Was direkt auffällt, sind die vielen kleinen Pünktchen (Silberionen), die die Bakterien umhüllen. Dagegen findet man bei den Gewebezellen nur vereinzelte Silberionen (und diese reichen nicht aus, um die Gewebezellen zu beeinträchtigen).

Bakterien haben, wie bereits erwähnt, einen höheren Stoffwechsel als Körperzellen; dementsprechend wird ihre Umgebung auch stärker übersäuert (geringer pH-Wert). Und das führt direkt dazu, dass die Silber-Nanocluster stärker aufgelöst werden und vermehrt Silberionen freigesetzt werden. Die Silberionen wiederum werden von der Säurequelle, den Bakterien, angezogen und töten diese ab.

Das Funktionsmaterial “spürt” förmlich die Anwesenheit der Infektion und wird aktiv. Nachdem die Bakterien abgetötet wurden, steigt der pH-Wert wieder auf seinen Normalwert, sodass die Silberionen einen chemischen Gleichgewichtszustand suchen und sich wieder an der Oberfläche des Funktionsmaterials anlagern und inaktiv werden.

Wo wäre das Einsatzgebiet?

Dieses Material eignet sich, um Titanimplantate zu beschichten.
Bis so ein Implantat vollständig einwächst, besteht immer die Gefahr, dass sich eine Infektion bildet. Für diesen Fall kann die Schicht aktiv die Infektion bekämpfen. Und für den Fall, dass es zu keiner Infektion kommt, bleibt sie inaktiv. Vor allem Zahnimplantate oder Knieprotesen würden profitieren, da hier das infektionsrisiko besonders hoch ist.

 

Die Ergebnisse, die ich hier vorgestellt habe, sind aus einer interdisziplinären Kooperation von Materialwissenschaftlern, Medizinern und Toxikologen entstanden.
Ein solches Material, dass “bei Bedarf” aktiv wird und gezielt bestimmte Eigenschaften einsetzen kann, wird in der Wissenschaft gerne auch als “Smart Material” bezeichnet. 

 


Quelle:
Hrkac, T. et al. (2013). Huge increase of therapeutic window at a bioactive silver/titania nanocomposite coating surface compared to solution Materials Science and Engineering: C, 33 (4), 2367-2375 DOI: 10.1016/j.msec.2013.01.069
ResearchBlogging.org

 

 

 

Die Plüschmikroben habe ich hier gefunden:

(Vielleicht schreibe ich mal wieder etwas über die Grippe oder über das Gehirn,
dann hätte ich eine Ausrede, den Zoo aus Plüschzellen zu erweitern 😉 )

 

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Kommentare (11)

  1. #1 Stefan Wagner
    http://demystifikation.wordpress.com/2014/10/05/granderwasser/
    5. Oktober 2014

    Das E.-Coli erinnert mich an das fliegende Spaghettimonster.

    Tolle Illustratiion!

    • #2 Tomi
      5. Oktober 2014

      Tatsächlich,
      ist mir bislang – warum auch immer – nicht aufgefallen. 🙂

  2. #3 Dr. Webbaer
    5. Oktober 2014

    Auf jeden Fall ein dicker, fetter Artikel, der ganz beachtenswert ist, wie Ihr Kommentatorenfreund findet.
    Besten Dank!

    MFG
    Dr. W (der sich von der Materialforschung und von “nano” einiges verspricht)

  3. #4 fj
    http://blog.effjot.net
    5. Oktober 2014

    Danke für den informativen Artikel! Wieder viel gelernt.

    Apropos: Bei http://riesenmikroben.de/ gibt’s noch viel mehr plüschiges Viechzeug.

    • #5 Tomi
      5. Oktober 2014

      Danke für die netten Worte 🙂

      Das mit dem anderen Laden stimmt natürlich, aber bei dem von mir erwähnten
      konnte ich mir gleich ein Nerd-Paket mit anderem Spielkram zusammenstellen 🙂

  4. #6 MartinB
    5. Oktober 2014

    Die Bilder sind großartig.

  5. #7 Fliegenschubser
    5. Oktober 2014

    Super Artikel, sehr anschaulich!!

    Aber: “die Ribosomen: sie sind für die Protein-Herstellung in der Zelle zuständig. Sie kopieren die DNA und kommen in allen Lebewesen vor.”
    Ribosomen kopieren keine DNA. Das tut nur DNA Polymerase

    • #8 Tomi
      5. Oktober 2014

      Ja, stimmt, das ist schlecht formuliert.
      Ich habe es geändert. Danke!

  6. #9 Mithrandir
    5. Oktober 2014

    In Wohnmobilforen tobt immer wieder der Streit, ob und wie man das Wasser im Vorratstank keimfrei hält.
    Silberschwämmschen sind der neueste Trend.
    Was meint der Experte dazu?
    Hält:
    http://www.amazon.de/WM-aquatec-Wasserkonservierung-Silvertex-System-Frischwassertanks/dp/B0071JXKZ0/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1412541903&sr=8-1&keywords=silvertex
    was es verspricht? Reicht so was für 100 l Wasser, wenn ja wie lange? Der ph Wert des Wassers ist doch eher neutral, löst sich das Silber ausreichend?
    Beteht die Gefahr der Resistenzbildung?
    Es wird behauptet Silberionen seien evtl. gesundheitlich bedenklich. Was ist Ihre Meinung?
    Danke
    Gruß
    M

    • #10 Tomi
      5. Oktober 2014

      Ich werde mir das mal in Ruhe durchlesen und dann etwas dazu schreiben.
      Aber beim ersten Überfliegen habe ich gelesen, dass das Sieb auch gegen Viren helfen soll. Das kann es ganz bestimmt nicht.

  7. […] Konkrete Anwendung von Nanosilber als Bakterienjäger: Nanosilber gegen Plüschmonster! […]