SG_LogoDas ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video.

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Sternengeschichten Folge 330: Migrationsmeteoriten

Der älteste Stein der Erde liegt auf dem Mond. Beziehungsweise jetzt nicht mehr, weil wir ihn von dort wieder zurück auf die Erde gebracht haben. Allerdings ohne es zu wissen. Die ganze Geschichte ist ein klein wenig kompliziert.

Am 31. Januar 1971 startete die Apollo-14-Mission der NASA zum Mond. Die Astronauten Alan Shepard, Edgar Mitchell und Stuart Roosa machten sich auf den Weg zum Mond und landeten dort am 5. Februar. Mehr als 9 Stunden verbrachten sie insgesamt auf der Oberfläche des Mondes und führten dort jede Menge wissenschaftliche Experimente durch. Sie installierten Geräte die Mondbeben messen sollten, Experimente zur Erforschung des Sonnenwinds und der kaum vorhandenen Mondatmosphäre. Und sie sammelten dort 42,9 Kg Mondgestein.

Alan Shepard am Mond (Bild: NASA)

Von diesen Steinen versprach man sich besonders interessante Informationen. Der Landeplatz der Raumfähre lag in der sogenannten Fra-Mauro-Formation und unmittelbarer Nähe des Cone-Krater. Diese Gegend interessierte die Wissenschaftler, weil sie 500 Kilometer vom Mare Imbrium entfernt lag. Dabei handelt es sich um ein enormes, 1300 Kilometer großes Becken, das vor ungefähr 3,9 Milliarden Jahren durch den Einschlag eines riesigen Asteroiden entstanden ist. Man kann es auch mit freiem Auge als dunklen Fleck in der nördlichen Hälfte des Mondes sehen. Und dunkel ist es deswegen, weil bei diesem Einschlag riesige Mengen an geschmolzenem Gestein aus dem Inneren des Mondes an die Oberfläche gelang sind. Die dunkle Mondlava dieses und anderer Ereignisse anderswo auf dem Mond bildete heute die dunklen Flecken, die wir “Meere” nennen. Das Mare Imbrium war das letzte große Meer, das entstanden ist. Danach ging es ein wenig ruhiger zu auf dem Mond, es gab keine großen Einschläge mehr und die letzte Phase der Mondentstehung war abgeschlossen.

Bei der Entstehung des Mare Imbrium wurde mit Sicherheit auch viel Gestein aus den tieferen Schichten des Mondes in alle Richtungen geschleudert. Zum Beispiel auch in die 500 Kilomter entfernte Fra-Mauro-Formation, weswegen Apollo 14 dort landete um genau solche an die Oberfläche gelangten Tiefengesteine zu suchen. Und den Cone-Krater suchte man sich aus, weil es sich um einen recht jungen Krater handelte. Das ganze Zeug; der ganze Staub der sich seit der Entstehung des Mare Imbrium über die Mondoberfläche gelegt und die interessanten Schichten verdeckt hat, war bei diesem Einschlag durchbrochen worden.

Einer der Steine die die Astronauten vom Mond mit zur Erde brachte, stammte vom Rand dieses Kraters. Es ist ein unregelmäßig geformtes Stück, ungefähr 23 Zentimeter groß und neun Kilogramm schwer. Es trägt die offizielle Bezeichnung “Apollo 14 breccia 14321” und den inoffiziellen Spitznamen “Big Bertha”. Eine Brekzie ist ein Gestein, das aus verschiedenen Gesteinstrümmern besteht, die durch eine feine Gesteinsmasse quasi zusammenklebt sind. Die meisten der Trümmer sind dunkel, aber ein kleines Stück sticht durch seine helle Farbe heraus. Es hat so ausgesehen, als würde es da eigentlich nicht dazu gehören und ob das wirklich so war, haben Jeremy Bellucci vom Schwedischen Naturhistorischen Museum und seine Kollegen untersucht.

Big Bertha: Schaut unverdächtig aus, ist es aber nicht! (Bild: NASA)

Das nur zwei Gramm leichte Stück hellen Gesteins bestand aus Quartz, Feldspat und Zirkon. Das sind Gesteinsarten, die man auf der Erde sehr häufig findet und auf dem Mond eher selten. Ihre Analyse ergab zwei mögliche Arten, wie das Ding entstanden sein konnte. In seiner speziellen Zusammensetzung und kristallinen Struktur kann es sich nur in einer Region tief unter der Mondoberfläche gebildet haben. 170 Kilometer tief, im Mantel des Mondes – nur dort würde der nötige Druck herrschen um das Gestein so zu formen wie es geformt wurde. Allerdings wäre das enorm überraschend. Denn so tief im Mantel des Mondes entstehen normalerweise keine Gesteine aus Quarz und Feldspat. Und da ist es auch eigentlich viel zu heiß als dass sich ein Material wie Zirkon bilden hätte können. Und: So tief ist nicht mal der Asteroid eingedrungen, der damals das Mare Imbrium geschaffen hat. Wie soll das Zeug dann von da unten an die Oberfläche des Mondes kommen?

Die Struktur des Gesteins passt allerdings wunderbar zu den Bedingungen die auf der jungen Erde geherrscht haben. Dort kann so ein Gestein wie das aus der Apollo-Probe in einer wasserreichen Umgebung bei Temperaturen und Drücken entstanden sein, die in nur 19 Kilometer Tiefe herrschen. Also in genau der Region in der man auf der Erde die Entstehung solcher Gesteine erwarten würde. Der seltsame Stein passt viel besser zur Erde als zum Mond; wäre er auf der Erde entstanden, dann gäbe es keine seltsamen Widersprüche wenn man mal davon absieht, dass man das Ding eben auf dem Mond entdeckt hat und nicht auf der Erde.

Besonders interessant war die Untersuchung des Zirkons. Dieses Mineral enthält auch immer geringe Spuren von radioaktiven Elementen wie Uran oder Thorium. Aus der bekannten Rate ihres Zerfalls und den noch vorhandenen Mengen dieser Elemente und den Mengen ihrer Zerfallsprodukte kann man das Alter solcher Gesteine recht genau bestimmen. 4,011 Milliarden Jahre alt ist der Stein, lautete das Ergebnis in diesem Fall. Das ist wirklich alt; immerhin ist die Erde selbst erst vor 4,5 Milliarden Jahren entstanden.

Auch hier bei uns haben wir schon extrem alte Zirkone gefunden. Die ältesten sind 4,4 Milliarden Jahre alt, stammen also wirklich aus der Zeit unmittelbar nach der Entstehung der Erde. Hier sind aber quasi nur noch die Zirkone selbst original. Das sie ursprünglich umgebende Gestein wurde im Laufe der Zeit zerstört und die Zirkone in andere und jüngere Gesteine eingebettet. Die Zirkone vom Mond befinden sich aber immer noch in ihrem ursprünglichen Gestein. Und der dort gefundene Brocken wäre demnach der älteste Stein der Erde.

Was aber macht das Ding auf dem Mond? Es könnte so abgelaufen sein: Der Stein ist in der Kruste der jungen Erde entstanden, vor 4,011 Milliarden Jahren. Dann schlug dort ein Asteroid ein – etwas was zu dieser Zeit noch viel häufiger stattfand als heute. Damals war gerade die Phase des “Late Heavy Bombardements”, über das ich in Folge 68 der Sternengeschichten mehr erzählt habe. Damals schlugen viel mehr Asteroiden auf Erde und Mond ein als davor oder danach und bei einem dieser Einschläge könnte Material von der Erde so weit empor geschleudert worden sein, dass es im Weltall gelandet ist. Ein Teil davon fliegt dort vielleicht heute noch herum. Ein Teil wird irgendwann wieder auf der Erde gelandet sein. Und ein Teil kann auch bis zum Mond gelangt und dort eingeschlagen sein. So ist unser Stein von der Erde auf dem Mond gelangt. Dort ist er dann bei anderen Einschlägen zuerst unter die Oberfläche gelangt, dann wieder herausgeschleudert worden und schließlich am Rand des Cone-Kraters gelandet, wo er dann am am 6. Februar 1971 von Alan Shepard aufgesammelt wurde.

“Hier ist ein football-großer Stein (…) Er sieht so aus als gehört er zu den in dieser Gegend am weitesten verbreiteten Gesteinen.” sagt Shepard, während ihm sein Kollege Ed Mitchell dabei hilft, den schweren Stein aufzusammeln. Am 9. Februar 1971 landete der Stein dann gemeinsam mit den Astronauten wieder auf der Erde. Nach mehr als 4 Milliarden Jahren ist ein kleines Stück Erde nach einem langen Ausflug wieder zurück an den Ort seiner Geburt gekommen.

Es war natürlich ein enormer Zufall, dass die Apollo-Astronauten gerade dieses Stück vom Mond aufgesammelt haben. Immerhin war eines der wichtigsten Ziele der ganzen Mission ja das Sammeln von MONDgestein. Damit, dass man dabei ein Stück von der Erde erwischt, konnte niemand rechnen. Andererseits wollte man durch das Mondgestein ja die Entstehungsgeschichte des Mondes besser verstehen. Und das ist mit diesem speziellen Stück Fels durchaus gelungen. Erde und Mond gehören zusammen; sie haben eine gemeinsame Geschichte und “Big Bertha” zeigt uns, wie eng verknüpft ihre Vergangenheit war. Auf der Erde haben wir ja schon einige Mondmeteoriten gefunden, also Gestein vom Mond das von Einschlägen dort auf die Erde geschleudert wurde. Und es wird neben Big Bertha sicherlich noch weitere Erdmeteoriten auf dem Mond geben. Ob man in den 382 Kilogramm an Material, dass die Apollo-Missionen insgesamt eingesammelt haben, noch weitere Stücke von der Erde findet, muss sich noch zeigen. Aber auf dem Mond gibt es sicher noch etwas und wir sollten uns auf die Suche danach machen.

Denn wenn wir die Geschichte der Erde und ihre Entstehung verstehen wollen, dann brauchen wir Gestein aus ihrer Anfangszeit. Hier bei uns ist das durch die geologischen und tektonischen Prozesse weitestgehend zerstört worden. Aber auf dem Mond könnte es gut konserviert auf uns und unsere Forschung warten.

Zurück mit dir zum Mars du Meteorit! (Bild: NASA/JPL-Caltech)

Wie viele Erdmeteorite wir in Zukunft wieder zurück nach Hause bringen können, wird sich noch zeigen. Eine ganz andere meteoritische Rückführung wird aber im Jahr 2020 stattfinden. Da schickt die NASA ihren “Mars 2020”-Rover auf unseren Nachbarplaneten. Der soll dort unter anderem Marsgestein einsammeln und wird auch ein Experiment mit an Bord haben, das den schönen Namen SHERLOC trägt. Das steht für “Scanning Habitable Environments with Raman & Luminescence for Organics and Chemicals”, dient zur exakten chemischen Analyse von Gesteinen und benützt dafür einen Laser. Der muss vor seinen Einsätzen entsprechend kallibriert werden und das an einem Stück Stein, dessen Eigenschaften nicht nur vorab schon sehr genau bekannt sein müssen, sondern das auch dem echten Marsgestein möglichst ähnlich ist. Warum also nicht gleich echtes Marsgestein verwenden, dachte sich die NASA und hat sich ein Stück eines Marsmeteoriten besorgt. Denn auch die gibt es hier auf der Erde: Felsbrocken vom Mars, die dort bei längst vergangenen Einschlägen ins All geschleudert wurden, dann durchs All flogen und irgendwann bei uns auf der Erde gelandet sind.

In diesem Fall haben sie SaU008 verwendet, einen Meteroiten den man 1999 in der Wüste von Oman entdeckt hat. Und der nun wieder zurück nach Hause kommt. Big Bertha und SaU008 sind ja nur Steine. Aber es wäre trotzdem irgendwie interessant zu wissen, was sie von all dem halten. Freuen sie sich, dass sie wieder auf ihre Heimatplaneten kommen? Oder denken sie sich vielleicht: “Verdammt! Jetzt bin ich so lange durchs Weltall geflogen um einen anderen Himmelskörper zu erreichen und dann kommen irgendwelche Typen und schleppen mich wieder dorthin, wo ich angefangen habe!”

Kommentare (22)

  1. #1 Captain E.
    22. März 2019

    Das ist echt verrückt, dass die Astronauten damals tatsächlich einen Erdmeteoriten auf der Oberfläche des Mondes eingesammelt haben. Genauso irre ist es, was man alles aus den Missionen gelernt hat, und das bis in die heutigen Tage.

    Übrigens: Stuart Roosa ist natürlich mit Apollo 14 zum Mond geflogen, aber er selber ist niemals auf der Mondoberfläche gewesen.

  2. #2 Jürgen Lutz
    22. März 2019

    Hallo,

    eine Frage ist mir beim lesen aufgefallen.

    ” … Man kann es auch mit freiem Auge als dunklen Fleck in der nördlichen Hälfte des Mondes sehen. …”

    Wo ist beim Mond Norden? Einfach nur oben weil wir es so gewohnt sind? Kompass ?

    Jürgen

  3. #3 Zhar
    22. März 2019

    Mondachse und Erdachse zeigen grob in die gleiche Richtung, wäre damit sinnvoll Mondnorden (an der Mondachse) in die Richtung zu legen die unserem Norden nahe kommt. Dann sind von Außen gesehen beide Nordens (Nordi?) “oben”. Magnetisch ist auf dem Mond sowieso eher nicht so viel los.

  4. #4 pederm
    22. März 2019

    Korrigiert mich, aber ich denke, der Nordpol ist derjenige, auf den man von außen schaut, wenn man den Himmelskörper sich gegen den Uhrzeigersinn drehen sieht. Da der Mond um ungefähr parallele Achse im gleichen Sinn rotiert, wie die Erde, ist sein Nordpol von uns aus (Nordhalbkugel der Erde) gesehen oben. Right?

  5. #5 Philipp
    22. März 2019

    Hier https://de.wikipedia.org/wiki/Pol_(Geographie)#Pole_von_Himmelsk%C3%B6rpern steht

    Für die Planeten und Monde des Sonnensystems gilt entsprechend einer Konvention der IAU von 1970 jener Pol eines Himmelskörpers als Nordpol, der in Richtung des Gesamtdrehimpulses des Sonnensystems liegt.

  6. #6 Spritkopf
    22. März 2019

    9 kg ist ja nicht allzuviel, speziell dann, wenn man sie bei Mondgravitation aufsammeln muss. Nur halt im Raumanzug.

    Erinnert mich daran, dass ich vor einiger Zeit einen Steinbrocken mit 21 kg im freien Gelände aufgesammelt und mit nach Hause genommen habe. Leider bei Erdgravitation (ächz).

  7. #7 bote19
    23. März 2019

    Schon der Titel “Migrationsmeteorit” verlangt nach der “Migrationsantwort”.
    Nachdem wir jetzt wissen, wie sehr Erde und Mond miteinander gekoppelt sind und dass wir auf der Erde Mondgestein finden können, so können wir in absehbarer Zukunft auf dem Mond Weltraumschrott finden. Ich meine jetzt damit nicht die Hinterlassenschaften der Mondmissionen auf dessen Oberfläche, sondern dass sich der Weltraumschrott , der um die Erde kreist, auch langsam , wie der Mond, auch mit 3,4 cm pro Jahr von der Erde entfernt.
    Jetzt die Frage: Da der Weltraumschrott andere Bahnen beschreitet, könnte es doch sein, dass , wenn der Mond in Erdnähe ist, der Müll in den Anziehungsbereich des Mondes gerät ? (Keine Angst, ich bin nicht von der Mülllobby)

  8. #8 tomW
    23. März 2019

    @bote
    Dazu hat Curious Droid (ein sehr empfehlenswerter Youtube Kanal) ein Video heraus gebracht. Wenn Ihr Englisch ausreichend ist, wird Ihnen dort Antwort gegeben.

  9. #9 Florian Freistetter
    23. März 2019

    @bote19: ” sondern dass sich der Weltraumschrott , der um die Erde kreist, auch langsam , wie der Mond, auch mit 3,4 cm pro Jahr von der Erde entfernt.”

    Tut er nicht. Er kommt der Erde immer näher. Der Weltraumschrott stammt aus ein paar 100 km Entfernung von der Erde; der Mond ist fast 400.000 km entfernt. Das Zeug aus der Erdumlaufbahn landet irgendwann wieder auf der Erde.

  10. #10 Florian Freistetter
    23. März 2019

    P.S: Über Weltraumschrott hab ich hier im Blog schon sehr viel geschrieben: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/tag/weltraumschrott/

  11. #11 bote19
    23. März 2019

    Florian Freistetter, TomW
    Danke für das gute Viedeo.
    der Müll in erdnaher Umlaufbahn, der durch die Atmosphäre abgebremst wird ist nicht gemeint. Mir geht es darum, dass jeder Satellit, der auf dem Planeten oder Sonne eine Gezeitenreibung verursacht, den Drehimpuls dieses Planeten verringert bzw. seine eigene Umlaufbahn verlängert.
    Wenn also so ein Raketenteil, im Abstand von 10 000 km die Erde umkreist und am erdnahesten Punkt auch nicht in die Nähe der Atmosphäre kommt,, dann würde er in 1000 Jahren bereits 30 m weiter sein, in 1 Mio Jahren 30 km und in 1 Mrd. Jahren 30 000 km.

    Also irgendwann in langer Zukunft wird aus dem Schrott ein künstlicher Asteroid.

  12. #12 Florian Freistetter
    23. März 2019

    @bote19: Du überschätzt diesen Effekt massiv und auch die Zeitskalen. Das bisschen Schrott hat einen vernachlässigbaren Effekt auf die Rotation der Erde. Der Mond entfernt sich, weil er DER MOND ist und ausreichend viel Gravitation auf die Erde ausüben kann um Gezeiten zu erzeugen. Hast du schon mal Ebbe und Flut erlebt, die von Weltraummüll verursacht worden sind? Der Schrott fällt entweder durch die Reibung mit der Restatmosphäre auf die Erde zurück. Oder bleibt im Orbit.

  13. #13 bote19
    23. März 2019

    FF
    die kleinen Wellen im Stillen Ozean rühren daher. (kleiner Spaß)
    OT Mir geht es darum, dass Alles mit Allem zusammenhängt.
    Die Planeten unseres Sonnensystems müssten ja auch den Drehimpuls der Sonne verringern und die Planeten langsam aber sicher nach außen driften.
    Und wenn sich dann die Sonne beginnt auszudehen, dann wird sie noch mehr Drehimpuls auf die sie umkreisenden Planeten abgeben. Gibt es dazu schon Überlegungen. (Ich will nur die Erde von dem vorausgesagten Wärmetod bewahren)

  14. #14 Florian Freistetter
    23. März 2019

    @bote19: “Gibt es dazu schon Überlegungen. “

    Hier: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/01/19/das-schicksal-der-planeten-nach-dem-tod-der-sonne/

    “Mir geht es darum, dass Alles mit Allem zusammenhängt.”

    Mag sein. Aber nicht alles hat auf alles einen relevanten Effekt. Wenn ich zB um meinen Schreibtisch laufe, erzeuge ich Gravitationswellen. Dadurch verringert sich meine Masse. Als Diät ist das aber trotzdem nicht geeignet…

  15. #15 bote19
    23. März 2019

    Florian Freistetter,
    Dein Kommentatorkollege Thilo beschäftigt sich gerade mit der Signifikanz. Und wenn du deinen Tisch , geschätzter Umfang = 5m 1000 x umrundest, dann brauchst du abends schon nicht mehr zu joggen.
    Auf bäurisch: Kleinvieh macht auch Mist.

  16. #16 Florian Freistetter
    23. März 2019

    “Dein Kommentatorkollege Thilo beschäftigt sich gerade mit der Signifikanz”

    Da gehts um mathematische Signifikanz, was wieder ne ganze andere Baustelle ist.
    Mir gehts um was, was doch eigentlich sehr simpel zu verstehen ist: Auch wennn “alles mit allem” zusammenhängen mag, muss das deswegen noch lange keine Auswirkung haben. Die Gravitationskraft die ich zum Beispiel auf die Sonne ausübe ist unzweifelhaft vorhanden und größer als null. Ebenso unzweifelhaft verändert sich dadurch die Bewegeung der Sonne. Trotzdem ist dieser Effekt komplett irrelevant für das Universum. Genau so wie es die “Gezeitenreibung” für den Weltraummüll ist. Oder die Expansion der Sonne…

  17. #17 Alderamin
    23. März 2019

    @bote19, Florian

    Außerdem wäre der Effekt für alles, was die Erde schneller als an einem Tag umkreist, genau umgekehrt, es würde der Erde näher kommen. Und Bahnen, die außerhalb der geostationären liegen, wo die Umlaufzeit gerade exakt ein Tag ist, gibt es fast gar keine.

    Aber bei Satelliten spielt dieser Effekt keine Rolle. Tatsächlich wirken aber andere Effekte, wie der Jarkowski-Effekt, tatsächlich nach außen, der Luftwiderstand nach innen.

    Was aus den Satelliten wird, darüber habe ich mal einen ausführlichen Artikel geschrieben:

    http://scienceblogs.de/alpha-cephei/2018/04/27/das-schicksel-der-kuenstlichen-satelliten/

  18. #18 bote19
    23. März 2019

    Alderamin
    Dein Link ist sehr spannend und so gefällt mir die Astrophysik.
    Was ganz konkret den Weltraumschrott außerhalb der Exospäre angeht, da ging ich davon aus, dass der Mond schon den Drehimpuls der Erde verringert und der Müll auch sich mit 3,8cm pro Jahr von der Erde entfernt.
    Nochmal zur Sonne. Alle Planeten zusammen müssten doch den Drehimpuls der Sonne verringern, sich also von der Sonne entfernen und die Migrationsmeteoriten, wenn sie sich nicht zwischen Erde und Mond entscheiden können, immer größere Ellipsen ziehen.

  19. #19 Florian Freistetter
    23. März 2019

    @bote19: “da ging ich davon aus, dass der Mond schon den Drehimpuls der Erde verringert und der Müll auch sich mit 3,8cm pro Jahr von der Erde entfernt.”

    Es entfernt sich aber eben nicht ALLES mit 3,8cm von der Erde. Sondern NUR der Mond. Weil NUR zwischen Mond und Erde die Gezeitenreibung so stark wirkt, dass das passiert. Zwischen Müll und Erde (oder Mond) gibts den Effekt nicht. Weil der Müll halt Müll ist und kein 3500 km großer Felsbrocken…

    “Alle Planeten zusammen müssten doch den Drehimpuls der Sonne verringern, sich also von der Sonne entfernen und die Migrationsmeteoriten, wenn sie sich nicht zwischen Erde und Mond entscheiden können, immer größere Ellipsen ziehen.”

    Ja. Aber das ist ja genau das, was ich dir die ganze zu vermitteln versuche. Der Effekt existiert. Aber ER IST WINZIG. Nicht einfach nur klein, sondern so enorm gering, dass er keine relevanten Auswirkungen hat! Nur weil ein Effekt existiert, muss er noch lange nicht relevant sein. Noch ein Beispiel: Die Erde verliert pro Tag 260 Tonnen ihrer Atmosphäre ins All. Dadurch ändert sich ihre Masse. Das passiert tatsächlich. Ist aber angesichts der gesamten Masse der Atmosphäre bzw. der Erde vernachlässigbar (http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2015/03/30/wird-die-erde-durch-meteoriteneinschlaege-im-laufe-der-zeit-immer-schwerer/)

  20. #20 pederm
    23. März 2019

    @Phillip
    Gleich Quelle: “Diese Konvention wurde nicht immer berücksichtigt, insbesondere bei Körpern, deren Rotationsachse erheblichen säkularen Schwankungen unterliegt wie Asteroiden und speziell Kometen. Bei diesen wurde häufig unabhängig von der Richtung der Pol mit Rotation gegen den Uhrzeigersinn als Nordpol bezeichnet.” Das ist also offensichtlich inkonsisten und zudem außerhalb des Sonnensystems gar nicht anwendbar. Blöd!
    Aber bez. des Erdmondes egal, der bewegt sich ja nicht retrograd, sondern im gleichen Drehsinn wie die Erde.

  21. #21 bote19
    23. März 2019

    Florian Freistetter
    Danke für die ausführliche Antwort.
    Letzte Frage: Wenn sich der Mond von der Erde entfernt, dann wird das Baryzentrum nach außen wandern und irgendwann wird der Schwerpunkt zwischen Erde und Mond nicht mehr innerhalb der Erde liegen, sondern außerhalb. Dann wird die lunare Bahnstörung noch größer.

  22. #22 Dietmar Steinhaus
    23. März 2019

    Dann wird die lunare Bahnstörung noch größer.

    Der gravitative Einfluss des Mondes nimmt aber ab, je weiter er sich entfernt.