Von wegen ‘Climategate’

Ich hab den Begriff ‘Climategate’ nie verwendet, weil es nur ein Marketingvehikel marktschreiender Wissenschaftsfeinde war. Abgebrühtes Kalkül, um auf BILD-Niveau (bzw. mittlerweile halt Spiegel Online-Niveau) Stimmung gegen die Klimaforschung zu machen.

Bestimmend mitgemischt hat die Sunday Times aus London, insbesondere hat Jonathan Leake eine muntere Geschichte um angeblich falsche Aussagen um die Sensitivität des Amazonas-Regenwaldes gegen Änderungen im Niederschlag zusammengelogen. Einer von mehreren anscheinend bewusst falsch zitierten Wissenschaftler hatte Beschwerde eingelegt, und jetzt endlich wurde der Artikel zurückgezogen. Monate zu spät.

The Sunday Times and the IPCC: Correction

The article “UN climate panel shamed by bogus rainforest claim” (News, Jan 31) stated that the 2007 Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) report had included an “unsubstantiated claim” that up to 40% of the Amazon rainforest could be sensitive to future changes in rainfall. The IPCC had referenced the claim to a report prepared for WWF by Andrew Rowell and Peter Moore, whom the article described as “green campaigners” with “little scientific expertise.” The article also stated that the authors’ research had been based on a scientific paper that dealt with the impact of human activity rather than climate change.

In fact, the IPCC’s Amazon statement is supported by peer-reviewed scientific evidence. In the case of the WWF report, the figure had, in error, not been referenced, but was based on research by the respected Amazon Environmental Research Institute (IPAM) which did relate to the impact of climate change. We also understand and accept that Mr Rowell is an experienced environmental journalist and that Dr Moore is an expert in forest management, and apologise for any suggestion to the contrary.

The article also quoted criticism of the IPCC’s use of the WWF report by Dr Simon Lewis, a Royal Society research fellow at the University of Leeds and leading specialist in tropical forest ecology. We accept that, in his quoted remarks, Dr Lewis was making the general point that both the IPCC and WWF should have cited the appropriate peer-reviewed scientific research literature. As he made clear to us at the time, including by sending us some of the research literature, Dr Lewis does not dispute the scientific basis for both the IPCC and the WWF reports’ statements on the potential vulnerability of the Amazon rainforest to droughts caused by climate change.

In addition, the article stated that Dr Lewis’ concern at the IPCC’s use of reports by environmental campaign groups related to the prospect of those reports being biased in their conclusions. We accept that Dr Lewis holds no such view – rather, he was concerned that the use of non-peer-reviewed sources risks creating the perception of bias and unnecessary controversy, which is unhelpful in advancing the public’s understanding of the science of climate change. A version of our article that had been checked with Dr Lewis underwent significant late editing and so did not give a fair or accurate account of his views on these points. We apologise for this.

The original article to which this correction refers has been removed

In einer Welt der Unehrlichkeit wird das niemandem auffallen, es sei denn wir brüllen es auch mal heraus. Hier sind noch ein paar die den Artikel abgeschrieben und noch nicht zurückgezogen haben.
Bei Spiegel Online steht der Artikel auch noch, mit Verlinkung des nicht mehr erreichbaren Sunday Times-Artikels. Ist ja auch nicht anders zu erwarten.

Kommentare

  1. #1 pogobi
    06/28/2010

    Ich erinnere mich noch, damals dachte ich mir: “Naja wenn der Spiegel das schreibt muss zumindest *etwas* dran sein”.

    Wie die Zeiten sich ändern können!

  2. #2 Wolfgang Flamme
    06/28/2010

    Mir ist bislang allerdings noch niemand bekannt, der zu dieser Behauptung im AR4 die konkrete wissenschaftlich abgesicherte Quelle hätte benennen können. Offenbar gibt es einen engagierten Wissenschaftler der meint, das könne durchaus so sein, obwohl solche Angaben aus seiner Sicht mit erheblichen Unsicherheiten behaftet seien.

    Gerade die Befürworter dieses Prozesses sollten sich fragen, ob es letztlich der Glaubwürdigkeit und Belastbarkeit der Reports dient, wenn sich darin all das wiederfindet, was manche Wissenschaftler trotz erheblicher Unsicherheiten für möglich halten, ohne daß sie eine nachprüfbare Referenz/Veröffentlichung dazu vorweisen können – maW, ob eine entsprechende Fachqualifikation und eine persönliche Überzeugung ausreichend sind, etwas offiziell als wissenschaftliche Tatsache anzuerkennen.

  3. #3 Stefan Taube
    06/29/2010

    Was den SPIEGEL anbelangt, sei hier auf einen Blogpost über eine Diplomarbeit die Klimaberichterstattung von SPIEGEL und ZEIT vergleicht hingewiesen:

    http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge/medien-check/2010-06-10/spiegel-vs-zeit-zum-klimawandel

  4. #4 Asja
    06/29/2010

    Die “Wissenschafts”redaktion des Spiegels ist leider wirklich für die Füße… ich habe die Hoffnung zwar noch nicht aufgegeben, dass sich da nochmal was ändert, aber sie schrumpft ziemlich schnell :/
    Da ich den Beitrag gern über Facebook “herausbrüllen” würde, kurz die Frage, ob Du es noch einstellst? Das wär cool.

  5. #5 Mike
    06/29/2010

    Mal eine Frage an Jörg: Was hat der Amazonas-Artikel der Sunday Times mit dem in der Überschrift erwähnten Climate-Gate zu tun?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Climategate

  6. #6 Steffen Hentrich
    07/02/2010

    Zu dumm, dass man sich hier zu früh entschuldigt hat: http://eureferendum.blogspot.com/2010/07/alibi-in-flames.html

  7. #7 Jörg
    07/02/2010

    @Steffen Hentrich: Haben Sie nicht genug damit zu tun, die internationalen Deppenschaft zu Leugnerkonferenzen zusammenzutrommeln?

  8. #8 Karl Mistelberger
    07/03/2010

    Mir ist bislang allerdings noch niemand bekannt, der zu dieser Behauptung im AR4 die konkrete wissenschaftlich abgesicherte Quelle hätte benennen können. Offenbar gibt es einen engagierten Wissenschaftler der meint, das könne durchaus so sein, obwohl solche Angaben aus seiner Sicht mit erheblichen Unsicherheiten behaftet seien. Gerade die Befürworter dieses Prozesses sollten sich fragen, ob es letztlich der Glaubwürdigkeit und Belastbarkeit der Reports dient, wenn sich darin all das wiederfindet, was manche Wissenschaftler trotz erheblicher Unsicherheiten für möglich halten, ohne daß sie eine nachprüfbare Referenz/Veröffentlichung dazu vorweisen können – maW, ob eine entsprechende Fachqualifikation und eine persönliche Überzeugung ausreichend sind, etwas offiziell als wissenschaftliche Tatsache anzuerkennen.

    Das ist sehr laut gepoltert. Gleichzeitig ist es ein deutliches Zeichen dafür, dass einer keine Ahnung hat:

    http://climateprogress.org/2010/03/19/amazon-forests-drought-ipcc-feedback-debunk/

    “Bali, Indonesia – A vicious feedback loop of climate change and deforestation could wipe out or severely damage nearly 60 percent of the Amazon forest by 2030, says a new report from WWF.”, siehe http://www.worldwildlife.org/who/media/press/2007/WWFPresitem1882.html

    http://www.worldwildlife.org/what/wherewework/amazon/WWFBinaryitem3712.pdf

  9. #9 Wolfgang Flamme
    07/03/2010

    @Karl Mistelberger

    Inhaltlich habe ich mir das noch gar nicht angesehen, aber … dieses WWF-PDF lautet aufs Erstellungsdatum 4.12.2007 – wie soll das dann Eingang in den AR4 gefunden haben?

    Also auf ein Neues, Karl.

  10. #10 Karl Mistelberger
    07/04/2010

    Inhaltlich habe ich mir das noch gar nicht angesehen, aber … dieses WWF-PDF lautet aufs Erstellungsdatum 4.12.2007 – wie soll das dann Eingang in den AR4 gefunden haben?

    Hör auf herumzulabern und probiere den Inhalt anzusehen und zu begreifen. Solange Du noch mit diesen Dingen ringst hilft dir dieses auf die Sprünge: http://scienceblogs.com/stoat/2010/07/fred_pearce_is_rubbish.php

    Are you on drugs, Wolfgang?

  11. #11 Wolfgang Flamme
    07/04/2010

    Vielen Dank für das Gespräch, Karl.