Es gibt kaum etwas, das derzeit nicht von der COVID-19-Pandemie betroffen ist. Das neue Coronavirus ist nicht nur ein Problem für die globalen Gesundheitssystems sondern auch für alle möglichen wissenschaftlichen Projekte. Viel Forschung lässt sich zwar tatsächlich auch zuhause im Home Office durchführen. Viel aber auch nicht und das gilt gerade für große internationale Kollaborationen. Ein solches Großprojekt ist das Event Horizon Telescope, ein Netzwerk aus über die ganze Welt verteilten Radioteleskopen dem es 2019 gelang der Welt das erste Bild eines schwarzen Lochs zu präsentieren. Es wäre schön, wenn diesem ersten Bild auch noch das zweite, dritte und hundertste Bild folgen würden. Der Coronavirus verhindert derzeit aber auch das.

Um ein Bild von einem schwarzen Loch zu machen (und ja, das geht wie ich hier erklärt habe), kann man nicht einfach ein Teleskop zum Himmel richten und ein Foto machen. Die Löcher die man sehen kann sind groß, aber auch sehr weit weg. Um eine Chance zu haben sie abzubilden braucht es kein Einzelteleskop sondern eben ein großes Netzwerk an Geräten das zu einem sehr viel größeren virtuellen Teleskop zusammengeschaltet werden kann. Die Technik ist nicht einfach und im Fall des Event Horizon Telescope (EHT) ist es noch ein klein wenig schwieriger.

Das erste Bild eines schwarzen Lochs in der Galaxie M87
(Bild: EHT Collaboration)

Das schwarze Loch, das wir derzeit gut beobachten können liegt in der Galaxie Messier 87 und ist knapp 54 Millionen Lichtjahre entfernt. Wir können es deswegen beobachten, weil es enorm groß ist; das ein wenig kleinere und dafür nähere schwarze Loch in unserer eigenen Milchstraße würde sich im Prinzip auch beobachten lassen – was aber noch nicht gelungen ist.

In den Jahren 2017 und 2018 konnte man genug Daten sammeln um das mittlerweile berühmte Bild des schwarzen Lochs von M87 zu bekommen. Man kann aber leider nicht immer beobachten. Einerseits muss das Beobachtungsobjekt ja am Himmel sichtbar sein, was nicht immer der Fall ist. Andererseits muss das Wetter passen für die Beobachtung und es muss simultan an allen Beobachtungsorten passen. Insgesamt läuft es darauf hinaus, dass das Event Horizon Telescope nur für wenige Wochen von Ende März bis Anfang April die Daten sammeln kann, die es braucht. Im Jahr 2019 musste die Beobachtungssaison ausfallen, weil eines der wichtigsten Instrumente nicht zugänglich war: Das Large Millimeter Telescope in Mexiko musste aus Sicherheitsgründen weitesgehend gesperrt werden. Auf der Straße die dorthin führt kam es zu immer mehr Überfällen und Autoentführungen. Das scheint man mittlerweile im Griff zu haben, aber nun wurde auch die Beobachtungssaison 2020 abgesagt. Die Einschränkungen durch die Pandemie machen es unmöglich, alle nötigen Teleskope für die Beobachtungen einzusetzen.

Teleskope des EHT (Bild: EHT)

Wir werden also auf die Saison im Frühling 2021 warten müssen um neue Daten zu sammeln (und dann noch ein wenig länger bis daraus veröffentlichbare Bilder geworden sind). Aber immerhin: Wenn das Event Horizon Telescope 2021 – hoffentlich! – wieder den Betrieb aufnimmt, werden zwei neue Beobachtungsstationen in den USA und in Frankreich in das Netzwerk mit aufgenommen worden sein. Die zu erwartenden Bilder des schwarzen Lochs werden dann also noch besser sein als das, was wir bisher haben! Wir müssen nun also zwar länger warten – dafür haben wir aber auch etwas, auf das wir uns freuen können. Was ja auch nicht schlecht ist in Zeiten wie diesen…

Kommentare (3)

  1. #1 gazyrlezon
    24. März 2020

    Sollte der erste Satz nicht eher “es gibt kaum etwas …” heißen?

  2. #2 Florian Freistetter
    24. März 2020

    Danke!

  3. #3 Christian Berger
    26. März 2020

    Auch wenn das Event Horizon Teleskop im Moment nicht arbeitet, gibts eine anderes “Event Horizon” Projekt das ganz interessant ist:
    http://rocs.hu-berlin.de/corona/docs/forecast/results_by_country/
    Die versuchen auf Basis der verfügbaren Zahlen Vorhersagen zu COVID-19 zu machen.