Nach langer Debatte wurde sie nun zugelassen – die Präimplantationsdiagnostik (PID). Überraschend stimmte der Bundesgerichtshof nun der Überprüfung von Embryonen auf Erbschäden zu. Einzig für die durch In-Vitro Befruchtung entstander Embryonen gilt diese Erlaubnis.

Anstoß gab der Präzedenzfall eines Gynäkologen, der 2005 und 2006 in zwei Fällen Präimplantationsdiagnostik angewandt und seinen Patientinnen zu gesunden Kindern verholfen hatte. Eine der Patientinnen, so berichtet der Spiegel, hatte bereits eine behinderte Tochter, die andere Patientin drei Fehlgeburten hinter sich. Und genau der erste Fall bringt die Gegner zur Aufruhr, denn so entstehe Selektion. Die Befürworter halten dagegen: PID erhöht die Chancen des Embryonen, überhaupt zu überleben.
Ich möchte einen Vergleich heran ziehen, der zwar radikal, dafür aber sehr deutlich ist: Eine chemische Synthese hat das Ziel, ein bestimmtes Produkt zu erzeugen. Nehmen wir eine zweistufige Synthese, das heißt, es gibt ein Zwischenprodukt, von dem ausgehend das Endprodukt hergestellt wird.
Betrachtet man die In-Vitro Befruchtung als chemische Synthese, so wäre der einzupflanzende Embryo die „Zwischenstufe” und das Kind das am Ende geboren wird das Endprodukt.
Bei der chemischen Synthese, ist die Lage einfach. Zweifelsohne, wird überprüft, ob die Zwischenstufe wirklich das ist, wofür wir sie halten. Liegt etwas anderes vor, so haben wir keine Chance, das Endprodukt zu erreichen.
Bei der In-Vitro-Befruchtung hingegen, beginnt die ethische Diskussion: Dürfen wir selektieren? Dürfen wir einen Embryo, der schwer krank oder offensichtlich ohne Überlebenschance ist, einfach aussortieren? Im Falle des Fötus, das bereits im Mutterleib stirbt, frage ich mich aber, ob es wirklich so viel ethischer ist, einem Paar eine Fehlgeburt zuzumuten?
Wenn das Kind nun „nur” behindert würde, aber dennoch gute Überlebenschancen hätte, wird’s richtig schwierig: “Es darf keine Selektion zwischen behinderten und nicht-behinderten Leben geben” fordert die Staatsministerin im Kanzleramt, Maria Böhmer (CDU).
Aber gesunde Föten haben eine höhere Überlebenschance und die Chance auf eine erfolgreiche In-Vitro Fertalisationen liegt bei nur 40 %. Ist es dann nicht nur fair, diese Chancen zu maximieren, indem man die besten Vorraussetzungen zum Erfolg schafft?

Kommentare (28)

  1. #1 Silentjay
    Juli 10, 2010

    Ich denke das Problem sind nicht die sachlichen Argumente, denen man zustimmen kann oder auch nicht.
    Wenn es um den ‘Schutz’ und die Definition von Leben geht, dann wollen alle mitreden, weniger der fachlichen Kompetenz wegen, als um die eigene Weltanschuung entsprechend zur Geltung zu bringen.
    Im Grunde gibt es die Diskussion schon seit Einführung der Pille.

    Spätestens wenn der Erste PID und Gattaca in einem Satz verwendet, merkt man wieviel Sachkenntnis hinter der Argumentation steckt.

    Die Welt ist grau.

  2. #2 Der Bo
    Juli 10, 2010

    Mmmh…der Vergleich gefällt mir nicht so ganz, weil er vorgibt aus einem Embryo mit Erbschäden könne kein lebensfähiger Mensch entstehen.

    “Liegt etwas anderes vor, so haben wir keine Chance, das Endprodukt zu erreichen.”

    Aber wo wir schon bei Chemievergleichen sind. (Don’t quote me on that, weil Chemie da eh ein schlechter Spielplatz für Vergleiche ist…aber hey, das ist ein Chemieblog)

    Ich würde eher sagen Präimplantationsdiagnostik ist wie eine DC vor der nächsten Stufe und wenn man zu viele Spots hat, die man nicht mehr gescheit säulen kann, wird die Reaktionsmischung weggeworfen. Man kann zwar immer noch das Produkt erhalten aber eben mit unerwünschte Nebenprodukten. Vermutlich sieht das NMR dann auch grauenhaft aus.

    Kein guter, aber ich finde ein besserer Vergleich als ein 2-Stufer.

  3. #3 LC
    Juli 10, 2010

    frage ich mich aber, ob es wirklich so viel ethischer ist, einem Paar eine Fehlgeburt zuzumuten?

    Außerdem hat das Paar nach wie vor die Möglichkeit einer Abtreibung, die wahrscheinlich auch wahrgenommen wird, wenn bei dem Embryo eine Behinderung festgestellt wird.

  4. #4 Ldu
    Juli 10, 2010

    Ist es nicht wunderbar, wenn man genetisch perfekt zu seinem zukünftigen Job/Klasse passt? Und ist nicht jeder, der das nicht tut, irgendwie behindert? Und ist es nicht so, das die Kinder der Reichen später reich sein werden und die Kinder der Armen arm, und zuviel Intelligenz tut dann bloss weh? Usw? Hmm?

  5. #5 Thomas R.
    Juli 10, 2010

    [quote]Es darf keine Selektion zwischen behinderten und nicht-behinderten Leben geben” fordert die Staatsministerin im Kanzleramt, Maria Böhmer (CDU).[/quote]

    Das erscheint auf den ersten Blick humanistisch, ist auf den zweiten Blick aber Unsinn.
    Ein lebender Behinderter ist selbstverständlich so viel wert wie ein Nichtbehinderter. Das steht außer Frage. Aber raten wir Müttern nicht, während der Schwangerschaft auf Alkohol und Nikotin zu verzichten? Es scheint doch wünschenswert zu sein, während der Schwangerschaft darauf abzuzielen, dass das Kind möglichst gesund zur Welt kommt.

    Am Ende läuft es also darauf hinaus, ab wann man einem Fötus ein Lebensrecht zuspricht. Das ist über die Abtreibungsgesetze eigentlich geregelt. Dass jetzt in der PID-Debatte das Selektions-Fass aufgemacht wird, ist argumentativ also unsauber. Wir befinden uns an einem derart absurd frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft, dass man genauso wieder die Berechtigung der Pille-danach diskutieren könnte.

    Von Selektion zu sprechen, wenn Eltern versuchen, ein gesundes Kind zu bekommen, ist zynisch.

  6. #6 Ldu
    Juli 11, 2010

    @Thomas R

    Auuuuuuaaa!!
    An welcher Stelle willst du eigentlich eigentlich Einfluss auf Erbanlagen nehmen? So ab dem dritten Monat? Achso nein, du baust ja noch garkeine Gene um. Und das wird später auch nicht passieren, weil Gesetze sind bekanntlich für die Ewigkeit. Die Erfahrung, das die sich immer ausdehnen lassen wenn jemand sagen kann “Sowas ähnliches machen wir doch eh schon”, ist pure Illusion. Also von Genmanipulation zu sprechen, wenn Eltern versuchen, ein gesundes Kind zu bekommen, ist zynisch. Bzw wird es sein. Wetten?

    Da ich deinefolgende Argumentation verwirrt, finde ich die übrigens unsauber. Erzähl mir bitte ein wenig über Abtreibungsgesetze. Weil,
    “Am Ende läuft es also darauf hinaus, ab wann man einem Fötus ein Lebensrecht zuspricht. ” – nein, darauf ob man Menschen ihre genetische Zukunft vorschreiben darf.
    “Das ist über die Abtreibungsgesetze eigentlich geregelt.” geht dann am Thema vorbei, aber vielleicht steht da ja trotzdem was passendes drin.
    “Dass jetzt in der PID-Debatte das Selektions-Fass aufgemacht wird, ist argumentativ also unsauber.” – “Selektions-Fass” hübsch wertend formuliert. Zusammenhang mit Abtreibungsgesetzen nicht weiter ausgeführt. Danke, fühle mich dezent manipuliert.

  7. #7 Popeye
    Juli 11, 2010

    “Ist Präimplantationsdiagnostik ethisch vertretbar?”

    Sie ist sogar ethische Verpflichtung! Wie verantwortungslos und zynisch muss man sein, vorhandene Techniken nicht zu nutzen, um zu gewährleisten, das ein gesundes und überlebensfähiges Kind entsteht?
    Wie empathisch unterentwickelt ist jemand, der Eltern ein erhöhtes Risiko von Fehlgeburten, die Verzweiflung über ein durch Krankheit verkürztes Leben oder das Lebens mit einem behinderten Kind zumutet?

    Da ich weiß, das besonders der letzte Punkt Moralapostel auf den Plan ruft:
    Ja, Eltern lieben ihre Kinder und würden sie um nichts in der Welt eintauschen wollen, egal ob behindert oder nichtbehindert. Aber ich nenne jeden einen Lügner, der das Leben mit einem schwerbehinderten Kind kennt und sagt, er würde auf PID verzichten.
    Zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen sollte kein Unterschied bestehen, es sollte alles getan werden, um behinderten Menschen die vollständige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, ihre Eltern zu unterstützen und Diskriminierung zu verhindern. Sollte habe ich extra geschrieben, weil dies noch nicht
    oder nur teilweise gegeben ist.
    Aber mir muss mal jemand erklären, wie sich aus der Wertschätzung für behinderte Menschen die Verpflichtung ergibt, Techniken nicht zu nutzen, die Behinderung verhindern.

    @Silentjay
    “Spätestens wenn der Erste PID und Gattaca in einem Satz verwendet, merkt man wieviel Sachkenntnis hinter der Argumentation steckt.”

    Hat ja nicht lange gedauert:

    “Ist es nicht wunderbar, wenn man genetisch perfekt zu seinem zukünftigen Job/Klasse passt? Und ist nicht jeder, der das nicht tut, irgendwie behindert? Und ist es nicht so, das die Kinder der Reichen später reich sein werden und die Kinder der Armen arm, und zuviel Intelligenz tut dann bloss weh? Usw? Hmm?”

  8. #8 Ldu
    Juli 11, 2010

    @Popeye
    Gattaca? *such* oh, science fiction. Wenn du dauernd solche Sachen guckst wirst du vom dritten Reich nichts mitgekriegt haben. Vermutlich zu lowtech?

  9. #9 Popeye
    Juli 11, 2010

    @Ldu
    Wow, ich bin beeindruckt! Von der Kenntnis von Gattaca in nur zwei Schritten zur Unkenntnis über das dritte Reich! Du kannst ja echt gut mit Deinen ideologische Bauklötzchen umgehen.
    Blöd nur, das Du keine Ahnung hast, was PID und die Welt von Gattaca unterscheidet.

    Ach übrigens:
    “Science-Fiction entwirft – häufig in der Zukunft verortete, teilweise auch räumlich entfernte – Konstellationen des Möglichen, beschreibt deren Auswirkungen auf die Gesellschaft und den Menschen und reichert reale wissenschaftliche und technische Möglichkeiten mit fiktionalen Spekulationen an.”
    http://de.wikipedia.org/wiki/Science-Fiction

  10. #10 Ldu
    Juli 11, 2010

    @Popeye
    Nun verwirrst du mich völlig.
    Erst redet ihr über unsaubere Argumentation, dann verwendet ihr Geheimcodes mit denen man so gut überzeugen kann wenn sie der andere nicht kennt. Man kann so schön sagen wenn x dann keine Ahnung. Dann wirfst du anderen ideologische Bauklötzchen vor und verwendest den Geheimcodetrick gleich nochmal über nen ganzen Absatz. Dann sagst du sinngemäss an Science Fiction ist was dran, also auch an Gattaca.
    Hmm, also ist Gattaca wohl vorstellbar, aber was ganz anderes als PID. Ich glaub so langsam komme ich dahinter. Aber wo ist der Unterschied? Für mich ist das eine Auswahl nach Genen und das andere auch. Sicher ist *noch* ein Unterschied da. Aber wenn ich an unseren spätrömischen Aussenminister und einige andere denke, deren Pauschalisierungen hätte ich vor 20 Jahren bei den frühen Nazis verortet (sorry Godwin). Da erwarte ich einfach das aus “retten vor Behinderung” über nen paar Zwischenstufen “rettet vor Harzgen” wird. Und dann werden vermutlich eine Menge mehr Menschen vor der Geburt passend gemacht, und wohl eher in Richtung leicht wartbar. Das Politiker wirklich so zynisch sein können, zeigen eben die Nazis.
    Dafür wird man ein paar Präzedenzfälle brauchen, und dies ist einer. Deswegen gehen manche so auf die Barrikaden.
    Zu diesem Präzedenzfall selbst, da denke ich im Moment lieber nicht dran, ist schrecklich. Wobei das in diesem Fall einfach vermieden werden kann indem manche Leute auf selbstgeborene Kinder verzichten. Was eigentlich auch zu krass ist (deswegen sollte ich lieber adoptieren sagen^^). Aber nicht so krass wie die andere Büchse zu öffnen. Wenn man sich drauf verlassen könnte das dies wirklich die Grenze bleibt wäre ich dafür. Aber so wie ich unsere Meinungsführung verstehe, dringt die sehr in die Schichtenrichtung. Und dann nehme ich lieber etwas mehr Leid wegen fehlendem Baby in Kauf.

    So, nun erzählst du mir aber wieso PID nie zu Gattaca werden kann? So als noch ein Steinchen aus dem Weg geräumt?

  11. #11 Silentjay
    Juli 11, 2010

    Klare, kurze Sätze.
    Es gibt kein Intelligenzgen.
    Es gibt auch keine Methode über die PID Haarfarbe, Schuhgröße oder spätere sexuelle Vorlieben zu bestimmen.
    Es gibt einige wenige schwere Krankheiten, die eindeutig bestimmbar sind über die PID.
    40% aller in vitro Befruchtungen führen am Ende zu einer Geburt.
    18,93% aller in vitro Befruchtungen enden mit einem Schwangerschaftsabbruch.
    Statistik zur in vitro Fertilisation http://www.deutsches-ivf-register.de/pdf-downloads/dirjahrbuch2008.pdf

    Verlassen kann man sich nur darauf, dass Menschen, die ein gesundes, ein eigenes gesundes Kind haben wollen immer einen Weg finden werden.

    Und man kann sich auch immer darauf verlassen, dass es genug Menschen geben wird, die Vorbehalte haben.

  12. #12 Thomas R.
    Juli 11, 2010

    @Ldu

    Ich will dir mal zugute halten, dass du vielleicht wirklich zu wenig über PID weißt und deshalb so viele Dinge durcheinander wirfst.

    Also, ganz langsam: Die PID verändert keine Gene. Das Wort “Genmanipulation” taucht in der Debatte also genau dann auf, wenn jemand schlecht informiert ist. Genmanipulation ist ein völlig anderes paar Schuhe. PID legt kein juristischges Fundament für spätere Genmanipulation, weil es etwas völlig, völlig anderes ist.

    In der PID wird das Erbgut mehrerer vorhandener Embryos untersucht (denn bei der Zeugung im Reaganzglas werden immer gleich mehrere Eizellen befruchtet). Von diesen vorhandenen Embryos wird dann nicht eine zufällige Auswahl in die Gebärmutter eingepflanzt, sondern eine zufällige Auswahl derer, die keinen der Defekte aufweisen, die wir erkennen können. Verändert wird garnichts. Aber bei der Wahl, welcher aus einer gewissen Zahl von bewusstseinslosen Zellhaufen zu einem Kind heranwachsen wird, vergrößert man die Chance, dass dieses eine Kind gesund sein wird.

    Man muss sich auch keine Sorgen machen, dass Kinder nach Augenfarbe, Intelligenz, musischem Talent oder ähnlichem ausgesucht werden. Laien haben eine falsche Vorstellung von der Komplexität der Funktionen der Gene. Es gibt eine bestimmte Stelle in der DNA, an der man erkennen kann, ob ein gewisser Defekt vorliegt, der dann zu einer Behinderung führen wird. Aber es gibt keine Stelle, wo der IQ steht, oder die Augenfarbe, oder die Lust am Klavierspielen. Das sind komplexe Wechselwirkungen und wir sind noch WELTEN davon entfernt, auch nur eine Idee zu haben, wie man sowas vorhersagen könnte. Die Auswahl von Embryos nach intellektuellen Merkmalen ist reine Zukunftsmusik. Darüber kann man einen Science-Fiction-Film machen, aber in der politischen Debatte hat das noch für lange, lange, lange Zeit nichts zu suchen.

    Also sei unbesorgt. Die Entwicklungen, vor denen du dich fürchtest, können in der Realität schon deshalb nicht eintreten, weil sie noch auf lange Zeit für uns technisch unmöglich sind. Wenn du deine Energie in so ein Thema stecken willst, dann starte eine Petition für die Sicherheit von Menschen beim Transport über weite Strecken durch Beamen. Denn das Beamen von Menschen und die Feststellung des zukünftigen Durchschnittsgehalts von Embryonen dürften sich im Moment ein faires Wettrennen liefern, was davon zuerst kommt.

  13. #13 Ldu
    Juli 11, 2010

    So ungefähr hatte ich das auch verstanden, aber noch nicht so gut erklärt gefunden.
    Für einen Fachmann ist das sicher klar.

    Aber wir haben Entscheidungsträger, denen man gut etwas vormachen kann. Zumindest wenn es ihnen gut in den Kram passt. Nehmen wir mal an, das jemand eine Studie schreibt, nach denen Gen x irgendwelche bösen Folgen hat, sagen wir pädophil macht oder terroristisch, und hauptsächlich bei Harzern und Muslims vorkommt, und man das ausserdem wegmachen kann. (Also ich legs mir jetzt bischen zurecht). Wie lange dauert es, bis da Aktionismus ausbricht und man unbedingt etwas tun muss? Meiner Zeitungslesererfahrung nach ist der Einfluss von Fachleuten dann manchmal ziemlich gering.

    Dann würde erstens schon PID wirksam sein – ok ist immer noch SF externe Befruchtung und die Überprüfung von Embryonen zur Pflicht zu machen, aber die Sorte SF ist mal wirklich passiert. Und zweitens währe es vom Embryo wegmachen zum Gen wegmachen auch nur noch ein kleiner Schritt. Für die Öffentlichkeit, nicht für die Experten. Für die Experten kommt dabei wahrscheinlich hauptsächlich Schrott raus, aber vielleicht passt das auch in den Kram.

    Für mich, wenn ich was flüchtig höre, ist es ein Unterschied, ob ein Tabu gebrochen wird oder ob da halt noch irgendeine andere Ausnahme gemacht wird. Bei der nächsten Ausnahme reicht eben “sowas ähnliches haben wir doch eh immer gemacht”. Ich denke, ich stehe da nicht alleine. Deswegen ist ein Tabu eine Grenze, an der man unbedingt kämpfen muss (naja, ich persönlich trolle hier rum^^). Weil sonst erodiert sowas schleichend vor sich hin, und man wundert sich paar Jahre später, was plötzlich alles ok ist. Auch wenn wir von wirklicher Ahnung noch Welten entfernt sind.

    Hmm, ist das halbwegs nachvollziehbar oder immer noch völlig blödsinnig?

  14. #14 Ldu
    Juli 11, 2010

    Achso, wegen “Feststellung des zukünftigen Durchschnittsgehalts von Embryonen”, es geht weniger darum, das vorherzusagen. Sondern jemand mit “Elitegenen” weitaus bessere Karten zu geben, vom Kindergarten an, denn bei dem lohnt sichs. So ähnlich wie beim dreigliedrigen Schulsystem. Es gibt halt Experten die wissen wer das Gymnasium packt. Bloss früher. Und auch nicht so viel kompetenter^^

  15. #15 Ldu
    Juli 11, 2010

    Nein das war Quatsch. Natürlich gings mir um die Möglichkeit Fähigkeiten “aufzuzwingen”, und das geht also nicht.

    Aber, auch wenn man “Elitegene” nicht wirklich feststellen kann. Aber wenn man die alte Elite nimmt und die Embryonen statistisch oder so damit vergleicht, würden deren Kinder dann die höchste Ähnlichkeit haben? Und die von Harzerkindern mit Harzern? Wenn man ein bischen dran dreht und so ungefähr weiss welchen Trend man haben möchte? Ist nicht wirklich notwendig das man die Fähigkeiten wirklich vorhersagt, bloss so als Begründung wieso man die Ressourcen so verteilt wie mans tut. So als neue Astrologie. Weil das ein ausgewähltes Baby ist, hat es auch den Anspruch auf Excellenzunterstützung. Wenn ich so über Genpflanzen lese, habe ich manchmal den Eindruck sowas reicht.

    Aber hat das dann noch mit PID zu tun? Ich glaube ich verwirre mich gerade selbst..

  16. #16 Thomas R.
    Juli 11, 2010

    @Ldu

    Mit diesen Argumenten hast du völlig Recht. Auch Entscheidungsträger sind erschreckend häufig völlig ungebildet, was die Fachgebiete betrifft, in denen sie zu entscheiden haben. Diejenigen, die sich mit den technischen und ethischen Fragen von Gentechnik, PID, etc beschäftigt haben, sitzen mit Glück in irgendwelchen Gremien, aber entscheiden tut dann jemand, der gut in Kameras lächeln kann.

    Es wäre also wichtig, dass Fachleute politischen Entscheidungen stärker beeinflussen. Denn der andere Weg, den du vorschlägst, ist auf die Dauer nicht machbar: Die Wissenschaft macht ständig neue Dinge möglich, die man sinnvoll einsetzen, aber auch verantwortungslos missbrauchen kann. Es gibt kaum eine technische Errungenschaft, die nicht auch für schlechtes eingesetzt werden könnte. Es ist leicht, den Erfindern der Atombombe Vorwürfe zu machen. Aber wie ist es mit den Entdeckern von Teflon? Sollte Teflon nicht in Küchengeräten verwendet werden, weil man es, wenn es einmal verfügbar ist, auch benutzen kann, um Gewehrpatronen damit zu ummanteln?

    Die PID bietet die Möglichkeit, Kinder unbehindert zur Welt kommen zu lassen. Und es gibt hypothetische Szenarien, in denen sie für schlechte Dinge missbraucht werden könnte. Dem sollte man aber nicht begegnen, indem man sie völlig verbietet, auch dort, wo sie bloß nutzen bringen würde. Man sollte viel mehr für eine Politik sorgen, die einen Missbrauch auch in der Zukunt nicht ermöglicht. Man macht nicht einmal einen guten Staat und der bleibt dann so, man muss permanent daran arbeiten, die die Wähler gebildet sind, um sich immer wieder für verantwortungsvolle Politiker zu entscheiden. Das klappt nicht immer, aber das ist der Faktor, auf den man einwirken muss. Kein Verbot ganzer biotechnischer Disziplinen. Captain Picard hat mal gesagt: “Wachsamkeit, Mister Worf. Das ist der Preis, den wir kontinuierlich zahlen müssen:”

    Und ich möchte nochmal was zu “Selektion” sagen:
    Die Diskussion befindet sich, wenn es um Selektion geht, an einer Stelle, wo die Seele als Argument schon im Feld ist. Wann bekommt der Mensch seine Seele? Wächst sie langsam ab der Geburt, wächst sie noch langsamer ab der Empfängnis, wird sie ihm (wie die Kirche lange gelehrt hat) erst bei der Geburt eingehaucht?
    Die heutige Praxis der Abtreibung basiert auf der Überlegung, dass ein Neugeborenes den Status eines vollständigen Menschen hat. Die gerade befruchtete Eizelle dagegen nicht. Die kann man mit der “Pille danach” wieder “loswerden”, ohne moralische Probleme. Offenbar wird nach vorherrschender Ansicht (und die teile ich) aus dem bewusstseinslosen Zellhaufen im Laufe der Schwangerschaft ein Mensch, der bei der Geburt “fertig” ist. Es gibt einen Moment während der Schwangerschaft, wo man nicht mehr leugnen kann, dass das Kind ein Bewusstsein hat und auf Reize reagiert. Diesen Punkt kann man natürlich nicht genau festmachen, das geschieht fließend. Aber es gibt eine Zeitspanne nach der Befruchtung, wo eine Eizelle noch kein gottgegebenes Lebensrecht hat.

    Da liegen sie also nun, eine handvoll befruchteter Eizellen. Die meisten davon werden nicht eingepflanzt, aber aus einer wird ein Kind werden. Später, im Rückblick, wird man merken, dass die Gesundheit dieses Kindes von der Entscheidung abhängt, welche Eizelle eingepflanzt wird. Das Kind ist nicht nur die Summe seiner Gene, es ist die Summe aller seiner Erfahrungen. Aber hier, im Labor, wird entschieden, welche Gene ihm mitgegeben werden. Nicht seine Haarfarbe oder Intelligenz stehen zur Wahl, sondern “gesund” oder “schwer behindert”. Die Frage ist also, ob man es dem Zufall überlassen will, oder ob man alle seine Möglichkeiten nutzt, um dafür zu sorgen, dass das Kind einen heilen Satz Gene bekommt.

    Denn nur das kann man überprüfen: Ob die Gene sich im normalen Rahmen bewegen oder ob es einzelne, schwere, bekannte Störungen gibt, die dann zu Behinderungen führen.

    Das Kind würde sich später sicher wünschen, dass man sich für “gesunde Gene” entschieden hätte. Es wird oft argumentiert, das sei ja garnicht das betroffene Kind, das betroffene Kind wäre ja umgebracht worden. Das stimmt aber nicht. Da liegen nicht zehn Kinder im Reagenzglas und man bringt neun davon um. Da liegen zehn genetische Baupläne. Das Kind entwickelt sich durch seine Eltern und seine Umwelt.

  17. #17 Thomas R.
    Juli 11, 2010

    Zur statistischen genetischen Ähnlichkeit von Menschen gleicher Abstammung:

    Tatsächlich ist es ja so, dass sich Verwandte genetisch ähneln. Aber man muss das in Relation sehen: Der aller, aller, allergrößte Teil der DNA ist bei allen Menschen gleich. 95% sollen ja sogar zwischen Mensch und Affe gleich sein. Nur in dem kleinem, variablen Restbereich gibt es Unterschiede. Und eben Ähnlichkeiten bei Verwandten. Jetzt ist es aber so, dass es bei uns keine alte Adelsschicht gibt. Wenn man mal von alten Industriedynastien absieht, sind die Wohlhabenden untereinander nicht so übermäßig stark verwandt, dass man das in den Genen lesen könnte. Das würde mich schon sehr stark wundern. Wollte man irgendwen so diskriminieren, dann müsste man sich die Regeln dazu wirklich schlichtweg ausdenken. Das kann man natürlich immer. Aber wenn man als Staat eine Bevölkerungsgruppe mit offenen, gezielten Lügen diskriminieren will, dann ist man soweit, dass es auch keine Rolle mehr spielt, ob PID vorher schonmal erlaubt war oder nicht.

  18. #18 h.t.
    Juli 11, 2010

    Ich ahbe ein ungutes Gefühl bei Gesetztesänderungen wie diesen, das Wichtigste ist jedoch dass niemand zu solchen Tests gezwungen werden darf.
    Wenn die obligat würden, dann würde das ganze schon schwer bedenklich werden.

  19. #19 Popeye
    Juli 11, 2010

    Danke Leute, für die klarstellenden Informationen, immer schön, wieder reinzukommen und die Arbeit ist schon getan! (-;

    @Ldu
    Schau mal, Du sitzt vor einem Kasten, der zu einem riesigen Informationspool führt, mit ein wenig Anstrengung wird es auch für Dich keine ominösen Geheimcodes mehr geben.

    @h.t.
    Was Du ansprichst, durchzieht ja viele Felder unseres Nannystaates, der glaubt, dem Bürger jeder Freiheit der Wahl und der damit einhergehenden Verantwortung abnehmen zu müssen.

    @Thomas R.
    Noch mal danke für Deine Ausführungen und verschiedenen Blickwinkel auf diese Thema!

    Du sprichst einen wichtigen Punkt an, der in allen Feldern gesellschaftlichen Zusammenlebens eine wichtige Rolle spielt, nämlich die Verantwortung des einzelnen Bürgers. Du hast es sehr gut ausgedrückt:
    ” Man macht nicht einmal einen guten Staat und der bleibt dann so, man muss permanent daran arbeiten, die die Wähler gebildet sind, um sich immer wieder für verantwortungsvolle Politiker zu entscheiden.”

    Wer meint, durch Wählen seine Schuldigkeit getan zu haben und die Verantwortung für alles an Politiker abschiebt, ist nicht nur bequem und im schlimmsten Falle feige, sondern beraubt sich einer Menge Gestaltungsmöglichkeiten.

  20. #20 Arnd
    Juli 12, 2010

    Ein Kind vereinigt in seinem Erbgut die Hälfte der Gene des Vaters und die Hälfte der Mutter. Wieso darf ich nicht entscheiden welche Hälfte ich vererben möchte (soweit das technisch möglich ist)? Ist der Zufall irgendwie heilig?

  21. #21 miesepeter3
    Juli 13, 2010

    Tatsächlicher Fall :

    Ehepaar hat 6 Kinder, 5 davon sterben noch vor dem 50 Geburtstag an Herzinfarkt. Die hätten bestimmt vorher gerne sortiert.

  22. #23 Grma
    August 3, 2010

    @Thomas R.
    die Bezeichnung “bewusstseinsloser Zellhaufen” für einen winzigen Menschen, in dem alles für seine Entwicklung bereits vorhanden ist, empfinde ich als Beleidigung der Menschheitsentwicklung, in der sich diese soo hochkomplexen und -potenten Zellen herausgebildet haben. Ich empfehle dazu zu lesen von Bruce H. Lipton “Intrelligente Zellen” (ISBN 978-3-936862-88-1). Sowohl die Eizelle als auch die Samenzelle haben vor ihrer Vereinigung schon eine lange Erfahrungsgeschichte in den Körpern der beiden Menschen hinter sich, aus denen sie kommen. Und über die Erfahrung ihrer Vereinigung, die sie dann gemeinsam in sich tragen, wissen wir noch sehr wenig – . Im Körper der Mutter jedenfalls ist diese Vereinigung eine Art heiliger Tanz und danach ist eine Stille – und dann vollzieht sich ein Umbau und eine natürliche Selbstreinigung der vereinten Zellen. (Wer mehr dazu lesen möchte, schaue unter http://www.walembryo.nl)

    Deshalb ist wohl auch – wieder ? – jede Abtreibung als Mord zu würdigen. Und die
    Trauer, die dabei in den Eltern so gut wie immer ensteht. bestätigt die Bedeutung dieser Eingriffe.
    Aber wir können das abgetriebene Kind – möglicherweise rituell – betrauern, es begraben und um Verständnis dafür bitten, dass wir in der bestimmten Situation nicht die Kraft hatten, es willkommen zu heissen.
    Nach meiner Erfahrung kann nur so der emotionale Willkommens-Weg wieder frei werden für ein weiteres Kind dann, wenn es die emotionale und soziale Situation der Eltern oder der Mutter erlaubt.

  23. #24 Bullet
    August 13, 2010

    @Thomas R.
    die Bezeichnung “bewusstseinsloser Zellhaufen” für einen winzigen Menschen, in dem alles für seine Entwicklung bereits vorhanden ist, empfinde ich als Beleidigung der Menschheitsentwicklung

    Empfinde, was du willst. Juckt zum Glück niemanden. “Winziger Mensch” ist trotzdem sachlich falsch. Daher ist auch deine peinliche “Mord”-Anklage vom Tisch. Aber Fundamentalisten gibts überall.

  24. #25 Moritz Smit
    Februar 28, 2011

    Schicker Artikel 😉

  25. #26 MisterX
    März 29, 2011

    Also das Argument das die PID zu einer Diskriminierung von behinderten führt ist genauso hirnrissig wie wenn man sagt die polio-impfung müsse abgeschafft werden weil es Menschen mit polio diskriminiert. Klar soll man behinderten das beste möglichste Leben ermöglichen. Man soll behinderte und kranke unterstützen, aber nicht behinderung und krankheit. Für mich zumindest gibts an der stelle überhaupt nix meckern.

  26. #27 derlangedicke
    Februar 6, 2012

    penis

  27. #28 Bärt
    Februar 6, 2012

    Trauti stinkt.