Der Dalai Lama mag keine Atheisten

Tenzin Gyatso, der besser unter seinem Künstlernamen Dalai Lama als Wohlfühl-Sprechblasenpuster bekannt ist, hat in der New York Times einen Beitrag veröffentlicht, offenbar als Werbung für sein Buch “Toward a True Kinship of Faiths: How the World’s Religions Can Come Together.”. Darin fallen die Atheisten mal wieder in den Graben…

Da schreibt er unter anderem:

Though intolerance may be as old as religion itself, we still see vigorous signs of its virulence.

Hach ne, woran könnte das liegen? Vielleicht daran dass Religion super darin ist, soziale Gruppen zu bilden die sich stark und unhinterfragbar gegen andere abgrenzen?

In Europe, there are intense debates about newcomers wearing veils or wanting to erect minarets and episodes of violence against Muslim immigrants. Radical atheists issue blanket condemnations of those who hold to religious beliefs. In the Middle East, the flames of war are fanned by hatred of those who adhere to a different faith.

B..b…bitte? Was ist das denn für eine waghalsige Mischung? Vor allem der mittlere Satz. Erstmal, was hat Atheismus in einer Reihe mit Religionen zu suchen? Will der gute Dalai Lama etwa auch das abgegriffene Klischee “Atheismus ist auch eine Religion” bemühen?
Egal, schlimmer ist dass es in einer Reihe mit Gewalttaten religiöser Spinner oder Rechtsradikaler gesetzt wird. Das weiß man ja, wo der Wind herweht. Danke, muss man eigentlich nicht weiterlesen. Jegliche religiösen Glauben ablehnen ist also gleichzusetzen mit gewalttätiger Intoleranz. Und überhaupt – was ist denn ein radikaler Atheist? Vermutlich einer, der an alle Götter nicht glaubt. Schließlich ist ein Christ ja ein Atheist hinsichtlich aller bis auf einen Gott.
Im übrigen: Es wird nicht die Person verdammt die einen Glauben hat. Sondern der Glaube. Aber so formuliert würde das wohl nicht so recht in die Leiste der Gewalttäter passen. Jeder darf glauben was er will, aber er soll es bitte nicht als Basis für Interaktion nehmen, wie der Dalai Lama es im folgenden gerne hätte.

The pressure this creates tests more than our tolerance — it demands that we promote peaceful coexistence and understanding across boundaries.

Wunderbar, sagt ihr, das ist das richtige Ziel. Nein, sage ich, Koexistenz? Zwischen wem, zwischen Völkern und Religionen vermutlich? Nein, wenn überhaupt kann es nur um Koexistenz auf der Ebene jedes einzelnen Menschen gehen. Alles andere schafft Abgrenzungen.

Granted, every religion has a sense of exclusivity as part of its core identity.

…was genau das Problem wäre…

Even so, I believe there is genuine potential for mutual understanding. While preserving faith toward one’s own tradition, one can respect, admire and appreciate other traditions.

Woa. Der zweite Satz mischt unglaublich. Was jetzt, Glaube oder Tradition? Ja, ich kann Traditionen respektieren und schätzen. Bewundern nicht, aber das ist meine persönliche Sache. Ich hab wenig Interesse daran, Sachen zu tun weil sie schon immer so getan wurden. Aber ich respektiere und schätze, dass rituelle Handlungen Menschen gut tun. Aber! Glaube ist etwas ganz anderes. Ich kann niemanden respektieren, der an etwas derart abstruses und beliebiges wie einen Gott glaubt und diese völlig Beliebigkeit und Unbestimmtheit zum Leuchtturm dessen erhebt, was alle Menschen verbinden soll. Das ist inhärent so paradox und verdreht, dass kann niemals die Basis für gegenseitiges Verständnis sein. Diese beiden Sachen zu vermischen, ist eine intellektuelle Beleidigung. Eine Wohlfühl-Sprechblase mit brandheißem Inhalt.

A main point in my discussion with Merton was how central compassion was to the message of both Christianity and Buddhism. In my readings of the New Testament, I find myself inspired by Jesus’ acts of compassion.

Nun, klar. Jeder darf seine Inspiration in jeglichem Werk der fiktiven Literatur finden. Literatur und Kunst sind unsere Wege, Gefühle und im Geiste beschrittene Wege nachzuempfinden. Sie sind eine unverzichtbare Ausdrucksweise von uns Menschen. Ob es gerade die Bibel sein muss? Und warum muss man Fiktion bemühen um Inspiration zu finden, sollte man die nicht im Leben suchen? Hier ist eine Geschichte die mich inspiriert. Und sie ist wahr. Das ist viel wunderbarer.

His miracle of the loaves and fishes, his healing and his teaching are all motivated by the desire to relieve suffering.

Ich will nicht in einer Welt leben, wo die Menschen keinen anderen Weg finden sich gegenseitig zu helfen als Superhelden-Geschichten.

I’m a firm believer in the power of personal contact to bridge differences, so I’ve long been drawn to dialogues with people of other religious outlooks. The focus on compassion that Merton and I observed in our two religions strikes me as a strong unifying thread among all the major faiths. And these days we need to highlight what unifies us.

Weißt du, Dalai (darf ich dich Dalai nennen?), was uns alle vereint? Dass wir Menschen sind. Finde mal eine andere Gemeinsamkeit. Viel Glück. Kleiner Tipp: Glaube ist es nicht. Und das ist auch gut so.

Take Judaism, for instance. I first visited a synagogue in Cochin, India, in 1965, and have met with many rabbis over the years. I remember vividly the rabbi in the Netherlands who told me about the Holocaust with such intensity that we were both in tears. And I’ve learned how the Talmud and the Bible repeat the theme of compassion, as in the passage in Leviticus that admonishes, “Love your neighbor as yourself.”

Wirklich? Da braucht es Judentum, Indien, Holocaust, und das alte Testament für diese Erkenntnis? Hier ist mein Weg der Erkenntnis dazu: “Der andere da will ja auch nur ein bißchen leben.”

Compassion is equally important in Islam — and recognizing that has become crucial in the years since Sept. 11, especially in answering those who paint Islam as a militant faith. On the first anniversary of 9/11, I spoke at the National Cathedral in Washington, pleading that we not blindly follow the lead of some in the news media and let the violent acts of a few individuals define an entire religion.

Let me tell you about the Islam I know. Tibet has had an Islamic community for around 400 years, although my richest contacts with Islam have been in India, which has the world’s second-largest Muslim population. An imam in Ladakh once told me that a true Muslim should love and respect all of Allah’s creatures.

Ahh, das gute alte “Kein wahrer Schotte“. Kein ECHTER Muslim™ würde so etwas tun. Das ist – mal wieder – die pure Beliebigkeit. Klar, wenn die eigenen Vorstellungen vom kosmischen Wühltisch des Glaubens stammen, ist auch die Definition des ECHTEN Gläubigen™ beliebig. Kann man super Verantwortung rumschieben mit.

Finding common ground among faiths can help us bridge needless divides at a time when unified action is more crucial than ever. As a species, we must embrace the oneness of humanity as we face global issues like pandemics, economic crises and ecological disaster. At that scale, our response must be as one.

Hier ist wieder ein toller Gedanke: Wir sind alle Menschen. Hört auf, euch in erster Linie als Christ oder Muslim oder Deutscher oder Bayer oder Texaner anzusehen, sondern in erster Linie als Mensch. Das ist meine Heile-Welt-Wohlfühlformel. Und sie hat den netten Vorteil, Menschen die nicht an Glauben glauben nicht abzubürsten.

Harmony among the major faiths has become an essential ingredient of peaceful coexistence in our world. From this perspective, mutual understanding among these traditions is not merely the business of religious believers — it matters for the welfare of humanity as a whole.

Und was ist mit den Atheisten? Sind das alles Radikale, die den großen Prozess des Weltfriedens stören? Die Gläubigen sollen sich zusammentun (was quasi per definition nicht klappen kann) und die Welt retten? Wohlfühl-Blabla.

Kommentare

  1. #1 Physiker
    05/28/2010

    @ cydonia:
    Lesen Sie einfach nochmal meine Beiträge genau durch, anstatt sie zu überfliegen. Insbesondere die vorausgehenden Beiträge. Dann würden sich diese Missverständnisse erübrigen. Was unter “starkem Atheismus” zu verstehen ist, können Sie erstmal unter Wikipedia nachlesen, bevor Sie weiter unqualifiziertes von sich geben.

  2. #2 cydonia
    05/28/2010

    @Physiker
    Ich habe ihre Beiträge gelesen, wurde in meiner Einschätzung weitestgehend bestätigt, und muss jetzt außerdem noch feststellen, dass Sie glauben, meine Qualifikationen einschätzen zu können.
    Ich bin selbstverständlich nur auf das eingegangen, was ich genau gelesen hatte. Sie hingegen antworten auf Anfragen immer nur sehr indirekt, und argumentieren nicht wirklich. Ihre Positionen sind als solche nicht erkennbar, und leider muss ich dabei bleiben, Ihnen Ungenauigkeit und eine gewisse Hartnäckigkeit im Nicht-Argumentieren zu attestieren. Fazit: Diskussion nicht möglich.

  3. #3 Physiker
    05/28/2010

    @ Andrea N.D.:
    “[...] Diese Analogie funktioniert aber nicht, weil Atheismus eben kein Glauben (unhinterfragte Dogmen anerkennen, nachbeten) ist.”
    Das ist eine unzulässige Einengung des Begriffs Atheismus die wahrscheinlich im Widerspruch zur gesamten Fachliteratur steht. Welche Bezeichnung geben Sie nämlich dann jemanden, der die Existenz Gottes kategorisch ausschließt?

    “Der Differenzierung auf Wiki folge ich nicht. Müsste ich das?”
    Ja. Wenn ich nämlich für mich eine dieser differenzierten Positionen in Anpruch nehme, dann erwarte ich, dass Sie das respektieren. Intoleranz beginnt damit, anderen die für sie beanspruchte Weltanschauung/Religion nicht zuzugestehen.

    “Auf dieser Basis möchte ich nicht diskutieren.”
    Seltsam. Aber der Pauschalvorwurf der Arroganz an die Religionen (Stichwort: “alleinig Seligmachende”) ist o.k.? Oder möchten Sie vielleicht doch zwischen den einzelnen Religionen differenzieren? Es könnte sich ja herausstellen, dass die Gruppe der Gläubigen nicht ganz so homogen ist, wie Sie es andeuten…
    Nur zur Erinnerung: der Satz “dass die Welt niemals glücklich sein wird, solange sie nicht atheistisch ist.” stammt von einem Atheisten. Entscheiden Sie selbst, wieviel Arroganz/Ideologie/Dogmatismus diese Aussage enthält…

  4. #4 cydonia
    05/28/2010

    @Physiker
    Jetzt schlägtst dreizehn, wie mein Onkel selig zu sagen pflegte.
    Jetzt nehmen Sie schon wieder sämtliche Atheisten aufgrund einer kolportierten Bemerkung eines Menschen, den Sie als Atheisten sehen wollen, in Sippenhaft, obwohl sie uns vorher lang und breit genau dieses Verhalten vorgeworfen haben.
    Ich bin raus. Viel Spaß noch.

  5. #5 Physiker
    05/28/2010

    @ cydonia:
    “Fazit: Diskussion nicht möglich.”
    Schade, dann ist es wohl auch sinnlos auf Ihre spannenden Fragen einzugehen.

    “[...] eines Menschen, den Sie als Atheisten sehen wollen [...]”
    Denn kein echter Atheist würde sowas jemals sagen, auch wenn er sich selbst als Atheist bezeichnet…

  6. #6 cydonia
    05/28/2010

    Nein, das war jetzt nicht logisch, auch wenn Sie das glauben.
    Das müssen Sie mir tatsächlich noch erklären. Vielleicht hilft mir ihre Erklärung dann dabei, ihre merkwürdigen Gedankensprünge und Inkonsequenzen in der Argumentation einschätzen zu können.
    Eine kurze Textanalyse zeigt mir übrigens, dass Sie mit über 90% Wahrscheinlichkeit mit einem anderen hier scheinbar verschwundenen Kommentator identisch sein müssten.

  7. #7 Jörg
    05/28/2010

    Eine kurze Textanalyse zeigt mir übrigens, dass Sie mit über 90% Wahrscheinlichkeit mit einem anderen hier scheinbar verschwundenen Kommentator identisch sein müssten.

    Nope, Physiker ist … Physiker und hat auch schon was zu … Physik kommentiert. Das heißt er wenigstens von etwas Ahnung, was Rausgeworfene nicht aufweisen :)

  8. #8 cydonia
    05/28/2010

    Nein Jörg, ich meinte auch nicht bei Dir. Das “hier” war missverständlich, ich meinte die blogs ganz allgemein, und rausgeschmissen wurde der auch nicht.
    Mich hat die wirklich seltene Konsequenz von schräger Logik und Nicht-verstehen-wollen eines klar formulierten Arguments verblüfft. Aber ich fürchte, es sind wohl mehrere Leute unterwegs, die genau dies pflegen. Seufz…

  9. #9 Jörg
    05/28/2010

    Ah, ja, ok. Das trifft dann wohl auf 90% der Leute zu :D (Na ok, das ist übertrieben)

  10. #10 MartinB
    05/28/2010

    @AndreaND
    “Aus “Religion vergiftet” würde ich nicht “Du bist vergiftet” machen;”
    Ich auch nicht. Aus “Religion vergiftet alles” aber schon, weil sie dann logischerweise auch den Religiösen vergiftet…

    “Die Empfindlichkeit kommt vielleicht daher, weil ich einfach in “Glaubensdingen” gar nicht definiert werden möchte. Ich möchte in keine Gruppe gesteckt werden.”
    Mir ist immer noch nicht klar, warum das ein Problem ist. Christen sind auch ganz schön inhomogen, wenn man alle Theisten anguckt, noch viel mehr, und wenn man noch Deisten dazunimmt, ist das Spektrum ebenfalls riesig. Warum also nicht sagen “Ich bin Atheist?”

    @Physiker
    “Die unreflektierte Verwenden dieses Begriffs “radikaler Atheismus” schließe ich aus, da er in der Fachliteratur (Philosophie, Theologie) verwendet wird (siehe Link zu Google-Books). In philosophischen Werken sind diesem Begriff sogar ganze Kapitel gewidmet.”
    Aha. Dann hatte ich die Seite nicht genau genug gelesen, ich hatte nur eine Stelle gesehen, wo der Begriff steht. Beim nochmaligen Suchen sehe ich jetzt unten den “radikal-szientistischen Ansatz”. Also, der Begriff “radikaler Atheist” ist etabliert – allerdings wohl anders, als der Dalai Lama ihn meinte…

  11. #11 cydonia
    05/28/2010

    @MartinB
    Ich kenne den Begriff “radikaler Atheist” weder aus der philosophischen Diskussion, noch aus der Literatur. Ich kenne ihn ausschließlich als despektierlichen Ausdruck seitens der Gottesgläubigen.
    Hast Du eine konkrete Quelle entdeckt, die nicht aus der ideologischen Ecke stammt? Würde mich sehr interessieren. Danke

  12. #12 MartinB
    05/28/2010

    @cydonia
    Der oben von physiker angegebene Wikipedia-Artikel enthält den Begriff radikal-szientistischen Ansatz, daher nahm ich mal an, dass der Begriff irgendwo etabliert ist.
    (Wollte im wesentlichen nur dem physiker sagen, dass ich mich in diesem Punkt geirrt habe, das ist ja irgendwie guter Stil…). Mehr dazu habe ich auch nicht.

  13. #13 Andrea N.D.
    05/28/2010

    @physiker
    “@ Andrea N.D.:
    “[...] Diese Analogie funktioniert aber nicht, weil Atheismus eben kein Glauben (unhinterfragte Dogmen anerkennen, nachbeten) ist.”
    Das ist eine unzulässige Einengung des Begriffs Atheismus die wahrscheinlich im Widerspruch zur gesamten Fachliteratur steht. Welche Bezeichnung geben Sie nämlich dann jemanden, der die Existenz Gottes kategorisch ausschließt?

    Aha. Wikipedia als die gesamte Fachliteratur. Für mich nicht. Außerdem war das keine Gegenrede zu meinem Argument (Analogie), falls es Dir nicht aufgefallen ist.

    “Der Differenzierung auf Wiki folge ich nicht. Müsste ich das?”
    Ja. Wenn ich nämlich für mich eine dieser differenzierten Positionen in Anpruch nehme, dann erwarte ich, dass Sie das respektieren. Intoleranz beginnt damit, anderen die für sie beanspruchte Weltanschauung/Religion nicht zuzugestehen.

    Ähem. Den großen schwarzen Balken in Deinem Auge hast Du aber schon gesehen? Aber weil Du es bist: Ich MUSS Deiner Ansicht definitiv nicht folgen, nur weil Du es in Wiki auch gefunden hast. Ich MUSS Deiner Ansicht auch nicht folgen, wenn Du etwas in Wiki nicht findest. Ich MUSS Deiner Ansicht überhaupt nicht folgen. Das bedeutet aber nicht, dass ich die von DIR beanspruchte Weltanschauung/Religion Dir nicht zugestehe. Was ist denn das für ein seltsamer Schluss?

    “Auf dieser Basis möchte ich nicht diskutieren.”
    Seltsam. Aber der Pauschalvorwurf der Arroganz an die Religionen (Stichwort: “alleinig Seligmachende”) ist o.k.? Oder möchten Sie vielleicht doch zwischen den einzelnen Religionen differenzieren? Es könnte sich ja herausstellen, dass die Gruppe der Gläubigen nicht ganz so homogen ist, wie Sie es andeuten…
    Nur zur Erinnerung: der Satz “dass die Welt niemals glücklich sein wird, solange sie nicht atheistisch ist.” stammt von einem Atheisten. Entscheiden Sie selbst, wieviel Arroganz/Ideologie/Dogmatismus diese Aussage enthält…

    Wie man diesen Unsinn in meine Aussagen hineinlesen kann, ist mir schleierhaft. Habe ich irgendwo behauptet, dass die Gruppe der Gläubigen homogen sei? Allerdings beleuchtet diese Aussage Deine nicht vorhandene Argumentation: Du solltest nicht so offensichtlich von Dir auf andere schließen.

    Das mit dem “glücklich” hatten wir bereits versucht Dir zu erklären. Du brauchst Deine Meinung hier nicht ständig zu wiederholen, deshalb werde ich Dir auch nicht zustimmen.

    Ganz ehrlich? Was willst Du mir eigentlich sagen? So ganz habe ich das nicht verstanden, wobei meine Toleranz für Deine Aussagen sich mittlerweile in Grenzen hält, d.h. im Klartext: Ich MUSS Deiner Meinung nicht folgen. Die ist mir nämlich in sich zu intolerant.

    @Martin B.
    Das “alles” beim “vergiften” ist ein Problem, da zu undifferenziert, stimmt.
    Ich bin Atheistin, aber ich habe keine Organisation, keine Regeln, praktisch keine Gemeinsamkeiten mit anderne Atheisten im praktischen Leben, ich bin nicht radikalisiert in der Wortbedeutung von Radikalismus. Die meisten Religionen/Glaubensrichtungen können das von sich nicht behaupten.

  14. #14 Physiker
    05/30/2010

    @ MartinB/cydonia:
    cydonia hat wieder eine interessante Frage angeschnitten:
    Angenommen der Begriff “radikaler Atheismus” würde ausschließlich von Gottesgläubigen als “despektierlicher Ausdruck” gebraucht (was nicht zutrifft, siehe z.B. hier: http://radicalatheists.blogspot.com/ – es handelt sich also auch um eine Selbstbezeichnung), wie bewertet man dann die Verwendung dieses Ausdrucks in theologischen Werken? Würde man damit nicht die gesamte Theologie (oder zumindest alle Theologen, die diesen Begriff verwenden) beschuldigen, gegen den Atheismus zu hetzen?
    Ich finde diesen Vorwurf sehr stark, deshalb habe ich im Google-Book-Link die theologischen Werke explizit nicht ausgeschlossen…

  15. #15 cydonia
    05/30/2010

    Physiker, das ist eine private Seite!
    Meine Frage bezog sich wirklich auf den öffentlichen Diskurs, und in dem Zusammenhang halte ich es für eher unwahrscheinlich, dass sich jemand, der zur Überzeugung gelangt ist, dass es mit äußerst großer Wahrscheinlichkeit kein gottähnliches Wesen gibt, als radikal bezeichnet. Außer nätürlich, um ein wenig zu provozieren.
    In diesem Sinne nochmal das Buskampagne-Zitat:
    “There’s probably no god. Now stop worrying, and enjoy your life!”
    Es gibt definitiv wichtigere Dinge im Leben, als sich mit der Frage zu beschäftigen, was denn ein eingebildetes Wesen so will. Und diese Herangehensweise ist eher gelassen und recht unradikal aus meiner Sicht.

  16. #16 MartinB
    05/30/2010

    @Physiker
    “Angenommen der Begriff “radikaler Atheismus” würde ausschließlich von Gottesgläubigen als “despektierlicher Ausdruck” gebraucht …, wie bewertet man dann die Verwendung dieses Ausdrucks in theologischen Werken? Würde man damit nicht die gesamte Theologie (oder zumindest alle Theologen, die diesen Begriff verwenden) beschuldigen, gegen den Atheismus zu hetzen?”
    Die Frage enthält einen logischen Widerspruch:
    Wenn der Begriff *ausschließlich* als despektierlicher Ausdruck gebraucht werden, so könnte es logischerweise keine Theologen geben, die den Begriff verwenden, ohne gegen den Atheismus zu hetzen.

    Wenn man ausschließlich durch “überwiegend” ersetzt, dann könnte man sie vielleicht mit “ja” beantworten (so wie man heute nicht mehr so gern “Neger” sagt oder “Krüppel” etc., wegen der Konnotationen, die durch den Gebrauch zu Stande kamen).

  17. #17 MartinB
    05/30/2010

    @AndreaND
    “Das “alles” beim “vergiften” ist ein Problem, da zu undifferenziert, stimmt.”
    Prima, dann sind wir uns ja soweit einig.

    “Ich bin Atheistin, aber ich habe keine Organisation…”
    Das ist ja auch o.k., aber wie du schen selbst sagst, Atheistin bist du trotzdem. Ich verstehe jetzt Dein Problem etwas besser: es ist schwierig, den Leuten klar zu machen, dass Atheisten nicht unbedingt viel gemeinsam haben (genauso wie die Nicht-Bayern-Fans).

  18. #18 Hacko
    05/31/2010

    Soso, er kann niemanden respektieren, der an Gott glaubt (der Artikelautor). Dann dürfte wohl auch kein Respekt für den gottgläubigen A.Einstein vorhanden sein. Und eine Reihe weiterer weltberühmter Physiker.

  19. #19 Physiker
    05/31/2010

    @ cydonia, (Andrea N.D.):
    Wenn jemand privat von sich behauptet, er sei ein radikaler Atheist, dann respektiere ich diese Selbstbezeichnung und erkenne diesen Standpunkt selbstverständlich an.
    Ich habe einmal mit einem (extrem) orthodoxen Muslim diskutiert. Dieser hat die Existenz von Atheisten geleugnet – ich erinnere mich leider nicht mehr genau an die Begründung, aber es wird wahrscheinlich über den Koran gelaufen sein. Es gibt meiner Meinung nach keine intolerantere Haltung, als die Existenz einer Weltanschauung zu leugnen, zu der sich eine andere Person bekennt. Begehen Sie also bitte nicht den selben Fehler.
    Nachdem Sie offensichtlich kein radikaler Atheist sind, was berechtigt Sie dann dazu, allen, die sich als Atheisten bezeichnen, Ihren speziellen Standpunkt überzustülpen?
    Es gibt (beliebig) viele atheistische Positionen, die den Aussagen der Buskampagne nicht zustimmen:

    -> Manche widersprechen der Aussage, weil sie es für eine Gewissheit halten, dass es keinen Gott gibt. Und auch ich respektiere selbst so eine radikale Haltung zutiefst, man denke nur an KZ-Überlebenden, die zu dieser Einsicht gelangt sind.
    -> Andere Atheisten halten bereits diese Wahrscheinlichkeitsangabe (“There is probably no God”) für unsinnig, weil sich ein (Wahrscheinlichkeits-)Maß nicht eignet um Irrationales zu beschreiben.

    Wenn ich Atheist wäre, würde ich dem von Ihnen zitierten Slogan der Buskampagne aus dem letztgenannten Grund kritisieren.

  20. #20 cydonia
    05/31/2010

    @Physiker
    Ich habe den Eindruck, dass Sie nicht verstehen wollen, und mit Hilfe pseudologischer Spitzfindigkeiten eine Position, die Sie anscheinend schwer fassen können, lächerlich zu machen versuchen.
    “Wenn Sie Atheist wären”, würden Sie einen Tee trinken, den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, und den Gläubigen ihren Kinderglauben lassen.
    Glauben Sie mir, wenn Diskussionen mit Gläubigen mich eins gelehrt haben, dann dass sie absolut sinnlos sind. Deswegen ist und bleibt das Hauptziel der meisten Atheisten, die ich kenne, der Verbreitung jeder hirnerweichenden Ideologie entgegenzutreten. Wer religiösen Unsinn wirklich glaubt, ist für die Logik eh verloren.
    Also, bemühen Sie sich nicht weiter, etwas zu kritisieren, das Sie nicht einmal ansatzweise verstehen wollen. Ihre Argumentationsweise bleibt übrigens eine Zumutung. Ein bisschen Mühe müssten Sie sich schon geben, wenn Sie ernstgenommen werden wollen. Sie würden schließlich auch jemanden nicht ernstnehmen, der eben mal ein paar Grundprinzipien der Physik als unsinnig bezeichnet, obwohl er sich mit der Materie nie wirklich beschäftigt hat.
    Argumentieren ist schwierig, wird niemandem in die Wiege gelegt, und muss erlernt werden. Sie denken, dass Sie es nicht lernen müssen, und leisten sich genau deswegen die Fehler eines blutigen Anfängers. Also nochmal: Bitte geben Sie sich ein bisschen mehr Mühe. Danke.

  21. #21 Physiker
    05/31/2010

    @ cydonia:
    Mein vorausgehender Beitrag hatte ein sehr ernstes Thema. Ich plädiere für mehr Toleranz (auch und gerade) gegenüber Atheisten. Wenn Sie mit meinen Aussagen nicht einverstanden sind, dann präzisieren Sie bitte Ihre Kritik.

  22. #22 cydonia
    05/31/2010

    Tut mir leid, aber ich habe Sie nicht verstehen können, und das wollte ich Ihnen klar machen. Ich setze mich später nochmal mit Ihrem Anliegen auseinander, und stelle dann auch Verständnisfragen.

  23. #23 kaner
    05/31/2010

    Wer was sucht, der findet meist auch was.

    Auf den Dalai Lama eindreschen ist relativ leicht und enthält scheinbar genau die Menge an Potential zur Polarisierung, die ein junger, aufstrebender Blogger sucht. Der Post hat dann wohl mit 122 Kommentaren genau die gewünschte Wirkung erzielt. Beim nächsten Mal aber bitte weniger offensichtlich.

    Einen einzelnen Text auf Teufel-Komm-Raus und ohne Hintergrundwissen zu zerpflücken stößt doch ziemlich sauer auf. Klingt irgendwie alles weniger nach “Scienceblog” als nach gekränkter Leberwurst.

  24. #24 cydonia
    05/31/2010

    Zur Präzisierung meiner Kritik:
    Mehr Toleranz gegenüber Atheisten? Brauch ich nicht: Wenn jemand mit meiner Art, die Welt zu sehen, nicht einverstanden ist, soll er mit mir diskutieren.
    “Es gibt…keine intolerantere Haltung, als die Existenz einer Weltanschauung zu leugnen”
    Sie postulieren (nicht zum ersten Mal) Dinge, die äußerst merkwürdig und auch nicht logisch sind. Ich kenne Niemanden, der eine Weltanschauung leugnet(Wie soll das denn bitteschön gehen? Etwa “Es gibt keine Kreationisten, weil ich das so will !” Sehr schräg)
    Und dann eine Aussage wie: “Es gibt keine intolerantere Haltung…”
    Für wen halten Sie sich denn? Für Gott? Sowas muss man begründen!
    Und so weiter und so fort….
    Also nochmal: Sie glauben, dass Sie argumentieren, tun das aber nicht! Daraus kann ich nur schließen, dass Sie es nicht gewohnt sind. Das hier ist aber kein Argumentationskurs. Die Mitdiskutanten sind nicht dazu da, Sie auf ihre diskussionstechnischen Mängel hinzuweisen.
    Und das ist nicht böse gemeint, aber Sie scheinen die Grundlagen einer logischen Argumentationsweise einfach nicht zu kennen, oder aber zu ignorieren. Was sollen wir denn machen, außer den Kopf zu schütteln?

  25. #25 Physiker
    05/31/2010

    @ cydonia:
    “Mehr Toleranz gegenüber Atheisten? Brauch ich nicht:[...]”
    Was für eine Steilvorlage…
    Übrigens, Argumente beginnen nicht mit “meiner Meinung nach,…”

  26. #26 cydonia
    06/01/2010

    Kannitverstan…

  27. #27 afgncaap
    06/03/2010

    “< >”

    Scharf beobachtet.
    Diese Schärfe wünschte ich mir jetzt noch bei einigen weiterführenden Gedanken zur menschlichen Psyche (z.B. dem grundsätzlich weit verbreitetem Bedürfnis nach Schutz, Geborgenheit, Überpapas und Übermamas…) -
    und die weitere Würdigung des Dalais könnte anders ausfallen;
    Es ist schon sehr sinnvoll – und raffiniert -
    dass er das allgemeine Bedürfnis nach Überpapis (oder meinetwegen auch Transzendez) klug bedient.
    Lieber er als andere.

  28. #28 JJ
    07/07/2010

    Sorry, da muss ich doch gleich mal nachhaken, wo soll sich denn da ein Atheist angesprochen fuehlen oder denken, dass der Dalai Lama ihn angreift, ich empfinde eher, dass hier was aus dem Kontext genommen worden ist. Ich kann in den von Ihnen angegebenen Aussagen in Englisch vom Dalai Lama keinen Angriff auf die Atheisten sehen.

  29. #29 Bullet
    07/08/2010

    Blind? In Jörgs Artikel zweiter Zitatkasten (Orange):

    Radical atheists issue blanket condemnations of those who hold to religious beliefs.

    Übersetzt: Radikale Atheisten [ausgeben, verteilen] Pauschalverurteilungen/- anklagen /-verdammungen an jene, die an religiösen Uberzeugungen festhalten /(oder einfach: solche haben).
    Typisches Geheule frei nach “buhu, die bösen Atheisten wollen uns unsere Steinigungen und Steuerbefreiungen wegnehmen, und dann wollen sie auch noch, daß man niemanden in die Kirche zwingen kann …. buhuuu”

    Allein schon “Radikale Atheisten”. Wat solln dat sein? Gibt es auch gemäßigte? “Ich glaube, daß es 3% Gott gibt”?

  30. #30 JJ
    07/08/2010

    Nun bist Du denn ein radikaler Atheist? Ich denke nicht, dass Buddhismus oder der Dalai Lama irgendetwas gegen Atheisten hat. Es gibt sicherlich Gruppierungen unter den Atheisten, so wie sie auch in Relgionen oder anderen Gruppierungen vorhanden sind, die auf Leute schimpfen, die einer Religion anhaengen. Generell ist es aber wichtig uns alle so zu akzeptieren und nicht uns gegenseitig zu beleidgen, wenn es um Glauben oder Religion geht. Wichtig ist doch letztendlich, dass wir alle ordentlich, herzlich und vorallem menschlich miteinander umgehen sollten und nicht versuchen sollten uns an Saetzen und Glaubensaetze andere hochzuziehen, das bringt letztendlich keinem von uns irgendetwas. Ich denke sogar, dass solche “Missverstaendniss” das sind was Streit und Unruhe in einem Land, einer Kommune oder einer Familie oder unter Freunden noch anfeuert.

    Ich denke daher, dass der Dalai Lama nicht von Antheisten in dem Sinne sondern von radikalen Gruppierungen spricht.

  31. #31 Mooncat
    07/14/2010

    oh je. Dieser Artikel ist – um im verbalen Stil des Autors zu bleiben – leider ein Griff in die Kloschüssel. Man merkt dem Autor an, dass er intelektuell die Denkweise des Dalai Lama nicht versteht, weil er sie per se ablehnt. Keine Argumentation, sondern ausglutschte (um wieder in die Wortwahl des Autors zu verfallen) Gegen-Behauptungen – philopsphisch und argumentationstechnische Nullnummer….

    Ich will jetzt nicht meine Zeit damit verschwenden anhand des Textes nachzuweisen, dass der Text leider definitv das Attribut “intolerant” verdient und der wütende Unterton ist unüber-lesbar. Auch spare ich mir die vielen Gegenargumente gegen die Thesen hier aufzulisten, z.B. warum der Atheismus in der Tat die wesentlichen Eigenschaften einer Religion erfüllt.
    Wer schreit hat Unrecht. Der Dalai Lama lächelt über solche Artikel. Wer geistig offen ist für andere Denkansätze – (Albert Einstein’s Lieblings-frühsport war der Versuch eine seiner Lieblingsthesen zu widerlegen-) erkennt allein daran, was von diesem Artikel zu halten ist.
    Bisher habe ich mir noch keine Meinung zu den Thesen des Dalai Lama gemacht. Aber wer so angefeindet und absichtlich misverstanden wird, der hat wohl etwas “gefährliche Wahres” zu sagen.

    P.S. Meine Diplomarbeit war im Bereich Elementarteilchenphysik.

  32. #32 Randifan
    07/14/2010

    ” Radical atheists issue blanket condemnations of those who hold to religious beliefs.”
    Der Dalai Lama ist da nicht viel anders als die Kirchen, die den Atheismus in Grund und Boden verdammen. Sie fürchten die Rationalität, könnte ihren irratioanlen Glauben unterminieren. Da haben die religiösen Führer keine Wahl, als den Atheismus zu verdammen.

    Im Grunde ist der Dalai Lama viel schlimmer als der Papst, was die Sexualität angeht, er betrachtet Homosexualität als Unzucht und darf unbehelligt von homosexuellen Aktivisten durch die Welt reisen.
    http://www.butterfliesandwheels.org/2010/secrets-of-the-dalai-lama/

  33. #33 YeRainbow
    07/04/2011

    Der DAlei lama – intellektuell?
    oha….

    jede REligion betreibt public relations.
    Glaubt wirklich noch wer, die Werbung erzählt realistische Zusammenhänge?

  34. #34 Farfalla
    10/05/2011

    Ich würde einen starken Atheisten so definieren: Ein Nicht-Theist der in Lösung die Fähigkeit hat massiv Theisten aufzunehmen,
    oder anders: wenn man zu einer Menge einen Atheisten hinzugibt, dann bewirkt er das der Theisten-Faktor Ka, welcher sich berechnet indem man die Konzentration der Theisten mit der Konzentration der Atheisten multipliziert und durch die Konzentration der noch vorhanden Agnostiker dividiert, größer als 1 ist, unter der Vorraussetzung das die Menge vorher rein agnostisch war.
    Ist natürlich nur ne Arbeitshypothese um klare Begriffe festzulegen und nicht in so ein wohlfühl-alle-sind-nett-geschwubbel zu verfallen.