Studien die testen, warum Frauen in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern weniger stark vertreten sind deuten darauf hin, dass nicht (mehr?) Vorurteile, sondern die Wahl der Frauen die Ursache ist. Dass das aber keine freie Wahl ist, also nur von Talent und Interesse abhängt, darauf deutet u.a. eine neue Studie hin, über die Inside Higher Ed berichtet.

Darin haben die Autorinnen um Professorin Nilanjana Dasgupta einen “Impfansatz” gegen die Stereotype getestet, dass Frauen nicht in MINT-Fächer “passen”. In einer Studie an Studenten und Studentinnen eines Einsteiger-Analysis-Kurses an der University of Massachusetts wurde verfolgt, wie Performance, Beteiligung und Selbstsicherheit über die Dauer des Kurses entwickelten, je nachdem ob eine weibliche oder männliche Lehrkraft den Kurs hielt.
Dabei stellte sich heraus, dass Studentinnen durchgehend mehr zur Beantwortung von Fragen von Kursleiterinnen bereit waren als von Kursleitern, gleiches galt für das Stellen von Fragen nach dem Unterricht – wobei die Zahl hier zunächst gleich war und im Laufe des Kurses die Zahl an Nachfragen an männliche Instruktoren auf Null fiel!
Übrigens beteiligten auch Studenten sich aktiver bei weiblichen Lehrkräften, aber mit niedrigerem Unterschied im Vergleich zu Studentinnen. Außerdem war die Anzahl der frei gestellten Fragen im Unterricht bei Studenten und Studentinnen gleich.
Erstaunlicherweise, wenn man für die Effekte korrigierte und nur maß, wie gut die Student_innen ihr Material beherrschten, waren die Studentinnen fitter! Die Daten deuten also darauf hin, dass Studentinnen ihr Selbstvertrauen bei männlichen Professoren stärker verlieren und dass dies die Entscheidung gegen MINT-Fächer beeinflusst.

Die Autorinnen fassen das schön zusammen:

Several recent studies have suggested that the gender gap in STEM fields is caused not by bias, but simply by different choices made by men and women. What the new research shows, Dasgupta said, is choice isn’t as simple as people think. “People assume that these choices are free choices, based on talent and interest and motivation,” Dasgupta said. “But these data suggest that the meaning of choices, of what it means to choose math or science, is more complicated. Even talented people may not choose math or science not because they don’t like it or are not good at it, but because they feel that they don’t belong.”

Die Entscheidung gegen oder für mathematische Fächer ist nicht frei, das Empfinden einer Unzugehörigkeit in den “Männer-Club” ist mitentscheidend. Als Gegenmaßnahme schlägt Dasgupta vor, dass weibliche Lehrkräfte stärker vor allem in den Einsteigerkursen eingesetzt werden, als eine Art “Impfung” gegen Stereotypen, um das Selbstvertrauen der Studentinnen zu bewahren und das Image der MINT-Fächer zu ändern. Eine gute Anregung am Weltfrauentag.

(via Restructure!)

PS: Meine Geduld mit Kerlen, die erklären wollen dass Frauenhirne ja anders sind oder dass in Wahrheit die armen armen Männer diskriminiert werden ist erschöpft, ich will das nicht lesen in den Kommentaren.

Kommentare (31)

  1. #1 Andreas
    03/08/2011

    Die (ohne Frage zu wenigen) Frauen werden sich bedanken, dass sie in Zukunft nur noch Einsteigerveranstaltungen lesen dürfen.

  2. #2 Jürgen Schönstein
    03/08/2011

    Ich hatte zu dem Thema ja auch schon ab und zu geschrieben (zuletzt hierschamlose Eigenwerbung), und ich fürchte, dass man – parallel zum “vorauseilenden Gehorsam” (in dem der Akt des Befehls quasi schon verinnerlicht ist und vorweg genommen wird) – hier von einer Art “vorauseilender Diskriminierung” sprechen könnte. Denn de facto ist Diskriminierung zwar nur dann gegeben, wenn Bewerberinnen trotz vergleichbarer Qualifikation abgelehnt werden. Aber dabei werden natürlich möglicher Weise viele Bewerbungen von Frauen übersehen, die gar nicht erst eingeschickt wurden. Vielleicht, weil sie sich sowieso keine Chancen im Bewerbungsverfahren ausrechnen; vielleicht, weil sie sich gar nicht erst ausmalen wollen, wie es ist, in einem von Männern dominierten (kommt von lat. dominus = Hausherr!) Umfeld zu arbeiten. Oder weil sie inzwischen selbst glauben, dass das “nichts für Frauen” ist. Nur weil formal nicht diskriminiert wird, heißt es ja nicht, dass nicht trotzdem diskriminierende Mechanismen am Werk sind.

  3. #3 radicchio
    03/08/2011

    Die Entscheidung gegen oder für mathematische Fächer ist nicht frei, das Empfinden einer Unzugehörigkeit in den “Männer-Club” ist mitentscheidend.

    mal abgesehen von der frage, wie frei entscheidungen überhaupt sein können, ist auch die entscheidung möglich, eine “unzugehörigkeit” in kauf zu nehmen. letztendlich gibt es bei jeder entscheidung gesellschaftliche einflussfaktoren. aber das macht die eigenverantwortung des individuums nicht ungültig.

    im kampf gegen stereotype bei studentinnen anzufangen, halte ich für viel zu spät. warum kommen die mädchen nicht mit der gewissheit aus der schule, dass sie für MINT die gleiche befähigung haben wie jungs? warum kommen sie nicht mit der gewissheit IN die schule, in mathe genauso gut sein zu können wie jungs?
    wer fängt wann an, stereotype zu vermitteln? dort muss man ansetzen.

    wieso werden in den medien unwidersprochen stereotype perpetuiert und als unumstößliche wahrheiten verkauft? wer schreitet da ein? wo sind wissenschaft und feministinnen, wenn es darum geht, grenzdebile quiz-shows “männer gegen frauen” oder pseudowissenschaftliches “wir machen den test: wer parkt besser ein” als billigen sexismus zu brandmarken?

    usw.

  4. #4 Saturnous
    03/08/2011

    Ist das verdonnern der weiblichen Lehrkräfte vornehmlich Einsteigerkurse zu geben dann nicht widerum eine Form der Diskriminierung ?

    Quotenregelungen diskriminieren am Ende die Schwächsten der Mehrheit.

  5. #5 Christian W
    03/09/2011

    @Andreas & Saturnus
    Jörg hat geschrieben:

    Als Gegenmaßnahme schlägt Dasgupta vor, dass weibliche Lehrkräfte stärker vor allem in den Einsteigerkursen eingesetzt werden

    Das bedeutet nicht, dass alle weiblichen Lehrkräfte nur Einsteigerkurse geben sollen. Und es wäre ja auch genau der verkehrte Schwenk ins andere Extrem, wenn die Einsteigerkurse überwiegend häufig von Frauen gehalten würden und sich irgendwann vielleicht männliche Studenten deplatziert fühlen (wobei ich das gar nicht unbedingt glaube und ob es tatsächlich umgekehrt genauso wäre ist vielleicht eine interessante theoretische Frage, aber derzeit praktisch irrelevant). Nein, ich denke den Autoren – und wohl auch Jörg – schwebt ein möglichst gleiches Verhältnis der Lehrkraft-Geschlechter vor und zwar idealerweise auf sämtliche Kurse in Grund- und Hauptstudium verteilt, besonders wichtig jedoch am Studienanfang, wo natürlicherweise die Aussteigerquote am höchsten ist.

    Die offensichtliche Idee ist ja, dass man sozusagen den unerwünschten status quo (unnatürliches Geschlechterverhältnis in bestimmten Wissenschaften) vor den potentiellen zukünftigen Vertretern (Studienanfängern) “versteckt”, damit sich keiner aufgrund seines Geschlechts deplatziert fühlt (“Alle Dozenten, Übungsleiter und Tutoren sind Männer, da komme ich mir schon ziemlich merkwürdig vor”). Und wenn sich dadurch das Geschlechterverhältnis unter den Studenten sukzessive “normalisiert”, geschieht das automatisch irgendwann auch bei Absolventen, Doktoranden, Habilitationen…

    Deswegen auch @radicchio (“wer fängt wann an, stereotype zu vermitteln? dort muss man ansetzen. “): Die Disziplin-abhängigen Geschlechter-Stereotypen beginnen eben gerade mit den Geschlechtern ihrer sichtbaren Vertreter in Öffentlichkeit und auch im Hörsaal. Wenn nicht 99% der bekannten historischen und heutigen Physiker sondern die Hälfte oder wenigstens zwei Drittel von ihnen Männer (gewesen) wären, würde es eben auch niemand in irgendeiner Form bemerkenswert finden, dass eine junge Frau ein Physikstudium beginnt und Physikstudentinnen kämen schon nicht mit der Vorahnung an die Hochschulen, einem Männerclub beizutreten, geschweige denn dass sie während des Studiums irgendwann auf diese Idee kämen.

    Ich fände es jetzt sehr interessant, ob man diesen Gedanken verallgemeinern kann – kann man eine “normale” Geschlechterverteilung in beliebigen Wissenschaften und Berufen erreichen oder wenigstens befördern, indem man einfach bewusst auf eine gleichmäßige Verteilung der Geschlechter der “Ausbilder” achtet, egal wie das Verhältnis aktuell tatsächlich ist? Würden auch mehr Männer Pflegeberufe, Erziehungsberufe, etc. erlernen, wenn ihre “Ausbilder” zu 50% Männer wären?

  6. #6 igel
    03/09/2011

    Ich glaube nicht, dass sich die Geschlechter gleichmäßiger auf alle Berufsgruppen verteilen lassen, nur indem man die Anteile bei den Ausbildern anpasst. Die Einteilung von bestimmten Berufen in “männlich” und “weiblich” findet schon weit vorher statt. Und wer einen Berufswunsch hat, formuliert ihn meistens nicht mit Hinblick auf die Ausbildung, sondern hat meistens eine umfassenderes Bild.

    Solange es als “typisch Mann” gilt, an Motoren zu Arbeiten und es “typisch Frau” ist, sich um Kranke zu kümmern, ist es egal, welches Geschlecht der Lehrer hat. Die Entscheidung, ob man sich überhaupt bewirbt, fällt vorher.

  7. #7 Jabroni
    03/09/2011

    Gibt es denn keinerlei natürliche Geschlechterunterschiede? Ich weiß, dass viele Unterschiede anerzogen sind. Ich habe aber auch oft gelesen, dass sich Männer eher für Technik/Maschinen/Geräte/etc, während Frauen sich stärker für Menschen interessieren.
    Das ist nicht überraschend. Frauen kommunizieren ja auch mehr und tun dies teilweise mit anderen Motiven. Sie sind konzentrieren sich stärker an sozialen Interaktionen.
    Bin ich hier falsch informiert? Und wenn nein: Wie groß ist der Einfluss von diesen “natürlichen” Unterschieden auf das unterschiedliche Interesse an entsprechenden Studiengängen?

  8. #8 Christian W
    03/09/2011

    Ich glaube nicht, dass sich die Geschlechter gleichmäßiger auf alle Berufsgruppen verteilen lassen, nur indem man die Anteile bei den Ausbildern anpasst. Die Einteilung von bestimmten Berufen in “männlich” und “weiblich” findet schon weit vorher statt. Und wer einen Berufswunsch hat, formuliert ihn meistens nicht mit Hinblick auf die Ausbildung, sondern hat meistens eine umfassenderes Bild.

    Solange es als “typisch Mann” gilt, an Motoren zu Arbeiten und es “typisch Frau” ist, sich um Kranke zu kümmern, ist es egal, welches Geschlecht der Lehrer hat. Die Entscheidung, ob man sich überhaupt bewirbt, fällt vorher.

    Zunächst: Niemand, auch ich nicht, hat behauptet, dass “sich die Geschlechter gleichmäßiger auf alle Berufsgruppen verteilen lassen, nur indem man die Anteile bei den Ausbildern anpasst” – es ist vorgeschlagen worden und ich kann mir vorstellen, dass das auch dazu beitragen kann, dass sich das gewünschte Verhältnis irgendwann einstellt.

    Und dann hast du natürlich Recht, dass ein Berufswunsch nicht erst während oder mit Hinblick auf die Ausbildung entsteht, sondern vorher. Doch das heißt eben nicht, dass man nicht auch am in der Studie angesprochenen Punkt ansetzen kann – denn wo sonst soll man wie ansetzen? Quotenregelungen funktionieren nicht, Imagekampagnen wenn überhaupt nur minimal und egal was man sonst noch tut, ändert nichts am grundlegenden Problem: Das Geschlechter-Verhältnis in bestimmten Berufen/Wissenschaftsdisziplinen unterscheidet sich massiv vom Verhältnis in der gesamten Gesellschaft. Warum, was ist die Ursache? Klar, es erlernen zu wenige Vertreter eines Geschlechts den jeweiligen Beruf/studieren die jeweilige Disziplin. Warum? Weil es das Image einer Männer-/Frauen-Domäne hat. Warum? Weil sich das Geschlechter-Verhältnis dort massiv vom Verhältnis in der gesamten Gesellschaft unterscheidet. Shit, chicken or the egg.

    Es gibt offenbar keine allererste Ursache, weshalb das normative Beheben des Problems überhaupt nicht funktioniert. Deswegen werden mehrere, sukzessive und in den ewigen Kreislauf integrierbare Maßnahmen benötigt und eine davon könnte eben sein, dass in Lehre und Ausbildung demonstrativ auf ein gleichmäßiges Geschlechterverhältnis bei den Lehrenden geachtet wird, unabhängig vom tatsächlichen Verhältnis im Fachbereich. Natürlich wird dadurch nicht automatisch der Berufswunsch von Schülern oder das Image der Disziplin in der Öffentlichkeit geändert. Aber das behauptet ja auch niemand, sondern die Studie legt nahe, dass diese Maßnahmen dazu beitragen, dass weniger Vertreterinnen des numerisch unterlegenen Geschlechts ihr begonnenes Studium/Ausbildung wieder abbrechen. Meine Argumentation ist nun: Okay, das könnte mittel- und langfristig dazu führen, dass sich das Geschlechterverhältnis in der Disziplin angleicht. Denn wenn die wenigen, die sich überhaupt trotz geschlechtlicher Unterzahl dafür interessieren, dabei bleiben statt aufzugeben, steigt automatisch die Anzahl der Absolventen und damit Vertreter des Geschlechts in der Disziplin, wodurch automatisch irgendwann sich auch das öffentliche Image ändert.

    Gut, das kann ein Irrtum sein und leider wieder nicht funktionieren. Aber die Ergebnisse der Studie weisen auf die Möglichkeit und ich finde, dass man durchaus so argumentieren kann, ohne völligen Blödsinn zu reden.

  9. #9 Christian W
    03/09/2011

    Gibt es denn keinerlei natürliche Geschlechterunterschiede?

    Mein Wissensstand ist: Mit Ausnahme der anatomischen ist bei sämlichen beobachtbaren Unterschieden zwischen Mann und Frau höchst unklar wenn nicht unmöglich zu klären, ob sie natürlich oder anerzogen sind. Das Problem ist wohl, dass man einen Menschen nicht “nicht erziehen” oder “experimentell erziehen” kann, wodurch es ziemlich unmöglich wird, Studien mit Kontrollgruppen oder gar randomisierte und verblindete Studien durchzuführen.
    Aber deine Fragen sind sehr gute Fragen. Wenn es dazu Material gibt, würde ich mich ebenfalls gern damit beschäftigen. Hat oder weiß jemand etwas dazu?

  10. #10 susanne
    03/09/2011

    Auch wenn der Blogbetreiber es nicht gerne sieht (er hat da so seine Probleme
    mit der Meinungsfreiheit (“ich will das nicht lesen in den Kommentaren”), für die woanders
    gekämpt wird…), es gibt sehr wohl Unterschiede. Ich empfehle dazu die folgende Geschichte,
    die allerdings – sorry – nichts mit der hier gewünschten “Alle-sind-gleich”-Ideologie konform geht:
    http://www.zeit.de/2007/27/PS-Jungen-M-dchen

    Mal sehen, wieviel Zeit vergeht, bis der große Zensor wieder die Meinungsfreiheit in seinem Blog bekämpft!

  11. #11 soph
    03/09/2011

    @Susanne: Abgesehen davon, dass zumindest die erste Seite reichlich dumm daherkommt (auch ich habe Bub/Mädchen-Zwillinge, habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass die rosa Phase erst durch/im Kindergarten entstand), wo steht nun, dass Mädchen nicht das Hirn hätten für MINT bzw. einfach natürlich nicht wollten?

    Was darüber hinaus aber letztlich das Totschlagargument ist: In südeuropäischen, Nahost- und Südostasiatischen Ländern (also Gegenden, die wir gerne als gesellschaftlich rückständig und patriarchalisch sehen) ist der Frauenanteil unter Studenten der Naturwissenschaften und technischer Studien weitaus höher als in deutschsprachigen Ländern. Sind dort die XX-Gene anders?

  12. #12 MisterX
    03/09/2011

    Was zur hölle ist ein MINT-Fach????

    gruß

  13. #13 radicchio
    03/09/2011

    … ist bei sämlichen beobachtbaren Unterschieden zwischen Mann und Frau höchst unklar wenn nicht unmöglich zu klären, ob sie natürlich oder anerzogen sind.

    nö. das ist sogar recht einfach zu klären. einfach genau hinschauen und nicht glauben, was “man überall” hören und lesen kann.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,568159,00.html

  14. #14 igel
    03/09/2011

    @Christian W: Tut mir leid, da habe ich dich wohl nicht ganz richtig verstanden. Dass diese Methode hilft, indem die Abbrecherquote erniedrigt wird, ist auch ein extrem langfristiger Ansatz, kann aber eine gute Ergänzung zu anderen Konzepten sein.

    Was ich mit typisch Mann/Frau meinte ist, dass die diesbezügliche Unterscheidung von Berufen auch mit tiefer verankerten Vorstellungen von männlich und weiblich zusammenhängt. Nicht nur die Wahrnehmung des Berufes und des Geschlechtsanteiles an sich, sondern die Einteilung in männliche und weibliche Eigenschaften wie empathisch, energisch, gesprächig, tatkräftig… Allgemeine Klischees wie Frauen reden gerne und Männer können besser Karten lesen wirken sich auch auf die Beurteilung eines Berufes als passend/unpassend aus.

  15. #15 JV
    03/09/2011

    “Was zur hölle ist ein MINT-Fach????”

    Wikipedia sagt: Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik.

  16. #16 Saturnous
    03/09/2011

    Die Beobachtung das in Südosteuropa der Anteil der Frauen in technischen Berufen (spreche da für die Informatik) um einiges höher ist kann ich voll bestätigen. In diesen ärmeren Ländern sind aber Männer durch den Patriarchenkult verwöhnt wären Frauen sich eher durchbeissen müssen. Auch gibt es kein ausreichendes Angebot an ‘Versorgermännchen’ so das Frauen an der eigenen Karriere feilen müssen.

    Trotzdem gab es Tests wo man Primaten Puppen und Autos als Spielzeug anbot und Weibchen zu Puppen und Männchen zu Autos griffen.

    Ich halte nichts von der Leugnung des kleinen Unterschieds, unser Stammhirn hat den grösseren Einfluss. Frauen suchen Sicherheit sind paranoider während Männer schnellen Erfolg durch Aufnahme von Risiken suchen.

    Aber jetzt genau in MINT Fächern spielt der kleine Unterschied überhaupt keine Rolle – zumindenst bei der Leistungsfähigkeit. Ich vermute mal einfach die Frauen haben keine Lust und schreiben wenn überhaupt sich halbherzig in Kurse ein.

    Die Lösung ist also eher “Druck” auszuüben, einfach Migration für Frauen aus aller Welt vereinfachen so die Nachfrage bei den Versorgermännchen übersättigen und dann drückts mehr Frauen in ‘ökonomisch lukrative’ Bereiche.

  17. #17 Julia
    03/09/2011

    @Saturnous

    Frauen suchen Sicherheit sind paranoider während Männer schnellen Erfolg durch Aufnahme von Risiken suchen.

    Ob das wirklich anatomisch bedingte und nicht anerzogene Unterschiede sind? Es gibt schließlich auch manche Männer die paranoider sind und mehr Sicherheit suchen als manche Frauen und manche Frauen sind risikofreudiger als manche Männer. Es ist zu beobachten, dass risikoreicheres, draufgängerisches Verhalten bei kleinen Jungen eher gefördert/toleriert wird als bei kleinen Mädchen. Aggressives Verhalten wird bei Mädchen stärker sanktioniert als bei Jungen.

    Ich vermute mal einfach die Frauen haben keine Lust und schreiben wenn überhaupt sich halbherzig in Kurse ein.

    Wenn den Mädchen von der ersten Klasse an erzählt wird, dass Mädchen in Naturwissenschaften schlechter sind als Jungen, dann glauben viele von ihnen das früher oder später auch. Ob aus Bequemlichkeit (‘Ich muss mich in Mathe nicht anstrengen, ich bin schließlich ein Mädchen und die können Mathe einfach nicht’) oder verinnerlichter Überzeugung, das Endergebnis ist in beiden Fällen das gleiche: wenn das Interesse an Naturwissenschaften bei den Mädchen bereits im Keim erstickt wird, dann werden sich folglich auch weniger junge Frauen in MINT-Fächer einschreibein. Mit Lust hat das nichts zu tun.

    Zu der Situation in anderen Ländern: Ich habe den sog. “Migrationshintergrund” Dass Mädchen in Naturwissenschaften – angeblich – unbegabter sind, habe ich erst in Deutschland “erfahren”. Auffällig war für mich auch der geringere Anteil an Mädchen in Deutschland, die gute Noten in naturwissenschafltichen Fächern hatten.

  18. #18 Ulrich
    03/09/2011

    Schauen Sie, der Feminismus hatte ja durchaus einige Erfolge. Nehmen wir mal die Lehrer. Früher ein männerdominiertes Berufsfeld, heute finden sich dort schon viele Frauen, besonders in Volks- und Hauptschulen. Auf den Unis sind mitterweile über 50% weibliche Studierende. Schauen Sie sich mal das (auch technische) Studium der Architektur an. Auch hier: viele Frauen (ungefähr ausgeglichen)
    Aber bei den MINT-Fächern ist das Interesse zwar gewachsen, aber nachwievor gering. Jetzt frage ich Sie: Wie können Sie es umfassend erklären, dass es in bestimmten Gebieten geradezu einen Siegeszug gab und in anderen fast gar keine Veränderung?

  19. #19 Tims Struppi
    03/10/2011

    Was zu tun wäre müsste doch mittlerweile den meisten klar sein? Die Studie birgt für mich jetzt nicht revolutionär neue Erkenntnisse bzw. suggeriert sie, dass der Casus Knacktus mehr weibliche Kursleiterinnen sind, um etwas gegen den Frauenmangel in MINT Fächern zu unternehmen. Das wär allerings der finale Trugschluss, denn die Ursachen dafür fangen imho schon weit vorher an zeitlich bzw. sind eben v.a. in Deutschland stark durch gesellschaftliche Zwänge und individuale Sozialisation bedingt. Und woher bekommt man dann die Kursleiterinnen wenn sowieso sowenig Studentinnen vorhanden, eine Lösung ohne Umsetzbarkeit…

    Wo wäre unsere Familienministerin heute ohne Quote, wahrscheinlich nicht mal in leitender Position in einem Ministerium bei ihrem Alter (Traurig dass sie trotzdem dagegen ist). Gleiches gesellt sich zu gleichem, weils so Arbeitsvorgänge ökonomischer werden, eine Hand versteht und wäscht die andere Hand besser, woher kommt der hohe Juristen Anteil im Bundestag, warum kommen keine Frauen in DAX Vorstands Männerriegen. Man kann schlecht ein Quote für Studienwahl einführen, aber dann soll man den Frauen doch anderweitig entgegen kommen um Himmels Willen, mehr Mischstudiengänge entwickeln, so dass aufgrund frauenstarker nicht MINT Studiengänge automatisch sich dann mehr Frauen in technische MINT nahe Misch-Studiengänge einschreiben ab initio. Ich will als Frau auch nicht Phyisk studieren, wenn nur 5% “Gleichgesinnte”. Bafög studiengangabhängig machen soweit das verwaltungs-/ verfassungsrechtlich geht.

    Deutschlandspezifisch ist eben auch noch, dass wir nur 10% Akademiker haben und die soziale Auslese für die Studienplätze höher ist als in anderen Staaten. Das Faktum mit ausländ. Studentinnen und Doktorandinnen kann ich aus der eigenen Arbeitsgruppe auch bestätigen. Wir hatten Übernachfrage nach freien Doktorandenplätzen, nach der Auslese hat der Gruppenleiter bei uns überwiegend Frauen eingestellt aufgrund besserer Noten (um die leidige Chromosomen Debatte mal ad acta zu legen), im Ausland gibt es offensichtlich keine Gender Disposition in dem Mass, v.a. bei den asiatischen männlichen Studenten hab ich eher den Eindruck, dass diese aufgrund ihres stark passiven Schulsystems im Kindesalter erhebliche Defizite haben was kreatives/innovatives Denken angeht. Das scheinen mir osteuropäische Studentinnen weitaus selbstständiger. Soviel zu angeborener MINT-Fähigkeit.

    Warum ausgerechnet noch MINT Fächer, weil dies typische Arbeitnehmer Fächer sind, aufgrund der sozialen Auslese und Schwierigkeit dieser Fächer landen Frauen aber dann doch eher in Pharmazie, Chemie, Archtektur, Medizin weil sie da Praxis, Apotheke von Eltern oder Familienkreis übernehmen können bzw. vermute ich stark das die Brut es eher generell ihren Eltern nachtut statt völlig eigene Wege zu gehen.

    Ich hab während meines Zivildienstes in mehreren Studiengängen geschnuppert, hatte keine familiären Fussstapfen in die ich treten musste, konnte mich frei entscheiden, Physik hat mich am meisten interessiert und bot meinen Qualifikationen die besten Berufsaussichten. Im Studium hab ich kaum Kommilitonen kennengelernt, deren Eltern nen eigenes Unternehmen, Praxis, etc. gehabt hätte. Hoffentlich schreiben sich mehr ausländische Studentinnen in deutsche MINT-Studiengänge ein, ist für mich mittlerweile die einzige Option dass sich hierzulande mittelfristig was bewegt und uns nicht die Köpfe ausgehen wenn jetzt schon mehr Studenten weiblich statt männlich sind.

    In Hoffnung in Bälde den ersten Blog einer Physikerin zu lesen, das würde mehr bringen und mehr Akkeptanz/Interesse bei Einschreibenden wecken als Kursleiterinnen, mit Studiengebühren überlegen sich die meisten Frauen gleich zweimal ob sie überhaupt einen Fuss bei MINT versuchsweise in die Tür setzen. Arbeitnehmer soll heute fllexibel sein und überall auf der Welt einsetzbar, natürlich würd ich dann auch eher einen Studiengang wählen bei dem ich als Selbstständige das Privatleben unabhängig planen kann.

  20. #20 Arnd
    03/10/2011

    Hier ist doch ein Blog einer Physikerin (naja, Planetologin): http://www.scienceblogs.de/planeten/

    Wäre wirklich schön wenn sich mehr Mädchen für MINT-Fächer interessieren würden. Andererseits: Lasst die Mädchen doch einfach machen was sie wollen.

  21. #21 Jörg
    03/10/2011

    @susanne:

    Mal sehen, wieviel Zeit vergeht, bis der große Zensor wieder die Meinungsfreiheit in seinem Blog bekämpft!

    So viel Wind um den selben alten ZEIT-Artikel abzuladen. Du hast anscheinend grundlegende Schwierigkeiten zu verstehen, was Meinungsfreiheit ist. Lass dir das mal erklären!

    @MisterX:

    Lern doch bitte, Google zu bedienen.

    @Arnd, Saturnous

    Aber jetzt genau in MINT Fächern spielt der kleine Unterschied überhaupt keine Rolle – zumindenst bei der Leistungsfähigkeit. Ich vermute mal einfach die Frauen haben keine Lust und schreiben wenn überhaupt sich halbherzig in Kurse ein.

    Wäre wirklich schön wenn sich mehr Mädchen für MINT-Fächer interessieren würden. Andererseits: Lasst die Mädchen doch einfach machen was sie wollen.

    Wäre schön, wenn du den Artikel wenigstens lesen würdest bevor du kommentierst…

  22. #22 Saturnous
    03/10/2011

    @Julia

    Die Sozialisation bestreitet niemand. Aber du willst mir nicht erklären das Eltern z.B. die Religiosität ihrer Töchter fördern und bei Jungen behindern. Trotzdem gibt es signifikante Unterschiede – schau dir mal humanistische Gemeinschaften an, sie sind Verfechter der Gleichstellung aber trotzdem sind sie männerdominiert. Frauen haben mehr Angst gesellschaftlich non-konform zu sein.

    Its all about sex .. während Weibchen ihre Eizellen vorsichtig investieren müssen können Männer ihr Risiko streuen.

    Aber erklär mir mal warum sich Nerds ausbilden und warum weniger weibliche Nerds entstehen. Erklär mir die vom Geschlecht bestimmten Vorlieben von Primaten mit Puppen oder Autos zu spielen.

    Ohne ökonomischen Druck wird die Mehrzahl der Frauen sich vorwiegend für ökonomisch irrelevante Fächer interessieren, weil der westeuropäische Mann eh darauf dressiert ist sich um die Ernährung seiner Familie allein zu kümmern und sich von Frauen indirekt dominieren zu lassen.

  23. #23 igel
    03/10/2011

    Lustig, dass gerade die Affenstudie erwähnt wird. Die legt nämlich keinesfalls nahe, dass Frauen für MINT Fächer nicht geeignet sind:

    “As is the case with sex differences in children’s toy preferences, only male monkeys showed a significant preference for one toy type over the other, preferring wheeled over plush toys. Unlike male monkeys and like girls, female monkeys did not show any reliable preference for either toy type.”
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2583786/

    Das würde also eher darauf hindeuten, dass Männer in ihren Interessen eingeschränkt sind, während Frauen sich für viele verschiedene Dinge interessieren. Es gibt Männerdomänen dann also nur, weil Männer in vereinzelte Sparten drängen, während Frauen sich gleichmäßiger verteilen.

    Insgesamt halte ich das Übertragen von Affen, die mit einem Spielzeugauto spielen, auf die Studienbedingungen in Deutschland für einen absurden Argumentationsweg. Aber wenn, dann sollte wenigstens die Studie dazu stimmen.

    “Frauen haben mehr Angst gesellschaftlich non-konform zu sein.”
    Gerade diese Konformität wird ja anerzogen, und ist keinesfalls zwingend biologisch bedingt. Vielleicht nicht, indem einem Mädchen jeden Tag 2 mal gesagt wird: Du sollst religiös sein, aber indem es stärkere Sanktionen gibt, wenn gegen Regeln verstoßen wird.

    Und sehr interessant zur Risikobereitschaft:
    http://ftp.iza.org/dp4026.pdf
    http://ftp.iza.org/dp4027.pdf

    Studien, die Koedukation und Monoeduktation an Schulen vergleicht. Geschlechtsgetrennt unterrichtet haben Jungen und Mädchen die gleiche Risikobereitschaft.

  24. #24 s.s.t.
    03/10/2011

    Na ja, auch wenn ich mich i.S. Gender unbeliebt mache:

    Meine Mitarbeiter sind ca. 50/50 m/w verteilt. Mein Stellvertreter ist eine Frau. Alle arbeiten wissenschaftlich (-technisch). Bei den Fachbereichsbesprechungen sind 1/3 Frauen in den leitenden Funktionen (bei den NaWie’s 50%). Bei den Tagungen ist liegt der Frauenanteil auch bei gut einem Drittel, alles, wie gesagt, im NaWi-Bereich. Dennoch ist der Diskussionsstil Geschlechterspezifisch, auf allen Ebenen, nicht immer, aber in der Regel.

    Ich neige mehr zu der These. dass die Geschlechterrennung sehr früh, evtl. im Mutterleib erfolgt. Nachlesbar bei dem berüchtigten Fall von ‘Bruce Reimer’, u.a. hier:
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-16310965.html
    Auszug:

    In illustren Wissenschaftszirkeln wurde Moneys Theorie, die er bereits in Aufsätzen skizzierte, begeistert aufgenommen. Aber ein unbekannter Nachwuchsforscher forderte die Koryphäe heraus. Milton (“Mickey”) Diamond, Sohn jüdischer Emigranten aus der Ukraine, hatte an Hormonexperimenten mit Meerschweinchen mitgearbeitet. Sie ergaben bei den Föten eine geschlechtsspezifische Vorprägung im Gehirn. Daraus schloss er, dass auch beim Menschen das Tor keineswegs offen wäre.
    Selbstverständlich wusste auch Money, dass die Hormongeschichte im Mutterleib Spuren im kindlichen Hirn hinterließ. Denn das war der Part seiner engsten Mitarbeiterin Anke Ehrhardt, einer aus Hamburg stammenden Kaufmannstochter. Am Johns Hopkins Hospital studierte sie die geheimnisvolle Macht der männlichen Androgene, und zwar an Mädchen, die als Föten unter ihrem Einfluss gestanden hatten, entgegen der Naturregel.
    Alles, was die traditionellen Klischees für richtige Jungen vorsahen, war an diesen Mädchen zu beobachten. Sie verschmähten Puppen und liebten wilde, raumgreifende Spiele, natürlich auch Sport, sie waren ausgesprochen wettbewerbsorientiert und strebten in Kindergruppen nach Dominanz – zweifellos ein vorgeburtliches Androgen-Programm. Aber sie waren sicher als Mädchen identifiziert, und darin sah Money seinen Trumpf, schließlich hatten Diamonds Meerschweinchen keine Identität.

  25. #25 radicchio
    03/11/2011

    Fall von ‘Bruce Reimer’

    anekdoten sind keine daten.

  26. #26 s.s.t.
    03/11/2011

    @radicchio

    In dem verlinkten Artikel werden auch Studien erwähnt.

    Forschungen an Menschen sind grundsätzlich problematisch, daher hält sich die Datenlage in Grenzen.

    Ich vermute, dass die Geschlechterprägung sehr früh einsetzt (evtl. schon im Mutterleib) und wesentlich komplexer bzw. tiefgründiger ist, als dass sie sich (fast) allein auf die Sozialisation reduzieren lässt. Zumindest bei Bruce Reimer und einigen anderen, ist das mit der (forcierten) Sozialisation fürchterlich schiefgegangen.

    Leider erinnern Genderdebatten an Religionsdebatten und eigentlich wollte ich niemals mehr meinen Senf dazugeben, aber so ist das halt mit guten Vorsätzen.

    Mir pers. ist das Geschlecht meiner Mitarbeiter und Vorgesetzten egal; meine Aufgabe ist es meine Mitarbeiter nach ihren Fähigkeiten einzusetzen und sie entsprechend ihrer Persöhnlichkeit zu motivieren. Es gibt dabei für mich keine Wertigkeitsskala für das Geschlecht. Gleiches gilt für Vorgesetzte, auch die möchte ich für ‘meinen eigenen Vorteil’ ebenfalls ‘ausbeuten’.

    @Ali hat einen Artikel über Spiele geschrieben. In den dort erwähnten Spielen (durch die Bank) lernt man sehr gut die ‘Mitspieler zu spielen’.

    Nochmals: M und W sind kein Wert ansich, allein die Person zählt.

  27. #27 IO
    03/13/2011

    xyz

  28. #28 Leuchtturm
    03/20/2011

    Man stelle sich einmal vor, eine solche Diskussion fände unter umgekehrtem Vorzeichen bei Sprach- oder Sozialwissenschaftlern statt. Wenn dort eine Männerquote gefordert würde.

    Das schlechtere Abschneiden von Jungen bei den Schulnoten dürfte wesentlich durch das Fehlen männlicher Lehrkräfte und Erzieher verursacht sein. Welch ungeheures Potential damit verschenkt wird, sollte klar sein.
    Solange nicht in mindestens dem gleichen Maße über dieses Problem geredet wird, finde ich die obige Diskussion nicht gerechtfertigt.

  29. #29 radicchio
    03/20/2011

    sorry, aber schulische leistungen haben mit geschlecht der lehrkräfte nichts zu tun. dazu gabs 2010 zwei studien:

    “Erstmals in Deutschland haben zwei soeben veröffentlichte Studien geprüft, ob die schlechteren Noten von Jungen tatsächlich durch den hohen Lehrerinnenanteil zu erklären sind. Marcel Helbig vom Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB) untersuchte anhand der Berliner Grundschulstudie „Element“, für die unter anderem die Lese- und Rechenkompetenzen von Schülern erfasst worden waren, ob die Leistungen der Jungen besser waren, wenn mehr Männer an ihrer Schule unterrichteten. Das Resultat: Weder beim Leseverständnis noch in ihren mathematischen Fähigkeiten profitieren Jungen nennenswert von einem männlichen Kollegium. Zwar waren ihre Noten in Mathe minimal besser, in Deutsch aber nicht. Dagegen konnten Mädchen besser lesen, wenn sie eine Schule mit mehr Lehrerinnen besuchten. In Mathematik steigerten sich ihre Leistungen allerdings nicht.

    Schlechtere Leistungen bei männlichen Deutschlehrern
    In einer zweiten Studie wertete Helbig zusammen mit Martin Neugebauer und Andreas Landmann von der Uni Mannheim Daten der Studie „Iglu 2001“ (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) aus. Die Ergebnisse zeigen, dass weder Jungen noch ihre weiblichen Altersgenossen in Mathe, Deutsch oder Sachkunde von einem Lehrer gleichen Geschlechts profitieren. Mehr noch: Die Autoren fanden heraus, dass sowohl Jungs als auch Mädels schlechter lasen, wenn sie vier Jahre lang von einem männlichen Deutschlehrer unterrichtet wurden.”

    usw.

    http://www.focus.de/schule/schule/unterricht/maennermangel-lehrerinnen-schaden-jungen-nicht_aid_504749.html

  30. #30 Andrea N.D.
    03/23/2011

    Gut, dass es für alles Studien gibt.

    @s.s.t.
    Du bemühst Dich um Ausgewogenheit und um eine angemessene Einschätzung der Problematik. Trotzdem stolpere ich immer über solche Dinge wie “Mein Stellvertreter ist eine Frau”. Ist biologisch irgendwie nicht machbar. Dass sprachlich etwas nicht stimmt, ist daran zu erkennen, wenn es umgedreht wird und (ebenso) komisch klingt: “Meine Stellvertreterin ist ein Mann”.

  31. #31 s.s.t.
    03/24/2011

    @Andrea N.D.

    Nun, ich hab mit beiden Sätzen (aus der entsprechenden Perspektive geäußert) kein Problem. Alternativen wie (Mann:) “Meine Stellvertreterin ist ein Frau” oder “Ich habe (=halte mir?) eine Frau als Stellvertreter(in)” sind offensichtlich völlig unmöglich.

    Sry, jedenfalls bei mir prägt die Sprache nicht das Bewusstsein. Ein(e) Raumpfleger(in) ist für mich nicht besser als ein(e) Putzfrau(mann). Entweder er/sie/es putzt gut oder nicht.

    Es ist wie bei Rizinusöl. Es schmeckt scheußlich, mit Orangensaft verdünnt allerdings noch viel scheußlicher.

    Den einzigen Sinn, den ich in der Gender-Sprach-Debatte sehe ist, dass sie zum Nachdenken über die Geschlechterrollen angeregt hat.

    Nochmals, mein Argumentationsstil ist -leicht überspitzt formuliert- durchaus sexistisch, je nachdem ob ich mit einer Frau oder einem Mann rede und ich bin dabei stets sehr gut gefahren.

    Zurück zum Topic: Selbstverständlich können Frauen in NaWi-orientierten Berufen ‘ihren Mann stehen’. Merkwürdigerweise findet man einen Überhang im TA-Bereich (Quelle: Bewerbungen) und einen Mangel bei den (studierten) Wissenschaftlern (mehr Wiss. bei Bio., weniger bei Chem., sehr wenig bei Phys.; gleiche Quelle). Woran das liegt, weiß ich auch nicht, einen Mangel an Akzeptanz kann ich zumindest aus meinen Erfahrungen nicht bescheinigen.