Astronomie ist wichtig. Gut, es ist nicht überraschend das hier zu lesen. Ich bin Astronom und ich schreibe hier fast täglich über Astronomie. Aber Astronomie IST wichtig, nicht nur hier sondern überall und nicht nur für Astronomie-Fans sondern für alle. Wir brauchen die Astronomie vielleicht nicht unbedingt aus den gleichen Gründen wie etwa Medizin, Biologie, Physik oder Chemie. Diese Disziplinen treffen wir jeden Tag ganz direkt in unserem Alltag und sie sind die Grundlage unserer modernen Zivilisation. Aber nur weil die Astronomie keine konkreten Anwendungen hat und keine Produkte hervor bringt die man im nächsten Supermarkt kaufen kann, ist sie wichtig. Die Astronomie sagt uns etwas über die Welt in der wir leben. Die Astronomie bringt uns zum Staunen; sie hilft uns dabei die fundamentalen Fragen nach unserer Rolle im Universum oder dem Ursprung der Dinge zu beantworten. Die Astronomie zeigt uns ein Universum das ganz explizit nichts mit unserem normalen Alltag zu tun hat und genau deswegen ist sie so wichtig. Wir brauchen diesen Blick hinaus in den Kosmos ebenso wie wir etwa den Blick in die Fantasiewelten der Literaturbrauchen oder in die abstrakten Universen von Musik und Kunst. Es ist kein Wunder, dass die Astronomie als älteste Wissenschaft gilt. Seit es Menschen gibt, haben wir mit Staunen zum Himmel geblickt. Die Beschäftigung mit den Sternen gehört zu dem, was uns zu Menschen macht.

Zum Himmel schauen ist wichtig! (Bild: ESO/B. Tafreshi (twanight.org))

Astronomie ist wichtig. Und deswegen ist es schade, dass so viele Menschen so wenig darüber wissen. In der Schule kriegen wir eine halbwegs grundlegende Ausbildung in den restlichen Naturwissenschaften; die Astronomie taucht dort nur, wenn überhaupt, als Teil des Physikunterrichts auf und bei weitem nicht in dem Ausmaß, das dieser Disziplin angemessen ist. Nur in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern existiert die Astronomie noch als eigenes Schulfach (allerdings auch dort nur im Rahmen von einer Wochenstunde in der zehnten Klasse). Dieser Informationsmangel macht sich bemerkbar: Selbst so fundamentales Wissen wie etwa der Unterschied zwischen “Stern” und “Planet”, die Bedeutung von Wörtern wie “Galaxie” oder die Ausmaße und Struktur des Sonnensystems sind großen Teilen der Öffentlichkeit unbekannt.

Aber was muss man denn jetzt wissen über die Astronomie? Genau diese Frage hat sich die Internationale Astronomische Union (IAU) gestellt und kürzlich eine Broschüre publiziert in der die “Big Ideas in Astronomy” zusammengefasst sind. Das was dort aufgelistet ist, ist eine “proposed definition of astronomy literacy”: Also das, was die IAU als grundlegende astronomische Bildung ansieht die jeder Mensch besitzen sollte.

Die Broschüre ist als pdf-Datei frei verfügbar, allerdings derzeit nur auf englisch. Das ist natürlich ein wenig unpraktisch wenn es darum geht, das astronomische Wissen allen Menschen zur Verfügung zu stellen. Aber es wird mit Sicherheit demnächst Übersetzungen geben; vorerst soll die Community die ganze Sache erstmal begutachten und Vorschläge zur Verbesserung machen. Das ganze Dokument steht auch unter einer CC-BY 4.0 Lizenz; es kann also unter Angabe der entsprechenden Urheberschaft und Lizenzen frei verbreitet und modifiziert werden.

Hmm. Das Cover finde ich ein wenig altbacken. Sieht nach Lehrbuch aus und nicht nach “Big Ideas”… (Bild: IAU, CC-BY 4.0)

Insgesamt 11 “große Ideen” haben die Autorinnen und Autoren der IAU aufgelistet:

  • Astronomie ist einer der ältesten Wissenschaften in der Geschichte der Menschheit.
  • Astronomische Phänomene können von allen auch im täglichen Leben erfahren werden.
  • Der Nachthimmel ist dynamisch und vielfältig.
  • Astronomie ist die Wissenschaft die Himmelskörper und Phänomene im Universum erforscht.
  • Astronomie profitiert von technischen Entwicklungen und regt neue technische Entwicklungen an.
  • Kosmologie ist die Wissenschaft die das Universum in seiner Gesamtheit erforscht.
  • Wir alle leben auf einem kleinen Planeten der Teil des Sonnensystems ist.
  • Wir alle bestehen aus Sternenstaub.
  • Es gibt hunderte Milliarden Galaxien im Universum.
  • Wir sind vielleicht nicht alleine im Universum.
  • Wir müssen die Erde schützen; sie ist unser einziges Zuhause im Universum.

Das klingt natürlich alles vorerst sehr allgemein und ich bin mir auch nicht absolut sicher, ob ich die Auswahl selbst auch so getroffen habe. Die Sache mit den “technischen Entwicklungen” hätte ich persönlich zum Beispiel nicht unbedingt zu den 11 “großen Ideen” gezählt. Das ist zwar wichtig, aber jetzt nicht unbedingt das, was die Astronomie ausmacht. Das mit dem “Sternenstaub” ist ohne weitere Erklärungen eher unverständlich und was ein Stern überhaupt ist taucht in der Liste nicht auf obwohl ich das durchaus als fundamental für die Astronomie betrachten würde. Ebenso fundamental finde ich die Tatsache, dass unser Universum in der heutigen Form seinen Anfang in der Zeit vor 13,8 Milliarden Jahren gehabt hat (finde ich relevanter als eine Definition des Wortes “Kosmologie”) oder die Tatsache, dass die Astronomie in der Lage ist, solche (räumlich und zeitlich) weit entfernten Ereignisse und Phänomene wissenschaftlich, das heißt nachprüfbar zu erforschen.

Aber diese 11 Hauptpunkte sind ja nicht der komplette Inhalt der Broschüre. Überall gibt es Unterpunkte – insgesamt 96 – in denen die angesprochenen Themen weiter ausgeführt werden. Wenn ich das Dokument erstellt hätte, hätte ich die Punkte vielleicht anders gereiht und sortiert; hätte andere Überschriften für die “großen Ideen” gefunden – aber am Ende wäre vermutlich eine ähnliche Liste dabei heraus gekommen wie die der IAU. Ich kann allen Menschen die sich mit der Vermittlung von Astronomie an die Öffentlichkeit beschäftigen nur empfehlen, diese Broschüre zu lesen! Und zu überlegen, wie man diese Informationen in der Wissenschaftskommunikation unterbringen kann. Man wird natürlich nicht bei jedem Vortrag, in jedem Gespräch oder jedem Blogartikel alle 96 Punkte unterbringen können. Aber man bekommt einen guten Überblick darüber, was man bei der Kommunikation mit Menschen ohne jegliche astronomische Vorbildung beachten und betrachten kann.

Ich habe mir schon oft überlegt, welche astronomische Informationen ich gerne im Allgemeinwissen verankert sehen würde. Anhand meiner persönlichen Erfahrung vermutlich diese Dinge:

  • Den Unterschied zwischen Astronomie und Astrologie.
  • Den Unterschied zwischen Stern und Planet.
  • Die Tatsache dass man die Phänomene im Universum tatsächlich verstehen KANN und das die Himmelskörper ebenfalls Naturgesetzen unterworfen sind und nicht einfach irgendwas machen.

Aber natürlich ist das nur mein persönlicher Eindruck. Wie würde eure Liste aussehen?

Kommentare (41)

  1. #1 Zeddi
    7. Mai 2019

    Finde deine Punkte schon sehr gut, als Ergänzung:
    -Erde umkreist die Sonne, Mond die Erde e.t.c.
    -Größenverhältnisse Erde, Mond, Sonne, Sonnensystem, Galaxie, Universum e.t.c. sowie der Zusammenhamg und aufbau
    -Die Vermittlungs das das alles recht gesicherte Erkentnisse sind

  2. #2 René
    Halle
    7. Mai 2019

    Was meiner Meinung nach sehr wichtig ist, ist die Tatsache, dass die Naturgesetze auf der Erde hier um uns herum keine anderen sind, als überall im Universum. Indem wir Astronomie betreiben lernen wir also nicht nur etwas über die Welt da draußen, sondern auch über die Welt direkt um mich herum und daher auch etwas über uns selbst. Ich finde ja auch, dass das Wort Umwelt falsch gewählt ist, weil man dadurch eine Abgrenzung von uns zu der Welt um uns herum macht. Eigentlich ist es nicht Umwelt, sondern vielmehr Mitwelt.

  3. #3 Ingo
    7. Mai 2019

    Ich glaube der Hauptkritikpunkt der Leute die sich nicht interessieren ist oft:
    * “Das Universum ist weit weg von dem was wir auf unseren Planeten brauchen”
    * “Was haben wir davon”

    Beide Argumente sind schlichtweg falsch.
    Man koennte Argumentieren, dass Astronomen sich den Himmel angeschaut haben und erst deswegen auf irgendwelche Relativitaetstheorien, Quantentheorien und andere grundlegenen Dinge gekommen sind, die zweifelsohne grossen Impakt auf unseren Alltag haben.
    (Eine Computer-CPU ist ohne das Quantenverstaendniss schlichtweg nicht erfindbar)

    Und der Wunsch noch tiefer in den Himmel zu schauen, beschert uns solche Techniken wie Interferenz-Teleskope, wo ich mir heute noch garnicht ausmalen kann was so eine Technik fuer den Alltag bedeuten koennte, wenn sie erstmal am Fliessband gefertigt wird.

    Stell man sich einmal vor welche Datenmengen man ueber weite Entfernungen uebertragen koennte, wenn man Emfänger/Sender mit solchen Techniken ausstattet. (Teilweise passiert das schon bei MIMO-Geschichten wie sie in neuern Mobilfunk-Protokollen verwendet werden)

  4. #4 MartinB
    7. Mai 2019

    Für mich wäre noch wichtig:
    – Unterschied Sonnensystem – Galaxie
    – Das Universum dehnt sich aus, und wir können das beobachten.
    – Alles im Universum hat eine Geschichte.
    – Das Universum ist groß. (ein bisschen Gefühl für astronomische Abstände).

    Und auch wenn das eher Physik als Astronomie ist:
    – Man ist auf einer Raumstation nicht schwerelos, weil man so weit von der Erde weg ist.

  5. #5 ak
    7. Mai 2019

    Wenn du Astronomie mit z.B. zwei Wochenstunden in der neunten Klasse möchtest, musst du dafür was anderes streichen, sonst sind die Schüler überfordert. Wenn du mir sagst, dass bestimmte Dinge in den Unterricht sollen, musst du mir also auch sagen, was du weglassen willst. Und ich versichere dir, jede Wissenschaft hält sich selbst für die wichtigste 😉

    Mir persönlich wären wichtig:
    * Sprachliche Fähigkeiten. Was hilft es, wenn ich alles über Neutronensterne weiß, dieses Wissen aber nicht weitergeben kann, weil ich nicht in der Lage bin so zu formulieren, das andere mich verstehen? Oder wenn ich nur schwer neues Wissen sammeln kann, weil ich Texte nicht verstehe?
    * Wissenschaftstheorie. Was ist eine Theorie? Wann gilt eine Theorie als bewiesen? Was ist der Unterschied zwischen empirischer Evidenz und einer Anekdote? Hier kann ich an Zeddi anknüpfen: “Die Vermittlung, dass das alles recht gesicherte Erkenntnisse sind”.
    * Dazu gehört auch die Bewertung von Informationsquellen. Kann ich dem YouTube-Video trauen? Der Tageszeitung? Den tagesthemen? Eigener Spiegelpunkt, weil es nicht nur um wissenschaftliche Informationsquellen geht, sondern auch um gesellschaftliche oder politische Informationen.
    * Recherche. Jedes wissenschaftliche Projekt beginnt mit dem Blick in die Related Work. Hier muss nicht nur die Technik, mit der ich Dinge suche, sondern auch die Notwendigkeit vermittelt werden. Niemand sollte das Rad neu erfinden, weil er übersehen hat, dass es das schon gibt.

    Ob diese Sachen nun an Beispielen aus der Astronomie, der Physik, der Biologie, der Mathematik, der Informatik oder der Chemie vermittelt werden, ist mir ziemlich egal. Vieles davon ist auch in den Geisteswissenschaften vermittelbar.

  6. #6 Dampier
    7. Mai 2019

    Den Unterschied zwischen Stern und Planet.

    Genauso wichtig finde ich den Unterschied zwischen Sonnensystem und Galaxie – Und dass die Milchstraße eine Galaxie ist, und das Sonnensystem nicht. Das wird ja gern durcheinandergebracht (“Voyager hat die Galaxis verlassen”).

  7. #7 Nordlicht_70
    7. Mai 2019

    Eine wichtige Anwendung der Astronomie ist die Standortbestimmung auf der Erde – insbesondere auf dem Meer, wenn es weiter keine Anhaltspunkte gibt. Also ein bisschen die Bedeutung des Polarsterns und Kreuz des Südens, Sternbilder erklären usw.
    Klar, heute gibt es GPS aber ohne astronomische Kenntnisse würden die entsprechenden Satelliten auch nicht existieren.

    Eine Stunde / Woche reicht locker.

  8. #8 JS
    Heidelberg
    7. Mai 2019

    Astronomie = Grundlagenforschung der Naturgesetze
    Ohne Grundlagenforschung gebe es keinen Fortschritt in der Menschheit

  9. #9 JLutz
    7. Mai 2019

    Ich bin bis zu …” •Astronomie ist einer der ältesten Wissenschaften in der Geschichte der Menschheit.” gekommen. Dann habe ich mal Tante Google gefragt und neben vielen widersprüchlichen Hinweisen habe ich folgenden Link gefunden:

    http://lichtecho.blogspot.com/2009/06/die-astronomie-ist-nicht-die-alteste.html

    (darf man ruhig bis zu ende lesen)

    Jürgen

  10. #10 Florian Freistetter
    7. Mai 2019

    Jlutz: “habe ich folgenden Link gefunden:”

    Die Argumente kenn ich. Bin aber trotzdem anderer Meinung. Wenn man unter “Wissenschaft” nur ganz strikt das versteht was man heute darunter versteht, dann stimmt es natürlich. Aber wenn man unter Wissenschaft das versteht, was Menschen getan haben weil sie die Welt verstehen wollten, sieht die Sache anders aus.

  11. #11 JLutz
    7. Mai 2019

    @FF hast du es wirklich ganz und ganz bis zum Ende gelesen?

  12. #12 Florian Freistetter
    7. Mai 2019

    @Jlutz: ” hast du es wirklich ganz und ganz bis zum Ende gelesen?”

    Ja. Da steht dann zum Beispiel auch ” Natürlich gab es auch schon früher Denker, die uns sehr modern vorkommen, wie beispielsweise Eratosthenes und seine Messung des Erdradius, aber mit diesen Gelehrten verbindet uns keine kontinuierliche Tradition, sie mussten erst wiederentdeckt (Renaissance) werden.”

    Was ebenfalls falsch ist. Leute wie Kopernikus oder Kepler sind nicht aus dem Nichts gekommen. Auch im mittelalterlichen Europa (anderswo zu der Zeit sowieso) gab es eine kontinuierliche Tradition (zB Peuerbach, Regiomontanus, etc).

  13. #13 marcus
    7. Mai 2019

    Guckst du Twitter “newivers”

  14. #14 marcus
    7. Mai 2019

    Huch… “newnivers”

  15. #15 W74
    Sankt Augustin
    7. Mai 2019

    Könnte ich Astronom werden, ohne Physik zu studieren, denn Physik und Math sind mir zu schwer.

  16. #16 Thorsten
    7. Mai 2019

    @MartinB
    – Man ist auf einer Raumstation nicht schwerelos, weil man so weit von der Erde weg ist.

    Danke. Wieder was gelernt. Noch nie drüber nachgedacht.

  17. #17 PDP10
    8. Mai 2019

    @W74:

    Könnte ich Astronom werden, ohne Physik zu studieren, denn Physik und Math sind mir zu schwer.

    Nein. Das sind die Grundlagen.

    Und wenn du wirklich Astronom werden willst, werden dir Physik und Mathematik auch nicht zu schwer sein.

  18. #18 Roker
    9. Mai 2019

    Es wird in der Schule leider meist nur Faktenwissen vermittelt, in der Art: “So ist es:” und nicht: “Wie ist man darauf gekommen, dass…?” und als Schüler nimmt man es kritiklos auf, weil man den Lehrer eben als Autorität wahrnimmt, dem man alles einfach glaubt, was er erzählt.

    Das erleichtert es später, dass dominant auftretende Typen den Menschen aud die gleiche Weise irgendwelchen Blödsinn als “fakt” verkaufen können, und es wird unkritisch geglaubt, weil die Menschen nie gelernt haben, wie in der Wissenschaft Faktenwissen “erzeugt” wird und wie man wissenschaftliche Fakten von pseudowissenschaftlichen oder religiösem Blödsinn unterscheiden kann.

    Also z.B.:
    – wie haben die Menschen damals (mit primitiven, aber für jeden nachvollziehbaren Mitteln) herausgefunden, dass die Erde eine Kugel ist, wie groß sie ist und dass die Erde um die Sonne kreist? (da gibt es ja leider immer noch Skeptiker :-/ )
    – wie hat man die Entfernungen zu Mond und Sonne (und später zu anderen Sternen) herausgefunden?
    – Relativitätstheorie: Vor welchen Problemen stand die “vor-relativistische” Physik/Astronomie? Welche (alternativen) Lösungsideen hatte man? Durch welche Vorhersagen & Beobachtungen konnte dann die RT den Wettbewerb der Ideen für sich gewinnen?

    Anhand dieser Beispiele aus der Astronomie können die Leser somit lernen:
    – wie Wissenschaft funktioniert
    – dass Wissenschaftler eben nicht “die Weisheit mit Löffeln gefressen haben”, sondern Versuch und Irrtum und konstruktiver Ideen-(Wett-)Streit zum Alltag eines Wissenschaftlers gehören und dass solche Streits eben durch nachprüfbare Fakten und nicht durch Basta-Autorität entschieden werden. (auch hier gibt es ja fatal falsche Vorstellungen in vielen Köpfen)
    – dass man diese wissenschaftliche Vorgehensweise zur Erkenntnisgewinnung auch auf alltägliche Probleme anwenden kann

  19. #19 Daniel Rehbein
    Dortmund
    9. Mai 2019

    Ich habe nicht den Eindruck, daß sie Menschen denken “Das Universum ist weit weg, davon habe ich nichts”, und daß sie deswegen Astronomie ablehnen.

    Ich habe eher den Eindruck, daß die meisten Menschen denken, sie wären über astronomische Zusammenhänge gut informiert. Und die meisten finden es auch recht interessant, nach Sternbildern zu schauen, oder sich vorzustellen, daß “irgendwo das draußen” vielleicht noch andere Lebewesen wohnen.

    Aber beim Betrachten der Sternbilder erzählen sie dann von ihrem Horoskop. Und außerirdische Lebewesen kommen “von einem anderen Stern”, aber niemals von einem Planaten. Und daß die Distanzen so riesig sind, ist bloß die Schuld der Wissenschaftler, die noch nichts erfunden haben, was uns ohne Zeitverlust zu anderen Sternen bringt (auch wieder nicht zu Planeten).

    Wenn man darauf hinweist, daß das in sich nicht stimmig ist, dann kommen Sätze wie “Man weiß doch, was gemeint ist” oder “Alle anderen haben mich verstanden”.

    Aber weckt man Interesse an den tatsächlichen Zusammenhängen, indem man Schülern noch mehr Wissen eintrichtert? Ich habe da so meine Zweifel.

  20. #20 Cornelia Stella Gliem
    Korbach
    10. Mai 2019

    Ah Astronomie Kosmologie. .. das All und Alles verstehen (wollen).
    Ich bin tatsächlich immer wieder erstaunt und erschrocken darüber, wie ignorant unwissend viele sind?
    denn ich kann mir eigentlich wirklich nicht vorstellen, dass ein erwachsener Mensch in Deutschland nicht unterscheiden kann zwischen Planet und Stern (auch wenn selbst viele Fachbücher Planet mit Wandelstern übersetz/ten, ok) oder zwischen Sonnensystem und Galaxie…
    Will den der ‘Durchschnittsbürger’ gar nicht wisden, wo wir uns im global galactic position”system” befinden? 😉

    unter den “bigs” erfreut mich der Punkt: dass wir vermutlich n i c h t allein im All sind.

    Ad dampier: wo bitte hast du gelesen ” Voyager hat die Galaxie verlassen”? 🙂
    (ich vermute mal dass damit nicht das Raumschiff der gleichnamigen Star Trek Serie gemeint ist, da wäre es ja richtig)

  21. #21 Cornelia Stella Gliem
    Korbach
    10. Mai 2019

    Ergänzung: vielleicht kann ich es mir deswegen so schwer vorstellen, da ich von meiner Generation ausgehe : die die wir mit Star Trek groß geworden sind 🙂

  22. #22 Dampier
    10. Mai 2019

    @Cornelia

    wo bitte hast du gelesen ” Voyager hat die Galaxie verlassen”?

    Unter anderem hier. Aber diese Verwechslung ist mir öfter untergekommen, auch zB. in einer TV-Doku, wenn ich mich recht erinnere.

  23. #23 Dampier
    10. Mai 2019
  24. #24 PDP10
    10. Mai 2019

    @Cornelia, Dampier:

    Unter anderem hier. Aber diese Verwechslung ist mir öfter untergekommen,

    Man sollte dabei zur Ehrenrettung der Journalisten im allgemeinen und der Fachjournalisten die sich mit Themen wie Astronomie beschäftigen im besonderen, dazu sagen, dass so ein Unsinn meist nur in den Überschriften oder Unterüberschriften auf den Startseiten der großen Nachrichtenmagazine steht – die in der Regel von völlig überforderten und unterbezahlten Praktikanten gepflegt werden … Warum die den Unterschied zwischen “Sonnensystem” und “Galaxie” nicht kennen erschließt sich mir allerdings auch nicht.

    Wenn man die Artikel dann anklickt sieht man normalerweise, dass da nicht so ein Unsinn drin steht.

    ich vermute mal dass damit nicht das Raumschiff der gleichnamigen Star Trek Serie gemeint ist, da wäre es ja richtig

    Nope. Auch da nicht. Die Voyager hat es nur in den Gamma-Quadranten verschlagen – der durchaus noch zu unserer Heimat-Galaxie gehört. 😉

  25. #25 Captain E.
    10. Mai 2019

    @PDP10:

    Man sollte dabei zur Ehrenrettung der Journalisten im allgemeinen und der Fachjournalisten die sich mit Themen wie Astronomie beschäftigen im besonderen, dazu sagen, dass so ein Unsinn meist nur in den Überschriften oder Unterüberschriften auf den Startseiten der großen Nachrichtenmagazine steht – die in der Regel von völlig überforderten und unterbezahlten Praktikanten gepflegt werden … Warum die den Unterschied zwischen “Sonnensystem” und “Galaxie” nicht kennen erschließt sich mir allerdings auch nicht.

    Wenn man die Artikel dann anklickt sieht man normalerweise, dass da nicht so ein Unsinn drin steht.

    An die Praktikanten glaube ich dabei gar nicht. Da sind wohl eher die Chefs, die früher mal echte Journalisten wären und es immer noch gerne wären – obwohl sie mittlerweile zum Management gehören. Sie bestellen einen Artikel bei einem ihrer Leute, der fängt an zu recherchieren und schreibt dann etwas zusammen, das mal mehr und mal weniger dicht an den Fakten bleibt. Den gibt er dann seinem Chef, und der geht mit seinem gesunden Halbwissen dran und denkt sich ein paar knackige Zeilen aus, die er dann über den eigentlichen Artikel setzen kann. Zum Lesen des eigentlichen Artikel mag die Zeit noch so gerade eben reichen, zum Verstehen aber mit Sicherheit nicht mehr.

    Dazu folgender Vergleich: In Profiküchen werden die meisten Arbeiten natürlich nicht vom Chefkoch erledigt, aber die Endkontrolle und ggf. ein letztes Abschmecken ist Sache von Chef. Man stelle sich nun einen Chefkoch vor, der gar nicht mehr genau weiß, was seine Leute kochen und der zudem schon vor geraumer Zeit seinen Geruchssinn verloren hat, aber trotzdem auf dem Recht des letzten Abschmeckens besteht. So dürften die Überschriften entstehen.

    Nope. Auch da nicht. Die Voyager hat es nur in den Gamma-Quadranten verschlagen – der durchaus noch zu unserer Heimat-Galaxie gehört.

    Noch einmal ein (halbes) “Nope”. Die USS Voyager hat es in den Delta-Quadranten verschlagen. Der Gamma-Quadrant war der, der mit dem Alpha-Quadranten durch das bajoranische Wurmloch alias “Der himmlische Tempel” verbunden ist. Folglich konnte man dort eher die USS Defiant antreffen.

    Was die echten Voyagers angeht, so hat mich mal vor einiger Zeit ein Kollege gefragt, wieviele Lichtjahre die beiden Sonden mittlerweile entfernt seien. Ich hatte die Antwort zwar auch nicht parat, wusste aber auf Anhieb, dass sie Null Komma Irgendetwas betragen musste. Am Ende waren es 16-17 Lichtstunden.

  26. #26 Alderamin
    10. Mai 2019

    @Captain E.

    Bei meinen beiden Heise-Artikeln hatte ich jeweils andere Überschriften verwendet, die dann vom Verlag geändert wurden. War aber beidesmal ok (obwohl ich “Das schärfste Teleskop aller Zeiten” besser fand als “Event Horizon Telescope: Was der erste direkte Nachweis eines Schwarzen Lochs bedeutet”)

    Der verantwortliche Redakteur, Martin Holland, schreibt aber selbst sehr gute Artikel, der ist schon ziemlich kompetent.

  27. #27 Captain E.
    10. Mai 2019

    @Alderamin:

    Es gibt logischerweise auch immer die besseren Redakteure, die für die Überschriften verantwortlich zeichnen. Aber genau so kommen eben die wirklich schlechten zustande, wenn da jemand etwas zusammenschreibt, das möglichst viele Leser anlocken soll, selber aber gar nicht verstanden hat, worum es in dem Artikel geht.

  28. #28 andreas
    10. Mai 2019

    @Florian

    Zu Deiner Frage:

    Zuerst mal die Erklaerung warum wir alle aus Sternenstaub bestehen (bzw. aus der Materie die in Sternen-Sonnen erbruetet wird)
    Das fand ich sehr interessant als ich davon mal was hoerte und ich habe mich damals gefragt, wieso in der Schule nicht solche Einleitungen zum Thema Astrologie oder auch Chemie genutzt werden, um das Interesse zu wecken.

    Eine fuer Laien verst. Erlaeuterung der Sternenentstehung, von Gaswolken zur Sonne, mit Augenmerk auf das Gleichgewicht zwischen Druck und Gravitation.
    Die Beschreibung der gigantischen Ausmasse des Universums, sollten meiner Meinung nach auch nicht fehlen.
    Evtl auch eine kurze Geschichte der Planetenentstehung
    Supernova und big bang sind natuerlich auch cool.

    Falls ich hier etwas falsch ausgedrueckt habe moege man es mir bitte verzeihen.
    Gruesse @all . Andreas (frueher mal naseweiss)

  29. #29 tomtoo
    10. Mai 2019

    “..solche Einleitungen zum Thema Astrologie oder auch Chemie genutzt werden…”
    Möööp! Wo ist der Fehler?? : ))

  30. #30 andreas
    10. Mai 2019

    Heiliger Bimbam, so ein Mist.
    Jetzt muss ich schon wieder meinen Nick wechseln.
    Das war n Tippfehler zaehlt nicht, oder?

  31. #31 Alderamin
    10. Mai 2019

    Was mir wichtig wäre:

    – Erde, Sonne und Mond im Größenverhältnis und mit den wahren Entfernungen
    – die Entstehung der Jahreszeiten, Mitternachtssonne, der Bogen der Sonne über den Tag
    – Sterntag und Sonnentag, der Wechsel der Sternbilder über das Jahr
    – ein paar Sternbilder zur groben Orientierung: Großer und Kleiner Bär (mit Polarstern), Kassiopeia, Orion, Löwe, Skorpion, Sommerdreieck, Fuhrmann, Bärenhüter
    – Sonnensystem: die 8 Planeten, die Asteroiden, der Kuipergürtel mit Pluto und Eris, die Kometen, die Oortsche Wolke
    – Keplersche Gesetze
    – Sterne und Mehrfachsterne
    – Parallaxen
    – Spektroskopie und Elemente
    – Sternentstehung, -leben und -vergehen
    – Schwarze Löcher, Neutronensterne und Weiße Zwerge
    – die Milchstraße (Größe, Struktur mit Halo, Spiralarmen und zentraler Verdickung, Kugelsternhaufen, Ort der Sonne)
    – Galaxien (Typen, Entfernungen, Entfernungsbestimmung)
    – der Urknall (Rotverschiebung, Hintergrundstrahlung, Alter des Universums)

    Sollte an Allgemeinbildung reichen.

  32. #32 Paul
    München
    12. Mai 2019

    Dass 4 Planeten mühelos mit blossem Auge sichtbar sind. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich das erst Anfang 1981 wusste, als in den Medien über die damals bevorstehende dreifache Jupiter-Saturn-Konjunktion berichtet wurde.

    Zu meiner Schulzeit gab es nur im Fach “Erdkunde” ein paar wenige Stunden über Astronomie. Dass man Planeten mit blossem Auge sehen kann, wurde leider nicht erwähnt, auch nicht (!), wie man den Polarstern findet.

    Der “Funke” ist deshalb bei mir erst 1981 übergesprungen und Astronomie zum Hobby geworden. Das in der Schule Versäumte, weil nicht stattgefundene, habe ich dann sukzessive nachgeholt.

    Konnte dann u.a. 2012 einigen Kollegen erklären, dass/warum KEIN Weltuntergang bevorsteht.

  33. #33 Daniel Rehbein
    Dortmund
    14. Mai 2019

    @Cornelia Stella Gliem

    Genau das Problem habe ich auch: Ich kann mir gar nicht so recht vorstellen, daß andere Menschen so desinteressiert sind. Und dann merke ich plötzlich wieder, daß schon grundsätzliche geometrische Zusammenhänge gar nicht bekannt sind.

    Ich fahre gerne in Urlaub auf die Ostsee-Insel Usedom. Neulich erzählte ich davon und erwähnte dabei auch, daß ich mich ja viel weiter im Osten befinde und deshalb die Sonne dort früher untergeht. Mein Gegenüber dachte, ich mache einen Witz, so in dem Sinne “Im Osten ist alles schlecht”.

    Die Längengerade gehen 360 Grad um die Erde herum. Von der Erde aus betrachtet läuft die Sonne in 24 Stunden einmal diese 360 Grad ab. In einer Stunde verschiebt sie sich also um 15 Grad. Pro Grad, den ich nach Osten oder Westen gehe, verschieben sich die Zeitpunkte der Sonnenstände also um 4 Minuten. Jetzt muß ich bei der Formulierung natürlich aufpassen: In diesem Fall meine ich die Minuten als Zeiteinheit, nicht die Winkelmaße Minuten und Sekunden als Unterteilung von Grad.

    Spätestens wenn ich das sage, gucken mich alle wieder ganz erstaunt an und sagen “Hä? Was bitte? Minuten und Sekunden als Winkelmaße? Das habe ich ja noch nie gehört!”.

    Dann frage ich: “Guckt Ihr denn nie bei Wikipedia? Zu Orten, Bahnhöfen, Denkmälern, einfach allem, was einen Standort hat, stehen oben rechts Koordinaten. Habt Ihr Euch da nie gefragt, was Kringel, Strich und Doppelstrich an den Zahlen zu bedeuten haben? Das sind Grad, Minuten, Sekunden.”

    Manchmal habe ich den Eindruck, ich bin der einzige Mensch auf der Welt, der sich beim Lesen in der Wikipedia für diese Zahlen da oben rechts interessiert. Dort sehe ich zum Beispiel, daß Swinemünde (Świnoujście) bei etwa 14 1/4 Grad Ost liegt. Meine Heimatstadt Dortmund liegt etwa bei 7 1/2 Grad Ost (zur Zeit der Gauß-Krüger-Koordinatensysteme verlief mitten durch den Bahnhof Dortmund-Hörde die Grenze zwischen dem zweiten und dem dritten Meridianstreifen). Zwischen Dortmund und Swinemünde (Świnoujście) liegt also ein Zeitunterschied der Sonnenstände von fast einer halben Stunde.

    Es setzt sich bei anderen Dingen fort. Zum Beispiel bei der Tatsache, daß Grönland nicht größer ist als Afrika, sondern nur so aussieht, wenn man Längen- und Breitengrade in ein rechtwinkliges Koordinatensystem aufträgt. Oder daß der Neumond tagsüber am Himmel steht und der Vollmond nachts am Himmel steht.

    Solche Sache, wie Alderamin sie auflistet, darf ich anderen Menschen gar nicht erzählen. Dann halten die mich für komplett abgehoben. Für die meisten Menschen sind Sonnensystem, Galaxie und Universum dasselbe.

  34. #34 PDP10
    14. Mai 2019

    @Daniel:

    Manchmal habe ich den Eindruck, ich bin der einzige Mensch auf der Welt, der sich beim Lesen in der Wikipedia für diese Zahlen da oben rechts interessiert.

    Nein, bist du nicht 😉

  35. #35 Tina_HH
    14. Mai 2019

    Solche Sache, wie Alderamin sie auflistet, darf ich anderen Menschen gar nicht erzählen. Dann halten die mich für komplett abgehoben. Für die meisten Menschen sind Sonnensystem, Galaxie und Universum dasselbe.

    Das kann ich voll bestätigen. Meine Erfahrung sieht so aus, dass viele Menschen nur sehr diffuse Vorstellungen davon haben, was da eigentlich am Himmel zu sehen ist. Das fängt schon beim Sonnensytem an und setzt sich erst recht fort beim Begriff Galaxie, der zwar verwendet, aber in keinster Weise verstanden wird. Galaxie und Universum sind dann irgendwie dasselbe, weil die Eigenschaften und Definitionen unverstanden bzw. eigentlich sogar unbekannt sind. Selbst den Unterschied zwischen Planeten und Sternen kennen einige nicht (weswegen man ja auch auf einem Stern leben kann…).
    Was Alderamin weiter oben aufgelistet hat, ist da auf jeden Fall schon die höhere Kunst.

    Ich denke, wir leben in ganz schön unterschiedlichen Bildungsblasen und das Wissen, das für einen selbst vollkommen selbstverständlich ist, kann für einen anderen nahezu unbekannt sein. Dabei sollte man allerdings nicht vergessen, dass man selbst in anderen Bereichen ja auch so seine Bildungslücken hat. Ist sozusagen unvermeidlich, bei der Fülle an Wissen, das es gibt. Wobei die Basics der Astronomie eigentlich schon zur Allgemeinbildung gehören sollten.

  36. #36 Alderamin
    15. Mai 2019

    @Daniel Rehbein, Tina_HH

    Deswegen sollen die Leute das ja auch in der Schule lernen. Ich hatte mal einen VHS-Kurs Astronomie gehabt, da haben wir in 2 Semestern zu je 2 Wochenstunden weitaus mehr gelernt als das oben aufgelistete.

    Ich denke auch, dass das Thema für Schüler interessant wäre. Astronomie wird immer gerne gelesen, VHS-Kurse sind gut besucht. Such’ dagegen mal einen VHS-Physik-Kurs…

  37. #37 Captain E.
    15. Mai 2019

    @Daniel Rehbein:

    Erzähl den Leuten auf Usedom das nächste Mal am besten, dass die Sonne bei ihnen tatsächlich eine halbe Stunde früher unter-, aber eben auch eine halbe Stunde früher aufgeht. Das sollte ihnen dann mehr behagen.

  38. #38 RainerO
    18. Mai 2019

    Bin ich geblockt? Seit einigen Tagen versuche ich einen völlig unverfänglichen Kommentar ohne Links anzubringen. Er verschwindet im Nichts.

  39. #39 RainerO
    18. Mai 2019

    Ok, geblockt nicht, aber warum der Kommentar verschwindet, ist mir nicht klar.
    @ Florian Freistetter
    Kugelt da noch etwas von mir in Spam- oder anderen Ordnern herum?

  40. #40 RainerO
    18. Mai 2019

    Noch ein Versuch (Kommentar tauchte mehrmals nicht auf):
    Ist es um die Allgemeinbildung zum Thema Astronomie wirklich so schlecht bestellt? Gibt es zu den hier angeführten anekdotischen Berichten auch belastbare Untersuchungen?
    Meine Anekdote sieht da nicht so trüb aus. Ich selbst wurde bereits in der Grundschule durch einen astronomiebegeisterten Direktor “getriggert”, der mich immer wieder durch sein Fernrohr blicken ließ. Im Gymnasium war Astronomie natürlich auch Thema (auch solche Dinge wie Schwarze Löcher, gebundene Rotation des Mondes, etc.), wobei ich nicht mehr genau weiß, wie viel davon in der Unter- bzw. Oberstufe.
    Auch meine Tochter lernte heuer in der Grundschule Basics unseres Sonnensystems. Ich habe dann teilweise noch (kindgerecht) ergänzt, wenn sie vertiefende Fragen hatte.
    Natürlich vergisst man später wieder viele Dinge, die man in der Schule gelernt hat, weil man im Alltag nicht damit konfrontiert wird. Aber ist dieses Vergessen wirklich so vollständig, dass man dann nicht einmal mehr den Unterschied Planet/Stern, oder Sonnensystem/Galaxie/Universum weiß?

  41. #41 Daniel Rehbein
    Dortmund
    19. Mai 2019

    Ich habe den Eindruck, viele Menschen interessiert gar nicht, was um sie herum passiert, und viele Menschen haben keinerlei räumliches Vorstellungsvermögen.

    Ich habe ein ganz aktuelles Erlebnis, das mir das wieder bestätigt hat:

    Hier im Ruhrgebiet sind viele alte Eisenbahntrassen inzwischen in Fahrrad- und Wanderwege umgewandelt worden. Viele Strecken im Raum Bochum, Essen und Mülheim habe ich bereits erfahren, am gestrigen Samstag wollte ich im Duisburger Norden die alte Trasse der HOAG-Bahn (Hüttenwerke Oberhausen Aktiengesellschaft) befahren. Ich bin mit dem Zug bis Duisburg Hbf gefahren und dann mit dem Fahrrad am Rhein endlang nordwärts bis zum Startpunkt der HOAG-Trasse in Duisburg-Aldenrade.

    Am Startpunkt der Trasse ist ein Plan angebracht. Auf Basis eines Stadtplans in Graustufen sind farbig die Trasse und ein paar Nebenwege markiert. Jedoch hat man in den oberen zwei Dritteln links oben einen falschen Stadtplan unter die Radwege gelegt. Nördlich von Duisburg-Marxloh hat man die Innenstadt von Oberhausen drangesetzt, darauf verläuft aber in Farbe der Radwege in Duisburg. Mitten in Häusern steht das Wort “Rhein”, weil bei einem korrekt hinterlegten Stadtplan hier der Rhein fließen sollte. Und der Radweg läuft scheinbar quer durch diverse Gebäude von Wohnsiedlungen.

    * http://www.magik.de/20190518_162931.jpg
    * http://www.magik.de/20190518_162957.jpg
    * http://www.magik.de/20190518_163150.jpg
    * http://www.magik.de/20190518_163229.jpg

    Ich nehme an, man hatte auf Basis des korrekten Stadtplans den Radwege und die anderen farbigen Markierungen erfasst, und danach ist durch einen falsch ausgeführten Bearbeitungsschritt ein Teil des Stadtplans gegen einen anderen Stadtplan ausgetauscht worden. Das kann ja durchaus passieren. Aber warum merkt das niemand?

    Der Plan als Gesamtwerk ist ja auf ein stabiles Blech gedruckt worden. Da haben Menschen ihn gesehen. Das Blech ist zugeschnitten worden und mit Bohrungen für die Befestigung versehen worden. Da haben Menschen auf den Plan gesehen. Schließlich ist dieser Plan vor Ort montiert worden. Auch da waren Menschen beteiligt.

    Man könnte doch meinen, daß spätestens bei der Befestigung vor Ort auffällt, daß der auf dem Plan mit “Standort” markierte Punkt nicht der korrekte Standort ist. Man befindet sich dort an der Außengrenze einen noch in Betrieb befindlichen großen Industriestandorts von Thyssen-Krupp Steel, laut Plan müsste man dagegen mitten in einem Wohngebiet stehen. Und es hätte auch jemand sehen können, daß die entlang des Weges in farbigen Kästchen notierten Straßennamen gar nicht zum Stadtplan passen. Das ist ja auch völlig ohne Ortskennnis zu erkennen. Aber nein, offenbar hat niemand gemerkt, daß da völliger Unsinn angebracht wurde.

    Der Standort der Tafel ist dieser hier (sollte allerdings auch aus den EXIF-Daten der vier Dateien hervorgehen):
    * https://www.openstreetmap.org/node/1630795129

    Es ist nicht das erste Mal, daß mir so etwas auffällt. In den Schaukästen auf den Bahnsteigen der Dortmunder U-Bahn hängen teilweise Umgebungspläne, auf denen man kaum etwas erkennen kann. Da sind Bahnlinien, die eigentlich im Bogen verlaufen, gerade durch Häuser durchgezogen. Verzweigte unterirdische Gänge sind wie oberirdische Straßen eingezeichnet. Die Beschriftungen der Liniennummern stimmen nicht. Aber irgendjemand hat diese Pläne gedruckt. Jemand hat sie in Folie laminiert. Und jemand hat sie schließlich in den Vitrinen angebracht. Das waren doch alles Menschen!

    In den in den U-Bahn-Wagen angebrachten Netzplänen habe ich schon mal einen offensichtlichen Fehldruck gesehen. Da war das in schwarz gedruckte gegenüber dem farbig gedruckten zur Seite verschoben. Die Folien mit den Netzplänen werden doch nicht von Robotern angebracht, das sind doch Menschen, die die Folien aufkleben. Und da ist nicht aufgefallen, daß die schwarzen Kreise (die Haltestellen) gar nicht auf den farbigen Strichen (den U-Bahn-Linien) liegen, sondern irgendwo verteilt auf weißer Fläche?

    Wahrscheinlich überschätze ich meine Mitmenschen, was den Zugang zu Kartenwerken und das Vorstellungsvermögen angeht. Ich habe schon als Kind begeistert im Falk-Plan (mit der tollen Patentfaltung) geblättert, und ich bin deswegen versucht, bei anderen auch diese Begeisterung (oder zumindest Verständnis) vorauszusetzen. Aber offenbar ist das völlig falsch.

    Wenn aber die meisten Menschen schon keinen Zugang zu zweidimensionalen Plänen haben, wie will ich ihnen dann irgendwelche Vorgänge und Zusammenhänge im Universum plausibel machen? Alderamin schlägt unter anderem vor, daß Menschen etwas zum Thema “Parallaxen” lernen sollen. Wie soll das funktionieren?