In Köln fand diese Woche das vierte Forum zur Wissenschaftskommunikation statt. Veranstaltet von “Wissenschaft im Dialog”, trafen sich zahlreiche Presse-Referenten, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit & Co.
Wissenschaft im Konflikt zwischen Politik und Gesellschaft. Über drei Tage verteilt referierten verschiedene Akteure ein paar der scheinbar in Frage kommenden Faktoren, die für eine gute Kommunikation von Wissenschaft relevant sein könnten.
Entgegen der Meinung von Reiner Korbmann war das in meinen Augen keine neue Entwicklung, kein Umbruch, keine Sensation, dass die Social Media (auch) für die Wissenschaftskommunikation wichtig ist.

In der Tat war es ganz offensichtlich für viele anwesenden Vertreter von Verbänden und Organisationen ein Aha-Erlebnis, dass es sowas wie Twitter & Co. gibt.
Ganz innovativ wurde dann auch von diesem neuen da, im Internet, diesen “Blogs” berichtet. Das sei aber noch eher eine Randerscheinung, eine Nische, noch nichts wichtiges. Das könnte aber interessant sein, und deswegen hat das Institut da mal was vorbereitet. Und dann Forscher aufgefordert, da doch mitzumachen.
Aber irgendwie hat das nicht so geklappt, die wollten nicht. Merkwürdig.
Ich habe mir die Freiheit genommen, dann mal ein paar aktuelle Zahlen von den Scienceblogs zu berichten (von den Scilogs hatte ich leider keine Zahlen parat, sorry!). Ob 12.000 Postings mit 270.000 Kommentaren wirklich eine Randerscheinung sind, wage ich doch ernsthaft zu bezweifeln.
Es blieb dabei, Social Media sind bei vielen noch nicht im Alltag angekommen. Und so wurde das Forum auch mit einer recht flachen Diskussion beendet. Selbst wenn “Neue Trends der Wissenschaftskommunikation” das Thema sein sollte, es gab keinen einzigen neuen Trend. Im Gegenteil, eine Professorin weigerte sich strikt und öffentlich gegen den Einsatz von Social Media.

Was bleibt? Viele gute und interessante Kontakte und auch den einen oder anderen guten Vortrag. In der Summe aber eher die Erkenntnis, dass noch viel zu tun ist – Reden wir mal drüber.

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-Ich weiß jetzt aber, dass ein “guter” Geigerzähler 150.000 Euro kostet und nicht im Baumarkt zu haben ist.
-Wissenschaftler immer noch das letzte Wort haben wollen und selbst einen Zeitungsartikel noch einmal Korrektur lesen wollen.
-Das Odysseum immer noch nicht mein Fall ist
-Kölner sogar Sekt in Reagenzgläsern servieren
-Die Markenbildung einer Exzellenzuni 18 Jahre dauert
Imaginary ist ein saucooles Programm
-Tatort ist nett an einem Sonntagabend, nicht in einem Vortrag
-Es gibt auch Geisteswissenschaften
-Das Bloomfield Science Museum Jerusalem ist extrem vorbildlich. Es schafft sogar eine Integration vermeintlich unterschiedlicher Kulturen und Menschen..
-Die Leitung eines Bundesinstituts für Risikobewertung kann einen extrem guten und kurzweiligen Vortrag halten. Bitte an andere Bundes-Stellen weitergeben!!
-Niemals, niemals den Kaffee am Morgen einer Konferenz vergessen!

Michael Sonnabend hat gestern auch noch sein sehr ehrliches Fazit der Konferenz gepostet, dem ich eigentlich auch nur zustimmen kann.

Es bleibt die Hoffnung, dass aus dem hier deutlich vorgeführten Monolog “der” Wissenschaft dann doch mal vielleicht, irgendwann, ein Dialog entsteht.

Kommentare (41)

  1. #1 Matthias Fromm
    Dezember 12, 2011

    Moin Christoph,

    ich kann Dir in nahezu allen Punkten folgen und könnte eigentlich hier den Kommentar noch einmal crossposten, den ich gerade bei Michael Sonnabend im Blog hinterlassen habe – tue ich aber nicht, keine Sorge! 😉

    Wer aber will, kann drüben bei Michael schauen: https://weltamsonnabend.wordpress.com/2011/12/11/zwischen-allen-stuhlen/#comment-75

  2. #2 Marc Scheloske
    Dezember 12, 2011

    Danke für Dein Resümee. Vielleicht spare ich mir meinen Rückblick, den ich noch schreiben wollte, wenn hier (und anderswo) ja sowieso die richtigen Punkte angesprochen werden.

    Für mich blieb hängen, daß es in Sachen Social Media immer noch jede Menge Informations- und Nachholbedarf gibt. Das war mir so nicht bewußt.

    Kleine Korrektur noch zu oben: wer für eine Reportage einen Geigerzähler (bzw. ein Spektroskop) in die Kamera halten will, der muß (so Yogeshwar) rund 150.000,- Euro investieren. Wobei mir bis zuletzt nicht klar wurde, weshalb die Nutzung eines etwas preisgünstigeren Geräts angeblich ein Tabu darstellt…

  3. #3 Chris
    Dezember 12, 2011

    Ich hatte den quasi parallel zu Michael geschrieben, aber heute morgen erst abgeschlossen. Anyway, bei Michael finde ich keinen Kommentar?

  4. #4 Florian Freistetter
    Dezember 12, 2011

    Mich verwirren Konferenzen dieser Art immer ein wenig. Irgendwie kenne ich so gut keine “Wissenschaftskommunikatoren”… Wo trifft man diese Leute und wo “kommunizieren” sie Wissenschaft? Ich hatte gehofft, dass ich etwas mehr über dieses Thema lernen kann, als Alexander Gerber damals zu Scienceblogs kam. Aber in seinem Blog wird ja auch nicht wirklich Wissenschaft kommuniziert.

    Kann mir jemand mal den Unterschied zwischen “Wissenschaftskommunikation” und dem was ich bzw. ein Haufen anderer Blogger tun, erklären? Wie wird man “Wissenschaftskommunikator”? (nicht das ich das Bedürfnis hätte, das zu werden – ich bin als Blogger sehr zufrieden…)

  5. #5 Chris
    Dezember 12, 2011

    @Marc
    Ja, da stimme ich Dir vollkommen zu. Wie ich oben schon sagte, Social Media ist noch nicht in “der” Wissenschaft wirklich angekommen. Ach ja, den Preis habe ich korrigiert…

    @Florian
    Sicherlich gibt es weder “die” Wissenschaft, “die” Gesellschaft und auch nicht “den” Wissenschaftskommunikator. Dennoch gibt es eine ganze Gattung von Arten, die sich hierunter zusammenfassen lassen: Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit von wissenschaftlichen Instituten und Verbänden, Hochschulen, Instituten & Co.
    Und dann noch so Freelancer wie Marc und ich, die ihre Brötchen damit verdienen, Wissenschaft zu kommunizieren, für wen auch immer das im einzelnen dann geschieht.
    Blogger sind exakt dasselbe, nur dass sie noch mehr an ideologischen Zielen arbeiten und das “nur” aus Spaß machen.
    Meines Erachtens ist da auch eine gewisse Grauzone zu Wissenschaftsjournalisten. Aber das ist wieder eine andere Baustelle. 😉

  6. #6 Matthias Fromm
    Dezember 12, 2011

    @Chris
    Ja, ich war mit meiner Ankündigung des Kommentars etwas vereilig – der war noch nicht freigeschaltet, ist es jetzt aber. 😉

    @Florian
    Siehst Du Florian, genau hier ist das Problem, das sich ma provokant in eine Definition fassen lässt: Wissenschaftskommunikatoren sind diejenigen, die darüber reden über Wissenschaft kommunizieren zu wollen/müssen/sollen/dürfen und sich in einer Diskussion damit einhergehender Probleme ergehen, wohingegen die Blogger das Kommunizieren von Wissenschaft in weiten Teilen einfach tun. 😉
    Okay, sorry für den Zynismus, aber so kommt es mir manchmal vor. Sicher, es gibt Dutzende, wenn nicht Hunderte von Wissenschaftskommunikatoren, die ihren Job gut machen und Kommunikation zu ihren Bezugsgruppen (Politik, Wirtschaft und Wissenschaft selbst) betreiben.

  7. #7 Chris
    Dezember 12, 2011

    @Matthias @Florian

    Nach der Konferenz muss man dem leider zustimmen. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel!

  8. #8 kamy
    Dezember 12, 2011

    Frage: kann man irgendwo erfahren, warum sich die erwähnte Professorin so strikt weigerte Social Media zu benutzen? Was waren ihre Argumente? Hatte sie überhaupt welche?

  9. #9 Chris
    Dezember 12, 2011

    @kamy
    Sie schilderte eine Situation, in der die ganzen Studenten nur am Rumtippen an ihren Handys waren. Das brauche ich nicht, die sollen aufpassen. Reden kann ich mit meinen Freunden doch in echt, dass muss ich nicht per Rechner.
    So ungefähr jedenfalls…. in der Runde “Neue Trends…”

  10. #10 Florian Freistetter
    Dezember 12, 2011

    @Chris: “Blogger sind exakt dasselbe, nur dass sie noch mehr an ideologischen Zielen arbeiten und das “nur” aus Spaß machen. “

    Naja, ich mache es, weil ich Spaß daran habe. Aber auch, weil ich davon lebe und mit dem Geld meine Miete bezahle.

    Mich stimmt es halt nur immer skeptisch, dass ich kaum von “Wissenschaftskommunikatoren” höre, außer wenn es um Wissenschaftskommunikationskonferenzen geht. Entweder ich bin ignorant, was das angeht und hab einfach den Überblick nicht – oder die Wissenschaftskommunikatoren Wissenschaft auf eine Art und Weise die an mir vorbei geht bzw. die sich nicht mit konkreten Personen, die ich wiedererkennen könnte, in Verbindung bringen lässt.

  11. #11 Chris
    Dezember 12, 2011

    @Florian
    Du bist vermutlich einer der sehr wenigen wissenschaftlichen Blogger, die wirklich “genug” Geld damit verdienen.
    Wie weiter oben schon beschrieben, an der Tür in der Uni steht bei den Personen vermutlich eher “Pressesprecher”, Kommunikation”, “Öffentlichkeitsarbeit”

  12. #12 Alexander Gerber
    Dezember 12, 2011

    @ Florian Freistetter:
    Die Frage war wohl eher rhetorisch gemeint, denn gerade dein eigener “Vernetzungsgrad” mit zigtausenden von Kommentarkontakten dürfte dir gezeigt haben, wie sehr sich die Kommunikationslandschaft in der Wissenschaft gewandelt hat. Die Professionalisierung in diesem Bereich (Qualifikation, Stellenangebote, Ressourcen, interner Einfluss auf die Forschungsstrategie etc.) und auch die Medialisierung des Wissenschaftsbetriebs selbst übersteigen die kühnsten Entwicklungsszenarien aus den späten 90ern, als PUSH allmählich auch hierzulande an den Start ging.

    Falls es sich NICHT um eine rhetorische Frage gehandelt hat, an dieser Stelle kurz der Schnellversuch einer definitorischen Abgrenzung: “Wissenschaftskommunikation” wird heute als Überbegriff dafür verstanden, dass (a) über, (b) von und/oder (c) innerhalb der Wissenschaft kommuniziert wird. Also (a) vor allem der Wissenschaftsjournalismus und seit einiger Zeit zunehmend auch die nicht selbst forschenden Wissenschaftsblogger, (b) die (meist institutionalisierte) Academia selbst in Form von Pressesprechern, Hausmagazinen, Videoportalen sowie eben auch institutionellen und individuellen Blogs, sowie (c) die innerwissenschaftliche Kommunikation innerhalb und zwischen Disziplinen, insbesondere der ganze Bereich aus Publikationswesen, Open Access, Open Science…

    Und noch eine Anmerkung zu meinem eigenen Blog: In Tat geht es dort nicht in erster Linie darum, “Wissenschaft zu kommunizieren”, sondern “zu Wissenschaftskommunikation zu kommunizieren”. Ein kleiner, aber entscheidender Unterschied. Plattformen für genau diesen fachlichen Austausch sind leider nach wie vor sehr rar, was u.a. auch dazu führt, dass die Erwartungen für die einzige größere Konferenz hierzu — besagtes WiD-Forum, diesmal in Köln — schnell durch die Decke gehen.

  13. #13 Alexander Gerber
    Dezember 12, 2011

    @ Matthias Fromm:
    Die zynische Andeutung, dass Wissenschaftskommunikatoren lediglich über Wissenschaftskommunikation diskutieren, statt ebendiese umzusetzen, hilft meiner Meinung nach nicht wirklich weiter, da sie nicht ermutigt (was sie sollte), sondern den ohnehin bestehenden und oft völlig unangebrachten Legitimationsdruck erhöht. Außerdem ließe sich die Andeutung sofort widerlegen durch Dutzende kreativer und aktiver Kolleginnen und Kollegen in den Agenturen, Pressestellen, Redaktionen und — ja! — auch in den Laboren selbst. Wie oben beschrieben müssen wir aufpassen, mit unserer Kritik nicht das Gegenteil von dem zu erreichen, was vonnöten ist, denn Mut zur Umsetzung ist in der Tat eine der wichtigsten Voraussetzungen für die o.g. Forderungen. Aber eben nur eine. Wie in Köln vorgetragen: Es fehlen vor allem auch Anreizsysteme und Anpassungen der Metriken. Die von uns gerne geforderten Experimente setzen also einen gewissen System- und Kulturwandel voraus, zu dem hierzulande noch nicht einmal ein öffentlicher Diskurs geführt wird.

  14. #14 Alexander Gerber
    Dezember 12, 2011

    …und bei aller Streitkultur noch eine allgemeine Anmerkung:
    Auch ich habe zwar in etlichen Gesprächen den Eindruck gewonnen, dass das Forum dieses Jahr für viele inhaltlich z.T. enttäuschend war. Andererseits sollte man bei aller Kritik am “Klassentreffen” eines nicht vergessen: Innerhalb von nur gut drei Jahren aus einer fixen Idee eine bundesweit tourende Pflichtveranstaltung zu machen, deren hunderte von Plätzen schon Wochen vorher ausgebucht sind, ist ein bemerkenswertes Verdienst, das vor allem Leuten wie Herbert Münder, Maria Kolbert oder Silke Späth mit einem riesigen persönlichen Einsatz gebührt. Wir reden hier also nicht nur über “gewachsene”, sondern buchstäblich über “entstehende” Strukturen. Denn Achtung: Man sieht ja gerade an der “WissensWerte”, wie wenig eine solche Plattform selbstverständlich ist. Wir sollten die Idee also kultivieren und nun die neue WiD-Geschäftsführung darin unterstützen, den nächsten Entwicklungsschritt zu bewältigen.

  15. #15 Florian Freistetter
    Dezember 12, 2011

    Also laut Chris sind “Wissenschaftskommunikatoren” vor allem die, die man ansonsten “Pressesprecher” oder “PR-Beauftragte” nennt. Wenn das tatsächlich so ist, dann leuchtet es mir ein, dass ich nicht oft auf sie treffe, denn aus dieser Gruppe kenne ich tatsächlich wenig Leute. Laut Alexander Gerber ist die Gruppe aber weiter gefasst, es gehören irgendwie alle dazu: Journalisten, Blogger, etc. Wobei mir übrigens nicht klar ist, warum nur die nicht-forschenden Blogger “Wissenschaftskommunikatoren” sein sollen? War ich die ganze Zeit immer “nur” Blogger und hab mich seit meiner Entscheidung im Herbst, die Wissenschaft zu verlassen, plötzlich zum “Wissenschaftskommunikator” gewandelt?

    Ich glaube, ich bin einfach nicht für diese Art von Diskussion gemacht. “Wissenschaftskommunikator” würde aus meiner Sicht jemanden beschreiben, der Menschen über Wissenschaft informiert. Solche Leute kenne ich jede Menge, aber anscheinend sind die meisten davon keine “echten” Wissenschaftskommunikatoren. Gibt es vielleicht Beispiele, wo man sehen kann, wie sich die Arbeit der Wissenschaftskommunikatoren von denen des “normalen” (auch selbst forschenden) Bloggers unterscheidet? Oder ist das Label “Wissenschaftskommunikator” nur eines, das den Grad der Professionalität angibt, das also Leute bezeichnet, die von wissenschzaftlichen Einrichtungen dafür bezahlt werden, über Wissenschaft zu reden, im Gegensatz zu den Leuten/Wissenschaftlern, die das einfach nur so machen?
    (Das würde auch erklären, warum ich so wenig WIssenschaftskommunikatoren kenne – ohne zahlende Institution im Hintergrund wird man vermutlich eher selten auf solche Konferenzen fahren und darum werden sich die Leute die “einfach nur so” über Wissenschaft reden dort eher nicht aufhalten).

  16. #16 Florian Freistetter
    Dezember 12, 2011

    Oder vielleicht sollte ich mein Problem anders formulieren. Ich kann mir sehr gut vorstellen, was ein Wissenschaftsblogger den ganzen Tag macht und worin seine Arbeit besteht, immerhin bin ich selbst einer. Ich habe auch eine gute Vorstellung von dem, was ein Wissenschaftsjournalist macht und was seine Arbeit beinhaltet. Aber ich habe nicht wirklich eine gute Idee davon, was die Arbeit eines “Wissenschaftskommunikators” ausmacht. Vielleicht können diejenigen hier, die sich selbst als Wissenschaftskommunikatoren sehen, mir ein paar Sätze über ihre tägliche Arbeit schreiben. Dann versteh ich das vielleicht besser.

  17. #17 Chris
    Dezember 12, 2011

    @Florian
    Mache ich gerne, Morgen.

  18. #18 Florian Freistetter
    Dezember 12, 2011

    @Chris: “Mache ich gerne, Morgen.”

    Danke! Ich bin gespannt!

  19. #19 Alexander Gerber
    Dezember 12, 2011

    @ Florian Freistetter:

    nur die nicht-forschenden Blogger “Wissenschaftskommunikatoren”…

    Man sieht, wir stoßen an die Grenzen dessen, was in einem Blog-Thread effizient diskutierbar ist. In aller Kürze: Sowohl als auch.
    Die “nicht-forschenden Blogger” zählen laut Definition zu Gruppe (a), da sie sozusagen eine systemexterne Perspektive einnehmen, während “forschende Blogger” ja wohl dasselbe sind wie “bloggende Forscher”, also zu Gruppe (b) zählen, weil sie aus dem Wissenschaftssystem selbst von innen heraus kommunizieren.

    Also nach Diskurspartnern: a extern, b intern-nach-extern, c intern

  20. #20 Alexander Stirn
    Dezember 12, 2011

    @Alexander Gerber: Aus akademischer Sicht mag es sicherlich korrekt sein, Wissenschaftsjournalismus unter den Oberbegriff “Wissenschaftskommunikation” zu packen. In der Praxis würde ich aber sagen: Ein Journalist, der sich (allein) als Wissenschaftskommunikator versteht, der Wissenschaft also nur vermitteln oder gar übersetzen will, hat seinen Beruf verfehlt hat. Das eine ist PR, das andere ist die kritische Begleitung des Wissenschaftsbetriebs.

    Die Skepsis und Angst gegenüber den (alles andere als neuen) “Neuen Medien” überrascht mich nach den Erfahrungen der diesjährigen Wissenswerte übrigens nicht, bei der ja traditionell vor allem auch Wissenschaftskommunikatoren anwesend sind. Wenn sich die Teilnehmer in Workshops, in denen Twitter oder die Funktion der Anführungszeichen bei der Google-Suche erklärt werden, fleißig Notizen machen als wäre das das Neueste der Welt, kann es mit der Medienkompetenz in der Branche nicht so weit her sein.

  21. #21 Alexander Gerber
    Dezember 12, 2011

    @ Alexander Stirn:
    Einerseits ist die Unterscheidung Journalismus / PR natürlich wichtiger denn je (s. u.a. ESOF 2010 mit der WPK-Session zu investigativem WissJour sowie die in http://wk-trends.de ausgeführten, sehr bedenklichen Entwicklungen hinsichtlich einer Vermischung von PR und Journalismen (was letztlich ebenso vor allem eine Folge der Professionalisierung auf der PR-Seite und der Strukturkrise auf der Medien-Seite ist).

    Andererseits aber ist es auch eine Tatsache, dass es kaum noch freie Journalisten in diesem Land gibt, die es sich finanziell leisten können, ausschließlich für unabhängige Medien zu arbeiten (also keine Auftragstexte für Firmen, keine Kundenmagazine…).

    Rein definitorisch sehe ich kein Problem, sofern man unter “Kommunikation” immer mehr versteht als “Information”. “Wissenschaftskommunikation” deckt also (zumindest terminologisch, wenn auch wie von allen hier zu Recht angemerkt nicht tatsächlich) alle 6 Partizipationsstufen ab, wie diese z.B. von WILCOX schon 1994 aufgestellt wurden und in denen sich auch das heutige Social Web oder die ganze Thematik der Online-Deliberation oder der Citizen Science prima verorten lässt: Information >> Consultation >> Shared Decisions >> Joint Actions >> Support of Independant Ideas >> Self-Motivated Community Action (frei und hoffentlich richtig erinnert wiedergegeben). Blogs erklimmen demnach kommunikationstheoretisch gerade mal Stufe drei, führen aber in Einzelfällen bereits zu kollaborativen Projekten (“Guttenplag” zum Beispiel), also Stufe 4. Auf den Stufen 5 und 6 wären die Wissenschaftker dann nur noch Impulsgeber (“Open Science” hinkt hier ja in der Verbreitung der “Open Innovation” in der Industrie noch hinerher), und der eigentliche Forschungsprozess verselbständigt sich völlig demokratisiert — da sind wir wohl noch ein bisschen von entfernt. 😉

  22. #22 Florian Freistetter
    Dezember 12, 2011

    Michael Sonnabend hat meine Bedenken bei der ganzen Wissenschaftskommunikationssache hier gut zusammengefasst: “Das ist alles viel zu sehr McKinsey und zu wenig Mut. “

  23. #23 Michael Sonnabend
    Dezember 12, 2011

    @Florian Freistätter

    Ja, was soll eigentlich ein „Wissenschaftskommunikator“ sein? Gute Frage. Der Begriff ist so hinreichend unscharf und uneindeutig, dass sich ziemlich viele Leute irgendwie mit ihm identifizieren können. Vielleicht ist das beabsichtigt, vielleicht aber auch nur mangelnder Wille, genauer über manche Dinge nachdenken zu wollen.
    Für mich ist ein Wissenschaftskommunikator in erster Linie jemand, der sich bemüht, über wissenschaftliche Themen, Ergebnisse oder Prozesse so zu sprechen oder zu schreiben, dass es auch solche Leute verstehen, die nicht den ganzen Tag in Laboren oder Bibliotheken verbringen. Einem Wissenschaftskommunikator ist das ein wichtiges Anliegen, aus welchen Gründen auch immer. Das kann ein Blogger sein oder jemand, der regelmäßig Vorträge hält, die sich nicht an ein Fachpublikum richten. Das kann ein Forscher sein, der einer Tageszeitung ein Interview gibt oder sich vielleicht sogar traut, in „Welt der Wunder“ oder „Galileo“ in Erscheinung zu treten. Der beste Wissenschaftskommunikator ist also der Wissenschaftler selbst.
    Leider ist dieser Typ sehr selten. Die Regel ist vielmehr der Typ „Lass mich in Ruhe. Ich will nur forschen“ – und weil der so weit verbreitet ist, gibt es mittlerweile auch ziemlich viele PR-Typen wie mich, die sich bemühen, aus dem verschlossenen Wissenschafts-Typen so viel rauszukitzeln, dass man irgendwas von dem, was er da forscht, an die Öffentlichkeit geben kann.
    Warum ist das so wichtig? Nun, da ist vor allem “die Gesellschaft”, die den verschlossenen Wissenschafts-Typen alimentiert. Also darf sie auch ab und zu mal erfahren, was der Typ denn da so eifrig vor sich hinforscht.
    Und dann sind da noch die ominösen „Medien“: Da sitzen wiederum ganz andere Typen, nämlich die vom Schlage „Erzähl mir mal ‘ne coole Geschichte aus der Wissenschaft“. Denn wenn er seinen Lesern keine coole Geschichte erzählen kann, kriegt er ein Problem. Dann kauft keiner mehr sein Käseblatt. Auch deshalb gibt es Presse-Fuzzis wie mich: Wir lehnen uns dann mal ein paar Stunden zurück und erzählen dem Zeitungs-Fredi eine coole Geschichte. Das würde der verschlossene Wissenschafts-Typ nie hinkriegen, also braucht er uns, die „Wissenschaftskommunikatoren“. Überspitzt gesagt, retten wir „Kommunikatoren“ dem verschlossenen Wissenschafts-Typ den Arsch, weil sonst keiner so richtig wüsste, was er da eigentlich treibt. Und irgendwann sperren sie ihm das Labor zu und er weiß gar nicht, warum.
    Gäbe es lauter Wissenschaftler, die in der Lage wären, ihre wissenschaftliche Arbeit der Allgemeinheit so zu vermitteln, dass es alle verstehen, bräuchte es auch keine Pressesprecher, Öffentlichkeitsarbeiter oder andere „Wissenschaftskommunikatoren“. Die Wissenschaftler wären dann die wahren Wissenschaftskommunikatoren. Aber damit ist nun wirklich nicht zu rechnen.

  24. #24 Kathrin
    Dezember 13, 2011

    Kann es sein, dass wir in Köln aneinander vorbeigeredet haben, weil es ein grundsätzliches Missverständnis gibt? Es ist ja nicht so, dass die Pressesprecher, Öffentlichkeitsarbeitsmenschen und sonstigen „Kommunikatoren“ nicht wüssten, dass es sowas wie direkte Kommunikation und ein Web 2.0 gibt. Leider hat aber in Köln auch keiner erklärt, wie die direkte Kommunikation zwischen „der Wissenschaft“ und „der Gesellschaft“ in der Praxis aussehen könnte.
    @Chris
    Übrigens ging es bei der Professorin nicht nur darum, dass alle Studenten auf dem Handy herumtippen; es ging auch um die Frage, wie man damit umgeht, wenn plötzlich irgendwelche Rechtsradikalen ihre Kommentare zu archäologischen Funden abgeben. Setze stattdessen Klimawandel, Homöopathie, was weiß ich – vermutlich hat jede Disziplin so ein Thema. Die Diskussion darüber kann leicht zur tagesfüllenden Beschäftigung werden – wie organisiert man das? In der „herkömmlichen“ Konstellation Wissenschaftler – Wissenschaftskommunikator – Journalist kann der Pressesprecher oder wer auch immer den Wissenschaftler entlasten. Wenn der Wissenschaftler aber mit allen direkt diskutieren soll, entfällt diese Entlastung. Ich hätte dazu ganz ehrlich gerne mal einen praktischen Vorschlag. Und bitte jetzt nicht die (wenigen) forschenden Blogger anführen, die es zweifellos gibt, die Spaß am Bloggen haben und denen es leicht fällt. Sondern an den „ganz normalen“ Chemiker, Physiker, Ingenieur oder Neurowissenschaftler denken.

  25. #25 Chris
    Dezember 13, 2011

    @Florian
    So, Weihnachtsfeier ist vorbei, und Deine Frage hat sich vermutlich erledigt. Danke an Alexander, Michael und Matthias, dass Ihr das sehr ausführlich beantwortet habt.

    @Kathrin
    Vielleicht habe ich sie falsch verstanden, aber mE war schon die Aussage, dass sie ja mit allen Leuten lieber im RL spricht, als zu tippen?
    Wie man mit Trollen umgeht? Wenn es dafür mal eine Patentrezept gäbe. In diesem speziellen Fall: Löschen. Da braucht es keine Vorkenntnisse. Redigieren an Studenten oder Sekretärin, braunen Mist erkennt man schnell, das kann jeder, der eine Maus bedienen kann.

  26. #26 Alexander Gerber
    Dezember 13, 2011

    @ Michael Sonnabend:
    Danke für den Exkurs — das ist ja auch schon fast “dual blogging” was wir machen — hier definitorisch, da ganz pragmatisch. 😉

    Zwei Anmerkungen noch von mir:

    Gäbe es lauter Wissenschaftler, die […] ihre […] Arbeit […] so vermitteln [können], dass es alle verstehen, bräuchte es auch keine […] „Wissenschaftskommunikatoren“.

    Theoretisch jein. Auch in der Wirtschaft (die der Wissenschaft im Kommunikationsmanagement, bei den Ressourcen und im internen Standing der Kommunikation um Jahre voraus ist) funktioniert es ja nur sehr selten gänzlich ohne dezidierte Kommunikatoren, allein schon weil viel kommunikatorische Fleißarbeit zwangsläufig vom Experten wegdeligiert werden muss, damit das System noch effizient laufen kann. Das ist genau was @ Kathrin (s.o.) anmerkt, nämlich, dass im Forschungsalltag der Einzelnen gar nicht die Zeit für die Form von Kommunikation ist, die wir uns wünschen. Es dürfte ebenso fern liegen, jeden Abteilungsleiter bei der Telekom in Grafikdesign und journalistischem Schreiben zu schulen etc. wie es vermessen wäre zu fordern, über punktuelle Basis-Medientrainings hinaus aus (allen?) Wissenschaftlern Kommunikatoren machen zu wollen. Insofern ist meiner Erfahrung nach bei weitem nicht notwendigerweise

    der Wissenschaftler selbst der beste Wissenschaftskommunikator.

    Die besten Kommunikationsansätze entstehen oft genau dann, wenn der Immunologe / Quantenphysiker / Kognitionsforscher einer PR-KollegIn gegenübersitzt, die — sagen wir mal — von Hause aus Kunsthistorikerin ist und ihre “Ignoranz des Fachlichen” im besten Sinne kultiviert, indem sie mit so einfachen Fragen wie möglich an des Pudels Kern geht.
    Auch im Journalismus haben wir ja diese Diskussion seit Jahren, und auch hier krankt beispielsweise der Innovationsjournalismus daran, dass fast ausschließlich KollegInnen mit technisch / naturwissenschaftlichem Hintergrund am Ball sind. Gerade bei technischen Innovationen jedoch gelingt deshalb oft nicht die gesellschaftliche Anschlussfähigkeit — siehe “Framing” etc.

  27. #27 Alexander Gerber
    Dezember 13, 2011

    @ Kathrin:
    Das Problem lässt sich, glaube ich, aus drei Gründen nicht mit reinem “Troll-Management” lösen: (1.) müssen wir vielen KollegInnen erst einmal klar machen, dass die von Ihnen (hypothetisches “Sie”) gestellte Frage eigentlich gar keine ist, denn selbst wenn die Nazi-Trolle sich bei Ihnen im Archäologie-Blog nicht austoben dürfen, werden sie es einfach woanders tun — oder noch pointierter: Sie tun es längst woanders, ohne dass Sie dies verhindern können, ja sogar möglicherweise sogar ohne dass Sie mangels Monitoring davon wissen. (2.) ist eine Zensur (so sehr sie in diesem Fall auch ethisch gerechtfertigt oder sogar verfassungsrechtlich legitimiert sein mag) immer der schlechtere Weg, sofern es gelingt, dass sich die Diskussion im Blog von ganz allein reguliert, etwa weil sich Dutzende von Nutzern empören, den jeweiligen Kommentar “flaggen” etc. — auf größeren Dialogplattformen funktioniert das prima. Bleibt nur leider (3.) die gar nicht kommunikatorische, sondern förderpolitische Frage, ob solch ein Schlagabtausch mit den Nazi-Trollen auf Ihrer (vermutlich von einem öffentlichen Zuwendungsgeber finanzierten) Webseite laufen darf, und genau hieran wird es vermutlich scheitern. Was sich übrigens in der Online-Deliberation bewährt hat, sind Journalisten als Moderatoren, und zwar nicht nur um zu versachlichen, sondern vor allem um sicherzustellen, dass die jeweiligen Positionen gemäß ihrer tatsächlichen Relevanz aufscheinen (siehe hier >> http://innokomm.eu/forschung/open-science/debate-2-0 ) — so sind beispielsweise bei den Debatten um “Intelligent Design” in den USA oder auch um den Klimaschutz hierzulande die jeweiligen Gegner und Befürworter vermeintlich auf Augenhöhe, wohingegen natürlich der eigentliche wissenschaftliche Diskurs eher bei 90:10 liegen dürfte.

  28. #28 Florian Freistetter
    Dezember 13, 2011

    @Michael Sonnabend: “Warum ist das so wichtig? Nun, da ist vor allem “die Gesellschaft”, die den verschlossenen Wissenschafts-Typen alimentiert. Also darf sie auch ab und zu mal erfahren, was der Typ denn da so eifrig vor sich hinforscht.”

    Also warum wissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit wichtig ist, muss man mir nicht erklären 😉 Das ist ein immer wiederkehrendes Thema in meinem Blog. Mir ging es nicht darum, gerechtfertigt zu bekommen, warum Wissenschaft kommuniziert werden muss, mir war nur unklar, wer die ganzen “Wissenschaftskommunikatoren” auf den Konferenzen sind, woraus jetzt konkret ihre Arbeit besteht und warum ich so wenig von ihnen kenne, wo ich mich doch selbst auch intensiv mit der Vermittlung von Wissenschaft beschäftige. Mein bisheriges Fazit: Die meisten der Wissenschaftkommuniktatoren um die es hier geht, sind keine freischaffenden Blogger wie ich, oder Journalisten oder Wissenschaftler, sondern Leute, die von Forschungseinrichtungen engagiert und bezahlt werden, um die wissensdchaftlichen Ergebnisse in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Also Pressesprecher oder PR-Beauftragte von Unis, etc. Insofern kann ich mir nun auch vorstellen, was diese Leute machen und verstehe, warum ich so wenig davon kenne.

    @Alexander Gerber: “die gar nicht kommunikatorische, sondern förderpolitische Frage, ob solch ein Schlagabtausch mit den Nazi-Trollen auf Ihrer (vermutlich von einem öffentlichen Zuwendungsgeber finanzierten) Webseite laufen darf, und genau hieran wird es vermutlich scheitern.”

    Wenn die Leute darauf bestehen, dass die Forschungsergebnisse veröffentlicht werden, dann aber niemand darüber reden darf, läuft irgendwas falsch. Spinner gibt es immer und überall. Bei Zeitung und Fernsehen merkt man nur nichts von ihnen, weil es beim TV gar kein Feedback und bei der Zeitung nur ein zensiertes Feedback in Form von Leserbriefen gibt. Im Web 2.0 kann halt jeder sagen was er möchte. Und das ist gut so, denn was besseres kann einem Wissenschaftskommunikator passieren, als das die Leute über Wissenschaft reden? Online-Veröffentlichungen präventiv zu unterlassen, weil ja vielleicht irgendwer irgendwas blödes sagen könnte, ist bescheuert.

  29. #29 Alexander Gerber
    Dezember 13, 2011

    @ Florian Freistetter:

    Online-Veröffentlichungen […] zu unterlassen, weil […] irgendwer irgendwas blödes sagen könnte, ist bescheuert.

    Wir beiden sind uns da sicherlich schnell einig, aber aus Sicht der Forscher sieht das wohl doch differenzierter aus. Warum etwa soll ein Wissenschaftler bloggen, wenn das nicht im Geringsten auf seine Laufbahn einzahlt (Stichwort: Publikationsliste, Berufungskriterien). Warum soll ein Institut sich online einer kritischen Web-Öffentlichkeit stellen, wenn diese Form der Kommunikation bei der nächsten Evaluierung oder bei der Allokation von Fördermitteln keine Rolle spielt? Warum soll ein Forscher namentlich einen populärwissenschaftlichen Beitrag in “Spektrum der Wissenschaft” schreiben und dafür möglicherweise einen A-Journal-Beitrag aus Zeitgründen auslassen, wenn er sich danach gegenüber seinen Peers rechtfertigen muss (“Du scheinst ja ne Menge Zeit zu haben…”) — vgl. die vielen Anfragen bei SdW-CR Carsten Könnecker bezüglich Beiträgen unter Pseudonym!

  30. #30 Florian Freistetter
    Dezember 13, 2011

    aber aus Sicht der Forscher sieht das wohl doch differenzierter aus.

    Ich war lange genug Forscher um das aus erster Hand erlebt zu haben. Ich habe in meinem Blog auch oft genug darüber geschrieben, dass eine Forscherkarriere nicht nur nach Publikationen sondern auch nach Engagement in Lehre und Öffentlichkeitsarbeit beurteilt werden soll. Aber um das zu ändern müssen diejenigen eingreifen, die das Geld verteilen, im wesentlichen also der Staat und die Arbeitsgeber der Forscher. Jetzt bin ich schon wieder verwirrt. Ich dachte “Wissenschaftskommunikatoren” sind Leute, die sich dafür einsetzen, das WIssenschaft kommuniziert wird. Kümmern sie sich jetzt auch noch um die Beurteilungsrichtlinien in Berufungskommissionen und Fördergremien? Sowas ist doch eher Aufgabe der Politiker und des Hochschulmanagements.

    Und irgendwie hat die Frage, warum Forscher lieber papers schreiben anstatt Öffentlichkeitsarbeit zu machen auch nicht wirklich was mit dem Problem zu tun, über das gerade diskutiert wurde: Soll man sich bei der Öffentlichkeitsarbeit von potentiell negativen Reaktionen abschrecken lassen?

  31. #31 Alexander Gerber
    Dezember 13, 2011

    Kümmern sich [Wissenschaftskommunikatoren] jetzt auch noch um die Beurteilungsrichtlinien in Berufungskommissionen und Fördergremien?

    Sagen wir mal so: Wenn wir diesen Knoten nicht zerschlagen, es also schaffen die hier anklingende Diskussion auf die forschungs-/förderpolitische Ebene zu heben, um genau dort an den systemischen Stellschrauben zu drehen, kann und wird eine interaktive Wissenschaftskommunikation in Deutschland nicht vom Fleck kommen. Das ist nicht nur meine persönliche Überzeugung, sondern auch die überwiegende Meinung der gut 30 Delphi-Experten in der jüngsten Trendstudie (siehe u.a. Fazit #4, Seite 55 >> http://www.stifterverband.de/wk-trends ). Der Übergang von “PUSH” in die von uns hier unisono proklamierte fünfte Entwicklungsphase wird von gewissen Rahmenbedingungen des derzeitigen Systems blockiert. Führt aber hier in der Tat möglicherweise zu weit. Siehe auch meinen Tweet von heute früh: The New Einsteins Will Be Scientists Who Share >> http://t.co/wyor372w

  32. #32 Florian Freistetter
    Dezember 13, 2011

    Wenn wir diesen Knoten nicht zerschlagen, es also schaffen die hier anklingende Diskussion auf die forschungs-/förderpolitische Ebene zu heben, um genau dort an den systemischen Stellschrauben zu drehen, kann und wird eine interaktive Wissenschaftskommunikation in Deutschland nicht vom Fleck kommen.

    Ja, aber nochmal die Frage: Ist das Aufgabe von “Wissenschaftskommunikatoren”? Wenn ja, dann ist die Bezeichnung völlig falsch gewählt. Dann sollte man sich lieber “Lobbyisten” nennen oder Politiker. DAS es sich hier um ein Problem handelt, ist unbestritten und das glaub ich auch ohne PUSH oder Delphi oder wasauchimmer. Ich wollte ja eigentlich nur wissen, was “Wissenschaftskommunikatoren” sind. SInd das nun Leute, die Wissenschaft kommunizieren? Oder Leute, die sich wissenschaftspolitisch betätigen und Gesetzsänderungen bei der Forschungsförderung bewirken wollen?

  33. #33 Alexander Gerber
    Dezember 13, 2011

    @ Florian Freistetter:
    Bin so unverschämt, noch einmal mit “Jein” zu antworten. Das “Knotenzerschlagen” ist eher eine Sache, die Akteure wie wir als Forschungszentrum zusammen mit den Akademien etc. betreiben, und zwar um genau den oben hinreichend beschriebenen Kommunikatoren den Weg zu bereiten. Es braucht eben nicht nur “Kommunikatoren”, sondern auch “Enabler”…wobei zum “Enablen” (oh je, gleich kriege ich wieder den McKinsey-Stempel übergebrannt) auch so etwas wie Weiterbildung zählt (woran wir ja ebenfalls mit Hochdruck arbeiten). Muss mich jetzt für heute erst mal ausklinken, da auf dem Sprung. Morgen gerne mehr.

  34. #34 Chris
    Dezember 13, 2011

    @Alexander

    Wenn Du selbst schon so darum bettelst, gerne:
    *stempel* McKinsey

    In der Tat, da bin ich ohne Stempel ganz bei Dir, würde es hilfreich sein, wenn die DFG in ihrer Vergabe auch ein Kriterium “Aktivitäten in der Öffentlichkeitsarbeit” berücksichtigen würde. Dann würde es auf einmal einen Sinn ergeben, sich da auch Zeit für zu nehmen. Ziemlich viel Konjunktiv…

  35. #35 Florian Freistetter
    Dezember 13, 2011

    Das “Knotenzerschlagen” ist eher eine Sache, die Akteure wie wir als Forschungszentrum zusammen mit den Akademien etc. betreiben, und zwar um genau den oben hinreichend beschriebenen Kommunikatoren den Weg zu bereiten. Es braucht eben nicht nur “Kommunikatoren”, sondern auch “Enabler”…wobei zum “Enablen” (oh je, gleich kriege ich wieder den McKinsey-Stempel übergebrannt) auch so etwas wie Weiterbildung zählt

    Ok, jetzt versteh ich gar nichts mehr. Das ist mir wirklich alles zu sehr “McKinsey”. Ist anscheinend doch nicht so einfach zu erklären, was “Wissenschaftskommunikatoren” sind. Jedenfalls keine Leute, deren Job darin besteht Wissenschaft zu kommunizieren. Pressesprecher und PR-Mitarbeiter hätte ich ja noch kapiert. Aber wer bezahlt Knotenzerschlager und “Enabler”? Welche Institutionen engagieren Menschen, damit sie neue Förderrichtlinien “enablen”?

    Ich bleib lieber ein ordinärer Blogger und erzähle Leuten was über Wissenschaft. Die “Wissenschaftskommunikation” ist mir zu verwirrend und anscheinend ohne Managerwörterbuch nicht zu durchschauen…

  36. #36 Theres
    Dezember 13, 2011

    Nur zu meinem Verständnis:

    Es braucht eben nicht nur “Kommunikatoren”, sondern auch “Enabler”…wobei zum “Enablen” (oh je, gleich kriege ich wieder den McKinsey-Stempel übergebrannt) auch so etwas wie Weiterbildung zählt

    Dürfte ich das dreist so übersetzen, dass die einen gern darüber reden, die anderen es einfach tun und dazu nicht einmal Fremdworte brauchen? Und dass dieses Vokabular der Grund dafür ist, dass nur “so wenig Wissenschaft” entsprechend der obigen Ansichten im Web 2.0 kommuniziert wird? (Cern kann es …)

  37. #37 Matthias Fromm
    Dezember 13, 2011

    @Florian
    Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster, denn eigentlich erscheint es mir ganz einfach. Wissenschaftskommunikatoren sind Personen, die aus und über die Wissenschaft berichten. Das kann aus verschiedenen Blickwinkeln, in verschiedenen Rollen, Anstellungsverhältnissen, Verantwortlichkeiten oder Beweggründen geschiehen und in verschiedenen Kommunikationskanäle passieren.

    Alles andere ist aus meiner Sicht vor allem systemimmanente Politik und Selbstfindung und dient vornehmlich der Rechtfertigung von a) Kommunikationsbedarfen, b) Hierarchien und Vergütungsmodellen sowie der Pflege von Image und der Kultivierung der Eigenwahrnehmung. An der Stelle nehme ich auch mich nicht aus.

  38. #38 Alani Prinz
    Dezember 13, 2011

    Also da kann Florian Freistetter vom Begriff halten was er will: Für mich ist er ein Wissenschaftskommunikator. Gibt freilich noch viele andere Unterformen, wie Journalisten, Redakteure, PR-Menschen, Pressesprecher, WiD-Chefs…

  39. #39 Chris
    Dezember 13, 2011

    @Alani
    Aber sowas von!

  40. #40 Markus
    Dezember 13, 2011

    Als Wissenschaftkommunikator würde ich Menschen bezeichnen die in der Lage sind andere für Wissenschaft zu begeistern und diese einleuchtend und fundiert zu erklären, daher fällt Florian Freistetter auch darunter. :-) Andere Beispiele wären Carl Sagan, Richard Feynman, Neil deGrasse Tyson bei denen zumindest in englischen Artikeln der Begriff auch häufig verwendet wird.

  41. #41 Chris
    Dezember 13, 2011

    @Markus
    Holla, da wird Florian jetzt aber stolz sein, in solch illustre Runde aufgenommen worden zu sein.
    Und *räusper* ja, ich zähle mich auch dazu… wenn auch sicherlich nicht in der von Dir vorgeschlagenen Reihe 😉