Ich befinde mich derzeit noch im labilen Zustand der Meinungsbildung hinsichtlich der Genderforschung, ich tendiere aber momentan zu der Einschätzung, daß zumindest einige der in diesem Feld vertretenen Thesen einer wissenschaftlich haltbaren Grundlage entbehren und eher einen ideologiekonformen post-hoc-angepassten Charakter besitzen. Daß, beispielsweise, die bei (biologischen) Frauen und Männern unterschiedlichen chromosomalen Ausstattungen, entwicklungsbiologischen Verläufe, hormonellen Milieus und neurologischen Strukturen keinerlei Auswirkung auf Denken, Fühlen und Verhalten haben sollen und das Geschlecht einzig und allein ein soziales Konstrukt sei, halte ich für eine These, für die bislang keinerlei Belege existieren.

JzjIR

Daß biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen eine Rolle spielen, finden übrigens auch einige Viren, die das Glück haben, keine „hot topic“ Genderdebatten in den sozialen Medien mitverfolgen zu müssen, sondern stattdessen lieber selber „viral gehen“ (und damit soll es mit den potthäßlichen Anglizismen hier auch sein Bewenden haben):

Es gibt Belege dafür, daß Männer stärkere Symptome durch Infektionskrankheiten aufweisen und auch häufiger daran sterben als Frauen, was man allgemein häufig auf das vergleichsweise bessere Immunsystem der Frauen zurückgeführt hatte. Eine Gruppe um V. Jansen an der Royal Holloway Uni in London haben kürzlich aber gezeigt, daß auch die Viren selbst eine Rolle bei diesem geschlechtsspezifischen Unterschied spielen und daß man immer beide Parteien einer Infektion, Wirt und Parasit, sowie deren Interaktion betrachten muß [1].

Sowohl Frauen als auch Männer können Viren von Person zu Person (=horizontal) verbreiten, doch nur Frauen können ein Virus während der Schwangerschaft, Geburt oder durchs Stillen auch auf ihr Baby (=vertikal) übertragen. Es könnte also einen selektiven Vorteil für ein Virus bedeuten, diese Transmissionsroute, die ja eine noch weitere Verbreitung des Virus‘ ermöglicht, zu erhalten und Frauen daher nicht so stark erkranken zu lassen, daß sie sterben.

In Ihrer Arbeit präsentieren Jansen und Ubeda nun ein epidemiologisches Modell, um die geschlechtsspezifische Virulenz zu untersuchen und zu beschreiben. Dafür schufen sie zunächst ein grundlegendes Krankheitsmodell und fügten darin Geschlecht, horizontalen und vertikalen Transfer und weitere Variablen ein:

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Epidemiologisches Modell für vertikale und horizontale Übertragung in Männern und Frauen: Modellierung der kontinuierlichen Veränderung in der Zeit der Fraktionen der Empfänglichen (Index s), Infizierten (Index i) und derer, die sich wieder erholt haben (Index r) bei Männern (m) und Frauen (f). Geborene Männer und Frauen, Bm und Bf, werden mit einer Wahrscheinlichkeit von αfi infiziert. Empfängliche Männer und Frauen, ms und fs, werden mit einer Wahrscheinlichkeit infiziert, die sich aus der Infektionskraft (Force of Infection), H, in Männern und Frauen  ableitet. In einer Population im Gleichgewicht wird jedes gestorbene Individuum durch ein neugeborenes ersetzt. / Natural Mortality: natürliche Sterblichkeit; Virulence disease induced mortality: Sterblichkeit, die durch virulente Erkrankung verursacht wird; Exploitation strategy: Strategie der Ausnutzung; Loss of Infection: Verlust der Infektion // aus [1]

(hier noch die Formeln für Infektionskraft in Männern: Hm=β(δmmmmi + β(δffmfi  und Frauen: Hf=β(δffffi + β(δmmfmi ).

 

Nach Ausarbeitung der epidemiologischen und populationsgenetischen Gleichungen zeigte das Modell, daß vertikal und horizontal übertragende Viren sich so anpassen, d.h. evolvieren, daß sie ihre Virulenz reduzieren, um weniger tödlich für Frauen zu sein. Viren, die weniger häufig tödlich für Frauen sind, sind demnach evolutiv bevorteilt. Dieses Phänomen tritt allerdings nicht auf bei Viren, die nur horizontal verbreitet werden.

Anschließend testeten sie ihr Modell in der Wirklichkeit: ein Virus, das vor allem in Japan und im karibischen Raum vorkommt und das von der Mutter während der Schwangerschaft und durchs Stillen auf ein Kind übertragen werden kann, ist das HTLV1-Virus, welches auch eine meist tödlich verlaufende adulte T-Zell-Leukämie (ATL) hervorrufen kann. Daß eine HTLV1-Infektion eine ATL hervorruft kommt nun bei japanischen Männern deutlich häufiger vor als bei japanischen Frauen aber etwa gleich häufig bei Männern und Frauen aus dem karibischen Bereich, wo Frauen ihre Kinder deutlich kürzer stillen als in Japan und somit eine geringere vertikale Übertragungsrate des Virus’ bewirken. Auf diese Beobachtung angewendet konnte das Modell von Jansen und Ubeda zeigen, daß das Virus in japanischen Frauen weniger virulent ist.

Es ist noch unklar, wie ein Virus „bemerken“ kann, ob sein Wirt weiblich oder männlich ist, um seine Virulenz daran anzupassen und es bedarf weiterer Forschung, um die Signale ausfindig zu machen, auf die das Virus entsprechend reagieren kann. Wenn man sie aber gefunden hat, wäre es möglich, sie therapeutisch einzusetzen, um einem Virus einen „falschen“ Wirtskörper vorzugaukeln und damit ihr weniger virulentes Programm zu initiieren und einen milderen Verlauf der Infektion zu bewirken. Cool, oder?

Angesichts solcher Befunde frage ich mich nun noch, wie sie wohl von Hardliner-Gendertheoretikern, die biologische Unterschieden zwischen Männern und Frauen leugnen bzw. Kreationisten, die die Evolutionstheorie ablehnen, erklärt werden.

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____________

Referenz:

[1] Úbeda, F., & Jansen, V. A. (2016). The evolution of sex-specific virulence in infectious diseases. Nature Communications, 7.

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Kommentare (65)

  1. #1 yeRainbow
    yerainbow.wordpress.com
    06/01/2017

    Natürlich gibt es die Unterschiede.
    sie sind funktional, also zum Zwecke der Fortpflanzung.
    daß daraus Religionsführer und andere Herren das Primat des Männlichen konstruierten, zeigt seine Auswirkungen bis heute.
    zum Nachteil beider Geschlechter übrigens.

  2. #2 Joseph Kuhn
    06/01/2017

    “neurologischen Strukturen keinerlei Auswirkung auf Denken”

    Als Alternativmodell käme die These von Joseph Beuys, “Ich denke sowieso mit dem Knie”, infrage. Und es gibt zweifelsfrei Leute, bei denen zwar neurologische Strukturen nachweisbar sind, die aber ersichtlich keinerlei Auswirkungen auf das Denken haben 😉

  3. #3 tomtoo
    06/01/2017

    Wird wohl so sein wie bei vielem im Leben. Die einen neigen sich sehr weit aus dem linken Zugfenster die anderen sehr weit aus dem rechten. Meist ist der Weg so in der Mitte. Biologische unterschiede kann man wohl nicht abstreiten. Flachdenker die damit Rollenbilder zementieren möchten sollte doch aber bitte imho an der nächst möglichen Station aussteigen.

  4. #4 Joseph Kuhn
    06/01/2017

    Ohne den Sachverhalt an sich infrage stellen zu wollen, dazu verstehe ich viel zu wenig davon, trotzdem zwei Nachfragen:

    1. Im Modell geht es um Viren, bei den japanischen und karibischen Müttern bzw. Männern aber um Erkrankungen: Wurden denn bei den verglichenen Männern und Frauen auch unterschiedliche Viren gefunden, oder wurde das nicht untersucht (ich frage, weil eine ATL ja nicht allein von der HTLV1-Infektion abhängt und andere Einflussfaktoren auch geschlechterspezifisch ausgeprägt sein können).

    2. Wurde die Stilldauer als individueller Risikofaktor bei den Virusträgern erhoben, oder wird nur ein ökologischer Zusammenhang auf Länderebene zwischen Stilldauer und geschlechtsspezifischer ATL-Häufigkeit berichtet?

  5. #5 Cornelius Courts
    06/01/2017

    @Joseph:
    ad 1: die Identität des Virus’ wurde durch den Nachweis spezifischer Antikörper gesichert, die sich zudem gegen ein direkt mit der Virulenz des Virus’ assoziiertes Protein (tax) richten.
    S.a.
    – Hisada, M. et al. Persistent paradox of natural history of Human T Lymphotropic Virus Type 1: parallel analyses of Japanese and Jamaican carriers. J. Infect. Dis. 190, 1605–1609 (2004).

    – Matsuoka, M. Human T-cell leukemia virus type 1 (HTLV-1) infection and the onset of adult T-cell leukemia (ATL). Retrovirology 2, 26–39 (2005).

    Der Tax-Ab ist übrigens auch ein unabhängiger Risikofaktor für sexuelle Übertragung aber nicht für Übertragung durch Stillen:

    – Chen, Y. M. A. et al. Sexual transmission of Human T-cell Leukemia Virus Ttype 1 associated with the presence of anti-tax antibody. Proc. Natl Acad. Sci. USA 88, 1182–1186 (1991).

    – Hisada, M. et al. Virus markers associated with vertical transmission of Human T Lymphotropic Virus Type 1 in Jamaica. Clin. Infect. Dis. 34, 1551–1557 (2002).

    ad 2: letzteres:

    – WHO. Global Data Bank on Infant and Young Child Feeding. Available at http://www.who.int/nutrition/databases/infantfeeding/en/ (2015).

    – Almroth, S. & Latham, M. C. Breast-feeding practices in rural Jamaica. J. Trop. Pediatr. 28, 103–109 (1982).

    – Inoue, M. & Binns, C. W. Introducing solid foods to infants in the Asia Pacific region. Nutrients 6, 276–288 (2014).

    bei bekannter Transmissionsrate:
    Fujino, T. & Nagata, Y. HTLV-I transmission from mother to child. J. Reprod. Immunol. 47, 197–206 (2000).

  6. #6 Johann
    06/01/2017

    Interessant wäre es wie es bei Menschen aussieht, die sich im falschen Körper fühlen.
    Natürlich ist es schon ein krasses Thema, aber ich mußte dennoch wieder lachen an die Gleichmacher denken (ich selber bin ein Anhänger der Gleichberechtigung, aber gegen Gleichmacherei!)

  7. #7 Alisier
    06/01/2017

    Extremisten sind immer und überall ein Problem, und ich denke, dass die meisten hier Diskutierenden diese in der Pfeife rauchen könnten.
    Was ich bei der Gender-Diskussion aber mit am Interessantesten finde, ist die Weigerung Mancher überhaupt zu diskutieren. Und da geht es dann meistens darum, liebgewonnene Vorstellung keinesfalls ändern zu wollen. Genau wie bei Gläubigen aller Art.
    Und dann werden Extrempositionen und einseitige Sichtweisen aufgefahren, um zu belegen, dass das doch alles Schwachsinn sei.
    Danke für die Links, Cornelius! Schau ich mir genau an, und ist eh ein sehr interessantes Thema.

  8. #8 zimtspinne
    06/01/2017

    huhu Johann,

    da die Viren ganz klar von den weiblichen Reproduktionswegen profitieren, zeigen sie falschen Fuffzigern natürlich ganz klar die rote Karte 😉

    Mir ist aber gerade ganz schemenhaft eingefallen, dass es doch auch die Frauen sind, bei denen sich sehr viel mehr fremdes Erbgut findet, u.a. auch männliche DNA-Sequenzen im Gehirn. (= Mikrochimärismus)

  9. #9 zimtspinne
    06/01/2017

    @ Alisier
    Ganz ehrlich, bevor ich hier überhaupt anfing zu lesen, und auch lange daaavor, quasi als ich zum ersten Mal davon Wind bekam, befand ich die Genderdiskussion als ideologischen Murks. Unsinnig, unlogisch und auf dem Mist irgend einer Ideologie bzw bestimmter Interessengruppen gewachsen.
    Hätte es nie für möglich gehalten, diesen Diskussionen Jahre später ausgerechnet auch noch in einem Wissenschaftsbereich erneut zu begegnen. Hielt das in meinem jugendlichen Leichtsinn damals eher für eine Eintagsfliege. So kann man sich irren……..

  10. #10 Alisier
    06/01/2017

    Das Problem ist natürlich, Zimtspinne, dass sich eine Menge ideologischer Murks in der Diskussion unterbringen lässt, auf allen Seiten, und dass Ultrafeministinnen und Ultrakonservative dergleichen auch gerne tun.
    Wie gesagt, ich konzentriere mich im Moment auf die teils enorm aggressiven Reaktionen, wenn man einige Teilaspekte nur erwähnt. Das zeigt zumindest mir, dass da mehr im Busch ist, als auch ich vermutet hatte.

  11. #11 Joseph Kuhn
    06/01/2017

    @ Cornelius:

    Danke. Die Arbeit von Úbeda/Jansen ist übrigens online: http://www.nature.com/articles/ncomms13849.

    Hab mal ganz kurz reingesehen (bis ich mich vor den vielen Formeln erschrocken hab). Zum Vergleich Japan/Karibik steht da: “There is also some indication that the virus acts differently between these two locations”. Das verstehe ich so, dass es Hinweise darauf gibt, dass die Viren in Japan pathogener sind, möglicherweise aufgrund einer Selektionsstrategie, wie sie das Modell nahelegt, aber nicht, dass man etwa unterschiedlich pathogene Viren bei Männern und Frauen in Japan nachgewiesen hätte (vielleicht ist das auch nicht sinnvoll, wie gesagt, von den virologischen Aspekten verstehe ich nichts).

    Zum Artikel selbst: Schade, dass die Autoren die Limitationen ihrer Studie nicht systematisch diskutieren, z.B. was die Regionalauswahl angeht (wäre interessant, wie das mit anderen Regionalsvergleichen aussähe), oder was die schon angesprochene ökologische Ebene des Bezugs zur Stilldauer angeht. Das sind doch ziemliche Schwächen der Studie. Auch was mögliche Alterseffekte angeht (sofern nicht in den zugrunde liegenden Prävalenzstudien berücksichtigt): In der Karibik erreichen vielleicht anders als in Japan nicht so viele infizierte Männer das Alter, in dem ATL gehäuft auftritt.

    @ Johann:

    Das war jetzt aber ein Kommentar auf dem Niveau meines Kommentars #2? Mit der Diskussion um Genderstudies hat die Studie nämlich nicht wirklich zu tun, auch wenn Cornelius das in der Einleitung als Aufhänger benutzt hat.

  12. #12 Stephanie
    Hamburg
    06/01/2017

    @Johann Um deine Frage zu beantworten: Ich denke, dass das Virus wird sich in mir wie in Männerkörper verhalten… Hmm vielleicht aber auch nicht da ich weibliche Hormone nehme.

    @zimtspinne Falsche Fuffziger … Soso

  13. #13 HF(de)
    06/01/2017

    @7, AlisierIn:

    Extremisten sind immer und überall ein Problem

    Nur, wenn eine ExtremistIn auftaucht. Und schwupps ist sie da mit Beitrag 7 uns 10. So eine Art selbsterfüllende Prophezeihung.

  14. #14 Alisier
    06/01/2017

    Es soll sogar Menschen geben, die sich angegriffen und gemeint fühlen, wenn gar niemand an sie denkt. Die dafür verantwortlichen Viren haben zu dem Zeitpunkt sicher schon große Teile der Großhirnrinde befallen.

  15. #15 HF(de)
    06/01/2017

    Es soll sogar Menschen geben, die sich angegriffen und gemeint fühlen, wenn gar niemand an sie denkt.

    So ist es! Einsicht ist der erste Weg zur Besserung!

  16. #16 Volker Birk
    https://blog.fdik.org
    06/01/2017

    Leider ist die Gender-Diskussion von zwei Seiten völlig ideologisch überladen.

    Gender meint in den Sozialwissenschaften nichts weiter als wie eine Person ihr natürliches Geschlecht kulturell ausdrückt. Die Idee ist also, dass das natürliche Geschlecht (“sex”) immer grundlegend für eine Person ist, während jede Person eine kulturelle Rolle in der Gesellschaft einnimmt (“gender”). Es geht also um die Art und Weise, wie die Natur eines Menschen kulturell überlagert wird, und die Analyse dessen, zu was das führt. Das ist eine Trivialität in der Antropologie, nichts weiter.

    Wer einen Eindruck bekommen möchte, was man damit meint, dem seien folgende Lexikon-Einträge nahegelegt als einfaches Beispiel:

    https://en.wikipedia.org/wiki/Tomboy
    https://en.wikipedia.org/wiki/Girly_girl

    Nun kann man alles wissenschaftlich erforschen, und das ist auch immer eine gute Idee. So kann man nun erforschen, wie es zu einer solchen Wahl kommt, und wie das mit der Kultur, der Personen entstammen und in die sie sozialisiert sind, zusammenspielt. Auch hier: eine Trivialität, dass das sinnvoll zu erforschen ist.

    Leider machen die einen in ihrer Ideologie nun eine esoterische Pseudowissenschaft daraus, indem sie Unfug postulieren, der Sex (das natürliche Geschlecht) spiele etwa für eine Person gar keine Rolle (was dem Stand der Forschung widerspricht, dass der Mensch IMMER kulturell überlagerte Natur ist), während die anderen als Antwort darauf den Begriff des kulturellen Geschlechts ablehnen.

    Das eine ist so unsinnig wie das andere.

    Wie immer bei ideologischen Diskussionen, ist eine nüchterne Diskussion mit beiden Seiten schwierig.

  17. #17 noch'n Flo
    Schoggiland
    06/01/2017

    @ HF(de):

    Nur, wenn eine ExtremistIn auftaucht. Und schwupps ist sie da mit Beitrag 7 uns 10. So eine Art selbsterfüllende Prophezeihung.

    Och, nun bitte nicht wirklich den Blog-Waldschrat angreifen… in seinem Bart liegen mehr Gender-Klischées begraben, als Du aufzählen kannst… 😉

    (nur mit dem Erfinder des Kondoms kennt er sich leider nicht wirklich aus… hat ihn vor ein paar Jahren mal hundert Mille gekostet… traurig… wirklich traurig…)

  18. #18 HF(de)
    06/01/2017

    Aus dem Beitrag von CC:

    Angesichts solcher Befunde frage ich mich nun noch, wie sie wohl von Hardliner-Gendertheoretikern, die biologische Unterschieden zwischen Männern und Frauen leugnen bzw. Kreationisten, die die Evolutionstheorie ablehnen, erklärt werden.

    Ob die AlisierIn etwas dazu beitragen kann? Mit *sauberer Argumentation*, wie von ihr so oft (in anderen Beiträgen) gefordert? Ich bin optimistisch, ein Anfang war ja gemacht in #14.

  19. #19 Alisier
    07/01/2017

    Und machts Spaß?
    Wie schon mehrmals bemerkt: ich halte diesen und andere Blogs nicht dazu geeignet persönliche Animositäten auszubreiten, anstatt zu argumentieren und beim Thema zu bleiben.
    Wer das nicht kann, ist für eine saubere Diskussion meiner Meinung nach nicht geeignet.
    Wegbeißen kann immer versucht werden, ist aber sicher nie ein Beleg für besonders großes Selbstbewusstsein und auch nicht originell.
    So richtig fiese ad hominems disqualifizieren übrigens dauerhaft.

  20. #20 Hobbes
    07/01/2017

    Interessante Hypothese und macht auch eindeutig Sinn. An Bakterien lassen sich darwinistische Prizipien ja meist am besten Beobachten, dieser Selektionsvorteil ist ja sehr naheliegend.
    Der Text, inklusive Comik, ist auch recht erfrischend und witzig geschrieben. Gerne mehr davon.

    Zur Ideologiediskussion: Ich sehe das ganze ja eher wie die damalige Marxismusforschung an. Da einiges Falsch läuft zur Zeit durchaus notwendig und auch Teilrelevant, aber kehr was treibt das für komische Blüten.

  21. #21 Joseph Kuhn
    07/01/2017

    @ Hobbes:

    Nur nebenbei: In dem Fall geht es um Viren, nicht um Bakterien.

    Der letzte Satz zeigt, wie redundant Sprache ist. Man versteht ihn trotzdem 😉

  22. #22 RPGNo1
    07/01/2017

    Leider machen die einen in ihrer Ideologie nun eine esoterische Pseudowissenschaft daraus, indem sie Unfug postulieren, der Sex (das natürliche Geschlecht) spiele etwa für eine Person gar keine Rolle (was dem Stand der Forschung widerspricht, dass der Mensch IMMER kulturell überlagerte Natur ist), während die anderen als Antwort darauf den Begriff des kulturellen Geschlechts ablehnen.

    Eine schöne Aussage, die ich gerne unterschreibe.

  23. #23 Joseph Kuhn
    07/01/2017

    @ RPGNo1:

    “Eine schöne Aussage, die ich gerne unterschreibe.”

    Ich würde das nicht unterschreiben. Wer von den akademischen Repräsentant/innen der Geschlechterforschung vertritt denn wirklich die Position, dass das natürliche Geschlecht “für eine Person gar keine Rolle” spielt? Und wer von der Gegenseite, Kutschera und Seinesgleichen eingeschlossen, vertritt denn wirklich die Position, dass der Begriff des kulturellen Geschlechts keinen Sinn macht? Da werden gleich zwei Strohmänner gegeneinander in Stellung gebracht, vermutlich, weil man dann eine “Mittelposition” einnehmen kann, die geradezu zwangsläufig als vernünftig akzeptiert werden muss. Statt zwischen Pest und Cholera zu wählen, fährt jeder lieber in die Südsee.

  24. #24 rolak
    07/01/2017

    unklar, wie ein Virus „bemerken“ kann

    oh, erst magic#23 Meldungen – die sind schnell überflogen, insbesondere da mit HochfrequenzMüll durchsetzt, nee hat noch keiner: wie wäre es denn mit der Pegelratio Östrogen/Testosteron? Da gäbe es doch nicht nur im Mittel eine ordentliche Differenzierung, sondern zusätzlich die Gewißheit, daß biologische Systeme (Menschen) darauf reagieren können.

    Klar, von den ganzen papers wurden hier exakt gar keins gelesen… Mal ganz abgesehen von allem Möglichen halte ich es nicht für angemessen, eine Fachrichtung mit ihren ExtremalVertretern zu charakterisieren, da können zB die Ingeneure ganze Arien drüber singen.

  25. #25 zimtspinne
    07/01/2017

    @RPGNo1
    Kannst du mir mal erläutern, was das Konstrukt “kulturelles Geschlecht” (oder “soziales Geschlecht” usw) genau sein soll?
    Ich sehe auch nicht, weshalb das natürliche Geschlecht (also das biolgische Geschlecht) stets kulturell überlagert sein sollte.
    Wer die biologische Determination verleugnet, ausklammert, runterspielt und sich stattdessen am Umweltdeterminismus festbeißt, ja, den konnte ich echt noch nie ernst nehmen. Dieser Streit zwischen Biologen und Soziologen hat ja schon eine lange Tradition; inzwischen mischen dort Hinz und Kunz mit und es wird immer abstruser.
    Du als Dawkins-Anhänger müsstest eigentlich an sich ja glasklar auf der Seite der Soziobiologie stehen… ohne wenn und aber und Positionsmauschelei^^

  26. #26 Volker Birk
    https://blog.fdik.org
    07/01/2017

    @Joseph Kuhn: das ist halt oft so bei ideologisch vergifteten Diskussionen, dass es an Reflextion mangelt.

    Ein anderes Beispiel ist die öffentliche Diskussion in den USA der Kreationisten wegen. Dass deren Position extrem ist, ist hoffentlich unbestritten? Aber wenig reflektiert tritt dann auch so manches Mal die Gegenseite auf: da wird dem mechanizistischen Weltbild bis hin zum Nominalismus reinsten Wassers gefrönt in der Gegenargumentation (“Was ich nicht messen kann, existiert nicht”).

    Vergleichbar ist es eben auch mit der Gender-Diskussion. Ein eigentlich triviales Konzept der Sozialforschung, nämlich die Geschlechterrolle, wird erst mit der sexuellen Präferenz vermischt (ein Kategorienfehler), und dann wird sie auch noch zum Popanz erhoben. Und da kannst Du mir nun sagen was Du willst, der Popanz ist da:

    http://www.weird-bielefeld.de/index-Dateien/lesbischseinin99.htm

    «Warum ist es für dich wichtig (oder nicht?), dass das A in LGBTIAQ+ steht?

    Julia Maria: Zunächst sollte vielleicht mal geklärt werden, wofür das „A“ in LGBTIAQ+ steht. Momentan können sich dort Asexuelle, Aromantiker_innen, andere A*s, Agender und sogar „Allies“, also Verbündete aus dem Cis-Hetero-Spektrum, angesprochen fühlen. Sie alle unter einem Buchstaben zusammenzufassen, halte ich für gefährlich, denn es öffnet Unsichtbarkeiten und Vereinnahmungen Tor und Tür. Und, mal ganz polemisch: die Homosexuellen bekommen jeweils einen Buchstaben für Schwule/Gays und Lesben, und ganz vielfältige Leute im Bereich sexuelle Orientierung oder romantische Orientierung oder Geschlechtsidentität oder auch nur einer halbwegs nicht-menschenfeindlichen Weltanschauung ohne spezifische Diskriminierungserfahrung sollen sich ein „A“ teilen?!

    Ich habe am Rande mitbekommen, dass es in den USA einen großen Widerstand seitens der LGBTIQ+-Community gibt, Asexualität in das Akronym einzubeziehen, insbesondere heteroromantische und cis-geschlechtliche Asexuelle („cishet aces“), da diese ja überhaupt nicht im Sinne von LGBTIQ+ diskriminiert seien. Zwar wir anerkannt, dass Asexuelle Diskriminierung erfahren, aber eher in der Form, wie sie auch z. B. von Frauen erfahren wird. Meiner Ansicht nach hinkt der Vergleich etwas, immerhin wird (cis-)Frauen selten entgegengebracht, dass ihr Frausein auf eine psychische Krankheit oder ein Trauma zurückzuführen sein könnte … – Insbesondere die Frage, ob Asexuelle „queer“ seien, wird anscheinend heiß diskutiert. Es wird kolportiert, dass Queerness an sich schon immer mit Sexualität und dem Recht auf Sexualität verknüpft ist, und manche Leute fragen sich, was Personen, die von sich behaupten, keine Sexualität zu haben (was eine grobe Vereinfachung der Bedeutung von Asexualität ist), da überhaupt zu suchen haben. In einem Artikel von 2013 (http://www.vice.com/de/read/wer-assexuell-ist-will-auch-offiziell-ein-bisschen-) habe ich auch gelesen, dass „LGBTs sich nun [ärgern], dass sich die Asexuellen jetzt auch queer nennen wollen.»

  27. #27 Volker Birk
    https://blog.fdik.org
    07/01/2017

    Wem das genannte Beispiel zu weit weg von der akademischen Welt ist, dem sei dieses Manifest ans Herz gelegt:

    https://www.uni-bielefeld.de/gendertexte/gendermanifest.pdf

    Die Unterzeichnerinnen haben hiermit die Wissenschaft verlassen. Wissenschaft soll analysieren, was ist. Die Unterzeichnerinnen wollen jedoch gestalten, was sein soll, und folgen einer Ideologie.

    Interessanterweise fordern sie “Using Gender to undo Gender”. Wer das Pamphlet analysiert, wird aber schnell erkennen, dass es den Autorinnen nicht darum geht, das natürliche Geschlecht von der Überlagerung frei zu legen. Sie scheinen zu glauben (ähnlich den Maoisten), man könne das natürliche und kulturelle Geschlecht einer Person etwa marginalisieren bis hin zur Nivellierung, mithin dem Aufheben der Geschlechterrollen in der Gesellschaft.

    Nach allem, was wir wissen, ist das dem Menschen wesensfremd.

  28. #28 Lili
    07/01/2017

    Vielleicht liegt dieser Mann – Frau Unterschied einfach darin das Viren vermutlich später als andere Lebewesen entstanden sind , da sie auf letztere angewiesen sind. Entstehungsmechanismen haben die Viren lernen lassen den unterschied zu bemerken, den irgendwie sind sie auch von irgendwo her gekommen und haben ihr da sein auf ihre ausgewählte Form angepasst.
    ich finde es klasse:-)

    Über Asexualismus und Quersexualismus, es ist einfach so das den Menschen echt langweilig geworden ist.
    Sie so sehr nach viel Fülle ( ich glaube das es der richtige Wort ist für ausgefüllt sein)
    möchten das sie nicht mehr das sein kennen und genießen sonder nur anders werden versuchen und darin eine Besonderheit suchen um sein zu spielen;-)

    Ein wenig kompliziert das ganze, aber mir kommt es vor das die Menschen sich mehr zerstreut haben um einfach ein Sinn des Lebens zu finden.

  29. #29 Stephanie
    Hamburg
    07/01/2017

    @Lili
    Ich finde schade, dass du einfach sagst es gibt diese Dinge nur als Einbildung. Es gab diese Dinge schon bei den Ureinwohner von Amerika. Es sind Two-Spirit-Menschen. Es ist also kein neuzeitliches, westliches Klimbim.

  30. #30 zimtspinne
    07/01/2017

    @ Stephanie
    sorry, etwas verspätet, zu #12

    Entspanne dich, ich will dir nichts böses!
    Ein bisschen mehr Humor und hm, einfach ein bisschen chilliger an die Sache herangehen, würde deinem Anliegen besser tun.

    Das ist tatsächlich interessant, inwiefern deine Hormonbehandlung deinen Gesundheitsstatus verändert, in deinem Fall in Richtung weiblich.
    Frauen haben nun mal andere Krankheitsrisiken als Männer, reagieren auch ganz anders als Männer auf Impfungen, mit einer viel stärkeren Immunantwort auf Grippeschutzimpfung zB (womit wir endlich wieder bei den Viren wären), sind dafür anfälliger für diverse Allergien und Autoimmunerkrankungen.

    Hast du denn die Möglichkeit, in eine Studie aufgenommen zu werden, falls du das wolltest? Hast du Nebenwirkungen unter der Hormontherapie? Wirst du in einem Kompetenzzentrum betreut oder wie organisierst du das im medizinisch-psychologischen Bereich? Koordiniert das dein HA?
    Du bringst ja dein Thema hier immer ein, nehme daher an, du hast kein Problem, offen darüber zu reden.

  31. #31 Stephanie
    Hamburg
    07/01/2017

    @zimtspinne

    Nun ich war halt nicht sicher nach WBs Ausfällen wie ich das nehmen soll/muss/will/kann. Chilliger wäre ich gerne. Nun darüber habe ich beim letzen mal ja berichtet, was da so im Weg steht.

    Zu meiner Hormonbehandlung:
    Meiner Endokrinologin nach leiden Frauen häufiger an Blasenentzündung. Ich hatte sie gefragt, weil ich seit 20 Jahren mal wieder eine hatte. Sie meinte es gibt da noch einige Sachen mehr. Zum Beispiel leiden Frauen häufiger unter chronischen Schmerzen. Meine Eigene Beobachtung ist, dass Erkältungen (Bronchitis) milder verlaufen und nicht so schmerzhaft sind. Meine Schwester bestätigt das ebenfalls, da sie während ihrer Schwangerschaft natürlich auch mehr Hormone im Blut hatte.

    Zu Studien: Ich bin in einer dabei die sich um die Entwicklung von Transsexuellen unter Hormonen kümmert. Da werden meine Daten aber aufwendig in andere Daten eingerechnet, so dass mein persönlicher Status nicht mehr rauszubekommen ist nachher. An weiteren Studien will ich mich nicht beteiligen, da das immer mit Blutentnahme und Untersuchungen verbunden ist. Es ist nicht immer angenehm sich als Untersuchungsobjekt zu fühlen, obwohl alle Beteiligten sich redlich bemühen und mir mit Respekt begegnen.

    Nebenwirkungen: Diese sind ähnlich der einer Frau, die in den Wechseljahren ist.
    Schwitzattacken nachts oder auch Gefühlsschwankungen. Es hält sich alles aber für mich im Rahmen. Glücklicherweise. Ansonsten hat sich meine emotionale Empfindung im sexuellen Bereich verschoben. Die Empfindungen sind mehr weiblich geprägt. Grundlegende charakterliche Änderungen habe ich nicht beobachtet und sind auch nicht zu ewarten. Es ist zu hoffen, dass mit der Zeit etwas Entspannung aufkommt, wenn mein weibliches Gehirn nicht mehr so von Testosteron ‘verprügelt’ wird. Ein bißchen ist das schon eingetreten.

    Ich werde im UKE Hamburg psychologisch betreut. Die haben eine ganze Abteilung nur für Trans-Menschen. Dort fühle ich mich sicher aufgehoben und unterstützt. Die Endokrinologie im UKE kümmert sich um die Hormone. Mein Hausarzt ist da nicht groß involviert. Er ist aber freundlich und unterstützt das auch, also er segnet die Dokumente ab, wenn es nötig ist usw..

    Du hast recht ich kann darüber offen reden. Ich finde es immer besser, wenn nicht nur über Menschen wie mich geredet wird, sondern mit uns. Zusätzlich bestehen ja auch Massen an Fragen und auch Neugier von eurer Seite. Also warum nicht.

  32. #32 Volker Birk
    https://blog.fdik.org
    07/01/2017

    @zimtspinne: Es ist einfach so, dass Theorien, mit denen man Menschen so beschreibt, dass man von kulturell überlagerter Natur ausgeht, sehr gut funktionieren. Wie immer bei wissenschaftlicher Theorie ist das Bessere der grösste Feind des Guten – mir ist jedoch nichts besser funktionierendes bekannt.

    Nehmen wir mal eine heterosexuelle Tomboy als Beispiel. Das ist eine Person, die im natürlichen Geschlecht weiblich ist, im Wesentlichen männliche Geschlechterrollen einnimmt (also Geschlechterrollen, die in ihrer Kultur männlichen Personen zugeordnet werden), und als sexuelle Präferenz auf Männer steht, die männliche Geschlechterrollen einnehmen.

    Ich hoffe, an einem solch einfachen Beispiel wird plausibel, dass man mit der Idee der kulturellen Überlagerung nun eine solche Person geeignet beschreiben kann.

    Du kannst es auch mal für Dich selbst versuchen: analysiere Deine eigene sexuelle Präferenz. Du wirst sehen, da sind (das ist bei Sexualität zu erwarten) natürliche Merkmale dabei, aber es kommt auch kulturelle Überlagerung dabei vor – man steht auch auf Kulturelles.

  33. #33 Joseph Kuhn
    08/01/2017

    Wenn man den Bogen von den sexistischen Viren zu den Genderstudies schlagen will, ist der Kommentar von “benjudd” auf Nature Communications zum Artikel von Úbeda/Jansen unfreiwillig komisch: http://www.nature.com/articles/ncomms13849#comments

  34. #34 tomtoo
    08/01/2017

    Sexistische Viren ?

    Der ist gut !

  35. #35 zimtspinne
    08/01/2017

    danke Volker Birk für die Erklärung, ich verstehe es aber trotzdem nicht.
    Es gibt die biologischen Geschlechter männlich und weiblich (mit dann jeweils unterschiedlichen Sex-Präferenzen, meist jedoch heterosexuell) und es gibt Polymorphismen, die scheinbar Transsexualität (Transgender?) begünstigen.

    Wo genau findet dort jetzt eine kulturelle Überlagung statt? Ich sehe keine.

    .. und persönliche Präferenzen haben eher mit Persönlichkeitsmerkmalen zu tun, die ebenfalls zum Grundkaptial an Eigenschaften gehören und keine kulturelle Überlagung sind.
    Natürlich gibt es auch kulturelle Einflüsse, so sind die Männer heute ja häuslicher… auch das könnte aber einfach evolutive Anpassung sein. Höhere Lebenserwartung, viel mehr Spätgebärende und damit Karrieremöglichkeiten, das führt zu wirtschaftlich größerer Unabhängigkeit der Frauen und die können es sich leisten, ihre Männer an den Herd zu stellen 😉

    Grundsätzlich ist das Geschlechterverhalten jedoch kulturübergreifend recht ähnlich. Als Quelle kann ich Jared Diamond nennen, der hat sich mit diesen Themen jahrelang näher beschäftigt.

  36. #36 Volker Birk
    https://blog.fdik.org
    08/01/2017

    @zimtspinne: Du bist schon wieder am Vermischen, vermutlich verstehst Du deshalb nicht.

    Was man auseinander halten muss:

    Natürliches Geschlecht (“Sex”) einer Person. Das sind Männer, Frauen, und ein kleiner Anteil Hermaphroditen, also Personen, deren natürliches Geschlecht nicht einfach in eine der beiden Gruppen passt (das gibt’s bei Menschen wie bei vielen anderen Säugetieren auch).

    Dann gibt es das kulturelle Geschlecht (Gender), damit meint man die Geschlechterrolle, die eine Person einnimmt. Ich hatte als Beispiel Tomboys und Girlies genannt. Die englische Umgangssprache hat Worte für Gender, im Deutschen kenne ich das nicht, deshalb ein englischsprachiges Beispiel. Bei Tomboy und Girly müsste sichtbar werden, dass dieses Rollen-Einnehmen gerade nicht mit dem natürlichen Geschlecht (“Sex”) übereinstimmt. Im Beispiel sinds ja zwei Rollen für natürlich-weibliche Personen. Wenn Du einmal eine Tomboy und eine Girly kennen gelernt hast, dann müsste das klar werden. Falls nicht, hier mal ein Beispiel aus der Cineastik:

    Die Schauspielerin Katee Sackhoff ist nach eigenen Angaben ein Girly. Sie spielt in Battlestar Galactica eine Tomboy, nämlich die Figur Kara “Starbuck” Thrace. (Es ist eine nicht zu geringschätzende Schauspielerische Leistung, übrigens, sein Gender zu wechseln für eine Rolle, aber gute Schauspieler kriegen sowas hin.)

    Schliesslich geht es noch um die sexuelle Präferenz. Dieselbe ist nun wiederum Natur, die kulturell überlagert wird. Ich hatte den Tipp gegeben, einfach die eigene sexuelle Präferenz zu hinterfragen – auf was stehe ich? Du wirst sehen, da sind natürliche Merkmale dabei, die jedoch von kulturellen Merkmalen ergänzt werden (“überlagert”). Da kommen Rollenspiele beim Sex her, die sind ja nun zweifelsfrei ein kulturelles Phänomen. Trotzdem gibt es auch natürliche Merkmale von Menschen, die einen sehr anziehen.

    Das sind nun drei verschiedene Dinge. Kombiniert man die, so lassen sich Geschlechtsspezifika von Personen recht gut beschreiben. Probier’s einfach mal aus!

    Dein Tipp mit Jared Diamond ist wohlnotiert. Danke!

  37. #37 RPGNo1
    08/01/2017

    @Joseph Kuhn
    Vielleicht fange ich ja an zu nerven, aber ich muss wieder auf Kutscheras Buch “Das Gender-Paradoxon” verweisen. :)
    Er führt dort eine ganze Reihe von Positionen mit Quellennachweis auf, die von Genderforschern vertreten werden. Diese Positionen weisen eindeutig ideologische und politische Züge auf; sie beruhen auf einer schwachen wissenschaftlichen Grundlage. Dies ist der Punkt, die Volker Birk als „esoterische Pseudowissenschaft“ tituliert. Und ich stimme Ulrich Kutschera Kritik an Gender-Studies bei diesen konkreten Bespielen zu.
    Die positiven Aspekte der Gender-Forschung, die u.a. auch auf ScienceBlogs diskutiert wurden, erwähnt Kutschera nicht. Er lehnt „den Begriff des kulturellen Geschlechts“ ab. Ich sehe es so, dass die öffentliche Diskussion über die Genderforschung momentan von zwei Blöcken mit stark ideologisch geprägten Vertretern geprägt wird, wie es Volker Birk so treffend ausgeführt hat.

  38. #38 RPGNo1
    08/01/2017

    @zimtspinne
    Sorry, mein Verständnis in Sachen Soziobiologie ist sehr beschränkt. E. O. Wilson ist mir natürlich ein Begriff, er forscht zu diesem Thema, das war es aber auch.
    Mir ist auch nicht bekannt, was Richard Dawkins persönlich von Gender-Studies hält.

  39. #39 Joseph Kuhn
    08/01/2017

    @ RPGNo1:

    Da Du den Vorteil des Buchwissens besitzt: Sind die Beispiele, die Kutschera zitiert, überwiegend Beispiele aus Deutschland oder aus den USA? Und lehnt er wirklich soziale Einflüsse auf die Geschlechterrollen ab? Das kann ich mir selbst bei ihm nicht vorstellen. Oder nur den Begriff “kulturelles Geschlecht” an sich, weil er den Geschlechterbegriff für die Biologie reklamiert?

    Ansonsten: Schade, dass die von CC vorgestellte Studie so wenig diskutiert wird.

  40. #40 zimtspinne
    08/01/2017

    Verstehe ich das richtig, Tomboy und Girly sind Begriffe, die Menschen beschreiben, die sich mehr oder weniger nicht-geschlechtertypisch verhalten?
    Also Mädels, die keinen Sinn für Puppen und hübsche Kleidchen haben, sondern lieber Jungsklamotten und kurze Haare tragen und sich gerne raufen oder was Jungen sonst noch so “typischerweise” tun? Oder eben Jungen, die etwas weicher sind, manchmal feminin wirken etc.

    Das finde ich an den Haaren herbei gezogen. Oft handelt es sich ohnehin nur um Phasen, die wieder vergehen, könnte auch am Umfeld liegen (ein Mädchen, das überwiegend mit Nachbarjungs spielt und abhängt, wird sich natürlich auch bis zu einem gewissen Grad anpassen und dieses “Rollenspiel” evtl sogar toll und bereichernd finden. Alles völlig normal und auch Übungsverhalten im Umgang mit dem anderen Geschlecht.)

    Bin mir übrigens sehr sicher, auch das hängt alles wenig mit kulturell geprägten oder gar selbstbestimmt ausgesuchten “Genderdingsen” zusammen, sondern hat seinen Ursprung im Hormonspiegel. Mehr Testosteron, weniger Testosteron etc (ist natürlich etwas komplexer).
    Ich meine mich daran zu erinnern, dass eine Korrelation behauptet wurde zwischen Testosteronspiegeln und weiblicher Alphatier-Mentalität. Frauen, die es politisch oder wirtschaftlich bis ganz nach oben schaffen, sind hormonell anders gestrickt als die gemeine Hausfrau.

    Es wird sich um einen Überlebensvorteil handeln, nicht nur 100% weibliche oder männliche geschlechtstypische Verhaltensweisen im Repertoire zu haben, sondern bei Bedarf umzuschalten. Fight-or-flight-Reaktion tendieren in der Frauenversion eher zu tend-and-befriend (Schutz bei anderen, in der Gruppe suchen), viele Frauen sind aber genauso in der Lage, sich in der konkreten Bedrohungs- und Gefahrensituation verteidigend und kämpfend zu verhalten. Insbesondere auch, wenn ihr Nachwuchs involviert und bedroht ist.

    Das fiel mir jetzt nur auf die Schnelle ein, ich schreibe meistens im Affekt, werd aber noch mal genauer über diese Gendersache nachdenken.
    Wenn du aber mit Schauspielern und ihren Selbstverwirklichungen kommst… naja, so ganz beweiskräftig ist das jetzt nicht.

    dass es im Deutschen nicht mal Begriffe dafür gibt (tomboy, girlie) ist ja auch bezeichnend. Für mich hatte Girlie bisher die Bedeutung von Zicke, Diva, bitch.

  41. […] blooD’N’Acid: Kurz notiert – Genderbewußte Viren […]

  42. #42 Volker Birk
    https://blog.fdik.org
    09/01/2017

    @Joseph Kuhn: ich lese Cornelius’ Blog mit grossem Interesse, verstehe aber zuwenig vom Thema, als dass ich sinnvoll beitragen könnte. Unter anderem um das mal ein wenig zu ändern, lese ich’s ja 😉

    Cornelius selbst hat das Thema aufgebracht, auf was ich eingegangen bin, mit seinem Einleitungssatz. Da ich mich mit diesem Thema schon etwas auseinandergesetzt habe, dachte ich, ich trage hier bei.

  43. #43 Volker Birk
    https://blog.fdik.org
    09/01/2017

    @zimtspinne: Nein, das verstehst Du falsch. Offensichtlich hast Du die englischen Wikipedia-Einträge nicht gelesen, auf die ich verwiesen habe. Deshalb ganz kurz:

    “Girlies” sind Mädchen, die sich besonders gerne mädchenhaft kleiden, Kleider, Röcke, Rosafarben, Schleifchen, und sich auch nach diesem Rollenbild verhalten.

    “Tomboys” sind Mädchen, die sich wie das typische Jungenbild verhalten: kurze Haare bevorzugt, raufen, Abenteuer, etc.

    Dieser Unterschied ist ein Klassiker, der sich nicht mit dem natürlichen Geschlecht beschreiben lässt (es geht ja beidesmal um natürlich-weibliche Personen). Auch ist es nicht so, dass Tomboys etwa alle homosexuell wären, das Phänomen ist also auch nicht mit der sexuellen Präferenz zu erklären.

    Das, was hier den Unterschied ausmacht, nennt man das kulturelle Geschlecht (Gender).

    Jetzt klarer?

  44. #44 RPGNo1
    09/01/2017

    @Joseph Kuhn
    Ich habe das Buch vor einem guten 3/4 Jahr gelesen und gebe gern zu, dass mir vor allem die sogenannten Knaller im Gedächtnis haften geblieben sind. Das Buch ist auch kein reines populärwissenschaftliches Werk, so dass ich durchaus Punkte daraus missverstanden haben kann.
    Wenn du mir ein wenig Zeit zugestehst, versuche ich mich erneut einzulesen, um herauszufinden, was Ulrich Kutschera ausdrücken wollte. Das kann jedoch ein bisschen dauern.

  45. #45 Aveneer
    09/01/2017

    Zurück zum Thema 😉
    Die Viren merken sicher nicht, in welchem Körper sie sich befinden. Daher stellen sich mir eher Fragen wie: Ob es eine japanische und karibische HTLV1-Form (genotypisch) gibt. Oder, ob der Infektionszeitpunkt eine Rolle spielt (“Nestzschutz”).
    Evolutionär sehr ich es eher so, dass Viren sich wohl Primär an das „weibliche Immunsystem“ bzw. an die biologischen Gegebenheiten im “weiblichen Körper” anpassen. Es gilt ja allgemein, dass je „länger/besser“ ein Virus sich an den „neuen“ Wirt angepasst hat, desto ungefährlicher ist es.
    Eine maximale Anpassung an das „weibliche Geschlecht“ (wenn denn sinnvoll) bedingt daher „zwangsweise“ eine höhere Pathogenität für das männliche Geschlecht.

  46. #46 Cornelius Courts
    09/01/2017

    @Aveneer: “Die Viren merken sicher nicht,”

    steile These. Warum sollten sie es nicht merken? Es gibt ausreichend auf molekularer Ebene wahrnehmbare Unterschiede, die theoretisch als Signal in Frage kämen.

    “dass Viren sich wohl Primär an das „weibliche Immunsystem“ bzw. an die biologischen Gegebenheiten im “weiblichen Körper” anpassen.”

    Das steht 1. in direktem Widerspruch zu Deiner These, daß Viren nicht “merken”, in welchem Wirtskörper sie stecken und 2. ergibt es auch keinen Sinn: Evolution spielt sich auf Populationsebene ab und Viren aus männlichen Wirtskörpern zählen auch dazu.

    “Eine maximale Anpassung an das „weibliche Geschlecht“ (wenn denn sinnvoll) bedingt daher „zwangsweise“ eine höhere Pathogenität für das männliche Geschlecht.”

    Eine weitere sehr gewagte und unbelegteThese. Bitte mal begründen, wieso das so sein soll.

  47. #47 Aveneer
    09/01/2017

    Zur zweiten Aussage.
    Da beziehe ich mich allein auf die Aussage, dass „je besser das Virus sich auf seinen Wirt eingestellt hat, desto weniger Pathogen“.
    Nun ist der Unterschied zwischen Frau/Mann nicht so groß wie Mensch/Affe (/Mücke/Maus), aber im „Feintuning“ (wenn man es evolutionär auf die Spitze treibt) könnte es einen Unterschied machen? Und darum geht es doch hier? Übertrieben: Für ein Virus das sich z.B. ausschließlich über Muttermilch verbreitet, wäre der Mann offensichtlich ein Fehlwirt. Das ist alles sehr spekulativ o.k. – so wie das Paper.

    Inwiefern ein Durchschnittsalter >60 Jahre der Erkrankten relevant für eine vertikale Übertragung ist? Inwiefern die niedrigere Seroprävalenz bei jap. Frauen (wenn ich das richtig verstanden habe) eine Aussage über die Pathogenität erlaubt ist mir eigentlich auch nicht klar. Da mir mehr Fälle bekannt sind, wo es umgekehrt ist.
    Wenn ich es mir genau überlege, halte ich sozialökologische Gründe für viel wahrscheinlicher als Mann/Frau Unterschiede.

    Zur ersten Aussage: Für mich impliziert „merken“ ein daraus resultierendes, jeweils anders/angepasstes Verhalten. (Bakterien „merken“, dass sich die Bedingungen wie sauer/basisch/.. ändern – aber Viren?) Ich würde nicht sagen, dass ein Virus “merkt”, in welchem Wirt (Mücke, Maus, Mensch) es sich gerade befindet? Na gut, wenn sich das Expressionsmuster/Proteom ändert (z.B. Mücke/Mensch) könnte man….Manche würde auch sagen, das Virus merkt wenn es an eine Zelle andockt – o.k. in diesem Sinne…ziehe ich meine Aussage zurück.

  48. #48 Aveneer
    09/01/2017

    EDIT: Offenbar ist die Seroprävalenz für HTLV-1 in beiden Gruppen (m/w) vergleichbar.

  49. #49 earendil
    09/01/2017

    Inwiefern die Studie irgendwelchen Ergebnissen aus der Genderforschung widersprechen soll, erschließt sich mir nicht. Diese Viren erscheinen ja gerade nicht als “genderbewusst”, sondern wenn dann als “sexbewusst” (eigentlich natürlich überhaupt nicht bewusst, mangels Hirn). Und dass es überhaupt keine biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern gebe, sagt – wer eigentlich? Jedenfalls nicht “die Genderforschung” insgesamt. Da kenne ich eher die Position, dass das biologische Geschlecht das soziale nicht determiniert (oder jedenfalls nicht gänzlich oder nicht hauptsächlich), oder dass eine strikte Trennung von biologischem und sozialem Geschlecht gar nicht sinnvoll ist, weil etwa die menschliche Biologie nach Jahrzehntausenden Kultur auch sozial überformt ist.

    Und genau dafür bietet die Studie doch ein interessantes Beispiel. Sofern die Erklärung zutrifft, beeinflusst demnach das unterschiedliche Stillverhalten in Japan und der Karibik – also ein sicherlich in erster Linie soziales Phänomen – die Evolution von Viren und damit die geschlechtsspezifische Pathogenität von Menschen.

  50. #50 Laie
    09/01/2017

    Tja, die Biologie lässt sich halt nicht durch ideologisches Geschwurbel verdrehen, nicht mal bei den Viren! :)

    Wobei es dem Virus völlig egal ist, ob sich nun in dem biologischen Mann eine “gefühlte Frau” oder umgekehrt in einer biologischen Frau ein “gefühlter Mann” befindet.

    Gesundheit!

  51. #51 Volker Birk
    https://blog.fdik.org
    09/01/2017

    @Laie: dass Biologie sich als Naturwissenschaft ausschliesslich mit Naturphänomenen auseinandersetzen muss, ist glasklar. Wo verortest Du hier also “ideologisches Geschwurbel”?

  52. #52 HF(de)
    09/01/2017

    Wo verortest Du hier also “ideologisches Geschwurbel”?

    Auf der anderen Seite. Vermute ich mal.

  53. #53 Volker Birk
    https://blog.fdik.org
    10/01/2017

    @HF(de): und welche “andere Seite” wäre das?

  54. #54 zimtspinne
    10/01/2017

    @ Volker Birk

    nein, ich habe das schon richtig verstanden!
    Die von dir genutzten Begriffe waren mir so in der Bedeutung nicht bekannt, allerdings sehr wohl das Phänomen der jungenhaften Mädchen sowie mädchenhaften Jungen! Bereits als Kind raffte ich das^^
    Es müssen also nicht irgendwelche facebook-kiddies daher kommen und sich als tomboys oder girlies wichtig machen. Erinnert mich an Eltern, die für ihre Sprößlinge einen Sonderstatus möchten und ihnen klangvolle Phantasiebezeichnungen aufdrücken (Kristallkinder, Indigokinder etc).

    Davon mal noch ganz abgesehen, dass diese von der Norm abweichende Wesensarten (rabaukige Mädchen, zarte Jungen) meist überhaupt kein sozial erwünschtes Verhalten darstellen – weder von Eltern, Angehörigen noch Erziehern oder Lehrkräften –
    das sind schlicht und einfach genetisch determinierte Varianten und ich bin ganz sicher, es gibt sie in jeder Population! Hat nix mit sozialen, kulturellen oder sich selbst ausgedachten und zugewiesenen Geschlechterrollen zu tun.

    Man kann dem Ding natürlich einen Namen verpassen. Wie du (und andere) das aber tun, führt es mM zu Missverständnissen.

  55. #55 Volker Birk
    https://blog.fdik.org
    10/01/2017

    @zimtspinne: damit man von einer (wie auch immer gearteten) Norm abweichen kann, muss es erst einmal eine geben. Eine solche müsstest Du also benennen (und begründen). Es geht auch weder bei Tomboys noch bei Girlies um sozial unerwünschtes Verhalten. Inwiefern genetische Determination zugrundeliegt, ist in der Tat eine interessante Frage; zunächst einmal geht es jedoch um Rollen, in denen der Unterschied Ausdruck findet, und die gehören zweifellos zur kulturellen Sphäre.

    Wie üblich in der Wissenschaft geht es immer zuerst einmal um eine sinnvolle Definition, weil man ein kontrolliertes Vokabular benötigt. Dass ich ein solches bisher vermieden habe, liegt daran, dass das hier ein naturwissenschaftliches Blog ist, und ich versuche, sozialwissenschaftliche Ideen zu motivieren.

    Ich bin ja nun selbst kein Sozialwissenschaftler, und habe mich nur in das Thema eingelesen, weil ich den öffentlichen Disput mitbekommen habe. Dass ich auch geisteswissenschaftlich arbeite, ist jedoch kein Geheimnis, deshalb sind mir solche Dinge auch nicht ganz fremd.

    Falls Du möchtest, suche ich entsprechende Literatur heraus und verweise darauf. Es wäre sicher hilfreich, falls ein Sozialwissenschaftler mitliest, wenn diese Person das dann übernehmen könnte – einfach, weil sie oder er dann sicher kompetenter als ich auf diesem Fach ist 😉

  56. #56 zimtspinne
    10/01/2017

    Die Norm sind natürlich natürliche vorkommende Vollblutfrauen sowie .. Mist, mir fällt auf die Schnelle gar kein männliches Äquivalent ein… womanizer vielleicht? :)

    Also Frauen und Männer mit Attraktivitätsmerkmalen, die auf Gesundheit und reproduktive fitness schließen lassen.
    sorry, bin etwas in Zeitnot, deshalb nur kurz und knapp (mehr gibts aber an sich auch nicht zum ersten Teil zu sagen).

  57. #57 Volker Birk
    https://blog.fdik.org
    10/01/2017

    @zimtspinne: Tomboys wirken auf mich z.B. sexuell durchaus anziehend (wobei meine Präferenz nicht danach ausgerichtet ist). Da bin ich bereits ein Gegenbeispiel für Deine Prämisse, dem wäre etwa nicht so.

  58. #58 Primergy
    11/01/2017

    1) Ich besitze als normaler Mann ein violettes Damenfahrrad und fahre damit auch durch die Stadt. Ich wurde bereits öfters von anderen Kerlen, meist älter, unaufgefordert darauf hingewiesen, dass ich auf einem Damenfahrrad sitze. Ein anderer hat mich gefragt, ob ich ein Mädchen bin – da erzähle mir nochmal einer, es gebe keine kulturell geprägten Geschlechterstereotype ;D

    2) Mich würden mal die Argumente der Biologen gegen ‘Gender’ interessieren. Wenn jemand einen Lesetipp hat, wo diese nüchtern dargelegt werden, wäre ich dankbar. Kutschera hat für meinen Geschmack zu viel Schaum vor dem Mund und allgemein kann man sagen, wer anderen Ideologie vorwirft, argumentiert meist selbst ideologisch.

    3) Interessanter Artikel, speziell die weiter oben geführte Diskussion, ob nicht doch sozio-kulturelle Faktoren die Evolution der Viren beeinflusst haben.

  59. #59 Bullet
    11/01/2017

    1) Ich besitze als normaler Mann ein violettes Damenfahrrad und fahre damit auch durch die Stadt. Ich wurde bereits öfters von anderen Kerlen, meist älter, unaufgefordert darauf hingewiesen, dass ich auf einem Damenfahrrad sitze.

    löl
    Sowas hatte ich mal bei einer Hose. Die hat durchaus gepaßt und so ausgesehen, wie ich das wollte, aber an der Kasse wurde ich dezent darauf hingewiesen, daß dies doch eine “Damenhose” sei. Allerdings hat man meine Erklärung “hab’se probiert, paßt” dann auch ohne weiteres akzeptiert.
    Ich hab erst Wochen später angefangen, darüber nachzudenken, ob – und wenn ja, wie – da auf der Gegenseite Gedanken ins Rollen gekommen sind. Das ist allerdings 20 Jahre her. Vielleicht ist das Bekleidungsgewerbe da etwas fortschrittlicher als die Gilde der Rollenden Rentner… 😉

  60. #60 Cornelius Courts
    11/01/2017

    @Bullet: in meiner Jugend, bevor der Metal größer und bekannter wurde, galt sogar mal meine “Frisur” als eher damenhaft 😀

  61. #61 James L. Lacross
    Zürich/Massachusetts
    11/01/2017

    @C. Courts.
    Ich frage mal ins Blaue hinein. Gilt dies nur für Retroviridae und gibt es Daten über eine etwaige unterschiedliche Letalität des Ebola-Virus bei Mann und Frau? Oder kann man generell sagen, dass Ebola noch zu wenig an den Menschen angepasst ist um diesen Effekt feststellen zu können?

  62. #62 zimtspinne
    11/01/2017

    Ebola hat bereits Mutationen, die bei vielen Infizierten kaum noch Krankheitssymptome verursachen. Ich weiß aber nicht, obs da Unterschiede bei den Geschlechtern gibt. Ich weiß auch nicht, ob diese Mutation nach denen erfolgte, die das Virus (oder einen Subtyp) erstmal aggressiver machten (das war der Anpassungsprozess an den Menschen, mit aggressiv ist vielleicht auch die Ansteckung und Ausbreitung im Wirt gemeint und nicht die Letalität).
    Wie bitteschön sieht denn überhaupt ein erfolgreiches Virus aus? Soll es sich häuslich als Dauer-Untermieter einrichten und keinen größeren Schaden anrichten, auf keinen Fall den Wirt töten, um sich in Ruhe ausbreiten zu können? So klingt das bei euch zumindest….

  63. #63 tomtoo
    12/01/2017

    @Zimtspinne
    Stell dir doch einfach eine Person vor die es ausnutzt das du Miete und Strom zahlst. Wenn sie dich killt, ist sie ja wieder auf der Strasse. 😉
    Hast du ja schon gesagt, ist doch aber logisch oder ?

  64. #64 RPGNo1
    12/01/2017

    @Primergy
    Eine Googlesuche hat folgendes Buch ausgespuckt.
    Axel Mayer: Adams Apfel und Evas Erbe
    https://www.randomhouse.de/Buch/Adams-Apfel-und-Evas-Erbe/Axel-Meyer/C.-Bertelsmann/e453095.rhd
    Vielleicht weiß ein Mit-Kommnetator mehr über das Buch.

  65. […] Seit einiger Zeit wird die Genderforschung als neuere Blüte im Strauß der Geistes- und Sozialwissenschaften kontrovers in Hinsicht auf ihre wissenschaftliche Haltbarkeit und Berechtigung diskutiert. Leider hat diese Debatte häufig eine mehr oder weniger starke ideologische Schlagseite, da bestimmte Teilnehmer derselben in einen Interessenskonflikt zwischen dem, was sie für einen wünschenswerten (weil mit ihrer Ideologie konformen) Ausgang der Debatte halten und dem, was tatsächlich belegbar ist, geraten. Vor ein paar Monaten schrieb ich dazu: […]