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In Schleswig-Holstein gibt es seit Kurzem ein neues Magazin namens “54° Nord“, es

berichtet unabhängig aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Kultur und Umwelt – und geht in der Titelgeschichte zentralen Zukunftsfragen auf den Grund. Exklusiv recherchiert. Erstklassig produziert.

In der Ausgabe #5, die gerade erschienen ist, gibt es ab S.52 auch einen Artikel mit dem Titel “Die Spurenleser“, der im Rahmen einer fiktiven Verbrechensaufklärung schleswig-holsteinische Forensiker, darunter yours truly, vorstellt und sogar die forensische RNA-Analytik, die wir hier ja als erste in Deutschland routinemäßig nutzen, wird erwähnt:

nord 2

(da hat jemand gut aufgepasst :-))

Also, liebe LeserInnen aus SH, bei Interesse gerne mal ‘reinschauen :)

flattr this!

Kommentare (56)

  1. #1 RPGNo1
    17/09/2018

    @CC
    Na, dann müsstest du da inzwischen eine Kieler Berühmtheit sein. :)

  2. #2 noch'n Flo
    Schoggiland
    17/09/2018

    @ RPGNo1:

    Der Ruhm reicht sogar bis nach Preetz.

  3. #3 Braunschweiger
    18/09/2018

    Es dürfte kein Geheimnis geblieben sein, dass der 54. Breitengrad den Süden von Schleswig-Holstein durchschneidet; der 55-te liegt dann schon in Dänemark bei Aabenraa. Nur zur Orientierung: der 54-te läuft im Westen an der Nordsee bei Friedrichskoog, in der Mitte des Landes bei Boostedt südlich Neumünster, und an der Ostsee durch Timmendorfer Strand. Dort kann man an der Strandpromenade auf dem 54-ten gehen (einer Linie, keinem Strich). Städte wie Lübeck oder Ratzeburg haben nun allerdings keine 54 in ihrer Breitengradkoordinate. :-(

    So ein Regionalwerbemagazin finde ich nicht besonders toll, besonders, wenn es nicht das ganze Land charakterisiert. Aber die Regionen sind alle schön und meistens den Tourismus wert. Vielleicht sollte man als am Lande Interessierter ein Geografiemagazin lesen oder besser einen Besuch machen (und wie ich gerade dort sein).

    Was die “Kieler Berühmtheit” angeht: vielleicht erfinden wir (also irgendwer) mal eine Figur in einem Krimi, nicht so ganz Professor T., nicht so ganz Prof. Börne, und auch nicht wie Mark Benecke. Nennen wir ihn Konni Kurz, den Kieler Imi mit dem Spitznamen “Kurzer Konni”, der Rechtsmedizin nicht nur deswegen von Linksmedizin unterscheiden kann, weil RNA rechtsdrehend ist, und der den ewigen angeblichen Zwist zwischen Kölnern und Düsseldorfern spannender findet als die Frage, wieviele Kieler Sprotten durch den Nordostseekanal gewandert sind. 😉

  4. #4 noch'n Flo
    Schoggiland
    18/09/2018

    @ BSer:

    Schon erleichternd, wenn die Korinthe erstmal gekackt ist, was? 😉

  5. #5 Cornelius Courts
    18/09/2018

    @Braunschweiger: “Nennen wir ihn Konni Kurz”

    Waaaaaaaaargh!

  6. #6 zimtspinne
    18/09/2018

    @ Braunschweiger

    ist Konni ein typischer Name für da oben? (Konrad?)

    ansonsten gibts ja schon Borowski, der das zwar nicht mit seinem Dialekt, dafür umso mehr mit den Strickpullis und Lodderflodderlook verkörpert. Und der auch überhaupt keine Massenware ist, wie es sich gebührt für da oben.
    Wir brauchen da jetzt mal einen anderen Typ (auch gerade um sich von Boerne (nicht Börne) und Olberich abzugrenzen.
    Durchtrainiert und gutaussehen und schrullig zugleich mit einem männlichen Anhängsel (die beiden haben so immer halb was am Laufen, man weiß es nie genau, es bleibt das große luftige Fragezeichen über ihnen).

    “Die Spurenleser” find ich jetzt aber auch ein wenig irritierend, da der Krimifan dabei automatisch an Spurensuche [am Tatort] denkt.
    Nicht, dass das nicht regelmäßig verquickt wird, Forensiker tümmeln sich in einer Minute im Ganzkörperanzug am Tatort und in der nächsten an der Schlachtbank im Keller (wohin sie gleich alles mögliche in Tütchen schleppen, um es mit der Leiche zu verstricken), aber üblich ist das doch nicht, oder?

  7. #7 zimtspinne
    18/09/2018

    @ Cornelius
    hattest du auch schon mal so eine Ganzkörperkluft an?
    Wenn zB eine hochinfektiöse Leiche untersucht wird oder sowas in der Art?
    Oder habt ihr sogar extra Räume für solche Fälle, wenn jetzt ein ganz unbekanntes neues Virus auf der Bildfläche erschiene, luftübertragbar und ganz böse?
    aus dem auftauenden Permafrost könnte sowas schlüpfen, um mal bisschen realitätsbezogen zu bleiben….

  8. #8 RPGNo1
    18/09/2018

    Soll das heißen, Konni Kurz wird der neue Assistent von Klaus Borowski? :)

    PS: “Conny” (mit großem C und y) wäre die übliche Kurzform von Cornelius.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Conny

  9. #9 zimtspinne
    18/09/2018

    das war die Morgentransusigkeit – Borowski is ja der Kommissar und Konni hatte ich jetzt gar nicht mit CC in Verbindungen gebracht.
    “Kurz” ist auch nicht gut, erinnert zu sehr an Olberich und Parallelen sollen ja vermieden werden.
    Konni Korke wäre noch ne Option (um auch die Rotzkorke einzubringen und es klingt ein wenig nach Courts)

  10. #10 zimtspinne
    18/09/2018

    Alberich! Mit A!!! Und muss so wegen Zwergverknüpfung.
    Man merkt den fehlenden Kaffee.

  11. #11 noch'n Flo
    am Tatort
    18/09/2018

    @ RPGNo1:

    Ich denke, das mit “KK” (statt “CC”) war schon extra so gedacht. Ich fang dann mal mit der Geschichte an:

    Konni Kurz holte tief Luft und stellte den Motor seines Wagens ab. Es war halb zwei Uhr in der Nacht, saukalt, und ein leichter Nebel zog gerade am Hafenkai, wo er soeben seinen uralten Opel Astra geparkt hatte, auf. Er schlug noch eben schnell den Kragen seiner abgewetzten Lederjacke hoch, dann trat er in die frische Nachtluft.

    Ungefähr zwanzig Meter entfernt winkte ihm eine massige Gestalt aufgeregt zu. Konni kannte diese nur zu gut: es war Kriminalhauptkommissar Sven Poggenpohl von der Mordkommission. Die massige Gestalt war das Ergebnis jahrzehntelanger Selbstmisshandlung mit fettigen Bratwürsten, und Konni vermutete, dass das Fett im Laufe der Zeit nicht nur die Blutgefässe des Polizisten zerfressen, sondern sich auch dauerhaft in seinen Haaren abgelagert hatte. Jedenfalls würde das die schmierige Frisur des Kommissars erklären.

    Als Konni näher kam, erkannte er kniend zu Füssen des Kommisars dessen Assistenten, Kriminalobermeister Axel Knittig, dessen ganze Aufmerksamkeit allerdings zu diesem Zeitpunkt der neben ihn liegenden, übel zugerichteten Leiche galt, die er mit seiner Kamera und der Hingebung eines grossen Modefotografen ablichtete.

    Knittig hatte nämlich die, wie Konni fand, ekelhafte Angewohnheit, mit den Leichen zu sprechen und zu versuchen, sie zu besonders eindrücklichen Posen zu motivieren. “Gib’s mir, Schätzchen!” und “Los, zeig mir alles!” waren nur zwei entsprechende Sprüche in seinem Repertoire. Wahrscheinlich findet er das besonders witzig, dachte sich Konni oft. Aber noch wahrscheinlicher war es einfach nur Knittigs ganz eigene Art, mit dem tägliche Horror seines Berufes umzugehen. In diesem Metier wurde man entweder irgendwann etwas seltsam, oder man stumpfte völlig ab.

    “Ah, Konni, gut dass Du da bist”, trat Poggenpohl Konni entgegen, in der rechten Hand eine dick belegte Stulle. Konni hatte es längst aufgegeben, den Kommissar daran zu erinnern, an einem Tatort nicht zu essen. Ohne irgendetwas Essbares in einer der beiden Riesenpranken war der Kommissar auch irgendwie gar nicht mehr vorstellbar. Er habe es “mit den Drüsen”, sagte Poggenpohl oft verlegen, zwischen zwei Atemschnaufern, die an die guten alten Zeiten der Dampfloks zu erinnern versuchten. Aber Konni war klar, dass die Fresssucht des Polizisten von einer schon lange zurückliegenden und bis jetzt immer noch nicht verarbeiteten, sehr schmutzigen Scheidung herrührte. Egal, nicht sein Problem.

    “Grüss Dich, Popo”, erwiderte Konni. “Popo” war der allgemein bei der Polizei gebräuchliche Spitzname für den Kommissar, ein Name, über den er nicht wirklich glücklich war. Aber immer noch besser als “Fetti” und “Qualle”, was hinter vorgehaltener Hand auch schon mal getuschelt wurde. Und irgendwie passte er zu dem stark adipösem Kommissar, fand Konni. “Was hast Du denn heute für mich, dass Du mich bei dieser Schweinekälte hier rausscheuchst?”

    “Ganz üble Kiste, Konni, ganz übel”, schnaufte Poggenpohl. “Sieht fast aus wie eine Art Hinrichtung: Schuss in den Hinterkopf, dabei die Hände auf dem Rücken gefesselt. Und dann wurde dem Opfer noch ein ‘Z’ in die Stirn geritzt. Was ist das für ein Täter, hält der sich etwa für Zorro?”

    Konni schaute sich die Leiche etwas näher an. Richtig, da war ein ‘Z’ in die Haut auf der Stirn eines asiatisch anmutenden Gesichts geritzt worden. Ob vor oder nach dem Tod würde noch zu ermitteln sein, dachte sich Konni und machte gleich eine geistige Notiz. “Wissen wir schon, wer der Tote ist?” fragte er den Kommissar?

    “Keinen Blassen”, antwortete Poggenpohl. “Keine Papiere oder irgendetwas, was uns einen Hinweis über die Identität geben könnte. Also: noch nicht.”

    Das Übliche also, dachte sich Konni und seuftze. Warum sollte es auch in so einer Nacht mal anders sein?

    Er liess seinen Blick noch einmal über die Leiche schweifen. Ganz normale Alltagskleidung, eine schwarze Stoffhose, gute Turnschuhe, ein blauer Anorak, darunter ein Pullover mit Kreuzmuster. Alles ganz gewöhnlich. Und doch hatte Konni das Gefühl, etwas zu übersehen. Irgendetwas klopfte im Hinterstübchen seines Bewusstseins leise an, aber er vermochte nicht, ihm die Tür zu öffnen.

    “Wenn unser Starfotograf hier fertig ist, bringt mir die Leiche ins Institut, damit ich mich an die Arbeit machen kann, okay?“ Konni wollte nur eins: schnell ins Warme. Poggenpohl hatte gerade den Mund voll mit dem Rest seines Wurstbrotes, daher winkte er Konni unbeholfen zu und wandte sich dann wieder dem Toten zu. Konni sah zu, möglichst schnell in die Restwärme seines Autos zurückzukehren, dann machte er sich auf den Weg ins rechtsmedizinische Institut.

    Um diese Zeit war auf den Strassen von Kiel nicht viel los. Konni schob eine Kassette von „Slayer“ ins altersmüde Autoradio, welches zwar zunächst gegen den nächtlichen Einsatz zu protestieren schien, dann jedoch mit einigen Laufunregelmässigkeiten zuletzt doch seinen Pflichten nachkam. Gut, denn so konnte sich Konni besser konzentrieren.

    Er versuchte, mal durchzusortieren. Auf der einen Seite war da die fast schon auffällige Gewöhnlichkeit der äusseren Erscheinung des Opfers, auf der anderen Seite die fast schon mafiamässige Auffindesituation. Geradezu klassisch. Und immer noch versuchte ein Gedanke tief in seinem Schädel, sein Bewusstsein auf sich aufmerksam zu machen.

    Soviel erstmal von mir. Wer macht weiter?

  12. #12 Laie
    18/09/2018

    @noch’n Flo
    Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

  13. #13 RPGNo1
    18/09/2018

    @noch’n Flo
    Nicht schlecht. Du solltest dich als Drehbuchautor für Tatort bei der ARD bewerben.

  14. #14 Dr. Webbaer
    18/09/2018

    Sozialkritische Kriminalliteratur war dem Schreiber dieser Zeilen immer ein Gräuel, -ky ist tot, und zeitgemäße bundesdeutsche Kriminalliteratur käme kaum ohne einer Szene aus, die sozusagen zu Doitschland (vs. Deutschland) nun gehört.
    Insofern ist auch die sozialkritische Kriminalliteratur tot.

  15. #15 noch'n Flo
    Schoggiland
    18/09/2018

    @ Laie:

    Klar, wie immer destruktiv, was anderes habe ich von Dir auch nicht erwartet. Scheinst neidisch zu sein.

  16. #16 Dr. Webbaer
    18/09/2018

    Neid war nicht erkennbar, Kommentatorenkollege ” noch’n Flo “, allerdings benötigt es für das Schreiben von Kriminalromanen Fachkenntnis.
    Insofern kann nicht jeder mitmachen.
    Ansonsten, wenn Ihnen der Text weiter oben “mal eben so” aus der Feder geflossen ist, Hut ab!

    MFG
    Dr. Webbaer

  17. #17 tomtoo
    18/09/2018

    @nnF
    -1
    Ist doch shyse wenn’s spannend wird aufzuhören. *schimpf*

  18. #18 noch'n Flo
    Schoggiland
    18/09/2018

    @ tomone:

    Ich hoffe halt, dass wir das Ding gemeinsam schreiben.

    @ WB:

    Was mir halt so spontan zwischen zwei Patienten heute vormittag in den Sinn kam.

  19. #19 tomtoo
    18/09/2018

    Ich mach mal kurz ne Webeeinblendung.
    Also der Kurz kommt in’s Labor, holt sich aus der Beckmann Tiefstkühltruhe, mit einer Hand eine Leber und zwei Nieren zur Seite schiebend, ein wenig crushed ice um sich einen Ipanema im 500ml Becherglas zu mixen.

    Geht dann ganz cool zur Beckmann Ultrazentrifuge, streichelt die Zärtlich, stellt seinen Drink drauf, geschüttelt nicht gerührt!

    Beckmann
    ; )

  20. #20 stone1
    18/09/2018

    ad #11:

    Drei Tage zuvor. Polizeiinspektion Kleinmünchen, Linz an der Donau.

    ‘Cobra, übernehmen sie.’ Der Titel dieser alten Fernseherie, die sie als Kind gesehen hatte wann immer ihre Eltern nichts davon bemerkt hatten, ging ihr immer durch den Kopf wenn sie mit Beamten des Sonderkommandos zu tun hatte. Gerade hatte sie einen Termin für eine Einsatzbesprechung ausgemacht, bei der vor allem der Umgang mit Demonstranten auf der Tagesordnung stand. Warum die Cobra da mitmischte war ihr noch nicht klar, schließlich gab es in Linz keinen Burschenschafterball zu bewachen und an gewalttätige Ausschreitungen bei Demonstrationen in ihrer Heimatstadt hatte sie so gut wie keine Erinnerungen.

    Nachdem sie den Telefonhörer aufgelegt hatte öffnete Revierinspektorin Cordula Brauer den obersten Knopf ihrer Bluse, obwohl es schon Mitte September war wollte der Sommer noch nicht klein bei geben und trieb die Temperaturen immer noch unerbittlich an die 30°-Marke hoch. Sie sah auf die Uhr auf dem Bildschirm vor ihr, 9:32 und es war schon wieder viel wärmer als ihr gut tat. Ein Hauch von Vanille und Zimtaromen umgab sie, besonders mochte sie den Duft ihres Parfüms eigentlich gar nicht aber es war ihre Art sich an dem Kollegen der vis-a-vis seinen Schreibtisch hatte zu rächen, der jeden Vormittag genüsslich schmatzend an seinem Platz eine Leberkässemmel verdrückte die einen penetranten Geruch verströmte, den sie am Vormittag so gar nicht ausstehen konnte. Gruppeninspektor Josef Dobcinsky, der über ein Vierteljahrhundert mit Leib und Seele Streifenpolizist gewesen war und wegen einer Diabetes-Diagnose in den Innendienst wechseln musste, war gerade unterwegs um die Jause zu besorgen. Er konnte den Geruch von Süßkram nicht ausstehen, da ihn dieser an seine Krankheit erinnerte, dennoch würde er ihr eine Topfengolatsche mitbringen.
    Abseits dieser Geruchsunstimmigkeiten hatten sie ein gutes Arbeitsverhältnis und sie hatte Respekt vor seiner Erfahrung im Streifendienst und seinem Riecher, er kannte diesen Teil der Stadt und seine Bewohner besser als viele andere ihrer Kollegen.

    An denen herrschte sowieso Mangel, irgendwie kam ihr Posten beim Besetzen von Planstellen meist als letzter dran obwohl viele erfahrene Mitarbeiter in den letzten Jahren in den verdienten Ruhestand versetzt worden waren, und der österreichische EU-Vorsitz in diesem Halbjahr tat sein Übriges dazu, dass viel Alltagsarbeit nur sehr langsam erledigt werden konnte da andauernd irgendwelche politischen Veranstaltungen gesichert werden mussten. Ein immenser Personalaufwand, das Jahresende konnte gar nicht schnell genug kommen, dann würde endlich wieder so etwas wie Normalität einkehren. Demnächst würden die Energieminister der EU im Design Center tagen, da war sie auch für eine Wachschicht eingeteilt. ‘Wenn die wenigstens etwas gegen diese verdammte Klimaerwärmung unternehmen würden’, dachte Cordula, ‘oder unser verdammter oberster Chef anstatt eine völlig sinnlose Reiterstaffel aufzustellen Geld für eine Klimaanlage rausrücken würde. Aber der wünscht sich Wohl den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück, und in seiner Partei zweifelt man ja an der Realität der Erderhitzung.’
    Mit einem Taschentuch wischte sie sich den dünnen Schweißfilm von der Stirn und versuchte sich wieder auf die Arbeit zu konzentrieren. Hinderlich dabei war das Ö3-Getüdel mit den ständigen Werbeunterbrechungen, dass aus dem kleinen CD-Radio schepperte, und so nützte sie die Abwesenheit ihres Kollegen um eine CD einer Band namens Fischmob einzulegen, ein Geschenk einer Freundin aus Kiel, die auch in gewisser Weise eine Kollegin war, arbeitete sie doch in der dortigen Gerichtsmedizin als Sekretärin. Zufälligerweise hieß ihr Chef genau so wie der aktuelle Bundeskanzler, Kurz, aber an den Vornamen konnte sich Cordula nicht erinnern.
    Sie nahm sich vor, diese Freundin am Abend anzurufen. Nach dem Abendessen, wofür sie sich wie meistens am Heimweg etwas von Nordsee mitnehmen würde. Sie liebte Seefisch, manchmal fühlte sie sich wie im falschen Land geboren.

    Gerade war sie dabei, ein Schreiben an die Kollegen in Bozen aufzusetzen. Gestern war ein ziemlich verstörter junger Mann am Posten aufgetaucht, der seinen Vater als vermisst gemeldet hatte. Der Bursche sprach zwar einwandfreies Oberösterreichisch, sein Aussehen konnte seine asiatische Herkunft jedoch nicht verbergen, und der Name Bernhard Chen legte nahe, dass sein Vater Phuong wohl eine Verbindung mit einer Einheimischen eingegangen war.
    Laut dem von Josef angefertigten Protokoll hatte der junge Herr Chen, der im asiatischen Restaurant seines Vaters arbeitet, diesen seit zwei Tagen nicht gesehen. Josef hatte, auf dem kurzen Dienstweg – schließlich war er ein guter Bekannter des Filialleiters der Sparkasse wo auch Herr Chen sein Privatkonto hatte – noch herausbekommen, dass seine letzte Kontobewegung auf einer Autobahntankstelle kurz vor dem Brenner gewesen war, wo dieser getankt und Zigaretten gekauft hatte. Obwohl er laut seinem Sohn vor über zehn Jahren zu rauchen aufgehört hatte.

    In diesem Moment klingelte das Telefon.

    Ich muss mal Pause machen, diese Ereignisse könnten mit dem Fall in Kiel in Zusammenhang stehen oder auch nicht, es geht hier in Linz jedenfalls entweder später am Abend oder morgen noch ein wenig weiter, ich hab mir den Nachmittag über was ausgedacht und dieser Teil der Geschichte ist noch nicht ganz zu Ende erzählt.

    Wer will derweil weitermachen?

  21. #21 noch'n Flo
    Schoggiland
    18/09/2018

    @ Stoney:

    Sehr schön, da lässt sich etwas draus machen. Ich bin mir allerdings noch nicht ganz im Klaren, wie wir die sehr unterschiedliche Wettersituation in Linz und Kiel unter einen Hut bringen, aber da ergibt sich sicher noch etwas.

    Heute schreibe ich aber nicht weiter, ich komme gerade vom Elternabend und bin vom heutigen Tag ein wenig ausgepowert.

  22. #22 stone1
    18/09/2018

    @noch’n Flo

    Die ‘3 Tage zuvor’ im Spätsommer sollten doch für einen Kälteeinbruch fast 1000km weiter nördlich reichen, oder hattest Du die Geschichte gedanklich schon im Winter spielen lassen? Auch in Linz ist in 3 Tagen nasskaltes Herbstwetter vorhergesagt, aber ach Cordula hat ja vor dem Ö3-Wetterbericht auf CD umgeschaltet…

  23. #23 stone1
    19/09/2018

    Fortsetzung von #20

    Cordula griff ohne ihren Blick vom Monitor zu nehmen zum Telefonhörer, doch sie hörte nur das Freizeichen. Genervt beugte sie sich vor und hob das Gerät ihres Kollegen ab, das Rücken an Rücken zu ihrem stand. Wann würde er endlich seinen Signalton ändern, damit sie nicht jedesmal schauen müssten, bei wem das Display leuchtet, wenn ein Anruf reinkam.
    Am Apparat war die Frau des Vermissten, die sich mit Bettina Phuong vorstellte.

    Eine Viertelstunde später.
    In Gedanken versunken erschrak Cordula, als ein Sackerl klatschend auf ihrem Schreibtisch aufschlug. ‘Mahlzeit!’ dröhnte die Stimme Dobcinskys an ihr linkes Ohr, er kam gerade bei der Tür herein und pflanzte sich leise stöhnend in seinen ebenfalls stöhnenden Sessel. Sogleich entfernte er die Alufolie um seine Jause und Geruch von warmem Leberkäse stieg in die Nase der Polizistin. ‘Wos schaustn so verdadert, de Golatschn is gonz frisch und de Marrün schaut a guat aus. Los das schmeckn.’
    Noch immer etwas abwesend murmelte sie ein ‘Danke’ und verkniff es sich die Nase zu rümpfen. Sie packte die Golatsche aus, stellte sie ohne abgebissen zu haben wieder auf den Tisch und erzählte ihm von dem Anruf.

    ‘Aufgepfeichnet’ sagte ihr Gegenüber und rieb sich die Hände. Die Semmel war bereits gegessen, die letzten Kauvorgänge zogen das Wort aber in Mitleidenschaft.
    ‘Kannst nicht runteressen bevorst was sagst? Außerdem schaust Du zuviel Simpsons mit deinen Kindern. Noch dazu wo dein Körperbau viel näher an dem von Homer ist als an Mr. Burns.’

    ‘Meine Kinda schaun scho long nimma mit mir fern. De hom jetz ois auf ihre Handys, und de Simpsons san eana z’kindisch. Oba des is doch guat, won der Chines noch China gflogn is zum Begräbnis von seina Muata und da Bua des nu net gwusst hat is er jo net vermisst und de Soch is erledigt. Wos er nu am Brenner woit konn uns jetzt egal sei.’

    ‘Du willst doch nur pünktlich Schluss machen weilst wieder Asphaltstockschießen gehst. Aber irgendwas is an der Sache oberfaul, warum fragt der Junge nicht erst seine Mutter wo der Papa steckt und kommt gleich zu uns und überredet dich zu einer Vermisstenanzeige? Ich war ja nicht dabei, aber Du hast doch gsagt dass der ziemlich durch den Wind war, oder?’

    ‘Du kannst jo nu amoi mit dem Buam redn wennst so vü Zeit host, oba für mi is der Fall derweil erledigt, i hob nu a boa Berichte zum schreibn und donn geh i hoam.’

    ‘Zu deinen Kumpanen meinst du wohl, aber okay, ich hab heut auch keine Zeit mehr, am Nachmittag is eine kurzfristige angekündigte Einsatzbesprechung für den Designcenter-Einsatz mit einem von der Cobra, da muss ich hin und erfahrungsgemäß zieht sich das. Die hörn sich so gerne reden und sind ja soo gscheit, diese Elitewuzzis. Dabei kommen höchstens ein paar von Greenpeace demonstrieren, und mit denen werden wir auch ganz alleine fertig, hat sich ja nicht großartig geändert die Vorgehensweise der Demonstranten, aber klar brauchts zum Schutz der Bonzen martialische Spezialeinheiten, uns Normalopolizisten traut man scheinbar nicht mehr all zu viel zu.’

    Schließlich nahm Cordula die Topfengolatsche in Angriff und Dobcinsky schaltete wieder auf Ö3 um, wo der Wetterbericht ein nassen Kälteeinbruch in wenigen Tagen ankündigte, was ihn zu einem leisen Fluch veranlasste, der seiner rheumatoiden Arthritis geschuldet war.

    Soweit vorerst die Ereignisse in Österreich. Soll Dobrinsky weiter im Dialekt sprechen oder ist das zu unverständlich?

  24. #24 noch'n Flo
    Schoggiland
    19/09/2018

    @ Stoney:

    Dobby kann gerne schwätzen, wie er will, ich bringe jetzt mal spontan einen dritten Spielort an den Start:

    Kriminaloberrat Dr. Simon Jäggi verschluckte sich an seinem Morgenkaffée. Nicht, dass dieser zu heiss gewesen wäre, darauf gab seine Assistentin ja stets gut acht. Aber das, was er an diesem Morgen in der „Neuen Zürcher Zeitung“ lesen musste, brachte ihn wirklich aus der Facon.

    In sein Büro im Basler Zooquartier drangen eher selten die profanen Geräusche der Strasse. An diesem Tag jedoch erschien es ihm, als höre er jede Bremse, jeden Zuruf, ja selbst jede Veloklingel. Okay, das mochte auch damit zusammenhängen, dass er infolge des Fönsturms der vergangenen Nacht eine wehrschhafte Migräne am Start hatte, aber da war ausnahmsweise noch etwas völlig anderes.

    Die üblichen Basler Medien hatten diese Randnotiz des vorangegangenen Tages natürlich wie üblich ignoriert. Jäggi verfluchte sie mal wieder dafür, dass er bei der grossen Konkurrenz aus der heimlichen Hauptstadt auf diesen Fakt gestossen war, aber das gehörte nun einmal zur täglichen kriminalistischen Arbeit. Mit zitternder Hand griff er zum Telefonhörer.

    Jetzt haben wir die ideale Ausgangsbasis für den perfekten Dreiländerkrimi. Demnächst wieder Neues von Konni. Und wenn Dr. Jäggi erstmal lostelefoniert, brauchst Du Dich für jeglliche Mundart sowieso nicht mehr zu entschuldigen.

  25. #25 tomtoo
    19/09/2018

    Werbeeinblendung
    Der kurze zieht seine Zeiss Brille an, um sich dann an ein Zeiss Mikroskop zu setzen. Schlürft lescher aus dem 500ml Becherglas seinen Ipanema.

    Zeiss Gläser, behalten sie den Durchblick

  26. #26 noch'n Flo
    Schoggiland
    19/09/2018

    Und weiter geht’s:

    Nachdem er im Institut angekommen war, stattete Konni als erstes Martha einen Besuch ab, die ihn auch auf das Wärmste willkommen hiess. Martha war der Kaffée-Vollautomat im RNA-Labor und besass – wie jedes noch so kleine technische Gerät im Gebäude – einen eigenen Namen. Konni hatte diese Gewohnheit seinerzeit aus Düsseldorf mitgebracht, als er den Ruf auf die Professur in Kiel erhalten hatte. Marthas Ambrosia war wie ein starkes Weib: dunkel, warm und kräftig. Konni goss sich gleich zwei grosse Pötte in den oberen Verdauungstrakt. Aaaaahhhhh!

    Die Leiche war noch nicht eingetroffen, aber das war nicht weiter verwunderlich, denn bei seiner Abfahrt vom Tatort waren die Jungs von der Spurensicherung noch heftigst in Aktion gewesen. So hatte Konni alle Zeit der Welt, sich in den Server der Staatsanwaltschaft einzuloggen und die Kartei mit den zuletzt als vermisst gemeldeten Personen durchzugehen. Vielleicht traf er ja auf das Opfer der heutigen Nacht.

    ***

    Am anderen Ende der Leitung klingelte es. Jäggi atmete schwer. Es fiel ihm sowieso nie leicht, bei seiner obersten Chefin anzurufen, aber dieser Fall war ganz besonders speziell. Ton für Ton erklang aus dem Hörer, und Jäggi hatte den Eindruck, als würden sich die Sekunden ins Unendliche dehnen. Dann schliesslich das erlösende Knacken in der Leitung.

    „Z?“ raunte er halb fragend, halb fordernd in den Hörer, „Mer hen a Schoob!“

    😛

  27. #27 Cornelius Courts
    19/09/2018

    @zimtspinne: “hattest du auch schon mal so eine Ganzkörperkluft an?”

    klar, regelmäßig, wenn wir mit Spuren arbeiten

    “Oder habt ihr sogar extra Räume für solche Fälle,”

    wir haben einen eigenen Spurenraum, in dem ausschließlich Spuren bearbeitet (dokumentiert, Vortests, EDV etc.) werden

    “wenn jetzt ein ganz unbekanntes neues Virus auf der Bildfläche erschiene, luftübertragbar und ganz böse?”

    nee, irgendwelchen Sicherheitsmaßstäben (so mit Abuig, Unterdruck, UV, Schleuse etc.) genügt der Raum nicht, aber grundsätzlich behandeln wir alles biologische Material als potentiell infektiös

    “aus dem auftauenden Permafrost könnte sowas schlüpfen, um mal bisschen realitätsbezogen zu bleiben….”

    ein Virus kann bei entspr. Konservierung (Kühlung) durchaus unbegrenzt lange infektiöse bleiben

    “Konni Korke wäre noch ne Option (um auch die Rotzkorke einzubringen und es klingt ein wenig nach Courts)”

    *headdesk*

    @noch’n Flo: “Soviel erstmal von mir. Wer macht weiter?”

    ALTER!!

    @youguys: krass, ein Forsetzungsroman! 😀

  28. #28 noch'n Flo
    Schoggiland
    19/09/2018

    @ CC:

    ALTER!!

    Wassn?!?

  29. #29 stone1
    19/09/2018

    @noch’n Flo

    Wie die Handlung in Linz, die ‘zufälligerweise’ die Handlungsorte verknüpfen wird, weitergeht hab ich schon im Kopf, als dritten Handlungsort hätte ich ja Italien angedeutet (Tankstelle am Brenner), aber die Kurve nach Basel kriegen wir schon noch. Jetzt werd ich aber erst das schöne Wetter für eine Radtour nützen, am Abend gehts weiter und ich hab noch keine Ahnung was genau eigentlich passiert ist, aber ich bin schon sehr gespannt wer dieser dubiose Z sein könnte…

  30. #30 noch'n Flo
    19/09/2018

    Nächster Teil:

    „Nicht einschlafn, Kurzer! Wir ham Arbeit für Dich.“ Konni schreckte hoch. Die Stimme kannte er nur allzu gut. Der dazugehörende, hochaufragende Körper bewegte sich in sein Gesichtsfeld, ein zweiter folgte, zwischen ihnen einen Kunststoffsarg. Na toll, die Stowiak-Boys, dachte Konni. Die hatten ihm gerade noch gefehlt.

    Mike und Kevin Stowiak waren die einzigen, bei denen er die Anrede „Kurzer“ als Verballhornung seines Nachnamens tolerierte. Nicht weil er sie mochte oder sie sich dieses Privileg irgendwie verdient hätten – vielmehr hatte Konni Angst, von einem der beiden, oder auch beiden zusammen, in die Mangel genommen zu werden. Die beiden erinnerten ihn irgendwie an einen Schultyrannen seiner Kindheit, sie waren klassische Bullies. Und dazu auch noch strohdumm. Zu behaupten, sie hätten – beide zusammen – den Intelligenzquotienten eines ausgetrockneten und leicht angeschimmelten Leberkäses gehabt, wäre eine kollossale Beleidigung für den Leberkäse, dachte sich Konni, und wurde das unbestimmte Gefühl nicht los, dass just in diesem Moment irgendwo in Bayern oder Österreich ein Liebhaber dieses deftigen Traditionsgerichts gerade ein paar Tränchen verdrücken musste. Peter Stowiak jedenfalls, ein angesehener Bestattungsunternehmer der Stadt, war um seine beiden Söhne sicherlich nicht zu beneiden.

    „Mach mal den Scheiss leiser!“ herrschte Mike Konni an. Damit meinte er Motörhead, deren CD „Bad Magic“ gerade in Konnis CD-Player lief. Konni gehörte zu den wenigen Menschen, die erst mit Metal auf maximaler Lautstärke so richtig gut schlafen konnten. Vor Schreck kam er der Aufforderung nach. „Das ist kein Scheiss, Scheiss ist Euer verfickter Nazi-Rap, den könnt Ihr Euch dahin schieben, wo er gute Gesellschaft und eine Tarnfarbe hat!“ Wenn jemand Metal beschimpfte, konnte Konni ganz schön giftig werden. Und die Stowiak-Boys waren braun bis unter die Schädeldecke. Im Institut nannte man sie gerne auch die Braunbären. „Alda, komm mir nicht auf die Tour, wir sind keine Nazis!“ empörte sich Kevin, und Mikle ergänzte: „Ey, was is heutzutage so schlimm dran, wenn man stolz is, Doitscher zu sein?“

    Jaja, dachte sich Konni und half mit, die Leiche auf den Obduktionstisch zu legen. „Hat Popo noch irgendwas dazu gesagt?“ fragte er die beiden. „Nur, dass er irgendwann am Vormittag vorbeischaut. Und er hat uns ganz übel rumgescheucht, der Wichser“, beklagte sich Kevin. „Popo isn Arsch!“ meinte Mike und die beiden kicherten wie zwei Schulmädchen, wenn der grosse Sportstar der Schule vorbeigeht. „Popo isn Arsch!“ beömmelte sich nun auch Kevin und schlug sich mit der flachen Hand auf den Oberschenkel. Haha, dachte Konni, und überlegte, wieviele Dutzend Male er diesen Witz nun schon gehört hatte. Fünf? Sechs? Sechshundert?

    Die beiden trollten sich, und Konni war mit der Leiche allein. Der Tote war etwa 50 bis 60 Jahre alt, aber bei Asiaten fand es Konni immer schwierig, das genau festzulegen. Ausserdem schien er kein reiner Asiate zu sein, Konni verortete eine leicht europäische Augenpartie, und die Nase war für einen Asiaten ein wenig zu gross. Aber das war es nicht, was das Gesamtbild störte. Konni zermaterte sich das Hirn, aber er kam ums Verrecken nicht drauf. Vier Augen sehen mehr als zwei, dachte er bei sich, und griff zum Telefon, um die oder den dienstabenden Assistenten der Nacht anzurufen.

  31. #31 noch'n Flo
    19/09/2018

    @ Stoney:

    Kein Problem mit den Orten, von Basel aus kann es gerne ins Tessin gehen und vom Brenner kommt man ja gut nach Südtirol, um Ötzi einen kleinen Besuch abzustatten, und am Ende treffen sich alle in Mailand. Oder Madrid. Hauptsache Italien!

  32. #32 noch'n Flo
    Schoggiland
    19/09/2018

    Ach ja, und die Rotzkorke müssen wir auch unbedingt noch einbauen. Dann gibt es wenigstens ein paar mehr Treffer für dieses Wort bei Google.

    Obwohl… lass uns das fertige Werk spasseshalber als Buch im Eigenverlag rausbringen mit dem Buchtitel “Rotzkorke”. Dann findet dieses Wort sogar Eingang in Bibliothekskataloge.

    Was meinst?

  33. #33 Bullet
    19/09/2018

    *rofl*

  34. #34 noch'n Flo
    Schoggiland
    19/09/2018

    @ Bulli:

    Wieso roflst Du?

    @ alle:

    Weiter im Text:

    Jäggi sass seiner Vorgesetzten gegenüber, Regierungsrätin Vera Zumbühler, die aber wegen ihrem Faible für dunkle Anzüge und in einer daraus resultierenden Anspielung auf den Film „Men in Black“ allgemein nur „Z“ genannt wurde. Vera Zumbühler war sich über diesen Zusammenhang zwar durchaus im Klaren, da sie den Film jedoch nie gesehen hatte (und auch kein Interesse daran zeigte) entgingen ihr vielfach die Filmzitate, die ihre Untergebenen in ihrer Gegenwart gerne verwendeten. Es war fast wie ein geheimer Code, den nur Angehörige der Basler Kantonspolizei oder Besucher von Beteigeuze 5 verstehen konnten.

    Jäggi hatte mit seiner Anspielung auf die Schabe wieder genau dieses Spielchen mit seiner Chefin getrieben. Wobei der Begriff „Schabe“ als Polizeijargon für ein Mitglied einer asiatischen Mafiafamilie durchaus gebräuchlich war. Trotzdem blitzte ihn die Regierungsrätin aus zugekniffenen eisblauen Augen an. Diese Augen machten ihm Angst. Sie waren wie Banderillas, die Spiesse der spanischen Toreros, kalt und gnadenlos. Man konnte ihnen nicht entkommen, sie verfolgten einen überall und jederzeit. Goppeletti noamoal, dachte sich Jäggi und versuchte, sich zu beruhigen. Wenn sie „Z“ war, war er folgerichtig „J“. Also der Coole, der Souveräne, der, der vor nichts und niemandem Angst oder Respekt hatte. Nur warum half ihm diese Erkenntnis wie schon so oft zuvor auch dieses Mal nicht weiter?

    Vera Zumbühler stütze sich auf ihre gefalteten Hände. „Also ist Wang Li Pau wieder im Lande?“ Jäggi schluckte trocken und nickte. „Mit einer chinesischen Handelsdelegation, die gestern in Züri eingetroffen ist.“ Vera Zumbühler räusperte sich. „Pardon“, korrigierte sich Jäggi, „ich meinte natürlich Zürich.“ Er versuchte, sich zusammenzureissen. Seine Chefin achtete pedantisch darauf, dass Dienstbesprechungen streng und vollständig in allerbestem Schriftdeutsch abgehalten wurden. Auch in dieser Hinsicht hatte sie sein Anruf verärgert.

    „Die Delegation wird übermorgen auch nach Basel kommen“, fuhr Jäggi fort. „Es geht wohl vor allem um Verhandlungen über Geschäfte mit einer oder zwei Pharmafirmen.“ „Lächerlich!“ entgegnete die Regierungsrätin, „was werden die Chinesen schon für Geschäfte mit unserer heimischen Pharma machen wollen. Die machen die eher mit ihren Billigimitaten und Grauimporten kaputt.“

    „In der Tat“, stimmte Jäggi ihr zu, „aber das ist nicht unser grösstes Problem.“ „Hat er wieder seinen Wachhund dabei?“ wollte Zumbühler wissen? Jäggi nickte erneut. Der Leibwächter des chinesischen Mafiabosses war in seiner Heimat als gnadenloser Auftragskiller gefürchtet, und sein Ruf war auch schon bis an den Rhein gedrungen. Möglicherweise einige seiner Opfer auch hinein. Dummerweise konnte man Yanjingshe, so der einzig bekannte Name des Killers – oder oft einfach nur kurz She – nie etwas nachweisen. Er war mindestens genauso gerissen, wie brutal.

    Sein Name bedeutete auf Deutsch Kobra. Und wenn sein Chef befahl „Kobra, übernehmen sie!“, war das Schicksal des Opfers bereits besiegelt. She tötete lautlos, mit einer klassischen Garotte. Ein übler und überaus schmerzhafter Tod.

    „Was sollen wir jetzt tun?“ fragte Jäggi, obgleich er die Antwort schon kannte. Die Regierungsrätin drehte ihren Stuhl herum, so dass Jäggi jetzt zur Rückenlehne sprach. „Die führen doch etwas im Schilde, das kennen wir doch vom letzten Mal schon zur Genüge. Und am Ende fischen wir wieder vier tote Chinesen aus dem Rhein.“

    „Natürlich ist da etwas im Busch“, antwortete der Ledersessel mit der Stimme von Vera Zumbühler. „Aber noch ist das Sache der Kollegen in Zürich. Rufen Sie dort gleich mal an, ich könnte mir gut vorstellen, dass die das Problem noch gar nicht erkannt haben. Und anschliessend stellen Sie einen Überwachungstrupp zusammen, der jedes Mitglied dieser sogenannten ‘Handelsdelegation’ auf Schritt und Tritt überwacht, von dem Moment an, wenn sie Basler Boden betreten, bis zu ihrer hoffentlich schnellen Abreise, verstanden?“

    Mit schnellem Schwung drehte die Regierungsrätin den Sessel wieder zurück, und Jäggi nickte heftig. „Und hören Sie um Himmels Willen mit den heftigen Kopfbewegungen auf, Sie sehen ja aus wie ein Wackeldackel. Irgendwann bekommen Sie in meinem Büro noch ein Schleudertrauma und geben mir am Ende die Schuld.

    Machen Sie Ihren Leuten klar, worum es hier geht. Dies ist unsere Stadt, hier lassen wir uns nicht auf der Nase herumtanzen. Wir veranstalten hier schliesslich kein internationales Reisschnapssaufen.“ Bei den letzten Worten verzog sich ihre Mine zu einem breiten Grinsen. Sowas hatte Jäggi bei ihr noch nie gesehen, und so erschrak er dermassen, dass ihm erst draussen auf dem Flur auffiel, dass seine Chefin den Film anscheinend inzwischen doch gesehen hatte.

  35. #35 noch'n Flo
    Schoggiland
    19/09/2018

    @ Stoney:

    ich hab noch keine Ahnung was genau eigentlich passiert ist

    Ich noch viel weniger. Egal, wir schreiben einfach mal drauflos und sehen, wo uns die Geschichte hinbringt. So ein bisschen wie bei “Per Anhalter durch die Galaxis”. Beziehungsweise mit der Dirk Gently Methode: solange die Handlung den Eindruck macht, zu wissen, wo sie hinwill, folgen wir ihr einfach. Dadurch kommen wir zwar nicht notwendigerweise dahin, wo wir hinwollen, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit dorthin, wo wir sein sollten.

    Also cool bleiben.

  36. #36 noch'n Flo
    Schoggiland
    19/09/2018

    Ach ja, und dass das gleich klar ist: Konsistenz, Kausalität und Kronologie ist für Weicheier. 😛

  37. #37 stone1
    19/09/2018

    @noch’n Flo

    Soweit hab ich noch gar nicht gedacht, aber klar muss die Rotzkorke vorkommen. Kann ja ein neumodisches Schimpfwort im Kieler Untergrundslang sein.

    Fortsetzung von #30

    Obwohl es schon halb Sechs war fühlte Cordula beim Verlassen des Polizeipostens unangenehme Feuchtigkeit am ganzen Körper, die Abendluft war feucht und über ihrem Kopf bedeckte ein weißer Schleier teilweise den Himmel, während ihr die Abendsonne auf den Rücken schien. Sie beim hatte nur eine neue Schicht Deodorant aufgetragen als sie von der Uniform in ihre Privatkleidung geschlüpft war, duschen würde sie erst zu Hause.
    Der Vermisstenmeldung hatte sie noch das Gesprächsprotokoll des Anrufs von Frau Phuong hinzugefügt, den Fall aber noch nicht geschlossen, dafür war ihr das Vorgefallene zu seltsam. Morgen früh würde sie vor ihrem Außeneinsatz beim Designcenter den Dobby noch motivieren, die Aussage zu überprüfen, der plötzliche Abflug des kurzfristig von seinem Sohn vermissten Herrn nach China musste sich ja leicht überprüfen lassen.

    Sie ging die paar Meter zur Straßenbahnstation Remise Kleinmünchen und stieg dort in eine bereits recht volle Garnitur ein. Die Gerüche die ihr in die Nase stiegen ließen darauf schließen dass nicht viele vor dem Nachhauseweg noch Zeit für die Unterdrückung des Körpergeruchs gehabt hatten. An der Mozartkreuzung stieg sie aus und holte sich bei der Nordseefiliale eine Portion gebratenen Seelachs mit Petersilkartoffeln und ließ sie sich einpacken. Die paar hundert Meter zu ihrer Altstadtwohnung legte sie im Laufschritt hinter sich, jetzt war es wegen dem Schwitzen eh schon egal, und immer zwei Stufen auf einmal nehmend rannte sie die Treppen in den 3. Stock hoch. Als sie die Tür öffnete wartete dahinter schon Moritz, der zur Begrüßung ihre ausgestreckte Hand abschleckte und sich dann sogleich für das Sackerl mit dem Abendessen in der Styroporverpackung zu interessieren begann. ‘Ksch, Moritz, lass mich rein. Kriegst ja gleich den Fressen.’ verscheuchte sie den aufdringlichen Kater und konnte endlich ihr Heim betreten. Sie atmete kurz durch, öffnete das Wohnzimmerfenster, stellte das Abendessen schon mal in die Mikrowelle, richtete Moritz seine Abendration Feuchtfutter her und verschwand ins Badezimmer.

    Moritz verschlang genüßlich sein Futter, während die Stimme seines Frauchens aus dem Bad zu vernehmen war:
    Tante Ceccarelli hat in Bologna Amore gemacht! Amore, meine Stadt.
    Tante Ceccarelli hat einmal in Bologna Amore gehabt! Bologna, meine Stadt.’
    Obwohl es sich für seine Katzenohren natürlich ganz anders anhörte.

    Nach dem Duschen – auf FM4 hatte sie wieder mal einen Song von Wanda gehört und lauthals mitgesungen, obwohl diese Band in letzter Zeit ziemlich gehypt wurde hatte sie sich noch nicht daran sattgehört und sie war auch schon mal auf einem Konzert gewesen – hatte sie das Hungergefühl fürs Erste übertaucht holte ihr Handy aus der Handtasche. Keine neuen Whatsapp-Nachrichten bis auf ein lustiges GIF von ihrer Mutter – die hatte seit zwei Jahren auch ein Smartphone und konnte dank ihres Enkels, Cordulas Neffe Linus, einigermaßen damit umgehen – und überlegte kurz ihrer Freundin in Kiel eine auch eine Whatapp zu schicken. Aber sie entschied sich dagegen weil sie nach einem schweigsamen Nachmittag lieber ein wenig quatschen wollte und wählte die Nummer von Helga.

    If I close my eyes will I rise?
    If I don’t that won’t be no surprise
    I live my life like my last
    Learned many lessons but I have to laugh
    Because your not…
    …Promised…Tomorrow!’

    Kopfschüttelnd näherte sich Josef Dobcinsky der Gestalt im Rollstuhl, die da an der nach der Abendstoßzeit ansonsten verlassenen Straßenbahnhaltestelle mit geschlossenen Augen und kleinen schwarzen Hörern in den Ohren die Arme bewegte als sei er ein Schlagzeuger in voller Fahrt und nicht gerade leise unverständlichen – naja, mangels eines besseren Wortes – Gesang von sich gab.
    Mit einer raschen Bewegung zupfte er ihm die Hörer aus den Ohren und begrüßte ihn ‘Hallo Gerd, wieder amoi versunkn in deina Musikwöd?’
    ‘Verdammt Joe, Du sollst mi doch net so schrecken, oide Haut. Samma startklar?’
    ‘Sicha, loß uns a weng trainieren.’
    Gerhard Steinbrecher, wegen seiner Fortbewegungsart auch als rollender Stein bekannt, war ein guter Freund von Dobby, obwohl er fast 15 Jahre jünger war. Einst selber Polizist, war er nach einer nur kurzen Karriere seit einem Unfall mit dem Dienstmotorrad querschnittgelähmt. Sie hatten sich schon vor dem Unfall gekannt und Josef hatte ihn ein wenig unter seine Fittiche genommen, nach dem einschneidenden Erlebnis war er ihm auch in der schlimmsten Zeit beigestanden und die beiden hatten sich von Kollegen zu Freunden entwickelt. Immer wieder wollte er Gerd dazu überreden, weiter bei der Polizei im Innendienst zu arbeiten, in der Kriminalabteilung hätte sich sicher eine Stelle für ihn finden lassen, war er doch ein helles Köpfchen und mit ein wenig Fleiß und Fortbildung wäre einer Fortsetzung seiner Berufslaufbahn nicht viel im Wege gestanden, doch Gerd genoß seither seine Unabhängigkeit, konnte er doch von der Invaliditätspension gut leben und fettete sich sein Einkommen noch mit dem gelegentlichen Verkauf von Teilen der Ernte seiner kleinen Indoor-Hanfplantage in einem besonderen Raum seiner großzügigen Wohnung auf. Da er beste Verbindungen hatte und auch manche seiner Ex-Kollegen den Geschmack seiner Züchtung zu schätzen wussten brauchte er keine unverhoffte Razzia fürchten, und er hatte eine topmoderne Ausstattung, die keine auffälligen Gerüche nach außen dringen ließ, woraufhin es auch keinen Grund von Misstrauen seitens der Nachbarn gab.

    ‘Wer als letzter bei der Sportanlage ist zahlt ein Bier.’ sagte Gerd und rollte los.
    ‘Unfair!’ rief Joe und setzte seinen Körper, der schwerer war als sein Freund und sein Rollstuhl zusammen, schnaufend in Bewegung.

    Fortsetzung folgt…

  38. #38 stone1
    19/09/2018

    @noch’n Flo

    Hehe, für die Verfilmung müssen wir Vincent ‘die Schabe’ d’Onofrio kriegen. Damit wir irgendwie zusammenkommen:

    um die oder den dienstabenden Assistenten der Nacht anzurufen.

    Das ist natürlich Cordulas Freundin Helga die ich als ‘Sekretärin’ eingeführt habe, ja? Außerdem wird bei mir demnächst ein schwarzer Lamborghini Aventador mit Schweizer Kennzeichen auftauchen, jetzt gibts hier aber erst mal Kaiserschmarren mit Zwetschkenröster und dafür muss ich noch ein bisserl was arbeiten.

  39. #39 noch'n Flo
    Schoggiland
    19/09/2018

    @ Stoney:

    EIgentlich hatte ich mit der Sekretärin noch etwas anderes vor, aber was solls.

    Ich glaube, wir sollten mal ein paar grundsätzliche Absprachen per eMail treffen, bevor wir uns gegenseitig die Handlungsstränge verbauen. Obwohl – könnte auch ganz lustig sein, eine Art Autoren-Battle.

    Auch luschtig: in Kiel ist es noch späte Nacht, in Basel gleichzeitig Vormittag und in Linz früher Abend. Wir haben anscheinend Probleme mit der Raumzeit.

  40. #40 stone1
    19/09/2018

    @noch’n Flo

    Noch ist das mit der Assistentin freischwebend, kannst mit ihr machen was Du willst, es geht mir nur darum dass Cordula eine Freundin im Umfeld von Konni hat, damit sie ihn demnächst kennen lernen kann.
    Abseitige Absprachen auf A äh Email-Art? Nö, das wird mir zu aufwändig. Bis jetzt hats so gut funktioniert, kleinere Abstimmungen zwischen den Episoden können wir auch gleich hier erledigen, schaun wir mal wie weit und wohin wir so kommen.
    Und die Ereignisse in Linz spielen immer noch 3 Tage vor dem Auffinden der Leiche in Kiel, ich seh da kein Raumzeitproblem. ; )
    Und Cordula wird sich flugs dem Ausgangszeitpunkt nähern, wenn sie übermorgen in den Flieger nach Kiel steigt und Helga besuchen kommt, während der rollende Stein sich auf den Weg zu einer Party auf einer abgelegenen Location in der Schwyz machen wird. Goa-Trance-Style, Oida und nicht fern von Basel. Mal sehen wer noch zur Party kommt.

  41. #41 Laie
    19/09/2018

    Das ist wie “Texten mit Rosamunde Pilcher” :)
    (Wer will weniger?)

  42. #42 Laie
    19/09/2018

    neidisch? Nein, danke! :)

  43. #43 PDP10
    20/09/2018

    @Laie:

    Du hast Rosamund Pilcher gelesen? Wow! Du bist ja ein Intellektueller!

  44. #44 Braunschweiger
    20/09/2018

    Sehr schön! Alles sehr schön!
    I’m back in town in B.R.D. (== Braunschweigian Regional District).

    @noch’n Flo, @stoni, @tomtoo:
    Weitermachen! Sehr schön, weitermachen!
    Ich weiß nicht, ob ich den/die Charakter/e genauso gezeichnet hätte, aber was weiß ich denn schon. Die Werbung ist auch gut.

    @RPGNo1:
    Ein Drehbuch ist das zwar nicht, was noch’n-Flo-Stoney da schreiben (du hast nur Dialog oder gezeigte Handlung, aber keine innere), aber als Teil einer Novelle oder Kurzgeschichte geht das allemal durch.

    @zimtspinne:
    Konni/Conny gibt es als Namen in Norddeutschland, aber er ist vielleicht nicht besonders typisch. Eher schon die Art, in einfacheren Kreisen einen kurzen Spitznamen zu finden. Es gab in Braunschweig eine Kneipe “Zum gemütlichen Conny”, und in Weimar gibt es “Konnis Ecke”. Im Übrigen denke ich, dass “Courts” wie “kurz” ausgesprochen wird und nicht als “korts”, daher fand ich es so naheliegend. Und selbstverständlich ist die Person rein fiktiv, und Vergleiche mit lebenden Personen sind auch fiktiv, und was wir in der Phantasie nicht haben, klauen wir uns bei uns bekannten Blogs.

  45. #45 noch'n Flo
    Schoggiland
    20/09/2018

    Rosamunde Pilcher? Okay, wir müssen unbedingt noch Cornwall als Schauplatz einbauen.

  46. #46 stone1
    20/09/2018

    Fortsetzung von #37

    Moritz saß erwartungsvoll vor der Couch während sein Frauchen ein Stück von der Zeitung abriss und zu einem Kügelchen zusammenrollte. Wieder einmal fragte sie sich, warum sie noch immer ein Tageszeitungsabo hatte, obwohl sie selten mehr als die Titelseite las. Sie schnipste das Teil in Richtung Gang und Moritz flitzte hinterher und begann es quer über den Parkettboden zu scheuchen. Auf die Fernsehnachrichten konnte sie sich nicht konzentrieren, vergeblich versuchten Nadja Bernhard und Rainer Hazivar die vermeintlich wichtigen Ereignisse des Tages zu erzählen.

    In Gedanken war sie schon bei ihrer Freundin Helga in Kiel, spontan hatte sie diese übers Wochenende zu sich eingeladen und sie hatte schon eine Flug nach Hamburg gebucht, war zwar nicht billig aber wenn es schon mal einen Direktflug von Linz gab konnte sie sich wenigstens die Zugfahrt nach Wien sparen.
    Eigentlich wollte sie das lange Wochenende – sie hatte am Donnerstag und Freitag endlich zwei Tage Urlaub nehmen können, nachdem sie den ganzen Sommer über im Dienst gewesen war, Schicksal der Kinderlosen in einem Land wo die Schulen immer noch für 9 Wochen ihre Pforten schlossen – schön gemütlich ausschlafen und regenerieren und ansonsten hauptsächlich nichts tun, aber das ging bei ihrer Freundin mit kleinen Abstrichen wohl auch, Helga war eh eine Gemütliche.

    Konni, was war das denn für ein Name? Helga war ein wenig ins Schwärmen gekommen, ihr Chef musste irgendwas Besonderes haben, sie hatte sich wohl gut erwischt mit der Stelle in der Gerichtsmedizin wo sie seit zwei Jahren Dienst tat.

    Aber wofür stand Konni? Konrad? Konstantin? Korbinian vielleicht, diesen Namen kannte sie von den Rosenheim Cops, aber sie bezweifelte ein wenig dass jemand wirklich so hieß. Oder Kornelius? Dem Namen ihrer Schwester – sonderlich kreativ waren ihre Eltern bei der Namenswahl für die beiden Töchter nicht gewesen – in männlicher Form war sie auch noch nie begegnet. Außer als Nachname, es gab da diesen nicht gar so bekannten Austropopper Peter Cornelius, als Kind hatte sie zwangsweise Radio Oberösterreich über sich ergehen lassen müssen, und da hatte sich ein veritabler Ohrwurm festgesetzt, der sich ab und zu ins Bewusstsein drängte. ‘Du entschuldige i kenn di‘, ein schrecklich banales Stück Musik.
    Zum Glück lenkte Moritz sie von diesem Gedanken ab, der mit dem Kügelchen im Maul auf die Couch sprang und es vor ihr fallen ließ, bereit für eine neue Runde.

    Sie würde bald schlafen gehen, morgen stand die Bewachung des EU-Treffens auf dem Plan, und insgeheim war sie froh dass die Kollegen von der Cobra ihnen den Rücken frei halten würden.

    Fortsetzung folgt…

  47. #47 stone1
    20/09/2018

    ‘Und was wird jetzt aus meinem Bier?’
    ‘Nächsts Moi, Gerd, hot heit net soin sei. I muaß morgn den Posten quasi allane schupfn, de meisten Kollegen san beim Gipfötreffen. Am Freitag trink ma oans, vasprochn.’ Dobcinsky verabschiedete sich mit festem Händedruck und stieg in die Straßenbahn.
    Gehard überquerte die Gleise und wartete auf eine Garnitur der Linie 2. Dann würde er halt alleine noch ein Flascherl auf dem Balkon seiner Wohnung in der Solar City köpfen. Oder doch drinnen, es begann zu tröpfeln. Er sah auf die Anzeigetafel die seine Bim in 6 Minuten ankündigte. Da das tröpfeln zu einem ordentlichen Regenguss anschwoll stellte er sich beim Haltestellenhüttel unter.

    Schon sehr seltsam was ihm Joe von diesem Chinesenwirt erzählt hatte. Nach dem sie die anderen beiden Mitglieder der Stock-Cops, die auch an den ASKÖ-Vereinsmeisterschaften teilnahmen, verlassen hatten – Dobby und der Stein betrieben den Sport nicht ernsthaft, spielten mit den beiden anderen Polizisten nur öfters eine Partie und kamen ganz selten bei Meisterschaftsspielen zum Anfeuern mit.

    Als sie kurz nach 20 Uhr frisch geduscht vor dem Klubhaus standen hatte Dobby vorgeschlagen, statt 2 Euro für 2 Flaschen Gösser in die Vereinskasse zu werfen lieber frisch Gezapftes bei einem Chinesen in der Nähe einzunehmen. Gegen diesen ungewöhnlichen Anfall von Großzügigkeit hatte Gerd nichts einzuwenden und auf dem Weg dorthin schilderte ihm sein Freund was vorgefallen war, gestern die Vermisstenmeldung vom Junior, heute der Anruf der Frau dass alles nur ein Mißverständnis war und Mr. Phuong wegen eines Trauerfalls heute morgen nach Peking abgeflogen war. ‘Reden wohl nicht viel miteinander, dass der Sohn das erst so spät erfahren hat, aber sowas kommt in den besten Familien vor,’ hatte Gerd lapidar angemerkt. ‘Lässt sich ja leicht überprüfen, ein Anruf beim Papa reicht.’
    Und genau das wollte Dobby nebenbei von Frau Phuong erledigt haben, während sie sich ein kühles Blondes schmecken ließen.

    Das Restaurant war schon in Sichtweite auf der anderen Straßenseite. Gerd blieb stehen. Im Schein der Straßenbeleuchtung hatte in einer Seitengasse etwas seine Aufmerksamkeit erregt. Hinter einem großen weißen Van, nur von hier schräg gegenüber sichtbar, stand ein schwarzer Sportwagen.

    ‘Geile Maschin, Oida!’ entfuhr es ihm. Das Assoziationen an einen modernen Kampfjet erweckende Fahrzeug passte ungefähr so gut in diese etwas schäbige Gegend wie ein Polizeipferd in eine Großstadt im 21. Jahrhundert.
    ‘Hmm, wos is?’
    ‘Schau mal da rüber, ich denk das ist ein Lamborghini Aventador Coupé, in freier Wildbahn kriegt man die nicht oft zu Gesicht. Wolln wir ihn uns genauer anschaun?’
    ‘Aber nur kurz, es is scho spät.’

    Bevor sie sich entschieden hatten, ob sie weiter zur nächsten Ampel oder nochmal zurück zur letzten Gehsteigabschrägung gehen sollten, um die Wiener Straße zu überqueren, öffnete sich die Pforte ihrer Abenddestination und heraus kamen zwei asiatisch aussehende Männer in Anzügen. Der größere, ein ungewöhnlich bulliger Glatzenträger hatte dem anderen die Türe aufgehalten und eilte ihm nun voraus, genau auf die Seitengasse mit dem Sportwagen zu, und tatsächlich, er öffnete die Fahrertür die nach geräuschlos nach oben schwenkte und schloß sie wieder, nachdem der kleinere Typ, der obwohl die Sonne schon vor etwa einer Stunde untergegangen war eine kleine, stark getönte runde Brille trug. Und einen Hut mit einem weißen Band um die Krempe, den er vorm Einsteigen abnahm. Dann umrundete er das Fahrzeug und nahm auf dem Beifahrersitz Platz.
    Die Lichter gingen an und ungewöhnlich geräuscharm für einen Sechseinhalbliter V12-Zylinder setzte sich die Flunder in Bewegung. Als sie vor ihnen in die Hauptstraße einbog konnten sie das Nummernschild erkennen, der Wagen war wohl in der Schweiz zugelassen.

    ‘Unglaublich.’
    ‘Jo, wie sich die Typen in de floche Schüssl einigfalten ham, do kinnans froh sei dass net recht groß worn.’
    ‘Na, ich mein dass so jemand aus einem unscheinbaren Restaurant hier an der Wiener Straße kommt, für den ist ja der Golden Palace noch deutlich zu günstig. Was zum Geier treibt so einer bei einem 08/15-Chinesen in Kleinmünchen?’
    ‘Vielleicht a reicher Onkel aus da Schweiz auf Kondolenzbesuch?’
    ‘Fragen wir halt.’
    ‘Schaut net guat aus, de hom derweil zuagsperrt.’ Während Gerd dem Wagen nachgesehen hatte, hatte Joe bemerkt dass im Restaurant die Lichter ausgegangen waren. Sie gingen zur Ampel und überquerten die Straße. Zugesperrt, obwohl laut der Tafel mit den Öffnungszeiten eigentlich bis 22:00 geöffnet war. Dobcinsky wollte nicht läuten und die Trauerfamilie stören, er würde an einem anderen Tag einen Kollegen vorbeischicken um die Geschichte mit dem Flug nach Peking überprüfen zu lassen.
    ‘ I geh jetzt hoam.’
    Der inzwischen schon recht durstige Gerd schaute ungläubig zu ihm hoch.

    Soweit, so gut. Das waren jetzt mal die Ereignisse die am ersten Tag in Linz passiert sind. Bin schon gespannt wie es weitergeht.

  48. #48 Laie
    20/09/2018

    @PDP10

    Du hast Rosamund Pilcher gelesen? Wow! Du bist ja ein Intellektueller!

    Ach das war blos so ein Art Gesellschaftsspiel. Das ging so ähnlich wie die Reise nach Jerusalem.

    Es flog immer der aus der Runde raus, der als erstes es nicht schaffte sein Lachen zu unterdrücken beim Lauschen aus Rosamundes Pilchers vorgelesenem Text.
    Vorlesen musste immer der, der beim Ende der Musik keinen Stuhl mehr hatte. Wenn er selbst lachte oder keiner, war er auch selbst raus. Das selbst laut vorzulesen war erschwerend. Der am Ende bekam das Buch. Ein intellektueller Härtetest – heute würde ich das nicht mehr empfehlen! :)

  49. #49 Laie
    20/09/2018

    +e

  50. #50 PDP10
    20/09/2018

    @Laie:

    Entschuldige bitte, dass ich dich überschätzt habe.

  51. #51 Laie
    20/09/2018

    @noch’n Flo
    #12 war die bessere Version, die zweite – nicht so gute – Version lautet:

    Dann erwachte er aus dem Traum und dachte: “Was hab ich da blos geträumt? Von Kommissar Popo, was für ein Quatsch!”.

  52. #52 Laie
    20/09/2018

    @PDP10
    Schon entschuldigt! :)

  53. #53 noch'n Flo
    Schoggiland
    21/09/2018

    @ Laie:

    Du bist neidisch. #51 zeigt es deutlich. Somit: PLONK!

  54. #54 tomtoo
    21/09/2018

    Kurze EU Sondermeldung:
    Denken sie daran Halogenlampen werden in der EU nicht mehr hergestellt!

    Direkt im Anschluss:

    Gerhard Steinbrecher, empfiehlt Bosch Led Growth Lights!
    Sparen Sie Energie!

  55. #55 stone1
    21/09/2018

    @noch’n Flo

    Sach mal, hast Du das gesehen? Unterschrieben mit ‘Z’
    O_o

  56. #56 Laie
    25/09/2018

    @tomtoo
    Ja das ist schlimm!