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Bemannte Raumfahrt im äußeren Sonnensystem?

von Jason Luke von Juterczenka

Ich bin 2005 geboren, blogge über alle möglichen wissenschaftlichen Themen, besonders aber über Astrophysik und bin das zweite mal beim Wettbewerb dabei.

Die NASA möchte Menschen weiter ins All bringen als jemals zuvor. Diese Pläne sehen eine dauerhafte Rückkehr zum Mond, eine Marslandung und ein bemannten Flug zu einem Asteroiden vor. Doch was ist danach? Wohin fliegen Menschen, wenn wir auf dem Mars waren und dort eine permanente Präsenz geschaffen haben?

“Ab 2030 könnte das Deep Space Gateway dann die Basis für bemannte Missionen auf die Mondoberfläche, zum Mars und darüber hinaus sein.” “Darüber hinaus”, eigentlich müsste mich diese unpräzise Ausdrucksweise verärgern (die man durchaus oft hört), doch ich stellte fest, dass dieses “darüber hinaus” viel mehr mein Interesse anregt. Was bedeutet “darüber hinaus”? Könnte es tatsächlich sein, dass wir uns mit diesem “darüber hinaus” irgendwann einmal konfrontiert sehen? Die erste Frage beantworte ich jetzt, die zweite im folgenden Artikel.

Fangen wir ganz von vorne an. Das Deep Space Gateway (inzwischen umbenannt in Lunar-Orbital Plattform Gateway) ist die geplante Nachfolgeraumstation der ISS. Sie soll vier Astronauten Platz bieten und sich in einem Orbit um den Mond befinden.(Mehr dazu: Wikipedia) Nach dem Ende des Apollo-Programms im Jahr 1972 konzentrierte die NASA sich auf den erdnahen Orbit und entwickelte das Space Shuttle als wiederverwendbares Raumschiff für diese Region des Alls. Doch die Shuttles waren desaströs. Nach einer Zeit waren sie veraltet und auch unsicher, wie die tödlichen Unfälle der Challenger und der Columbia zeigten. Uns selbst wenn man das vernachlässigt, Jahrzehnte lang eintönig seine Runden um die Erde ziehen ist einfach nicht mit menschlichem Forschergeist vereinbar. Und so will die NASA wieder weit hinaus. Menschen sollen tiefer ins All kommen als jemals zuvor. 2022 soll das erste Modul des Deep Space Gateways ins All geschossen werden, 2027 soll die Station mit der Installation der Luftschleuse dann dauerhaft für Jahre bewohnbar werden. Dann soll das entsprechende Raumschiff angedockt werden, mit dem ab 2030 bemannte Flüge zum Mond, zum Mars und zu einem Asteroiden durchgeführt werden können, wobei es sich zum einen um das Deep Space Transport handelt, welches mit einer Kombination aus Ionenantrieb und chemischen Antrieb fliegt. Zusätzlich gibt es noch das Orion-Raumschiff, das eigentliche Flaggschiff der NASA, welches ebenfalls Menschen zum Mond zum Mars und zu Kleinkörpern bringen kann. Zu erwähnen sie vielleicht, dass Orion schon deutlich weiter ist, weil das Raumschiff schon gebaut wurde und im All getestet wurde. Wenn ihr euch jetzt auch fragt, ob das Deep Space Transport dann nicht überflüssig ist: Ja! Egal, in Zukunft dringen Menschen wieder tiefer ins All vor, zum Mond, zum Mars und darüber hinaus.

Wer halbwegs mit dem Aufbau unseres Sonnensystems vertraut ist, weiß eigentlich was mit “darüber hinaus” damit gemeint ist. Hinter dem Orbit des Mars erstreckt sich der Asteroidengürtel. Dort gibt es jede Menge Asteroiden und einige größere Himmelskörper, also Zwergplaneten. Eine bemannte Mission zu einem Asteroiden klingt aufregend – ist sie auch, aber diese Mission ist nicht das Hauptthema dieses Artikels. Hinter dem Asteroidengürtel beginnt das äußere Sonnensystem. Nach dem Mars wäre der äußere Teil des Sonnensystems also das neue Ziel der bemannten Raumfahrt. Doch eine bemannte Mission in das äußere Sonnensystem ist noch gewagter, komplizierter und länger als ein Flug zum Mars. Unmöglich ist er jedoch gewiss nicht. Es ist ein Nischenthema, doch die NASA befasste sich sogar schon oberflächlich mit einer solchen Mission und löste dabei viele Probleme theoretischer und praktischer Natur.

Was wären mögliche Ziele einer bemannten Mission in das äußere Sonnensystem? Mit der Auswahl des Ziels gehen die Probleme schon los. Fangen wir mit dem Offensichtlichsten an. Die vier äußeren Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun sind alle Gasplaneten. Das bedeutet, sie haben keine feste Oberfläche, sondern nur einen Kern und eine riesige Atmosphäre, die den Großteil des Planeten bildet. Eine Landung auf einem Gasplaneten ist also ausgeschlossen. Möglich wäre eine Art Raumstation um einen Gasplaneten, wie zum Beispiel die Raumstation um den Saturn aus dem Film “Interstellar”. Doch eine solche Raumstation würde uns vor ungeheure technische Herausforderungen stellen. Transport in den Saturnorbit, kosmische Strahlung, Zusammenbau im All, Versorgung und die riesigen Gravitationskräfte im Orbit eines Gasplaneten sind nicht momentan noch nicht lösbare Probleme für uns. Wenn wir eine bemannte Mission in diesen Teil des Sonnensystems mit heutiger Technik unternehmen wollen (wovon dieser gesamte Artikel ausgeht), brauchen wir eine andere Technik. Eine Raumstation im Orbit eines Gasplaneten ist technisch zu anspruchsvoll.

Die vier großen "galileischen" Monde des Jupiters. Von links nach rechts: Io, Europa, Ganymed, Callisto. (Bild: NASA/JPL-Caltech, public domain)

Die vier großen “galileischen” Monde des Jupiters. Von links nach rechts: Io, Europa, Ganymed, Callisto. (Bild: NASA/JPL-Caltech, public domain)

Wenn wir nichts dorthin bringen können, wieso nehmen wir dann nichts, was schon dort ist? Einen Mond zum Beispiel, Jupiter hat 79 zu bieten. Uns haben vor allem die vier Größten zu interessieren: Ganymed, Callisto, Io und Europa. Ganymed ist der größte Mond des Jupiters und des Sonnensystems. Er ist auch der einzige Mond mit einem nennenswerten Magnetfeld. Doch leider liegt er mitten in Jupiters sogenanntem Strahlungsgürtel. Die Strahlung würde einen Menschen ohne Schutz innerhalb eines Tages töten. Selbst mit Strahlenschutz haben Siedler, die viele Jahre dort verbringen sollen nicht die geringste Chance. Auch Europa mit seinem wissenschaftlich vielversprechendem unterirdischen Ozean kreist im Strahlengürtel, dasselbe gilt auch für den vulkanisch aktivsten Körper des Sonnensystems, den Jupitermond Io. Nur Callisto zieht seinen Orbit außerhalb des Strahlungsgürtels. Doch Callisto ist pauschal gesagt etwas langweilig, wenn man ihn mit seinen Nachbarn vergleicht. Genauso wie die meisten Monde der Planeten hinter Jupiter (Titan, Enceladus und einige anderen Monde ausgenommen, doch sie sind mehr als doppelt so weit entfernt wie Jupiter). Obwohl Ganymed, Europa und Io unumstritten spannender sind als Callisto, ist er die realistischste Destination. Man hätte dort einen großen Mond, der vulkanische fast inaktiv ist und der nicht viel mehr Strahlung ausgesetzt ist als unser eigener Mond. Von dort aus könnte man dann mit Sonden oder auch mit kurzen bemannten Ausflügen die anderen Monde des Jupiters erkunden. Aus diesen Gründen zieht auch die NASA nur eine Landung auf Callisto in Betracht. Der Plan steht also. Wenn wir ins äußere Sonnensystem vordringen, dann wird Callisto dort unser Außenposten. Doch jetzt kommen die eigentlichen Probleme. Wie würden die Menschen zu Callisto kommen?

Im Gegensatz zu Reisen zu anderen Sternen, ist ein Flug zu Callisto mit heutigen Antriebstechnologien in einer humanen Zeit machbar, schließlich sind unsere Raumsonden schon sehr viel weiter in den Raum vorgedrungen. Doch selbst die schnellste Sonde, die Jupiter passierte brauchte ein Jahr. Ein bemanntes Raumschiff würde noch länger brauchen. Wenn man Astronauten auf einer so langen Reise versorgen möchte, dann braucht man ein Raumschiff, das sehr groß ist. Entweder brauchen wir schnellere Antriebe oder wir müssen den Konsum der Astronauten während dieser Reise minimieren. So sieht ein weiterer Entwurf vor, mit heutigen Antrieben zu fliegen und die Astronauten in Kälteschlaf zu versetzen. So bräuchte man noch nicht einmal die Geschwindigkeit heutiger Raumsonden erreichen und würde die Besatzung dennoch auf humanem Wege zu Callisto befördern. Die Technologie existiert auf der Erde schon eine Weile, wurde aber am Anfang dieses Jahrhunderts noch verfeinert. Menschen lassen sich nach dem Tod kryokonservieren, um den Körper tausende von Jahren fast unverändert zu erhalten. Dabei hoffen sich auf den Fortschritt der Medizin, denn womöglich ist dann eine Wiederbelebung möglich. Doch der Körper darf nicht einfach so eingefroren werden. Das Blut muss durch eine bestimmte Frostschutzflüssigkeit ausgetauscht werden. Der Körper muss in streng vorgegeben Tempo abgekühlt werden, bis er in einen Tank mit flüssigem Stickstoff kommt. Nur so wird verhindert, dass sich Eiskristalle bilden. Ein Problem gibt es jedoch. Natürlich hat noch kein Kyronik-Unternehmen seine Kunden wieder aufgetaut. Die Astronauten in Kälteschlaf zu versetzen ist gewagt, jedoch könnte die Technologie die Raumfahrt revolutionieren. Noch ist sie aber zu riskant. Eine bemannte Mission ins äußere Sonnensystem mit heutigen Mitteln müsste auf andere Optionen zurückgreifen.

Man müsste die Astronauten also bei vollem Bewusstsein transportieren. Die realistischste Option ist ein Habitat, ähnlich wie die ISS, nur größer, welches man mit einem schnellen, aber schon vorhandenen Antrieb zu Callisto befördert. Doch es gibt einen großen Unterschied zur ISS. Die ISS ist im Erdorbit und benötigt keinen Antrieb, ein Raumschiff, dass zu Callisto fliegt schon. Geht man von der Geschwindigkeit heutiger Raumsonden aus, dann würde so ein Flug auf direktem Weg zum Jupiter höchstens einige Jahre dauern. Das ist eine Zeit, bei der sich sicher Leute finden ließen, die mit machen. Ich wäre dabei, obwohl die Marsmission wohl eher in meinen besten Jahren läge. Man muss jedoch berücksichtigen, dass Raumsonden, die wir zu Jupiter schicken keine solche Last transportieren müssen (von heutigen Geschwindigkeiten auszugehen ist allerdings etwas naiv, wenn man sich ansieht, wann eine solche Mission starten könnte). Normale Raumsonden benötigen auf direkter Strecke etwa zweieinhalb Jahre, doch ein bemanntes Raumschiff würde sicher länger brauchen. Der Flug würde also in kleinen Habitaten stattfinden, in denen es Astronauten einige Jahre aushalten und die räumlich denen der ISS gleichen. Das Schiff müsste komplett autark sein und mit einem 3-D-Drucker Ersatzteile und Medikamente herstellen und das Essen selber herstellen. Nach einigen Jahren würde die Crew also ankommen. Und dann?

Obwohl Callisto der Jupitermond ist, auf dem wir am ehesten überleben, herrscht dort klirrende Kälte und es gibt keine richtige Atmosphäre. Wir bräuchten ohne Frage eine Station mit künstlichem Druck, ein Habitat in dem Menschen leben und überleben, ähnlich wie bei einer Marslandung. Wir nehmen an, die Crew hätte so etwas an Bord oder unbemannte Sonden waren vorher schon dorthin geflogen und hätten die Station vorbereitet. Kehren die Menschen nach einigen Jahren zurück oder bleiben sie ihr restliches Leben dort? Pflanzen sie sich fort, ist das unter geringerer Gravitation überhaupt möglich? Haben Menschen auf einem fernen Mond, die sich an ihre Großmutter erinnerten, die ihnen erzählt hat, dass ihre Mutter einen Mann kannte, der auf der Erde geboren ist überhaupt noch irgendwas mit der Erde zu tun? Solche Mehrgenerationenprojekte sind umstritten. Besser wäre ein Flug mit Rückkehr. Je nach dem könnte man den Treibstoff für den Rückflug entweder mitnehmen oder sogar vor Ort herstellen. Dann könnten neue Siedler nachrücken. Vermutlich wäre Callisto nicht durchgängig bewohnt, aber immer für Siedler vorbereitet. Von Callisto aus ließe sich das ganze Jupiter-System mit seinen 79 Monden erkunden. Doch die Siedlung müsste komplett autark sein. Zum nächsten äußeren Planeten, dem Saturn ist es genau so weit wie zur Erde, der Jupiter ist absolut isoliert. Je nach Bahnkonstellation von Erde und Jupiter braucht das Licht bis zu 53 Minuten für die Strecke. Solange wäre ein Funksignal der Siedler auf Callisto zur Erde unterwegs. Dieselbe Zeit braucht die Antwort der Erde. Es würde also bis zu 106 Minuten dauern, bis die Siedler auf eine Nachricht Rückmeldung bekommen. Selbst wenn sich Erde und Jupiter am nächsten sind dauert es insgesamt 66 Minuten. Auch bei einer bemannten Marslandung werden wir uns mit diesem Problem konfrontiert sehen. Aus der unbemannten Raumfahrt kennen wir das bereits. Die derzeit am weitesten gekommene Sonde, Voyager 1 wird 2024 einen Lichttag von der Erde entfernt sein. Dann wird der Zeitraum zwischen Senden des Signals und Rückmeldung zwei Tage dauern. Doch Voyager 1 ist unbemannt. Zwar treibt die Zeitverzögerung die Wissenschaftler bei wichtigen Etappen der Mission in den Wahnsinn, aber Menschen sind dort nicht in Gefahr. Bei einer bemannten Mission würde sich dies ändern. All das sind Probleme, über die man nachdenken muss, die aber lösbar sind. Eine bemannte Mission ins äußere Sonnensystem ist wohl ähnlich anspruchsvoll wie eine unbemannte Sonde zu den nächsten Sternen. Doch was ist Lohnenswertere?

Jupiter und Saturn ließen sich bisher auch gut mit Raumsonden von der Erde erkunden. Mit den Sonden “Europa Clipper” und “JUICE” hat die Erforschung des Jupiters und seiner Monde mittels Raumsonden eine vielversprechende Zukunft. Anderseits war die Erschließung neuer Lebensräume für den Menschen schon immer ein großes Ziel der Raumfahrt. Doch sollte der Umweg vom Mars zu den Sternen über Callisto führen? Ist eine bemannte Raumfahrt über den Mars hinaus perspektivisch möglich? Davon ist auszugehen. Aber ist sie auch Notwendig? Die NASA sieht sie als nicht unbedingt nötig. Pläne für unbemannte Sonden zum nächsten Stern Alpha Centauri sind schon wesentlich weiter. Vermutlich hat eine solche Mission bei der NASA auch Vorrang. Doch die Geschichte der bemannten Raumfahrt kann nach der Marslandung nicht vorbei sein. Auch wenn es nicht der nächste Schritt ist, dann ist es der übernächste oder der überübernächste. Auch wenn es erst am Anfang des nächsten Jahrhunderts oder noch später geschieht, ist es doch ein logischer Schritt der bemannten Raumfahrt, ins äußere Sonnensystem vorzudringen und zu Orten zu fliegen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Kommentare (38)

  1. […] am 21.09.2018: Link zum Artikel […]

  2. #2 Mars
    21. September 2018

    sehr ausführlich, etwas spekulativ, aber das wundert nicht der heutigen datenlage entsprechend.

    so vieles hat sich/wird sich in 30-50 jahren verändern,
    das ist für mich derzeit mehr SF als wirklichkeit.
    ob du – in den 2000ern geborener – sowas noch erleben kannst …? – also der mann/frau auf Ganymed (nicht diverse sonden), das stelle ich in frage.

    wir menschen sind schnell uns solche ziele zu setzen, aber das tun wir auch hier und heute – und da habert es schon im kleinsten. dass es dennoch immer ein paar geben wird, die das versuchen wollen ist klar, aber bringt es ergebnisse, von denen die anderen dann etwas haben … ja, ist wohl mehr eine menschliche, als eine technische frage.

  3. #3 noch'n Flo
    Schoggiland
    21. September 2018

    @ Mars:

    ob du – in den 2000ern geborener – sowas noch erleben kannst …? – also der mann/frau auf Ganymed (nicht diverse sonden), das stelle ich in frage.

    Sehe ich ähnlich. (Also mit Callisto, nicht mit Ganymed, es sei denn, Du rechnest mit astronauten, die ihre eigene, gut durchgrillierte Nahrung sind. Was aber einige Probleme lösen würde… )

    Nach dem Besuch bei Dir wird erst einmal wieder eine deutliche Zäsur folgen, sicherlich – wie schon nach der Mondlandung – wieder ein paar Jahrzehnte. Der Asteroidengürtel wird primär erst einmal uninteressant sein, weil sich die Menschheit lieber auf erdnahe Asteroiden konzentrieren wird.

    Die Landung im ersten Hauptgürtel würde ich nicht wesentlich vor 2100 verorten. Und dann wird da auch erstmal Schluss sein. Callisto ist – den derzeitigen Fortschritt in der Technik mal eingerechnet – frühestens in der zweiten Hälfte des 22. Jahrhunderts eine realistische Option.

  4. #4 Heljerer
    21. September 2018

    Callisto ist – den derzeitigen Fortschritt in der Technik mal eingerechnet – frühestens in der zweiten Hälfte des 22. Jahrhunderts eine realistische Option.

    Ich sehe in der bemannten Raumfahrt überhaupt keinen Fortschritt. Die Astronauten fliegen nach wie vor mit Sojus-Kapseln zur ISS. Eine autarke Nahrungsmittelproduktion an Bord eines Raumschiffs findet noch nicht einmal für einen kleinen Snack zwischendurch statt. Kryoschlaf ist so realistisch wie Frankensteins Versuch zusammengenähten Leichenteilen wieder Leben einzuhauchen.

    Die Wirklichkeit ist leider ernüchternd. Beim bisherigen Fortschritt wird man in der zweiten Hälfte des 22. Jahrhunderts wieder auf dem Mond landen und die Marslandung für die erste Hälfte des 23. Jahrhunderts einplanen, welche dann aber mangels Geld und dringenderer anderer Projekte wieder auf unbekannte Zeit vertagt wird.

  5. #5 noch'n Flo
    Schoggiland
    21. September 2018

    @ Heljerer:

    Ich meinte auch mehr den allgemeinen technischen Fortschritt.

  6. #6 Jason
    21. September 2018

    Ja, ob ich das noch erlebe, das weiß ich auch nicht. Aber technisches Wachstum ist exponentiell. Ich schließe nichts aus. Es wäre Schade, wenn mach nach der Marslandung wieder einen Rückschritt macht.

  7. #7 Jason
    21. September 2018

    Aber bemannte Raumfahrt ist wichtig. Eine Zivilisation ist viel stabiler, wenn sie mehr als einen Planeten bevölkert. Wissenschaft ist wichtig, aber Exploration auch.

  8. #8 Alderamin
    21. September 2018

    Nett geschrieben, Respekt bei dem jungen Alter, Orthographie auch super. Auch erstaunlich viel Wissen über Raumfahrt. Aber dennoch ein paar sachliche Fehlerchen, etwa:

    Nach einer Zeit waren sie veraltet und auch unsicher

    Die Shuttles waren zu Beginn ihres Einsatzes nicht sicherer als am Ende. Das Konzept, einen riesigen Orbiter an einen schaumstoffummantelten Tank mit zwei Feststoffraketen zu hängen, war einfach inhärent riskant. Eine Raumkapsel oben auf einer Rakete kann man immer schnell auf Sicherheitsabstand bringen, aber im Shuttle war man auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass dieses unbeschädigt blieb.

    wobei es sich zum einen um das Deep Space Transport handelt, welches mit einer Kombination aus Ionenantrieb und chemischen Antrieb fliegt. Zusätzlich gibt es noch das Orion-Raumschiff, das eigentliche Flaggschiff der NASA, welches ebenfalls Menschen zum Mond zum Mars und zu Kleinkörpern bringen kann. Wenn ihr euch jetzt auch fragt, ob das Deep Space Transport dann nicht überflüssig ist: Ja!

    Das Orion-Raumschiff bestehend aus der Kapsel und dem Service-Modul kann niemanden zum Mars und zurück bringen, dazu ist es zu klein und auch gar nicht dafür ausgelegt. Vielmehr würde man die Orion-Kapsel an das Deep-Space-Transport andocken und als Stack zum Mars schicken. Die beiden Komponenten sind also keine Alternativen, sondern gehören untrennbar zusammen, und DST (oder etwas vergleichbares) ist dafür unbedingt notwendig und nicht etwa überflüssig.

    Dort gibt es jede Menge Asteroiden und einige größere Himmelskörper, also Zwergplaneten.

    Im Asteroidengürtel gibt nur einen Zwergplaneten, die Ceres. Alle anderen sind nicht rund genug. Es gibt weitere Zwergplaneten im Kuiper-Gürtel, ca. 300 Objekte könnten rund sein, viele davon sind kleiner als viele Hauptgürtel-Asteroiden, aber sie bestehen größtenteils aus Eis, das besser fließt als Gestein.

    Möglich wäre eine Art Raumstation um einen Gasplaneten, wie zum Beispiel die Raumstation um den Saturn aus dem Film “Interstellar”. Doch eine solche Raumstation würde uns vor ungeheure technische Herausforderungen stellen. Transport in den Saturnorbit, kosmische Strahlung, Zusammenbau im All, Versorgung und die riesigen Gravitationskräfte im Orbit eines Gasplaneten sind nicht momentan noch nicht lösbare Probleme für uns.

    Die ganze Masse dorthin zu bringen, ist in der Tat ein Problem (allerdings ein finanzielles, kein technisches), aber die riesigen Gravitationskräfte sind weiter vom Planeten entfernt nicht mehr so riesig und sowieso kleiner, als diejenigen, die durch einen Mond hinzukommen, den man besuchen möchte. Man kann sich vorstellen, dass das Schwerefeld ein Trichter ist, in den man hinein möchte. Um tiefer hinein zu kommen, muss man mehr Treibstoff aufwenden, um abzubremsen, und auch wieder, um herauszukommen. Jeder Mond macht um sich herum wieder einen kleinen Trichter, der also die “Trichtertiefe” in seiner Umlaufbahn nur vergrößert. Es ist also immer einfacher, einen Station in einer Umlaufbahn anzufliegen, die einen gewissen Abstand vom Planeten hat, als einen Mond im gleichen Abstand.

    Doch Callisto ist pauschal gesagt etwas langweilig, wenn man ihn mit seinen Nachbarn vergleicht.

    Aus wissenschaftlicher Sicht ist eigentlich jedes Objekt für sich spannend, insbesondere wenn es eine Welt von Planetengröße ist. Da würde ich gar nicht gewichten wollen. Als Lebensraum ist ohnehin die Erde am schönsten. Die Frage ist dann natürlich, warum man auf Callisto wohnen wollte. Wohl nur zur Forschung vor Ort, aber nicht als alternativer Lebensraum für Menschen.

    Aus diesen Gründen zieht auch die NASA nur eine Landung auf Callisto in Betracht. Der Plan steht also.

    Du wirst irgendwann feststellen, dass bei der NASA über vieles nachgedacht wird, aber wenig umgesetzt. In den letzten zehn Jahren wurden andauernd Pläne geändert und verworfen. Diese ganze Deep Space Gateway Geschichte dient zu allererst dazu, die verschiedenen NASA-Standorte zu finanzieren (aber die werden nicht üppig genug bedacht, um wirklich etwas auf die Beine stellen zu können). Auf Ars Technica wurde neulich kritisiert, dass man auf diese Weise nur Geld auf dem Weg zum Mond verbrennt. Es wäre treibstoffsparender und günstiger, von der Erde aus gleich zum Mond zu fliegen, oder sogar zum Mars.

    Die Technologie existiert auf der Erde schon eine Weile, wurde aber am Anfang dieses Jahrhunderts noch verfeinert. Menschen lassen sich nach dem Tod kryokonservieren, um den Körper tausende von Jahren fast unverändert zu erhalten.

    Die Technologie, einen Menschen einzufrieren, gibt es in der Tat schon lange, dazu braucht man nur eine Kühltruhe, allerdings gibt es auf absehbare Zeit keine Chance, einen solchen dann wieder lebendig zu machen. Die ganzen Leute, die sich, meist tödlich krank, in der Hoffnung auf spätere Wiederbelebung und Heilung haben einfrieren lassen, sind derzeit einfach als tot zu betrachten, weil das mit heutigem Wissen nicht möglich ist. Auch wenn man ihre Zellen durch den Austausch von Körperflüssigkeit gegen Kühlmittel vor dem Platzen geschützt hat und einige Amphibien ein solches Einfrieren überstehen.

    Du sagst das zwar im Anschluss auch selbst, aber der erste Satz klingt so, als wenn die gesamte Technik schon verfügbar sei.

    Geht man von der Geschwindigkeit heutiger Raumsonden aus, dann würde so ein Flug auf direktem Weg zum Jupiter höchstens einige Jahre dauern.

    Mindestens, nicht höchstens. New Horizons ist zwar in einem guten Jahr an Jupiter vorbei geflogen, war aber auch viel zu schnell, als dass sie dort in eine Umlaufbahn hätte einschwenken können. Dazu müsste das Raumschiff mit annähernd der Orbitalgeschwindigkeit des Jupiter dort eintreffen, und der braucht bei dieser Geschwindigkeit knapp 12 Jahre einmal um die Sonne herum. Rechne also mit 4 bis 5 Jahren Flugzeit (in Erdnähe ist man noch schnell unterwegs). Jeder schnellere Flug bräuchte viel mehr Treibstoff und Gravity Assists dauern ggf. noch länger.

    Lass’ Dich aber von diesen Anmerkungen nicht entmutigen, Du weißt schon eine ganze Menge, was ich in Deinem Alter bestimmt nicht gewusst hätte (und ich bin ein Kind der Apollo-Zeit, das hat mich damals ungeheuer fasziniert). Ich wünsche Dir, dass Du die erste bemannte Marslandung erleben wirst (ich denke, das ich das nicht mehr tun werde), aber weit darüber hinaus wird man in diesem Jahrhundert sicher nicht mehr fliegen. Eher auf dem Mond wohnen und Asteroiden erschließen. Und das äußere Sonnensystem mit immer besseren Robotersonden erkunden. Und vielleicht sogar Leben finden.

  9. #9 AstronomieFans
    https://astronomiefans.de/
    21. September 2018

    Hallo Jason Luke,

    ich fand diesen Beitrag wirklich lesenswert, du hast einige interessante Punkte angesprochen, die zum Nachdenken anregen.

    Ich muss mich allerdings einigen Vorrednern anschließen – glaube auch nicht daran, dass sich in den nächsten Dekaden so viel tun wird, dass diese enormen Entfernungen, die Probleme der Versorgung, Konstruktion im All usw. bald gelöst werden könnten.

    Wie gesagt – finde deinen Beitrag spannend und gut geschrieben! Ich bin selbst Blogger und meine aber, dass ein paar mehr Abätze die Lesbarkeit des Beitrags steigern :-)

    LG Thorsten

  10. #10 stone1
    21. September 2018

    Man merkt die jugendliche Begeisterung für die Raumfahrt. War der Artikel über Telomerase voriges Jahr auch von dir?

    Zu diesen NASA-Plänen für eine bemannte Mission zu Callisto hab ich einen Artikel gefunden mit Bildern wie so ein Raumschiff aussehen könnte. Von den 2040er Jahren ist dort die Rede, aber ich denke wir können schon froh sein wenn bis dahin Menschen auf dem Mars waren und wieder zurück gekommen sind.

    Auch vermute ich dass der Fortschritt der Entwicklung von autonomen Robotern die Anwesenheit von Menschen bei der Erforschung des äußeren Sonnensystems so gut wie überflüssig machen wird.

  11. #11 Captain E.
    21. September 2018

    @Alderamin:

    […]

    Die Shuttles waren zu Beginn ihres Einsatzes nicht sicherer als am Ende. Das Konzept, einen riesigen Orbiter an einen schaumstoffummantelten Tank mit zwei Feststoffraketen zu hängen, war einfach inhärent riskant. Eine Raumkapsel oben auf einer Rakete kann man immer schnell auf Sicherheitsabstand bringen, aber im Shuttle war man auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass dieses unbeschädigt blieb.

    […]

    Das ist meines Wissens nach so nicht ganz korrekt. Die Sicherheitslage hat sich tatsächlich im Verlauf des Programms verändert, und dabei in einem Punkt zum Schlechteren. Der Schaumstoff zur Isolierung des Außentanks wurde wohl geändert, weil der alte nicht mehr den aktuellen Umweltschutzanforderungen entsprochen hatte. Das hätte die NASA und ihre Zulieferer nicht betroffen, aber vermutlich wurde er nicht mehr hergestellt oder wäre erheblich teurer geworden. Das neue Isoliermaterial bröckelte dann leider schneller ab, und das war dann das Ende der Columbia und ihrer Crew.

  12. #12 Heljerer
    21. September 2018

    Aber technisches Wachstum ist exponentiell.

    Exponentielles Wachstum und als Folge die Technologische Singularität wird gerne von Silicon-Valley-Nerds wie Ray Kurzweil behauptet. Sieht man sich aber den Fortschritt der letzten 200 Jahre an, dann lässt sich diese Behauptung nicht aufrecht erhalten.

    1818 – 1868 – 1918 – 1968 – 2018

    In den jeweiligen 50 Jahren hat ein gewaltiger Fortschritt stattgefunden, der relativ geringste aber im letzten Zeitabschnitt.

    Eine Zivilisation ist viel stabiler, wenn sie mehr als einen Planeten bevölkert.

    Ja! Das Problem ist nur: Worüber wir im Moment hier reden, ist ja nur die eine oder andere Forschungsstation auf dem Mars oder Kallisto. Für eine Bevölkerung gehört ja viel mehr. So etwas wie Terraforming wird immer Science Fiction bleiben. Dauerhaft werden wir daher die Erde nie verlassen können.

  13. #13 Alderamin
    21. September 2018

    @Captain E.

    Das neue Isoliermaterial bröckelte dann leider schneller ab, und das war dann das Ende der Columbia und ihrer Crew.

    Es ist richtig, dass man von FCKW-aufgeschäumtem Material zu einem anderen wechselte, aber in dem entsprechenden Wikipedia-Artikel ist keine Rede davon, dass der neue Schaum schlechter gehalten hätte (und ich würde erwarten, dass dies hier erwähnt worden wäre, da – natürlich – auch das STS-107-Unglück behandelt wird).

    Vielmehr sind dort einige andere Flüge bis hin zum ersten STS-1 gelistete, bei denen sich Schaumstoffstücke gelöst hatten. Man hat das Problem nie in den Griff bekommen. Man hat schließlich lediglich den Orbiter mit externen Kameras beim Start und im Orbit besser überwacht und eine kleine Modifikation an der Stelle des Tanks vorgenommen, wo der Schaum manuell aufgbracht werden musste, obwohl diese Stelle nicht diejenige war, wo das Stück abgebrochen war, das Colombia getroffen hatte.

    Insgesamt wurden die Shuttles über das ganze Programm hin verbessert (z.B. elektronische Cockpits, verbesserte Feststoffraketen, leichtere Tanks, der Klebstoff der Kacheln) und das Sicherheitskonzept nach Challenger noch einmal grundlegend überarbeitet, aber das grundsätzliche Design ließ sich leider nicht mehr ändern. Ursprünglich wäre das Shuttle ähnlich “Sänger” gebaut worden, aus zwei gekoppelten “Flugzeugen”, das wäre vermutlich etwas sicherer gewesen, war aber zu teuer. Das Buran-Konzept mit der Energija-Rakete wäre auch sicherer gewesen, aber man hätte die teueren Triebwerke jedesmal verloren.

  14. #14 PDP10
    21. September 2018

    @Jason:

    Aber bemannte Raumfahrt ist wichtig. Eine Zivilisation ist viel stabiler, wenn sie mehr als einen Planeten bevölkert.

    Das ist eine steile Behauptung, die dem einen oder anderen zwar sympathisch sein mag, die wir aber gar nicht aufstellen können.
    Die Anzahl der planetaren Zivilisationen die wir kennen, also die Anzahl unserer Datenpunkte ist nämlich genau 1.
    Und diese Zivilisation, die den einzigen Datenpunkt ausmacht, den wir kennen hat noch nicht mal “mehr als einen Planeten bevölkert”.

  15. #15 tomtoo
    21. September 2018

    Wäre ich echt ein mieser Typ, würde ich sagen auf unserem Raumschiff verdursten und verhungern kleine Kinder, ein Teil unserer Mannschaft? Auf einem optimalen Raumschiff. Gehts noch? Wie wollen wir dann Uranus Monde besiedeln?

  16. #16 PDP10
    22. September 2018

    @tomtoo:

    Ich frage mich immer, ob die Leute im 15. oder 16. Jahrhundert einem Columbus oder Magellan oder James Cook die gleichen Fragen gestellt hätten …

    Ich weiß, ich weiß … unsere Spezies war damals noch viel jünger und wir hatten viel mehr Platz auf dem Planeten. Aber die Lebensverhältnisse von 90% der Menschen damals mit dem Begriff “Entsetzlich” zu beschreiben wäre wahrscheinlich noch reichlich beschönigend. Anders als heute.

  17. #17 tomtoo
    22. September 2018

    @PDP10
    Gebe ich dir Recht. Aber da hatten die Menschen ja auch keinen Plan auf einem kleinen Raumschiff zu sitzen. Ganz im Gegenteil, die dachten als sie mal den Kaffeeautomat gefunden hatten, wir haben das Universum erobert.

  18. #18 Dampier
    22. September 2018

    Angenehme Lektüre. Hat mir gut gefallen.

  19. #19 Jason
    23. September 2018

    @stone1 Ja, auch der Artikel über Telomerase war von mir. Ich begeistere mich tatsächlich für Raumfahrt, ob das mit meinem Alter zutun hat – keine Ahnung. Natürlich kann man das äußere Sonnensystem mit Raumsonden gut erkunden, aber dasselbe gilt für den Mond und für den Mars.

  20. #20 Jason
    23. September 2018

    @tomtoo Wieso bezieht man die Raumfahrt immer auf irdische humanitäre Probleme. Natürlich ist das, was hier auf unserem Planeten in manchen Regionen passiert erbärmlich. Aber das hat doch nichts mit Raumfahrt oder Technologie zutun. Das einzige Geld, welches wirklich die Erde verlässt ist der Materialwert, der sehr gering ist. Das meiste landet bei Mitarbeitern, die das Geld wiederum für die selben Sachen ausgeben wie du. Von der Besiedlung der Uranusmonde habe ich nicht gesprochen. Der Uranus hat kaum große Monde. Ich habe hauptsächlich von Callisto gesprochen. Was meinst du denn, was nach der Marslandung passiert?

  21. #21 Jason
    23. September 2018

    @PDP10 Klar, Erfahrung haben wir wenig. Aber irgendwie ist es eine logische Schlussfolgerung.

  22. #22 Jason
    23. September 2018

    @Heljerer Die Worte “immer” und “nie” solltest du beim technologischen Fortschritt “nie” benutzen. Wir werden die Erde dauerhaft verlassen. Ich glaube auch nicht, dass Terraforming die Lösung ist. Aber sehr wohl, dass man in der Lage sein wird eine große Menge an Menschen in Habitaten anzusiedeln.

  23. #23 Jason
    23. September 2018

    @Alderamin Danke für den ausführlichen Kommentar. Auch ich hoffe, dass ich die bemannte Marslandung noch miterlebe. Ich rechne meine Chancen gut ein.

    Den Punkt mit den Space Shuttles hat ja jemand anders schon angesprochen.

    Auf der Wikipedia-Seite des Orion-Raumschiffs steht, dass der Einsatzbereich den Mond, den Mars und Asteroiden umfasst.

    Zwergplaneten sind im Grunde genommen Asteroiden. Selbst Pluto wird gelegentlich als Asteroid bezeichnet.

    Bei den Gravitationskräften konzentrierte ich mich vor allem auf die Schwierigkeit des Baus im Orbit. Klar ist für das Anfliegen Energie nötig, aber bei dem Callisto-Vorschlag würde man ja nicht viel Zeit im Orbit verbringen.

    Klar, ob Callisto langweilig ist, darüber kann man sich streiten. Ich persönlich finde Europa, Ganymed und Io aber spannender (wissenschaftlich).

    Kryonik ist ein Thema für sich. Aber du hast Recht, in absehbarer Zeit geht dort nichts.

    Ich denke, dass auch mit heutiger Technologie schon ein bisschen mehr drin ist, als die Geschwindigkeit von New Horizons, sodass man, wenn man es drauf anlegt, es vielleicht auch in einem Jahr schaffen kann. Schwerpunktmäßig geht es darum, dass es in humaner Zeit machbar ist.

    Die Apollo-Zeit hätte ich auch gerne miterlebt, aber wenn man Apollo miterlebt, dann erlebt man wahrscheinlich die Marslandung nicht mehr, also hat alles sein Gutes. ; )

  24. #24 Alderamin
    23. September 2018

    @Jason

    Auf der Wikipedia-Seite des Orion-Raumschiffs steht, dass der Einsatzbereich den Mond, den Mars und Asteroiden umfasst.

    Ist richtig, aber nicht “solo”, die Leute müssen unterwegs auch irgendwo wohnen und leben. Z.B. brauchen sie ein Trimmgerät, um auf langen Flügen dem Muskelabbau vorzubeugen. Dafür ist in der Kapsel kein Platz. Und natürlich Stauraum für Vorräte. Es gab zwar mal einen Vorschlag eines Industriellen und Weltraumtouristen (Dennis Tito), eine Orion mit 2 Leuten bestückt dieses Jahr zum der Erde außergewöhnlich nahe gekommenen Mars zu senden, und dabei hätte man die Kapsel komplett mit Vorräten vollstopfen müssen – vielleicht wäre das gegangen, aber niemand will nur 2 Leute zum Mars schicken und man benötigt einen Schutzraum gegen die Strahlung bei Sonnenstürmen – deswegen wollte Tito ein älteres Paar entsenden, die hätten den Ausbruch von Krebs dann nicht mehr erlebt.

    Zwergplaneten sind im Grunde genommen Asteroiden. Selbst Pluto wird gelegentlich als Asteroid bezeichnet.

    Ist richtig, aber nicht jeder Asteroid ist ein Zwergplanet, dafür muss er rund sein, und im Asteroidengürtel ist das nur Ceres. Pluto, Eris, Haumea und wie sie alle heißen sind im Kuipergürtel. Du sprachst vom Hauptgürtel.

    Bei den Gravitationskräften konzentrierte ich mich vor allem auf die Schwierigkeit des Baus im Orbit. Klar ist für das Anfliegen Energie nötig, aber bei dem Callisto-Vorschlag würde man ja nicht viel Zeit im Orbit verbringen.

    Es spielt keine Rolle, wie lange man sich dort aufhält (wenn’s nicht nur ein Gravity Assist ist). Ein Orbit, eine Million Orbits – kostet das gleiche. Energietechnisch ist aber die Oberfläche von Kallisto weiter weg als eine Umlaufbahn um Jupiter in Kallistos Jupiterabstand, weil man tiefer in seinen Trichter muss.

    Ich denke, dass auch mit heutiger Technologie schon ein bisschen mehr drin ist, als die Geschwindigkeit von New Horizons, sodass man, wenn man es drauf anlegt, es vielleicht auch in einem Jahr schaffen kann.

    Aber dann musst Du Unmengen Treibstoff mitnehmen, um die Geschwindigkeit am Ziel wieder an dessen Bewegung anzupassen, und den Treibstoff musst Du nach dem Start dann auch mitbeschleunigen. Dadurch wird Dein Raumschiff immens viel größer und teuerer. New Horizons war genau deshalb als Vorbeiflugmission geplant. Eine Hohmann-Bahn, die eine Sonde auf die Höhe von Pluto und von dort in eine Umlaufbahn um ihn hätte verfrachten können, hätte ca. 30 Jahre bis dorthin gebraucht.

    Vielleicht kann man sich in absehbarer Zeit mal mit elektrischen Antrieben, die dann aber auf jeden Fall einen satten Atomreaktor an Bord bräuchten, erlauben, lange zu beschleunigen und am Ziel auch wieder abzubremsen. Damit hat man Dawn zu Vesta und Ceres und Rosetta zu Tschurjumow-Gerasimenko manövriert (was aber auch viele Jahre dauerte). Bisher sind solche Antriebe aber für große Raumschiffe noch viel zu schwach, sie liefern höchstens 10 N Schub. Das ist nichts. Aber sie sind extrem treibstoffsparend.

    Die Apollo-Zeit hätte ich auch gerne miterlebt, aber wenn man Apollo miterlebt, dann erlebt man wahrscheinlich die Marslandung nicht mehr, also hat alles sein Gutes.

    Na ja, mit 6-10 Jahren war ich da beinahe noch zu jung dafür. Von Apollo 11 weiß ich gar nichts mehr, an 13 und das Unglück kann ich mich schwach erinnern, aber bei 15 lag ich mit Blinddarm im Krankenhaus und da gab’s einen kleinen Fernseher, das habe ich noch intensiv in Erinnerung. Wo Du heute die ISS schaust, haben wir Skylab geguckt, und natürlich all die Shuttle-Flüge. Den ersten Start habe ich bei einem Schulfreund geschaut, die hatten so ein neumodisches Gerät “VHS-Videorecorder”, damit konnte man Fernsehen aufnehmen (!), kostete ein paar tausend Mark, aber die hatten ja Geld…

    Die Challenger explodierte, als ich im Studium war, und etwas später erzählte uns Jesco von Puttkamer bei einem Vortrag in Aachen was von der Raumstation Freedom, wo Deutschland doch bitte mitmachen sollte. Als die Module der dann ISS genannten Station gefertigt wurden, konnte man ihre Endmontage im Kennedy Space Center hinter Glas besichtigen, habe ich gemacht, als ich in der Gegend auf Konferenz war. Und da habe ich schon zu einem NASA-Mitarbeiter gesagt, ihr redet immer vom Mars, aber ihr fliegt ja doch nie dahin, was der vehement verneinte. Kann sein, dass der schon in Rente ist…

    Dann versprach Bush die Rückkehr zu Mond und Mars, und da wurdest Du ungefähr geboren. Seitdem ist bei der NASA in Sachen bemannter Raumfahrt nicht viel passiert. Erst wurde Constellation gestrichen, dann wollte man zu einem Asteroiden, die waren aber alle zu weit weg, dann wollte man sich einen Brocken von einem zum Mond holen, das wurde wieder gestrichen, dann wollte man um den Mond fliegen, dann eine Station am Mond bauen, und jetzt erzählen die Russen gerade, dass sie vielleicht lieber mit den Chinesen und ohne die Amerikaner eine solche bauen möchten…

    Auch ich hoffe, dass ich die bemannte Marslandung noch miterlebe. Ich rechne meine Chancen gut ein.

    Ich gönn’s Dir 😉

  25. #25 Heljerer
    24. September 2018

    @Jason

    Wir werden die Erde dauerhaft verlassen. Ich glaube auch nicht, dass Terraforming die Lösung ist. Aber sehr wohl, dass man in der Lage sein wird eine große Menge an Menschen in Habitaten anzusiedeln.

    Wahrscheinlich reden wir hier über zweierlei Dinge. Mit “dauerhaft verlassen” meinte ich keine Habitate, die für viel Geld immer wieder von der Erde aus am Leben erhalten werden müssen. (Lieferung von Nahrungsmitteln, neuer Technik, Ersatzteilen, Werkstoffen, Chemikalien, Medikamenten u.s.w.) Mit “dauerhaft verlassen” meinte ich die (eben nicht vorhandene) Möglichkeit irgendwo anders im Universum eine autarke zweite Erde aufzubauen. Eine autarke zweite Heimat wird tatsächlich immer Science Fiction bleiben. In manchen Fällen darf man eben doch “nie” sagen.

  26. #26 Frantischek
    Linxlinks von der Mitte
    24. September 2018

    Natürlich kann man “nie” sagen.
    Man begibt sich halt damit in die gleiche Position wie die Leute die dachten dass Menschen bei 100km/h nicht überleben können. Oder aktueller, dass niemand jemals ein 5G Netz braucht.

    Ob das wünschenswert ist weiß ich nicht…

  27. #27 Heljerer
    24. September 2018

    @Frantischek

    1.) Niemand hat jemals gedacht, dass man 100 km/h nicht überleben kann. Schöne Legende, mehr nicht.

    2.) Niemand braucht 5G. Das ist ähnlich wie: Niemand braucht mehr als 640 kB (Bill Gates zugeschrieben. Das hat er tatsächlich aber natürlich nie gesagt.)

    Hab ich das jetzt richtig verstanden? Du bist tatsächlich der Meinung, dass man auf einem anderen Himmelskörper eine komplette menschliche Zivilisation unabhägig von der Erde aufbauen kann? Wie soll das gehen?

  28. #28 Stephan
    24. September 2018

    Ich muß immer lachen (bzw. wundere mich, was für Unfug auch sehr seriöse Leute von sich geben), wenn ich den amerikanisch-hollywoodisch großmäuligen Begriff “Astronaut” lese und daß ebendiese auf dem Mond gewesen seien. Astronauten wird es nie geben, auch Kosmonauten in das äußere Sonnensystem wohl kaum, jedenfalls nicht in den nächsten 300 Jahren. Der Zweck dieser Untat wäre mir dann auch völlig unklar.
    Alderamin, ich möchte Deinen historischen Abriß noch ergänzen: ich erinnere mich gut an den Start und den traurigen Flugverlauf der ersten Weltraumstation Saljut 1. So sehr sie eine Verzweiflungstat der Sowjetunion in Folge des verlorenen Wettstreites zum Mond war, so sehr war sie auch der Beginn einer sinnvollen Raumfahrt. Das Prinzip hat seit nun fast 50 Jahren Bestand und wird es ewig bleiben.
    Zu Deinem Zitat ” Orthographie auch super.”: die Orthographie im Artikel war zwar viel besser als in fast allen hier veröffentlichten, super war sie allerdings bei weitem nicht.

  29. #29 Karl
    25. September 2018

    Heljerer
    … eine zweite Heimat
    warum sollte es die nicht geben. Sonnenenergie ist vorhanden. Wenn man noch Wasser findet, gibt es kein Hemmnis mehr für eine Besiedlung z.B. des Ganymed oder des Kallisto.
    Die größte Gefahr für die zukünftigen Raumfahrer ist die Strahlung der Sonne und die des Weltraumes. Deswegen können Menschen über längere Zeit nicht in Raumstationen leben. Auf einer Planetenoberfläche können sie sich eingraben . Mit Hilfe von Elektrtizität können sie alles erreichen, was auch auf der Erde möglich ist. Pflanzenzucht bei künstlicher Beleuchtung,Erzeugung von Sauerstoff durch Reduktion von Gesteinen oder direkt aus Wasser. Erzeugung von Metallen aus dem Gestein. Mit einem 3-D Drucker können sie dann auch ein Teeservice für den 5 Uhr Tee herstellen.

  30. #30 Alderamin
    25. September 2018

    @Stephan

    Ich muß immer lachen (bzw. wundere mich, was für Unfug auch sehr seriöse Leute von sich geben), wenn ich den amerikanisch-hollywoodisch großmäuligen Begriff “Astronaut” lese und daß ebendiese auf dem Mond gewesen seien.

    Bitte?

    Zu Deinem Zitat ” Orthographie auch super.”: die Orthographie im Artikel war zwar viel besser als in fast allen hier veröffentlichten, super war sie allerdings bei weitem nicht.

    Dass der Autor 13 ist, hast Du schon mitbekommen, oder?

    Geh weg.

  31. #31 Stephan
    26. September 2018

    Oh… ich dachte, er sei in der 12./13. Klasse. Ich entschuldige mich vielmals. Fehler liegt sehr kräftig bei mir.
    Das “Bitte?” verstehe ich nicht.

  32. #32 Alderamin
    26. September 2018

    @Stephan

    Weil amerikanische Astronauten selbstverständlich auf dem Mond waren. “Kosmonaut” ist im übrigen nicht weniger großmäulig, da bisher kein Kosmonaut der Erde ferner als 500 km war (dann kann ich mich auch “Kosmonaut” nennen, der Kosmos ist ja überall). Die Astronauten waren zwar nicht bei den Sternen, aber immerhin 400.000 km weit von der Erde entfernt und auf einem anderen Himmelskörper (“Stern” im mittelalterlichen Sinne des Wortes).

    Es reicht bei der NASA aber schon, oberhalb der Karman-Linie gewesen zu sein, um den Titel zu erhalten. Bei der ESA reicht sogar eine Grundausbildung. Früher nannten solche Leute sich lediglich “Missionsspezialisten”.

  33. #33 Heljerer
    26. September 2018

    @Karl

    … eine zweite Heimat
    warum sollte es die nicht geben.

    Weil zum Überleben auf einem lebensfeindlichen Himmelskörper Hochtechnologie notwendig ist. Hochtechnologie setzt aber eine komplex organisierte Industriegesellschaft voraus. Mit ein paar Steinen und ein bisschen Strom kann man den Bedarf einer Industriegesellschaft in keinster Weise decken. Alleine der Kunststoff für den 3D-Drucker erfordert eine hochkomplexe Produktionskette, für die auf der Erde zigtausend Menschen gebraucht werden. Vom Drucker selber gar nicht zu reden. Man braucht nicht zu glauben, dass in Zukunft alles mit einer handvoll kleiner Tools produziert werden kann, aus denen dann nach Bedarf Glasscheiben, Stahlträger, neue 3D-Drucker, Medikamente, Schnitzel mit Pommes, Computertomographen oder neue Produktionstools kommen.

    Nein, ohne moderne Industrieproduktion mit großen Fabriken, komplexer Infrastruktur und vielen Millionen Menschen funktioniert das nicht.

    Jetzt bitte nicht sagen: “Na und, dann bauen wir das eben langsam auf.”

  34. #34 Karl
    27. September 2018

    Heljerer,

    Anfangs wird es Hochtechnologie brauchen , als Anschub sozusagen. Dann läuft alles biologisch.
    Man braucht das Wissen vergangener Jahrhunderte über Erzabbau und Metallurgie.
    Für die Sauerstofferzeugung nimmt man Unterirdische Seen mit Algen. Um einen biologischen Nahrungskreislauf anzuleiern, nimmt man Tiefseegarnelen. Die brauchen kein Licht. Für die Dichtungen nimmt man Kautschukbäume mit, die auch unterirdisch wachsen. Wichtig ist, dass bei allen Prozessen keine Hilfe von außerhalb gebraucht wird. Als Abschirmung zum Weltraum kommen Eisplatten infrage, die nur durchsichtig gehalten werden. Die würden bei kleinen Abmessungen auch einen Innendruck von 0,5 bar widerstehen. Dann könnte man mit Hilfe der Bärtierchen und Gentechnologie größere Exemplare züchten als Nahrungsquelle. Bärtierchen sind strahlungs- und kälteresistent.
    Alles ist mit Phantasie machbar.
    Mich wundert, dass Millionen von Euro für die Entwicklung von Kaffeepads ausgegeben werden, die dann im Nachhinein die Weltmeere verschmutzen, als Gelder bereitgestellt werden für Zukunftstechnologien.

    Also, bitte etwas mehr Pioniergeist !

  35. #35 Jason
    27. September 2018

    @Stephan Wenn wir uns zumindest darauf einigen können, dass es die Mondlandungen gegeben hat, dann können wir auch diskutieren. Aber mich würde mal interessieren, was du meinst, was nach der Marslandung (an deren baldiges Eintreten du glaubst?) passiert.

  36. #36 Heljerer
    28. September 2018

    @Karl

    Alles ist mit Phantasie machbar.

    Ja, das wäre schön…

  37. #37 Karl
    28. September 2018

    Heljerer
    dazu braucht man einen langen Atem. Wahrscheinlich müssten die zukünftigen Weltraumpioniere wieder technologisch gesehen im Mittelalter anfangen.
    Die meisten Kolonien werden die ersten 10 Jahre nicht überleben. Aber es wird auch welche geben, die sich den gegebenheiten anpassen und eine völlig neue Kultur begründen. Diese “Menschenrasse” wird dann kleiner sein als wir, mit sehr großen augen, wegen der Dunkelheit und mit einer anderen Haut, wahrscheinlich wieder mit Fell.
    Sciencblogs muss sich auch als Trendsetter fühlen, du auch hast den Schlüssel in der Hand.

  38. #38 rolak
    28. September 2018

    technologisch gesehen im Mittelalter anfangen

    Nicht unbedingt, denn prinzipiell wegargumentieren läßt sich ein Kickstart auf hohem Niveau (noch) nicht, Karl. Klar, insbesondere aus heutiger Sicht ist Heljerers pessimistischer Ansatz wesentlich realistischer scheinend.