Molekularbiolyrik V

für’s Wochenende :-)

Die Ballade vom Spleißen

Wie wäre diese Vielfalt zu erklären,
die sich doch in uns darstellt, wenn nicht mehr
als ein reifes Transkript könnte gebären
ein jedes Gen? Nachdem durch Fahrten der

Polymerase RNA-Abschriften
von einem Gen geschaffen worden sind
und jene noch des Kernes Raum durchdriften,
erscheint der strenge Lektor und geschwind

ergreift er sie. Mit seinen Augenhänden
U4, U5, U6, U1, U2
kann er sie fassen, lesen, biegen, wenden,
um dann, was seines Wirkens Zwecke sei,

die nicht gelung’nen Teile auszuscheiden,
doch die Kapitel mit dem klugen Sinn
zu halten, dabei Fehler zu vermeiden,
und neu zu stellen, so daß immerhin

von einem Gene viele Varianten
gesetzet werden können, daß sodann
die Heerschar der mRNA-Gesandten
der Zelle Lustbarkeiten dienen kann.

Kommentare

  1. #1 Claudia
    http://cloudpharming.blogspot.de
    26/04/2013

    Meisterhaft. :-)

  2. #2 Bloody Mary
    27/04/2013

    Deine Molekularbiolyrik dient der Leser Lustbarkeiten. Habe noch nie Vergleichbares genossen.

    Grüsse von Deinem intellektuellen Groupie

  3. #3 Olaf aus HH
    Hamburg, D, Europa, Erde...
    28/04/2013

    Hallo CC,

    ist das von Ihnen formuliert ? Sehr schön.
    Gibt es eine Beschreibung der mentalen Schöpfungsbedingungen und des Settings ? ;-)

    Hier in Hamburg bzw. im Norden mit Seefahrt kennt man das allerdings schon länger – das Spleißen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Splei%C3%9Fen

  4. #4 Cornelius
    28/04/2013

    @Olaf: “ist das von Ihnen formuliert ? Sehr schön.”
    Danke, ja, ist von mir. Ich hatte seinerzeit (http://scienceblogs.de/bloodnacid/2012/09/24/molekularbiolyrik-i/) die “Molekularbiolyrik” ins Leben gerufen, um mir die Zeit zu vertreiben.

    Teil V ist nun entstanden, weil ich derzeit ein sehr schönes Buch über RNA lese, in dem mir unlängst die Geschichte der Entdeckung des Spleißens beschrieben wurde. Das hat mich inspiriert :-)

  5. #5 Laura
    11/05/2013

    Wow, wundervoll :)
    Ich hatte auch mal ein Gedicht über das Splicing geschrieben! Finde ich schön, dass so etwas noch andere Leute machen :)

  6. #6 Cornelius
    15/05/2013

    @Laura: “Ich hatte auch mal ein Gedicht über das Splicing geschrieben! ”

    Echt? Cool. Her damit :-)

  7. #7 Laura
    15/05/2013

    Es ist nicht so schön wie deines, aber hier kommt es :)

    Introns und Exons steh’n in Reih und Glied
    Aneinander gekettet als wär’n sie verliebt

    Die Splicosomen rufen wenn sie kommen:
    ,,Raus ihr Introns, raus mit euch!”
    So waren Introns mit einem Mal verscheucht

    Die Exons sind sich nun so nah
    Wie sie es nie zuvor waren
    Aus ihnen entsteht ein neues Protein
    Und die Introns sind allein geblieben