Im Sommer habe ich das Buch “Moral Combat” von Siviku Hutchinson gelesen, die auch fuer die Freethoughtblogs schreibt. Und zuvor noch “The New Jim Crow” von Michelle Alexander. Und ganz spontan habe ich mich entschlossen, fuer den Rest des Jahres keine Buecher von weissen Maennern mehr zu lesen. Das war zuerst gar nicht einfach, ich erinnere mich z.B. daran, im Flughafen von Oakland zu stehen mit einem um drei Studen verspaeteten Flug, und in der Buchhandlung genau ein (!) interessanted Buch einer (weissen…) Autorin zu finden. Der Rest: weisse Maenner. Jetzt ist nichts grundaetzlich falsch an Buechern weisser Maenner, aber die Liste an zu lesenden Buechern die ich angesammelt habe bietet ein so interessantes, breites Spektrum an Einsichten und Erfahrungen, dass ich die Aktion wohl wenigstens noch ein halbes Jahr verlaengern werde; und auch danach die weissen Maenner nur noch einstreuen werde (wenigstens die David Foster Wallace-Biographie will ich irgendwann lesen). Hier sind also kurze Besprechungen einiger Buecher, die ich in den letzten Monaten gelesen habe, mehr demnaechst in einem zweiten Teil:

The New Jim Crow – Mass Incarceration in the Age of Colorblindness: Michelle Alexander macht sehr deutlich, was der industrielle Gefaengniskomplex der USA ist: Die dritte Welle des Rassismus. Die erste war die Versklavung von Afrikanern und Afrikanerinnen, die zweite nach dem Buergerkrieg die Rassentrennung (Jim Crow Laws), und als auch dies nicht mehr haltbar war, stiegen die Politiker auf “Law und Order” um. Der Rassismus tarnt sich jetzt, als Haerte gegen Kriminalitaet, aber in einem System das absolut undurchbrechbar gegen Schwarze aufgestellt ist. Von Autodurchsuchungen aus mindersten Gruenden, dem Unmoeglichmachen von Einspruechen, laecherlich hohen Strafen fuer Drogenbesitz, lebenslangen Strafen fuer Wiederholungstaeter, und Bewaherungsauflagen die absolut unmoeglich einzuhalten sind ist alles aufgestellt, um ganze Bevoelkerungsgruppen keine andere Lebenschance als Gefaengnis zu geben. Gefuettert wird das ganze von einem kulturellen Narrativ, das Schwarze als besonders kriminell und drogenabhaengig einstuft, obwohl dies fern statistischer Wahrheit ist. Ein besonders wichtiges und erschreckendes Buch.


* Moral Combat – Black Atheists, Gender Politics, and the Values Wars: Sikivu Hutchinson schreibt ein beklemmendes Buch ueber die Realitaet schwarzer Atheist_innen. Warum es fuer sie so schwierig ist, sich zum Atheismus zu bekennen, weil das ganze religioese System in sich gedreht wurde und jetzt ein Ausstieg gesellschaftlich fast unmoeglich ist. Wie kleine Kirchen in “store fronts”, quasi Schaufensterkirchen die armen Gegenden uebernehmen, und wie millionenteure Superkirchen in den aermsten Gegenden stehen. Ein verdammt wichtiges Buch, wiederum, und eine Sache die mich ziemlich stoert truebt trotzdem nicht meine uneingeschraenkte Leseempfehlung: Dass die Anklage, dass weisse Atheist_innen sich zu sehr auf die wissenschaftliche Aspekte beschraenken statt auf die humanistische Seite ist absolut richtig, aber sie benutzt dazu ein Strohmannbild von Wissenschaft, das man doch von ganz anderen Ecken gewohnt ist. Sie benutzt ein sehr eingeschraenktes naturwissenschaftliches Zerrbild von Wissenschaft, das sie benutzt um zu widerlegen dass Wissenschaft alles erforschen kann. Wo hingegen bei allen Beispielen die sie liefert jeder Soziologe aufschreien wird, da es ziemlich einfach ist Gegenbeispiele fuer moegliche Forschung zu finden. Aber jetzt habe ich schon viel zu viel auf diesen kleinen Fehler verwendet, im Kern ist die Botschaft richtig: Wenn ganze Gesellschaftsgruppen von Religion so vergiftet sind, dass unsere Mitmenschen dort Angst haben muessen als sozial aussaetzig zu gelten, wieso sind dann allzu oft ein paar Junge-Erde-Kreationisten im Mittelpunkt der Debatte?


Kindred: Octavia Butler erzaehlt keine typische Zeitreisegeschichte, stattdessen benutzt die die Protagonistin und ihren Ehemann, die in die Welt der Suedstaaten vor dem Buergerkrieg versetzt werden and emphatische Charakterstudie darueber, dass Menschen als Eigentum gesehen werden, wie es ist in Skalverei gezwungen zu werden, und was oder was nicht heute definiert, was ein Mensch ist. Als solches trifft dieser Roman voll den Kern der Science Fiction.


* Die Knoblauchrevolte: Mehr Buecher des “magischen Realismus” in einem anderen Teil, aber als amtierender Nobelpreistraeger (so heisst das doch, oder?) soll Mo Yan zuerst vorgestellt werden. Im Angesicht all das blanken Rassismus, der die Entscheidung des Nobelpreiskommitees als “politisch korrekt” herabwuerdigt, bleibt doch nur ein Ausweg: Einfach selbst lesen. Und, hat er den Nobelpreis verdient, der Mo Yan? Ja, hat er. Magisch ist wenig im Buch, spiegelt sich die Realitaet in den Geschichten armer Knoblauchbauern im China der 80er doch mehr im Gestank verfaulenden Knoblauchs wieder als in wundersamen Ereignissen. Mehr als einmal erschreckt man, wenn ein Stueck Moderne auftaucht, denn die Welt der Bauern aus Handarbeit auf dem Feld und Ochsenkarren klingt doch so sehr nach Mittelalter. Die Charaktere werden von vorne bis hinten vom System misshandelt, und als sie endlich rebellieren, muessen sie ins Gefaengnis oder gar sterben. Nuechtern und doch tief mitfuehlend bildet Yan hier ein nacktes Stueck harten Lebens ab.

Kommentare (47)

  1. #1 JV
    11/15/2012

    “…fuer den Rest des Jahres keine Buecher von weissen Maennern mehr zu lesen.”

    Guckst du echt auf Geschlecht und die Hautfarbe des Autors, bevor du ein Buch liest? Ich beschränke mich meist auf Thema, Klappentext oder Inhaltszusammenfassung…

    • #2 Jörg
      11/15/2012

      Tja, dein Privileg…

  2. #3 Frau Gummibaum
    11/15/2012

    Den Vorsatz find ich gut.
    Wer ich auch mal probieren.
    @JV: Ich glaub,d arum gehts gar nicht, Jörg erwähnt ja auch, dass er nicht glaubt, dass Bücher von weißen Männern schlechter sind. Sie sind nur überrepräsentiert. Und es kann der eigenen Weltsicht nur gut tun, mal aus einer anderen Perspektive zu lesen.
    Ich hab grad meinen Lesestoff des letzten Jahres durchgeschaut, und da war grad mal eine Frau dabei, sonst nur weiße Männer.
    Ist doch Schade, wenn man sich die Möglichkeit verbaut, die Welt mal anders zu sehen.

  3. #4 pandurata
    11/15/2012

    Da Freethoughtblogs explizit erwaehnt werden, sind fuer den ein oder anderen vielleicht noch folgende Hinweise interessant: Crommunist bietet unglaublich interessante Einblicke zu den Themen Rassismus (viele davon gesammelt in seinen FAQ zu finden) und Privilegiertheit. Ed Brayton (Dispatches from the Culture Wars) hatte mal eine Serie von 3 (?) Beitraegen zum Thema Benachteiligung nicht-weisser Minderheiten im Justizsystem der USA und greift das Thema auch immer wieder auf. Leider finde ich die einzelnen Artikel gerade nicht auf die Schnelle.

  4. #5 Georg Hoffmann
    11/15/2012

    Ich lese nur noch Transgender-Autoren aus Alkoholikerfamilien, die mindestens in ± 10° um den Polarkreis leben oder einen groszen Teil ihrer Kindheit dort verbracht haben. Diese langen Winterabende mit unterdrueckter Sexualitaet und den vom Alkohol zerfressenen Familien, das ist es einfach.
    Andererseits, das dann in der Bahnhofbuchhandlung in Wattenscheid West auftreiben, auch nicht so leicht…

    • #6 Jörg
      11/15/2012

      Den Kommentar lass ich zur Abschreckung noch stehen, obwohl ich so einen Trollmist sonst einfach löschen würde. Aber das war dein letzter Kommentar in diesem Blog, alle weiteren werden ungelesen gelöscht.

  5. #7 Nariu
    11/15/2012

    Die dritte Welle des Rassismus

    Verstehe ich Sie richtig, dass Sie an eine in den USA an eine Verschwörung gegen Afro-Amerikaner glauben, mit dem Ziel sie in Gefängnissen zu versklaven?

    Hier die etwas andere Meinung einer schwarzen Frau zum Thema.

    http://wck.me/17m

    Nur mal als Gegenstandbunkt zur Diskusion. Ich hab mir meine Meinung zum Thema noch nicht gebildet, sehe aber, dass wir in Deutschland gottlob viel geringere – aber doch ähnliche Probleme mit Rassismus bekommen könnten.

    • #8 Jörg
      11/15/2012

      Naja, der erste Kommentar (und das Buch) sagen alles, was zu dieser “anderen Meinung” zu sagen ist.

  6. #9 buzzti
    11/15/2012

    Die Print-ZEIT titelt heute: “Das Ende des weißen Mannes” Dort geht es wohl darum wie unter anderem Frauen und AsiatInnen immer mehr Einfluss gewinnen.

    Ein Buch, welches mir zu dem Thema spontan eingefallen ist: “Der Kosmopolit: Philosophie des Weltbürgertums” von Kwame Anthony Appiah. Aus dem Klappentext: “Nicht Konsens ist für den Weltbürger notwendig, sondern der Glaube an die Gemeinsamkeit des Menschseins.”

  7. #10 JV
    11/15/2012

    @ Frau Gummibaum:
    Jeder Mensch kann ja lesen was er möchte, darum geht es mir gar nicht. Ich wollte zum Ausdruck bringen, dass es mir viel zu mühsam wäre, beim Bücherkauf zunächst mal Hautfarbe und Geschlecht des Autors in Erfahrung zu bringen (als nächstes vielleicht noch sexuelle Orientierung?).
    Daher findet sich zumindest in meinem Bücherschrank nur eine gute Repräsentation meines Lesegeschmacks.

  8. #11 JV
    11/15/2012

    Nachtrag: Gut, Geschlecht wäre dann ja auch noch einfach – aber hat für mich keinen Einfluss darauf, ob ich ein Buch interessant finde oder nicht.

  9. #12 rolak
    11/15/2012

    Geschlecht wäre dann ja auch noch einfach

    Das sagst Du so, JV, bei China Mieville war ich letztens ziemlich verblüfft 😉

  10. #13 thorsten
    gjn
    11/15/2012

    ich möchte dem geneigtem leser noch das buch
    “underground economy” nahelegen.
    der soziologe sudhir venkatesh beschreibt wie gangs in den slums quasi executive,judikative und arbeitgeber übernommen haben.
    http://www.amazon.de/Underground-Economy-Gangs-Unternehmen-gemeinsam/dp/3430200199/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1353005115&sr=8-1

  11. #14 Maxo
    11/16/2012

    Dein Auftreten ist doch realtypisch für das Verhalten des weißen Mannes, das du zu bekämpfen versuchst. Und du merkst das nicht einmal, schon seltsam irgendwie.

  12. #15 Radicchio
    11/16/2012

    Maxo, er ist ein weißer Mann

  13. #16 MartinB
    11/17/2012

    @Jörg
    Deinen ersten Kommentar an JV verstehe ich nicht – warum ist es ein Privileg des Lesers, sich um Geschlecht oder Hautfarbe des Autors nicht zu kümmern? Diese Möglichkeit hat doch jede Leserin egal welcher Hautfarbe.

    Ich muss z.B. immer überlegen, ob Fantasy-Autor Robin Hobb nun ein Mann oder eine Frau ist, weil ich Autorenbiografien meist ignoriere und bücher für sich selbst sprechen sollten (und weil ich ein schlechtes Gedächtnis für sowas habe…).
    Und wenn ich paper blogge, muss ich oft nachgucken, ob die Vornamen der Autoren nun männlich oder weiblich sind. Warum hat das was mit *meinem* Privileg zu tun?
    (Was natürlich nicht heißt, dass es nicht ein Privileg weißer Männer sein mag, dass ihre Chancen, Bücher zu veröffentlichen, größer sind.)

    • #17 Jörg
      11/18/2012

      Wenn du ein weißer Mann bist, ist es ziemlich einfach zu behaupten, dass dich der Autor/die Autorin nicht kümmert, denn wenn du irgendein zufälliges Buch herausgreifst, wirst du eine vertraute Perspektive finden – plus minus natürlich, aber dennoch, als schwarze Frau wirst du also auch meistens die Perspektive eines weißen Mannes lesen. Das ist dein Privileg.

      Für Bücher ist das vielleicht nicht weltbewegend (obwohl ich dem nicht zustimmen würde), aber das lässt sich mühlelos in andere Bereiche übertragen. Daher ist ja auch der Untertitel von Michelle Alexanders Buch ‘Mass Incarceration in the Age of Colorblindless’ – Das ‘Farbe nicht sehen’ kann man schön einfach behaupten, wenn man priviligiert genug ist nicht von Rassismus oder Sexismus betroffen zu sein. In Wahrheit heißt es aber ‘Lasst mich in Ruhe mit euren Problemen’, was als Basis der dritten Welle des Rassismus dient.

  14. #18 Thilo
    11/18/2012

    Noch schwieriger wird es bei der Hautfarbe. Da braucht man dann wohl die Foto-Pflicht für Autoren von Fachzeitschriften. Und selbst ein Foto ist kein sicheres Erkennungsmerkmal, wie man ja spätestens seit http://de.wikipedia.org/wiki/Philip_Roth#Der_menschliche_Makel weiß.

  15. #19 Thilo
    11/18/2012

    Georgs Kommentar macht sich übrigens nicht über Transgender lustig, sondern über (einen) weißen Mann.

  16. #20 Thilo
    11/18/2012

    Oder kurz gesagt: jede gute Idee kann man in ihr Gegenteil verkehren indem man’s übertreibt.

  17. #21 JV
    11/18/2012

    “Georgs Kommentar macht sich übrigens nicht über Transgender lustig, sondern über (einen) weißen Mann.”

    Was der zweite Kommentar, der mittlerweile gelöscht ist, auch nachdrücklich erklärte…

  18. #22 wereatheist
    Paar Kilometer östlich der Tiergartenstraße 4
    11/18/2012

    Georgs Kommentar macht sich übrigens nicht über Transgender lustig, sondern über (einen) weißen Mann.

    Na ja, nicht nur über einen, sondern über ganze Denkrichtungen….
    Was die Hamas angeht, ist die alte maoistische Phrase von “Teil des Problems” schon ein Euphemismus.
    Jetzt fehlt nur noch ein Besuch von Judith Butler im Gazastreifen. Ich bin schon ganz gespannt 😉

  19. #23 wereatheist
    Nicht weit genug vom Haus der Wannseekonferenz
    11/18/2012

    Nachdem mein letzter Kommentar teilweise offtopic war, jetzt was zum Thema: ja, die meiste von mir jemals gelesene Literatur stammte von weißen Männern. Geht aber noch schlimmer: die meisten waren auch noch Deutsche (manchmal mit jüdischem background, wenigstens).
    Was ¬(weiße Männer) angeht, waren es doch wieder fast nur Männer: Chinua Achebe, Wole Soyinka, Ngugi wa Tiongo, an ´ne Frau kann ick mir gar nicht erinnern.. Von Transgender etc. ganz zu schweigen. Das liegt sicher an dem Privileg, das weiße Männer als quasi herrschende Kategorie bis jetzt hatten. Es wird demnächst vielleicht durch ostasiatische Männer beendet/ersetzt. Ich betrachte den Artikel mal als Anregung, nach dem ´anderen Blick´ aktiv zu suchen.

  20. #24 MartinB
    11/18/2012

    @Jörg
    Autsch, so nen Kommentar oben zu verstecken, macht es nicht leicht, ihn zu sehen.

    Dein Kommentar ergibt teilweise Sinn, wenn es um Bücher politischen / gesellschaftlichen Inhalts geht.

    Auch hier ist es aber das Privileg jedes Lesers, auf den Autor nicht zu achten, nicht nur meins. Ich habe durch meine Zugehörigkeit zu einer privilegierten Gruppe logischerweise den Vorteil, dass ich bei dieser Strategie eine kleinere Wahrscheinlichkeit habe, einen “gegenteiligen” Standpunkt zu hören (wenn wir implizieren (was nicht unbedingt richtig sein muss), dass mein Standpunkt für meine Gruppe typisch ist).

    Wenn es um Bücher allgemein geht (wie beispielsweise science fiction Romane oder Bücher zum Thema Wissenschaft), dann sehe ich die Logik nicht mal ansatzweise.

    Ansonsten empfehle ich zum Thema die Deep-Space 9 Folge “Far Beyond the Stars”.

    PS: Den Georg-Kommentar hast du echt nicht verstanden…

  21. #25 Radicchio
    11/18/2012

    “als schwarze Frau wirst du also auch meistens die Perspektive eines weißen Mannes lesen.”

    das ist essentialismus, der unterstellt, eine weißer mann / eine schwarze frau müsse eine besondere perspektive haben. das mag für einiges zutreffen, für vieles triftt es nicht zu.

  22. #26 Jörg
    11/18/2012

    Doch, auch für Science Fiction hat das Bedeutung (vielleicht jetzt nicht grad für Space Opera, aber durch das Buch irgendetwas zu empfinden gibt setze ich jetzt mal voraus). Gerade doch Science Ficiton untersucht kulturelle Unterschiede zwischen Menschen, und da muss doch die Perspektive des Autors hineinspielen, das geht doch gar nicht anders. Warum ist denn Ursula LeGuin berühmt (oder verschiren) dafür, dass ihr Science Fiction ganz selbstverständlich andersfarbige oder weibliche Protagonisten hat? Oder Octavia Butler, die ich oben besprochen habe, auch wenn es etwas ‘softere’ SciFi ist, finde ich doch dass es eine ganz andere Leseerfahrung ist als wenn weiße Männer weiße Männer zum Hauptcharakter machen.

    Und selbst für Wissenschaftsbücher gilt das, die Erzählweise des Autors oder der Autorin wird einfach von seinem Charakter und seinem kulturellen Hintergrund geprägt, oder kurz davon wer er oder sie ist. In Henrietta Lacks oder Bonobo Handshake oder Mary Roach liest sich Wissenschaft anders als bei Steven Pinker oder Richard Dawkins!

    Und die verschiedenen Erzählstile zu lesen lohnt sich einfach.

    Und doch, ich hab Georgs Kommentar verstanden, er ist nur absolut daneben.

  23. #27 JV
    11/18/2012

    “In Wahrheit heißt es aber ‘Lasst mich in Ruhe mit euren Problemen’, was als Basis der dritten Welle des Rassismus dient.”

    Das ist dann doch ein bisschen viel Interpretation.

  24. #28 wereatheist
    Former center of the Evil
    11/18/2012

    @Radicchio: danke für Hinweis auf andere Kritiken. Es gibt keine wesentliche ´Weißheit´ (essentiell). Trotzdem ist unsereins privilegiert, außer in ausgesuchten Zusammenhängen.

  25. #29 Radicchio
    11/18/2012

    “… liest sich Wissenschaft anders als bei Steven Pinker oder Richard Dawkins!”

    oder du projizierst das hinein, weil du weißt, wer die verfasser sind. ich wette, dass du z.b. online nicht festellen kannst, welches geschlecht ein kommtator hat. du kannst es lediglich anhand von wesenzuschreibungen, die du erfüllt siehst, vermuten.
    du schreibst gruppen homogene eigenschaften zu und möchtest diese zuschreibungen bestätigt sehen. deine erwartung, eine schwarze frau schriebe anders als ein weißer mann, ist im grunde ziemlich *istisches othering, und, wie bereits erwähnt, essentialismus.

  26. #30 Radicchio
    11/18/2012

    “Trotzdem ist unsereins privilegiert, außer in ausgesuchten Zusammenhängen.”

    man ist in gewisser weise immer dort privilegiert, wo man der mehrheit oder (und sei’s nur entfernt) einer machtausübenden gruppe angehört. wenn du in der chinesischen, mongolischen, bolivianischen … provinz leben würdest, könntest du dir das “privileg”, weiß zu sein, in die haare schmieren.

  27. #31 JV
    11/18/2012

    “Wenn du ein weißer Mann bist, ist es ziemlich einfach zu behaupten, dass dich der Autor/die Autorin nicht kümmert, denn wenn du irgendein zufälliges Buch herausgreifst, wirst du eine vertraute Perspektive finden – plus minus natürlich, aber dennoch, als schwarze Frau wirst du also auch meistens die Perspektive eines weißen Mannes lesen. Das ist dein Privileg.”

    Aber auch wenn ich das Buch einer schwarzen Frau herausgreife, werde ich (wahrscheinlich) eine vertraute Perspektive finden: Angehörige der westlichen Welt, meistens höhere Bildung, etc.

  28. #32 wereatheist
    welt
    11/18/2012

    @Radicchio:

    man ist in gewisser weise immer dort privilegiert, wo man der mehrheit oder (und sei’s nur entfernt) einer machtausübenden gruppe angehört.

    Yep. Aber das ist zutiefst banal. ´The Man´ , der böse weiße, hat historisch mittlerweile verloren, und das ist gut so.

  29. #33 wereatheist
    europa (ausgerechnet!)
    11/18/2012

    @JV

    Aber auch wenn ich das Buch einer schwarzen Frau herausgreife, werde ich (wahrscheinlich) eine vertraute Perspektive finden: Angehörige der westlichen Welt, meistens höhere Bildung, etc.

    Ja, wie auch sonst?

  30. #34 wereatheist
    da
    11/19/2012

    oder, besser, was auch sonst.

  31. #35 Stephan Fleischhauer
    11/19/2012

    Ich überlege gerade, für den Rest des Jahres keine Blogs von weißen Männern mehr zu lesen.

    Obwohl mir nie langweilig war mit der vertraut männlich-weißen Perspektive, handelt es sich doch hier um einen wahren Kosmos verschiedener Sichtweisen.

    Ode würdet ihr mir eher zu eine Abstinenz von wissenschaftlichen Blogs raten? Dieser Blick durch die Brille von Empirie und Logik ist doch in Wirklichkeit ein herrschaftlicher Blick.

  32. #36 Stephan Fleischhauer
    11/19/2012

    “Und ganz spontan habe ich mich entschlossen, fuer den Rest des Jahres keine Buecher von weissen Maennern mehr zu lesen.”

    Ein böswilliger Kritiker könnte jetzt sagen: “Na, dann hast du wohl alle Bücher, die dir in diesem Jahr wichtig waren, schon gelesen, es ist schließlich Mitte November.”

    Insofern finde ich meine Idee mit den Blogs nicht so schlecht, denn hier sieht man ja quasi auf das Tagesgeschehen.

  33. #37 MartinB
    11/19/2012

    @Jörg
    “Warum ist denn Ursula LeGuin berühmt (oder verschiren) dafür, dass ihr Science Fiction ganz selbstverständlich andersfarbige oder weibliche Protagonisten hat? ”
    Warum habe ich wohl “Far Beyond the stars” zitiert?
    Und andersfarbige Protagonisten gibt es auch bei weißen männlichen Autoren (Makenzie von AC Clarke ist, wie man irgendwann in der Mitte des Buches erfährt (IIRC), dunkelhäutig, vorher war’s egal).

    “Und die verschiedenen Erzählstile zu lesen lohnt sich einfach.”
    Das ist ja unbestritten. Wenn sich ein Buch lohnt, dann lohnt es sich, und wenn es sich wegen einer anderen dargestellten Perspektive lohnt, dann lohnt es sich eben deswegen – egal ob diese Persepktive durch einen ungewöhnlich denkenden weißen Mann oder eine schwarze Frau oder sonst wen verfasst ist.
    Und letztlich ist es genau so einseitig, allen “weißen Männern” dieselbe Perspektive zuzuschreiben wie allen Farbigen oder Frauen. Auch ein Harlan Ellison liest sich vollkommen anders als ein A E van Vogt, und ein Feynman schreibt anders als ein Paul Davies.
    Anzunehmen, dass jemand, nur weil er eine andere Hautfarbe oder ein anderes geschlecht hat als der “mainstream”, automatisch eine andere Sichtweise hat, ist eben auch verfehlt.

  34. #38 Stephan Fleischhauer
    11/19/2012

    Wie fein abgestuft müssen die Schubladen eigentlich sein?

    Weiße Männer können z.B. schwul, bi oder hetero sein.
    Abled oder disabled, letzteres mit verschiedenem Schweregrad.
    Außerdem eine gibt eine kleine aber feine Schicht von Alphamännern an der Spitze der Gesellschaft, eine größere Zahl von Losern am unteren Ende und alle möglichen Zwischenstufen.

    Hat das nicht alles Auswirkungen auf die jeweilige Perspektive?

  35. #39 roel
    *****
    11/19/2012

    @Stephan Fleischhauer und @MartinB
    Jede/r kann und darf für sich entscheiden welche Kriterien sie/er für ihren/seinen Konsum anwendet. Die Kriterien sind immer subjektiv und unvollständig. Probleme tauchen dann auf, wenn man seine eigenen Kriterien als allgemeingültig ansehen würde. Das tut Jörg Rings, denke ich, nicht.

    Ich denke, dass man Diskriminierung nicht mit Diskriminierung bekämpfen sollte. Wenn doch läuft man schnell in eine Falle. Man kann Buchautoren/innen fördern, die nicht weiße Männer sind, aber was ist mit ZeitungsautorInnen, ZeitschriftenautorInnen, BlogautorInnen, DrehbuchautorInnen, LiedtexterInnen, InterpretInnen, HerausgeberInnen, RedakteurInnen, ProduzentInnen? Wo kann man sinnvoll eine Grenze ziehen? Ich weiß es nicht, deshalb entscheide ich mich nicht aufgrund der Hautfarbe oder des Geschlechts, sondern aufgrund des Themas und des Stils.

  36. #40 Stephan Fleischhauer
    11/19/2012

    @roel
    Jede/r kann und darf für sich entscheiden welche Kriterien sie/er für ihren/seinen Konsum anwendet. Die Kriterien sind immer subjektiv und unvollständig.

    Jörgs Kriterien scheinen extrem fokussiert zu sein, hier ein paar seiner Formulierungen:

    • Buecher von weißen Maennern; vertraute Perspektive: die Perspektive eines weißen Mannes; wenn weiße Männer weiße Männer zum Hauptcharakter machen
    • Tja, dein Privileg; priviligiert genug, nicht von Rassismus oder Sexismus betroffen zu sein
    • da muss doch die Perspektive des Autors hineinspielen, das geht doch gar nicht anders

    Dazu passt auch: In Henrietta Lacks oder Bonobo Handshake oder Mary Roach liest sich Wissenschaft anders als bei Steven Pinker oder Richard Dawkins

    Er meint offenbar, die weiblichen Autoren unterscheiden sich stärker von den männlichen als die weiblichen untereinander (bzw. die männlichen untereinander). Meiner Meinung nach ein Irrtum.

    Alle Bücher, die er empfiehlt, sind sehr politisch, befassen sich mit Rassismus, Unterdrückung und Genderpolitik. Wenn Jörg seine Empfehlungen mit “Nicht nur weisse Maenner” betitelt und mottohaft immer wieder hervorhebt, dass dies eben nicht “Buecher von weißen Maennern” sind, will er damit sagen, dass weiße Männer über Rassismus, Unterdrückung und Genderpolitik nicht schreiben können? Er sagt ja nirgendwo “Buecher von weißen Maennern über Rassismus, Unterdrückung und Genderpolitik” – er reduziert es immer auf “weiße Maenner”. Man hat den Eindruck, Jörg will uns hier eine Ideologie aufdrängen, dass Männer sich um Rassismus, Unterdrückung und Genderfragen nicht scheren.

    Mit dem Gender_Gap muss er allerdings noch etwas üben:
    Atheist_innen (jedoch: Buergerkrieg, Wiederholungstaeter, jeder Soziologe)

    deshalb entscheide ich mich nicht aufgrund der Hautfarbe oder des Geschlechts, sondern aufgrund des Themas und des Stils

    Da musst du aber vorsichtig sein, siehe Jörgs Kommentar:

    Das ‘Farbe nicht sehen’ kann man schön einfach behaupten, wenn man priviligiert genug ist nicht von Rassismus oder Sexismus betroffen zu sein. In Wahrheit heißt es aber ‘Lasst mich in Ruhe mit euren Problemen’, was als Basis der dritten Welle des Rassismus dient.

  37. #41 MartinB
    11/19/2012

    @roel
    “Probleme tauchen dann auf, wenn man seine eigenen Kriterien als allgemeingültig ansehen würde.”
    Für mich beginnt das Problem bereits dann, wenn ich Autoren auf ihr Geschlecht oder ihre Hautfarbe reduziere. Wer sagt, das LeGuin anders schreibt, *weil* sie eine Frau ist, der hat meiner Ansicht nach etwas fundamentales noch nicht verstanden. Wie das oben erwähnte Beispiel mit Robin Hobb zeigen sollte, halte ich es nicht für ohne weiteres möglich, das Geschlecht oder die Hautfarbe eines Autors an Hand seiner Texte zu bestimmen. Wer das behauptet, der schert alle Angehörigen einer Gruppe über einen Kamm und verstärkt damit genau die Stereotype, die er eigentlich vermeiden will.

  38. #42 Dummerjan
    11/19/2012

    Mitnichten sind die weissen Männer überrepräsentiert, sondern die gelben Männer – leider hat der Autor dieses blog genau das Vorurteil bedient, welches er zu bekämpfen meinte.

    Auch CHina hat eine Buchkultur und dort gibt es die Bücher mit den höchsten Auflagen.

  39. #43 roel
    *****
    11/19/2012

    @Stephan Fleischhauer Den zitierten Kommentar von Jörg hatte ich übersehen.

    Generell ist es sicher nicht richtig von einer Perspektive des weißen Mannes zu sprechen. Es ist eher eine Bündelung verschiedenster Perspektiven. Die noch dazu verschiedenste Schnittmengen mit den Perspektiven andersfarbiger und andersgeschlechtlicher AutorInnen haben. Und zusätzlich ist die Perspektive von den AutorInnen zu den LeserInnen übertragbar und andersherum auch,

    “Mit dem Gender_Gap muss er allerdings noch etwas üben” Jede Person, die das anders gelernt hat und sich irgendwann umstellt, wird immer wieder mal in alte Gewohnheiten zurückfallen. Das geht mir auch so. Übel ist es nur, wenn man anderen das vorhällt, aber es selber nicht lebt – also Wasser predigt und Wein trinkt.

    “Da musst du aber vorsichtig sein, siehe Jörgs Kommentar:” Wie gesagt, den hatte ich überlesen. Aber ich teile diese Sicht auch nicht.

    @MartinB “Für mich beginnt das Problem bereits dann, wenn ich Autoren auf ihr Geschlecht oder ihre Hautfarbe reduziere.” Das meinte ich mit: “Ich denke, dass man Diskriminierung nicht mit Diskriminierung bekämpfen sollte.”
    Es ist der falsche Weg zu sagen “dich lese ich nicht, weil du ein weißer Mann bist”. Obwohl ich sehr für Gleichberechtigung bin, lese ich doch auch die scienceblogs.de, wo von 27 (?) BloggerInnen 2 weiblich sind, um nur ein Kriterium herauszugreifen.

  40. #44 roel
    *****
    11/19/2012

    Hatte mich verzählt: Obwohl ich sehr für Gleichberechtigung bin, lese ich doch auch die scienceblogs.de, wo von 27 (?) BloggerInnen 3 weiblich sind, um nur ein Kriterium herauszugreifen.

  41. #45 JV
    11/19/2012

    “scienceblogs.de, wo von 27 (?) BloggerInnen 3 weiblich sind, um nur ein Kriterium herauszugreifen.”

    Wundert mich auch, warum es hier noch keine Quotenregelung gibt. Vielleicht sollten sich die Blogger einfach mal einen Monat zurückhalten, damit die Bloggerinnen zu Wort kommen…

  42. #46 JV
    11/19/2012

    … schließlich schreiben ALLE Bloggerinnen anders als ALLE Blogger.

  43. #47 Radicchio
    11/19/2012

    “Frauen sind anders! Sie essen anders und trinken anders, sie laufen, schwimmen, gehen und stehen anders. Sie pinkeln und popeln anders und sitzen anders da. Sie tragen ihre Badeschlappen anders, kauen anders Kaugummi und gehen anders die Treppe runter. Sie lesen andere Bücher, ziehen sich anders an und aus – den Pullover nicht von hinten über den Kopf, weil sie andere Frisuren haben. Sie lachen und weinen anders. …”

    http://www.eulenspiegel-zeitschrift.de/index.php/auslese/378-anders-aus-heft-62011

    ich vermute, schwarze frauen sind noch mal ganz anders.