Der weltweite Fischfang verändert scheinbar das Erbgut der Fische — und das viel schneller und weit stärker, als bisher gedacht. Und bringt die Gedankenwelt von Journalisten gehörig durcheinander!

Der gezielte Fischfang bestimmter Arten erzeugt einen starken Selektionsdruck. Das berichtet ein ein internationales Forscherteam in der letzten Ausgabe der Fachzeitschrift “Science“. Danach investieren die Fische mehr Energie in ihre Fortpflanzung, um schneller geschlechtsreif zu werden. Ein Beispiel: Wurde etwa ein Kabeljau in den 60er-Jahren noch ab einem Meter Größe geschlechtsreif, pflanzen sich diese Fische heute bereits mit einer Länge von 60 oder 65 Zentimetern fort. Die Folge: Die Fische bleiben viel kleiner, werden scheuer und entkommen so wiederum leichter durch die Netze der Fischer.

So weit, so gut. Wirklich interessant ist, was ein Artikel daraus macht: Hier wird aufgeregt von der “Umkehrung des Darwin-Prinzips” gefaselt und abschließend festgestellt: “Das von Charles Darwin, dem Begründer der Evolutionstheorie, entdeckte Prinzip vom Überleben der Stärksten gelte für viele Fischarten inzwischen umgekehrt: Nicht die Starken, sondern die Kleinen und Schwachen überlebten eher”.

Nein, das ist kein Fall für das “Bildblog”. Diese Blüte fanden wir bei “Spiegel online“. Also liebe Kollegen: Noch mal gaaanz langsam: “Survival of the fittest” heißt nicht, dass die stärksten, sondern die am besten angepassten Individuen überleben. Das ist nun wirklich “Darwin Light” und sollte sich inzwischen bei jedem herumgesprochen haben, der einst in der Schule Biologieunterricht genossen hat! Auch bei Journalisten!

Kommentare (1)

  1. #1 Daniel
    Dezember 10, 2007

    Danke für diesen Hinweis, der Artikel ist mir glatt entschlüpft. Ihre Kritik spricht mir aus der Seele. Gerade wenn es um Biologie geht, dann sieht man, dass es nicht weit her ist mit der journalistischen Qualität von SPON. Unnötig reißerische Artikelüberschriften und Sensationslust bestimmen das Bild. Hier wird eine zu erwartende Reaktion auf den Selektionsdruck durch die Fischerei als überraschende Wendung verkauft und dann noch stümperhaft begründet.

    Mir scheint da oft, als würden sie diese Anleitung benutzen: http://genomicron.blogspot.com/2007/09/anatomy-of-bad-science-story.html