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	<title>ScienceBlogs auf Deutsch &#187; Kultur</title>
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	<description>Wissenschaft - Kultur - Politik</description>
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		<title>Wie man früher Informationen gesucht hat: Die Abenteuer des Spezial-Bibliothekars! [Astrodicticum Simplex]</title>
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		<pubDate>Sun, 19 May 2013 09:03:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Freistetter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Bibliothek]]></category>
		<category><![CDATA[Bücherei]]></category>
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		<category><![CDATA[Färöer]]></category>
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		<category><![CDATA[Sonnenzyklus]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer heute irgendwas wissen will, der benutzt Google. Klar, manche Wissenschaftler und Forscherinnen schlagen auch noch das eine oder andere in echten Büchern in der Bibliothek nach (besonders die Geisteswissenschaftler) &#8211; aber selbst die benutzen davor das Internet um herauszufinden, was sie wo nachschlagen wollen. Das Internet hat die Suche nach Informationen enorm erleichtert und&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wer heute irgendwas wissen will, der benutzt Google. Klar, manche Wissenschaftler und Forscherinnen schlagen auch noch das eine oder andere in echten Büchern in der Bibliothek nach (besonders die Geisteswissenschaftler) &#8211; aber selbst die benutzen davor das Internet um herauszufinden, <i>was</i> sie <i>wo</i> nachschlagen wollen. Das Internet hat die Suche nach Informationen enorm erleichtert und viel komfortabler gemacht. Ich habe zum Beispiel gerade meine Arbeit an diesem Artikel hier für eine Minute unterbrochen, da mir die Ernst-Abbe-Bücherei in Jena ein Mail geschickt hat, das mich darüber informiert, dass ich am Dienstag ein paar Bücher zurück bringen muss. Aber mit ein paar schnellen Klicks im Internet habe ich die Leihfrist verlängert. Das ging früher nicht.</p>
<p><span id="more-32204"></span></p>
<p>Ich bin zwar nicht wahnsinnig alt, aber trotzdem alt genug, um mich noch daran zu erinnern, wie man vor dem Internet gearbeitet hat. In meiner Kindheit und Jugend musste man Informationen tatsächlich noch in Büchern nachschlagen. Ich habe mich damals zum Beispiel sehr für die skandinavischen Länder interessiert. Heute kann ich bei Wikipedia &#038; Co. alles Wissenswerte schnell und komfortabel nachlesen. Selbst über so &#8220;Exoten&#8221; wie die Färöer-Inseln (Ja, ich weiß, dass es korrekt nur &#8220;Färöer&#8221; heißt) gibt es <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%A4r%C3%B6er">seitenlange Artikel</a> und Unmengen an Fotos. Damals stammte mein ganzes Wissen über diese Inseln aus einem Absatz in der Enzyklopädie meiner Großmutter und einem Foto der Stadt Klaksvík. Bilder waren überhaupt schwer zu kriegen. Ich habe damals immer die Urlaubsmessen und Reisebüros nach Prospekten abgeklappert um sehen zu können, wie es in den Ländern aussieht, die mich interessieren. In den Büchereien gab es Zettelkästen, in denen man nach Schlagworten oder Autoren blättern musste. Die Bücher hat man nicht per Barcode und Scanner ausgechekt wie jetzt, sondern mit Formularen und Stempeln.</p>
<p>Auf der Universität (das war immerhin schon 1996!) gab es dann zwar schon Internet, aber es war trotzdem noch oft mühsam, an Informationen zu kommen. Man konnte damals zwar schon ein wenig in Literaturdatenbanken recherchieren &#8211; die Artikel waren dann aber nicht online verfügbar. Man musste sie irgendwo in der Bibliothek ausgraben und dann am Kopiergerät kopieren. Und nicht jede Bibliothek hat jede Zeitschrift! Manche musste man irgendwo anders in der Stadt suchen; manche musste man per Fernleihe ganz woanders bestellen und tagelang darauf warten, und so weiter.</p>
<p>Man läuft natürlich immer Gefahr, ein wenig nostalgisch zu werden, wenn man über die Vergangenheit spricht. Das Bild der Stadt Klaksvík auf den Färöern hat lange meine Fantasie angeregt. Es blieb mir auch nichts anderes übrig als die Fantasie, denn andere Infos hatte ich nicht. Die Färöer waren irgendein mystisches Land im hohen Norden und wenn man dann heute auf einen Schlag so viel Informationen über diese Inseln bekommen kann, dann verschwindet dieser Zauber (verdammt, man <a href="http://www.fae.fo">kann da einfach so hin fliegen!</a>). Aber das ist gut so! Es geht um Informationen und da ist die Realität alle mal besser als irgendein Fantasiebild, das mit der echten Welt nichts zu tun hat. </p>
<p>Und wenn man sich ansieht, wie mühsam es früher tatsächlich war, dann kann man nur dankbar sein, dass wir heute so schnell und einfach an Informationen kommen können. Aber wenn ich den 1960er Jahren gelebt hätte, dann wäre ich vermutlich sehr gerne so ein &#8220;Spezial-Bibliothekar&#8221; geworden. Aber nur, wenn ich auch so eine coole schwarze Tasche kriege! <a href="http://www.youtube.com/watch?v=fND46AVuNiY">Das Video</a> stammt aus dem Jahr 1964 und zeigt das Leben eines &#8220;Firmen-Bibliothekars&#8221;. Ich wusste gar nicht, das es sowas gibt/gab. Hatten die Firmen damals wirklich alle eigene Bibliotheken (nicht nur simple Archive) oder ist das ne Sache aus den USA?</p>
<p><center><iframe width="500" height="375" src="http://www.youtube.com/embed/fND46AVuNiY" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></center></p>
<p>Sehr nett und nostalgisch ist auch <a href="http://youtu.be/UvNLR-nNt4M">dieser Film</a> aus dem Jahr 1946:</p>
<p><center><iframe width="500" height="375" src="http://www.youtube.com/embed/UvNLR-nNt4M" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></center></p>
<p>Ja, die Büchereien und Bibliotheken haben sich im Lauf der Zeit geändert. <a href="http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2013/02/08/die-ganze-welt-in-einem-haus/">Aber sie sind immer noch cool!</a><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/69fcc7e17f1b406b844f261e1907cbc5" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Geschlechtergerecht oder geschlechtsneutral? Eine Antwort [Hier wohnen Drachen]</title>
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		<pubDate>Fri, 17 May 2013 17:03:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinB</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[blog]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Diskussion]]></category>
		<category><![CDATA[sexismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur Zeit debattieren wir ja mal wieder heftig über die geschlechtergerechte Sprache und die Frage, ob unsere Sprache sexistisch ist. Jürgen hat sich dazu die letzten Tage fleißig geäußert. Ich habe hier zumindest auf der Meta-Ebene geantwortet. Aber nachdem ich nun dank der heftigen Debatte etwas klarer sehe, will ich hier doch noch einmal etwas&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Zur Zeit debattieren wir ja mal wieder heftig über die geschlechtergerechte Sprache und die Frage, ob unsere Sprache sexistisch ist. Jürgen hat sich dazu die letzten Tage fleißig geäußert. Ich habe hier zumindest auf der Meta-Ebene geantwortet. Aber nachdem ich nun dank der heftigen Debatte etwas klarer sehe, will ich hier doch noch einmal etwas ausführlicher schreiben.</p>
<p><span id="more-32190"></span></p>
<p>Auch wenn einiges schon vorher in den Kommentaren diskutiert wurde, konzentriere ich mich hier vor allem auf Jürgens letzten <a href="http://scienceblogs.de/geograffitico/2013/05/15/die-unsichtbare-diskriminierung/">Text zum Thema</a>, der das wichtigste auf den Punkt bringt.</p>
<p>Der Text trägt den Titel &#8220;Die unsichtbare Diskriminierung&#8221;. Jürgen beginnt damit, dass es bei einer geschlechtsneutralen Sprache (den Unterschied zwischen geschlechtergerecht und geschlechtsneutral erkläre ich gleich noch im Detail) um folgendes gehe:</p>
<blockquote><p> sie beruht auf dem Ansatz, dass das Objekt der Diskriminierung nicht wahrnehmbar sein soll.</p></blockquote>
<p>Dieser Satz ist leider schon falsch, und das ist der Kern der Meinungsverschiedenheit. Eine geschlechtsneutrale Sprache  beruht auf dem Ansatz, dass das Geschlecht einer Person nicht wahrnehmbar<em>er</em> sein soll als andere Unterscheidungsmerkmale auch. Ich hatte das mit einem Beispiel aus Star Trek illustriert. Dort ist es so, dass in der Sternenflotte grundsätzlich nur männliche Formen verwendet werden, es heißt also &#8220;der Admiral&#8221; und auch &#8220;er&#8221;, auch wenn es sich um den weiblichen <a href="http://de.memory-alpha.org/wiki/Alynna_Nechayev">Admiral Nechayev </a>handelt (Jürgens Schreibweise des Namens ist mein Fehler, ich hatte den Namen so geschrieben). Mir ging es darum, dass das Geschlecht einer Person egal sein sollte, jedenfalls nicht wichtiger als die Hautfarbe, das Alter oder ein anderes Merkmal. Jürgen schreibt dazu</p>
<blockquote><p>Ja, warum eigentlich? Vielleicht, weil es Admiral Nedjejev (ich habe keine Ahnung, wer das ist, und finde den Namen auch nicht im Internet) wichtig ist? Wer sagt, dass es einer Frau nichts bedeutet, eine Frau zu sein?</p></blockquote>
<p>Niemand. Aber wer sagt denn, dass es ihr für Ihre Arbeit wichtig ist? Oder dass es ihr überhaupt wichtig ist? Mit dem gleichen Recht könnte man fragen: &#8220;Ist es Präsident Obama nicht sehr wichtig, dass er ein Farbiger ist?&#8221; Sollte man deswegen gleich die Bezeichnung Presidentroon (Dank an<a href="http://www.cs.virginia.edu/~evans/cs655/readings/purity.html"> Douglas Hofstadter &#8211; wenn ihr diesen Text noch nicht gelesen habt, dann tut es bitte jetzt</a>) einführen? Oder ist es nicht so, dass wir dann, wenn wir der Ansicht sind, die Hautfarbe sei irgendwie wichtig, sagen können &#8220;Obama ist ein schwarzer Präsident&#8221;, und wenn sie im Zusammenhang unwichtig ist, sagen wir das nicht, dann ist er einfach &#8220;der Präsident&#8221;? Jürgen schreibt weiter</p>
<blockquote><p>Es gibt viele Formen von Identität – ich selbst beispielsweise falle in die Gruppen männlich, Senioren (über 50), deutschsprachig, grauhaarig, Journalist, Nichtraucher, Atheist, Vater, Universitätsdozent etc. Welche dieser Identitäten für mich wichtig sind oder nicht, sollte niemand außer mir entscheiden dürfen. Warum ist sexuelle Identität so wichtig, wichtiger als Haarfarbe oder Einkommen? Weil wir nun mal sexuelle Wesen sind.</p></blockquote>
<p>Bis zum vorletzten Satz unterschreibe ich das von ganzem Herzen. Ja, wir sind sexuelle Wesen, wir sind auch Wesen mit einem Alter oder mit einer Hautfarbe. Warum das Geschlecht wichtiger ist als andere Merkmale, so dass es einer sprachlichen Sonderrolle bedarf, das sagt Jürgen leider nicht. Wir sagen eben nicht &#8220;Presidentroon&#8221; zu einem Schwarzen Präsidenten oder Greisenpräsident, sobald ein Präsident über 80 Jahre alt ist.  Ob wir es wichtig finden, das Lter, die Hautfarbe oder das Geschlecht zu erwähnen oder nicht, sollten wir selbst entscheiden. Und eben nicht die Grammatik der Sprache die wir verwenden.</p>
<blockquote><p>Interessanter Weise ist gerade das Recht auf eine sexuelle Identität ein Gut, das durch den Kampf <em>gegen</em> Diskriminierung errungen werden soll. Wer’s nicht glaubt: Einfach mal LGBT googeln und anfangen zu lesen.</p></blockquote>
<p>Natürlich. Niemand will irgendwem absprechen, seine sexuelle Identität so zu offenbaren, wie er oder sie es für richtig hält. Wer das tun will, der kann es ja tun. Aber gerade das &#8220;T&#8221; im Kürzel LGBT sollte zu denken geben &#8211; für Transsexuelle ist es eben nicht so einfach, sich als &#8220;er&#8221; oder &#8220;sie&#8221; zu identifizieren. (Ein Beispiel dafür findet man <a href="http://www.guardian.co.uk/world/2013/mar/20/arizona-transgender-community-toilet-ban">hier.</a>) Ist ein Mann, der sich als Frau fühlt, nun ein &#8220;er&#8221; oder eine &#8220;sie&#8221;? Muss ich das wissen, wenn ich über diese Person rede &#8211; und es beispielsweise darum geht, dass sie brillant Snooker spielt oder geniale Mucke fabriziert?</p>
<blockquote><p>Davon abgesehen, dass gerade das Gendern von Dienstgraden im Deutschen eine Forderung <em>für</em> Gleichberechtigung ist und mehr als eine “<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Amtsbezeichnung">Amtfrau</a>” bisher dabei nichr rauskam,</p></blockquote>
<p>Das ist richtig. Momentan ist das Bestreben der meisten Leitfäden zur geschlechtergerechten Sprache (und davon habe ich einige gelesen), Frauen sichtbar zu machen. (Und &#8211; damit mich keiner missversteht &#8211; das ist gut so.) Ein Beispiel dafür ist <a href="http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-frauen/sprache.pdf">diese Broschüre</a>. Dort heißt es sehr treffend und das Problem gut auf den Punkt bringend:<em> &#8220;Männer werden immer richtig eingeordnet, Frauen fast nie, denn in unserer Sprache gilt die Regel: 99 Sängerinnen und 1 Sänger sind zusammen 100 Sänger.&#8221;</em> Als Beispiel wird in der Broschüre ein Text über die Funktion eines Bürgermeisters zitiert (unter Verwendung des generischen Maskulinums), und dann wird gesagt: <em>&#8220;Eigentlich wissen Lesende, dass zum Beispiel ein Text wie der obige über den Bürgermeister auch für Frauen gelten soll. Dieses theoretische Wissen reicht aber nicht, um beim Lesen die Vorstellung von einer Frau als Bürgermeisterin ebenso zu aktivieren wie die Vorstellung eines Mannes. Es reicht ebenso wenig, um Frauen zur Identifizierung mit solchen Funktionen zu motivieren. Da maskuline Formulierungen nicht eindeutig sind, liegen Frauen auch nicht immer richtig, wenn sie sich „mitgemeint“ fühlen&#8230;&#8221;</em></p>
<p>Dem stimme ich natürlich vollkommen zu &#8211; und die Debatte zwischen Jürgen und mir nahm ja genau damit ihren Anfang, dass ich einen <a href="http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2010/09/21/das-experiment-der-ganz-normale-sexismus-der-deutschen-sprache/">Text zur Frage geschrieben habe</a>, ob das generische Maskulinum zu einer sexistischen Sprache führt. Dort habe ich etwas sehr ähnliches (wenn auch etwas drastischer) gesagt: <em>&#8220;Personenbezeichnungen mit maskulinem Geschlecht erzeugen in unseren Köpfen anscheinend sofort das Bild eines Mannes – der “Default-Wert” für einen Menschen ist ein Mann.&#8221; </em>Einen Überblick über verschiedene Forschungsergebnisse, die belegen, dass Frauen seltener mitgedacht werden, wenn man das generische Maskulinum verwendet (meine etwas überspitzte Formulierung, die nahelegt, dass der Default-Mensch <em>immer</em> ein Mann ist, ist aber wohl so nicht haltbar), findet man auch<a href="http://www.academia.edu/2549523/Mitgefangen_-_Mitgehangen._Generisches_Maskulinum_und_Normen_geschlechtergerechten_Sprachgebrauchs"> in diesem Artikel</a>.<em><br />
</em></p>
<p>In der Broschüre wird dann erläutert, dass es zwei Möglichkeiten gibt, mit dem Problem umzugehen: Feminisierung (das explizite Mitnennen von weiblichen Formen) und Neutralisierung (die Unsichtbarmachung des Geschlechts, beispielsweise mit Worten wie &#8220;das Ratsmitglied&#8221;). Es wird darauf hingewiesen, dass die zweite Form &#8220;nicht immer vor männlichen Assoziationen schützt&#8221;. Ein Text soll dann so formuliert werden, dass zumindest am Anfang die weibliche Form explizit genannt wird, danach dürfen dann <em>&#8220;Neutralformen als Entlastungsstrategien eingesetzt werden.&#8221;</em></p>
<p>Der Text ist voll von Formulierungshilfen (und wesentlich besser als der, den ich hatte, als ich neulich das Vergnügen hatte, eine lange Betriebsanweisung zu schreiben, bei der ich gern geschlechtergerecht schreiben wollte und das auch weitgehend hinbekommen habe). Er zeigt sicher, dass &#8211; mit etwas Mühe und Geschick &#8211; geschlechtergerechte Formulierungen möglich sind. Dass dazu Mühe erforderlich ist, erlebt man auch des öfteren auf Gremiensitzungen an der Uni &#8211; dort werden erst Texte im generischen Maskulinum geschrieben, danach heißt es &#8220;wir müssen den Text noch gendern&#8221;. Man kann natürlich hoffen, dass sich eines Tages die geschlechtergerechte Denkweise soweit durchsetzt, dass allen die richtigen Formulierungen gleich in die Tastatur fließen (<del>so wie ein ungeübter Schreiber </del>  so wie jemand, der ungeübt im Schreiben ist, vielleicht auch nachträglich alle Tempusfehler korrigieren muss; das allein wäre auch kein Grund, die Zeitformen abzuschaffen).</p>
<p>Ich habe ja in den letzten Tagen wiederholt erklärt, dass solche geschlechtergerechten Formulierungen zwar möglich sind, dass sie die Möglichkeiten, sich auszudrücken, aber einschränken. Was ist zum Beispiel, wenn ich über eine konkrete Person reden will, deren Geschlecht für das, was ich sage, irrelevant ist? Wenn ich zum Beispiel &#8211; wie gern in der Vorlesung &#8211; sage &#8220;Da gehen Sie zur freundlichen Mathematikerin um die Ecke, die kann ihnen das beweisen.&#8221; Oder sollte ich doch &#8220;zum freundlichen Mathematiker&#8221; sagen? Oder, wie eben, &#8220;jemand, der Mathematik treibt&#8221;? Jürgen sagte dazu (in einem <a href="http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2010/09/21/das-experiment-der-ganz-normale-sexismus-der-deutschen-sprache/">Kommentar</a>)</p>
<blockquote><p>Oder diese mathematischen Nachbarn sind reine Kunstfiguren, die Du lediglich als Stilmittel erfunden hast – dann kannst, nein <strong>musst</strong> Du Dich halt entscheiden, ob Mann oder Frau.</p></blockquote>
<p>Und da genau ist mein Problem. Ich muss mich nicht entscheiden, ob diese mathematikbetreibende Person schwarz ist oder weiß oder alt oder jung, ob Professor oder Doktorand, vollkommen egal, all das kann ich der Fantasie meiner Studis überlassen. Nur beim Geschlecht ist es anders, das<strong> muss </strong>ich laut Jürgen spezifizieren. Mir wäre eine neutrale Formulierungsmöglichkeit (die weniger geschwollen ist als &#8220;mathematiktreibende Person&#8221;) lieber. (Gestern in der Vorlesung habe ich es mit &#8220;Da gehen Sie rüber ins Mechanik-Institut, klopfen an eine Tür und fragen die Person die da sitzt..&#8221; versucht. Geht auch, ist aber nicht wirklich schön. ) Und noch viel lieber wäre es mir, wenn die Sprache mich nicht zwingen würde, darüber auch nur nachzudenken &#8211; so wie ich über das Alter und die Hautfarbe der Person, die dort sitzt, nicht nachdenken muss, wenn ich nicht will.</p>
<p>Jürgen sagt zu solchen neutralen Formulierungen (wie &#8220;der Admiral&#8221; auch als Bezeichnung für eine Frau):</p>
<blockquote><p>Aber das ist nicht der Kernpunkt: das Problem bei dieser Form der “Gleichberechtigung” ist, dass es die Frauen unsichtbar machen soll. Wirklich, ist das so? Ja. Es ist eine Form des “Don’t ask, don’t tell”.</p>
<p>Und was ist das? Nichts anderes als die Forderung an die anders Seienden, ihr Anderssein doch bitteschön für sich zu behalten, uns also nicht zu zwingen, uns damit auseinander zu setzen.</p></blockquote>
<p>Auf den ersten Blick drückt das scheinbar genau das aus, was ich eben sagte &#8211; ich muss mich nicht mit dem Geschlecht auseinandersetzen, wenn ich nicht will. Ist es nur mein privilegiertes Denken, das hier zum Ausdruck kommt, so wie manche Leute sagen <a href="http://abagond.wordpress.com/2011/12/01/i-dont-see-colour-i-just-see-a-human-being/">&#8220;I don&#8217;t see color&#8221;</a>, wenn es um Rassenfragen geht? Nur auf den ersten Blick.</p>
<p>Schauen wir erst mal auf das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Don%E2%80%99t_ask,_don%E2%80%99t_tell">&#8220;don&#8217;t ask, don&#8217;t tell&#8221;</a>, also die Regel der US-Armee, dass Homosexuelle Soldaten nicht hinausgeworfen werden, solange sie sich nicht offen als homosexuell outen, dass sie aber auch nicht nach ihrer Orientierung gefragt werden. Diese Regel wurde zum Glück inzwischen aufgehoben &#8211; wie diskriminierend sie ist, kann man sich leicht ausmalen, wenn man sich z.B. vorstellt, Soldaten oder Soldatinnen erzählen vom Weihnachtsfest (und ein Mann sagt &#8220;Mein Partner&#8221;) oder wollen sich vom Partner oder der Partnerin zu einem Fest oder Ähnlichem begleiten lassen.</p>
<p>Eine geschlechtsneutrale Sprache ist aber gerade keine Form des &#8220;don&#8217;t ask, don&#8217;t tell&#8221;. Es ist umgekehrt: Die momentane Sprache zwingt uns, zum Geschlecht Farbe zu bekennen. SoldatInnen werden ja auch jetzt nicht gefragt, ob sie homosexuell sind &#8211; sie können es offenbaren, müssen es aber nicht. Stellt euch vor, ihr kommentiert irgendwo im Internet und gebt euch (mit Bedacht) einen Namen, dem man kein Geschlecht eindeutig zuordnen kann, vielleicht &#8220;Pat&#8221; oder &#8220;Chris&#8221;. (Dazu gibt es <a href="http://www.cse.unr.edu/~sushil/class/ai/papers/coffeehouse.html">einen tollen Text</a> von Douglas Hofstadter, in dem das Geschlecht der Beteiligten nicht genannt wird.) Und dann schreibt jemand anderes über euch und sagt &#8220;Pat sagt&#8230; Er &#8230;&#8221; (oder auch &#8220;sie&#8221;). Der (oder die) andere muss sich entweder entscheiden, oder eben sein Unwissen über euer Geschlecht explizit zum Ausdruck bringen und &#8220;er oder sie&#8221; schreiben. Auch das impliziert wieder sprachlich, dass das Geschlecht einer Person ein so wichtiges Merkmal ist, dass es einer Sonderkonstruktion bedarf, um auszudrücken, dass man es nicht kennt.</p>
<p>Hierzu eine Analogie: Vor 30 Jahren redete man Frauen ja noch &#8211; je nach Ehestand &#8211; mit &#8220;Frau&#8221; oder Fräulein&#8221; an.  Ein Dialog bei einer Behörde konnte dann so aussehen: &#8220;Mein Name ist Cladia Müller.&#8221; &#8220;Frau oder Fräulein Müller?&#8221; Und wenn man über Frau Müller sprach und ihren Familienstand nicht kannte, dann sagte man eben explizit &#8220;Frau oder Fräulein Müller&#8221;, um zum Ausdruck zu bringen, dass diese extrem wichtige Information nicht zur Verfügung stand.<br />
Und auch hier könnte man jetzt <a href="http://scienceblogs.de/geograffitico/2013/05/15/die-muehe-beim-sprechen/#comment-18389">Jürgens Argumentation </a>anführen: &#8220;Ueberall – und ganz besonders in der Wissenschaft – suchen wir nach Wegen, uns noch differenzierter auszudrücken&#8230;. nur in der Sprache, da müssen wir die Möglichkeit der Differenzierung abschaffen?&#8221;</p>
<p>Nein, ich will nicht die Möglichkeit der Differenzierung abschaffen, die gibt es nach wie vor. Ich will nicht das Geschlecht von Personen verbergen. Ich kann sagen &#8220;ich bin verheiratet, ich bin ein Mann&#8221;, wenn ich differenzieren will, ich kann sagen &#8220;der weibliche Admiral&#8221; wenn das Geschlecht wichtig ist. Die Sprache schafft aber nicht die Möglichkeit, sondern sie erzwingt die Differenzierung, ob wir sie wollen oder nicht. So als müsste man immer seine Hautfarbe mit-sagen (siehe den oben verlinkten Text von Hofstadter) oder sein Alter. Man könnte sich ja spaßeshalber eine Sprache vorstellen, die statt Pronomina das Alter benutzt, das wäre dann etwa so:</p>
<p>&#8220;MartinB (47) ist ein meist engagierter Blogger. 47s Texte werden von einigen Leuten gern gelesen. 47 arbeitet an einer Universität.&#8221;</p>
<p>Wäre auch eine tolle Differenzierungsmöglichkeit &#8211; aber eine, die vielen nicht schmecken dürfte (vielleicht wollt ihr nicht, dass irgendwer im Netz weiß, dass ihr erst 14 seid &#8211; dann müsstet ihr im Zweifelsfall eine falsche Zahl angeben.) Ich <em>kann</em> mein Alter angeben, ich <em>muss</em> es aber nicht tun.</p>
<p>Also: Don&#8217;t ask &#8211; don&#8217;t tell verbietet es, die eigene homosexuelle Orientierung anzugeben. Was Jürgen und ich wohl beide für richtig halten ist, dass es jedem freigestellt ist, ob er sich &#8220;outen&#8221; will oder nicht. Was unsere Sprache aber in Sachen Geschlecht tut, ist etwas anderes: Sie zwingt uns dazu, uns zu &#8220;outen&#8221; oder &#8211; wenn wir das nicht wollen &#8211; spezielle Konstrukte zu verwenden. Die sprachliche Analogie zur Abschaffung von DADT wäre also, dass wir jetzt jedem Soldaten auf sein Namensschild ein Zeichen malen, das zeigt, ob er oder sie hetero- oder homosexuell ist. (Und wie bei der Sprache würde man weitere Abstufungen nicht zulassen, Pronomina für Transsexuelle haben wir ja nicht.)</p>
<p>In einem Kommentar schreibt Jürgen auch</p>
<blockquote><p>Die Behauptung, dass nur das Geschlecht, aber nicht die ethnische Identität in der SPrache codiert wird, ist nicht nur unbewiesen, sondern nachweislich falsch. Ich gebe nur ein Beispiel: Namen. Es war ein Ausdruck von Stolz afrikanisch-amerikanischer Eltern, diese Identität auch in Namen auszudrücken</p></blockquote>
<p>Das ist natürlich richtig. Aber Namen werden so gegeben, wie die Eltern es für richtig halten &#8211; und wer mit seinem Namen gar nicht zufrieden ist, der kann ihn auch ändern. Hier ist es nicht die Grammatik der Sprache, die die Zuordnung macht, sondern die Namensgebung der Eltern. Das macht natürlich einen Unterschied. Und natürlich ist auch eine Geschlechtszuordnung über den Namen unproblematisch , weil sie sich immer auf ein konkretes Individuum bezieht. (Wie gesagt, niemandes Geschlecht soll hier &#8220;unsichtbar&#8221; gemacht werden, es soll nur nicht sichtbarer sein als andere Merkmale, weil es nicht unbedingt wichtiger ist als andere.) Und auch hier ist es so, dass eine Person, die mit der Geschlechtszuordnung ihres Namens nicht einverstanden ist, diesen zur Not auch ändern kann (so wie es ja viele im Internet tun, dazu gleich noch mehr).</p>
<p>Jürgen schreibt weiter</p>
<blockquote><p>Der Wunsch Martins, dass <em>er</em> doch bitteschön nicht darüber nachdenken mag, ob Admiral N. nun eine Frau oder ein Mann ist, ist einer, der ausschließlich durch <em>seinen</em> Sprachkomfort verursacht wird</p></blockquote>
<p>Nein &#8211; es geht nicht um meine persönliche Variante von &#8220;I don&#8217;t see color&#8221;. Es geht um den Komfort der Betroffenen. Wer häufig bei den Freethoughtblogs liest (gerade zu Themen wie Feminismus), weiß, dass es dort viele KommentatorInnen gibt, die wert darauf legen, dass ihr Geschlecht nicht offenbar ist. Wie bezieht man sich auf diese Personen? Oft wird &#8211; evtl. fehlerhaft &#8211; angenommen, dass es ein Mann ist (meist weist dann jemand auf die falsche Annahme hin). Ansonsten sagt man &#8220;he or she&#8221; (siehe oben) es wird eine  Konstruktion wie &#8220;xe- xir&#8221; verwendet. Wenn jemand sein Geschlecht offenbart, dann kann man ja auch &#8220;he&#8221; oder &#8220;she&#8221; sagen &#8211; warum nicht? Aber wenn jemand es nicht tut, dann wäre es schön, wir müssten hier keine Sonderkonstruktionen verwenden und umständlich &#8220;he or she&#8221; sagen, so als wäre die Unkenntnis des Geschlechts fürchterlich wichtig. (Eine Geschichte über jemanden im Netz, der sein Geschlecht schließlich offenbart, findet ihr <a href="http://www.guardian.co.uk/science/us-news-blog/2013/mar/20/i-love-science-woman-facbook">auch hier</a>.) Warum muss ich meinen Studis meine Idee zum Geschlecht mathematischer Nachbarn oktroyieren, wenn ich das mit anderen Eigenschaften auch nicht tun muss. Weil wir sexuelle Wesen sind? Spielt das wirklich eine Rolle, wenn ich die quadratische Konvergenz des Newton-Verfahrens  bewiesen haben möchte?</p>
<p>Ein anderer Aspekt des Zitats von Jürgen oben stört mich aber weit mehr:</p>
<blockquote><p>Nichts anderes als die Forderung an die anders Seienden, ihr Anderssein doch bitteschön für sich zu behalten, uns also nicht zu zwingen, uns damit auseinander zu setzen.</p></blockquote>
<p>Wer ist hier so anders, dass sein Anderssein thematisiert werden muss? Frauen? Solange wir (siehe die 99 Sängerinnen) ein generisches Maskulinum verwenden, implizieren wir, dass Frauen anders sind. Und das ist wieder die Annahme des männlichen Default-Menschen, die letztlich dahinter steckt. &#8220;Andere&#8221;, wie Schwule, Transsexuelle, sollen das Recht haben, ihr &#8220;Anderssein&#8221; nicht zu verstecken, und aus dieser Logik folgt, dass auch Frauen sich sprachlich nicht &#8220;verstecken&#8221; sollen? Angesichts von etwa 50% Frauen auf der Welt halte ich das für eine zumindest unglückliche Formulierung. (Übrigens auch bezogen auf Homosexuelle etc. &#8211; dahinter steckt immer die Annahme, es gäbe einen &#8220;Normalzustand&#8221;, und wir sind so &#8220;tolerant&#8221;, jedem ein Abweichen zu erlauben und es sogar kund zu tun.) Unsere Sprache funktioniert eben so, das &#8220;wir müssen den Text erst gendern&#8221; eben bedeutet &#8220;wir müssen Frauen sichtbar machen&#8221;. Und das liegt daran, dass unsere Sprache keine einfache geschlechtsneutrale Bezeichnung für &#8220;Jemanden der singt&#8221; zur Verfügung stellt, sondern nur Hilfskonstruktionen erlaubt. Das Nicht-Verwenden des generischen Maskulinums hilft zwar, Frauen sichtbar zu machen (und ist deswegen auch lobenswert), aber es löst das Problem nicht wirklich &#8211; denn Frauen sind nicht &#8220;anders&#8221; und sollten sprachlich keiner speziellen &#8220;Sichtbarmachung&#8221; bedürfen.</p>
<p>Jürgen sagt weiter:</p>
<blockquote><p>Gleichberechtigung heißt eben nicht, dass Frauen, Schwule, Schwarze etc. nicht als solche wahrgenommen werden, sondern dass sie sie selbst sein können, ohne dass es irgend einen Nachteil für sie bringt. Wenn sie ihre Identität nicht mehr unsichtbar machen müssen, sondern ungehindert Frauen, Schwule, Schwarze, Transgender oder was auch immer sein können.</p></blockquote>
<p>Richtig. Aber Gleichberechtigung heißt eben auch nicht, dass wir Frauen (oder Schwule, Schwarze etc.) dazu zwingen müssen, in jedem Satz, der über sie gesagt wird, ihr Frau-, Schwul- usw.-Sein thematisieren zu lassen. (Das gleiche gilt logischerweise auch für Männer.) Schön wäre es, wir könnten ihnen und uns die Freiheit geben, selbst zu entscheiden, wann sie es ansprechen wollen (dann sagen wir eben &#8220;der weibliche Bundeskanzler&#8221;, &#8220;der schwarze Präsident&#8221;) und wann sie das nicht möchten oder wann es für den Kontext unwichtig ist. Und das erlaubt die (deutsche) Sprache bei allen Eigenschaften, mit Ausnahme des Geschlechts. (Bevor das jemand missversteht: ich trete nicht dafür ein, nur noch das generische Maskulinum zu verwenden &#8211; spätestens bei den zugehörigen eindeutig männlichen Artikeln und Pronomina merkt man, dass das nicht unproblematisch ist. Deswegen ist der Star Trek-Lösung auch nicht wirklich eine Lösung, es sei denn, wir schaffen alle weiblichen (oder alle männlichen) Formen konsequent ab.)</p>
<p>Ist die Sprache damit &#8211; wie ich mehrfach gesagt habe &#8211; sexistisch, weil sie diese Differenzierung beim Geschlecht erzwingt (aber eben nicht rassistisch, weil sie es bei der &#8220;Rasse&#8221; nicht tut)? Eine nicht geschlechtergerechte Sprache (also eine, die sich ohne viel Mühe des generischen Maskulinums bedient und die 99 Sängerinnen und den einen Kerl zu &#8220;100 Sänger&#8221; zusammenfasst) ist wohl auf jeden Fall sexistisch, weil sie Frauen unsichtbar macht. Aber &#8211; so ja das Argument &#8211; das ist eben ein falscher Gebrauch der Sprache, denn man kann sich ja geschlechtergerecht ausdrücken, auch wenn das manchmal etwa Mühe macht (nicht umsonst heißt einer vor Jürgens Texten ja &#8220;Die Mühe beim Sprechen). Wie ist es also mit der geschlechtergerechten Sprache?</p>
<p>Sie ist insofern nicht sexistisch, als sie &#8211; richtig angewandt &#8211; Frauen nicht direkt diskriminiert. Nichtsdestotrotz lenkt sie unser Augenmerk immer auf das Geschlecht der Personen, um die es gerade geht (ist meine fiktive Person nun &#8220;der Mathematiker&#8221; oder &#8220;die Mathematikerin&#8221;?) und macht es schwierig (beispielsweise im Internet) das Geschlecht einer Person unklar zu lassen &#8211; dazu braucht es besondere Konstruktionen wie &#8220;er oder sie&#8221;, die dann wieder offenbaren, dass wir das Geschlecht nicht kennen. In diesem Sinne auch die geschlechtergerechte Sprache immer noch sexistisch &#8211; man könnte hier auch &#8220;geschlechtsfixiert&#8221; sagen, weil dieser Aspekt der Sprache nicht diskriminiert (und ganz besonders wirft sie natürlich Probleme für Menschen auf, die nicht in herkömmliche Geschlechtsschemata passen).</p>
<p>Hinzu kommt aber noch etwas weiteres: Die Sprache macht uns das geschlechtergerechte Formulieren auf Grund ihrer Struktur (Artikel und Personalpronomina) nicht immer einfach, das machte ja auch der oben zitierte Leitfaden deutlich, wenn er von &#8220;Entlastungsstrategien&#8221; spricht &#8211; eine geschlechtergerechte Sprache bürdet uns eine Last auf. Sie ist nicht so groß, dass man sie nicht tragen könnte, aber sie ist auch nicht verschwindend. Diese Mühe impliziert, dass Frauen (und es sind ja eben Frauen, nicht einfach beide Geschlechter gleichermaßen) eine sprachliche &#8220;Sonderbehandlung&#8221; brauchen &#8211; und genau wie<a href="http://blogs.scientificamerican.com/psysociety/2013/04/02/benevolent-sexism/"> jede andere Sonderbehandlung</a> auf Grund des Geschlechts ist das letztlich immer noch sexistisch. Und weil diese Extra-Mühe etwas ist, das die Sprache uns aufzwingt, ist die Sprache selbst in diesem Sinne sexistisch.</p>
<p>Man kann das vielleicht mit einer Analogie ganz gut erklären. Nehmen wir das beliebte Betriebssystem Windows 95 (ja, ich bin ja schon älter &#8211; und in den Kommentaren bitte nicht über Betriebssysteme diskutieren). Es war dafür bekannt, sehr anfällig für Viren und andere Sicherheitsangriffe zu sein. Natürlich konnte man sich vor diesen Angriffen schützen &#8211; man konnte Virenscanner installieren, firewalls hochziehen, das automatische Verbinden von Netzlaufwerken im Intranet einschränken und viele andere Dinge tun (und das tat man auch besser, sonst gab es unerfreuliche Überraschungen). Jemand, der andere Betriebssysteme verwendet, die inhärent sicherer sind als Win95, konnte deshalb sagen &#8220;Windows 95 ist ein unsicheres Betriebssystem.&#8221; Ein Windows-Verfechter konnte dem natürlich entgegenhalten: &#8220;Nein, ist es nicht, man muss eben nur Virenscanner installieren, und firewalls, und natürlich die updates und service packs nicht vergessen, und ab und an schaut man auch bei der Microsofthomepage, ob es neue Sicherheitslücken gibt. Wenn man das tut, ist das System sicher.&#8221; &#8220;Mag sein&#8221;, so die Antwort, &#8220;aber es zwingt dich, ständig über Sicherheit nachzudenken. Ein gutes Betriebssystem sollte inhärent sicher sein, so dass du deinen Kopf für andere Sachen frei hast.&#8221;</p>
<p>Ganz genauso ist es mit unserer Sprache. Sie ist nicht inhärent geschlechtergerecht, man kann sie geschlechtergerecht einsetzen, aber die hierfür notwendige Mühe lenkt unser Augenmerk eben auch dann auf das Geschlecht, wenn dieses im Kontext vollkommen unwichtig ist, und sorgt dafür, dass wir Frauen sprachlich eine Sonderbehandlung zukommen lassen müssen, weil wir sie &#8220;sichtbar machen&#8221; müssen.</p>
<p>Man kann sich das auch mit einer sehr naheliegenden Analogie veranschaulichen: In vielen gesellschaftlichen Bereichen (beispielsweise der Wissenschaft) sind Frauen ja unterrepräsentiert. Entsprechend gibt es Förderpläne und Richtlinie, die z.B. für eine bevorzugte Einstellung von Frauen bei gleicher Qualifikation sorgen und die Frauen auch ansonsten besonders unterstützen. Das ist &#8211; meiner Ansicht nach &#8211; auch gut und richtig so. Ziel dieser ganzen Fördermaßnahmen ist es aber natürlich letztendlich, sich selbst überflüssig zu machen, weil die Unterrepräsentation von Frauen eines Tages hoffentlich einfach nicht mehr existiert und das Geschlecht dann für die Frage, ob jemand brillant in Physik ist, eben gar keine Rolle mehr spielt, auch nicht in den Köpfen. Man kann hoffen, dass auch die geschlechtergerechte Sprache so funktioniert, dass uns die &#8220;gegenderte&#8221; Sprechweise eines Tages so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass es eben keiner Extra-Mühe mehr bedarf, sich geschlechtergerecht auszudrücken. Ich bezweifle aber, ob das ohne eine echte und auch grammatikalische Änderung der Sprache wirklich möglich ist &#8211; dazu sind Ausdrücke wie &#8220;der Mathematiker&#8221; oder auch &#8220;jemand, der&#8221; meiner Ansicht nach zu tief in unserer aktuellen Sprache verankert.</p>
<p><strong>Fazit:</strong></p>
<p>Ich gebe Jürgen recht, dass die Sprache geschlechtergerecht verwendet werden kann. Ich finde das nicht ganz so einfach wie er und ich sehe durchaus einen Unterschied darin, ob ich z.B. einen Satz im Singular oder Plural schreibe, oder ob ich &#8220;ein X&#8221; oder &#8220;wer X tut&#8221; oder &#8220;der X-ende&#8221; hinschreibe, und finde es zumindest unschön, wenn eine geschlechtergerechte Sprache mich zu sprachlichen Umwegen zwingt. (Es ist ja nicht nur die Mühe beim Sprechen, sondern eben auch beim Lesen &#8211; deswegen sprach der Leitfaden ja auch von Entlastungsstrategien; die sollen das Lesen leichter machen.) Eine geschlechtergerecht verwendete Sprache ist aber auf jeden Fall nicht in dem Sinne diskriminierend, wie es eine ist, die das generische Maskulinum verwendet, das ist richtig.</p>
<p>Auch eine geschlechtergerechte Sprache ist aber meiner Ansicht nach aus den genannten Gründen sexistisch &#8211; sie zwingt uns, uns ständig mit dem Geschlecht von Personen auseinanderzusetzen und bürdet uns eine Extra-Last auf, wenn wir gerecht sein wollen. Da die Extra-Last sich auf das Einbeziehen von Frauen bezieht, handelt es sich um eine eigentlich nicht wünschenswerte Sonderbehandlung.</p>
<p>Mein (im Deutschen im Moment wohl ohne weiteres nicht zu verwirklichendes) Ideal wäre eine geschlechtsneutrale Sprache, eine, in der das Geschlecht in der Grammatik zunächst genauso unsichtbar ist wie das Alter oder die Hautfarbe. Eine, in der &#8220;der Admiral&#8221; eben genausogut ein Mann wie eine Frau sein kann und in der das Geschlecht nur dann erwähnt werden muss, wenn es sinnvoll und wünschenswert ist.</p>
<p>Da es dieses Idealdeutsch nicht gibt, werde ich aber wohl weiter mit zumindest geschlechtergerechten Formulierungen experimentieren &#8211; sie sind auf jeden Fall besser als die generische Alternative.</p>
<p><strong>Nachbemerkung:</strong></p>
<p>Falls irgend jemand alte Texte von mir durchforstet, wird er oder sie (da ist es wieder&#8230;) merken, dass das, was ich hier schreibe, sich nicht zu 100% mit dem deckt, was ich letztes oder vorletztes Jahr geschrieben habe. Das ist mir bewusst &#8211; ich habe meine Meinung in den letzten Tagen etwas geändert, nachdem mir der Unterschied zwischen einer geschlechtergerechten Sprache, die Frauen explizit sichtbar macht, und einer (leider hypothetischen) geschlechtsneutralen Sprache klar geworden ist. Allein dafür haben sich zumindest für mich die Diskussionen gelohnt, auch wenn gelegentlich die virtuellen Fetzen flogen.</p>
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		<item>
		<title>Eine astronomische Analyse des Eurovision-Songcontest 2013: Moldawien wird siegen! [Astrodicticum Simplex]</title>
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		<pubDate>Fri, 17 May 2013 15:46:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Freistetter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Aliona Moon]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit dem Eurovision-Songcontest habe ich normalerweise nicht viel zu tun. Nur im Jahr 2010 habe ich mich ein wenig intensiver damit auseinandergesetzt. Denn da ist Deutschland mit einem Lied angetreten, das sich mit astronomischen Problemen beschäftigt. Und wenn &#8220;Satellite&#8221; von Lena auch ein paar Schwächen in der Himmelsmechanik hatte und die Details des Satelliten-Kühlsystems eher&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Eurovision-Songcontest habe ich normalerweise nicht viel zu tun. Nur im Jahr 2010 habe ich mich <a href="http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/05/28/eurovision-song-contest-und-der-satellite-aus-astronomischer-sicht/">ein wenig intensiver damit auseinandergesetzt</a>. Denn da ist Deutschland mit einem Lied angetreten, das sich mit astronomischen Problemen beschäftigt. Und wenn &#8220;Satellite&#8221; von Lena auch ein paar Schwächen in der Himmelsmechanik hatte und die Details des Satelliten-Kühlsystems eher ungenügend ausgearbeitet waren, gewann das Lied den Wettbewerb doch mit großen Vorsprung! In Europa scheint also ein Bedarf an Liedern über Astronomie zu bestehen. Unverständlicherweise hat man diesen Bedarf in den folgenden Jahren ignoriert und die Lieder des Songcontest handeln weiterhin nur von Liebe und ähnlich unwissenschaftlichen Kram! Niemand traut sich mehr, über Astronomie zu singen. Ich habe mir die Texte der diesjährigen Teilnehmer angesehen &#8211; in der Hoffnung, dass diesmal ein paar vernünftige astronomische Lieder dabei sind&#8230;</p>
<p><span id="more-32199"></span></p>
<p>Österreich und der Songcontest sind keine großen Freunde. Der einzige Sieg stammt aus dem Jahr 1966 (dank Udo Jürgens). Dafür hat man es gleich fünfmal geschafft letzter zu werden, dreimal davon mit Null Punkten. Der letzte halbwegs erfolgreiche Auftritt fand im Jahr 2003 statt, als der Kabarettist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alf_Poier">Alf Poier</a> Platz 6 belegte. Seitdem landete Österreich auf den Platz 21 (von 24), Platz 20 (von 25), Platz 27 (von 28), Platz 18 (von 25) und letztes Jahr nochmal Platz 18 (von 18). Aber hat man daraus irgendwas gelernt? Hat man irgendwann in den vergangenen 10 Jahren in Betracht gezogen, ein paar Astronomen zu konsultieren? Nein, hat man nicht! Man hat <i>Natália Kelly</i> mit dem Lied &#8220;Shine&#8221; nach Schweden geschickt. Das klingt zwar zuerst vielversprechend: Vielleicht singt sie ja über die Sterne, die Nachts am Himmel scheinen. Aber ein Blick auf den Text zeigt schnell, dass man sich hier über vernünftige astronomische Beobachtungsbedingungen absolut keine Gedanken gemacht hat:</p>
<blockquote><p><i>&#8220;Look up to the starlit sky, reignite the fire&#8221;</i></p></blockquote>
<p>Liebe Frau Kelly, wenn sie ein Feuer anzünden, können sie auf den Sternenhimmel schauen, so lange sie wollen: Sie werden nichts sehen! Für astronomische Beobachtungen muss es dunkel sein. Kein Wunder, dass so ein absurdes Lied schon im Halbfinale ausgeschieden ist!</p>
<p>Leider enttäuscht auch Deutschland. Nach dem Erfolg von &#8220;Satellite&#8221; bestand ja durchaus Hoffnung, dass man das astronomische Potential in den Texten der nächsten Jahre voll ausschöpft &#8211; aber diese Hoffnung wurde enttäuscht. Dieses Jahr tritt <i>Cascada</i> mit dem Lied &#8220;Glorious&#8221; an. Ich gebe dem Titel keine große Chance. Man hätte vorher doch noch lieber mal in ein Physikbuch schauen sollen, um grobe textliche Fehler wie das hier zu vermeiden:</p>
<blockquote><p><i>&#8220;Now’s the time, we’re running at the speed of light<br />
I’ll meet you on the other side<br />
Every time I close my eyes&#8221;</i></p></blockquote>
<p>Mit der Geschwindigkeit des Lichts laufen&#8230; Meine Güte. Hat da niemand Ahnung von Einsteins spezieller Relativitätstheorie? Relativistischer Massenzuwachs und so? Um massereiche Objekte auf Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen ist unendlich viel Energie nötig. Und bei Cascada und ihrem Laufpartner wird es sich sicherlich nicht um masselose Elementarteilchen handeln. Und dann macht sie auch noch die Augen zu! Wie soll man da vernünftige astronomische Beobachtungen machen können? Nein, dieses Lied ist völlig unzureichend. Deutschland kann froh sein, dass es immer fix für das Finale qualifiziert ist. Aber weit wird man mit  &#8220;Glorious&#8221; nicht kommen.</p>
<p>Leider machen es auch die anderen Länder nicht viel besser. Die meisten ignorieren die Astronomie sowieso völlig komplett. Und die paar Länder, die sich mit Astronomie beschäftigen, machen dabei jede Menge Fehler. Zum Beispiel Irland. Da singt <i>Ryan Dolan</i> das Lied &#8220;Only Love Survives&#8221;:</p>
<blockquote><p><i>&#8220;But in our darkness hour, right before the dawn<br />
The old world dies, the new day is born&#8221;</i></p></blockquote>
<p>Das ist natürlich Unsinn. Der neue Tag beginnt laut Definition <i>immer</i> um Mitternacht. Also immer mitten in der Nacht, nicht kurz vor der Morgendämmerung! Und es geht noch viel schlimmer weiter:</p>
<blockquote><p><i>&#8220;And even if the sun don’t rise<br />
In the end only love survives.&#8221;</i></p></blockquote>
<p>Ha! Wenn die Sonne nicht mehr aufgeht, dann soll nur die Liebe überleben? Wenn die Sonne nicht mehr aufgeht, dann bedeutet das, dass die Erde aufgehört hat, sich um ihre Achse zu drehen! Und das kann nur passieren, wenn sie mit einem etwa gleich großen Himmelskörper kollidiert ist. Da überlebt nichts und schon gar nicht die Liebe&#8230; Ne, Irland mag zwar oft den Songcontest gewonnen haben, aber mit einem astronomisch so unzureichenden Lied wird das dieses Jahr definitiv nichts!</p>
<p>Ich habe große Hoffnungen in Armenien gesetzt. Da singt die Rockband <i>Dorians</i> ein Lied mit dem Titel &#8220;Lonely Planet&#8221;. Ich habe mich schon auf eine interessante Auseinandersetzung mit dem Thema der <a href="http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/11/14/eine-direkte-beobachtung-eines-vagabundieren-planeten/">vagabundierenden Planeten</a> gefreut; also Planeten, die ganz allein und ohne Stern durchs All ziehen. Aber der Titel ist komplett irreführend &#8211; Astronomie kommt im Text überhaupt nicht vor!</p>
<p>Auch der Beitrag aus Weißrussland ist höchst peinlich. <i>Aljona Lanskaja</i> singt das Lied &#8220;Solayoh&#8221; (was immer auch das bedeuten mag). Darin heißt es:</p>
<blockquote><p><i>&#8220;Solayoh, solayoh, where the sun is always shining on ya<br />
We play-o, we play-o to the rhythm of a cha-cha<br />
Solayoh, solayoh, turn the music up, it’s gonna getcha<br />
We play-o, we play-o, we can make it on a hot night&#8221;</i></p></blockquote>
<p>Die Sonne scheint immer? Und es wird eine heiße Nacht? Was jetzt &#8211; entweder es ist Nacht oder die Sonne scheint immer. Das hat dann aber genau die gleichen katastrophalen Folgen hat wie die Sonne, die nicht aufgeht aus dem irischen Beitrag. Ernsthaft, hat denn hier niemand Ahnung von grundlegender Himmelsmechanik? Aber immerhin scheint Aljona Lanskaja bewusst zu sein, dass sie Unsinn singt, denn im Text heißt es weiter:</p>
<blockquote><p><i>&#8220;It feels like I’m dreaming, this world makes no sense.&#8221;</i></p></blockquote>
<p>Allerdings! Und dabei ist das schon der zweite Beitrag aus Weißrussland. Ursprünglich wollte man mit dem Lied &#8220;Rhythm of Love&#8221; antreten. Das hätte zwar mehr Wissenschaft enthalten, war aber auch nicht gut ausgearbeitet:</p>
<blockquote><p><i>&#8220;The music stops, turn up a chemical reaction<br />
It got me moving, going in a new direction.</p>
<p>I’m so hypnotized, your beautiful eyes<br />
Are reading my mind, x-raying my feelings</p>
<p>Rhythm of love, swaying me slow<br />
I feel electric charge is running through my soul.&#8221;</i></p></blockquote>
<p>Eine &#8220;chemische Reaktion&#8221;? Ja aber welche? Wo ist die Summenformel? Welche Elemente sind beteiligt? Und Frau Lanskaja will <i>Gefühle</i> röntgen? Wie soll das denn funktionieren. Und über die elektrische Ladung der Seele will ich lieber gar nichts sagen. Nein, Weißrussland wird mit Sicherheit den Wettbewerb nicht gewinnen.</p>
<p>Der Beitrag aus Dänemark dagegen fängt recht vielversprechend an. <i>Emmelie de Forest</i> singt das Lied &#8220;Only Teardrops&#8221;:</p>
<blockquote><p><i>&#8220;The sky is red tonight<br />
We’re on the edge tonight<br />
No shooting star to guide us&#8221;</i></p></blockquote>
<p>Offensichtlich macht sich Emmelie de Forest gerade bereit für eine astronomische Beobachtungsnacht. Sie betrachtet den Sonnenuntergang von einer Art Bergflanke aus. Ein guter Platz, um den Himmel zu beobachten. Aber wenn die Sonne noch am Himmel steht, ist es auch nicht verwunderlich, wenn da noch keine Sternschnuppen sind. Frau de Forest ist offensichtlich keine erfahrene Beobachterin und das zeigt sich auch im Rest des Liedes. Da gehts nur wieder um Liebe und Gefühle und anderen komischen Kram. Und das bei diesem guten Anfang. Schade, Dänemark!</p>
<p>Die Band <i>PeR</i> aus Lettland ist im Halbfinale ausgeschieden und das völlig zu Recht. Ihr Lied &#8220;Here We Go&#8221; macht schon in der ersten Strophe nicht den geringsten astronomischen Sinn: </p>
<blockquote><p><i>&#8220;Ladies and Gentlemen, I need a starlight<br />
‘Cause never have I had a day without a fight.&#8221;</i></p></blockquote>
<p>Auch <i>Hannah</i> aus Slovenien hat es nicht ins Finale geschafft. Kein Wunder, bei konfusen Texten wie diesen, die wieder ein völlig mangelhaftes Verständnis der speziellen Relativitätstheorie zeigen:</p>
<blockquote><p><i>&#8220;Faster than light, here comes the night<br />
Tomorrow is now.&#8221;</i></p></blockquote>
<p>Eine ähnliche Mogelpackung wie der Beitrag aus Armenien kommt auch aus der Ukraine. Das Lied von <i>Zlata Ognevich</i> trägt den Titel &#8220;Gravity&#8221;. Aber erfährt man darin etwas über die allgemeine Relativitätstheorie von Einstein? Oder wenigstens etwas über die Arbeit von Isaac Newton? Nein, natürlich nicht! Es geht schon wieder nur um Liebe und der Refrain ist reines Gestammel (&#8220;Hey… sha… Ah yeah… lele… See… lele…&#8221;). </p>
<p>Nein, der ganze Eurovision-Songcontest ist aus astronomischer Sicht völlig unzureichend. Kein einziges Lied mit brauchbaren Texten. Immer nur Liebe und Gefühle und nicht die geringste vernünftige Astronomie. Ich kann nicht verstehen, warum das trotzdem so viele Leute ansehen&#8230;</p>
<p>Der einzige Beitrag der halbwegs brauchbar ist, stammt aus Moldawien. Im Lied &#8220;O mie&#8221; besingt man den harten Alltag der beobachtenden Astronomen:</p>
<blockquote><p><i>&#8220;A thousand sunsets lost in the sea, lost within us<br />
A thousand sun rays used to bring morning light on our eyelashes<br />
A thousand shooting stars captured our gaze<br />
A thousand secular nights vanished away in the skies, but we stood by<br />
Between sun and rain, thousands of colours are born, but we only see clouds.&#8221;</i></p></blockquote>
<p>Ja, die Kolleginnen und Kollegen werden das kennen. Tausende Sonnenuntergänge, tausende Sonnenaufgänge und dazwischen nur Regen und Wolken. Aber &#8220;we stood by&#8221;! Die echten Astronomen lassen sich davon nicht entmutigen und beobachten weiter! Und die moldawische Sängerin scheint eine echte Astronomin zu sein. Immerhin heißt sie <i>Aliona Moon</i>. Moon!</p>
<p>Es ist eigentlich eine ziemlich klare Sache. &#8220;O mie&#8221; aus Moldawien ist das einzige ernstzunehmende Lied bei diesem Wettbewerb. Moldawien wird klar und deutlich gewinnen. Die anderen Länder haben sich einfach nicht genug Gedanken über Astronomie gemacht. Dabei könnte man das so leicht ändern. Die Konkurrenz ist wirklich nicht hart &#8211; diese halbgaren wissenschaftlichen Texte kann jeder einigermaßen begabte Astronom leicht toppen! Aber seltsamerweise scheinen sich die Liedermacher und Texter kaum mit den Astronomen auszutauschen. Ich jedenfalls stehe gerne für Anfragen aller Art zur Verfügung! Dieses Jahr wird es zwar nichts, aber mit einem vernünftigen astronomischen Text gehört der Songcontest 2014 auf jeden Fall uns!<br />
&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br />
P.S. Bei der Übersetzung der diversen fremdsprachlichen Texte habe ich mich <a href="http://4lyrics.eu/eurovision/esc-2013/">an diese Seite</a> gehalten.<br />
P.P.S. Nein, der Artikel ist <i>nicht</i> ernst gemeint&#8230;<img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/68abe3f2740a4afd969f07ac023a1e28" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>#wjjc: Wer hat Lust auf einen Journal-Club für Wissenschaftsjournalisten? [Plazeboalarm]</title>
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		<pubDate>Wed, 15 May 2013 14:55:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcus Anhäuser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>

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		<description><![CDATA[Journal-Clubs sind regelmäßige Treffen an Universitäten und Forschungseinrichtungen, an denen  Studenten, Doktoranden und erfahrene Wissenschaftler über Fachartikel reden. Jedesmal stellt jemand ein Paper seiner Wahl vor, fasst es zusammen, geht auf die Stärken und Schwächen ein und stellt es dann zur Diskussion. Auf diese Weise lernen alle Beteiligten Fachartikel zu lesen und zu verstehen. Fachartikel&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Journal-Clubs sind regelmäßige Treffen an Universitäten und Forschungseinrichtungen, an denen  Studenten, Doktoranden und erfahrene Wissenschaftler über Fachartikel reden. Jedesmal stellt jemand ein Paper seiner Wahl vor, fasst es zusammen, geht auf die Stärken und Schwächen ein und stellt es dann zur Diskussion. Auf diese Weise lernen alle Beteiligten Fachartikel zu lesen und zu verstehen.</p>
<p>Fachartikel spielen auch im Wissenschafts- und Medizinjournalismus eine bedeutende Rolle. Auch wir müssen sie lesen, verstehen und die Ergebnisse einordnen. Das ist nicht immer ganz einfach, vor allem wenn man Paper erwischt, die nicht all zu viel mit dem zu tun haben, was man selber studiert hat oder über das man immer wieder mal berichtet.</p>
<p>Ein Training könnte uns allen also vielleicht ganz gut tun. Warum also nicht einen Journal-Club für Wissenschafts- und Medizinjournalisten veranstalten. Die Idee mündete heute morgen in einen Tweet. Aber seht selbst, was draus wurde:</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://scienceblogs.de/plazeboalarm/files/2013/05/Voila_Capture611.png"><img class="size-full wp-image-826 aligncenter" title="#wjjc Journal-Club" alt="" src="http://scienceblogs.de/plazeboalarm/files/2013/05/Voila_Capture611.png" width="545" height="1126" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Drei Kollegen hätten wir also schon mal zusammen. In der Gruppe real treffen ist zu aufwändig, also virtuell, da bietet sich wohl tatsächlich ein Google Hangout an. Bedeutet aber zugleich, dass nur mitmachen kann, wer bei Google+ ist. Außerdem ist die Teilnehmerzahl auf Neun beschränkt.</p>
<p style="text-align: left;">Wir sind offen für alle Möglichkeiten. Man muss sich vielleicht ja auch gar nicht auf wissenschaftlich-medizinische Fachartikel beschränken, warum nicht auch journalistische Beiträge vorstellen und besprechen, so wie Hristio vorschlägt.</p>
<p style="text-align: left;">Wer also Lust hat mit zu machen und/oder Ideen hat, wie wir das durchziehen könnten, soll sich einfach mal unten in den Kommentaren melden. Mal sehen was aus der Idee wird. Möglicherweise stellt sich auch raus, dass das gar nicht funktioniert, weil sowieso keiner Zeit hat oder die Idee einfach blöd ist. Aber wie sagte schon der &#8220;Kaiser&#8221; Franz: <em>&#8220;Schaun mer mal, dann sehn wa schon.&#8221;</em></p>
<p style="text-align: left;">Als Hashtag habe ich #wjjc für <strong>w</strong>issenschafts<strong>j</strong>ournalisten<strong>j</strong>ournal<strong>c</strong>lub festgelegt.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Lichtpioniere und Kristallkinder: Wir sind alle ganz besondere Menschen! [Astrodicticum Simplex]</title>
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		<pubDate>Wed, 15 May 2013 16:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Freistetter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Channeling]]></category>
		<category><![CDATA[Esoterik]]></category>
		<category><![CDATA[Indigokinder]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Wipplinger]]></category>
		<category><![CDATA[Kristallkinder]]></category>
		<category><![CDATA[Kryon]]></category>
		<category><![CDATA[Lichtarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Lichtpionier]]></category>
		<category><![CDATA[Video]]></category>
		<category><![CDATA[World of Warcraft]]></category>

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		<description><![CDATA[Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind wir alle ganz normale Menschen die ein normales Leben führen und jeden Tag normale Dinge machen. Und daran ist auch absolut nichts auszusetzen. Normalität ist nicht verwerflich. Das Leben ist eben kein Fantasyroman oder Spionage-Thriller wo Abenteuer und Aufregung auf jeder Seite lauern. Es kommt außerdem nicht so sehr darauf&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind wir alle ganz normale Menschen die ein normales Leben führen und jeden Tag normale Dinge machen. Und daran ist auch absolut nichts auszusetzen. Normalität ist nicht verwerflich. Das Leben ist eben kein Fantasyroman oder Spionage-Thriller wo Abenteuer und Aufregung auf jeder Seite lauern. Es kommt außerdem nicht so sehr darauf an, ob man ein &#8220;aufregendes&#8221; Leben führt oder nicht, sondern darauf, <i>wie</i> man mit diesem Leben umgeht. Der Alltag kann durchaus spannend sein; man muss nur aufmerksam und mit offenen Augen durch die Welt gehen (siehe <a href="http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2013/05/14/mit-dem-rad-von-bayern-bis-an-die-nordsee-und-die-wissenschaft-am-wegesrand/">zum Beispiel hier</a>). Und dann haben wir Menschen ja auch noch unsere Fantasie und können unseren Drang nach Abenteuer dort ausleben. Mit Filmen, Bücher, Spielen und diversen anderen Aktivitäten. Aber das scheint manchen nicht zu reichen. Sie wollen <i>wirklich</i> außergewöhnlich sein &#8211; und das am besten ohne die ganze Mühe, die man normalerweise auf sich nehmen muss, um diese Status im echten Leben zu erreichen. Sie flüchten sich daher in esoterische Welten, in denen sie das sein können, was sie schon immer sein wollten: Ein ganz besonderer Mensch!</p>
<p><span id="more-32185"></span></p>
<p>&#8220;Esoterik&#8221; bezeichnete ja ursprünglich mal ein &#8220;geheimes Wissen&#8221;, das nur einem kleinen und ausgewählten Personenkreis zugänglich war. Wer dieses esoterische Wissen besaß, gehörte zur Elite. Heute findet man die esoterischen Produkte zwar überall und sie sind für alle zugänglich; die Anhänger esoterischer Lehren sehen sich aber immer noch als Teil einer &#8220;Elite&#8221;, die mehr weiß als der Rest der Welt. Ein gutes Beispiel dafür sind die diversen &#8220;Lichtarbeiter&#8221;, also Menschen, die behaupten, telepathischen Kontakt mit verschiedenen außerirdischen oder überirdischen Wesen zu haben. <a href="http://www.kryonschule.de/" rel="nofollow"><i>Kryon</i> zum Beispiel</a>: </p>
<blockquote><p><i>&#8220;Ich bin KRYON vom magnetischen Dienst. Ich spreche durch das Medium und während sie meine Buchstaben niederschreibt, erhöhe ich jeden einzelnen Buchstaben mit meiner Energie, um euch in eurer Seele anzutreffen. Ihr werdet diese Energie spüren. Zu keiner Zeit hat je ein Engel selbst etwas geschrieben, immer hat er sich eines Mediums bedient und ich habe mir ein Medium gewählt, das meine Botschaften präzise an euch weitergibt.&#8221;</i></p></blockquote>
<p>Von einem außerirdischen Überwesen als Medium ausgewählt zu werden und seine Botschaften zum Wohle der Menschheit empfangen zu können ist natürlich eine coole Sache. Damit das klappt braucht man aber eine entsprechende Ausbildung, die man von den Lichtarbeiter natürlich gerne bekommt (gegen entsprechende Bezahlung natürlich). Wenn man ein &#8220;Lichtpionier&#8221; werden will, braucht man natürlich auch <a href="http://www.kryonschule.de/ursprungsname.html">einen passenden Namen</a>. Heinz Müller oder Susi Meier sind nicht geeignet, die kosmischen Botschaften zu empfangen. Nama’Teanus und Ana’Shakrija dagegen schon. Mit so einem Namen wird auch sofort jedem klar, dass man kein normaler Mensch mehr ist, sondern etwas besonderes! Und natürlich gibt es auch jede Menge beeindruckend klingende Titel. &#8220;Botschafter des Lichts&#8221; zum Beispiel oder &#8220;Elohim-Gotteskundschafter&#8221; (ich habe <a href="http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2011/12/19/ich-will-auch-botschafter-des-lichts-sein/">hier mehr darüber geschrieben</a>). Und wenn man dann Elina’Noheea, ein &#8220;Bewußtseinsmedium des Aufstiegs und des Erwachens&#8221; ist und der &#8220;Weißen Priesterschaft des Planetaren Logos&#8221; angehört, dann kann man endlich in der aufregenden Welt der esoterischen Überwesen leben. Man nimmt Teil am Aufstieg und Fall der transdimensionalen Völker und Föderationen, hört Geschichten über Atlantis, magnetische Reiche, Dimensionstore und Kristallwelten voller Engel. Man erkennt die <i>wahre</i> Welt und kann dem unerleuchteten Rest der Menschheit Botschaften von Licht und Liebe überbringen und so zur Rettung der Erde beitragen.</p>
<p>Daran wäre im Prinzip ja nichts auszusetzen. Der ganze Lichtarbeiter-Kram unterscheidet sich kaum von dem, was Millionen Menschen jeden Tag zum Beispiel in Rollenspielen wie &#8220;World of Warcraft&#8221; tun. Auch dort schlüpft man in eine andere Rolle, erlebt in einer Fantasiewelt aufregende Abenteuer und kann dem Alltag ein wenig entkommen. Aber die Lichtarbeiter spielen ja leider kein Spiel, sondern halten ihre Welt für real. Sie glauben, die Kommunikation mit den Überwesen könne ihnen besondere Fähigkeiten verleihen und <a href="http://www.kryonschule.de/neue-berufe.html">nennen sich</a> &#8220;Bioenergietherapeut&#8221;, &#8220;Heiler der Syron-Frequenz&#8221; oder &#8220;Heiler der Neuen Zeit&#8221;. Mit ihren angeblich speziellen Fähigkeiten wollen sie kranke Menschen heilen und da wird die Sache dann gefährlich. Aber man könnte immer noch argumentieren, dass es sich um erwachsene Menschen handelt. Wenn da jemand viel Geld ausgeben will, um &#8220;Hiam’Anastra – Meister der Aspekte&#8221; zu werden und andere Menschen viel Geld ausgeben wollen, um sich von so einem &#8220;Meister&#8221; behandeln zu lassen, dann ist das ihre Sache. Aber leider werden auch Kinder in die esoterische Zauberwelt hinein gezogen.</p>
<p>Wenn es um die eigenen Kinder ist ja jeder &#8211; egal ob Esoteriker oder nicht &#8211; fest davon überzeugt, dass sie etwas besonders sind. Und das stimmt ja auch: Das eigene Kind IST für die Eltern ein ganz besonderer Mensch. Und es ist nur natürlich, dass wir davon überzeugt sind, dass unsere Kinder schöner, klüger und besser sind, als die Kinder anderer Leute. Einen Schritt weiter gehen aber die Eltern, die behaupten, ihr Nachwuchs wäre ein &#8220;Indigokind&#8221; oder ein &#8220;Kristallkind&#8221;. Das sollen Kinder eines neuen Zeitalters sein; Kinder, die auf einem höheren geistigen Niveau stehen als der Rest der Menschheit. Kinder, die nicht von dieser Welt sind und die Welt zu einer besseren Welt machen werden. Jörg Wipplinger erklärt in seinem Videoblog <a href="http://www.diewahrheit.at/video/kristallkinder-indigokinder-regenbogenkinder">&#8220;Die Wahrheit&#8221;</a> ausführlich, wer und was diese Kinder sein sollen:</p>
<p><center><iframe width="500" height="281" src="http://www.youtube.com/embed/P49h1NMridw" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></center></p>
<p>Wie gesagt: Es ist normal, dass Eltern ihre Kinder für ganz besondere Wesen halten. Das ist auch gut so, denn Kinder brauchen die Aufmerksamkeit und Zuwendung ihrer Eltern. Wenn aber einem Kind ernsthaft eingeredet wird, dass es ein &#8220;höheres Wesen&#8221; ist und dereinst die Welt verändern wird, dann kann das für seine Entwicklung nicht gut sein. Und von den ganzen Produkten und Seminaren die zu diesem Thema angeboten werden und mit denen man an das Geld der leichtgläubigen Eltern kommen möchte, will ich gar nicht erst anfangen&#8230;</p>
<p>Die echte Welt ist spannend genug und viel spannender als jede Fantasiewelt, die man sich ausdenken kann. Kinder SIND besondere Menschen (Erwachsene übrigens auch). Und wie ich <a href="http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2013/01/14/kammerton-aa-kinder-verarschen-mit-esoterik-und-der-hilfe-der-schule/">anderswo</a> schon geschrieben habe: Kinder haben ein Recht darauf, nicht verarscht zu werden. Man sollte den Kindern die echte Welt zeigen und ihnen nicht einreden, dass sie in einer Fantasiewelt leben&#8230;<img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/21d11a8abb544f55a6f965df716362d4" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Molekulare Ballistik zieht Kreise [blooDNAcid]</title>
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		<pubDate>Tue, 14 May 2013 16:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cornelius Courts</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Forensik]]></category>
		<category><![CDATA[forensische Ballistik]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Persönlich]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach der Vorstellung unserer Forschungsarbeiten zur molekularen Ballistik im Deutschlandfunk am 26.02. und in Quarks &#38; Co am 30.04. wurden auch andere Medien auf das Projekt aufmerksam. Am 03.05.13 erschienen auf NGZ online diese zwei Artikel: &#160; &#160; &#160; &#160; &#160; &#160; &#160; &#160; &#160; &#160; &#160; &#160; Und heute zierte den Bonner Express folgende&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Nach der Vorstellung unserer Forschungsarbeiten zur molekularen Ballistik im <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sprechstunde/2021956/">Deutschlandfunk</a> am 26.02. und in <a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/2013/04/30/heute-bei-quarks-und-co/">Quarks &amp; Co</a> am 30.04. wurden auch andere Medien auf das Projekt aufmerksam.</p>
<p>Am 03.05.13 erschienen auf NGZ online <a href="http://www.ngz-online.de/neuss/nachrichten/mord-in-neuss-experten-untersuchen-tatwaffe-1.3373648">diese</a> <a href="http://www.ngz-online.de/neuss/nachrichten/dna-in-waffe-ueberfuehrt-dreifachmoerder-1.3372885">zwei</a> Artikel:</p>
<p><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/NGZ1.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1416" alt="NGZ1" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/NGZ1.jpg" width="270" height="349" /></a> <a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/NGZ2.jpg"><img class="size-full wp-image-1415 alignleft" alt="NGZ2" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/NGZ2.jpg" width="266" height="385" /></a></p>
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<p>Und heute zierte den Bonner <a href="http://www.express.de/duesseldorf/familiendrama-in-neuss-haut-spuren-an-waffe-belegen-dreifach-mord,2858,22760338.html">Express </a>folgende Titelseite:</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/487413_4708821208264_1443961019_n.jpg"><img class="wp-image-1429 aligncenter" alt="487413_4708821208264_1443961019_n" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/487413_4708821208264_1443961019_n.jpg" width="576" height="432" /></a></p>
<p>und drin ist ein Artikel mit dem schönen Titel &#8220;Ein Biologe bringt Waffen zum Sprechen&#8221;, der den <a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/2013/02/27/dna-aus-dem-waffeninneren-in-einem-fall-von-mehrfachmord/">Neusser Fall </a>noch einmal ein wenig vereinfacht und im Express-Stil nacherzählt.</p>
<p>Wer immer noch nicht genug hat, kann <del>den heutigen</del> möglicherweise irgendeinen Feierabend in Zukunft mit einem Beitrag in der Lokalzeit Bonn im WDR Fernsehen um 19.30 Uhr einleiten, der heute bei uns gedreht wurde gedreht wurde. (<em>Memo an mich</em>: den Typen von Lokalzeit nie wieder glauben bzgl. angeblicher Sendetermine &#8211; am besten gar nicht mehr mit denen arbeiten. Beim <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2011/09/heute-im-tv-1.php">letzten Mal</a> war es genau derselbe Mist&#8230;)</p>
<p style="text-align: center;">_________________</p>
<p>Uns freut so ein Medienecho sehr, weil unsere Methode und ihre Möglichkeiten durch die Erwähnung in diesen Medien, die viele unterschiedliche Menschen erreichen dürften, zu größerer Bekanntheit und, so hoffen wir, vor allem zu vermehrter Anwendung in der Routinearbeit der Spurensicherung und kriminaltechnischen Dienste gelangt. Als Wissenschaftler wollen wir mit unseren Erkenntnissen kein Geld verdienen aber sie auch nicht für uns behalten, sondern, daß möglichst viele Menschen davon erfahren und letztlich profitieren.</p>
<p><em>Übrigens und falls hier tatsächlich/zufällig ein/e Politiker/in liest:</em> ohne die enge Zusammenarbeit zwischen meinem Kollegen (der Rechtsmediziner und Ballistiker ist) und mir unter dem gemeinsamen Dach eines <a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/2013/03/11/rechtsmedizin-weiterhin-hip-und-in-bedrangnis/">Instituts für Rechtsmedizin</a> wären diese Ergebnisse, die wir trotz aller finanziellen und personellen Bedrängnis, die der Rechtsmedizin aufgebürdet werden, trotzdem erzielen konnten, nicht möglich gewesen. Es liegt im öffentlichen Interesse, solche Institute zu erhalten!<br />
<img alt="" src="http://vg02.met.vgwort.de/na/d9014e5cf6e9483ea80bccf2732b169f" width="1" height="1" /></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Warum wir nie etwas ändern sollten [Hier wohnen Drachen]</title>
		<link>http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2013/05/13/warum-wir-nie-etwas-andern-sollten/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=warum-wir-nie-etwas-andern-sollten</link>
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		<pubDate>Mon, 13 May 2013 17:46:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinB</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[blog]]></category>
		<category><![CDATA[Diskussion]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/?p=2238</guid>
		<description><![CDATA[In den letzten Tagen ging es hier ja bei einigen Debatten auf den Scienceblogs heiß her &#8211; zum einen zum Thema Beschneidung, zum anderen bei der Geschlechtergerechtigkeit der Sprache. Ich habe auch fleißig mitgemischt und diskutiert. Was eigentlich komisch ist, denn weder habe ich eine abschließende Meinung, wie genau geschlechtergerechte Sprache aussehen sollte, noch dazu,&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>In den letzten Tagen ging es hier ja bei einigen Debatten auf den Scienceblogs heiß her &#8211; zum einen zum <a href="http://scienceblogs.de/primaklima/2013/05/08/1468/">Thema Beschneidung</a>, zum anderen bei der <a href="http://scienceblogs.de/geograffitico/2013/05/09/generische-sprache-oder-das-aus-fur-den-schneemann">Geschlechtergerechtigkeit der Sprache</a>. Ich habe auch fleißig mitgemischt und diskutiert. Was eigentlich komisch ist, denn weder habe ich eine abschließende Meinung, wie genau geschlechtergerechte Sprache aussehen sollte, noch dazu, wie die Güterabwägung bei der Beschneidung aussehen sollte. (Ich bin aber nach wie vor mit dem Großteil dessen, was ich geschrieben habe, einverstanden) Warum rege ich mich also auf?</p>
<p><span id="more-32168"></span></p>
<p>Wenn ich an diese und andere Debatten zurückdenke, dann liegt es vielleicht an etwas Grundsätzlichem: Es sind immer ganz ähnliche Argumente, die mir auf die Nerven gehen. Vielleicht, weil ich generell etwas gegen schlechte Argumente habe. Und vielleicht, weil ich schon so oft gegen Leute argumentiert habe, die auf keinen Fall etwas am status quo ändern wollten. Und da zeigen beide Diskussionen doch deutliche Parallelen. Dieselben Argumente findet man auch in Diskussionen zu anderen Themen, beispielsweise bei Debatten zum Thema Religion/Atheismus.</p>
<p>Deshalb hier die Top Zwölf der Argumente gegen jede Veränderung (eingeteilt in 4 Gruppen)</p>
<p><strong>Das war schon immer so</strong></p>
<p>Das ist natürlich das Hauptargument für den Status Quo. Leibnitz hat ja gesagt, unsere Welt sei die beste aller möglichen und Adenauer ist mit &#8220;keine Experimente&#8221; auch  gut gefahren.</p>
<p>Das Argument kommt in drei Varianten:</p>
<p><em>1. Eigentlich ist doch alles gut so, wie es ist.</em></p>
<p>Man kann anführen, dass der status quo doch so wie er ist vollkommen in Ordnung ist. Was ist denn soo schrecklich schlimm an einer nicht geschlechtergerechten Sprache? Was ist denn soo schrecklich schlimm an einer Beschneidung (einige versuchen ja sogar zu argumentieren, dass die auch gar nicht weh tut, selbst ohne Betäubung). Natürlich findet diese Argumentation nahezu immer aus der Sicht der Nicht-Betroffenen statt (auch die Beschnittenen sind ja zumindest von den akuten Schmerzen der Beschneidung nicht mehr betroffen und kennen den Zustand nicht anders): Mich stört&#8217;s nicht, also sollte es Dich auch nicht stören. Natürlich verkennt das Argument, dass Menschen eben nicht alle gleich sind &#8211; was der eine toll findet, findet der andere schrecklich. Beim Rauchen akzeptieren wir zum Glück auch nicht mehr, dass Raucher sagen &#8220;Ich mag&#8217;s riechen, also musst du es auch riechen mögen.&#8221; Offensichtlich gibt es Leute, die der status quo stört, sonst würde man nicht drüber reden. Das einfach zu negieren ist jedenfalls kein Argument.</p>
<p><em>2. Bisher hat das auch niemanden gestört</em></p>
<p>Ein Großteil der Artikel, die sich für ein Recht auf Beschneidung aussprachen, fing mit einem Satz an wie &#8220;Bis vor ein paar Monaten hat sich niemand&#8230;&#8221; Das ist natürlich ein besonders praktisches Argument, denn damit kann man wirklich jede Änderung im Keim ersticken &#8211; irgendwann ist ja immer das erste Mal, dass jemand einen Zustand kritisiert. Das Bewusstsein für Probleme ändert sich im Laufe der Zeit und irgendwann erkennt jemand &#8220;Hey, das ist so aber nicht in Ordnung&#8221;. Ja, vielleicht hätten wir es schon früher ändern sollen. Aber besser spät als nie.</p>
<p><em>3. Das hat sich historisch so entwickelt</em></p>
<p>In anderem Kontext kennt man das als den naturalistischen Fehlschluss: Weil etwas sich historisch/natürlich so entwickelt hat, ist es auch gut. Deswegen gehören Frauen in die Küche (war schon immer so, ist auch natürlich, weil Frauen sich nun mal um Kinder kümmern, sieht man auch im Tierreich), und deswegen muss die Sprache auch so bleiben wie sie ist. Religiöse Traditionen sind aus dem gleichen Grund zu schützen, dafür sind&#8217;s ja Traditionen.</p>
<p>Den Grundsatz &#8220;Das war schon immer so&#8221; gibt es übrigens auch in der Formulierung &#8220;Wo kämen wir denn da hin&#8221;, &#8220;Das haben wir ja noch  nie gemacht&#8221; und &#8220;Da könnte ja jeder kommen&#8221; &#8211; gern auch mal alle hintereinander (habe ich schon erlebt).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Das ist doch gar nicht so schlimm&#8230;</strong></p>
<p>Die zweite wichtige Strategie ist das Bagatellisieren des Problems (hatten wir eben schon in ähnlicher Weise unter dem Punkt &#8220;eigentlich ist doch alles gut so&#8221;). Auch da gibt es verschiedene Varianten:</p>
<p><em> 4. Wenn das so schlimm  wäre, hätte man das längst geändert</em></p>
<p>Das ist letztlich eine Kombination aus den obigen Argumenten 1 und 3: Da sich das so lange gehalten hat, kann es ja so schlimm nicht sein &#8211; auch früher waren die Menschen ja klug und hätten etwas schlimmes ja nicht geduldet. Nun ja, die Römer haben auch viele Hundert Jahre Sklaven gehalten und die Azteken haben auch lange Zeit Menschen geopfert &#8211; und auch diese Dinge, obwohl hoffentlich unbestritten schlimm, hat man lange Zeit nicht geändert. (Und nein, das ist keine Gleichsetzung von Sprachregelungen mit Menschenopfern, sondern eine Erklärung, warum ein Argument der Struktur &#8220;wenn das so schlimm wäre&#8221; nicht funktioniert: Wenn&#8217;s selbst bei Menschenopfern nicht geklappt hat, warum dann bei harmloseren Dingen?)</p>
<p><em>5. Andere Dinge sind viel schlimmer</em></p>
<p>Meist kommt dieses Argument zusammen mit einem &#8220;Warum regt ihr euch denn ausgerechnet darüber auf?&#8221; Ihr setzt euch für arme Kinder in Deutschland ein? Aber anderswo haben Kinder nicht mal was zu essen und verhungern, das ist doch viel schlimmer.  Das Dumme ist nur &#8211; es gibt immer etwas, das noch schlimmer ist. Und erstaunlicherweise sind die, die sagen &#8220;Kümmert euch doch lieber um X&#8221; selten die, die sich selbst um X kümmern.</p>
<p><em>6. Einige Betroffene sind aber auch zufrieden</em></p>
<p>In Debatten zum Thema Feminismus hören wir oft und gern das Argument (von Männern, logischerweise) &#8220;Meine Frau findet aber auch&#8230;&#8221; Ja, es gibt Frauen, die den Feminismus unnötig finden. Es gibt Beschnittene, die damit zufrieden sind (siehe oben). Es gab vermutlich sogar im 19. Jahrhundert in den USA Sklaven, die gegen eine Sklavenbefreiung waren. Wenn wir verlangen, dass erst sämtliche Angehörige der betroffenen Gruppe überzeugt werden müssen, bevor wir etwas ändern, dann können wir lange warten &#8211; aber das ist ja auch das Ziel des &#8220;Arguments&#8221;. Und gerade bei Debatten zum Thema Feminismus oder Rechte von Minderheiten schwingt hier immer die Annahme mit, dass natürlich alle X gleich sind (Frauen sind so, Schwarze sind so&#8230;).</p>
<p><strong>Selbst wenn es ein Problem wäre, könnten wir es nicht lösen</strong></p>
<p>Als dritte Generalstrategie kann man leugnen, dass sich überhaupt etwas ändern lässt. Dazu gibt&#8217;s zwei Varianten:</p>
<p><em>7. Der Vorschlag löst nicht alle Probleme, also löst er keine Probleme</em></p>
<p>Gut, vielleicht ist geschlechtergerechte Sprache ein (wenn auch kleines) Problem. Aber es gibt keine perfekte Lösung des Problems, weil wir immer eine Formulierung finden werden, die hinterher unschöner ist als vorher. Auch das ist ein beliebtes Argument &#8211; die vorgeschlagene Lösung muss bitte perfekt sein. Solange man noch einen Fall X konstruieren kann oder eine auch noch so kleine negative Auswirkung Y findet (in der Politik gern &#8220;das vernichtet Arbeitsplätze&#8221;, das passt ja fast immer, weil man immer irgendeine Branche findet, die unter einer Änderung leiden könnte), solange kann man die Lösung natürlich nicht durchsetzen.</p>
<p><em>8. Wir können das erst machen, wenn wir alle Details geklärt haben</em></p>
<p>Bei der Beschneidungsdebatte wurde z.B. gefragt, wie denn die Strafverfolgung aussehen soll und ob man vielleicht ein Melderegister für Juden einführen müsste. (Ja, auf dem Niveau wurde da argumentiert.) Natürlich kann man so etwas im Vorfeld nicht in allen Details klären (außer das mit dem Melderegister&#8230;) &#8211; das war ja ähnlich, als zum Beispiel die Prügelstrafe verboten wurde. Oder auch beim Thema <a href="http://www.grundrechte-report.de/1998/inhalt/details/back/inhalt-1998/article/keine-privatsache-vergewaltigung-in-der-ehe-1/">Vergewaltigung in der Ehe</a>, da wurde zunächst über eine &#8220;Versöhnungsklausel&#8221; nachgedacht, die wurde dann aber wieder fallen gelassen. Erst musste der Wille da sein, etwas zu ändern, dann konnte man die Details aushandeln. Die Umsetzung von Änderungen ist manchmal schwierig (wie ja auch bei der geschlechtergerechten Sprache, wo es durchaus unterschiedliche Ansätze gibt) &#8211; das ändert aber nichts an ihrer Notwendigkeit (wenn die denn gegeben ist).</p>
<p><strong>Die Befürworter der Änderung sind dubiose Gestalten</strong></p>
<p>Wenn sonst nichts mehr hilft, dann kann man natürlich diejenigen in Zweifel ziehen, die für die Änderung sind.</p>
<p><em>9. Gutmenschen und PCler</em></p>
<p>Der wohl noch harmloseste Vorwurf ist der des &#8220;Gutmenschen&#8221; oder der &#8220;political correctness&#8221;. Was daran so schlecht sein soll, ein guter Mensch zu sein, erschließt sich mir zwar nicht &#8211; aber vermutlich ist gemeint, dass jemand sich das &#8220;gut sein&#8221; auf die Fahnen schreibt, nur um sich selbst besser fühlen oder sonst etwas erreichen zu können. (Ich glaube Jörg Rings von Diax&#8217;s Rake wurde mal gesagt, er würde sich ja nur deswegen für Frauenrechte einsetzen, um Frauen rumzukriegen.) Das ist natürlich ein Vorwurf, den man kaum entkräften kann (deswegen ist es ja ein Argument-Stopper) &#8211; denn man will die Änderung ja tatsächlich erreichen, weil man sie für &#8220;gut&#8221; hält. Du bist gegen Sklaverei? Gutmensch? Gegen die Todesstrafe? Gutmensch. Gegen getrennte Sitzbänke für Schwarze und Weiße? Alles nur political correctness.</p>
<p><em>10. Ihr seid alle Extremisten</em></p>
<p>Keine moderne Feminismus-Debatte kommt ohne Worte wie Feminazi und Kampf-Emanze aus (auch unser aktuelles Beispiel nicht). Und bei der Beschneidungsdebatte wurde ja auch gern die Anti-Semitismus-Keule herausgekramt. Auch dieses Mittel ist praktisch universell einsetzbar &#8211; es gibt immer irgendeinen Extremstandpunkt, der die gerade zur Debatte stehende Änderung befürwortet. Also kann man alle, die die Änderung wollen, prophylaktisch erst einmal mit diesem Standpunkt identifizieren oder sie zumindest in dessen Nähe rücken. Jetzt kann sich der Beschneidungsgegner oder die Feministin erst mal selbst rechtfertigen. (In der Beschneidungs-Debatte wurde die Debatte gerade von den Befürwortern gern auf die jüdische Beschneidung eingeengt, damit genau dieser Mechanismus leichter greift.) Auch dieses Argument kann man natürlich immer anführen &#8211; Mediziner sind alle kleine Mengeles, Wissenschaftler wollen alle nur Atombomben bauen, usw. Es gibt immer einen Extremisten, der einen bestimmten Standpunkt teilt &#8211; &#8220;und Hitler war auch Vegetarier, nehmt das, ihr fleischverweigernden Gutmenschen!&#8221;</p>
<p><em>11. Ihr seid doch gar nicht betroffen</em></p>
<p>Das klappt natürlich nicht immer, aber durchaus manchmal &#8211; Männern, die sich für Frauenrechte stark machen, oder Nicht-Juden bzw. -Moslems, die sich zur Beschneidung äußern, kann man natürlich sagen, dass sie damit doch gar nichts zu tun haben und dass die Betroffenen das schon selbst regeln können. (Und dann kann man das &#8220;Wenn das so schlimm wäre&#8230;&#8221;-Argument von oben hinterher schieben.) Lässt sich prima mit dem Gutmenschen-Verdacht koppeln. Natürlich verkennt dieses Argument, dass eine Welt, in der die anzustrebende Änderung durchgesetzt wird, für alle besser sein mag (ja, auch Männer leiden unter dem Patriarchat, auch für Nicht-Juden oder -Moslems mag ein Land, in dem religiöse Spezialgesetze klar geregelt und diskutiert werden, ein besseres Land zum Leben sein.)</p>
<p><em>12. Nicht in diesem Ton!</em></p>
<p>Irgendwann wird so eine Diskussion auch mal laut. Oder echte Proteste werden heftig, wie beim civil rights movement in Amerika. Auch Atheisten bekommen ja gern zu hören <a href="http://freethoughtblogs.com/greta/2012/05/15/wayasa/">&#8220;Warum seid ihr so zornig?&#8221; </a>  Statt die Inhalte anzugreifen, greift man lieber den Ton an &#8211; neudeutsch nennt man das &#8220;tone trolling&#8221;. Ob ein Argument gut ist oder nicht, hat aber natürlich nichts mit dem Tonfall zu tun, in des es vorgetragen wird (eine ziemlich unflätige Variante, die das illustriert, findet ihr <a href="http://freethoughtblogs.com/pharyngula/2012/12/12/thats-not-a-response-michael-its-a-denial/comment-page-2/#comment-513173">hier</a>). Und manchmal lässt sich Veränderung eben nur gegen Widerstände durchsetzen. So oder so, der Ton macht zwar vielleicht die Musik, aber nicht das Argument. (Was aber nicht heißt, dass jeder Angriff und jede Beleidigung eines anderen in Ordnung geht &#8211; es heißt nur, dass das nichts mit dem Argument zu tun hat.)</p>
<p>Diese 12 wunderbaren Argumentstopper sollten eigentlich helfen, jede Veränderung im Keim zu ersticken. (Einen Großteil davon habe ich auch bei Gremien- und sonstigen Sitzungen an der Uni erlebt.) Falls ich noch welche vergessen habe, hinterlasst sie doch in den Kommentaren.</p>
<p>Ach so, damit niemand etwas falsch versteht (frommer Wunsch, ich weiß): Natürlich heißt dieser Text hier nicht, dass man immer alles ändern muss. Ob eine Änderung notwendig ist oder nicht, dazu muss man schon Argumente austauschen. Hier habe ich die Sätze aufgelistet, die normalerweise mit dem Ziel gesagt werden, eine inhaltliche Diskussion zu unterbinden.</p>
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		<title>Von der 22. GWUP-Konferenz in Köln [blooDNAcid]</title>
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		<pubDate>Sun, 12 May 2013 16:00:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cornelius Courts</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Esoterikkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Homöopathie]]></category>
		<category><![CDATA[Persönlich]]></category>
		<category><![CDATA[Skeptizismus]]></category>
		<category><![CDATA[Tagung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich hatte ja schon vor einer Weile angekündigt, daß vom  9. bis 11. Mai im Mediapark in Köln die 22. GWUP Konferenz mit dem Titel „Pseudotherapien“ stattfindet. Ich habe die Konferenz besucht und berichte hier ein wenig von meinen Eindrücken und den für mich besonders interessanten Vorträgen: Donnerstag, 9.5. / Publikumstag zu finden war der&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hatte ja schon <a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/2013/04/25/22-gwup-konferenz-in-koln/">vor einer Weile </a>angekündigt, daß vom  9. bis 11. Mai im Mediapark in Köln die <a href="http://www.gwup.org/infos/veranstaltungen/veranstaltungsarchiv/1164-gwup-konferenz-2013-pseudotherapien">22. GWUP Konferenz mit dem Titel „Pseudotherapien“ </a>stattfindet.</p>
<p>Ich habe die Konferenz besucht und berichte hier ein wenig von meinen Eindrücken und den für mich besonders interessanten Vorträgen:</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Donnerstag, 9.5. / Publikumstag</span></p>
<p>zu finden war der Tagungsort am ersten Tag der Konferenz nicht so leicht. Es gab zwar eine Wegbeschreibung, aber auf dem Gelände selbst fanden sich weder Plakate, Poster, Flaggen noch Aufsteller. Nur ein DinA4-großer Flyer, der verschämt hinter eine Glastür geklemmt war, verriet, wo man hinein mußte und man sah nicht wenige Teilnehmer ratlos auf Wegbeschreibungen und Smartphones starrend auf dem Gelände umherirren. Wir haben den Eingang aber glücklicherweise noch rechtzeitig zum ersten interessanten Vortrag gefunden, denn darin stellten die <a href="http://www.hoaxilla.com/team/">Hoaxillas</a>, Alexa und Alexander, die ich schon <a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/2013/05/05/kurzes-fazit-zum-deutschen-humanistentag/">letzte Woche in Hamburg</a> getroffen hatte, &#8220;Düstere Legenden&#8221; vor: sie erklärten die Unterschiede zwischen Legenden, Mythen, Sagen, Märchen und Urban Myths und beschrieben, wie und warum düstere Legenden wie die von <a href="http://www.hoaxilla.com/hoaxilla-124-bloody-mary/">Bloody Mary</a> entstehen und welche psychologischen Hintergründe sie haben könnten. Zum Schluß forderten sie das Publikum auf, bei einer Reihe von merkwürdigen Geschichten abzustimmen, ob es sie für wahr oder eine &#8220;düstere Legende&#8221; hielt. Wir schlugen uns ganz gut, aber beim <a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/2012/07/30/von-vier-arten-den-kopf-zu-verlieren/">kopflosen Fahrer auf dem Parkplatz </a>wußten nur wenige die Lösung <img src='http://cf-global-posts.example.com/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Anschließend gab <a href="http://www.sebastian-bartoschek.de/cms/blog.php">Sebastian Bartoschek</a> einen sehr unterhaltsamen Vortrag über <a href="http://www.ghosthunter-nrw.de/">Geisterjäger in Deutschland</a>. Er berichtete über ihre Methoden, Motive und bisherigen (überschaubaren) Erfolge und schloß mit einer skeptischen Kritik des ganzen Unterfangens ab. Wer mehr darüber wissen möchte, kann sich das <a href="https://twitter.com/geisterjagdbuch">demnächst erscheinende Buch</a>, das er mit Alexa Waschkau darüber geschrieben hat, besorgen.</p>
<p>Danach trat <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Benecke">Mark Benecke</a> auf und unterhielt uns mit &#8220;Seltsamen Dingen&#8221; einem par-force Ritt in seinem eigenen, mitreißenden Stil durch eine Reihe von Themen wie z.B. dem Vorteil multidisziplinären Denkens, Blutspuren und Vampiren, Tod durch Kreuzigung und Pfählen, Vlad Tepes und seine ungustiösen Hobbies, psychologische Kriegsführung, was mit Leichen nach dem Tod passiert, <a href="http://de.screen.yahoo.com/kalkofe-br%C3%BCste-die-den-atem-080000185.html">tödlichen Brüsten, </a>skeptischem Denken und was passiert, wenn man es nicht anwendet und dem schlechten Musikgeschmack von vermeintlichen Nazi-Satanisten, die nach Einnahme von Psychopharmaka auch wieder rote Klamotten tragen konnten.</p>
<p>Mark kehrte danach auch gleich auf die Bühne zurück, hinzu kamen noch die Hoaxillas und Sebastian Bartoschek und sie alle ließen sich zusammen mit dem Publikum von <a href="http://www.gwup.org/component/content/article/44-whoiswho/865-wiw-bernd-harder">Bernd Harder</a> Rätsel aufgeben, die gemeinsam unter Anstrengung des soeben trainierten skeptischen Verstands zu lösen waren. Z.B. wie es einer US-amerikanischen Wahrsagerin möglich war, das Todesjahr von Michael Jackson vorherzusehen und wie es sein konnte, daß ein Skeptiker und seine Frau nach langem Schweigen während einer Autofahrt exakt gleichzeitig an exakt dasselbe dachten.</p>
<p>Die Zaubervorstellung am Abend habe ich dann zugunsten geselliger (Malz-)Bierzufuhr in illustrer Runde mit Mark, Sebastian, den Hoaxillas,<a href="http://cloudpharming.blogspot.de/"> Claudia Graneis</a>, <a href="http://www.fnordwind.de/">Martin (von fnordwind)</a>, <a href="http://www.vivabritannia.de/">Sven (von Viva Britannia)</a> und anderen netten Leuten entfallen lassen. Wer da war und erzählen mag, wie es war, kann das gerne in den Kommentaren tun.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Freitag 10.05.:</span></p>
<p>Am Freitag kam ich gegen 15.30 Uhr am Konferenzort an</p>
<div id="attachment_1349" class="wp-caption alignnone" style="width: 482px"><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/ort-gwup.jpg"><img class=" wp-image-1349" alt="ort gwup" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/ort-gwup-1024x680.jpg" width="472" height="313" /></a><p class="wp-caption-text">so sah der Vorraum aus</p></div>
<p>und hörte mir als erstes den besorgniserregenden Vortrag von <a href="http://www.buerofreizeichen.de/index.php?page=vwp&amp;id=7&amp;ct=2">Heike Dierbach</a> an, die unter dem Titel &#8220;Vorsicht, Seelenpfuscher! Wie alternative Psychotechniken Patienten schädigen&#8221; die Erkenntnisse ihres <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/heike-dierbach-die-seelen-pfuscher-nachrichten-vom-wissenden-feld-1911512.html">Buches</a> zusammenfasste. Sie stellte die unüberschaubare Landschaft von unseriösen bis gefährlichen Therapieangeboten vor, die psychisch Erkrankten oder Hilfsbedürftigen feilgeboten werden.</p>
<p>Zwischen 20 bis 30 Tausend Praktizierende bieten, so Dierbach, rund 1000 Verfahren an, mit denen alle Probleme und Krankheiten zu behandeln seien. Die Anbieter seien mehrheitlich &#8220;Berufswechsler mit Heilpraktikerschein&#8221; aber auch manche ganz ohne Ausbildung sowie einige echte Psychotherapeuten und Ärzte.<br />
Als typische TeilnehmerInnen stellte sie &#8220;Frau Sommer&#8221; (32, Lehrerin, in Trennung lebend mit Kind, früher depressiv mit Missbrauchserfahrung als Kind) und &#8220;Herrn Winter&#8221; (44, Ingenieur, alleinstehend, erkrankt an Leukämie mit reellen Heilungschancen) vor und beschrieb im folgenden einige Therapieformen näher. Einiges davon war so bizarr, daß das Publikum immer wieder ungläubig ächzte oder halb belustigt, halb entsetzt die Köpfe schüttelte.</p>
<p>Ein besonders arger Scharlatan scheint ein Herr Hellinger zu sein, der das Buch &#8220;Ordnungen der Liebe&#8221; verbrochen hat aus dem folgende fassungslos machende Aussagen stammen</p>
<p><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/ordnungen-der-liebe-gwup.jpg"><img class="alignnone  wp-image-1350" alt="ordnungen der liebe gwup" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/ordnungen-der-liebe-gwup-1024x876.jpg" width="614" height="526" /></a></p>
<p>Weitere Beispiele für nutzlose bis völlig irrsinnige Pseudotherapien waren Geistheilung, Fernheilung, Rebirthing, &#8220;The Work&#8221;, Hoffman-Quadrinity-Prozess, Festhaltetherapie und psychologische Anti-Krebs-Therapien. Aber auch &#8220;<a href="http://psiram.com/ge/index.php/The_Secret?COLLCC=230349680&amp;">The Secret</a>&#8221; durfte nicht fehlen:</p>
<div id="attachment_1351" class="wp-caption alignleft" style="width: 348px"><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/secret-gwup.jpg"><img class="wp-image-1351 " alt="secret gwup" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/secret-gwup-1024x965.jpg" width="338" height="318" /></a><p class="wp-caption-text">kein Geheimnis</p></div>
<p>Häufig seien die Folgen für ernstlich kranke oder hilfsbedürftige Patienten, die solche Pseudotherapien in Anspruch nähmen, sehr ernst. Nicht selten würden Betroffene von den meist intensiven Erfahrungen während solcher Sitzungen überschwemmt, blieben aber mit ihrer Not allein. Wenn die Therapie dann nicht anschlägt, würden die Patienten als Schuldige dargestellt und zusätzlich beschämt und somit abhängig und klein gemacht. Es komme oft zur Entfremdung von Familie und Freunden, zu Verlust von Zeit und Geld und vor allem unterbleibe echte Hilfe.</p>
<p>Dierbach nannte einige Anzeichen, an denen man Pseudotherapien erkennen könne:</p>
<ul>
<li>Hohe Kosten, kurze Dauer</li>
<li>Heilungsversprechen und sensationelle Fallgeschichten</li>
<li>Bei Misserfolgen wird der Patient verantwortlich gemacht</li>
<li>Überschreitung von persönlichen Grenzen</li>
<li>ganz wichtig: übersinnliches Element (z.B. Engel)</li>
<li>Schulmedizin wird (subtil) schlecht oder verächtlich gemacht</li>
<li>keine Sicherheit durch Vorliegen eines Heilpraktikerscheins</li>
</ul>
<p>Ihr Fazit lautete, daß die Inanspruchnahme alternativer Psychotechniken gefährlich sei und schweren seelischen Schaden anrichten könne und diese Risiken für die Patienten aber kaum einschätzbar seien. Einer der Gründe für das Grassieren dieses Unwesens seien Passivität und Desinteresse von Berufsverbänden und Universitäten, dagegen vorzugehen. Dierbach fordert mehr Kontrolle unlauterer Werbung durch die Anbieter solcher &#8220;Therapien&#8221; und daß Heilpraktiker per Gesetz keine Psychotherapie mehr durchführen dürfen sollten. Dem kann man sich nur anschließen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nach einer Pause trat Christian Weymayr auf, Autor des Buches &#8220;<a href="http://www.amazon.de/Die-Hom%C3%B6opathie-L%C3%BCge-gef%C3%A4hrlich-wei%C3%9Fen-K%C3%BCgelchen/dp/3492055362/ref=sr_1_sc_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1368219053&amp;sr=1-1-spell&amp;keywords=hom%C3%B6opathie+l%C3%BCg">Die Homöopathie-Lüge</a>&#8220;, um die Frage zu beantworten &#8220;Wie wirksam ist ein Buch&#8221;?</p>
<p><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/weymayr-gwup1.jpg"><img class="alignnone  wp-image-1353" alt="weymayr gwup1" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/weymayr-gwup1-1024x936.jpg" width="587" height="537" /></a></p>
<p>Nach einem Ausflug in die Kundenrezensionen bei amazon, die die bei polarisierenden Büchern übliche &#8220;ungauss&#8217;sche&#8221; Verteilung (nämlich zweigipfelig mit sehr vielen 5- und 1- Stern-Bewertungen) und zum Teil uferlose Diskussionen aufwiesen,</p>
<p><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/amazon-gwup.jpg"><img class="alignnone  wp-image-1360" alt="amazon gwup" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/amazon-gwup-1024x746.jpg" width="517" height="377" /></a></p>
<p>berichtete Weymayr von den Reaktionen von Patienten, Ärzten, Medien, Apothekern und Wissenschaftlern auf sein Buch. Besonders Ärzte und Wissenschaftler hätten sich mit dem Buch auseinandergesetzt und bei einigen wenigen sei es zu einem Umdenken gekommen. Weymayr erklärte dann noch einmal ausführlich seine Forderung, nach einer Operationalisierung klinischer Studien, indem als weiteres Prüfkriterium die &#8220;Scientabilität&#8221; aufgenommen werden solle. Weymayrs Auffassung nach sollten klinische Studien, z.B. zur Wirksamkeit von Homöopathie, nicht (mehr) durchgeführt werden, wenn nicht zuvor in Grundlagenexperimenten gezeigt worden sei, daß sie mit gesicherten Erkenntnissen übereinstimme, oder, mit anderen Worten, wenn für die Annahme, daß ein Verfahren wirksam sein könne, die Naturgesetze verletzt/geändert werden müßten.</p>
<div id="attachment_1361" class="wp-caption alignright" style="width: 246px"><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/evidenz-2-gwup.jpg"><img class=" wp-image-1361  " alt="evidenz 2 gwup" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/evidenz-2-gwup-1024x722.jpg" width="236" height="179" /></a><p class="wp-caption-text">der negative Evidenzwert von Untersuchungsverfahren wird bei den Prüfungen der EbM ignoriert. Nach dem Wirkmechanismus wird nicht gefragt: black box</p></div>
<div id="attachment_1362" class="wp-caption alignleft" style="width: 269px"><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/evidenz-gwup.jpg"><img class=" wp-image-1362  " alt="evidenz gwup" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/evidenz-gwup-1024x696.jpg" width="259" height="203" /></a><p class="wp-caption-text">die Evidenzpyramide mit positiver und negativer Evidenz unterschiedlicher Aussagekraft. Klinische Studien haben nur sehr geringen negativen Evidenzwert.</p></div>
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<p>Weymayr sagt, daß klinische Studien zum Nachweis einer solchen Art von Evidenz ungeeignete Werkzeuge seien: man könne ja auch nicht, so verglich er,  mit einer Lupe die molekulare Struktur eines Lebewesens untersuchen. Den Wortführern des<a href="http://www.ebm-netzwerk.de/wer-wir-sind/vorstand"> ebm-Netzwerks,</a> dem Weymayr angehört, sei das jedoch nicht zu vermitteln, diese seien mit ihren Methoden zufrieden, obwohl sie sehr wohl um ihre Schwächen wüßten. Dadurch, so Weymayr, werde weiterhin Zeit und Mühe für nutzlose Studien absurder Ideen vergeudet und Verfahren wie der Homöopathie durch signifikante Zufallsbefunde, die bei einer ausreichenden Zahl von Studien zu erwarten sind, falsche Glaubwürdigkeit verliehen.</p>
<div id="attachment_1374" class="wp-caption alignnone" style="width: 487px"><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/evidenz-3-gwup.jpg"><img class="size-large wp-image-1374" alt="evidenz 3 gwup" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/evidenz-3-gwup-1024x603.jpg" width="477" height="280" /></a><p class="wp-caption-text">selbst die Cochrane Collaboration fand &#8220;zwei Studien mit geringem Risiko, verzerrte Daten zu enthalten, die einen Nutzen der Homöopathie zeigten&#8221; und schlägt daher &#8220;mehr Studien&#8221; vor.</p></div>
<p>Das habe zu einem nicht geringen Teil mit der hervorragenden und bis in die höchsten wissenschaftlichen Ebenen hineinreichenden Lobbyarbeit der Homöopathieszene zu tun. Die ernüchternde Antwort auf die Frage, wie wirksam sein Buch denn nun gewesen sein, lautete daher auch: kaum wirsam. Bislang.</p>
<p>Ein weiterer guter Konferenztag mit (für mich) zwei interessanten und aufschlussreichen Vorträgen. Enttäuschend und ärgerlich war hingegen, das muß hier auch erwähnt werden, das gemeinsame Abendessen in einem Kölner Brauhaus in Form eines Buffets, für das zusätzlich zur Kongressgebühr 30 ,- € berappt werden mußten. Wie sich herausstellte, waren in diesem Betrag jedoch nicht einmal Getränke inbegriffen, wodurch der Preis nur noch als krasser Nepp zu bezeichnen ist, da man dafür in dem Brauhaus ca. zweieinhalb Hauptgerichte bekommen könnte. Stattdessen gab es ein winziges, mediokres gutbürgerliches Buffet, um das sich auf viel zu engem Raum knapp hundert Gäste drängen mußten. Wir waren zum Glück recht früh am Buffet und konnten daher nach eiligem Verzehr unserer völlig überteuerten Mahlzeit die ungastliche Stätte rasch verlassen und so noch rechtzeitig zu einem Treffen der Hörer diverser Podcasts in einem anderen Kölner Restaurant kommen, wo wir die Hoaxillas und andere vom Vorabend wiedertrafen. Dort gelang es mir auch, mir einen Aluhut zu basteln, um mich gegen mögliche Versuche zur Gedankenkontrolle zu schützen.</p>
<div id="attachment_1347" class="wp-caption alignnone" style="width: 278px"><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/helm-cc.jpg"><img class=" wp-image-1347 " alt="helm cc" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/helm-cc-743x1024.jpg" width="268" height="368" /></a><p class="wp-caption-text">ich, geschützt vor PSI</p></div>
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<p><span style="text-decoration: underline;"> Samstag 11.05.:</span></p>
<p>Samstag früh um 9.15 Ihr begann <a href="http://cloudpharming.blogspot.de/">Claudia Graneis</a> den Kongresstag. Zur Bekämpfung ihrer Nervosität nahm sie ersteinmal eine halbe Flasche Licht-Globuli auf ex ein und starete dann mit ihrem ausgezeichneten Vortrag &#8220;Globuli und Pharmazie &#8211; eine Liebesgeschichte&#8221; über das Ein- und Vordrängen der Homöopathielobby in die Pharmazie, sowohl über die universitäre Lehre, als auch über Arzneimittelpolitik und Beeinflussung von Apothekern, Hebammen und Ärzten. Wem das bekannt vorkommt, der/die liegt richtig, da Claudia Graneis die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Vortrag bereits hier im Blog und in einem Artikel im Skeptiker publiziert hat.</p>
<ul>
<li><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/2012/10/08/gastbeitrag-homoopathie-in-der-pharmazie-eine-bestandsaufnahme-teil-1/">Gastbeitrag: Homöopathie in der Pharmazie – eine Bestandsaufnahme; Teil 1</a></li>
<li><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/2012/11/05/gastbeitrag-homoopathie-in-der-pharmazie-eine-bestandsaufnahme-teil-2/">Gastbeitrag: Homöopathie in der Pharmazie – eine Bestandsaufnahme; Teil 2</a></li>
<li><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/2013/03/15/gastbeitrag-heise-luft-fur-hebammen-das-training-im-esoterischen-denken-beginnt-schon-vor-der-geburt/">Gastbeitrag: Heiße Luft für Hebammen – Das Training im esoterischen Denken beginnt schon vor der Geburt</a></li>
</ul>
<p>Statt hier eine Zusammenfassung zu geben, empfehle ich daher einfach die Lektüre der Originalbeiträge. Teile des Vortrags werden übrigens auch im nächsten Skeptiker publizier werden.</p>
<div id="attachment_1377" class="wp-caption alignleft" style="width: 278px"><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/cloud-gwup1.jpg"><img class=" wp-image-1377 " alt="cloud gwup1" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/cloud-gwup1-1024x924.jpg" width="268" height="240" /></a><p class="wp-caption-text">wir hatten Spaß</p></div>
<div id="attachment_1378" class="wp-caption alignright" style="width: 280px"><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/spaß-gwup.jpg"><img class=" wp-image-1378 " alt="spaß gwup" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/spaß-gwup-1024x893.jpg" width="270" height="235" /></a><p class="wp-caption-text">und sie auch</p></div>
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<p>Anschließend sprach der Anästhesist und Schmerztherapeut Benedikt Matenaer über die &#8220;bestechende Heilweise Akupunktur&#8221; und teilte deren Anwendungsweisen in the good,</p>
<p><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/gwup-aku-good.jpg"><img class="wp-image-1389 alignleft" alt="gwup aku good" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/gwup-aku-good-1024x795.jpg" width="431" height="333" /></a></p>
<p>the bad and the ugly ein. Als &#8220;good&#8221; geht bei ihm die zum Teil unstrittig bei Patienten beobachtbare Schmerzlinderung durch, die sich als zwar unspezifische, also nichts mit geheimnisvollen Chi-Meridianen zu tun habende, aber doch direkte Folge der Behandlung einstellen könne. &#8220;Bad und ugly&#8221; sind die esoterischen Verunerinigungen und Überhöhungen, die bis zu, so Matenaer, &#8220;ekelhaften&#8221; Auswüchsen, wie Heilungsversprechen bei Krebs oder anderen schwersten Erkrankungen reichten.</p>
<p>Jenes sollte aber nicht das einzige Filmzitat in seinem Vortrag bleiben, denn Matenaer verglich die Binnenkomplexität der Akupunkturszene mit derjenigen des Star Trek Universums, die beide so reichhaltig und mit inneren Widersprüchen ausgestattet seien, daß die Anhängerschaft sich untereinander trefflich über bestimmte Interna streiten könne.</p>
<div id="attachment_1391" class="wp-caption alignnone" style="width: 545px"><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/gwup-aku-star-wars.jpg"><img class="size-large wp-image-1391" alt="gwup aku star wars" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/gwup-aku-star-wars-1024x787.jpg" width="535" height="410" /></a><p class="wp-caption-text">pierce long and prosper</p></div>
<p>Matenaer war früher selbst einmal empfänglich für esoterische Praktiken und gewann so einen Einblick in die &#8220;Szene&#8221;.</p>
<div id="attachment_1393" class="wp-caption alignleft" style="width: 140px"><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/gwup-reiki.jpg"><img class="size-large wp-image-1393 " alt="gwup reiki" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/gwup-reiki-805x1024.jpg" width="130" height="165" /></a><p class="wp-caption-text">&#8220;ich war jung und brauchte das Geld&#8221;</p></div>
<p>Er zeigte uns sogar seinen &#8220;<a href="http://www.psiram.com/ge/index.php/Reiki">Reiki</a>-Führerschein&#8221; (oder wie das heißt), den er vor ca. 20 Jahren gemacht hatte, nachdem er von einer Kollegin bequatscht worden war. Später machte Matenaer auch eine Zusatzausbildung zum Akupunkteur und übte das Verfahren lange Zeit aus. Inzwischen sei er jedoch gründlich kuriert und abestoßen von Unwissenschaftlichkeit und den Auswüchsen, die der regelrechte Akupunktur-Kult getrieben habe und dessen intellektuelle Grundlagen er als &#8220;erbärmlich doof&#8221; bezeichnete. Er hat sogar seine Lizenz zum Nadeln wieder abgegeben, praktiziert keine Akupunktur mehr und empfiehlt auch niemandem, sich damit behandeln zu lassen. Allerdings rät er auch nicht davon ab, wenn man z.B. von sich wisse, daß man ggf. empfänglich für den durch das gewaltige Brimborium bei der Akupunktur (Rituahaftigkeit, Nadeln, Gerüche, Musik, intensive Zuwendung etc.) generierten Placeboeffekt sei, der zu den unspezifischen Effekten (s.o.) ja noch dazukomme. Zum Schluß gab er uns noch 5 Tips, wie so ziemlich jeder eine erfolgreiche Akupunktur durchführen könne:</p>
<ol>
<li>Man suche sich eine ideale Patientin (weiblich, nicht alleinstehend, gute Vorerfahrungen mit Alternativmedizin) und führe eine mind. 30 minütige Vorbesprechung durch</li>
<li>Die Vorbesprechung solle man nutzen, um nach ungewöhnlichen Details ihrer Beschwerden zu fragen, für die sich zuvor noch kein Arzt interessiert hat.</li>
<li>Für die Akupunktur keine unattraktiven Punkte (so wie Zahnfleisch, Damm, Zunge etc.) auswählen und nicht mehr als 10-15 Nadeln in ungefähr gleichviele Nah- und Fernpunkte stechen<a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/gwup-yoda.jpg"><img class=" wp-image-1394 alignleft" alt="gwup yoda" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/gwup-yoda.jpg" width="154" height="169" /></a></li>
<li>Das ganze in einem schönen, angenehm warmen Raum (mit Duftkerzen) durchführen und sich viel Zeit für die Lokalisation der Punkte lassen</li>
<li>Nach 20 min. die Nadeln wieder abziehen und der Patientin eine Mobilnummer geben, wo sie sich melden könne, falls Beschwerden aufträten.</li>
</ol>
<p>Mit diesen Tricks ist ziemlich wahrscheinlich nicht nur das Chi sondern auch ein massiver Placebo-Effekt mit einem.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nach dieser stichhaltigen Darbietung trat der Allergologe Johannes Ring mit seinem aparten bayrischen Zungenschlag (&#8220;<a href="http://de.wiktionary.org/wiki/pumperlgsund">pumperlgsund</a>&#8220;) auf, dem man seine Versiertheit aber auch den Spaß an der Sache anmerkte und hielt einen tollen, unterhaltsamen Vortrag über &#8220;Unkonventionelle Methoden in der Allergologie&#8221;.  Nach einer geschmackvoll bebilderten kurzen Einführung in die Grundbegriffe der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Allergie">Allergie</a>, stellte Ring die verschiedensten &#8220;unkonventionellen&#8221; Therapieansätze zur Behandlung von Allergie und verwandten Krankheiten wie Asthma und Neurodermitis sowie die Studienlage zu deren Wirksamkeit vor.  Sein Fazit fiel erwartungsgemäß ernüchternd aus:</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/gwup-allergie-1.jpg"><img class=" wp-image-1398 aligncenter" alt="gwup allergie 1" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/gwup-allergie-1-764x1024.jpg" width="397" height="532" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Unter den von 120 verschiedenen Prozeduren am häufigsten eingesetzten Praktiken befinden sich dabei viele übliche und einige sehr verrückte, wie Bach-Blüten und Homöopathie aber auch Geisterheilung, Pendeln und Bioresonanz. Einzig die Akupunktur habe in einer von ihm mit betreuten Studie einen signifikanten Effekt bei der Behandlung von Juckreiz gezeigt, so Ring (später meldete sich aber B. Matenaer aus dem Publikum zu Wort und kritisierte, daß die Studie möglicherweise nicht korrekt doppelt verblindet worden sei, was Ring auch nicht abstritt). Als Gründe für die Beliebtheit unkonventioneller Methoden, die sich durchaus und trotz ihrer Wertlosigkeit hohen Zuspruchs erfreuten, nannte Ring Gründe, die sich in meinen Augen auch vollständig zur Erklärung für die Hinwendung zu religiösen Konzepten anwenden ließen, <a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/gwup-allergie-2.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1399" alt="gwup allergie 2" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/gwup-allergie-2-220x300.jpg" width="220" height="300" /></a>nämlich Enttäuschung von der Wirklichkeit, Sehnsucht nach Wundern, gesellschaftliche Akzeptanz, deutscher Idealismus als Geisteshaltung, Verherrlichung von &#8220;Tiefe&#8221; und Verachtung von &#8220;Oberfläche&#8221; und fehlende Denkfähigkeit. Als Manifestation für den letzten Punkt nannte er den ebenso idiotischen wie häufig gehörten Satz &#8220;Wer heilt, hat recht&#8221;, der freilich sowohl inhaltlich als auch logisch unhaltbar und ähnlich schlüssig ist, wie der Satz &#8220;Wer gewinnt, ist schön&#8221;.</p>
<p style="text-align: left;">Dem häufig anzutreffenden Argument der Esoterikbefürworter, die wissenschaftliche Medizin und die Suche nach Wahrheit sei &#8220;intolerant&#8221; begegnete Ring indem er darauf hinwies, daß nicht die Wahrheit (diese  Behauptung sei ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorienfehler">Katergorienfehler</a>) sondern nur Menschen in ihrem Verhalten intolerant sein können. Toleranz aber, sei ledigilich die <em>Duldung</em> von etwas, das man für falsch halte. (Und wird, füge ich hinzu, von vielen mit &#8220;Respekt&#8221; verwechselt, was falsch und völlig irreführend ist). Ohne Überzeugung von Wahrheit aber, so Ring, könne es gar keine Toleranz geben, sondern nur &#8220;so a wischi waschi und is&#8217; eh ois wurscht&#8221;. Wenn hingegen statt Duldung &#8220;Billigung&#8221; gefordert werde, bedeute dies, und ich könnte ihm nicht kräfiger zustimmen, das Ende der freien kritischen Auseinandersetzung.</p>
<p style="text-align: left;">Ring schloss mit einigen klugen wissenschaftsphilosophischen Betrachtungen, in denen er Wissenschaft als Basis der Erkenntnis darstellte und daran erinnerte, daß Wissenschaft durchaus mehr als Naturwissenschaft sei. Der Verlust der Wissenschaftlichkeit hingegen, so zitierte er K. Jaspers, führe am Ende zu Unmenschlichkeit.</p>
<p style="text-align: left;">Als nächster trat der Physiker Martin Lambeck auf, der bekannt dafür ist, daß er die Nobelpreise zusammenaddiert hat (inzwischen wären es nach seiner Rechnng 81), die es einzustreichen gölte, wenn sich die den Naturgesetzen zuwiderlaufenden Behauptungen diverser Esoteriker, insbesondere der Homöopathen, nachweisen ließen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/lambeck-gwup-1.jpg"><img class="size-full wp-image-1402 aligncenter" alt="lambeck gwup 1" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/lambeck-gwup-1.jpg" width="389" height="319" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Den auf dem Bild gezeigten Artikel findet man besser leserlich auch<a href="http://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/04/Dossier-Esoterik-Esoterisierung"> hier</a>. Lambeck warf einen Blick auf seine mehr als ein Jahrzehnt währenden Bemühungen im Kampf gegen die unwissenschaftlichen und teils haarsträubend absurden Behauptungen und Erklärungsmodelle der Esoterik. Einige besprach er im Detail, z.B. die für diese Leute neu entdeckte &#8220;Quantenwelt&#8221;, die sie als El Dorado für nun e<a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/lambeck-gwup-2.jpg"><img class="alignleft  wp-image-1403" alt="lambeck gwup 2" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/lambeck-gwup-2.jpg" width="243" height="363" /></a>ndlich und mühelos erhältliche Erklärungen (z.B. für das Wassergedächtnis) auszubeuten versuchen, obgleich sie keinen Schimmer von Quantenphysik haben, deren Aus- und Vorhersagen zwar schwer verständlich, aber nicht beliebig und noch dazu unglaublich exakt sind. Immer wieder beendete Lambeck seine Kapitel mit dem Satz &#8220;Wenn das stimmt, müssen Physik, Chemie und Medizin völlig umgeschrieben werden&#8221;. Lambeck wirkte auf mich ein wenig erschöpft und auch inzwischen etwas resigniert, was ihm angesichts der minimalen Erfolge bei seinem, unserem Bemühen, die Flut des Irrsinns einzudämmen, nicht zu verdenken ist. Die Esoterik, z.B. in Form der das Thema dieser Konferenz liefernden alternativen oder besser Pseudotherapien, blüht, das Angebot ist überwältigend und ein Ende ist nicht abzusehen. Ein erheblicher Teil des Problems sei, so Lambeck, das Ergebnis der unermüdlichen Lobbyarbeit dieser Szene, die zu einer Anerkennung durch und Verbrüderung mit der Politik (s. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_Steffens#Politische_Positionen">B. Steffens</a> und Konsorten), entsprechende esoterikfreundliche Gesetze sowie die inerte Untätigkeit großer Berufs- und Interessenverbände wie der <a href="http://www.gdnae.de/">GDNÄ </a> geführt habe, die immerhin so illustre Persönlichkeiten wie Einstein, Planck, Gauss, A. v. Humboldt und v. Helmhotz zu ihren Mitgliedern zählte.</p>
<p style="text-align: left;">Wenn Lambeck vorträgt, wird einem immer wieder klar oder noch klarer, wie absurd aber zugleich weitreichend die Annahmen sind, auf die sich gesamte Bereiche der Esoterik stützen und wie unglaublich es tatsächlich wäre, wenn diese Annahmen stimmen würden. Unsere Welt wäre eine gänzlich andere. Im gleichen Maße entsetzt es einen aber auch, wie hoch die Akzeptanz dieser Verfahren selbst bei Politikern und Fachleuten ist und wie wenig die Wahrheit und die Bemühung, sie zu finden, noch zu gelten scheint. Lambecks Vortrag war gut, aber so ernüchternd, daß ich geneigt war, mich einem Kommentator aus dem Publikum anzuschließen, der Lambeck nach einem guten Mittel gegen Depressionen fragte.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/holm.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1404" alt="holm" src="http://scienceblogs.de/bloodnacid/files/2013/05/holm-182x300.jpg" width="182" height="300" /></a>Der Vortrag von Holm Hümmler, noch einem Physiker, der danach kam, hieß &#8220;Nazis über uns? Von Flugscheiben und Neuschwabenländlern&#8221; und befasste sich mit der bizarren Verschwörungstheorie, derzufolge die Nazis sich mit Hilfe von Reichsflugscheiben in/unter die Antarktis zurückgezogen hätten und dort die Übernahme der Weltherrschaft vorbereiten. Oder so ähnlich. Der Vortrag war sicher gut, aber ich interessiere mich nicht sonderlich für solche Theorien und deren Widerlegung. Es wird niemanden überraschen, daß Hümmler akribisch aufzeigte, daß an dem ganzen Schwachsinn nichts dran ist.</p>
<p style="text-align: left;">Den letzten Vortrag über &#8220;Sex Mythen&#8221; von Jessica Bahr habe ich mir gespart. Ob er gut war, weiß ich nicht, würde mich aber über Rezensionen in den Kommentaren freuen, wo auch gerne andere Meinungen, Feedback, Kritik etc. zur GWUP-Konferenz hinterlassen werden können.</p>
<p><strong>Fazit:</strong> Insgesamt fand ich die Konferenz gelungen. Neben den schon erwähnten ärgerlichen organisatorischen Unzulänglichkeiten gab es nämlich vor allem zalreiche sehr gute bis hervorragende Vorträge, viele nette und interessante Leute, einen angenehmen Konferenzort und eine tolle Stimmung.<img alt="" src="http://vg02.met.vgwort.de/na/84906840902541d9a033420ebd035a3e" width="1" height="1" /> Also bitte (fast genau) weiter so!</p>
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		<title>In vino veritas [Gesundheits-Check]</title>
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		<pubDate>Sat, 11 May 2013 18:10:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joseph Kuhn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Alkohol]]></category>
		<category><![CDATA[Epidemiologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Am letzten Donnerstag war ich auf einer Weinbergswanderung in meinem Heimatort Randersacker. Etwa 5.000 Weinfreunde haben auf einem ca. 6 km langen Weg durch die Weinlage &#8220;Marsberg&#8221; 28 Weine probiert. Nicht jeder alle. Ob die Idee, dass der Marsberg eine alte Megalith-Nekropole sei, also eine steinzeitliche Begräbnisstätte, im späteren Verlauf einer solchen Weinwanderung entstanden ist,&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Am letzten Donnerstag war ich auf einer Weinbergswanderung in meinem Heimatort <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Randersacker" rel="nofollow">Randersacker</a>. Etwa 5.000 Weinfreunde haben auf einem ca. 6 km langen Weg durch die Weinlage &#8220;Marsberg&#8221; 28 Weine probiert. Nicht jeder alle. Ob die Idee, dass der Marsberg eine alte <a href=" http://www.megalith-pyramiden.de/AA-002-A-Fels-Nekropole-Wuerzburg.html" rel="nofollow">Megalith-Nekropole</a> sei, also eine steinzeitliche Begräbnisstätte, im späteren Verlauf einer solchen Weinwanderung entstanden ist, ist nicht bekannt.</p>
<p><a href="http://scienceblogs.de/gesundheits-check/files/2013/05/randersacker.jpg"><img src="http://scienceblogs.de/gesundheits-check/files/2013/05/randersacker.jpg" alt="randersacker" width="200" height="129" class="alignleft size-full wp-image-532" /></a></p>
<p>Zum Marsberg gehört auch die Weinlage &#8220;Ewig Leben&#8221;. Ob das ein Argument für oder gegen eine steinzeitliche Begräbnisstätte ist, ist ebenfalls nicht bekannt. Aber der Name dieser Weinlage löst regelmäßig Diskussionen darüber aus, ob Weintrinken, wenn schon nicht zum ewigen Leben, doch wenigstens zu einem etwas längeren Leben führt. Auch das ist nach wie vor nicht bekannt. Und mit der Wahrheit, die im Wein liegt &#8211; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/In_vino_veritas" rel="nofollow">in vino veritas</a> &#8211; ein dem griechischen Dichter Alkaios (ca. 630 v. Chr. bis 580 v. Chr.) zugeschriebener Spruch, lässt sich nur sagen, dass zumindest alte Weintrinker ein langes Leben hatten.</p>
<p>Nach einer <a href="http://www.bmj.com/content/342/bmj.d671" rel="nofollow">Metaanalyse der Forschungsgruppe um William Ghali</a>, 2011 im Britisch Medical Journal veröffentlicht, scheint Wein in der Tat eine präventive Wirkung auf Herz-Kreislauferkrankungen zu haben. Basis waren 84 einbezogene Studien. Allerdings stehen dagegen relativ gut gesicherte Befunde, dass Alkohol schon in kleinen Mengen das Krebsrisiko erhöht. Das wurde vor kurzem erneut durch eine Auswertung von Daten der <a href="http://epic.iarc.fr/" rel="nofollow">EPIC-Studie</a> bestätigt, einer großen europäischen Studie zum Zusammenhang von Ernährung und Krebs, ebenfalls im <a href="http://www.bmj.com/content/342/bmj.d1584" rel="nofollow">British Medical Journal veröffentlicht</a>. Kein Zweifel besteht außerdem darüber, dass zuviel des Guten nicht gut ist. Man schätzt, dass jährlich in Deutschland ca. 40.000 Menschen vorzeitig an den Folgen missbräuchlichen Alkoholkonsums sterben, mehrere Millionen gelten als alkoholabhängig.</p>
<p>Ob ein Gläschen Wein oder auch eins mehr gesund ist, dieses Thema wird wohl noch lange Gesprächsstoff liefern. Wein enthält eben nicht nur Wahrheit, sondern auch eine kaum überschaubare Vielzahl von Inhaltsstoffen mit einem physiologisch komplexen Zusammenspiel. Das meiste ist Wasser (ca. 4/5 des Weins), darauf kommt es beim Weintrinken aber kaum jemandem an, dann natürlich Alkohol, Zucker, Mineralstoffe, Vitamine, Säuren und vieles mehr. Ein gesundheitlich vielversprechender Stoff ist <a href=" http://de.wikipedia.org/wiki/Resveratrol" rel="nofollow">Resveratrol</a>, der vermutlich sogar antikarzinogen wirkt. Belegt ist das bisher aber nur an Zellkulturen, was das für uns Menschen bedeutet ist, man ahnt es, einmal mehr unbekannt. </p>
<p>Gesundheitsförderlich dürfte jedenfalls die Weinwanderung an sich sein &#8211; Bewegung hilft sowohl Krebs als auch Herz-Kreislauferkrankungen zu vermeiden, da ist sich die Wissenschaft einig. In Randersacker kann man außerdem sehr schön am Main entlang wandern oder radeln, die Landschaft genießen und darüber nachdenken, warum zuviel Wahrheit manchmal Kopfschmerzen verursacht.</p>
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		<title>Kurzes Fazit zum Deutschen Humanistentag [blooDNAcid]</title>
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		<pubDate>Sun, 05 May 2013 20:00:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cornelius Courts</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[atheismus]]></category>
		<category><![CDATA[humanismus]]></category>
		<category><![CDATA[Persönlich]]></category>
		<category><![CDATA[Tagung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin zurück aus Hamburg vom Deutschen Humanistentag. Es waren schöne und anstrengende zwei (von insgesamt vier) Tage, die ich dort zugebracht habe. Das Ganze fand in den Fliegenden Bauten ganz in der Nähe der Reeperbahn statt, einem Theater, dessen Name den in den Begriffen der Landesbauordnungen Firmen bereits andeutet, daß es in einer Art&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin zurück aus Hamburg vom <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Humanistentag">Deutschen Humanistentag</a>. Es waren schöne und anstrengende zwei (von insgesamt vier) Tage, die ich dort zugebracht habe.</p>
<p>Das Ganze fand in den Fliegenden Bauten ganz in der Nähe der Reeperbahn statt, einem Theater, dessen Name den in den Begriffen der Landesbauordnungen Firmen bereits andeutet, daß es in einer Art Zirkuszelt untergebracht ist. Ein schöner und etwas varietéartiger Veranstaltungsort mit einer ganz besonderen Atmosphäre. Ich werde hier nicht im Detail auf die einzelnen Vorträge eingehen, denn soweit ich weiß, haben die Veranstalter alle Vorträge mitgefilmt und beabsichtigen, diese demnächst online verfügbar zu machen. Wenn dieser Fall eintritt, werde ich hier noch den enstprechenden Link nachlegen. Geboten wurde jedenfalls ein vielseitiges Programm mit Beiträgen zu vielen Aspekten des Humanismus im weitesten Sinne, dazu zählen unter anderem auch die atheistische Weltanschauung, Religions- und Medienkritik, humanistische Pädagogik und die Möglichkeiten und leider noch vorhandenen Begrenzungen für ein selbstbestimmtes Leben und auch Sterben in Würde.</p>
<p>Am meisten berührt haben mich die Vorträge von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Kahl">Joachim Kahl</a>, einem humanistischen Philosophen, der zunächst am Donnerstag anhand des Vorwortes der Autobiographie von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bertrand_Russell">Bertrand Russell</a> &#8220;<a href="http://www.humanities.mcmaster.ca/~bertrand/misc.html">What I have lived for</a>&#8221; sehr eindringlich und bewegend und in einer wunderschönen Sprache den Atheisten und Humanisten im Saal aufzeigte &#8220;Wofür es sich zu leben lohnt&#8221;. Am Freitag sprach er noch einmal, ebenso gut und tiefgründig und diesmal über &#8220;Religionsfreie Spiritualität&#8221;, wobei er seinen Vortrag auf das Gedicht &#8220;<a href="http://www.krause-schoenberg.de/gn_religionskritik_Heinz-Kahlau_kein-gott.htm">Kein Gott&#8221; von H. Kahlau</a> und seine Interpretation desselben gründete.</p>
<p>Ein weiteres Highlight war sicher die Podiumsdiskussion mit M. Schmidt-Salomon und R. Meister, bei der sich die beiden eigentlich ja Kontrahenten über weite Strecken so einig waren, daß Schmidt-Salomon fast händeringend nach Themen zum Streiten suchte <img src='http://cf-global-posts.example.com/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  Sehr gut gefallen hat mir dabei auch Angelika Kallwass als Moderatorin, die mir zuvor nur vom Hörensagen als Ringrichterin in so einer Anschreisendung bei einem dieser Krawallsender bekannt war. Tatsächlich ist sie aber Atheistin und Humanistin und hat sich freundlicherweise bereiterklärt, die anstrengende weil sehr lange Moderation des gesamten Freitagsprogramms zu übernehmen. Dafür gebühren ihr Dank und Respekt. Und damit auch noch zu zwei Kritikpunkten: es gab viel zu wenig weibliche Referentinnen, leider nach wie vor ein Problem in Deutschland. Außerdem war die Organisation verbesserungsfähig: es gab keine offiziellen Pausen und das bei einem langen und anstrengenden Programm über mehrere Tage. Wie sollten die Besucher ins Gespräch kommen, das Gehörte diskutieren, wenn sie dabei immer in Kauf nehmen mußten, einen anderen Vortrag zu verpassen? Auch die Verpflegung war sehr unzureichend, da es am Veranstaltungsort nichts Vernünftiges zu essen gab, was bei einer ganztägigen Veranstaltung sicher nicht klug ist. Man mußte den Ort verlassen und sich in der Umgebung etwas suchen, wobei einem wieder die ununterbrochen laufenden Vorträge entgingen.</p>
<p>Unser Scienceslam am Donnerstagabend lief gut und wies mit einem Paläontologen, einem Philosophen, einem Soziologen und insgesamt drei Biologen (davon eine Frau) ein vielseitiges und interessantes Line-Up auf. Gewonnen hat verdient der andere Biologe mit seinem Slam über &#8220;Unordentliche Proteine&#8221;. Das Publikum war etwas untypisch und zunächst reserviert, da mit dem Konzept des Scienceslams größtenteils unvertraut, aber zum Ende hat es dann seine Zurückhaltung aufgegeben und, so hoffe ich, Spaß und neue Erkenntnisse aus unseren Vorträgen.</p>
<p>Auf dem Nachbargelände fanden übrigens Veranstaltungen des zeitgleich in Hamburg sich vollziehenden <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Evangelischer_Kirchentag">Kirchentags</a> statt, dessen akustischen Hervorbringungen in Gestalt z.B. dessen, was eine Waldhorngruppe Beatles&#8217; Yesterday anzutun imstande ist, immer mal wieder auf unser Gelände wehten und zusammen mit den überall in der Stadt mit ihren &#8220;Soviel Du brauchst&#8221;-T-Shirts und/oder Tüchern herumstolpernden Gestalten für Heiterkeit sorgten.</p>
<p>Aber auch einer der in meinem Augen größten Vorzüge solcher Tagungen hat sich hier wieder einmal eingestellt: man knüpft Kontakte und lernt neue, ähnlich gesinnte Menschen kennen. Besonders gefreut habe ich mich, hier die &#8220;Hoaxillas&#8221;, also die überaus sympathischen Macher des sehr empfehlenswerten skeptischen &#8220;<a href="http://www.hoaxilla.de/">Hoaxilla</a>&#8220;-Podcasts kennenzulernen und, ganz stilecht, mit ihnen ein Fischbrötchen an der Waterkant zu verdrücken.</p>
<p>Insgesamt also eine gute Tagung, der ich bei Vermeidung unnötiger organisatorischer Lapsi, eine gute Bilanz und viele weitere Neuauflagen in der Zukunft wünsche. Falls jemand von den Lesern da war, freue ich mich, wenn er/sie uns seine/ihre Eindrücke in den Kommentaren mitteilt.</p>
<p>___________________________________</p>
<p>Hier noch ein paar Pressestimmen:</p>
<p><a href="http://hpd.de/node/15834">HPD #1</a></p>
<p><a href="http://hpd.de/node/15839">HPD #2</a></p>
<p><a href="http://hpd.de/node/15843">HPD #3</a></p>
<p><a href="http://www.ndr.de/regional/hamburg/kirchentag/humanistentag107.html">NDR</a></p>
<p><a href="http://www.ndr.de/regional/hamburg/kirchentag/humanistentag101.html">nochmal NDR</a></p>
<p><a href="http://www.taz.de/Deutscher-Humanistentag-in-Hamburg/!115716/">taz</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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