SG_LogoDas ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video.

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Sternengeschichten Folge 338: Capella, die kleine Ziege

Der Fuhrmann hat eine Ziege. Zumindest in der Astronomie. Denn heute geht es um Capella, den hellsten Stern im Sternbild des Fuhrmanns. Dieses Sternbild kann man leicht erkennen, es liegt gleich neben dem Sternbild Stier und besteht aus jeder Menge heller Sterne die ein unregelmäßiges Sechseck bilden. Capella ist von ihnen der hellste und am Nachthimmel der nördlichen Hemisphäre der Erde sogar der dritthellste Stern (nach Sirius und Wega). Insgesamt ist es der sechsthellste Stern der irgendwo am nächtlichen Himmel zu sehen ist. Selbst wenn die Lichtverschmutzung schon die meisten anderen Sterne überblendet ist Capella immer noch gut zu sehen.

Capella im Fuhrmann (Bild: Stellarium, GPL)

Es ist daher auch nicht verwunderlich dass Capella schon immer die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen hat. Wann genau die ersten Lebewesen bewusst zum Himmel geschaut und Capella gesehen haben, wissen wir natürlich nicht. Vor ungefähr 200.000 Jahren hätten unsere Vorfahren den Stern aber auf jeden Fall bemerkt, denn damals war er sogar der hellste Stern des Nachthimmels. Die ersten konkreten Aufzeichnungen sind knapp 4000 Jahre alt und stammen aus Mesopotamien. Die Babylonier zählen den Stern zu ihrem Sternbild des Wagenlenkers und dieses Bild hat sich über die griechische Antike bis heute erhalten. Mit einer Ziege kann so ein Fuhrmann aber eher wenig anfangen; der Eigenname von Capella, der tatsächlich “kleine Ziege” bedeutet, geht auf einen anderen Mythos zurück bei dem der Fuhrmann als Hirte angesehen wird, der eine junge Ziege auf der Schulter trägt. Diese Ziege soll Amalthea gehören, die in der griechischen Mythologie den Gott Zeus mit Ziegenmilch aufgezogen hat. Eines ihrer abgebrochenen Hörner wurde dann sogar zum berühmten “Füllhorn”, aus dem ohne Ende immer wieder genau das heraus kommt, was der Besitzer des Horns sich wünscht.

Wenn wir die Mythologie jetzt aber mal beiseite lassen, dann ist Capella immer noch ein höchst interessanter Stern. Mit einem Abstand von 42,9 Lichtjahren ist Capella uns vergleichsweise nahe. Das ist ein Grund, warum der Stern so hell ist; der andere ist seine Größe. Beziehungsweise die Größe der beiden Sterne. Denn der amerikanische Astronom William Wallace Campbell fand 1889 heraus, dass es sich um einen Doppelstern handelt. Die beiden Sterne die wir mit bloßem Auge als “Capella” wahrnehmen, stehen extrem nahe beieinander. Die Distanz zwischen ihnen beträgt nur 111 Millionen Kilometer, das entspricht in etwa dem Abstand zwischen der Sonne und der Venus in unserem Sonnensystem. Noch dazu sind beide Sterne deutlich größer als die Sonne. Der eine hat die 2,5fache Masse und die 12fache Größe der Sonne, der andere ebenfalls die 2,5fache Masse aber nur die 9fache Größe der Sonne. Beide sind auch deutlich heller; die Leuchtkraft des größeren Sterns beträgt das 78fache der Sonnenleuchtkraft, beim anderen ist es immer noch das 73fache.

Sternbild Fuhrmann (Bild: gemeinfrei)

Es handelt sich bei beiden Sternen um Himmelskörper die gerade dabei sind, ihr Leben als normale Sterne zu beenden beziehungsweise es schon fast beendet haben. Wie ich in anderen Folgen der Sternengeschichten ja schon oft erklärt habe, beginnen alte Sterne sich aufzublähen. Sie werden immer heißer und heißer und erzeugen immer mehr Strahlung. Die drückt aus dem Inneren des Sterns nach außen gegen seine Materie und führt zu einer Ausdehnung. Am Ende entsteht so ein Riesenstern und beide Sterne von Capella sind gerade dabei, sich zu so einem Objekt entwickeln. Dabei sind sie, verglichen mit der Sonne, noch gar nicht so alt. Sie müssen irgendwann vor 590 bis 650 Millionen Jahren entstanden sein – das ist eine viel kürzere Lebensdauer als die 4,5 Milliarden Jahre die unsere Sonne schon existiert. Aber vermutlich waren es zu Beginn extrem heiße Sterne die den Wasserstoffvorrat in ihren Kernen daher auch extrem schnell durch Kernfusion verbraucht haben. Jetzt findet dort die Kernfusion von Helium statt, was höhere Temperaturen im Kern und damit die Ausdehnung der Sterne verursacht hat. Die äußeren Schichten sind dagegen eher kühl, weswegen der Stern auch eher gelblich leuchtet und nicht weiß oder blau wie die heißen Sterne.

Seit 1935 weiß man, dass Capella Aa und Capella Ab, wie die beiden Komponenten offiziell heißen, nicht allein sind. 10.000 Astromomische Einheiten von ihnen entfernt, was dem 10.000fachen Abstand zwischen Sonne und Erde entspricht oder dem Abstand zwischen der Sonne und der inneren Grenze der Oortschen Wolke unseres Sonnensystems, befinden sich zweite rote Zwergsterne. Die tragen die Bezeichnung Capella H und L – was ein wenig seltsam klingt. Wo sind Capella B, C, D, und so weiter? Das liegt daran, dass man in der Nähe von Capella am Himmel jede Menge andere Sterne sehen kann. So viele und so nah, dass es sich durchaus auch um Komponenten eines Doppel- oder Mehrfachsternsystems handeln hätte können. In entsprechenden Katalogen sind die Sterne tatsächlich alphabetisch aufgelistet. Das, was wir mit freiem Auge als “Capella” sehen hat dort den Namen “Capella A”, dann kommt Capella B, und so weiter – bis Capella R. Bei Capella A stellte man, wie ich vorhin schon gesagt habe, fest, dass es sich um zwei Sterne handelt, weswegen die dann Capella Aa und Capella Ab genannt wurden. Die restlichen Capellas waren alle nur zufällig in der Nähe des eigentlichen Sterns sichtbar. Sie befinden sich alle viel weiter weg als Capella A und sind von der Erde aus nur zufällig in der gleichen Richtung zu sehen. Bis auf Capella H und L, die sich tatsächlich gemeinsam mit Capella A durchs Universum bewegen. Die beiden roten Zwergsterne sind deutlich kleiner als die Sonne und haben auch nur 30 beziehungsweise 10 Prozent der Sonnenmasse. Sie sind auch viel weiter voneinander entfernt als die großen Sterne von Capella A. Während die nur wenig mehr als 100 Tage brauchen um einander zu umkreisen, brauchen die beiden roten Zwerge dafür 300 Jahre.

Größenvergleich zwischen Sonne und Capella-System (Bild: Omnidoom999,gemeinfrei)

Von den Sternen des Capella-Systems können wir jede Menge darüber lernen, wie diese Himmelskörper sich entwickeln. Für die Wissenschaft sind sie wichtig – aber ebenso wichtig für alle, die einfach nur gerne zum Himmel schauen. Der helle Stern Capella ist ein wunderbarer Orientierungspunkt. Hier in Mitteleuropa kann man zwischen September und April das sogenannte Wintersechseck beobachten. Das ist kein offizielles Sternbild sondern eine Figur die aus Sternen verschiedener Sternbilder zusammengesetzt ist. Die sechs Ecken des Sechsecks werden durch sehr helle Sterne gebildet die man auch am lichtverschmutzen Himmel einer Großstadt noch erkennen kann. Neben Capella im Fuhrmann besteht das Wintersechseck auch noch aus dem rötlich leuchtenden Aldebaran im Sternbild Stier, dem Stern Rigel im Fuß des Orion, dem Sirius im Sternbild Großer Hund, der immerhin der hellste Stern am Nachthimmel ist, dem Prokyon im kleinen Hund und Pollux im Sternbild des Zwillings. Wenn man gelernt hat Capella und das Wintersechseck am Himmel zu finden, dann kann man es als Ausgangspunkt für jede Menge interessante Beobachtungen benutzen.

Und Capella selbst ist, wie schon gesagt, wirklich nicht schwer zu finden. Den Großen Wagen kennen ja sicherlich alle. Und alle werden auch wissen, wie man von dort aus den Polarstern findet. Dazu muss man nur die beiden hellsten hinteren Sterne des Großen Wagens um das etwa fünffache verlängern und man landet fast direkt beim Polarstern. So ähnlich kann man auch Capella finden. Dazu muss man nicht die beiden hinteren Sterne verlängern, sondern die beiden Sterne, die die “Oberkante” des Wagens bilden. Das ist ohne Bilder ein wenig schwer zu erklären. Aber die Form des großen Wagens erinnert ja auch sehr an einen Kochtopf. Hinten ist der Griff des Topfs, also das was man normalerweise die “Deichsel” nennt. Und vorne die vier Sterne, die den Topf bilden, das was wir den “Kasten” des Wagens nennen. Wenn wir nun die beiden oberen Sterne des Topfs nehmen, also quasi den Deckel, und die von ihnen gebildete Linie um das etwa vierfache verlängern, landen wir zwar nicht direkt bei Capella. Aber zumindest fast und in dieser Gegend des Himmels ist Capella auf jeden Fall der hellste Stern.

Wintersechseck (Bild: Stellarium, GPL)

Oder ihr verwendet einfach eine der vielen Handy-Apps mit denen man herausfinden kann wo welche Sterne sich am Himmel befinden. So oder so: Capella ist ein beeindruckendes Objekt und gehört zu den Sternen am Himmel die man finden können sollte, wenn man sich am Nachthimmel auskennen möchte. Viel Spaß beim Suchen!

Kommentare (17)

  1. #1 bote19
    17. Mai 2019

    Schön und spannend erzählt und beschrieben. Florian , deine Begeisterung für die Astronomie geht sogar durch meine Elektroleitung bis zu meinem Laptop.

  2. #2 Gerhard Neinert
    Friedrichsdorf
    17. Mai 2019

    Wie immer sehr interessant und eine Freude, zuzuhören.
    Capella ist nach meiner Information aber nur der Vierthellste Stern am Nordhimmel.
    Platz 2 hat lt Wikipedia der gute Arktur.

  3. #3 Dampier
    17. Mai 2019

    Wird Aldebaran wirklich auf dem e betont?? Müsste das dann nicht auch für AldEramin gelten? Hab ich das mein Leben lang falsch ausgesprochen (bzw. gelesen)?

    Ich weiß nicht, ob ich mich da noch umgewöhnen könnte. AldebarAn hat für mich den magischen Science-Fiction-Klang eines mächtigen, weit entfernten Sternsystems …

    AldEbaran klingt dagegen irgendwie … banal.

  4. #4 dirk
    ZZ9 Plural Z Alpha
    17. Mai 2019

    Erstmal: tolle Artikelserie, lese ich immer gerne!

    Eine OT-Frage zu Stellarium, falls sich jemand auskennt. Gehört hier eigentlich nicht hin, kam mir nur gerade in dem Kopf:

    Bis letztes Jahr im April habe ich mir auf meiner suse immer stellarium aus dem basar-quellen gebaut, dann hatte ich nur noch fehlermeldungen beim updaten mit bzr. Das seltsame ist das meine letzte gebaute Version die 0.90.0 war.

    Bin vor ein paar Wochen auf die github-quelle gewechselt, die auch anscheinend aktuell gepflegt wird. Allerdings habe ich jetzt die Version 0.19.xxxx.

    Einen Unterschied habe ich bisher nicht gemerkt. Weiß jemand warum es da so ein Versions-Kudelmudel gibt.

    Sorry, die Frage ging mir ein paar Wochen durch den Kopf bis ich sie vergaß. Und jetzt viel sie mir wieder ein…

    Grüße!

  5. #5 Jürgen A.
    Berlin
    18. Mai 2019

    @ Florian Freistetter

    Sind bei einer Größe von fast 17 Millionen km für die größere Komponente und fast 13 Millionen km für die kleinere Komponente bei einem Abstand von nur 111 Millionen km (Durchmesser = 15% Abstand) tropfenförmige Verformungen der Sterne zu erwarten ? Kann so ein geringer Abstand nicht auch zu Veränderungen des Energietransportes (Konvektion) innerhalb der Sterne führen ?

  6. #6 Jürgen A.
    Berlin
    18. Mai 2019

    @ Florian Freistetter

    Sterne im Endstadium ihrer Entwicklung blasen meist auch erheblich Sternenwind ab. Wird bei so erheblicher Nähe des Doppelsterns der Sternenwind des einen Sterns zu erheblichen Teilen vom zweiten Stern wieder eingesammelt ? Zum roten Riesen kann sich doch keiner von beiden Sternen Capella Aa und Capella Ab aufblähen.

    Wird man mit den zukünftigen ELT (40m Durchmesser) die Form dieser relativ nahen Sterne auflösen können.

    Und eine Frage ergibt sich noch aus ihrem Text : Wieso war Capella vor 200 000 Jahren der hellste Stern am Nordhimmel ? Waren wir näher dran ? War Capella absolut heller ?

    Vielleicht können Sie ja (wenn Sie Zeit haben) die Fragen beantworten. Es ist ein interessanter Artikel.

  7. #7 Daniel Rehbein
    Dortmund
    20. Mai 2019

    Der Fuhrmann hat nicht nur in der Astronomie eine Ziege, sondern auch in dem bekannten Logikrätsel aus unserer Kindheit.

    Da hat ein Fuhrmann einen Wolf, eine Ziege und einen Kohlkopf, er kann mit seinem Boot aber immer nur ein Tier bzw. einen Gegenstand ans andere Ufer bringen. Wenn der Fuhrmann nicht aufpasst, frisst der Wolf die Ziege, oder die Ziege frisst den Kohlkopf. Nur den Wolf und den Kohlkopf kann er zusammen alleine lassen, ohne daß etwas passiert. Gefragt ist nun, wie der Fuhrmann trotzdem alle drei unbeschadet ans andere Ufer bringt.

    Der Trick ist, daß der Fuhrmann die Ziege einmal wieder mit zurücknimmt an das urspüngliche Ufer. Der Wolf und der Kohlkopf werden also jeweils nur einmal transportiert, die Ziege dagegen genießt gleich drei Überfahrten mit dem Fuhrmann.

    Ob das nicht sogar für eine besonders enge Bindung des Fuhrmanns an seine Ziege spricht? 😉

  8. #8 rolak
    21. Mai 2019

    sondern auch

    Ulkigerweise kam mir das ebenfalls als erstes Histörchen in den Sinn, Daniel, ist ja auch soweit nicht entfernt (beides ‘Transport’). Als Transport-weg & -art-verbindendes Mittelstück vielleicht noch die Christophorus-Saga?

    Jedenfalls passe ich seit einer Woche bei den Sternbildern auf wie ein Luchs, wer weiß, wo ich noch schlecht zugehört habe…

  9. #9 Jürgen A.
    Berlin
    23. Mai 2019

    @ Florian Freistetter

    Schade, daß ich auf meine Fragen oben keine Antwort erhalte. Kann man diese Fragen nicht beantworten ?

  10. #10 Florian Freistetter
    23. Mai 2019

    @Jürgen: Manchmal bin ich beschäftigt und kann nicht alles immer und sofort beantworten. Ich war in den letzten 2 Wochen insgesamt 3 Tage zuhause (und bin es jetzt gerade wieder nicht). Da kann sowas dauern. Aber sehr oft beantworten dann die anderen Kommentatoren die sich auskennen solche Fragen.

  11. #11 Bullet
    23. Mai 2019

    Florian ist keine Antwortmaschine. Aber die Fragen sind natürlich beantwortbar.

    a: “Sind […] tropfenförmige Verformungen der Sterne zu erwarten ?” – Jepp. Fragt sich nur, in welchem Ausmaß diese Verformung auftritt.

    b: “Kann so ein geringer Abstand nicht auch zu Veränderungen des Energietransportes (Konvektion) innerhalb der Sterne führen ?” – Eher nicht. Die Verformung wird mehr von den äußeren Schichten des Sterns gestaltet (das Material liegt “lockerer”). Bei Sternen dieser Größe ist die Konvektionszone kernnäher.

    c: “Wird bei so erheblicher Nähe des Doppelsterns der Sternenwind des einen Sterns zu erheblichen Teilen vom zweiten Stern wieder eingesammelt ?” – Eher nicht:

    The stars are not near enough to each other for the Roche lobe of either star to have been filled and any significant mass transfer to have taken place, even during the red giant stage of the primary star.

    Interessant hierbei, wie sich deine darauffolgende Behauptung [d] “Zum roten Riesen kann sich doch keiner von beiden Sternen Capella Aa und Capella Ab aufblähen” und der Wikipedia-Artikel widersprechen. Gemäß dessen sind beide Sterne nämlich bereits auf dem Weg zum Roten Riesen. Hmm.

    e: “Wird man mit den zukünftigen ELT (40m Durchmesser) die Form dieser relativ nahen Sterne auflösen können.” Fragen werden ja bekanntlich mit Fragezeichen versehen, aber lassen wir das mal. Antwort: wahrscheinlich schon.

    f: “Wieso war Capella vor 200 000 Jahren der hellste Stern am Nordhimmel?” – siehe hier.

    g: “Waren wir näher dran?” – Ja. Siehe [f]

    h: “War Capella absolut heller?” – Eher nicht. Stellare Evolution geht in Richtung “heller”. Und selbst wenn es ein Ereignis in diesem Stern gegeben haben sollte, das zu einem 50000 Jahre dauernden Helligkeitsanstieg hätte führen können: woher wüßten wir davon? Echofähige Nebel sind in der Region nicht sehr verbreitet.

  12. #12 Bullet
    23. Mai 2019

    @Florian: ups. 🙂

  13. #13 Jürgen A.
    Berlin
    23. Mai 2019

    @ Bullet

    Es tut mir leid, aber deine Antwort hat sachliche Fehler. Wenn ich schreibe “Zum roten Riesen kann sich doch keiner von beiden Sternen Capella Aa und Capella Ab aufblähen” und Wikipedia sagt, die beiden Sterne wären bereits auf dem Weg zum Roten Riesen, dann widerspricht sich das nicht. Aber das Stadium, eines richtigen roten Riesen, wie es die Sonne in vielen Milliaden Jahren sein wird, werden diese Sterne vermutlich nicht erreichen. Die Sterne wären dann vermutlich viel zu groß, um noch getrennt von einander zu existieren. Die Sonne soll sich als roter Riese bis auf 150 Millionen km Radius aufblähen. Die beiden Capella A Sterne sind 2,5 mal so groß und werden sich möglicherweise noch weiter aufblähen. Und das geht bei einem Abstand von 111 Millionen km nicht.

    Mit aufsammeln des Sternenwindes meinte ich nicht, daß die Roche-Grenzen sich schon berühren. Das wird vermutlich noch kommen, wenn sich die Sterne noch weiter aufblähen. Nein ich meinte damit, daß der Nachbarstern alles, was gegen die Drehrichtung, in die Drehrichtung und in die innenliegende Hemisphäre geblasen wird, wieder einsammelt.

    Für mich ergibt sich noch ein weiteres Problem : Mit 2,5 Sonnenmassen dürften die Sterne nach ihren roten Riesenstadium keine weißen Zwerge werden, sondern müßten in einer (zwei) Supernova enden. Und da sind 50 Lichtjahre doch sehr nahe. Aber das hat ja glücklicherweise noch zig Millionen Jahre Zeit.

  14. #14 Jürgen A.
    Berlin
    23. Mai 2019

    @ Bullet

    Trotzdem Danke für den Hinweis auf die Wikipedialiste der hellsten Sterne. Was es doch alles auf Wikipedia gibt. Ich hatte das noch nicht gesehen. Und den Kringel über dem Punkt hatte ich übersehen, ich kann ihn nachliefern, mit Punkt : ? Aber du hattest es ja auch so verstanden.

    Es wäre nur gut gewesen, wenn du die Qelle deines Zitates angegeben hättest.

  15. #15 Bullet
    23. Mai 2019

    @Jürgen: ich frag mich echt ziemlich oft, ob du Angst vorm Denken hast. Denn regelmäßig hörst du mit dieser eigentlich recht netten Beschäftigung schon nach zwei Minuten auf. Ich frag mich natürlich, wo da das Problem liegt. (Außer bei deinem Unwillen, dich mit der Materie von Grund auf zu beschäftigen. Das ist offensichtlich.)
    a)

    Aber das Stadium, eines richtigen roten Riesen, wie es die Sonne in vielen Milliaden Jahren sein wird, werden diese Sterne vermutlich nicht erreichen. Die Sterne wären dann vermutlich viel zu groß, um noch getrennt von einander zu existieren.

    Wo ist jetzt das Problem? Erstens: der erste (der massereichere) Stern geht viel früher in die Riesenphase über. Er kann sich doch ausdehnen, wie er will. Meinst du im Ernst, der stößt dann gegen den anderen Stern und hört dann lieber auf, sich auszudehnen, bevor Mama wieder schimpft?
    Zweitens: dann existieren sie eben nicht mehr getrennt voneinander. Wer verbietet es?

    b)

    ich meinte damit, daß der Nachbarstern alles, was gegen die Drehrichtung, in die Drehrichtung und in die innenliegende Hemisphäre geblasen wird, wieder einsammelt.

    Auch hier wieder: denk nochmal drüber nach. Was macht denn ein einsamer Single-Stern mit seinem Sternwind? Fällt der auch wieder zurück auf die Oberfläche? Und wenn nein – warum nicht? Und dann versuch dir mal vorzustellen, wie klein der Bereich des “Himmels” über dem Stern ist, an dem sich der andere Stern befindet. Denn der Sternwind, der vom einen Stern ausgestoßen wird, muß ja direkt zum anderen Stern gefeuert werden, um dort eingesammelt zu werden. Alle anderen Richtungen, in die Materie ausgestoßen werden können sind nämlich noch ungünstiger für den “sammelnden” Stern.
    Was war da jetzt so schwierig?

  16. #16 Jürgen A.
    Berlin
    23. Mai 2019

    @ Bullet

    Ich weiß nicht, warum du mir fehlenden Denkwillen unterstellst ? Vielleich sind unsere Vorstellungen von mathematisch / physikalischer Logik unterschiedlich. Vielleicht sind auch unsere Kentnisstände unterschiedlich. Ich bin kein Astronom. Und meine Geschichte ist mit Sicherheit auch eine andere als deine.

    der erste (der massereichere) Stern geht viel früher in die Riesenphase über

    Nach Florians Aussage oben sind die Sterne beide 2,5 Sonnenmassen schwer und auch gar nicht so unterschiedlich groß : 9 bzw. 12 Sonnendurchmesser. Deshalb liegt der Schwerpunkt auch ziemlich genau zwischen beiden Sternen. Capella Aa hat einen kleinen Vorsprung vor Capella Ab beim Aufblähen.

    Was macht denn ein einsamer Single-Stern mit seinem Sternwind?

    Er strahlt ihn radial in alle Richtungen ab. Da ist dann aber auch keine Schwerkraftfalle in Venusentfernung daneben. Unter diesen Bedingungen können die Sterne nicht in alle Richtungen radial gleichmäßig abstrahlen, denn der eine Stern wirkt ja wie ein Käscher für den Sternenwind des zweiten Sterns.

    Und dann versuch dir mal vorzustellen, wie klein der Bereich des “Himmels” über dem Stern ist, an dem sich der andere Stern befindet.

    Der Jupiter ist von der Erde aus gesehen nur Winkelsekunden groß. Trotzdem wird er von vielen Astromen als Schwerkraftfalle angesehen, der Asteroiden von der Erde abhält. Nun ist da bei Capella ein Körper, der hundert bis tausend Mal größer ist und auch nur in Venusentfernung ist. Und du meinst, der Sternenwind des einen Sterns erreicht den anderen nur, wenn er direkt auf ihn gerichtet ist. Das glaube ich nicht, aber ich habe es natürlich nicht durchgerechnet. Aber es ist vergleichbar, als wenn ein Mond mit Erdmasse und 8000 Durchmesser in etwa 70 000 km neben der Erde stehen würde.

    Meinst du im Ernst, der stößt dann gegen den anderen Stern und hört dann lieber auf, sich auszudehnen, bevor Mama wieder schimpft?

    Was soll solche Unsachlichkeit ? Wenn einer von beiden Sternen in die Gashülle des anderen eintritt (und nicht auch Riese ist), wird der eintretende Stern mit der fast ruhenden (fast nicht rotierenden) Gashülle des anderen Sternes auf Grund der hohen Relativgeschwindigkeit zu einander heftig reagieren. Was passiert, wenn die Gashüllen zweier fast gleichwertiger Sterne zusammenstoßen, das weiß ich nicht. Ich “glaube” da aber auch nicht alles. Wenn mir dazu jemand was “erzählt”, dann sollte er es auch gut belegen / begründen können. Auf jeden Fall haben die Sterne sehr viel Bewegungsenergie gegenüber den radial laufenden Hüllen, die auf Grund der Drehimpulserhaltung so gut wie nicht mehr rotieren.

  17. #17 Bullet
    24. Mai 2019

    @Jürgen:
    das kann doch alles nicht dein Ernst sein.

    Nach Florians Aussage oben sind die Sterne beide 2,5 Sonnenmassen schwer und auch gar nicht so unterschiedlich groß : 9 bzw. 12 Sonnendurchmesser.

    Nee nee. Is kein Unterschied. Zwei Sterne mit gleicher Masse, aber einem im Verhältnis 3:4 abweichenden Durchmesser, deren Farben dann auch noch unterschiedlich sind: der größere ist röter. Steht übrigens im englischen Wiki-Artikel zu Capella. Was sagt uns das?

    Er strahlt ihn radial in alle Richtungen ab. Da ist dann aber auch keine Schwerkraftfalle in Venusentfernung daneben.

    Die größte Schwerkraftfalle für Sternwind ist der emittierende Stern. Wenn der es nicht schafft, seine ausgestoßene Materie zurückzuholen – wie soll dann bitte ein entfernter Körper das besser hinbekommen, wenn die ausgestoßene Materie nicht ziemlich genau auf den zweiten Stern gezielt ist?

    Der Jupiter ist von der Erde aus gesehen nur Winkelsekunden groß. Trotzdem wird er von vielen Astromen als Schwerkraftfalle angesehen, der Asteroiden von der Erde abhält.

    Ähm … ist dir möglicherweise bewußt, daß deine Asteroiden von außen kommen und eben nicht radial einfallen? Würden Asteroiden von der Sonne ausgestoßen werden, könnte kein Jupiter der Galaxis da was richten.

    Aber es ist vergleichbar, als wenn ein Mond mit Erdmasse und 8000 Durchmesser in etwa 70 000 km neben der Erde stehen würde.

    Kann sein. Aber wenn ich dann anfange, mit Riesenkatapulten irgendein Zeug mit 20 km/sec in alle Richtungen in den Weltraum zu schleudern, kommt auf deinem Nachbarplaneten nur dann was an, wenn ich gut ziele. Der Rest der Teile ist nämlich schlicht zu schnell, um vom Gravitationstrichter deines Nachbarplaneten nennenswert beeindruckt zu sein.

    Wenn einer von beiden Sternen in die Gashülle des anderen eintritt (und nicht auch Riese ist), wird der eintretende Stern mit der fast ruhenden (fast nicht rotierenden) Gashülle des anderen Sternes auf Grund der hohen Relativgeschwindigkeit zu einander heftig reagieren.

    Sagt wer aufgrund welcher Datenlage? Und was heißt “heftig”?
    Zudem: “die Gashüllen zweier fast gleichwertiger Sterne ” sind es ja nicht. Sie haben in etwa ähnliche Gesamtmassen. Aber es lassen sich auch locker Weiße Zwerge finden, die mehr als eine Masse unserer Sonne haben. Sind die deswegen “gleichwertig”?