Bild: Victoria Girgis/Lowell Observatory
Bild: Victoria Girgis/Lowell Observatory

Der Wettlauf zum Mond begann, gewissermaßen, am 4. Oktober 1957. Da schickte die Sowjetunion den ersten künstlichen Satelliten in eine Umlaufbahn um die Erde. Seit Sputnik sind viele weitere gefolgt. Bis heute haben wir insgesamt 8615 Satelliten ins All geschickt (von denen aber nur etwas mehr als die Hälfe noch aktiv sind). Es ist also durchaus angebracht, in meinem 50tägigen Countdown zur Mondlandung auch einen Blick auf die Satelliten zu werfen. Vor allem weil es durchaus sein kann, dass die uns demnächst den Blick auf die Sterne verstellen.

In einer klaren Nacht kann man eigentlich immer den einen oder anderen Satelliten über den Himmel flitzen sehen. Für ein paar Sekunden oder Minuten sieht man dann einen mehr oder weniger schwach leuchtenden Punkt zwischen den Sternen der sich deutlich sichtbar bewegt. Noch sind es aber die Sterne die den Himmel dominieren, zumindest dort wo er noch dunkel genug ist. Das könnte sich in Zukunft ändern. Im Mai hat die Firma SpaceX auf einen Schlag gleich 60 Satelliten in einem Umlaufbahn gebracht. Mit der “Starlink-Constellation” soll in Zukunft Internet per Satellite auf die Erde gebracht werden. Die Satelliten, die anfänglich noch in einer langen Kette angeordnet waren, waren ein recht spektakulärer Anblick am Himmel. Aber sie haben – vor allem unter Astronominnen und Astronomen – auch große Besorgnis hervorgerufen.

Satellit über den Teleskopen der Europäischen Südsternwarte (Bild: R. Wesson/ESO)

Denn es soll nicht bei nur 60 Satelliten bleiben. Das Projekt sieht vor, dass am Ende 11.927 von den Dingern um die Erde kreisen. Und SpaceX ist nicht die einzige Firma, die solche Mega-Satellitennetzwerke am Himmel plant. So eine dramatische Erhöhung der Anzahl der künstlichen Himmelskörper kann nicht ohne Folgen bleiben. Selbst unter besten Bedingungen kann man mit freiem Auge von einer beliebigen Stelle der Erde nur etwa 4000 Sterne mit bloßem Auge sehen. Angesichts der großen Anzahl an künstlichen Satelliten wären die Sterne dann also in der Minderheit!

Für die professionelle Astronomie ist das noch viel schlimmer. Ein sich vor dem Hintergrund der Sterne bewegender Satellite erzeugt auf astronomischen Aufnahmen eine leuchtende Spur. Wenn zehntausende künstliche Himmelskörper zu jedem Zeitpunkt am Himmel hin und her kreuzen, wären die für präzise Messungen nötigen Daten nur schwer und mit viel größerem Aufwand zu bekommen als heute. Die Internationale Astronomische Union hat dazu ein Statement veröffentlicht und schreibt darin:

“Satellite constellations can pose a significant or debilitating threat to important existing and future astronomical infrastructures, and we urge their designers and deployers as well as policy-makers to work with the astronomical community in a concerted effort to analyse and understand the impact of satellite constellations. We also urge appropriate agencies to devise a regulatory framework to mitigate or eliminate the detrimental impacts on scientific exploration as soon as practical.”

Auch die Europäische Südsternwarte (ESO) ist besorgt:

“The superb sky conditions required for the optimal performance of [our] facilities may be compromised by the passage of bright satellites across the field of view of the telescopes.”

Die Sorge ist absolut nachvollziehbar. Neben den Problemen die wir durch die Satelliten-Konstellationen bei der Beobachtung des Universums bekommen, wird auch das Problem des Weltraummülls verschärft. Was passiert mit den zehntausenden Satelliten, wenn sie mal keinen Treibstoff mehr haben? Man kann sie dann in “ungefährliche” Umlaufbahnen steuern – sofern sie nicht vorher defekt werden. Und sofern man es auch wirklich tut… Aber wenn immer mehr Firmen immer mehr Geld mit solchen Konstellationen verdienen wollen, braucht es entweder sehr strenge Richtlinien die sehr streng durchgesetzt werden. Oder es passiert das, was im Kapitalismus immer passiert: Man kümmert sich ums Geldverdienen und ignoriert dabei sämtliche schädlichen Folgen für die anderen und die Zukunft. Dass man sich mit so einer Strategie den Weg ins All im schlimmsten Fall komplett verbaut spielt dann leider keine Rolle mehr.

Es ist ja prinzipiell ganz ok, wenn man sich Gedanken über Kommunikationssatelliten macht, die die ganze Welt mit einem Netz versehen. Aber man kann sich auch Gedanken machen, ob es dazu wirklich Satelliten braucht und wirklich so viele? Und wenn ja, ob es eine gute Idee ist, das so zu machen, wie man es macht. Vor allem sollte man VORHER mit den Leuten reden, die den Himmel erforschen und deren Expertise dazu einholen (und sich nicht, wie Elon Musk, erst nachher darüber informieren lassen, dass Satelliten durchaus am Himmel sichtbar sind).

Satellitenspuren von Starlink dominieren die astronomische Aufnahme des Himmels (Bild: Victoria Girgis/Lowell Observatory)

Der Himmel ist für uns alle da! Wir sollten dort nicht die gleichen Fehler machen, die wir hier auf der Erde gemacht haben. Der Himmel ist mehr als nur eine Ressource die man wirtschaftlich ausbeuten kann! Der Blick zu den Sternen hat uns Menschen von Anfang an inspiriert. Er hat unsere Mythen, Religionen und Kulturen beeinflusst. Die Sterne haben Kunst und Wissenschaft gleichermaßen angeregt und uns mehr geprägt, als wir uns das heute vorstellen können. Schon jetzt ist ein großer Teil des Nachthimmels durch die künstliche Beleuchtung aus unserem Alltag verschwunden. Die jahrtausendelange Bindung zwischen Himmel und Menschen ist schwächer geworden. Wir sollten darauf achten, dass sie nicht ganz verschwindet. Das, was wir uns bei der Betrachtung des Himmels jahrtausendelang vorgestellt haben, ist vor 50 Jahren zumindest zum Teil Realität geworden. Wir sind zum Mond geflogen und dort gelandet. Es bleibt zu hoffen, dass der Himmel uns auch in Zukunft noch zum Träumen anregen kann!

———————————
Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

Kommentare (39)

  1. #1 rolak
    12. Juni 2019

    Geschickt getarnt – hat da etwa wer die ~countdown39*.jpg verlegt und nicht mehr wiedergefunden?

  2. #2 Florian Freistetter
    12. Juni 2019

    @rolak: Nein, da wollte ich ein anderes Bild haben. Das Problem: Wenn ich so nen Artikel bei FB verlinke, wird nur das Vorschaubild dort angezeigt. Und da wollte ich heute ein aussagekräftigeres haben als den Countdown…

  3. #3 Christian Berger
    12. Juni 2019

    Man muss allerdings auch sehen, dass es schon viele Firmen gab, die solche Satellitennetzwerke angekündigt haben. Die einzigen die wirklich was funktionsfähiges zusammen bekommen haben war “Iridium”, und die gingen dann gleich nach dem Aufbau des Netzes Pleite. (Die wurden dann von den Hauptkunden aufgekauft)

    Nur weil da jetzt eine Firma ankündigt fast 12k Satelliten ins All zu schicken muss das nicht bedeuten, dass das auch passiert.

  4. #4 Sonnenschein
    12. Juni 2019

    Eine Frage dazu: Wäre bei einem Starlink Vollausbau die Erkennung von Near-Earth objects noch möglich?

  5. #5 rolak
    12. Juni 2019

    anderes

    Sehr einsehbar, Florian, Grobmuster hin oder her…

    Nur weil

    ..das bisher nicht geklappt hat, heißt das nicht, daß gegen die aktuelle, kaum in allen Konsequenzen durchdachte Unternehmung nichts unternommen werden müßte, Christian.

  6. #6 UMa
    12. Juni 2019

    @Florian:

    Hier sind noch weitere Artikel über das Thema:

    Jan Hattenbach interviewt Stijn Lemmens, Senior Space Debris Mitigation Analyst bei der ESA:
    https://www.skyandtelescope.com/astronomy-news/starlink-space-debris/?utm_content=buffer4d663&utm_medium=social&utm_source=twitter.com&utm_campaign=buffer

    Ein Artikel bei Astronews:
    https://www.astronews.com/news/artikel/2019/06/1906-004.shtml

    Alderamin hier auf Scienceblogs
    http://scienceblogs.de/alpha-cephei/2019/05/26/beobachtungstipp-eine-perlenkette-aus-60-satelliten/

    Hier ist die NASA ODPO’s Large Constellation Study vom September 2018 in Volume 22 Issue3 auf den Seiten 4-7
    https://www.orbitaldebris.jsc.nasa.gov/quarterly-news/#

  7. #7 Matthias Meier
    St. Gallen, Schweiz
    12. Juni 2019

    In zwei Punkten möchte ich ergänzen.

    Erstens: Selbst bei 12000 Satelliten ist es nicht so, dass diese über die von Auge sichtbaren Sterne dominieren würden. Wie du geschrieben hast: man kann an jedem beliebigen Punkt 4000 Sterne von Auge sehen – aber wieviele der 12000 Satelliten könnte man tatsächlich von Auge sehen? Es gibt bereits eine Webseite, die diese Frage beantwortet:
    http://www.howmanystarlinkswillfillyoursky.com/

    Ich hab das mal theoretisch für meine Position und heute Nacht um 23:00:00 ausgefüllt: von Auge wären gerade Mal 11 der Satelliten sichtbar (obwohl >600 beleuchtet und über dem Horizont wären). Selbst wenn man jetzt noch ein paar Konkurrenz-Konstellationen dazu nimmt, kommt man nie in eine Situation, in der es mehr Satelliten als Sterne gibt.
    Trotzdem, es ist unbestritten, dass das für die Astrophotografie problematisch sein kann. Ich kann mir vorstellen, dass es zumindest für die professionelle Astronomie schon bald Software-fixes gibt, die z.B. automatisch die Belichtung unterbrechen, wenn ein Starlink (oder ein anderer Satellit) durchs Bild zieht (ziehen sollte, basiserend auf Bahndaten).

    Zweitens: Zumindest SpaceX hat vor, alle Satelliten am Ende ihrer Lebenszeit aktiv in die Atmosphäre zu steuern (und ich finde, das darf man ruhig erwähnen). Deren Design wird sogar mit Absicht darauf ausgelegt, dass alles beim Atmosphäreneintritt verbrennt und keine Stücke übrigbleiben, die an der Oberfläche Schaden anrichten. Sicher, es gibt keine Garantie, dass das alle künftigen Betreiber so handhaben werden. Aber zumindest bei SpaceX hat man sich offenbar durchaus Gedanken um das Weltraumschrott-Problem gemacht.

  8. #8 Dampier
    12. Juni 2019

    Was könnte man denn konkret tun, um das abzmildern? Ein Moratorium oder Ähnliches halte ich für undenkbar, dafür ist zuviel Geld im Spiel.

    Gibt es technische Lösungen? Würde es zB. helfen, alle Satelliten mit Vantablack einzupinseln? Die Starlinks haben ja Ionenantrieb und keine Sonnensegel.

  9. #9 Dampier
    12. Juni 2019

    Zum Vorschaubild: Man könnte eine Countdown-Vorschaubild-Datei mit Ebenen anlegen, wo man bei Bedarf ein Hintergrundbild einsetzen kann. Ist einmal etwas Aufwand, aber dann hat man eine Vorlage, die man immer wieder verwenden & anpassen kann …

  10. #10 Florian Freistetter
    12. Juni 2019

    @Matthias: “Zumindest SpaceX hat vor,”

    Das ist ja schön, dass sie das vorhaben. Aber SpaceX ist ne Firma. Was passiert, wenn die pleite geht? Oder Musk keine Lust mehr auf Weltraum hat? Erinnert sich noch wer an diese Leihfahrräder, die letztes Jahr die Städte überschwemmt haben? Da musste sich auch die Kommune drum kümmern die zu entsorgen. Nur dass das bei Satelliten im Weltraum nicht so einfach ist…

  11. #11 Robert Kruse
    Berlin
    12. Juni 2019

    Wenn SpaceX pleite geht, dann kommen die Satelliten (im 550km Orbit) innerhalb von weniger als10 Jahren von allein runter.
    U.a. hier Seite 62:
    PDF der MEW-Aerospace

  12. #12 Robert Kruse
    Berlin
    12. Juni 2019

    Ich finde es mehr als schade, dass dieses Thema selbst hier so extrem einseitig und plakativ aufgegriffen wird :/

    Vorab ein Disclaimer: Ja, Astronomen und Radioastronomen WERDEN durchaus auch durch Starlink beeinträchtigt werden (wie stark auch immer).
    Ja, das hätte man vorher abklären und in Diskurs treten können.
    Ja, Elon Musk ist da etwas blauäugig rangegangen.
    Ja, Großkonstellationen über ~800 km werden sehr problematisch.
    Ja, man kann auch einen einseitigen Blogartikelt/Rant schreiben um auf eine Gefahr aufmerksam zu machen.

    ABER einige Dinge muss man doch in die richtige Perspektive rücken:

    1. Starlink Sats haben ein PV Paneel welches direkt von der Erde weg zeigt und eine flache Unterseite. Beides sollte bei ausgerichteten Satelliten die über den Horizont blitzende Sonnenstrahlen nicht annähernd nach unten ‚spiegeln‘ können.

    2. Bereits jetzt, noch nicht ausgerichtet und tiefer fliegend, haben die Starlink Sats eine rel. Helligkeit von mag 6-7. In der Endpostition dann eher 7-8. Insbesondere! wenn noch Maßnahmen ergriffen werden um sie visuell abzudunkeln. D.h. sie werden nur unter extrem guten Bedingungen gerade so mit dem Auge zu sehen sein!
    Da würde ich mir in unseren Breiten eher Gedanken über die zehntausende an blinkenden Flugzeugen machen…

    [Teil 1]

  13. #13 Robert Kruse
    Berlin
    12. Juni 2019

    3. Das gilt auch nur, so lange sie nicht im Erdschatten fliegen. Aber während der astronomischen Dunkelheit fliegen sie eben zum Großteil im Erdschatten. Da leuchtet quasi nichts mehr. Da werden auch keine astronomischen Beobachtungen gestört – so lange es zu keinen Bedeckungen kommt.
    Simulation der Sichtbarkeit von Starlink: [*1]

    4. Das Teaserbild ist ja schön schaurig – hat aber mit der späteren Realität am Himmel nichts zu tun:
    Erstens wurde das direkt nach dem Start von Starlink aufgenommen. Satelliten standen niedrig und schlecht ausgerichtet und hingen als starlink-train noch alle zusammen. Außerdem wurde das Bild natürlich aufgenommen um genau diesen schaurigen Effekt zu erzielen: Die ‚Beeinträchtigung‘ hat zufällig punktgenau die 25s an diesem kleinen Himmelsausschnitt betroffen als das Bild aufgenommen wurde.

    5. Professionelle Astronomie wird von den 550km Starlinksatelliten fast überhaupt nicht getroffen:
    5.a: die professionelle Beobachtungszeit erfolgt überwiegend nach der astronomischen Dämmerung
    5.b: gerade bei den ‚großen Teleskopen‘ sind die Gesichtsfelder meist so klein dass es unwahrscheinlich ist, dass gerade da ein Satellit durchfliegt.
    5.c: es werden Methoden des Stackings eingesetzt: mehrere Bilder werden geschossen und davon die besten für die spätere Bearbeitung ausgewählt
    5.d: (Theorie von mir als Programmierer): es sollte möglich sein eine Software über die Bilder laufen zu lassen die ‚Lichtspuren‘ von Satelliten erkennt und ausfiltert.

    [Teil 2]

  14. #14 Florian Freistetter
    12. Juni 2019

    @Robert Kruse: “Professionelle Astronomie wird von den 550km Starlinksatelliten fast überhaupt nicht getroffen:”

    Das sieht die professionelle Astronomie allerdings anders. Denn die IAU ist die offizielle Vertretung der professionellen Astronomie und deren Statement hab ich ja zitiert.

  15. #15 Matthias Meier
    St. Gallen, Schweiz
    12. Juni 2019

    @Florian: “Musk keine Lust mehr auf Weltraum hat” – eher friert die Hölle zu… 🙂 Ich verstehe, worauf du hinaus willst, aber ich denke trotzdem nicht, dass eine SpaceX-Pleite ein Problem wäre. Man wäre ja immer noch in Kontakt mit den Satelliten, könnte sie, wenn nötig, zurück in die Atmosphäre beordern (einen solchen “Befehl 66” könnte man schon heute für den unwahrscheinlichen Fall hinterlegen, dass man ihn braucht).

    Ich denke, man sollte hier der Hau-den-Musk Versuchung wiederstehen und Starlink nicht überdramatisieren. “Gefahr für den Himmel” ist angesichts der Tatsachen (nur ein paar Satelliten von 12000 effektiv sichtbar, aktive Steuerung zur Vermeidung von Weltraumschrott) schon etwas klickbaitig. Ein bisschen so, wenn irgend ein Käseblatt mal wieder über die “Gefahr für die Erde” schwadroniert, wenn ein Kiesel in 20-facher Mondentfernung vorbeifliegt…

  16. #16 Florian Freistetter
    12. Juni 2019

    @Matthias Meier: “schon etwas klickbaitig. “

    Ich hab mich da eigentlich nur auf das Statement der IAU bezogen: “Satellite constellations can pose a significant or debilitating threat to important existing and future astronomical infrastructures”

  17. #17 Andreas
    12. Juni 2019

    “Wenn SpaceX pleite geht, dann kommen die Satelliten (im 550km Orbit) innerhalb von weniger als10 Jahren von allein runter.”

    Und die Dinger, die zwischen 1100 und 1325 km geparkt werden, kommen dann in einigen 1000 Jahren runter.

  18. #18 Susan Ville
    Heidelberg
    12. Juni 2019

    Ein wichtiges Statement von @astrodicticum, von dieser Art gibt es leider zu wenige aus der Wissenschaft, denn ich frage mich ernsthaft: wieso reagieren viele Experten erst so spät, wenn bereits Projekte wie “Starlink” abgesegnet sind?
    Einfache ErdenbürgerInnen, ohne Einfluss auf ökonische Entscheidungen in der Weltraumindustrie, erwarten, dass beteiligte Organisationen solche groben Eingriffe in Erdatmosphäre & Erdumlaufbahn im Vorfeld evaluieren und zur Tat schreiten, sollte es Bedenken geben. Zur Aufklärung der Erdbevölkerung gehört u.a. die Frage zu beantworten, wem der Orbit überhaupt gehört, ebenso der Mond als unser Trabant, wer haftet in Schadensfällen? Alles seit Jahren diskutiert, gerade innerhalb der Expertensysteme, aber nie medial vermittelt. Stattdessen feiert man im Netz die Megalonien der Privatiers wie neue Götzenbilder.
    Das Argument, darauf zu hoffen,dass Projekten das Geld ausgeht, ist fahrlässig und naiv, angesichts der Tatsache, wie es um unseren Planeten bestellt ist.
    Gibt wohl noch zu viele Spezies neben uns, dass uns die Auswirkungen auf andere Lebewesen nicht kümmern (…)
    Da fragt man sich ernsthaft: wozu entwickeln wir eigentlich diese supraschnellen und teraspeichernden Hypercomputer, wenn nur diejenigen zur Ausführung von Technologien berufen werden, die sich am besten vermarkten können?
    Das Copernicus-Programm z.B., zeigt große Anstrengungen, möglichst viele Länder der Erde mittels Open Data in diversen Projekten zu vernetzen und Subunternehmen ermitteln Kosten und Nutzen gleichermaßen. Daran kann man gut erkennen, die konstruktive Zusammenarbeit muss die Zukunft sein, nicht der nationale Eigennutz oder gar Interessen von Regierungen. Nur die Wissenschaft als Vereinigung kann präventiv wirken und sich im Sinne aller verständigen.

  19. #19 Tina_HH
    12. Juni 2019

    Ich finde es schon erstaunlich, dass eine Privatfirma knapp 12.000 Satelliten ins All schießen darf, ohne dass vorher öffentlichkeitswirksam über die Risiken aufgeklärt wird (Behinderungen für die Astronomie, Entstehung von Weltraumschrott mit allen negativen Folgen) und vor allem auch nirgends darüber abgestimmt werden kann, ob das überhaupt so gewünscht ist.
    Wenn man sich dann noch ansieht, wie sich Musk geäußert hat (Satelliten gar nicht sichtbar, wenn es für Astronomen interessant wird, die ISS leuchtet von alleine – peinlich, peinlich…).

    Wenn man dann noch bedenkt, dass auch andere Firmen nachziehen und Satelliten in größerem Umfang starten wollen, muss man mittelfristig sicher mit deutlich mehr als den jetzt angekündigten ~ 12.000 Satelliten rechnen.
    Es sieht so aus, als könne jeder Konzern und jedes Land anscheinend mehr oder weniger machen, was er / es will – nicht gut. Es fehlen hier eindeutig Regularien, nationale und internationale. (Hatte ich auch bei Alderamin schon geschrieben.)

  20. #20 Andreas
    13. Juni 2019

    Mittlerweile gibts ne Petition gegen die Starlink-Satelliten auf Change.org

    http://chng.it/cwFChcmvpw

  21. #21 Robert aus Wien
    13. Juni 2019

    Danke für die Petition, sowas habe ich schon gesucht. (Ich hab auch bei Alderamin schon zu dem Thema gepostet.)
    Werde ich gleich unterschreiben.

    Wobei mir zum Thema Killbefehl was einfällt: Ich warte ja nur darauf, daß einer draufkommt, wie man den Satelliten den schickt. Da wär dann einiges möglich: Erpressung, Sabotage (etwa durch ein Regime wie das in China, dem es ein Dorn im Auge ist, wenn sich die Bürger über gewisse Dinge frei informieren können),…

  22. #22 Captain E.
    13. Juni 2019

    @Robert aus Wien:

    Danke für die Petition, sowas habe ich schon gesucht. (Ich hab auch bei Alderamin schon zu dem Thema gepostet.)
    Werde ich gleich unterschreiben.

    Wobei mir zum Thema Killbefehl was einfällt: Ich warte ja nur darauf, daß einer draufkommt, wie man den Satelliten den schickt. Da wär dann einiges möglich: Erpressung, Sabotage (etwa durch ein Regime wie das in China, dem es ein Dorn im Auge ist, wenn sich die Bürger über gewisse Dinge frei informieren können),…

    Der dürfte eine komplexe Abfolge von Anweisungen beinhalten, mittels deren die Steuerung des Satelliten abgehandelt wird. Ganz grundsätzlich wird man auch Kenntnisse der Orbitalmechanik benötigen, damit man auch weiß, man so tut.

  23. #23 Uli Schoppe
    13. Juni 2019

    Ich find die Kommentare spannend die auf die Absturz Option anspielen. Bei der großen Anzahl, wie viele fallen denn so aus das man die nicht mehr aktivieren kann? Null sind es mit Sicherheit nicht. Eher deutlich mehr. Und Wenn ich das mit den Orbits richtig verstanden habe bleiben dann genug in relativ lange stabilen Orbits übrig, und da es eine anerkannte Tatsache ist das man Pech hat wenn es geht: Es werden zu viele sein. Die Totalausfälle müssen natürlich ersetzt werden. Von denen fallen wieder welche aus. Schönen Tach noch…

    Und um die Frage die schon gestellt wurde nochmal aufzugreifen: Welchen Einfluß hat das auf das Erkennen von Objekten die uns wirklich nahe kommen?

  24. #24 Sonnenschein
    13. Juni 2019

    Ist meine Frage von Posting #4 untergegangen oder zu naiv gestellt weil niemand geantwortet hat?

  25. #25 Braunschweiger (DE)
    14. Juni 2019

    @Sonnenschein: Sagen wir “eher zu einfach”.

    Wäre bei einem Starlink Vollausbau die Erkennung von Near-Earth objects noch möglich?

    Selbst als Laie kann ich mir vorstellen, dass die Antwort ein simples “Ja” ist.
    1. Satelliten bewegen sich wahrnehmbar schnell, wie Flugzeuge; das passiert sonst mit keinem Himmelsobjekt (bei Sonne + Mond bemerkt man es gerade noch).
    2. Es gibt irgendwo eine Liste der Satelliten und ihrer genauen Bahnen. Da alle beobachtbaren Himmelsobjekte in ihrer Bahndynamik beschreibbar sind, merkt man schnell, welches Objekt in die Liste gehört.
    3. Umgekehrt sieht man schnell, welches Objekt außerhalb zB. der Mondbahn existieren muss, einschließlich der NEOs.
    4. Die Menge der Satelliten wird niemals so dicht werden, dass man bei den zu erwartenden geringen Reflexionen nicht mehr “hindurchschauen” könnte.

  26. #26 Braunschweiger (DE)
    14. Juni 2019

    Okay, Ergänzung zu ~#25:
    Bei 1. muss man hinzufügen, die geostationären Satelliten bewegen sich optisch nicht für den Beobachter, sind aber auch so weit draußen und daher optisch relativ klein, dass sie kaum ins Gewicht fallen dürften. Sie sind außerdem an bekannten Orten über dem Äquator aufgereiht.

    Ärgerlich wird es allemal, wenn Streifen wie auf dem von Florian gezeigten Bild auftauchen. Es wird aufwendiger, immerhin aber gibt es Methoden, um diese Streifen rauszurechnen.

  27. #27 Sonnenschein
    14. Juni 2019

    @Braunschweiger (DE)
    Danke für die Antworten!
    Nunja, dass die Erkennung im optischen Bereich nicht gänzlich ausgeschlossen wird habe ich mir auch schon gedacht. Ausserdem gibt es vermutlich andere Methoden (Radar?) welche ebenfalls zur Anwendung kommen.
    Hintergrund des Postings sind folgende Überlegungen:
    – Soweit mir bekannt gibt es keine Echtzeit Überwachung des gesamten beobachtbaren Raums.
    – Grosse Objekte sind recht gut bekannt aber kleinere Objekte sind wesentlich schwieriger zu detektieren.
    – Für Massnahmen egal welcher Art ist die frühzeitige Erkennung ausschlaggebend, Stichwort Reaktionszeit.

    Aus den genannten Überlegungen gehe ich im Falle tausender erdnaher reflektierender Satelliten von einer spürbaren Erschwerung bei der Erkennung kleiner erdnaher Objekte aus, speziell jener welche sich in ähnlichen Bahnen wie Satelliten bewegen.

  28. #28 Sonnenschein
    14. Juni 2019

    Korrektur zum letzten Satz: “..speziell jener welche sich vom Beobachtungsstandpunkt betrachtet auf ähnlichen Bahnen wie Satelliten bewegen.”
    Unglücklichformuliert, ich meine schwach leuchtende Objekte welche durch die “Leuchtspuren” der Satelliten verdeckt werden weil sie vom Beobachter genau auf der Leuchtspur bewegen.
    Logischerweise könnten das Teleskope auf anderen geographischen Standorten abdecken. Allerdings ist fraglich ob erdgebundene Teleskope gleichzeitig den selben Himmelsbereich abdecken?

  29. #29 Braunschweiger (DE)
    14. Juni 2019

    @Sonnenschein:
    Satelliten bewegen sich auf einer Ellipsenbahn um die Erde, alle anderen (abgesehen von abhängigen Monden) um die Sonne, insofern dürften sich die Bahnen deutlich unterscheiden. Wenn man einen ausreichend langen Bahnabschnitt kennt.

    Ja, Radar ist eine bekannte Möglichkeit; zur Satellitenortung sowieso, und wohl auch für erdnähere NEOs. — Die Nachtseite der Erde entpricht abzüglich Dämmerung einem Kreisabschnitt von ca. 160°, manchmal weniger (und bei manchen Wellenlängen ist es unabhängig); da sollten sich schon einige Standorte an gleichzeitig aktiven Teleskopen finden. Nicht zu vergessen die satellitengestützten Beobachtungen.

  30. #30 Sonnenschein
    14. Juni 2019

    @Braunschweiger (DE)
    Ich glaube es meine Ausdrucksweise verkompliziert die Sache auf die ich hinauswill 😉
    Eine Analogie zur Lichtverschmutzung auf der Erde; Wenn es so einfach ist sämtliche Störsignale herauszufiltern frage ich mich warum man erdgebundene Teleskope noch immer auf abgelegenen -nicht lichtverschmutzten Plätzen- baut?
    Meine Gedankengang bzgl. NEO’s ist ähnlich; Lichtspuren im All (Langzeitbelichtung) stören vermutlich die Erkennung lichtschwacher Objekte. Teleksope auf dem Mond oder im All zu platzieren ist vermutlich aufwändiger/teuerer als die Störsignale -wenn möglich- zu vermeiden.
    Sorry falls das NEO Thema zu offtopic wird…

  31. #31 Braunschweiger (DE)
    14. Juni 2019

    @Sonnenschein:
    Störungen durch dedizierte und lokalisierbare Objekte sind einfacher. Man nimmt sowieso mehrere Aufnahmen in Zeitabständen auf, fixiert an bestimmten Sternpositionen, und alles, was nur auf einer Aufnahme ist, ist entweder das gesuchte, oder das, was weg muss (Satelliten). Man kann die Störung auf Bildern leicht kennzeichnen, und da gibt’s Programme für.

    Störungen durch Reflexion an diffusen Teilchen (Nebel, Gase –> Lichtverschmutzung) und Störungen der Atmosphäre sind schnell und chaotisch, nicht gut vorhersagbar und wenig handle-bar. Daher geht man an hohe Orte dünner trockener Luft, und auch weg vom Licht.

    Es gibt auch Seiten, an denen man sich besser über Grundlagen informieren kann, zB. auch Alderamins Blog nebenan :-).

  32. #32 Braunschweiger
    14. Juni 2019

    “d e z i d i e r t” — herrje…

  33. #33 Braunschweiger
    14. Juni 2019

    Nööö, es geht beides:
    “dediziert”: die Objekte sind bekannt und als Satelliten einem bestimmten Zweck gewidmet…
    “dezidiert”: die Objekte sind ganz konkret Satelliten und ausdrücklich mit einer bestimmten Bahn versehen, oder so…

    Deutsch Sprach mit Latein-Griechisch ist sich schwere Sprach…

  34. #34 Sonnenschein
    15. Juni 2019

    Vielen Dank für die Erklärung und den Hinweis 🙂

  35. #35 Braunschweiger (DE)
    15. Juni 2019

    Es ist ja nicht so, dass ich die Starlink-Satelliten besonders mögen würde und deshalb verteidigen müsste. Aber man sollte bei den Fakten bleiben und nach ihnen suchen. Auf Alpha-Cephei nebenan wurde schon sehr schön über einige Aspekte berichtet.

    Tatsächlich scheint es schlimmer zu sein, als ich selbst zuerst angenommen hatte, auch für die diskutierten NEOs und ähnliche Objekte. Ein Artikel von Jan Hattenbach bei Spektrum geht darauf und andere Überlegungen dazu ein wenig ein. In einem Artikel bei Scienexx wird Ähnliches berichtet, und dass sogar Infrarot- und Radarbeobachtung betroffen sein können.

    Es wird also alles umständlicher und aufwendiger, hoffentlich nicht vereinzelt unmöglich.

  36. #36 Dampier
    15. Juni 2019

    Was ist denn nun mit (matt)schwarz anmalen? Würde das etwas bringen? Oder unterschätze ich die Stärke des Sonnenlichts?

  37. #37 Christian Berger
    16. Juni 2019

    Hmm, schlechte Nachrichten. Es gibt einen Markt dafür der bereit ist so ziemlich jeden Preis auszugeben wenn nur die Latenz für Netzwerkverbindungen kleiner wird, Banken.
    Dieses Projekt würde diese Latenz deutlich reduzieren, weil die Lichtgeschwindigkeit in Glas deutlich niedriger ist als die im Vakuum.

  38. #38 PDP10
    16. Juni 2019

    … Hä?

  39. #39 UMa
    17. Juni 2019

    @Robert Kruse:

    5.b: gerade bei den ‚großen Teleskopen‘ sind die Gesichtsfelder meist so klein dass es unwahrscheinlich ist, dass gerade da ein Satellit durchfliegt.

    Mittlerweile kann man größere Detektoren herstellen.

    Die Hyper Suprime-Cam (HSC) des 8-Meter-Subaru-Teleskops hat 900 Megapixel und 1,5° Gesichtsfeld.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Subaru_Telescope#Instruments

    Das im Bau befindliche LSST hat auch einen 8-Meter Hauptspiegel und bekommt eine 3,2 Gigapixel Kamera mit 3,5° Gesichtsfeld.

    Wie wahrscheinlich ist da ein Durchflug von Satelliten?

    Wie hell sind die Satelliten im Vergleich zu den Aufnahmeobjekten von (geplanten) 24,5 mag bis 27,8 mag?