Aber es ist nicht alles aussichtslos. Nicht jeder Wissenschaftler denkt so, nicht jeder Student nimmt einen Scheuklappen-bewehrten Weg durch die eine Disziplin, nicht alles ist reiner Konkurrenzkampf. Beispiele dafür sind die beiden Software-Pakete in den Fußnoten. Menschen mit Kenntnissen der Computerwissenschaften haben in der Biophysik gearbeitet und Programme geschrieben, die einfach jeder benutzen kann. Ein kleiner Schritt, aber in die richtige Richtung. Und ich habe gelernt, dass es Situationen gibt, in denen man messen muss, und andere, in denen man Bilder macht. Das ist keine große Sache, ich bin deswegen nicht weiser als jemand anderes, ich bin höchstens ein bisschen weniger verbohrt als früher.

Abschließendes Wort des Physikers in mir: Man kann nicht alles toll und faszinierend finden. Um diesem Dilemma zu entgehen kann “alles andere scheiße finden” ein gutes Modell sein. Die Messdaten zeigen aber, dass “alles andere” nicht scheiße zu sein scheint. Das lässt nur einen, logischen Schluss zu: “alles andere scheiße finden” ist als Modell scheiße.

Fußnoten:

* Ich habe so gut wie immer an inversen Mikroskopen gearbeitet. Das Objektiv schaut dabei nach oben und ich lege meine Probe darauf.
** Geiler Typ, seit einer Konferenz in Bordeaux “le Boss” genannt.
*** direct STochastic Optical Reconstruction Microscopy
**** Beispielsweise rapidSTORM oder QuickPALM.
***** Biochemie ist fast nur Biologie, Biophysik ist fast nur Physik, physikalische Chemie ist fast nur Chemie, die Sichtweise auf einzelne Fächer ist immer geprägt von den jeweiligen Fakultäten, die klar von einander abgegrenzt sind.

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Kommentare (12)

  1. #1 vsdvs
    27. März 2015

    ” “alles andere scheiße finden” ist als Modell scheiße.”

    Ausser wenn Messdaten ergeben das alles andere wirklich scheiße ist.

    • #2 André Lampe
      27. März 2015

      Stimmt – aber diese Aussage geben die Messdaten wirklich nicht her. 😉

  2. #3 rolak
    27. März 2015

    Schöner Text, prägnantes Resumee

  3. #4 CM
    27. März 2015

    Sehr schöner Text! Ich bin den umgekehrten Weg gegangen: Aus der Biologie in die Biophysik. Meine Paper wurden von mal zu mal formel- und softwarelastiger (und heute arbeite ich im high performance computing …) und natürlich gab es einschlägigen Spott von Physiker und Biologen gleichermassen. Dünkel haben leider viele – und der Zahn wird oft erst gezogen, wenn sie in der schwächeren Position sind.

    Mir machen die großen Projekte mit den vielen Konsortialpartnern Sorge: Klar, da kommt viel Geld rein. Alle ArbeitsgruppenleiterInnen möchten also ins Boot. Aber das “Fußvolk” wird zu großen Teilen mit für sie langweiligen Fragestellungen konfrontiert (ich z. B. gerade mit der Statistik der Sicherheit bei gen. Daten in öffentlichen Projekten – bäh, nicht wegen der Statistik, sondern weil es für mich subjektiv halt uninteressant ist). Forschung ist interessant für einen Menschen, wenn sie halt interessant ist. Dann gelingt auch das Einfuchsen in komplexe Fragestellungen. Es ist nicht immer möglich sich Fragestellungen auszusuchen – doch fürchte ich, dass große Projekte für die Einzelnen Leute die Wahrscheinlichkeit verringern etwas zu findne, wofür sie brennen. Das ist für nicht Wenige auch nicht schlimm – schön ist Forschung für mich doch nur dann, wenn ich dafür brennen kann. Konformistische (in Hinblick auf die Leute und die Darstellung der Ergebnisse) Forschung befördert Interdisziplinarität nicht gerade. In großen Projekten fehlt auf die Syntheseleistung (außer natürlich in den Hochglanzberichten), was den Dünkeln leider keinen Abbruch tut.

    • #5 André Lampe
      27. März 2015

      Ich kann deine Punkte zu den großen Projekten verstehen. Ich hab auch mal so etwas in der Richtung erlebt. Mein Eindruck ist es aber, dass eine Arbeitsgruppe noch mehr darunter leidet, wenn keine Kooperationen statt finden oder nur ganz klitze kleine Teilprojekte. Oder sogar Kooperationen wo man dann halt diese eine Substanz von der Gruppe bekommt und das wars – das führt zu mehr noch mehr Hemmung irgendwann auch mal links und rechts zu schauen. Das große Projekte super sind, und ein Allheilmittel, wollte ich nicht sagen :-)

  4. #6 Sinia
    27. März 2015

    schöner Artikel!

    ich arbeite in einem Neurobiologie Labor als Doktorandin und wir haben gerade einen Physiker als Masterstudenten bekommen, der bestimmte neuronale Strukturen modellieren soll. Er ist eine super Ergänzung für unsere Gruppe und zusammen bekommen wir gerade einen neuen Einblick in die Dinge.

    Trotzdem musste ich auch schon die Erfahung machen, dass Chemiker mich als Biologin nicht ernst nehmen. Das finde ich dann immer sehr schade, weil ich denke, dass aus so einer Diskussion auch spannende Sachen gezogen werden können.

  5. #7 AldiGuru
    27. März 2015

    Guter Artikel,

    ich habe allerdings eine Frage/Bitte:

    Die ganzen * als Fußnote stören den Lesefluss doch sehr. Gibt es eine Möglichkeit, das ungefähr so einzubinden wie z.B. bei https://what-if.xkcd.com/133/ , in der einzelne Fußnoten als Pop-Up dargestellt werden?

    • #8 André Lampe
      27. März 2015

      Oh, das wäre wirklich schön, muss ich dir recht geben. Ich fürchte nur, dass das nicht so einfach ist. Ich schaue mal, was man da tun könnte. Ich hänge an meinen Fußnoten (RIP Terry).

      Danke für diese Rückmeldung. Ich kann nicht versprechen, dass sich gleich beim nächsten Artikel was ändert, aber ich bin dran.

    • #9 rolak
      27. März 2015

      kann nicht versprechen

      Das gilt auch für das Folgende, André: Die allersimpelste Methode, um so etwas umzusetzen, dürfte via eines PseudoLinks sein mit Zieladresse=ThreadAdresse#comments, Anzeigetext die Sternchen oder Indizes or whatever und als Besonderheit noch ein ‘title=”hovertext” ‘ in das link-Konstrukt einzubauen. Konkret für diesen thread und Fußnote EinStern:

      <a href=”http://scienceblogs.de/diekleinendinge/2015/03/26/die-frage-nach-der-wissenschaft-der-kommunikation-und-dem-ganzen-rest/#comments” title=”Ich habe so gut wie immer an inversen Mikroskopen gearbeitet. Das Objektiv schaut dabei nach oben und ich lege meine Probe darauf”>*</a>

      title=”” wird leider vom InputFilter rausgeworfen, sonst gäbe es auch ne LiveShow 😉
      Die Adresse springt übrigens zum Start des Kommentarbereiches, was ziemlich nahe zu dem Textende bzw den Fußnoten,sein dürfte.

      Doch eigentlich sollte hover-over für normalen Text irgendwo im WordPressVerhau enthalten sein.

  6. #10 Perry R
    29. März 2015

    Hi,

    dieses Wochenende startet die Focus on Microscopy 2015 in Göttingen. Das müsste doch genau dein Ding sein. Wäre cool wenn du einen Blog über die Messe schreiben könntest.
    Wir sind dort auch mit einem super hochauflösenden STED Mikroskop vertreten 😉 Ich lade alle interessierten Leser ein sich ein Bild davon zu machen.
    Ich bin schon gespannt wann du zu STED etwas schreibst.

    Grüße

    • #11 André Lampe
      29. März 2015

      Ich war auf der FOM 2011 in Konstanz, das war sehr spannend. Im Moment schreibe ich meine Doktorarbeit zusammen, da ist leider nicht so wirklich viel Platz für Konferenzen, leider.
      Bis ich etwas zu STED schreibe, dauert es noch ein wenig. Mindestens gleichwertig zu STED sind auch so schöne Techniken wie PALM, dSTORM, STORM oder SIM – sollte man nicht vergessen 😉 . STED hat noch viele Probleme mit zwei oder mehr Farben, soweit ich das beurteilen kann. Ich persönlich mag dSTORM deutlich lieber, die Auflösung ist auch besser. Aber jede hochauflösende Technik hat ihre Berechtigung, für das eine ist diese Technik besser, für jenes eine andere Technik.

      Bist du für eine Firma oder eine Arbeitsgruppe dort vertreten?

  7. […] Mit ImageJ ist alles an Bildauswertung möglich. Das heißt, es können Abstände in den Bildern gemessen werden, Formen können erkannt werden, Spektren analysiert, Helligkeiten können ausgewertet werden und noch vielerlei Dinge mehr. Ich habe die Software schon im Studium kennen gelernt, beim Fortgeschrittenen Praktikum an der Uni Bielefeld habe ich damit die Bilder des Versuchs “Sternespektroskopie” ausgewertet. Spätestens in der Diplomarbeit, wo es um Laser und Mikroskope ging, gehört ImageJ für mich zum Standard, dass ich mich manchmal wundere, dass viele Physiker die Software gar nicht kennen – aber nicht jeder betreibt ja Forschung bei der es um Bildauswertung geht. Ist wieder so eine Tellerrand-Geschichte. […]