Das hier soll der Anfang einer neuen Serie zum Thema Krebs sein. Meine bislang spannendsten wissenschaftlichen Erlebnisse hatte ich in der Krebsforschung und ich möchte versuchen so gut es geht, sowohl zu erklären, was Krebs ist und wie er „funktioniert”, als auch mitzuteilen, warum ich und viele andere Forscher dieses ‚feindliche Phänomen’ so faszinierend finden und sich ständig dadurch herausgefordert fühlen.

Krebs ist eine schlimme und nicht selten tödliche Krankheit, es gibt eine Unzahl verschiedener Krebsarten und so ziemlich jedes Organ kann davon betroffen sein.
Laut der „Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland” erkrankten 2008 469.800 Menschen in Deutschland an Krebs, das sind etwa 43.000 Patienten mehr als 2006. Für 2012 werden, basierend auf dieser Zahl, ca. 486.000 neue Krebserkrankungen erwartet. Noch sind Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems die Haupttodesursache doch wahrscheinlich wird Krebs in nicht allzu ferner Zukunft diese Stellung einnehmen, insbesondere, weil Krebs eine Erkrankung der Alten ist und die Menschen in den Industrienationen immer älter werden. Statistisch ist es daher heute schon so, daß jeder Mensch, der nicht selber von Krebs betroffen ist, zumindest eine Person näher kennt oder mit ihr verwandt ist, die Krebs hat. Krebs ist also ein gewaltiges medizinisches Problem und damit zugleich eine große Bedrohung für die allgemeine Gesundheit und eine ebensogroße Herausforderung für die Wissenschaft.

Doch die wenigsten wissen, was Krebs eigentlich wirklich ist. Krebs ist der Feind im eigenen Körper, der aus einer irgendwann entarteten, also ‚bösartig’ gewordenen ganz normalen Zelle hervorgegangen ist, die sich Schritt für Schritt zu einem mit allen Wassern gewaschenen Terrorkommando, das gegen alle Abwehrmaßnahmen des Körpers gewappnet und dabei häufig tödlich ist, verwandelt hat.
Wenn man versteht, wie flexibel und scheinbar „genial” Tumoren, also Krebsgeschwulste, sich selbst und ihr unmittelbares zelluläres Umfeld organisieren und modifizieren, mit Nährstoffen und Resourcen versorgen und, völlig abgekoppelt von den eigentlichen Aufgaben ihrer Ursprungszellen und der Notwendigkeit zur „Nützlichkeit” für den Organismus, ein Eigenleben und zugleich evolutives Wettrüsten mit dem restlichen Körper führen, so daß man sich immer wieder klar machen muß, daß kein böser, planender Geist dahinter steckt, der sie sich ausdenkt, dann kann mancher nicht umhin, zu empfinden, daß Krebs ziemlich unheimlich ist.
Aber genau das macht Krebs auch irgendwie geheimnisvoll und – so merkwürdig das klingt – ungeheuer faszinierend.

Ein Beispiel: eine besonders gefürchtete Eigenschaft fortgeschrittener Tumoren ist die Metastasenbildung. Die Tumoren, die in Kontakt mit größeren Blut- oder Lymphgefäßen gekommen sind, scheiden einzelne Tumorzellen ab, die im Strom von Blut oder Lymphe mitfließen und dann irgendwo anders im Körper „an Land gehen”, sich dort ansiedeln und eine Tochtergeschwulst, eine Metastase bilden. Es gibt aber inzwischen Erkenntnisse, denen zufolge Tumorzellen in diesen „Außenstellen” auch nur als Gäste verweilen können, um sich dort, fast wie in einem Trainingscamp, neue Fähigkeiten, die sie in ihrem Ursprungstumor nicht hatten erwerben können, anzueigenen, um dann genau dorthin zurückzukehren und das neu „Erlernte” in dessen Dienst zu stellen. Ist das nicht zu gleichen Teilen großartig und gruselig?!

Meine Zeit in der Krebsforschung war, gemessen an der intellektuellen Herausforderung und ohne die Disziplinen der forensischen Wissenschaft schmälern zu wollen, sicher die bisher spannendste in meinem Wissenschaftlerdasein.
Die Krebsforschung ist dabei ein klein wenig paradox: es wird ungeheurer Aufwand betrieben, um zu verstehen, wie die Tumorzellen „ticken”, und man entwickelt eine brennende Neugier darauf, zu verstehen was sie können und wo ihre Schwachstellen liegen, welchen „Charakter” ein Tumor hat, wo er herkommt und wo er „hin will”. Man grübelt ständig darüber, wie er bestimmte Dinge macht, wie er dieser oder jener Abwehrmaßnahme des Körpers entgeht und man versucht, sich Experimente auszudenken, mit denen man seine eigenen Hypothesen überprüfen und dem Tumor „in die Karten schauen” kann.
Kurz: man möchte ihn so gut und noch besser kennenlernen, als einen engen, lieben Freund, über den fast man alles weiß, dessen Geheimnisse, Eigenschaften, Schnurren und kleine Tricks man kennt und für den man schon nicht selten einen begonnenen Satz zuendesprechen konnte. Ich kenne auch einige Krebsforscher, die über „ihren Tumor” tatsächlich wie über eine gut bekannte Person sprechen können und die im Gespräch mit anderen Forschern deren spezifische Eigenschaften fast wie beim Autoquartett vergleichen.
Und jetzt die Paradoxie: all dieses in Jahren angehäufte Wissen dient nicht der Pflege und Aufrechterhaltung einer langen Freundschaft, sondern der erbitterten Bekämpfung und letztlich Vernichtung dessen, was man so gut und innig kennt, getrieben vom Wunsch, ihm eines Tages nie wieder begegnen zu müssen. Irgendwie schon ein bißchen verrückt, oder?

Was mich persönlich an der Krebsforschung aber am meisten fasziniert und herausfordert, ist, daß es sich dabei um eine zunehmend logisch aufgebaute Wissenschaft handelt, die die nahezu unzähligen komplexen, phänotypischen Erscheinungen des Phänomens Krebs auf eine kleine Gruppe begründender Prinzipien zurückführen kann. Und genau diese möchte ich in den Folgen dieser Serie vorstellen.

Kommentare

  1. #1 segeln141
    21/08/2012

    xxxx

  2. #2 Matt
    21/08/2012

    Sehr interessant! Bin gespannt!

  3. #3 Andreas
    22/08/2012

    Ebenso!

  4. #4 rolak
    22/08/2012

    och menno, alle nutzen mein Faible für Serien aus ;-)

    Zur Entscheidung bei der Fortbildungsauswahl hat es bei mir zwar nicht gereicht, doch faszinierend fand ich das Thema Krebs, seit mir klar (gemacht [Schule]) wurde, wie ungemein komplex die Abläufe in den Zellen sind und wie wenig nötig ist (Viren), um diese Prozesse umzubauen.
    Kann ja sein, daß dies mein (zweites, schon damals bekanntes) Faible für einen schönen, funktionalen Hack fütterte, doch es ließ sofort Phantasieen über Heil-, Umbau- und Upgrade-Nanomaschinen aufkommen, weit bevor mir ‘Nanomaschine’ als Wort bekannt war.

  5. #5 artlan
    22/08/2012

    Siddhartha Mukkerjee: “Der König aller Krankheiten, Krebs − eine Biografie”

  6. #6 Fliegenschubser
    22/08/2012

    Das verspricht eine sehr spannende und interessante Serie zu werden. Ich freu mich drauf!
    Cornelius, hast du für das Beispiel, dass einzelne Krebszellen “Ausbildungslager” besuchen, irgendwelche Quellen, im Idealfall ein paar Paper oder Reviews? Das würd ich mir gerne im Detail mal anschauen…

  7. #7 Mike Macke
    22/08/2012
    “all dieses in Jahren angehäufte Wissen dient nicht der Pflege und Aufrechterhaltung einer langen Freundschaft, sondern der erbitterten Bekämpfung und letztlich Vernichtung dessen, was man so gut und innig kennt, getrieben vom Wunsch, ihm eines Tages nie wieder begegnen zu müssen.”

    Erinnert irgendwie an die IMs der Stasi…

    Auf alle Fälle bin ich auch gespannt, was man hier noch erfahren wird!

  8. #8 Ludger
    22/08/2012

    Gut – ist immer weniger spannend als böse. Mich interessiert dabei, wieviel des bösartigen Verhaltens neu erfunden wurde und wieviel davon reaktiviertes “Embryonalverhalten”. Ich denke dabei z. B. an das Verhalten des Trophoblasten bei der Sicherstellung einer maximalen Blutversorgung: http://www.embryology.ch/allemand/fplacenta/villosite03.html

  9. #9 Cornelius Courts
    22/08/2012

    @Fliegenschubser: “hast du für das Beispiel, dass einzelne Krebszellen “Ausbildungslager” besuchen, irgendwelche Quellen, ”

    jup. Guckstu hier:
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=20064377
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20981102
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=20981088

  10. #10 JanG
    22/08/2012

    Auf diese Serie habe ich lange gewartet, toll, dass die jetzt kommt. Ich habe Paar in meinem Freundeskreis bei dem die Frau seit einiger Zeit einen Knoten in der Brust hat. Allerdings meiden beide einen Arzt da sie genau wissen, was ein Krebs ist, wie er entsteht und wieder verschwindet. Denn sie kennen die “Lehre” von Hamer und lehnen daher jede schulmedizinische Behandlung ab.

    Diskussionen bringen nicht viel, ich habe auch als Physiker nicht so die Ahnung von Medizin. Vielleicht aber kommen hier in dieser Serie ein paar interessante Fakten für mich. Ich freu mich auf jeden Fall drauf.

    Wer von Hamer noch nie was gehört hat, der findet hier einen ersten Ansatzpunkt:
    http://psiram.com/ge/index.php/Germanische_Neue_Medizin

  11. #11 Johannes9126
    22/08/2012

    @ Jan G
    Ich warte noch gespannt auf den ersten Crank der Hamer-Sekte der hier aufschlägt und erzählt das es gar keine Metastasen gibt und das die Bösartigkeit von Krebs eine Erfindung der pöhsen Chulmedizin ist.

  12. #12 JanG
    22/08/2012

    @Johannes9126

    Das größte Problem, das ich sehe ist, dass die Argumentation immer die selbe ist, die bekomme ich nämlich bei meinem Freund mit. Der verweist nämlich immer darauf, dass bei allen Fällen, die er in seinem Freundeskreis findet, die Aussagen der NM immer richtig sind. Und er verlangt von mir, dass ich ihm auch nur ein Gegenbeispiel liefern soll.

    Es ist zutiefst beängstigend, dass man hier mit vernünftigen Argumenten nicht voran kommt, dass offensichtliche Fehlinformationen nicht zur Kenntnis genommen werden.

  13. #13 Fliegenschubser
    23/08/2012

    @Cornelius: Super, vielen Dank! Werd ich mir morgen mal durchlesen. Klingt auf jeden Fall schon mal sehr spannend…

  14. #14 noch'n Flo
    23/08/2012

    @ JanG, @ Johannes9126:

    Bei der GNM ist vor allem problematisch, dass ihre Organe mittlerweile derartig gut durchorganisiert sind, dass man durchaus schon von einer Sekte sprechen kann.

  15. #15 Cornelius
    23/08/2012

    @Jan/Johannes/Flo:
    krass! Ich hatte von GNM zwar schon gehört, das aber als “yet another” verschrobene kleine Bande von in unterschiedlichem Maße angenaziten Freaks und Spinnern abgetan. Hatte bisher keine Ahnung, daß das ein größerer und auch noch organisierter Verein ist…
    Aber da es ja heute zum guten Ton gehört, zu allem auch ein Denialism zu haben (AIDS, Klimaerwärmumg, Impfnutzen etc.) wäre es doch gelacht, wenn es nicht auch Krebsdenialism gäbe… *headdesk*

  16. #16 adenosine
    23/08/2012

    Evolutionär sinnvoll wäre die Fähigkeiten des Krebs doch nur, wenn er diese Fähigkeiten auch über den Tod des Wirtes hinaus weiter vererben könnte, z.B. durch Infektion?

  17. #17 Cornelius
    23/08/2012

    @adenosine: “Evolutionär sinnvoll wäre die Fähigkeiten des Krebs doch nur, wenn er diese Fähigkeiten auch über den Tod des Wirtes hinaus weiter vererben könnte, z.B. durch Infektion?”

    Nein, wieso? Dem Krebs ist der “Wirt” ja egal und er arbeitet auch nicht auf ein spezielles Ziel hin – man muß immer bedenken, daß es keinen Plan, keine Absicht, keine Richtung und eben keinen “Sinn” gibt. Es setzen sich einfach rein zahlenmässig diejenigen Zellen durch, die sich am effizientesten vermehren können (z.B. nach einer Chemo genau die paar wenigen, die zufällig immun gegen die Chemo sind und dann in genau die “Nische” die die Chemo geschlagen hat, vordringen), egal, was das für Folgen hat.
    Das ist genau wie bei bestimmten Viren, z.B. Ebolaerregern. Wenn sich ein Mensch damit infiziert und auf einer einsamen Insel sitzt, wäre das Virus ja “besser beraten”, den Menschen nicht ganz so schnell zu killen, damit er, falls er von der Insel noch mal runter kommt, noch mehr Leute anstecken und dem Virus damit eine größere Vermehrungsmöglichkeit ermöglichen könnte. Doch das Virus ist nicht intelligent und kann nicht auf Isolation des Wirts reagieren, also stirbt der Wirt sehr schnell und das Virus mit ihm…

  18. #18 Mortimer
    24/08/2012

    Wenn sich ein Mensch damit infiziert und auf einer einsamen Insel sitzt, wäre das Virus ja “besser beraten”, den Menschen nicht ganz so schnell zu killen, damit er, falls er von der Insel noch mal runter kommt, noch mehr Leute anstecken und dem Virus damit eine größere Vermehrungsmöglichkeit ermöglichen könnte.

    So ein Virus würde sich natürlich viel besser verbreiten deshalb ist das Grippe Virus ja auch so viel erfolgreicher.

    Aber kann man das vergleichen? Ist die Strategie/Evolution die ein Krebsgeschwür durchlebt jedes mal neu oder ist sie in den Genen kodiert? Wenn sie kodiert wäre und die Patienten schnell sterben würde auch die Menge der Menschen steigen die diese Kodierung nicht haben.

  19. #19 BreitSide
    24/08/2012

    xxx

  20. #20 Guido
    24/08/2012

    Ist schon eigenartig warum sich die sogenannte wissenschaftliche Medizin und Typen wie Hamer derartig bekämpfen. Sie haben doch viel gemeinsam.
    Beide stehen dem Krebs hilflos gegenüber und reissen das Maul auf.
    Beiden glauben die jeweils Einzigen zu sein, die die ausschliesslich richtige Sache vertreten. Beide zocken ihre Patienten ab bevor diese eingehen.
    Das sind doch wesentliche Gemeinsamkeiten.

  21. #21 Ludger
    24/08/2012

    Guido·
    24.08.12 · 18:28 Uhr
    [...] die sogenannte wissenschaftliche Medizin und Typen wie Hamer [...]
    Beide stehen dem Krebs hilflos gegenüber und reissen das Maul auf.[...]

    “Den Krebs” gibt es vor allen Dingen im Sprachgebrauch von Wunderheilern. In der wissenschaftlichen Krebstherapie wird schon sehr nach Lebenssituation der Patientin/des Patienten, Histologie, Tumorstadium, Rezeptorstatus, Lymphbahneinbruch und so weiter und so fort differenziert und danach die Behandlung ausgerichtet. Das habe ich Dir ja schon erklärt:

    Ludger· 17.08.12 · 20:26 Uhr Zitat[x]
    ………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………..
    Guido·17.08.12 · 19:14 Uhr [...] Vor kurzem wurde z.B. eine Studie bekannt die nachzuweisen versucht, dass Chemotherapie als krebsfördernd zu bezeichnen ist. [...]
    …………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………
    Das ist seit Jahrzehnten bekannt. Deswegen kommt es bei der Schaden-Nutzenbewertung einer adjuvanten Chemotherapie darauf an, welcher Überlebensvorteil sich bei der Kaplan-Meier Kurve ergibt. ( http://de.wikipedia.org/wiki/Kaplan-Meier-Sch%C3%A4tzer ) Dabei wird – grob gesagt – wieviel Prozent [...] bitte weiterlesen: http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/08/denialismus-beim-impfen.php

    Die Kaplan-Meier Kurven werden besser und es gibt auch Heilungen. Deine Formulierung “reissen das Maul auf.” sind dabei nicht ehrlich und nicht hilfreich, waren wohl von Dir auch nicht so gedacht.

  22. #22 Guido
    24/08/2012

    @ Ludger

    Ich glaub schon dass die Kaplan Meier Kurven besser werden.
    Nebenbei gesagt halte ich es für eine Unart in der medizinischen Terminologie mit
    Familiennamen zu bezeichnen. Es muss einer schon ein ziemlicher Depp sein, wenn er stolz darauf ist dass eine Krankheit nach ihm benannt ist.
    Beschreibungen die das Leiden bildhaft beschreiben, halte ich für weit hilfreicher.
    Aber das nur am Rande.
    Ich kenne (kannte) 6 Menschen, die Krebs haben (hatten) . Alle werden (wurden) nach schulmedizinischen Regeln behandelt. 4 davon waren nach 1 – 3 Jahren tot. Die 5. (Lebertumor) hat nach Anraten eines Heilpraktikers die 3 Chemotherapie verweigert und liess sich von ihm behandeln. Der Tumor kann im Augenblick nicht mehr festgestellt werden von der Schulmedizin (nach ein paar Monaten Behandlung beim Heilpraktiker)
    Die 6. wird seit 3 Jahren mit Chemo behandelt und ein Ende ist nicht abzusehen.
    Da ist es doch nicht verwunderlich, wenn Menschen andere Wege suchen obwohl ihnen von der Schulmedizin immer wieder erklärt wird, es gäbe keine Alternative zu Chemo und Bestrahlung. SIE können nichts Anderes, das ist es. Grosse Klappe und Nichts dahinter.
    Und was die Statistiken betrifft, die immer wieder beweisen wollen, das diese Therapien das Leben verlängern, so glaube ich einfach, dass man heute die Tumore früher entdeckt als in der Vergangenheit durch genauere Untersuchungen und dass die Spanne zwischen Endeckung und Ende deshalb länger ist, nicht aber wegen der Therapie die die Lebensqualität oft gegen Null sinken lässt und wegen der verschämt bezeichneten “Nebenwirkungen” eher lebensverkürzend ist.
    Das Ganze ist ein riesiges Geschäft mit Milliarden Umsätzen.

  23. #23 Ludger
    25/08/2012

    @Guido
    Wie schon gesagt, den Krebs gibt es nicht. Deswegen ist Deine Aufzählung ohne Erkenntnisgewinn. Verschiedene Tumorarten haben sehr individuelle Verläufe. Deswegen braucht man statistische Analysen, um den Wert einer Therapie abschätzen zu können. Auf welche Statistik verlässt sich denn Dein Heilpraktiker? Oder bekommen alle Tumorpatienten bei ihm Mistel, Selen Vitamine und Mineralstoffe?. Gut, dann kann man die Leute mit den langsamen Verläufen als Erfolg verbuchen. Bei den Kaplan-Meier Kurven differenziert man übrigens nach Tumorstadien, deswegen ist Dein Argument mit der früheren Diagnose leider falsch. Wenn Du gesund bist, geh ruhig weiter zum Heilpraktiker: Du bist zufrieden, er ist zufrieden, Deine Krankenkasse ist zufrieden, der Apotheker ist zufrieden- lauter glückliche Menschen. Wehe Du gehst zum Arzt: dann bist Du krank und alles ist schlecht.

  24. #24 Guido
    25/08/2012

    @ Ludger

    Es geht nicht um Theorien und um Gequatsch. Es geht um Heilung von Krankheiten, soweit dies noch möglich ist. Dieser Heilpraktiker, den ich erwähnte nimmt beileibe nicht jeden Patienten. Nur die, bei der er glaubt erfolgreich zu sein können.
    Darum verdient er auch nur einen Bruchteil als andere Ärzte verdienen, nur kann er in den meisten Fällen helfen. Und das ist eigentlich die Aufgabe des Arztes. Nicht Theorien zu schwingen und abzuzocken sondern Kranken zu helfen. Da sollte man jedem Arzt dick ins Stammbuch schreiben. Das ist von Vielen völlig vergessen worden.

  25. #25 Ludger
    25/08/2012

    Guido·
    25.08.12 · 11:07 Uhr
    @ Ludger[...] Dieser Heilpraktiker, den ich erwähnte nimmt beileibe nicht jeden Patienten. Nur die, bei der er glaubt erfolgreich zu sein können.[...]

    Das ist mir aber ein genialer Heiler! Deswegen ist er auch so erfolgreich. Bei Ärzten wäre das unterlassene Hilfeleistung. Unterlassene Hilfeleistung ist natürlich nur dann strafbar, wenn Hilfe möglich gewesen wäre. Unterlassene Hokuspokusleistung ist allerdings kein Straftatbestand.

  26. #26 Guido
    25/08/2012

    @ Ludger

    Das ist ein blödes Gesetz und ich glaub auch nicht dass das so gilt.
    Bei einer medizinischen Behandlung ist es allemal besser nichts zu machen als was Schädliches. Einem Patienten zu schaden ist doch keine Hilfeleistung. Das ist eine faule Ausrede um in jedem Fall Kohle zu machen.

  27. #27 Ludger
    26/08/2012

    Guido·
    25.08.12 · 22:31 Uhr@ Ludger
    [...]

    Deine Gedanken sind zu stark auf das Geld fixiert. Schon mal was von palliativer Therapie gehört? http://de.wikipedia.org/wiki/Palliative_Therapie

  28. #28 threepoints...
    26/08/2012

    “Krebs ist der Feind im eigenen Körper”

    -> Was nicht besonders Mut macht. Sogar eher demoralisiert – was vielleicht ein wichtiger Faktor in der Entwicklung der “Krankheit” ist.

    Auch nicht besonders redlich finde ich die Faszination des Autors für den “Feind” im Zellgewebe. Hier sollte der ambitionierte Mediziner oder Forscher eher mit einem gewissen Maß an Hass und Abneigung herangehen – Kampfesstimmung steigernd … nicht war! Nicht huldigend bewundern.

    Immerhin verrecken tausende Menschen daran jährlich…

  29. #29 Cornelius
    27/08/2012

    @threepoints: “Was nicht besonders Mut macht. Sogar eher demoralisiert ”
    Und deshalb sollte man lieber was? Lügen? Beschönigen? Verharmlosen? Falsche Hoffnungen wecken? Am Ende gar so tun, als könne Freund Esoterik weiterhelfen. Ist nicht drin! Wer Krebs hat, sollte wissen, daß er/sie eine wirklich ernste, gefährliche Krankheit hat, die nicht immer unheilbar ist, zu deren Bekämpfung es aber Willenskraft, Durchhaltevermögen und Disziplin bedarf.

    “Auch nicht besonders redlich finde ich die Faszination des Autors für den “Feind” im Zellgewebe.”
    Redlich?! Geht’s noch?! Meine Faszination ist offensichtlich und eindeutig auf die Einblicke gerichtet, die der Forschung bereits gelungen sind und auf die unglaubliche Komplexität und Wandelbarkeit dieser Krankheit und das geht ganz vielen Forschern so – zum Glück, muß man sagen, weil genau diese Faszination sie antreibt. Nach Deiner Logik dürfte ein Zoologe auch nicht von z.B. Haien fasziniert sein, weil diese immer mal wieder einen Menschen fressen.

    “Hier sollte der ambitionierte Mediziner oder Forscher eher mit einem gewissen Maß an Hass und Abneigung herangehen – Kampfesstimmung steigernd … nicht war! ”

    Soso, Haß und Abneigung. Gegen wen doch gleich? Den Krebs? Wie ist der denn so, dieser Herr Krebs? Ist das ein Rassist, wählt der NPD, schlägt der kleine Kinder? Krebs ist eine Krankheit, die untrennbar mit der Natur unserer Zellen, der Beschaffenheit unserer DNA und den Prinzipien der Evolution verbunden ist. Er ist eine nahezu unausweichliche Konsequenz unseres biologischen Soseins. Ein Einzeller z.B. kann keinen Krebs bekommen.
    Den Krebs also zu personalisieren und dann ein Gefühl wie “Hass” zu erzeugen und auf ihn zu richten, zeugt von einem zutiefst uninformierten, magischen Denken, daß überhaupt nicht weiterhilft und genau das Gegenteil ist von dem, was ich hier erreichen will, nämlich versuchen zu erklären, was Krebs wirklich ist.

    “Nicht huldigend bewundern.”

    Das einzige, was es zu bewundern gilt und was ich bewundere, ist, was man schon alles weiß und mit welch’ genialen Experimenten und unendlichem Fleiss man diese Erkenntnisse der Natur abgetrotzt hat. Ich mache aber auch keinen Hehl daraus, daß sehr viel noch unverstanden und ist und Unmengen an Arbeit noch vor uns liegen.

    “Immerhin verrecken tausende Menschen daran jährlich…”
    Genau. Deshalb wird daran, selbst in Deutschland, auch so viel geforscht, jedenfalls, so weit es die nicht gerade üppigen Forschungsmittel und die wissenschaftsfeindliche Umgebung hier zulassen. Btw: was ist denn DEIN Beitrag beim “Kampf” gegen Krebs? Nix, sachste? Nicht mal der DKH ‘was gespendet, sachste?

  30. #30 threepoints...
    27/08/2012

    @ Cornelius· 27.08.12 · 08:10 Uhr

    “Den Krebs also zu personalisieren und dann ein Gefühl wie “Hass” zu erzeugen und auf ihn zu richten, zeugt von einem zutiefst uninformierten, magischen Denken, daß überhaupt nicht weiterhilft”

    -> Faszination ist auch was “magisches” …oder fühlt es sich nicht so an? Hassen kann man auch einen Gegenstand – es bedarf keine Person als Auslöser. Aber so, wie ich Krebs verstehe, hat er unmittelbar mit den Grundlagen des Lebens zu tun und ist kein Gegenstand. Also ist das “personalisieren” dann auch nicht ganz so falsch.

    Und mit der Aussage “der Feind im eigenen Körper” habe ich auch nicht mit der Personalisierung angefangen. Das war ja gerade meine Intention, dass man davon wegkommt. Aber nun ja, mag sein, dass die Empfehlung “Hass und Ablehnung” hier einen ähnlichen Effekt erzielen kann.

    Mein Beitrag zum Kampf gegen Krebs …?

    Ich habe meine Kindheit erheblich einschränkend erleben müssen, weil meine Eltern schwer krank wurden. Unter anderem mein Vater, der an Krebs erkrankte.

  31. #31 Johannes9126
    27/08/2012

    @ Guido:
    ” Dieser Heilpraktiker, den ich erwähnte nimmt beileibe nicht jeden Patienten. Nur die, bei der er glaubt erfolgreich zu sein können.”

    Wie geil ist das denn. Wenn wir “Schul”Mediziner auch nur diejenigen Patienten aufnehmen bzw. behandeln würden, bei denen wir glauben, erfolgreich sein zu können, wären unsere (Krebs-)Heilungsraten auch phänomenal.

  32. #32 Johannes9126
    28/08/2012

    @ JanG
    “Der verweist nämlich immer darauf, dass bei allen Fällen, die er in seinem Freundeskreis findet, die Aussagen der NM immer richtig sind. Und er verlangt von mir, dass ich ihm auch nur ein Gegenbeispiel liefern soll.”

    Das ist nicht nötig. Die Aussagen bzw. “Konflikte” der GNM sind viel zu schwammig um sinnvolle Vorhersagen zu machen. Jeder Mensch hat ca. 50 Situationen pro Tag, aus denen der GNMler einen “Konflikt” basteln kann. Vom Verschlucken beim Zähneputzen bis zum verpaßtem Sitzplatz in der Straßenbahn kann dann vom Herzinfarkt bis zum Krebs alles “begründet” und “bewiesen” werden.

    Zudem sind die GNMler in der Beweispflicht, und da müssen schon harte in vitro- und in vivo Daten kommen, die in 30 Jahren nicht erhoben werden konnten. Spricht nicht für die Kompetenz der Spinner…

  33. #33 Ludger
    28/08/2012

    [...]Aussagen der NM immer richtig[...]

    Dazu :http://de.wikipedia.org/wiki/Germanische_Neue_Medizin

  34. #34 Ludger
    28/08/2012

    JanG·
    22.08.12 · 22:47 Uhr
    @Johannes9126
    [...]Und er verlangt von mir, dass ich ihm auch nur ein Gegenbeispiel liefern soll.

    Es gibt mehrere Studien zu dem Thema (zitiert bei):
    http://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/stress.php/#inhalt9
    Zur Erklärung: Die Dänen haben offenbar ein Staatliches Gesundheitswesen, in dem Daten von Standesämtern und “Krankenkassen” miteinander abgeglichen werden können. Frauen, denen ein Kind verstorben ist (!), bekommen durch einen solchen Extremstress nicht häufiger Brustkrebs als die Normalbevölkerung.

  35. #35 Thomas
    28/08/2012

    Hallo Cornelius,

    ich bin auch Krebsforscher (komme aus der Molekularbiologie) und bin gespannt auf deine Blogs.

    Gruß, Thomas

  36. #36 Cornelius
    30/08/2012

    @Thomas: na dann willkommen hier; Du wirst sicher auch die Faszination bestätigen können, die man in diesem Feld immer wieder verspürt, oder?
    Und wenn Du mal Lust hast, einen Gastbeitrag über “Deinen” Tumor zu schreiben, sag bescheid :-)

  37. #37 Rami
    Leverkusen
    28/11/2012

    @Cornelius
    finde deine Einleitung sehr interessant und gut erklärt!
    Ich bin auch Forscher, jedoch von einer ganz anderen Fakultät.
    Daher kann ich deine Forscher-Intensionen sehr gut nachvollziehen – auch was es mit der Aussage “Faszination” auf sich hat.

    Da ich kein Mediziner oder Molekularbiologe bin, verzeiht mir bitte eventuelle laienhafte Ausdrücke ;-)
    Ich finde, dass man alle Disziplinen beachten sollte, jedoch sich nicht in Hasstiraden o.ä. verstricken sollte. Das führt zu nichts.
    Wichtig wäre z.B. komplementäre Ergebnisse mit einzubeziehen und diese dann zu experimentell zu beurteilen.
    Es gibt mache, verdammt logisch klingende Ansätze, die mit Sicherheit auch gecheckt werden können.
    Stichwort wäre hier z.B. das DCA (Dichloressigsäure), das ja schon bei dem Gendefekt Laktoazidose med. angewandt wird.
    Studien wären hierzu notwendig, die weitergehen als die bisher gemachten. Leider auch immer wieder eine Geldfrage …
    Vielleicht ist es auch interessant zu wissen, dass es sehr wohl schon Mittel gibt gewisse Krebsarten zu bekämpfen, meist ist es aber da ein Problem, die Substanzen in der klinisch wirksamen Dosis an die Zellen zu bekommen.
    Es wird meist schon vorher verstoffwechselt. Sogar AIDS-Wirkstoffe gibt es, allerdings mit dem gleichen Problem.
    Im “Reagenzglas” funktioniert das, in einem komplexen Organismus nicht immer erwartungsgemäß.
    Ich kann nachvollziehen, wie viel unendliche Kleinarbeit zu bewerkstelligen ist, um endlich wieder Teil dem “Erkenntnisdunkel” entrissen zu haben.
    Vielleicht sollte man die Naturstoffe beachten, die z.T. auch sehr gute Wirkungen / Linderungen bei Krebspatienten zeigen. z.B. Reishii-Pilze oder den brasilianischen Götterpilz (Champion-Art).
    Erwähnenswert wären auch die Ansätze der orthomolekularen Medizin, die postuliert, dass die Krebszellen prinzipiell Zellen sind, die die Mitochondien “abgeschaltet” haben und deshalb die Atmungskette nicht mehr zur Energieerzeugung nutzen, sondern die “anaerobe” Zuckerverbrennung zur Milchsäure. Das würde den Säureschutzmantel der Krebs-Zellen erklären.
    Den Ansatz über eine gezielte Antikörpertherapie finde ich auch faszinierend.
    Natürlich ist jeder Krebs speziell und auch individuell jedoch sollten alle Disziplinen zusammenarbeiten OHNE kommerzielle Hintergedanken… Leider wird das ein Wunschtraum bleiben und so sind wir auf die Menschen angewiesen, die aus Überzeugung Forschen, Hinterfragen und neugierig sind. DANKE an all diejenigen, die das im Dienste der Menschheit machen!
    Letztendlich ist aber gerade bei Krebs die Früherkennung, die größte Aussicht auf Heilerfolg.
    Späte Stadien der Stufe D sind (noch) nicht kurativ behandelbar. Leider.
    Mein Wunsch ist es, das die Forschung auf diesem Gebiet mit allen Mitteln gefördert wird OHNE kommerzielle Interessen im Interesse der gesamten Menschheit!!

  38. #38 nicke
    denstret 3
    22/12/2012

    bloeder krebs