Die 30. Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union (IAU) in Wien ist seit gestern vorbei. Zwei Wochen lang haben sich etwa 3000 Astronominnen und Astronomen aus aller Welt getroffen, um über das Universum zu sprechen. Es war eine sehr intensive Erfahrung für mich; ich bin zwar Astronom und verbringe einen großen Teil meiner Zeit mit der Astronomie. Aber zwei Wochen am Stück mit Fachvorträgen und Forschern aus allen astronomischen Disziplinen habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Ich habe sehr viel gelernt; sehr viel erlebt und sehr viel erfahren. Viel mehr als ich in meinem Blog berichten konnte. Aber zumindest das, was ich geschrieben habe, möchte ich hier noch einmal kurz zusammen fassen:

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Ich war natürlich nur eine von sehr vielen Personen von der Konferenz berichtet haben. Ich fürchte, es ist aussichtslos, alle Zeitungsartikel, Blogbeiträge, Tweets und andere Publikationen aufzulisten die von der IAU-Tagung berichten. Es gab eine offizielle “Konferenzzeitung” mit Berichten von allen wissenschaftlichen Sessions und dem ganzen Drumherum der Tagung. Der #IAU2018 Hashtag bei Twitter sollte auch jede Menge Material und Bilder liefer. Im Magazin Profil wird in der kommenden Woche noch ein ausführlicher Bericht von mir über die Konferenz (und über Frage ob moderne Teleskope und Raumsonden “Geldverschwendung” sind oder nicht) erscheinen. Und ansonsten würde ich mich freuen, wenn man mich auf anderswo erschienene interessante Artikel und Linksammlungen zur IAU-Konferenz hinweist.

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Die 30. Generalversammlung ist also vorbei. Aber in drei Jahren werden sich die Astronominnen und Astronomen erneut alle versammeln. Dann in Busan (Korea) – vermutlich ein wenig zu weit für mich um ebenso lange und ausführlich davon berichten zu können wie aus Wien.

Kommentare (7)

  1. #1 Daniel Fischer
    Königswinter
    1. September 2018

    Laut der IAU waren 100 Journalisten auf der Tagung – aber Google News findet für die Keyword-Kombinationen “IAU Wien” und “IAU Vienna” fast nichts (diese Artikel oder meine vielen allerdings auch nicht): Da der harte News-Gehalt der Tagung erwartungsgemäß recht gering war, vermute ich mal, dass Erkenntnisse aus Gesprächen dort in den nächsten Monaten an den passenden Stellen einfließen werden. Was die IAU demnächst für die Öffentlichkeit tun wird (mehr als je zuvor), habe ich übrigens gerade hier angerissen.

  2. #2 Oliver Müller
    2. September 2018

    @Daniel Fischer

    Für die meisten Forscherinnen und Forscher sind solche riesigen Konferenzen eher dazu gedacht, einmal über den Tellerrand zu sehen und zu hören, was sonst so in der Astronomie passiert. Wirklich neue Resultate werden selten dort vorgestellt, für das sind dann die kleineren spezifischen Konferenzen eher gedacht. Das heisst, es werden general nicht “groundbreaking” News verkauft, sondern eher präsentiert, was man in den letzten paar Jahren so alles gemacht hat. Das heisst natürlich nicht, dass nicht auch neues Zeugs präsentiert wird, es geht wohl einfach im Hintergrundrauschen des Kalten Kaffees unter. :-)

    Das andere schöne an der Konferenz ist, dass man viele bekannte Gesichter von Freunden, Kolleginnen und Widersachern sieht, da alle am gleichen Ort sind und man sich somit hinter den Kulissen noch austauschen kann. Ich z.B. habe mehrere neue Projekte angesprochen, sogar mit Leuten, die ich vorher nicht kannte.

  3. […] letzten zwei Wochen habe ich auf der großen Astronomie-Konferenz in Wien verbracht und mich kaum mit den Dingen beschäftigt, die sonst noch so passiert sein. Deswegen kann […]

  4. #4 Uli
    3. September 2018

    So bedeutend die Konferenz für die Astronomen war, so unbedeutend war sie für den Rest der Welt.

    Das kann natürlich an mangelhafter Öffentlichkeitsarbeit der IAU liegen.

    Es kann aber auch an einer Gesellschaft liegen, in der wissenschaftliche Fortschritte nur egring angesehen werden und 90% der Bevölkerung bei der Frage “Wie viel ist drei mal fünf” den Taschenrechner im Smartphone anwerfen…

  5. #5 Florian Freistetter
    3. September 2018

    @Uli: ” so unbedeutend war sie für den Rest der Welt.”

    Was aber im Prinzip für jede wissenschaftliche Fachkonferenz gilt… Diese Konferenzen sind ja vor allem dafür da, damit Wissenschaftler sich intern austauschen können.

  6. #6 Daniel Fischer
    Königswinter
    3. September 2018

    Die IAU GAs sind – heute – ein Mix aus eher administrativen Prozeduren (davon vermutlich auch viel hinter den Kulissen, bei 80 Nationen, die unter einen Hut gebracht werden müssen) und zwei Dutzend Fachtagungen gleichzeitig: Es war im Vorfeld kaum zu erraten, in welcher der bis zu 6 parallelen Sessions es ggf. richtige und auch für ein breites Publikum interessante Neuigkeiten geben würde.

    Wie man Astro-Tagungen dieser Größenordnung richtig “verkauft”, macht seit Jahrzehnten die American Astronomical Society vor, deren zweimal im Jahr (also sechsmal so häufig!) stattfindende Tagungen z.T. ähnlich viele Teilnehmer anziehen, auch aus aller Welt übrigens, wenn auch nicht derart “bunt” wie auf den IAU GAs.

    Bei der AAS durchforsten Astro-PR-Experten im Vorfeld systematisch das Programm und die Abstracts, weisen Journalisten in ellenlangen Rundschreiben auf zu erwartende Highlights hin – und arrangieren täglich mehrere Pressekonferenzen zu ausgewählten Beiträgen, zu denen man sich auch auch aus der Ferne per Videokonferenz zuschalten kann.

    Das Ergebnis ist, dass – bei deutlich weniger als 100 Journalisten vor Ort – jede AAS-Tagung (v.a. die größeren Januar-Konferenzen mit bis zu 3000 Teilnehmern) eine wahre Flut von Meldungen in den Mainstream-Medien produziert, weltweit, wobei man als Leser der o.g. Rundschreiben sogar gut vorhersagen kann, was ein Thema wird. 😉

    Die AAS-Methode hat u.a. die Royal Astronomical Society im UK mit großen Erfolg kopiert, zeitweise in berauschendem Ausmaß: Während ihres National Astronomy Meetings 1996 z.B. brachte die Times jeden Tag eine ganze Sonderseite mit Berichten von der Tagung. Es wäre nett, wenn die IAU auch mal so weit käme – na, die Öffentlichkeits-Initiativen, von denen wir in Wien gelernt haben, weisen vielleicht den Weg.

  7. #7 noch'n Flo
    Schoggiland
    3. September 2018

    @ FF:

    Wie war es denn so gefühlsmässig für Dich: hast Du während der Konferenz manchmal bedauert nicht mehr in der aktiven Forschung tätig zu sein? War es für Dich wie ein nach Hause kommen? Oder hattest Du eher das Gefühl “es war schön, als ich noch dabei war, aber was ich heute mache, ist auch gut / noch besser”? Warst Du vielleicht sogar froh, dem Stress des Forscherlebens (und der ewigen Drittmittelanträge) entronnen zu sein?