Ich halte nichts von Akupunktur und sie für eine im Grundsatz esoterische Methode, denn es gibt für die ihrer angeblichen Wirksamkeit zugrundeliegenden sogenannten Meridiane keinerlei anatomisches Korrelat und niemand weiß, welcher Art die ominöse „Lebensenergie” (oder auch „Qi“) ist, die angeblich darin fließen soll.  Große Studien zeigten indes immer wieder, daß Akupunktur bei einigen wenigen Leiden/Krankheiten zwar besser als die Standardtherapie ist, es aber dabei egal ist, wohin man die Nadeln sticht. Entweder ist Akupunktur, zu deren Anwendung ja ein umfangreiches, ritualhaftes Brimborium gehört (s. auch hier), also ein besonders sophistiziertes, „theatralisches“ und daher stärker wirksames Placebo (so wie Scheinoperationen) oder, auch das wäre nicht allzu verwunderlich, das Einstechen von Nadeln in den Körper erzeugt irgendeinen unspezifischen, aber tatsächlichen Effekt. So dachte ich jedenfalls.

Auf einer Brustkrebs-Tagung in San Antonio Texas  wurden letzten Monat jedoch die Ergebnisse einer vergleichsweise umfangreichen Studie von u.a. der Onkologin Dawn Hershman von der Columbia University Medical Centre in New York vorgestellt, im Rahmen derer insgesamt 226 an Brustkrebs erkrankte Frauen gegen die Schmerzen, die als Nebenwirkung einer bestimmten Therapieform auftreten, behandelt wurden. Das Ziel der Behandlung ist, durch die Reduktion der Schmerzen die Therapieadhärenz zu verbessern, also die Patientinnen bei der Stange zu halten und damit ihre Chancen auf einen Heilerfolg zu erhöhen, wofür die kontinuierliche Einnahme des Medikaments erforderlich ist. Die Frauen wurden in drei Gruppen aufgeteilt, die entweder keine Behandlung, eine Behandlung mit Akupunktur oder mit Schein-Akupunktur (die Nadeln wurden an laut Akupunkturlehre nicht korrekten Stellen eingestochen) erhielten. Eine Standardisierung der Studie, die auch die Einweisung der Behandler darin, eine vereinheitliche, konsistente Behandlung durchzuführen, umfaßt, sei gegeben gewesen [1]. Die Teilnehmerinnen wurden dann gebeten, ihre Schmerzen durch die Krebsbehandlung zu notieren.

Sechs Wochen nach Beginn der Studie zeigte sich, daß der höchste notierte Schmerzwert in der Akupunkturgruppe im Mittel um einen Punkt niedriger lag als in den anderen Gruppen. Zudem lag der Anteil an Teilnehmerinnen, deren Schmerz sich um wenigstens zwei Punkte verbessert hatte, in den Kontrollgruppen bei 30%, in der Akupunkturgruppe jedoch bei 58%. Beide Effekte waren statistisch signifikant und im Gegensatz zur Gabe von Duloxetin, das standardmäßig zur Behandlung der Schmerzen gegeben wird, hielt die Besserung auch nach dem Ende der Studie noch an. In einer vorigen, deutlich kleineren Studie hatten Hershman et al. bereits einen ähnlichen Effekt beschrieben [2]. Ist das nun der Beweis, daß „wahre“ Akupunktur, die ja hier der Schein-Akupunktur überlegen zu sein schien, doch funktioniert?

Ein großes Problem mit den neuen Daten von Hershman & Co. besteht meiner und der Ansicht anderer Skeptiker (u.a. E. Ernst) nach darin, daß ein wichtiges Qualitätskriterium für klinische Studien, nämlich die doppelte Verblindung, hier nicht verwirklicht worden ist: die Behandler wußten, welche Art von Behandlung, Akupunktur oder Schein-Akupunktur, sie durchführten, es ist also nicht auszuschließen, daß durch dieses Wissen eine bewußte oder unbewußte Einflußnahme auf die Patientinnen erfolgt ist. Darüber hinaus gibt es auch gegensinnige Befunde z.B. eine Arbeit einer anderen Gruppe, die sich ebenfalls mit der Behandlung der Nebenwirkungen eben dieser Krebstherapie befaßt hatte, die allerdings doppelt-verblindet war und in der eben kein Unterschied zwischen Akupunktur und Schein-Akupunktur festgestellt worden war [3].

Dem Argument vieler Akupunktur-Befürworter, daß es doch egal sei, wie die Methode funktioniere, solange sie nur wirke, ist entgegen zu halten, daß die Wirksamkeit von Akupunktur jenseits eines aufgrund ihrer Eigenschaften (“exotisch”, invasiv und leicht schmerzhaft, zeitintensiv, verbunden mit Berührung etc.) erwartbar starken Placeboeffekts eben nicht bewiesen ist, solange sie im doppelt-verblindeten Vergleich mit einem Kontroll-Verfahren, das einen ähnlich starken Placebo-Effekt generiert, keine besseren Ergebnisse hervorbringt.

The first principle is that you must not fool yourself — and you are the easiest person to fool. – R. Feynman

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Kommentare (41)

  1. #1 Alisier
    05/01/2018

    Danke für den Post!
    Große Vorsicht ist, wie immer, geboten. Und Skepsis vonnöten.
    Was mir wichtig erscheint, ist, zu diskutieren, wie groß der Einfluss des Faktors Mensch und Menschlichkeit gerade bei Schmerztherapien sein kann.
    Es fehlt immer öfter an Zuwendung, aus unterschiedlichen Gründen. Und es gibt kaum gute Gründe daran zu zweifeln, wie wichtig der Faktor Zuwendung in der Medizin ist, und wie sehr er gerade in den letzten Jahren zunehmend vernachlässigt wurde.
    Das wiederum öffnet Tor und Tür für die Vertreter der Scharlatanindustrie, weil das gefühlige Ranschmeißen gerade deren Spezialität ist.
    Hier hat sich bei der medizinischen Versorgung eine Lücke geöffnet, von der ich mir wünschen würde, dass sie sauber und sinnvoll, und eben nicht mit Esoterik geschlossen wird.

  2. #2 Intensivpfleger
    05/01/2018

    Ich frage mich nur, wie man bzgl. Akupunktur eine doppelte Verblindung durchführen könnte:
    Die Kontrollgruppe ohne Akupunktur bekommt ja keine Scheinnadelstiche, und die Kontrollgruppe die bewußt außerhalb beschriebener Meridiane genadelt wird, kann ja vom Behandler auch erkannt werden, oder wie will man verhindern, dass der Behandelnde nicht doch mal auf irgendwelche frei zugänglichen Meridiankarten schaut?
    Wie könnte also eine doppelte Verblindung erreicht werden?

    fragt sich der
    Intensivpfleger

  3. #3 Marek
    05/01/2018

    Gilt nicht grundsätzlich für alle Therapien, die körperlichen Kontakt erfordern, dass diese nicht doppeltverblindet werden können?
    Craniosacrale, Bobath, Manuelle Thearapie oder halt auch Akupunktur können doch nicht ohne Interaktion stattinden, die die Studie beeinflussen.

  4. #4 Joseph Kuhn
    05/01/2018

    @ cc:

    “er wird aber bestimmt etwas dazu sagen”

    Aber nur, um Deine Prognose über mein Verhalten nicht zu falsifizieren. Weder mit Brustkrebs noch mit subjektiven Schmerzskalen kenne ich mich aus und zur Akupunktur habe ich auch nur eine oberflächlich angelesene Meinung.

    Wenn ich es recht sehe, gibt es bisher nur Medienberichte über die Studie, d.h. man kann z.B. nicht nachvollziehen, wie die drei Gruppen konkret zustande kamen (ob es z.B. Probleme mit der Randomisierung etwa im Hinblick auf Stadien oder die vorherige Behandlung gegeben haben könnte), wie sich Dropouts verteilen, wie die Rohdaten der Schmerzscores insgesamt aussehen (weil nur ausgewählte Befunde berichtet werden), ob vorab klinisch relevante Reduktionseffekte bestimmt wurden, wie mit den Verblindungsproblemen umgegangen wurde usw. – insofern sollte das erst mal durch ein ordentliches Review, bei dem sich gute Methodiker die Durchführung und die Daten im Detail ansehen.

    @ Intensivpfleger:

    Es scheint durchaus Möglichkeiten der Doppelverblindung zu geben, z.B. bei Laser-Akupunktur. Aber wie gesagt, auch damit kenne ich mich nicht aus. Wenn mit Nadeln einmal in die sog. “Meridianpunkte” und einmal daneben gestochen wird, gibt es natürlich keine Verblindung, auch nicht bei den Patienten, weil die bestimmt danach nachsehen, wo sie gestochen wurden.

  5. #5 anderer Michael
    05/01/2018

    Theoretische Überlegung:
    Indem die Patientin durch eine der betreuenden Ärztin unbekannte Person mittels Akupunktur und ohne Anwesenheit besagter Ärztin behandelt wird. Interaktionen zwischen Patientin und Schein/ Akupunkteurin müssen auf ein standardisiertes Minimum reduziert werden.
    Somit weiß weder Patientin noch betreuende Ärztin was Schein oder kein Schein ist. Keine hundertprozentige Doppelverblindung, aber fast!

  6. #6 ralph
    05/01/2018
  7. #7 Floh
    06/01/2018

    Wenn ich diesen Artikel richtig verstanden habe, dann gibt es also zwei Möglichkeiten:
    1. Fall: Entweder die Akkupunktur wirkt, oder
    2. Fall: Wenn der Betreuer an die Akkupunktur glaubt, dann wirkt sie (schließlich weiß der Betreuer ob er die Akkupunktur richtig gemacht hat oder nicht)

    Demnach wirkt die Akkupunktur, entweder direkt oder indirekt.
    Und ist der zweite Fall nicht sogar viel Esoterischer als der erste?

    Habe ich etwas übersehen?

  8. #8 tomtoo
    06/01/2018

    Spannend ist ja bei diesen ganzen Themen, was der eigene Kopf bewirkt. Nix Eso. Aber anscheinend kann der Glaube (Götter halten wir mal aussen vor) tatsächlich Bergchen versetzen.

  9. #9 Umami
    06/01/2018

    Patient mit Augenbinde und Ohrstöpseln während der Behandlung?

  10. #10 rolak
    06/01/2018

    ralphs Idee mit dem MediBot würde jedenfalls die Untersuchung ‘neutralisieren’, wesentlich interessanter fände ich allerdings einen anderen Ansatz, leider weder leicht noch günstig umsetzbar: Zwei Gruppen Behandler* ausbilden zum “revolutionären neuen ~Akupunktieren” mit risikoarmen ~Eierpickern, kleine Eindringtiefe falls überhaupt nötig für lokalen WenigSchmerz. Beide picken an denselben Stellen, die eine Gruppe bekommt während der gestrengen Ausbildung ultrapositives Feedback von den schauspielernden ‘Patienten’, die andere neutrales bis abweisendes. Diese beiden Gruppen ~Akupunkteur* werden dann in der eigentlichen RCT als BehandlerTeams eingesetzt und es wird ermittelt, wie sich in solchen Szenarien alleine der TestleiterEffekt auswirken kann.

    Hypothese: Sehr. Würde das Ermitteln belastbarer Daten in solchen kaum verblindbaren Szenarien deutlich schwieriger machen respektive angebliche supitollen Ergebnisse zu Konfetti schreddern.

  11. #11 gla
    06/01/2018

    Die Sache ist ganz einfach die, dass wir von Psycholgie oft mehr abhängig sind als wir glauben.
    Wer an eine Medizin glaubt, also zuversichtlicher ist und damit überhaupt in einer besseren psychischen Verfassung ist, der hat bessere Aussicht auf Heilung, oder empfindet immerhin weniger Schmerz.
    Die Sachen wirken einfach auf dem Umweg der Psycholgie und wirken auf diese Art mitunter tatsächlich. Deshalb wirkt Placebo bei manchen ja auch tatsächlich.
    Gefährlich wird es dann wenn manche glauben sich auf die Wirkung solcher Mittel verlassen zu können.

  12. #12 jml
    06/01/2018

    An einem Ast einer großen Birkenfeige hängt seit vielen Jahren ein Plüschaffe, ein Gibbon aus dem Leipziger Zoo. Von Zeit zu Zeit jedoch verließen ihn die Kräfte, die Klettverschlüsse seiner Hände lösten sich und er fiel herab. Nach einem Zahnarztbesuch spickte ich ihn mit je zwei Nadeln am Ohr und der Nase, wunderbar symmetrisch, die mir ursprünglich vom ZA gesetzt wurden und nach ein paar Stunden aus den Ohren fielen. Was soll ich sagen, seither hängt der Affe munter an seinem Platz und hat genug Kraft, sich zu halten, und das wohl nun schon über sechs Jahr! Sagenhaft!

  13. #13 rolak
    06/01/2018

    Was für ein haltloses Geschwafel, jml, hier geht es um Akupunktur!

    Also werde gefälligst mal konkret:
    Durch welche Punkte welches Meridians hast Du den Affen an die feige Birke getackert?

  14. #14 zimtspinne
    06/01/2018

    Erklärungsversuch:
    An der Studie nahmen vorwiegend spirituell integrativ aufgeschlossene Patientinnen teil, die gleichzeitig auch tendenziell krassere Plazeboresponder sind…. da zwei Drittel der Brustkrebspatientinnen eh irgendwelchen Zusatzkrams in Anspruch nehmen im Laufe ihrer Erkrankung, scheint es mir nur logisch, dass an solch einer Studie eher die teilnehmen, die 1. Sinn dafür haben und 2. bei denen zuvor Zeugs aus der Hexenküche gewirkt hatte.

    Ich muss zugeben, ich hab mich jetzt nicht mit dem Wirkmechanismus der Nadelspickerei beschäftigt…. also wie da jetzt Schmerzrezeptoren getriggert oder was auch immer werden… oder ist Akupunktur wieder so etwas, an das man einfach glauben muss?

  15. #15 Floh
    06/01/2018

    Wenn wir schon mal dabei sind.
    Es ist wahrscheinlich wissenschaftlich genauso schwer zu beweisen, ob die Massage heilt.
    Wie will man dort eine doppelt blind Studie ordentlich erreichen? Ist die Massage also auch nur Eso?

    If it looks like a duck, swims like a duck, and quacks like a duck, then it probably is a duck.

  16. #16 zimtspinne
    06/01/2018

    Es geht doch gar nicht um Heilung, sondern um Kontrolle/Linderung der NW einer Langzeitbehandlung mit Aromatasehemmern.
    Wenn ich das richtig im Kopf hab, sind das oft Knochenschmerzen und die sind eh schwer unter Kontrolle zu bekommen!
    Wie soll die Akupunktur nun also Knochenschmerzen verhindern, eindämmen oder meinetwegen auch subjektiv unsichtbar (unfühlbar) machen?
    Bitte um Erläuterung, wie das genau funktioniert.

  17. #17 tomtoo
    06/01/2018

    Habe mich damit noch nie beschäftigt. Aber denke wir sind uns einig, das selbst die Erwartung eines Schmerzes zu Hormonausschüttungen führen kann. Was die dann bewirken ??

  18. #18 tomtoo
    06/01/2018

    @Zimtspinne
    Könnte mir durchaus vorstellen das die Angst vor dem Picks, schmerzlindernde Stoffe freisetzt. Nur so ein Gedanke.

  19. #19 zimtspinne
    06/01/2018

    Meinst du, dass pieksängstliche Leute daran überhaupt teilnehmen!!?
    Ich würde freiwillig auch an keiner Zahnarztstudie teilnehmen, außer sie wird sehr gut bezahlt 😉

  20. #20 zimtspinne
    06/01/2018

    Interessant ist ja auch, wieviele Patientinnen brechen die Behandlung *nicht* vorzeitig ab, weil Akupunktur den Schmerz niederwatscht…. nur die Erfolge zählen!
    Knochendichte kann ja dennoch abnehmen, oder wird das auch gleich mit verhindert? Schmerzen sind ja grundsätzlich eine sinnvolle Reaktion…

    Ich würde eher auf das Konzept setzen:
    https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/mamma-karzinom/article/854726/aromatasehemmer-koerperliche-aktivitaet-gelenkschmerz.html

    eigene Erfahrung dazu:
    Nach einer Kniekreuzbandverletzung hatte ich gelegentlich vor allem Belastungsschmerz, nicht allzu oft, aber wenn, dann sehr nervig.
    Durch Sport komplett verschwunden. Hatte mir auch mein Orthopäde empfohlen, war eh alternativlos, da für mein Alter nix angeboten wird an Alternativen. Wobei Fußballprofis, glaub ich, doch noch andere Möglichkeiten haben, die wiederum nur kurzfristig sinnvoll sind, was ja nicht mein Ziel wäre.

  21. #21 tomtoo
    06/01/2018

    Sry ich wieder. Kleiner Nachtrag.
    Aber ist schon spannen was so kleine Pickse bewirken können. Ich hab bei der BW schon Jungs erlebt, also echt stabiele. Und nach einer Blutabnahme waren die Blass, verschwitzt usw…. Da passiert was, wenn man sich auf einen ungewohnten Schmerz einstellt.

  22. #22 tomtoo
    06/01/2018

    Ich könnte mir das durchaus so vorstellen, dass man sich selbst sagt: Mach ruhig, ist nur ein Pix. So eine Art Selbstenspannung.
    Ich glaube @nnF könnte da was zu sagen ?

  23. #23 zimtspinne
    06/01/2018

    re. Bundeswehrjungs:
    Weicheier!
    Meine damals beste Freundin und ich waren früher regelmäßig Blutspenden und sind dahin ca 12 km mit Rad gefahren (wir wohnten halt auf Kuhdörfern). Ich habe allerdings auch gar nicht darüber nachgedacht, also ein Opfer in dem Sinne war das nicht.
    Wie kann man denn vor einem Minipieks, den man meist noch nicht mal sieht oder überhaupt mitbekommt, Angst haben?
    Spritzen ins Rückenmark, Auge oder Kopf – ja, davor hätte ich auch bisschen Muffe.
    Was ich -bei Bedarf- mal ausprobieren würde, wäre Hypnose. Das ist faszinierend und spannend (bin ich überhaupt hypnosefähig?)
    die Nadelei der Akupunktur/TCM reizt mich aber so rein gar nicht…. habe auch noch nie an die Wirksamkeit geglaubt.

  24. #24 tomtoo
    06/01/2018

    @Zimtspinne
    Ich finde das Zahnarzt bspl. sehr gut.
    Als Kind habe ich da so einiges erlebt. Und ja ich mach da auch sowas wie ein inneres ‘Ommm’. Eigenartig, aber schön das man sich darüber unterhalten kann.

  25. #25 tomtoo
    06/01/2018

    @Zimtspinne
    “…minipicks….angst..”
    Das ist ja das eigenartige. Ich kenne aus persönlicher Erfahrung Menschen die keine Angst hätten in einer Körperlichen Situation eine Nasenbeinbruch zu erleiden, aber eine Spritze ….? Wie gesagt das Thema ist imo spannend, und auch nicht eso.

  26. #26 tomtoo
    06/01/2018

    Naja evtl. so wie bei tattoos ( ich hab keins), du lernst den Schmerz zu Akzeptieren. Oder beim Marathon( laufen). Du stelltst dich geistig auf das picksen ein, der Körper produziert Schmerzhemmende Hormone. Wäre zumindest denkbar ??

  27. #27 Fluffi
    06/01/2018

    keinerlei anatomisches Korrelat

    Ich kenne Leute, bei denen hat Akupunktur ein echt physisches Korrelat.
    Dass der Effekt vor allem bei nicht
    verblindeten Studien auftritt, ist doch ein starkes Zeichen, dass die Bewusstseins-Seele des Hypnotiseurs eine starke Rolle spielt.

  28. #28 noch'n Flo
    Schoggiland
    06/01/2018

    @ tomtoo:

    Ich glaube @nnF könnte da was zu sagen ?

    Naja, es gibt da eine These über den “Wirkmechanismus” der Akupunktur, der besagt, durch das Einstechen der Nadeln würden regionale Hautrezeptoren überlastet, so dass das bisher vorhandene Schmerzmeldungen an das Gehirn überlagert würden.

    Das entspricht in etwa der Methode, mit der schon die ollen Römer chronische Kopfschmerzen behandelten: da wurde dem Patienten einfach ein elektrischer Aal auf den Kopf gelegt – nach ein paar Minuten waren die Schmerzrezeptoren dermassen leergefeuert, dass die Schmerzen für Wochen nicht mehr empfunden wurden (funktioniert allerdings auch nur beim sog. “Spannungskopfschmerz”, nicht bei Migräne o.ä.).

    Ähnlich funktioniert ja heute noch die Behandlung oberflächlicher Haut- und Weichteilschmerzen mit Capsaicin. Das ist das Zeuch, was die Chilischoten so scharf macht – auf der Haut hat es eine analoge Wirkung auf die regionalen Schmerzrezeptoren. Habe ich schon öfters angewendet, funzt oft ganz gut (muss man halt entsprechend in der Apotheke anmischen lassen – und man sollte beim Auftragen immer Handschuhe tragen!).

    Es gibt auch Schmerzpflaster und -salben, die Capsaicin enthalten (allerdings oft in eher niedriger Dosierung, da wird vor allem der wärmende Effekt genutzt, der vor allem eine Muskelentspannung bewirkt).

  29. #29 tomtoo
    06/01/2018

    @nnF
    Danke ! Ja ist so ähnlich wie sich in den geknickten Finger zu beisen. Der eine Schmerz überlagert(blöd nicht überlagert, weis aber nicht wie ich es ausdrücken soll) sozusagen den anderen.

  30. #30 Don
    06/01/2018

    Zur standardmäßigen(!) Schmerzbehandlung wurde Duloxetin verwendet?

  31. #31 zimtspinne
    06/01/2018

    Dazu fällt mir ein saublöder Witz eines Kumpels ein:
    Wenn der Schmerz zuschlägt, schlag zurück! 😀
    Die Sache mit dem Aal klingt interessant.

  32. #32 noch'n Flo
    Schoggiland
    07/01/2018

    @ zimti:

    Wenn der Schmerz zuschlägt, schlag zurück!

    Huch, der ist ja fast so niveauvoll wie:
    “Herr Doktor, ich habe einen Knoten in der Brust.” – “Wer macht denn sowas?”

  33. #33 zimtspinne
    07/01/2018

    hmmmm, mir wäre dieser derbe Galgenhumor aber lieber als ein unheilvoller Blick unter steilen Stirnfalten:
    “oooh, das schaut aber gar nicht gut aus!”

    Heute erzählt mir doch eine Nachbarin, ungefragt, vom Schröpfen…. schon das Wort allein löst bei mir mittelalterliche Assoziationen aus… arrrr.

  34. #34 zimtspinne
    07/01/2018

    @ tomtoo
    Wenn du als Kind unschöne Erlebnisse beim Zahnarzt hattest, gar schmerzhaft und traumatisch, dann ist es ja voll verständlich, dass du ungern zum Zahnarzt gehst.
    Du glaubst doch aber nicht, dass jeder der Pieks-Schisser schon mal ein Trauma bei der Blutentnahme oder einer Impfung, Betäubungsspritze etc erlebt hat….
    Für mich bleibt das irrationale Angst – was tut derjenige, wenn er mal täglich Blutzucker messen muss?

  35. #35 noch'n Flo
    Schoggiland
    08/01/2018

    Ich hatte ja eine Zeitlang auch Horror vorm Zahnarzt – vor allem das fiese Geräusch des Bohrers hat bei mir immer wieder übelste Assosziationen geweckt.

    Irgendwann habe ich dann angefangen, die Entspannungstechniken, die ich im Laufe meines Lebens erlernt hatte (Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Qi Gong etc.) zu einer ganz speziell für mich in solchen Situationen wirksamen Meditationstechnik zusammenzubasteln. Inzwischen brauche ich nur ca. 20-30 Sekunden der inneren Einkehr, dann lasse ich bei mir sogar Wurzelbehandlungen ohne Lokalanästhesie machen (hat schon mehrere Zahnärzte tief beeindruckt).

    Hat einen ganz praktischen Hintergrund: noch mehr als das Geräusch des Bohrers hasse ich vor allenm das stundenlange Gefühl der Taubheit im Gesicht. Und wenn das abklingt, kommen die Schmerzen ja sowieso.

  36. #36 tomtoo
    08/01/2018

    @Zimtspinne
    Ängste sind halt nicht unbedingt rational. Gibt ja auch Menschen mit einer Arachnophobie, ziemlich irrational hier in Deutschland. Warum mansche Menschen bei Nadeln(Spritzen) so empfindlich sind ?

  37. #37 tomtoo
    08/01/2018

    @nnF
    Warum wird da zur Schmerzbehandlung ein
    SSNRI gegeben. Und nicht z.B Paracetamol oder Ibuprofen ?

  38. #38 tomtoo
    08/01/2018

    OT
    @nnF
    Warum wird da zur Schmerzbehandlung ein
    SSNRI gegeben. Und nicht z.B Paracetamol oder Ibuprofen ?

  39. #39 tomtoo
    08/01/2018

    sry

  40. #40 zimtspinne
    08/01/2018

    Ibu hilft bei Gelenk- und Knochenschmerzen nur sehr bedingt, außerdem geht das als Dauermedikation auch zu sehr auf den Magen und Paracetamol auf die Leber.
    Diese Erhaltungstherapien bei Brustkrebs ziehen sich ja über viele Jahre, und wer möchte sich täglich mit Ibu oder Paracetamol zuballern?
    Ich habe ja schon mal erzählt, meine krebsige Freundin verwendet Methadon und erzielt damit sehr gute Ergebnisse, also weitestgehend Schmerzfreiheit.
    Antidepressiva können auch eine schmerzlindernde Wirkung haben, also die werden auch in der Schmerztherapie eingesetzt, gerade auch bei Krebspatienten hab ich das schon öfter gesehen.
    Ich weiß jetzt gerade nicht, wie man das nennt, wenn ein Medikament eine Zweitwirkung hat, Viagra kann ja auch für andere Zwecke eingesetzt werden zB, die “eigentlich” begehrte Viagrawirkung wurde soger erst später zufällig entdeckt, wenn ich es richtig in Erinnerung hab.

    Vielleicht kann der Flo dazu mehr sagen, mich würde nämlich auch interessieren, ob das nicht kritisch ist, Antidepressiva einfach mal eben als Schmerzmittel zu geben, obwohl Patient psychisch gesund und ohne Depression. Ich wäre damit nicht einverstanden.

  41. #41 noch'n Flo
    Schoggiland
    08/01/2018

    Zimti hat es schon ganz gut erklärt – bestimmte Antidepressiva eignen sich tatsächlich zur Behandlung von Schmerzen. Allerdings nur bei chronischen Schmerzen, nicht bei akuten. Das hat mit dem sog. “Schmerzgedächtnis” zu tun, also eine psychosomatischen Entität. Abgesehen davon leiden viele Schmerzpatienten früher oder später wegen der Schmerzen auch an Depressionen, die sich wiederum schmerzverstärkend auswirken. Man schlägt hier also zwei Fliegen mit einer Klappe.