sb-wettbewerb_kleinDieser Artikel ist Teil des ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2018. Informationen zum Ablauf gibt es hier. Leserinnen und Leser können die Artikel bewerten und bei der Abstimmung einen Preis gewinnen – Details dazu gibt es hier. Eine Übersicht über alle am Bewerb teilnehmenden Artikel gibt es hier. Informationen zu den Autoren der Wettbewerbsartikel finden sich in den jeweiligen Texten.
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Die Farbe des Blutes

von Justine

Ich bin 18 Jahre alt und Schülerin an einem Gymnasium in Stade. Außerdem interessiere ich mich seit Jahren für Chemie und Biologie und möchte nach meinem Abitur auch gerne in die Richtung eine Ausbildung beginnen.

Seit ich klein bin war ich schon oft bei Ärzten und von Zeit zu Zeit wurde mir auch mal Blut abgenommen. Blut ist rot das weiß jeder. Je älter ich wurde, desto weniger musste ich zum Arzt. In meinem Seminarfach in der elften Klasse behandelten wir Farben und Farbstoffe. Dabei kam mir das Blut wieder in den Sinn und die Frage warum Blut rot ist. So habe ich das Thema in der Facharbeit behandelt. Dabei bin ich auf viele Aspekte eingegangen, die das Blut aufweist. Vieles davon ist kaum bekannt und einiges faszinierte mich sehr, denn je länger ich schrieb, desto mehr wurde mir bewusst, wie wichtig diese rote Flüssigkeit in unserem Körper ist. Ziemlich zum Schluss der Schreibzeit hat mir mein Lehrer ein Versuch gezeigt, bei dem Blut den Farbton ändert. Durch die fehlende Zeit habe ich nur einen kurzen Absatz verfassen können. Durch den Wettbewerb möchte ich gerne diesen Absatz ausführlich darstellen und anhand von Bildern und den Aufbau des Blutes erklären.

Farbiges Blut (selbst fotografiert und bearbeitet)

Farbiges Blut (selbst fotografiert und bearbeitet)

Dieses Bild ist das Endergebnis des vorhin erwähnten Versuchs. In den drei Reagenzgläsern wurde Blut (Rinderblut) pipettiert. Dann wurde je eine Blutprobe mit Kohlenstoffdioxid und Sauerstoff versetzt. Dabei zeigte sich, dass sich das Blut, welches Sauerstoff hinzugeführt wurde, hellrot färbte (siehe im Bild links). Das Blut, welches Kohlenstoffdioxid hinzugeführt wurde, färbte sich dunkelrot (siehe im Bild mitte). Die Vergleichsprobe (siehe im Bild rechts) besaß einen Farbton, der zwischen den Versuchsproben anzuordnen ist.
Um erstmal zu erklären, warum die Vergleichsprobe einen Farbton zwischen den Versuchsproben besitzt, muss man auf den Aufbau des Blutes eingehen.

Aber was gibt dem Blut die rote Farbe?
Im Biologieunterricht lernt man, dass im Blut Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten enthalten sind. Diese werden auch als rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen und Blutplättchen bezeichnet. Bei den Bezeichnungen fällt auf, dass bei den roten Blutkörperchen, den Erythrozyten, die Farbe rot eine Rolle spielt.
Tatsächlich sind die Erythrozyten nicht nur für den Transport von Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid verantwortlich. Die Erythrozyten erhalten bei ihrer Synthese im Blut das Protein Hämoglobin, welches für die Rotfärbung verantwortlich ist. Hämoglobin selbst enthält eine Häm-Gruppe und eine Globin-Gruppe (Protein). Die Häm-Gruppe ist die Farbgebende Komponente im Hämoglobin.

Wie kann man überhaupt Farben sehen?
Ein weiterer wichtiger Faktor, den es zu klären gilt, ist, wie man überhaupt Farben sehen kann. Das hängt mit dem Licht und der sogenannten Absorption und Reflektion von Licht zusammen. Doch zuerst muss das Wort Licht definiert werden.
Licht besteht aus elektromagnetischen Wellen. Es kann aus Wellen mit unterschiedlichen Wellenlängen bestehen. Jede Wellenlänge, die in dem sichtbaren Spektrum (für das menschliche Auge) liegt, besitzt eine Farbe. Wenn von einem Körper, auf dem weißes Licht fällt, bestimmte Wellenlängen absorbiert (Lichtaufnahme) werden, wird der restliche Anteil reflektiert. Dadurch, dass ein Teil der Wellenlängen absorbiert wurde, entsteht mit dem restlichen Teil eine Farbe. Somit erscheint uns der Körper farbig.
Bei Blut absorbiert das Eisenatom in der Häm-Gruppe den grünen, blauen und violetten Teil des weißen Lichts. Der restliche Teil (also der rote, orangene und gelbe Anteil) wird reflektiert und es entsteht die rote Farbe des Blutes. Die rote Farbe kann man nur erkennen, da es eine Vielzahl an Häm-Gruppen im menschlichen Blut gibt, die genug rotes Licht reflektieren.

Spektroskopie

Spektroskopie

Bei dieser Spektroskopie, die ich selber durchgeführt habe, kann man nochmal deutlich sehen, dass ein Großteil des blauen, violetten, grünen und zum Teil auch gelben Lichts absorbiert wird.

Und warum entstehen die verschiedenen Rottöne?
Auch wenn jetzt soweit klar ist, wie die Farbe entsteht, ist noch die Frage der verschiedenen Rottöne offen. Diese hängen mit den hinzugefügten Gasen zusammen. Erythrozyten können, wie oben schon erwähnt, sowohl Sauerstoff als auch Kohlenstoffdioxid aufnehmen und auch abgeben.

Absorptionsspektrum Hämoglobine Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4595611/figure/F1/ Nach: Nach Hu D, Huang L. Negative hemodynamic response in the cortex: evidence opposing neuronal deactivation revealed via optical imaging and electrophysiological recording. J Neurophysiol 2015; 114: 2152-61

Absorptionsspektrum Hämoglobine
Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4595611/figure/F1/
Nach: Nach Hu D, Huang L. Negative hemodynamic response in the cortex: evidence opposing neuronal deactivation revealed via optical imaging and electrophysiological recording. J Neurophysiol 2015; 114: 2152-61

Durch die jeweiligen Bindungen mit dem Sauerstoff und dem Kohlenstoffdioxid verändern sich die Absorptionsspektren der Hämoglobine. Die Bindung mit Sauerstoff oder Kohlenstoffdioxid verändert das Hämolgobinmolekül so, dass sich dem entsprechend die Absorptionsspektren auch verändern. Dieses ist bei der oberen Abbildung zu erkennen. Hämoglobin mit Sauerstoff besitzt ein Absorptionsmaximum bei ca. 540 und 580 Nanometer. Das entspricht dem grünen Licht. Daraus kann man schließen, dass viel grünes Licht absorbiert wird. Nach dem zweiten Absorptionsmaximum fällt die Absorptionsrate, bis diese bei ca. 640 Nanometer auf null ist. Somit wird weiterhin nur ein wenig des gelben und orangenen Licht absorbiert. Durch das reflektierte orangene und gelbe und rote Licht, entsteht die hellrote Frage.
Bei der Bindung des Hämoglobins mit Kohlenstoffdioxid fällt auf, dass mehr organgenes und gelbes Licht absorbiert wird. Dadurch sind die Wellenlängen, die reflektiert werden geringfügig anders, wodurch das Blut dunkelrot erscheint.
Somit ist erklärt, weshalb das Blut hell- und dunkelrot sein kann. Damit erschließt sich auch, warum die Vergleichsprobe einen Farbton zwischen den Versuchsproben besitzt. In dem Blut von der Versuchsprobe sind sowohl Oxy- als auch Desoxyhämoglobine enthalten, sodass sich das hellrot und dunkelrot zu einem neuen Farbton vermischt.

Wenn du also das nächste Mal zum Arzt gehst und Blut abgenommen bekommst, kannst du ja mal auf die Farbe deines Blutes achten. Darauf schließt du auch gleich, wie viel Sauerstoff in deinem Blut enthalten ist. Blut ist eine faszinierende Flüssigkeit und bietet eine vielfalt an Forschungsmöglichkeiten. Mit dem Versuch habe ich eine vorgestellt und hoffe bei euch Interesse für weitere Forschungen mit Blut geweckt zu haben.

Kommentare (23)

  1. #1 Darth Ewok
    16. Oktober 2018

    guter Artikel!

  2. #2 Aginor
    16. Oktober 2018

    Verständlich erklärt, für mich einleuchtend zumindest, und nett geschrieben.
    Bin zufrieden, weiter so!

    Gruß
    Aginor

  3. #3 Mars
    16. Oktober 2018

    ja, gut gemacht

    mal eine andere sicht auf unseren lebenssaft ihn mit den spektralmustern zu vergleichen

    anbei auch mal ein gruss an den unbekannten lehrer, wenn er es schafft einige seiner schüler so zu motivieren.

  4. #4 MemoST
    18. Oktober 2018

    Wenn “Blaublütige” früher deswegen so hiessen, weil ihr Blut dunkel war, und ins Blaue/Violette tendierte, müsste man dann nicht annehmen, dass deren Stoffwechsel vollkommen anders funktionierte oder andere Ausprägungen hatte, als normales “Untertanenblut”, das normal rot war?

    Angedacht, das dunkeles Blut weniger Sauerstoff enthält, und der verbleib des Sauerstoffes darauf bezogen wird, dass der Organismus, dem das Blut gehört, eben viel mehr Sauerstoff verbraucht, als ein Normalmensch, was müsste man dann daraus schliessen?

    Also neben dem, dass deren Lunge nicht richtig funktionierte, oder dem Blut Sauerstoffträger fehlen, müsste man annehmen, dass der Organismus eben viel mehr Sauerstoff aus dem Blut entnehmen kann/tut – das er also einen viel höheren Grundumsatz hat.

    ich sage das nur, weil ich selbst einst plötzlich viel dunkleres Blut hatte….als es vorher immer gewesen war.

  5. #5 tomtoo
    20. Oktober 2018

    @MemoSt
    Nö, die waren direkt mit den Kraken verwandt.
    Die hatten Hämocyanin zum Sauerstofftransport, nicht Hämoglobin. ; )

  6. #6 lueki01
    21. Oktober 2018

    Interessierter Laie,
    mit dem Thema nicht verwandt oder verschwägert.
    —————————————————————–
    sehr schön geschrieben und mit den Bildern gut unterlegt.

    Auch hier freut es mich das die Wissenschaft und die Beschäftigung damit bei SchülerInnen heutzutage einen hohen Stellenwert zu haben scheint.
    Und es ist ein weiterer Beitrag von SchülerInnen zum Thema “Farbe”. Toll.
    Den fachlichen Bereich kann ich nicht beurteilen, die Orthografie habe ich nicht geprüft, wichtiger ist, das sich in diesem Fall eine Schülerin überhaupt damit beschäftigt und das garnicht mal so schlecht.
    Ich wünsche Justine viel Erfolg für Ihre Zukunft als Biologin / Chemikerin.

    @MemoST: meines Wissens nach wurden die “blaublütigen” früher deswegen so genannt, weil sie es als Adlige es nicht nötig hatten sich ständig der frischen Luft und der Sonne auszusetzen (das war dem “niedrigen Volk” vorbehalten), sie deswegen eine sehr helle Haut hatten und die Adern dunkel / blau durch diese Haut schimmerten. Aber da lasse ich mich gerne vom Gegenteil überzeugen.
    Neues Thema für dich, Justine??

    Grüße aus dem schänen Rheinland
    Rolf

  7. #7 lueki01
    21. Oktober 2018

    Grüße aus dem schönen Rheinland natürlich :-)
    Rolf

  8. #8 PDP10
    21. Oktober 2018

    @MemoST:

    @lueki01 hat mit seiner Vermutung vermutlich recht:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Blaues_Blut

    Keine großen biologischen Geheimnisse. Bloß “Tradition”.

  9. #9 Captain E.
    22. Oktober 2018

    Die Tradition hat sich heutzutage zu einem Gutteil umgekehrt. Wer blass ist, arbeitet tagelang in geschlossenen Räumen und hat weder Zeit noch Geld für Muße (z.B. am Pool) unter freiem Himmel, Solarienbesuche oder Urlaube “im Süden”. Menschen mit Geld achten auf eine (un-) gesunde Bräune.

  10. #10 PDP10
    22. Oktober 2018

    @Captain E.:

    Menschen mit Geld achten auf eine (un-) gesunde Bräune.

    Das wage ich zu bezweifeln.

    Ich glaube eher “Menschen mit Geld” achten heutzutage geradezu hysterisch auf alles was gesund oder krank macht. Man will ja den neuesten Hype nicht verpassen! Da blamiert man sich ja!

    Menschen mit wenig Geld verbringen ihren Urlaub eher mal 2 Wochen auf Mallorca in der Billig-Betten-Burg und fangen sich dann 12 Stunden am Strand ihre Risiko-Dosis UV ein.

  11. #11 Justine Engel
    23. Oktober 2018

    @MemoST
    Genau wie lueki01 geschrieben hat kommt der Begriff “blaues Blut” aus der Zeit der Adeligen. Diese haben sich vor der Sonne geschützt und dadurch eine blassere Haut als die normale Bevölkerung gehabt. Die Adern konnte man durch die Haut der Adeligen sehr gut durchsehen. Da die Adern bläulich hervortraten ist dann der Begriff blaues Blut und damit auch blaublütig entstanden.
    Das Blut war bei den Adeligen genauso rot wie das Blut bei der Bevölkerung und somit funktionierte der Stoffwechsel auch genau gleich (wenn man von einem gesunden Menschen ausgeht).

    Vielen Dank an lueki01 für die wunderbare Erklärung. Dies war ein Randthema meiner Facharbeit und meines Wissens bezieht sich der Begriff leider wirklich nur auf die Begebenheit der blassen Haut und der bläulichen Adern.

    Schöne Grüße aus dem Norden

  12. #12 Justine Engel
    23. Oktober 2018

    P.s. Die “normale Bevölkerung” bitte einmal gedanklich in Anführungszeichen setzen, da ich damit keine Unterteilung der Menschen machen möchte. Ich möchte lediglich auf einen geschichtlichen Aspekt eingehen, der die damalige reichere Bevölkerungsschicht (der Adel) von der Arbeiterschicht unterscheidet und habe mich daher für den Begriff entschieden, der etwas unglücklich gewählt ist.

  13. #13 Captain E.
    24. Oktober 2018

    @PDP10:

    Das wage ich zu bezweifeln.

    Ich glaube eher “Menschen mit Geld” achten heutzutage geradezu hysterisch auf alles was gesund oder krank macht. Man will ja den neuesten Hype nicht verpassen! Da blamiert man sich ja!

    Menschen mit wenig Geld verbringen ihren Urlaub eher mal 2 Wochen auf Mallorca in der Billig-Betten-Burg und fangen sich dann 12 Stunden am Strand ihre Risiko-Dosis UV ein.

    Mag sein, aber dann hat sich der Trend zuletzt umgekehrt, vermutlich dank des Ozonlochs. Zuvor war es bei denen, die es sich leisten konnte, mit Sicherheit angesagt, das ganze Jahr über braun zu sein. Aus “Ich bin so arm, ich muss den ganzen Tag im Freien arbeiten und bin deshalb so braun” war zwischenzeitlich “Ich bin so reich, ich muss nicht den ganzen Tag im Innern arbeiten und bin deshalb so braun” geworden. Ich spreche von Menschen, die sich Yachten und Anwesen im sonnigen Süden leisten können und wollen.

  14. #14 MemoST
    24. Oktober 2018

    @ PDP10
    21. Oktober 2018 #8

    Ne, das hier:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Blaues_Blut

    …überzeugt mich wenig. Auch, wenn es wohl so ist, mit der hellen Haut und druchscheinendem Blau.

    Entweder Spanien/Kastilien zwischen 711 und 1492 oder Kreuzzüge (um 1100 bis 1300~) oder in deutschen Ländern ab 1800 etwa.

    Hat man denn keine schriftlichen Beweise für die Verwendung der Wortpaarung?

    Meine Erfahrung ist, dass Menschen in unterschiedlichen Stoffwechsel- oder Konditionszuständen unerschiedlich dunkles Blut haben. Und das “Blau” käme hier dann so zustande, das das Blut immer dunkler werden kann, bis ins Violette hinein, wo das Blau dann ins Spiel kommt.

    So würde ein Mensch, der gerade einen Maraton lief, und damit sozusagen einem hohen Sauerstoffbedarf über das Blut aufnahm, mit sehr dunklem Blut gesegnet. Weil es durch den Organismus eben seines Sauerstoffs mehr, als im “Normalbetrieb” des Körpers entzogen wird.

    Aber es ginge rein Theoretisch auch ohne Maraton oder anderer körperlicher Leistung:
    Nämlich, indem man das Gehirn dazu bringt, selbst einen sehr hohen Sauerstoffbedarf über Blut zu verbrauchen. Da sginge etwa mit Nervengiften, die eine unnatürlich hohe Transmittersättigung einstellen.

    Das Gehirn soll ja schon im allgemeinen Normabetrieb 20 % des Gesamtenergieumsatzes verbrauchen.
    Was aber, wenn das Gehirn in bestimmten Zuständen 50 % und mehr verbraucht?

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man allzu leicht dazu neigt, scheinbar schlüssige Erklärungen vorschnell als Wahrheit anzuerkennen, obwohl dazu, wie im Falle des Wiki-Artikels, kaum hinreichende Beweise für die Aussage vorliegen.
    Es liegt auch daran, dass man gewisse Wahrheiten allerliest gar nicht wissen will. Oder meint, hier brauche es keine bessere Wahrheit, weil die eine ja hinreichend wäre.

    Solcherart zieht sich durch alle Wissensbereiche der Moderne. Und es ist einfach, die leichtfertigen Wahrheiten aufrecht zu erhalten, weil niemand nach besseren Wahrheiten fragt. Es “funktioniert” hinreichend, stellt aber nicht die konkrete Wahrheit dar.

    Das ist auch so eine “Tradition”… einmal etablierte Wahrheiten als ewige Wahrheiten zu erkennen. Und damit die Evolution des Wissens ohne Not verhindert.

  15. #15 MemoST
    24. Oktober 2018

    Und da gibts, was das Durchscheinen angeht, noch eine andere Erklärung:

    Bei manchen Menschen sind die Adern so ausgeprägt sichtbar, weil sie auch die Haut nach Aussen dehnen.
    Andre hingegen, die man nicht unbedingt Dick nennen kann, haben Adern/Blutgefäße, die man gar nicht sieht, weil sie tief unter der Haut sind.
    Warum das so ist, wäre mal eine weitere Überlegung wert, wieso man “Blaublütigkeit” in einer (womöglich auch abgewandelten Weise) als Bedeutung kennt/kannte.

    Siehe Sportler, die ihrem Körper große Leistungen abfordern: di ehaben deutlich sichtbare Gefäße. Und zwar selbst noch, wenn sie ruhen.

    Bei mir war das früher auch so. Egal, ob ich mich gerade verausgabt habe, oder nicht, meine Gefäße
    waren immer gut zu sehen. Und wenn dich nicht, dann half das typische “Pumpen” mit der Faust.
    Waren…leider. Denn inzwischen hat der Arzt Probleme, ein Gefäß zur Blutabnahme zu finden.

    Wäre es also möglich, das derart “blaublütige”, deren Gefäße deutlichst sichtbar sind, nicht deswegen, weil sie helle Haut hatten, sondern weil sie eh die Haut an der Stelle verdrängten, deswegen “blaublütig” genannt wurden?

    Denn dann gibt es so gar keinen Zweifel an dem, was man über die Helle Haut un dem Durchscheinen sagt. Dann kann man auch braungebrannt sein, man sieht trotzdem leicht dunklere, bis blaue Gefäße.

    Vorraussetzung ist eben, dass der Körper in den besten Jahren seiner Leistungsfähigkeit ist.

    Und das Mittelalter war ja kein Zuckerschlecken. MNur der höchste Adlige würde wohl dem “Klischee” entsprechen, was auf der Wiki-Seite zum Wortpaar aufgeführt war. Und ein paar möchtegern-Adlige, die sich für Eliten hielten, die der Sonne nicht ausgesetzt werden dürfen.
    Ansonsten konnte man ja nur adlig werden, wenn man irgendwas herrausragendes leisten konnte. Und dazu war eben dieser spezielle Körper nötig, mit diesen deutlich sichtbaren Gefäßen. Alle anderen waren mehr Schein, anstatt Sein.

    Es ist nicht so, das alle “Bedeutung” immer auf die jeweils ranghöchsten Feudalherren (und Damen) zurück geht/ging.
    Ein Herrscher, oder Führer seines Volkes konnte man früher nur sein, wenn man eben zu großen Leistungen fähig war. Die Feudalisierung hat das dann aber, wie immer, tendenziel profanisiert und in ideologisch überhöhter Deutung ihrer Selbst wegen in der Dynamik eben immerzu anders gehalten, wie es vorher einmal gemeint war.

    Nur eine Helle Haut reicht also nicht aus, um das zu erklären.

  16. #16 MemoST
    24. Oktober 2018

    @ Justine Engel
    23. Oktober 2018

    Nur leider eben:
    Die Gefäße sind eben nur unter bestimmten Bedingungen sichtbar.

    Fragen sie mal einen Arzt, der immer Probleme bekommt bei der Blutabnahme.

    Und ihre Facharbeit ist abgesegnet worden? Trotzdem die Sachlage nicht hinreichend oder gar mit falschem Fazit beschrieben wurde?

  17. #17 MemoST
    24. Oktober 2018

    @ Captain E.
    24. Oktober 2018 #13

    Als der Italienurlaub hip wurde. In der Nachkriegszeit. Und das ist historisch belegt: Vorher fuhren die Menschen in den Süden, wenn es hierzulande kalt war. Heute? In den Sommerferien. Man muß sowieso fragen, ob das nicht irgendwie seltsam ist. Ob die Menschen heute da nicht etwas fundamental logisches einfach falsch verstehen.

    Nicht alles, was nach den Kriegen stattfindet/fand und Realität war/ist, macht Sinn.

  18. #18 Roland B.
    24. Oktober 2018

    Stammt der Begriff denn überhaupt aus dem Mittelalter? Ich denke eher nicht, denn damals waren sicher auch die meisten Adeligen noch nicht so komfortabel untergebracht, nicht so vor dem bösen Draussen geschützt. Ich tippe eher auf ein Auftreten des Begriffs so ab (späten) dem Barock mit all dem höfischen Zeremoniell. Vorher wäre mir auch keine Quelle bekannt (okay, das sagt wenig), die die vornehme Blässe als wichtig darstellt zur Unterscheidung vom gemeinen Volk.

  19. #19 häh?
    26. Oktober 2018

    @MemoST

    Aber dein Gedanken- und Vorstellungsgeschwurbel soll dann überzeugend sein? Du weißt ja selbst nicht, wo du hinwillst, nur, dass die Wikipediaerklärung ganzganz bestimmt falsch ist.

  20. #20 MemoST
    27. Oktober 2018

    @ häh?
    26. Oktober 2018

    Bist du weißer Hautfarbe?

    Und hast du schon deine Arme angesehen und die Gefäße auf anhieb gesehen?

    Aber Wikipedia sagt die reine Wahrheit. Nur, weil es da steht. (und deswegen viele glauben).

    Als Beispiel, wie Überlieferungen mit der Zeit ihren Kontext und Inhaltszenarien verändern, kann man ohne Probleme die Bibel nehmen. Viele halten die Bibel für ein “Original”, in dem Sinne, das dort die beschriebenen Szenerien erstmals so aufgeschrieben wurden.
    Aber das ist nicht der Fall. In einigen Details der Bibel kann man vorläufer in anderen kulturen finden, die aber nicht genau die gleiche Erzählung schreiben, sondern eine ähnliche Geschichte, die in anderen Zusammenhängen anders beschrieben wird. Aber letztlich grob wesensgleich sind.
    Leider ist die Detailverliebtheit der modernen Forschung an solchen Gegenständen wegen der augenscheinlichen “Ungleichheit” der Erzählung” dann der Meinung, das Eine hätte mit dem Anderen nichts zu tun. Der Vergleich fällt dann im Ansatz schon aus. Und auch das Erkennen von Wesensgleichheit oder anderer Ähnlichkeiten werden nicht wahrgenommen.

    Ausserdem besteht das Problem der “Ideologie”, worunter im Fall der Bibel eben die christliche Theologie gemeint ist.

    Innerhalb der Theologie wird man nicht von selbst seine Herkunft in andere Kulturen verweisen…weil dort ja Jesus das Highlight und Sternpunkt allen Heils sei, von dem die Jünger dann ja ausführlich im Sinne eines “Ursprungs” berichtet haben.

    Das hesist, dass, wenn irgendwo einst in historischen Dokumenten, von “blauem Blut” die Rede ist und der Kontext also so dargestellt wird, wie man ihn jetzt bei der Wikipedia lesen kann, dann heisst das nicht, dass es keine Vorläuferform der Deutung von “Blaublütigen” gegeben hat.

    Und wie wir wissen, gab es im Frühmittelalter leider nicht besonders viele Überlieferungen schriftlicher Art. In der Entstehungszeit ist der Entstehungsweg also unklar. Nur das späte, schon uminterpretierte, Resultat ist in Etwa bekannt (als Szenerie, wie sie in der Wikipedia steht).

    @ Roland B.
    24. Oktober 2018 #18

    Zitat:
    Vorher wäre mir auch keine Quelle bekannt (okay, das sagt wenig), die die vornehme Blässe als wichtig darstellt zur Unterscheidung vom gemeinen Volk.

    -> Das ist dann auch eine Frage. Was war damit wirklich gemeint? Wenn in die Region Kastilien verwiesen wird, zur Zeit von Al-Andalus, dann ist es klassischer Rassimus und nicht “noble Blässe” wegen Sonnenentzug.
    Selbst das scheint nicht eindeutig zu sein.
    Oder entwickelte, wie ich oben beschrieben habe, mit der Zeit und den Veränderungen, sich eben weiter in einen anderen Kontext.
    Falls es erst der rassistische Aspekt gewesen war, dann später die Schattenblässe, dann ist das eine Art der “Überkultivierung” gewisser Traditionen oder historischer Vergangenheiten.

    Aber nur, weil uns heute beide Szenerien immernoch oder erst recht bewegen und aufregen, heisst das nicht, dass es damals auch so war. Oder das es damals überhaupt irgendwas von beiden war.

    Sondern eher das, was ich oben beschrieb: die herrausragende Fitness eines Menschen, die sich auch dadurch zeigt, dass die Gefäße deutlich aus der Haut rausragen, anstatt unsichtbar tief in ihr eingebettet zu sein, wei bei vielen modernen “unfitten” Menschen (die es damals aber auch gegeben haben muß).

  21. #21 Jolly
    27. Oktober 2018

    @MemoST

    Vorab:

    1. Krampfadern sind nicht zwingend ein Zeichen von Fitness.
    2. Intellektuelle, bei denen das Gehirn zu Spitzenleistung fähig ist, geraten beim Denken selten in Atemnot.
    3. Für wahrscheinlich halte ich es, dass bei vielen Menschen auch bei Spitzenlast nicht einmal die erwähnten 20% Energieumsatz auf das Gehirn entfallen.
    4. Adel ist nicht per se leistungsfähig und für Führung geeignet.
    5. Rotes Blut ist nicht blau. (Manche vermuten, es sei grün.)

    Und ihre Facharbeit ist abgesegnet worden? Trotzdem die Sachlage nicht hinreichend oder gar mit falschem Fazit beschrieben wurde?

    Nein, die Facharbeit wurde nicht abgesegnet. Im Übrigen wurde keine Facharbeit angenommen und es werden in Zukunft auch keine mehr akzeptiert werden. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass im Internet sich für alle Aussagen – beileibe nicht nur solche, die Randaspekte einer Arbeit betreffen – jemand finden lässt, der, oft unter Aufstellung eigener spekulativer Theorien, deren Richtigkeit bezweifelt. (Auch das wird bezweifelt.)

  22. #22 MemoST
    27. Oktober 2018

    @ Jolly
    27. Oktober 2018 #21

    Krampfadern? Und der Rest des Kommentars: reiner Affekt, anstatt auch nur irgendwas nachgedacht.

    Sind das “Krampfadern”:
    https://www.stern.de/sport/tour-de-france–so-sehen-radfahrerbeine-nach-fast-drei-wochen-dauerstrapazen-aus-7544460.html

    zu 3.:
    Was ist mit Kindern, die erschrocken und plötzlich in Angst versetzt werden? Bei denen geht die Atemfrequenz hoch. Und das ist nicht nur ein Affekt des Nervensystems, sondern Folge der schlagartig ansteigenden Energieumsatzes des Gehirns, welches schlagartig eine globale Neuroaktivität zu verarbeiten hat.

    Zu 1.:
    Intellektuelle Fähigkeiten sind kein Maßstab für die Höphe neurologischer Aktivität. Ganz im Gegenteil. Wer nur eins denkt, und nichts weiter, hat erwartbar sehr geringe Neuroaktivität.
    Soweit ich das in Erinnerungen habe, hat man das bei Autisten erkennen können: deren neurologische Aktivität ist in den speziellen Messituationen viel geringer, als erwartbar / beim Normalmensch zu erwarten. Autisten sind ein Spezialfall, aber trotzdem ein Hinweis auf die bisher falsche Sichtweise aufs Gehirn.

    Wer intellektuelle Hochleistungen als Maß für die Höhe neuronaler Aktivität erkennt, hat so gar keine Ahnung von den Gehirnfunktionen.

    zu 4.:
    Habe ich auch nicht gesagt. Im Gegenteil wollte ich mit dem Adjektiv “überkultiviert” andeuten, dass alles nur Show ist – meistens. In der Überkultivierung werden nämlich immer Details weggelassen (wenn man sie nicht leisten kann oder sonstwie ..), aber dafür andere überbetont. Heute nennt man solches dann eher “ideologische” Überbetonung oder so.

    zu 5.:
    Lassen sie ihren Affekten ruhig freien Lauf. sowas tut ja gut. Aber warum ausgerechnet an mir?
    Weil ich durch ihre Argumente vollkommener und sachlichster Art leicht in meine Schranken zu weisen bin? Ist das so? Also die (guten?) Argumente, die sie aufzählten. Sind die gut?

    Kann es sein, dass sie eine tief sitzende autoritäre Charakterstruktur in sich verbergen wollen, das nur aber so gar nicht funktioniert?

  23. #23 Jolly
    28. Oktober 2018

    @MemoST

    6. Die beim Erschrecken mittels Adrenalin kurzfristig bereitgestellte Energie dient nicht primär der Versorgung des Gehirns.

    “Krampfadern”

    Schönes Bild.

    Wenn sie den Unsinn in einigen meiner Behauptungen erkennen können, sollte es ihnen bei den eigenen auch möglich sein.

    Bevor hier noch Blut fließt, nehmen wir uns doch ein Beispiel am Blog-Text, gut recherchiert, theoretisch fundiert und experimentell abgesichert.

    Ich wünsche ihnen einen gesegneten Sonntag.