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Der TV Typewriter – Eine Erfindung seiner Zeit

von Christian Berger

Ich bin Elektroingenieur aus Leidenschaft zur Zeit tätig bei einem kleinen Telefonkonzern.

Der TV Typewriter war eine Erfindung der frühen 1970ger Jahre. Auch wenn sein Erfinder Don Lancaster dieses Gerät schon bald als obsolet bezeichnete, leben Spielarten dieser Idee bis heute weiter.

Ich möchte euch in eine Zeit entführen, die uns heute fremd erscheint, die 1970ger.

Was bisher geschah: Der Transistor wurde erfunden und schlaue Leute haben herausgefunden wie man viele davon auf einem kleinen Siliziumplättchen bauen kann. Diese Siliziumplättchen nennt man auch Mikrochips. Gleichzeitig entwickelten sich preisgünstige Minicomputer welche kaum größer als ein Wohnzimmerschrank waren und kaum noch teurer als ein Wohnmobil. In Universitäten und Firmen standen häufig sogar mehrere davon.

Da Computer auch in Universitäten standen, kamen viele Studenten technischer Fachrichtungen mit Ihnen in Verbindung. Computer waren noch teuer und groß, deshalb standen die natürlich nicht auf Schreibtischen sondern in speziellen Rechenzentren. An die Computer waren dann viele sogenannte Terminals angeschlossen, damals häufig in Form von Fernschreiber.

in Fernschreiber, hier zur besseren Darstellung angehoben. Von Bundesarchiv, Bild 183-2008-0516-500 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link

in Fernschreiber, hier zur besseren Darstellung angehoben.
Von Bundesarchiv, Bild 183-2008-0516-500 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link

Da die wenigsten die das hier lesen schon mal einen Fernschreiber benutzt haben, hier eine Erklärung: Fernschreiber sehen grob so aus wie Schreibmaschinen. Im Prinzip kann man die auch so verwenden, allerdings funktionieren die etwas anders. Drückt man dort auf eine Taste, so wird zunächst eine Reihe von elektrischen Impulsen generiert. Jedes Zeichen hat eine bestimmte Impulsfolge. Diese Impulse kann man nun über lange Leitungen übertragen. Am anderen Ende der Leitung schließt man nun den druckenden Teil des Gerätes an, welches die Impulse dekodiert und als Zeichen auf ein Blatt Papier druckt. Da dies digital ist, war es naheliegend am anderen Ende einfach einen Computer anzuschließen. Schon wurde aus einem Fernschreiber ein Gerät mit dem man nicht nur mit anderen Menschen sondern auch mit Computern sprechen konnte. Ein damaliger Computer reichte in aller Regel für dutzende gleichzeitiger Nutzer. An einem modernen Computer sieht das dann wie folgt aus.

Wie man merkt, war das eine langsame und laute Angelegenheit. Solche Fernschreiber waren recht teuer in der Anschaffung und im Unterhalt, das war ja alles Feinmechanik, aber es gab einen Gebrauchtmarkt der auch Hobbyisten bediente. Da es sowieso schon ein Fernschreibnetz gab, gab es bald Dienstleister die ihre Computer an dieses Netz anschlossen und gegen Geld jedem die Benutzung erlaubten. Die Ausgabe von LIFE vom 30 Januar 1970 hat hierzu einen schönen Artikel mit dem Titel “The Handy Uses of a Home Computer”. Es geht darin um eine Familie die für nur 110 Dollar in Monat plus 7,50 Dollar pro Stunde einen Computer nutzte. Inflationsbereinigt sind das 620 Euro im Monat und 42 Euro pro Stunde. Kein billiges Hobby.

Trotzdem gab es immer Leute, die das auch billiger haben wollten, und denen kam eine Entwicklung zu gute, denn die Zahl der Bauteile welche man auf einem Computerchip unterbrachte stieg stetig. Somit konnte man in den 1970gern schon Chips kaufen, die tausende von Bauelementen enthielten. Will man Daten speichern so reichen, je nach konkreten Typ einige wenige Bauelemente um ein Bit zu speichern. Beschränkt man sich auf einen Zeichenvorrat von 64 Zeichen, braucht man 6 Bits um ein Zeichen zu speichern. Das bedeutet, man konnte mit wenigen Chips schon grob einen Absatz an Text speichern, oder einen Fernsehbildschirm voll.

Genau in diese Zeit fällt der TV Typewriter (Originalartikel auf der Homepage von Don Lancaster). Im Prinzip war die Idee eine billigere Alternative zum Fernschreiber zu schaffen. Fernsehgeräte waren damals auch in den USA schon weit verbreitet, das Problem ist nur, dass diese kein Bild speichern.

Alle damals im Handel verfügbaren Fernsehgeräte basierten auf der Braunschen Röhre. Die Idee dahinter ist, einen dünnen Strahl aus Elektronen zu erzeugen welche mit etwa 4-15% der Lichtgeschwindigkeit in Richtung eines Phosphorschirms rasen. Dieser macht aus der Bewegungsenergie Licht, welches man dann sehen kann. Die Intensität des Strahles, also wie viele Elektronen da zu Licht führen wird ziemlich schnell durch das Fernsehsignal bestimmt. Gleichzeitig wird der Strahl über Magneten bewegt. Dabei bewegt er sich von links nach rechts, und springt dann wieder nach links. Gleichzeitig und deutlich langsamer bewegt er sich von oben nach unten und springt wieder rauf. Dabei zeichnet der Strahl ein Raster innerhalb von 20 Millisekunden in Europa oder etwa 17 Millisekunden in den USA. Will man ein stehendes Bild zeigen, so schickt man einfach das gleiche Signal alle immer wieder an das Fernsehgerät, hört man damit auf, so ist auch das Bild weg. Deshalb muss man sich merken, was man zeigen will. Genau dafür braucht man Speicher, der damals erschwinglich wurde.

Der TV Typewriter war das erste Gerät dieser Art was für eine größere Bastlerschaft verfügbar war. Der Speicher der darin verwendet wurde war noch kein Speicher wie wir ihn heute kennen. Heute können wir auf jede Speicherzelle eines Speicherchips beliebig zugreifen, man sagt dem Chip man will Zelle 5 und man bekommt deren Inhalt. Das benötigt eine Menge an zusätzlichen Schaltungen im Chip, bei den damals kleinen Speichermengen sogar mehr als die Speicherzellen selbst. Deshalb verwendete man damals sogenannte Schieberegister.

Schieberegister sind lange Ketten an Speicherzellen. Jede Zelle ist mit der nächsten Zelle verbunden, und alle werden über ein Taktsignal angesteuert. Bei jedem Takt schieben die Zellen ihren Inhalt zur nächsten Zelle weiter. Der Anfang und das Ende dieser Kette werden nach draußen geführt. Dort kann man das Ende mit dem Anfang verbinden und so die Daten ewig im Kreis laufen lassen. Da wir die Daten eh für jedes Bild neu brauchen, ist das ideal. Das Problem ist nur, dass man den Inhalt dieses Speichers nur dann verändern kann, wenn er gerade vorbei läuft. Die Folge davon ist, dass man nur einmal pro Bild den Text ändern kann. Sprich alle 20 (17) Millisekunden, oder 50 (60) mal pro Sekunde. Das hört sich jetzt nach wenig an, und es ist auch wenig, aber besser als die ungefähr 10 Zeichen pro Sekunde die ein Fernschreiber schafft, oder die 30 Zeichen pro Sekunde die damalige Modems sprachen.

Ein paar Jahre später wurden dann aber die ersten richtigen Computer auch für Hobbyisten verfügbar, und der TV Typewriter geriet in Vergessenheit, außer in Europa.

Etwa gleichzeitig zum TV Typewriter kam John Adams, damals Chef der Videoterminalabteilung von Philips auf ähnliche Ideen. Heraus kam damals Teletext, oder Videotext. In seiner ursprünglichen Version hat so ein Dekoder einfach 40×24 Zeichen mit je 7 Bit gespeichert. Das macht 6720 Bits was auch damals schon erschwinglich war. Die Daten wurden in der so-genannten Austastlücke übertragen. Das die Zeit im Fernsehsignal in der der Elektronenstrahl wieder von unten nach oben geht. Aus technischen Gründen geht das nicht sofort, sondern braucht ein klein wenig Zeit. In diese Zeit passt eine relativ große Menge an Daten, so dass man einfach alle Seiten nacheinander übertragen kann. Der Dekoder im Fernsehgerät wartet auf die gewünschte Seite und legt sie in seinem Speicher ab. Die Technik mag alt sein, jedoch nutzen laut der ARD immernoch Millionen von Leuten täglich dieses Medium.

Natürlich müssen die Daten nicht über das Fernsehsignal kommen. In vielen Ländern gab es ähnliche Dienste über die Telefonleitung. In Deutschland nannte sich das Bildschirmtext, in Großbritannien Prestel, und in Frankreich Minitel. Minitel war auf Grund einer günstigen Gebührenstruktur erfolgreich.

Technik ist immer ein Spiegel der ihrer Zeit. Dinge die einmal sinnvoll und modern erschienen mögen in der Zukunft bizarr und merkwürdig erscheinen. Dinge von denen man erwartet hätte, dass die längst ausgestorben wären, können in einigen Bereichen weiter existieren.

Kommentare (25)

  1. #1 Fluffy
    18. September 2018

    Schöner Artikel

  2. #2 Karl-Heinz
    18. September 2018

    Mein Gott, das waren noch Zeiten. In Österreich gab es die MUPID’s (Btx-Terminal, Heimcomputer)
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/MUPID

  3. #3 Christian Berger
    18. September 2018

    @Fluffy: Danke! :)
    @Karl-Heinz: Ja, der wurde sogar vom Postfuchs empfohlen.
    https://much.isds.tugraz.at/projects/mupid_7/6.htm/
    In Deutschland hatten wir leider keinen Postfuchs.

  4. #4 Christian Berger
    18. September 2018

    @Karl-Heinz: Eigentlich ist der MUPID ja auch sehr spannend, denn der ist eines der wenigen Beispiele wo man mit wenig Aufwand die Grenze zwischen “Einzweckgerät” und Computer überschritten hat. Der MUPID ist nichts weiter als ein Terminal, dem man halt noch einen BASIC-Interpreter mitgegeben hat. Dadurch wird es aber zu etwas viel mächtigeren, einem vollwertigen Computer.

  5. #5 jteufel
    18. September 2018

    Da merkt man mal wieder wie sich die Zeiten ändern und mit was für einem Tempo 😉
    Technik-Geschichte verständlich erklärt. Schön!

  6. #6 Dampier
    18. September 2018

    Hi Christian Berger
    Artikel find ich gut, hätte aber etwas länger sein können. Ein Korrekturdurchgang mehr wäre noch nett gewesen ;-]

    Interessantes Gerät. Ich hab jetzt noch nicht ganz verstanden, wofür man das alles einsetzen konnte und ob es nur ein Terminal oder interaktiv war. Ich werde dich mit noch ein paar Fragen löchern müssen.

    (Im verlinkten PDF steht ja noch einiges dazu. Ich denke hier einfach mal laut …)

    It’s a ham radio teletype terminal.

    Ham Radio = Amateurfunk. Das ging also nicht über die Telefonleitung? Konnten Amateurfunker damit chatten? Braucht man dafür eine Extra-Funkantenne oder ging das mit der TV-Hausantenne?

    Coupled to the right services, it can display news, stock quotations, time, and weather.

    Man konnte also größere Mengen Text auf dem Bildschirm halten.

    1024 Characters arranged as 2 pages of 16 lines of 32 charac­ters each. (…) Should the screen get filled, the machine starts over again on the top, rewriting over the old message.

    D.h. für längere Texte muss man jeden vollen Bildschirm zwischendurch wegspeichern (auf ne Cassette oder so)?

    teaching machine (…) for helping preschoolers learn the alphabet and words. It also keeps them busy for hours as an educational toy.

    (“keeps them busy for hours” – die ersten Bildschirm-Zombies – geradezu prophetisch.)

    Kriegen Empfänger nur Inhalte auf den Bildschirm serviert oder konnten sie auch antworten? Oder ging das auch offline mit Lernprogrammen? Es war ja eine Tastatur dabei. Lesen & Schreiben lernen geht wohl nur interaktiv. Gab es auch Spiele?

    It’s a message generator or “an­swer back” unit for advanced two-way cable TV systems.

    Also der TV-Typewriter selbst war nicht “two-way”-fähig, sondern man musste schon so einen Service zusätzlich haben? (Z.B. two-way cable TV systems)

    Konnte man das auch ausdrucken? Ah:

    Hard copy is via cassette recorder or Poloroid (sic!) photos.

    Hard copy auf Cassette? Ich nehme an, damit wurde dann ein Drucker angesteuert.

    Lustig, ich würde gern mal so ein Polaroid sehen. Macht man da ein Polaroid pro Bildschirm? Das dürfte eins der teuersten und gleichzeitig vergänglichsten Backup-Systeme aller Zeiten sein … :-]

  7. #7 Mars
    18. September 2018

    schlimm, wenn sich manche idee schon während der ausführung als ‘obsolet’ zeigt.
    wir wissen gar nicht, was es im laufe der zeit noch nicht alles NICHT gab.
    ein interessanter rückblick

  8. #8 Christian Berger
    18. September 2018

    @Dampier: Der Korrekturlesevorgang ging leider zeitlich nicht mehr. :)

    Ja, die Leute hatten damals scheinbar noch wenig so richtig konkrete Anwendungen dafür.

    Funkamateure haben “Fernschreiben” als Betriebsart, sprich die haben Fernschreiber an ihre Funkgeräte angeschlossen um damit zu kommunizieren. So was wäre eine billige Alternative dazu gewesen.

    “Hardcopy” auf Band war immerhin “härter” als im RAM des Systems. Sprich längere Texte konnte man so immerhin irgendwie speichern.
    Eine Idee war auch einige Tafeln an Text auf eine Endloskassette zu speichern. Die konnte man dann auf einem Fernsehgerät zyklisch darstellen. In etwa so wie solche “LED Laufschriften” die besonders in den 1980gern die Aura von Computertechnik in jedes Geschäft brachten.

    “Polaroid” und ähnliche Systeme waren bis in die 1990ger Jahre üblich. Dafür gab es sogar spezielle Geräte denen man ein Videosignal gab, und die gleich die Kamera mit eingebaut hatten. Das war besonders für Farbgraphiken sehr praktisch.

    Der erste TV Typewriter war sehr langsam. Die Daten zirkulierten im Speicher und man konnte immer nur auf die Daten zugreifen, die gerade vorbeiflossen. Der Apple 1 hatte so was eingebaut, das war aber zu langsam für “richtige” Spiele wie “Pong”.

  9. #9 tomtoo
    18. September 2018

    Der Bauplan Pdf ist klasse.
    “….das erlaubt eine kompakte Bauform..”

    Das war noch Technik zum Anfassen, TTL’s. ; )

  10. #10 Karl-Heinz
    18. September 2018
  11. #11 Christian Berger
    18. September 2018

    @Karl-Heinz, vermutlich meint toomtoo den direkt verlinkten Originalartikel.

  12. #12 tomtoo
    18. September 2018

    @Karl-Heinz
    Den original Artikel. Mit Ätzvorlagen. *g* Man schaue sich so ein Wischtelefon an. ; )

  13. #13 tomtoo
    18. September 2018

    Viele Menschen vergessen(oder wissen es nicht) welch brachialen Fortschritt diese Technik gemacht hat. Feynman hat gesagt im kleinen ist noch viel unerforschter Raum. Und alleine dafür müsste es einen extra Nobelpreis geben. ; )

  14. #14 Karl-Heinz
    18. September 2018

    Kann es sein, dass sowohl Dampier und Christian Berger Amateurfunker sind?
    Dampier, weil er nach dem ham radio fragt und Christian, weil er das Wort Betriebsart verwendet.

  15. #15 Christian Berger
    18. September 2018

    @Karl-Heinz: Nö, ich hab zwar schon häufig überlegt die Lizenz zu machen, bin aber bislang noch nicht dazu gekommen.

  16. #16 Elektroniker
    19. September 2018

    @ Christian Berger

    Viele Funkamateure haben reale Fernschreibmaschinen angewendet und nur einen Konverter gebaut, der das Funksignal in das für die Fernschreibmaschine notwendige 60V 1/0-Signal umsetzt. Außerdem haben Fukamateure zur einfacheren Unterscheidung von kommerziellen Diensten eine andere Baudrate benutzt. Die kommerziellen Dienste haben 50 Baud benutzt, die Funkamateure haben 45 Baud benutzt. Auch die mechanischen Ferschreibmaschinen ließen sich problemlos umstellen.

    Die Übertragung von Teletext in zwei Zeilen der vertikalen Austastlücke ist Vergangenheit, seit dem das Fernsehen digital übertragen wird. Das war eine der letzten Entwicklungen des analogen Fernsehens. Die analoge Fernsehnorm wurde in den 1950-ziger Jahren definiert und bis zum Schluß immer kompatibel erweitert. Die erste große Erweiterung war das Hinzufügen der Farbe. Mit einem Fernsehgerät aus den 1950-ziger Jahren hätte man bis zum Schluß der analogen Fersehübertragung schwarz-weiß ohne Teletext fernehen können. Bei einigen alten Fernsehgeräten hat man die Daten des Teletextes als Punktzeilen über dem Bild gesehen.

    Die Terminals haben zwar den Fernseher zur Darstellung des Textes benutzt, haben aber meist nicht Fernsehnorm verwendet. In Europa war es üblich, Fernsehbilder mit 625 Zeilen im Zeilensprungverfahren zu übertragen. Dabei wurden zwei Halbbilder mit 312,5 Zeilen (manchmal auch mit 312 und 313 Zeilen wechselnd) so übertragen, daß die beiden Halbbilder ineinander verschachtelt dargestellt wurden. Für reale Bilder war das damals ein guter Kompromiß um ein Bild detailreich und gut aufgelöst darzustellen. Bei künstlichen Bildern ergab sich aber durch die geringe Bildwiederholrate von nur 25 Hz ein unangenehmes Flimmern. Das ist als Terminal völlig ungeeignet. Deshalb haben die Terminals auf das Zeilensprungverfahren verzichtet und irgend eine Zeilenzahl (ich habe zwischen 300 und 320 Zeilen alles gesehen) mit etwa 50 Hz übertragen. Auch die komplizierte Form der Vor- und Nachtrabanten im Synchonsignal wurde von den Terminals nicht geneneriert.

  17. #17 Christian Berger
    19. September 2018

    @Elektroniker: Naja, nach Videotext kam noch PalPlus…

    Und wenn Du Dir mal die Videotext über DVB Spezifikation anschaust, stellst Du fest, dass es da auch die Möglichkeit gibt eine Austastlücke zu übertragen. Die aktiven 52µs der Zeile werden dann als 720 Samples übertragen. Ich habe keine Ahnung ob das irgendwer nutzt, aber man könnte damit Sachen wie Videodat weiter nutzen.

    Nebenbei ist ja analoges Fernsehen längst noch nicht tot. Die Digitalisierungsrate beim Kabelfernsehen ist noch nicht all zu hoch.

  18. #18 tomtoo
    19. September 2018

    Wir haben hier ja den Nachfolger von KabelBW(will ja keine Werbung machen) da ist 100% digitalisiert.

  19. #19 Elektroniker
    19. September 2018

    @ Christian Berger

    Ja, Kammfilter und PAL+ kamen hinterher. Sie stellten aber in meinen Augen nicht mehr die gewaltige Innovation dar, sondern waren nur kleinere Verbesserungen.

    DVB kenne ich nicht richtig. Das war schon nach meiner Zeit auf diesem Gebiet. Ich kann mir aber nicht vorstellen, daß es auf DVB mit H264-Codierung eine reale Zeilenstruktur gibt. Die Zeilenstruktur geht doch durch die Codierung/Kompression verloren. Das merkt man doch schon an der Klötzchenbildung bei Datenverlusten. Datenpakete gibt es natürlich, aber ob man diese als Zeilen betrachten sollte, wage ich zu bezweifeln. Dann müßte man ja auch schon nach dem ersten Bilddurchlauf schon ein komplettes Bild darstellen können, und das geht nicht. Es werden nur alle mehrere Bilder ein komplettes Bild übertragen. Daß diese Daten als Bilddaten oder Begleitdaten (Teletext/EPG/Audio/Untertitel) gekennzeichtet werden müssen, ist auch klar. Und daß diese Datenpakete eine feste Struktur haben, ist auch klar. Und daß die Datenrate auf den Begleitdaten sehr eingeschränkt ist, merkt man daran, wie langsam sich das EPG nach dem Einschalten des Senders aufbaut.

    Für mich war es sehr frustrierend, daß einige Firmen (Sony) sehr gute Schaltkreise zur digitalen Codierung von PAL+ gebaut haben, diese Schaltkreise aber nicht frei verkauft haben. Diese Schaltkreise waren damals in jeder Spielekonsole, aber nicht bei Sony erhältlich. Man konnte diese Schaltkreise (als Fake ?) bei den Chinesen im Tower XYZ im 33.Stock Büro 17A erhalten. Das war mir zu unsicher, und so habe ich mich entschieden, diese Schaltkreise nicht einzusetzen. Ich glaube, heute sind gar keine Schaltkreise mehr erhältlich, die PAL generieren können, egal ob digital oder analog.

  20. #20 rolak
    19. September 2018

    gar keine Schaltkreise mehr erhältlich

    Mal ganz abgesehen davon, daß PAL-encoding zur Textdarstellung abgesehen von der HF-Modulation recht simpel ist (beim ZX80 nur ein paar Gatter), Elektroniker, gibt es die klassischen RGB→PAL/SECAM-encoder immer noch. AD722 oder NTE879 zB.

  21. #21 Christian Berger
    19. September 2018

    @Elektroniker: Also die Zeilen werden 1:1 übertragen, zwar nur die aktive Periode, aber im Prinzip kannst Du, genügend Bandbreite vorausgesetzt, jedes Muster an hellen und dunklen Zeilen 1:1 übertragen.

    Also die Bandbreite die man für die Zusatzdaten einstellt ist quasi beliebig. Videotext könnte man da auch mit einer höheren Datenrate machen, nur dann jammern die Kabelkunden, dass das nicht mehr in die Austastlücke passt, bzw die Leute die den Videotextdekoder ihres Fernsehgerätes am extern angeschlossenen Sat-Receiver betreiben.

    Übrigens ist die Struktur der Daten bei DVB nicht so starr. Die Bitrate eines SD Fernsehsignales wechselt durchaus von 1-10 MBit pro Sekunde, je nach dem wie viel Daten man für die momentane Szene braucht und wie viel gerade die anderen Sender übrig lassen. Untertitel sind da eines der extremen Beispiele, da kann mal mehrere Stunden nichts kommen, und dann jede Sekunde was.

    Natürlich gibts noch Schaltkreise die PAL generieren können, das ist in jedem Chipsatz von einem DVB Empfänger drin. Der Nachrüstmarkt ist da, besonders außerhalb der Industrieländer, recht groß. Einige können sogar SECAM. Selbst der Raspberry PI, ein sehr populärer Einplatinenrechner kann sauberes PAL ausgeben.
    Und wenn man ein klein wenig bereit ist zu murksen, kann man heute sogar PAL-Testbildgereratoren sehr einfach selbst bauen.
    Hier ein altes Projekt von mir:
    https://www.mikrocontroller.net/articles/PAL_Testbildgenerator

  22. #22 Elektroniker
    20. September 2018

    @ Christian Berger

    Tut mir leid, dein Testbildgenerator macht alles per Software. Das Generieren eines PAL+ Signals aus einem RGB-Signal beherrscht er nicht. Du hast das PAL+ Signal fest einprogrammiert. Aber dadurch ist die Hardware für den Testbildgenerator natürlich extrem einfach. Nur kann da niemand so einfach ein abweichendes Testbild so einfach generieren (Kreis, Rufzeichen, Text, Realbild). Meine Testbildgeneratoren hatten mehr Schaltkreise: Taktgenerator, GAL zum Erzeugen des Timings und der Adressen (64 Makrozellen reichen aus), PROM mit Bildinhalt, und Konverterschaltkreis zur Erzeugung von PAL aus RGB.

    Genügend Bandbreite ist auch nicht vorhanden. Das wird einem immer wieder demonstriert, wenn das ZDF idiotische Bildwechsel überträgt, bei dem Scheinwerfer ins Bild hineinleuchten und das ganze Bild in Klötzchen zerfällt. Dem können die Augen schon im Normalfall kaum folgen, die Elektronik mit ihren Codierverfahren kann es nicht.

  23. #23 Elektroniker
    20. September 2018

    @ rolak

    MC1377 (und auch der baugleiche NTE879) sind schon lange obsolet. Das waren PAL/NTSC Encoder der ersten Generation, die erhebliche Außenbeschaltung erforderlich hatten. TOKO hat mich zwar mit einem Spulensortiment ausgestattet, aber das für den Encoder notwendige Filter haben sie mir nicht verkauft (ich wollte keine zehntausend Stück). Und die notwendige Verzögerungsleitung gibt es auch nicht an jeder Ecke zu kaufen. Wenn man darauf verzichtet, stimmen die Flanken vom Hell/Dunkel-Signal nicht mit den Flanken vom Farbsignal überein.

    Aber danke für den Hinweis auf den AD722. Den gab es zu meiner Zeit noch nicht. Die Sony Schaltkreise sind natürlich noch besser, denn sie haben digitale Bildeingänge.

    @ Florian Freistetter

    Sehr geehrter Herr Freistetter, bitte schauen Sie doch mal nach. Ich glaube da hängt ein Kommentar von mir fest.

  24. #24 Christian Berger
    20. September 2018

    Einen PAL-Encoder in digitaler Logik zu bauen ist ziemlich einfach. Dafür braucht man nur 2 einfache Filter (für die Bandbreitenbegrenzung der Farbdifferenzsignale) sowie zwei Inverter, einen Multiplexer und einen Addierer. Das ist tivial.

    Wenn es bei Bildwechseln deutlich sichtbare Klötzchen gibt, so ist der Empfang einfach mies, oder der Empfänger ist schlicht und einfach kaputt (das gibts leider häufig, besonders bei alten (auch teuren) DVB-S Empfängern aus den 1990gern)
    In der Realität muss man schon sehr genau hinschauen um bei SD (bei den öffentlich rechtlichen) Artefakte zu sehen, bei HD ist das praktisch unmöglich.

  25. #25 Elektroniker
    21. September 2018

    @ Christian Berger

    Das ist nur so einfach, wenn man sich auf wenige (4 oder 8) Farben beschränkt. Schon ein vernünftiger Graukeil läßt sich damit nicht generieren. Und wie hast du die Farbbursts erzeugt ? Dein Testbildgenerator ist natürlich sehr einfach, aber ich bin mir nicht sicher, in wie weit das erzeugte Signal der Norm entspricht. Es funktioniert. Aber warum habt ihr da so komische krumme Widerstandswerte in der Ausgabe ?
    180/360 Ohm sind in der E-Reihe und hätten bestimmt auch genügt.

    Ich will jetzt nicht den nicht mehr erhältlichen MC1377 loben. Es ist Stand der Technik Anfang der 1990ziger Jahre. Meine Testbildgeneratoren hatten 5 Schaltkreise und konnten damit ein Testbild mit 256 Farben und (halbwegs) normgerechtem FBAS-Signal erzeugen. Ich gebe zu, da war auch ein Brooktree-Schaltkreis dabei, der vielleicht heute auch nicht mehr erhältlich ist. Aber der war gar nicht so teuer. Die Sony-Schaltkreise haben aber den Brooktree-Schaltkreis und den MC1377 in sich vereint, und ein viel besseres FBAS-Signal auf digitalem Weg erzeugt.