SG_LogoDas ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video.

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Sternengeschichten Folge 347: Apollo 11 und die erste Landung auf dem Mond

Am 20. Juli 1969, um genau 21 Uhr, 17 Minuten und 58 Sekunden mitteleuropäischer Zeit erreichte ein Funkspruch des amerikanischen Astronauten Neil Armstrong die Kommandozentrale. Er vermeldete: “Houston, Tranquility Base here. The Eagle has landed!”. Das er sich mit der Ortsangabe “Tranquility Base” melden konnte, lag daran, dass er in den Momenten zuvor sein Raumschiff im Mare Tranquilitatis auf dem Mond gelandet hatte. In dem Moment wurde aus der Mondlandefähre mit dem Namen “Eagle” die erste, wenn auch temporäre Basis der Menschheit auf dem Mond, die “Tranquility Base”. Ein paar Stunden später, als in Mitteleuropa schon der 21. Juli angebrochen war, um 3 Uhr 56 Minuten und 15 Sekunden setzte Neil Armstrong dann auch seinen Fuß aus der Tranquility Base hinaus auf die Oberfläche des Mondes und sprach die Worte „Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit!“. Das erste Mal in der Geschichte unserer Spezies betrat ein Mensch einen anderen Himmelskörper.

Neil Armstrong setzt seinen Fuß auf den Mond (Bild: NASA, gemeinfrei)

Dieser Moment hatte eine lange Vorgeschichte; viel zu lang um sie in nur einer Podcastfolge erzählen zu können. Über die erste Landung von Menschen auf dem Mond kann man ganze Bücher schreiben und es wurden darüber auch schon jede Menge Bücher geschrieben. Es wurden Filme gedreht, Dokumentationen, Romane geschrieben, und so weiter. Es war und ist immer noch ein epochales Ereignis. Und ich kann unmöglich alles darüber in dieser einen Folge der Sternengeschichten erzählen. Aber zumindest die Grundlagen von dem, was damals passiert ist, sollte man wenigstens einmal gehört haben. Und darum möchte ich heute vom Verlauf der Apollo-11-Mission in seinen wichtigsten Punkten erzählen.

“Apollo 11” – der Name deutet schon an, dass es hier eine Vorgeschichte gibt. Man kann die Bemühungen um einen Flug zu Mond vielleicht im Jahr 1961 beginnen lassen, als der damalige Präsident John F. Kennedy verkündete, Amerika würde bis zum Ende des Jahrzehnts Menschen auf den Mond und wieder zurück auf die Erde bringen. Oder am 4. Oktober 1957 als die Sowjetunion mit Sputnik 1 den ersten künstlichen Satelliten ins All brachten. Oder vielleicht auch schon im 19. Jahrhundert als Science-Fiction-Autoren wie Jules Verne vom Flug ins All nur träumten und Wissenschaftler wie Konstantin Tsiolkofsky oder Hermann Oberth davon träumten den Traum real werden zu lassen. Oder irgendwann in den Jahrtausenden zuvor in denen Menschen überall auf der Welt zum Mond geblickt und in ihm eine Welt erkannt haben, die von Menschen besucht werden kann.

Aber ich beginne am 16. Juli 1969, um 14:32 mitteleuropäischer Zeit. Genau da startete eine Saturn-V-Rakete der NASA, 2940 Tonnen schwer und 116 Meter hoch. Es war die größte Rakete die je gebaut wurde und an der Spitze dieses Ungetüms befand sich das Apollo-11-Raumschiff in dem Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins hofften, sicher ins All zu gelangen. Das war 12 Minuten später der Fall. Da waren die ersten beiden Teile der Rakete, die sogenannten “Stufen” und eigentlich nur riesige Treibstofftanks schon längst leer, ausgebrannt, abgeworfen und wieder zurück auf die Erde und in den Ozean gefallen. Übrig blieb nur die 17 Meter lange dritte Stufe mit dem Raumschiff. Sie umrundete die Erde eineinhalb mal und gab dann noch einmal Schub um die Astronauten auf einen Kurs in Richtung Mond zu bringen. Danach folgte ein Manöver, das “Transposition, docking, and extraction” genannt wird. Dabei wird zuerst das sogenannte “Apollo command and service module” oder “CSM” von der dritten Raketenstufe abgelöst. Dabei wird gleichzeitig auch die Abdeckung geöffnet, die die Apollo-Mondlandefähre im hinteren Teil der Raketenstufe geschützt hat. Danach entfernt sich das CSM ein Stück vom Rest der Rakete und dreht sich um 180 Grad einmal herum. Mit seiner Spitze, die nun auf die Landefähre gerichtet ist, nähert es sich wieder. CSM und Landefähre verbinden sich zu einem einzigen Raumfahrzeug das nun seinen Weg zum Mond fortsetzt und den letzten Rest der Rakete im All zurück lässt.

Apollo 11 fliegt ins All (Bild: NASA, gemeinfrei)

Dieses Manöver wurde von Michael Collins durchgeführt, er war der Pilot des Kommandomoduls und hatte genau solche Andockmanöver im All schon früher geübt, wie ich in Folge 344 der Sternengeschichten ausführlicher erklärt habe. Nun lag eine lange Strecke vor den Astronauten. 384.403 Kilometer, bis zum Mond. Apollo brauchte dafür 76 Stunden und am 19. Juli 1969 um 18:22 mitteleuropäischer Zeit zündete Collins die Bremsraketen um das Raumschiff so weit abzubremsen damit es in eine Umlaufbahn um den Mond einschwenkt.

Nun stieg zuerst Buzz Aldrin vom CSM in die Mondlandefähre um. Er war auf dieser Mission der “Lunar Module Pilot” und damit verantwortlich dafür, dass alle Systeme der Landefähre richtig funktionierten. Allerdings – trotz des Namens – nicht die Person, die die Landefähre auch tatsächlich steuert. Das ist der Kommandant der gesamten Mission und in diesem Fall war das Neil Armstrong. Der kam an Bord nachdem Aldrin alle Systeme hochgefahren hatte. Am 20. Juli 1969 um 18:44 mitteleuropäischer Zeit trennte sich die Landefähre vom CSM. Das zum Mond hinabfliegende Raumschiff wurde nun “Eagle” gelandet, das in einer Mondumlaufbahn zurück bleibende Kommandomodul erhielt den Namen “Columbia”. Dort verblieb auch Michael Collins und prüfte ob die sich entfernende Landefähre irgendwelche Defekte aufwies.

Armstrong steuerte nun die Eagle zur Mondoberfläche hinab, unterstützt von Aldrin, der auf die relevante Instrumente achtete. Armstrong hatte dafür keine Zeit, sein Blick war auf das Fenster der Raumfähre gerichtet und hinaus auf die Landschaft des Mondes die er vor sich sah. Er musste eine passende Landestelle finden, ausreichend eben um die Eagle sicher aufsetzen zu können. Zu lange durfte er nicht suchen, denn der Treibstoff war knapp bemessen und es musste genug übrig sein um nach der Landung wieder zurück ins All starten zu können. Nach fünf Minuten Flug war die Mondoberfläche nur noch 1800 Meter entfernt. In dem Moment meldete der Bordcomputer ein paar unerwartete Fehler. Nach einer hektischen Suche und Rücksprache mit dem Kontrollzentrum kam man zu dem Schluss, das man den Fehler ignorieren konnte.

Die Landefähre macht sich auf den Weg zum Mond (Bild: NASA, gemeinfrei)

Nun sah Armstrong aber, dass das vorab ausgewählte Landegebiet von jeder Mengen Felsen übersät war und nicht geeignet für ein sicheres Aufsetzen auf dem Mond. Er war aber noch zu schnell um davor zu landen. Also flog er weiter und hielt Ausschau nach einem geeigneten Gebiet. Den Platz den er nun ansteuerte erwies sich aber bei näherer Betrachtung ebenfalls als ungeeignet, weil sich dort ein Krater befand. Die Mondoberfläche war nun nur noch 76 Meter entfernt. Armstrong flog weiter und fand endlich ein Stück ebenen Bodens. Es waren noch 30 Meter nach unten und es blieb noch Treibstoff für 90 Sekunden. Armstrong setzte die Eagle nun auf den Boden, in den Fenster konnte man nichts mehr erkennen da die Raumfähre jede Menge Staub aufwirbelte.

Es war der 20. Juli 1969, 21 Uhr 17 Minuten und 40 Sekunden mitteleuropäischer Zeit. Die Eagle war auf dem Mond gelandet und Armstrong hätte gerade noch 40 bis 50 Sekunden weiterfliegen können bevor er umkehren hätte müssen. Jetzt waren jede Menge Dinge zu erledigen, Checklisten abzuarbeiten, Instrumente zu prüfen, und so weiter. Zweieinhalb Stunden nach der Landung meldete sich Aldrin bei der Bodenstation und bat alle die gerade zuhörten, einen Moment Pause zu machen und darüber nachzudenken, was in den letzten paar Stunden passiert ist und dafür auf seine oder ihre Weise zu danken. Aldrin, ein gläubiger Katholik, tat das, in dem er nun die heilige Kommunion feierte – was er aber nicht öffentlich erwähnte um der NASA eventuelle Schwierigkeiten zu vermeiden die durch die Vermischung von staatlichen und religiösen Äußerungen entstehen könnten.

Laut Plan sollten Aldrin und Armstrong nach der Landung nun fünf Stunden lang schlafen. Das ignorierten die beiden aber und begannen stattdessen gleich mit den Vorbereitungen für den Ausstieg auf die Oberfläche. Anstatt der vorgesehenen zwei Stunden benötigten sie dreieinhalb dafür. Um 3 Uhr 51 mitteleuropäischer Zeit am 21. Juli began Armstrong damit die Leiter von der Landefähre hinab auf die Mondoberfläche zu klettern. Dabei aktivierte er auch die außen an der Eagle angebrachte Kamera die von nun an alles live zur Erde übertragen sollte. Noch bevor Armstrong seinen Fuß auf den Boden setzte, enthüllte er eine Plakette an der Leiter der Landefähre mit der Aufschrift: “Hier setzten Menschen vom Planeten Erde zum ersten Mal einen Fuß auf dem Mond, Juli 1969. Wir kamen in Frieden für die ganze Menschheit.”

Und dann kam der Moment den mehr als eine halbe Milliarden Menschen auf der ganzen Welt live im Fernsehen verfolgten. Um 3 Uhr 56 Minuten und 15 Sekunden mitteleuropäischer Zeit am 21. Juli 1969 betrat Neil Armstrong den Mond. Ein Traum, den die Menschen seit Jahrtausenden hatten, war endlich real geworden. Ein politischer und militärischer Wettstreit war entschieden. Eine kaum vorstellbares wissenschaftliches und technisches Projekt war geglückt. Aber noch lange nicht vorbei. Aldrin und Armstrong hatten auf dem Mond jede Menge Dinge zu erledigen. Sie musste den Mond auch wieder verlassen und zurück zur Erde kommen. Und wie das abgelaufen ist, erfahrt ihr in der nächsten Folge der Sternengeschichten!

Kommentare (7)

  1. #1 Leser
    21. Juli 2019

    Die Umschreibung des Namens Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski sieht doch sehr eigenartig und ungewohnt für uns Deutsche aus. Vielleicht schreibt man Ziolkowski in Österreich anders, in Deutschland und in Wikipedia schreibt man ihn aber so, wie ich das oben geschrieben habe.

    Bei der Mondlandefähre hat der Treibstoff der Abstiegsstufe nichts mit dem Treibstoff der Aufstiegsstufe zu tun. Das sind zwei völlig getrennte Systeme, wie erste und zweite Stufe einer Rakete. den Treibstoff der Abstiegsstufe darf man natürlich trotzdem nicht leerfliegen, da die Mondfähre dann ungesteuert auf den Mond fällt. Außerdem hat man später festgestellt, daß durch das Hin- und Herschwappen des Treibstoffs im Tank zweifelhafte Anzeigen der Treibstoffvorrats erzeugt wurden. Es war schon ein sehr großer Nervenkitzel bei dieser Landung.

  2. #2 Leser
    21. Juli 2019

    @ Florian Freistetter

    Bitte schauen Sie in ihrem Müll-Ordner nach. Ich habe einen Beitrag geschrieben, der nicht bei Ihnen, nicht im Blog und auch nicht in der Zählung erscheint. Aber wenn ich ihn noch einmal sende erscheint die Meldung “Doppelter Kommentar”. Oder bin ich gesperrt ?

  3. #3 Captain E.
    22. Juli 2019

    In der Fliegerei bezeichnet “Pilot” oftmals den Kopiloten. Bei den später entwickelten Space Shuttles war das jedenfalls der Fall, und auch dort bestand die “Flight Crew” aus Commander und Pilot. Natürlich musste aus offensichtlichen Gründen der CSM Pilot das CSM auch fliegen können, musste er doch laut Missionsplan alleine zurück bleiben.

    Die Sicherheitsmarge des Missionsprofils war übrigens noch etwas enger gezogen. Wer die Übertragung der Landung hört, wird bemerken, dass eine Stimme Zahlen durchgibt. Das war Aldrin, der zunächst die Höhe und dann auch die Geschwindigkeit über Grund durchgibt. Die Stimme, die zunächst “Sixty Seconds!” und danach “Thirty Seconds!” durchgibt, gehörte Charles Duke, als Teilnehmer von Apollo 16 Nummer 10 auf dem Mond. Er vermutete allerdings noch Jahre später, dass ob der geringen Höhe Armstrong auch bei “Mission Abort!” gelandet wäre. Es gab halt noch ein wenig Extrareserve. Die Meldung “Contact Light – Engine Stop!” stammte übrigens von Aldrin, dessen Aufgabe es wohl war, bei Bodenkontakt Meldung zu machen und das Triebwerk abzuschalten.

    Armstrongs eigenartiger Dialekt lässt seine Meldung nach Houston klingen wie “Tangordy Base her – the Eagle has landed!” Sonst sprrach man eher von “Tranquility”.

    In Stufen gezählt war eine startbereite Saturn V auf dem Weg zu einer Mondlandung eine sechs- bis siebenstufige Rakete. Das CSM müsste man als vierte (oder vierte und fünfte) Stufe rechnen und die letzten beiden waren dann der Lander mit seiner Abstiegs- und Aufstiegsstufe.

  4. #4 Leser
    22. Juli 2019

    6-stufig ist korrekt. Eine Stufe, die mehrfach gezündet wird, würde ich trotzdem nur als eine Stufe zählen. Die dritte Stufe der Saturn-Rakete und das Triebwerk des CSM wurden mehrfach gezündet.

  5. #5 Captain E.
    22. Juli 2019

    @Leser:

    Es geht aber nicht um die Anzahl der Zündungen, sondern um die Anzahl der Teile. Die dritte Stufe der Saturn V hatte zwei Brennphasen, und das Command and Service Module ebenfalls mindestens zwei. (Kleinere Kurskorrekturen wurden vermutlich eher mit den Korrekturdüsen ausgeführt als mit dem Haupttriebwerk.)

    Die Frage ist eher, ob man das Command- und das Servicemodul als eine Einheit sehen will oder als zwei getrennte Stufen. Die Beantwortung dieser Frage ist aber natürlich nur eine Spielerei.

  6. #6 Leser
    22. Juli 2019

    @ Captain E.

    CSM hatte nur ein Haupttriebwerk, daher nur eine Stufe ! Die Landekapsel war antriebslos. Das wäre ja sonst so, als ob man die Nutzlast als Raketenstufe mitzählen würde.

    Ich vergaß zu erwähnen, daß auch das Triebwerk der Aufstiegsstufe der Mondlandefähre für das Rendevous-Manöver möglicherweise mehrfach gezündet wurde.

  7. #7 Captain E.
    23. Juli 2019

    Der Grund für Aldrins “geheimer Messe” war übrigens die Aktion der Kollegen Borman, Lovell und Anders, die Weihnachten 1968 im Mondorbit aus dem Buch Genesis zitiert haben. Die meisten fanden es wohl gut, aber einer hat Klage eingereicht, und zwar wegen Verbreitung religiöser Botschaften über staatliche Kanäle. Für alle weiteren Missionen wurde danach von der NASA ein “Religionsverbot” erlassen.