Jürgen A.
    Berlin
    7. September 2018

    @ FF

    Ich weiß, daß du schlecht von mir denkst. Aber alte Fachartikel sind auch über Google nicht ermittelbar. Google kennt keine Artikel von vor 1990. Auch meine nicht. Aber ich erinnere mich noch an solche Artikel (hab ja selbst geschrieben). Möglicherweise habe ich das bei “Astronomie und Raumfahrt” vor langer Zeit gelesen. Du wirst diese Zeitschrift gar nicht mehr kennen. In dem Artikel wurde die thermische Geschwindigkeit der Moleküle in der oberen Atmosphäre mit der Fluchtgeschwindigkeit in Relation gebracht. Und es wurde auch gezeigt, daß es schon genügt, daß 10^-6 aller Moleküle (einer Sorte) die Fluchtgeschwindigkeit überschreiten, damit sich die Atmosphäre dieser Moleküle auf Dauer im Raum verflüchtigt. Komischerweise finde ich eine solche Betrachtung mit Google nicht.

    Die von Dir aufgeführten Artikel sind zum Teil für mich nicht verfügbar. Man benötigt dazu einen Account. Soweit ich gesehen hatte, sind diese Artikel auch nur theoretischer Natur (Simulationen). Und nur deshalb hatte ich nach der Beobachtungen bei roten Riesen gefragt. Denn dort kann man das möglicherweise real beobachten.

  18. #18 Florian Freistetter
    7. September 2018

    @Jürgen: “Die von Dir aufgeführten Artikel sind zum Teil für mich nicht verfügbar. Man benötigt dazu einen Account.”

    Ne braucht man nicht. Ich schreibe schon seit Jahren aus Prinzip nur über Artikel, die frei verfügbar sind. ALLES was bei arXiv steht ist frei verfügbar (das ist ja der Sinn dieser Seite!). Wenn du also hier: https://arxiv.org/abs/1705.06741 rechts bei “Download” auf “pdf” klickst, dann kannst du den Artikel sehen. (und abgesehen davon hab ich im Text keinen anderen Fachartikel erwähnt).

    “Und nur deshalb hatte ich nach der Beobachtungen bei roten Riesen gefragt. Denn dort kann man das möglicherweise real beobachten.”

    Und wir ich dir schon mehrmals gesagt habe HAT MAN die Evaporation von Atmosphären schon beobachtet. Oft. Aber das dringt irgendwie nicht zu dir durch.

  19. #19 Jürgen A.
    Berlin
    8. September 2018

    Arxiv kann man lesen, aber Springer nicht. Und das war mit deinem Google_Eintrag ebenso angezeigt. Und wenn ich deinen ARXIV Artikel zitieren darf :
    The first exoplanets ever discovered were found orbiting a millisecond pulsar (Wolszczan & Frail 1992), and the case for searching for planetary transits around X-ray binaries has recently been made by Imara & Di Stefano (2017). The influence of XUV radiation of such sources on nearby planets is therefore an interesting question. In particular, how much damage is inflicted on the atmosphere of a planet in the habitable zone of an object emitting high energy radiation?
    Es geht also um Planeten, die einen Millisekunden-Pulsar umkreisen. Und nicht um die Erde in 26 000 Lichtjahren um das galaktische Zentrum ! Und auch das ist nur eine Vermutung : “The influence of XUV radiation of such sources on nearby planets is therefore an interesting question”

  20. #20 Florian Freistetter
    8. September 2018

    @Jürgen: Nein, da steht nicht das es um Pulsarplaneten geht. Wenn du alles so unaufmerksam liest, dann wundert mich nichts mehr.

    Egal. Ich hab weder die Zeit noch die Motivation dich von deinen Privattheorien abzubringen…

  21. #21 Karl-Heinz
    8. September 2018

    @Jürgen

    Bist du es Jürgen Altenbrunn?

    Ach ja, falls du irgendwo einen weißen Hai sichtest, teile es mir bitte mit. 😉