Anfang Juli fanden in Prag die Weltmeisterschaften im Ultimate statt. Dabei handelt es sich um einen zunehmend populärer werdenden Sport, der in einer Welt der sich immer weiter entwickelnden Sportarten (im Baseball gibt es mittlerweile den Videobeweis für Homeruns!) noch recht jung ist und von der zu Beginn niemand gedacht hätte dass sie eine derart weit reichende Anhängerschaft finden würde.

Man fragt sich jetzt, was hat das mit Evolution zu tun? Die Antwort: rein gar nichts. Ich könnte jetzt darüber argumentieren wie sich die Lunge evolutionsbiologisch entwickelt hat, und am Ende die Voraussetzung für die Entstehung von Ultimate war. Aber erstens wäre das ja albern, und zweitens finde ich, dass die kulturelle Entwicklung dieses Sports alleine – ganz unabhängig von Evolution und Biologie – Grund genug ist, einmal genauer danach zu schauen, was es mit dem Sport auf sich hat. Und deshalb habe ich ihn einmal ausprobiert (und soweit meine Beine und meine Lunge das zulassen, werde ich das bestimmt weiterhin tun).

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Action bei den Deutschen Ultimate Meisterschaften 2007 (Photo: Benjamin Stephan)

Ultimate – was ist das?

Ultimate ist Frisbee als Mannschaftssport, und – mit Verlaub gesagt – verdammt anstrengend. Das Spielfeld ist ungefähr so groß wie ein Fußballfeld, aber nur ungefähr halb so breit. Da es allerdings statt Toren Endzonen gibt (wie beim American Football) ist der Bereich, in dem man sich bevorzugt aufhält 64×37 Meter groß. Das Feld ist damit größer als ein Basketballfeld, die Geschwindigkeit mit der man aber über das Feld läuft ist ähnlich. In einem Team sind 7 Leute, von denen jeder je nach Position das gesamte Feld abläuft. In wenigen Sekunden wird man beim Verlieren des Frisbees vom offensiven Spieler mit Bewegung zur gegnerischen Endzone zum defensiven Spieler, dessen Manndeckung oft schon auf halbem Wege in die andere Richtung ist. Kurz: Ultimate ist ein ständiges Rennen und nur nach einem Punkt gibt es Pausen um sich neu aufzubauen.

Dabei macht Frisbee unheimlich Spaß. Das Werfen dieser 175 g schweren Scheibe ist ein kleines Kunststück an sich. Man kann mit viel Kraft einen starken Rückhandwurf über die Spielfeldlänge schmettern, oder mit Eleganz einen sicher in der Luft gleitenden Vorhandwurf. Man kann (man muss!) den Wind berücksichtigen wenn das Frisbee von einem Spieler zum nächsten gegeben wird. Dabei kann es in jedem Winkel in der Luft liegen; wichtig ist nur, dass es gleichmäßig rotiert und so stabil in der Luft liegt. Der Flug wird dabei ganz genauso erzeugt wie bei einem Flugzeug: Durch die gebogene Oberfläche gibt es einen Druckunterschied (geringer Druck oben, hoher Druck unten) und so entsteht Auftrieb. Der Ultimate-Spieler muss jetzt nur noch lernen, den Luftwiderstand richtig einzuschätzen und schon landet das Frisbee direkt … beim Gegenspieler.

(Wer mehr Interesse an der Physik des Frisbees hat, dem sei Sarah Hummels Master-Arbeit von 2003 ans Herz gelegt: Frisbee Flight Simulation and Throw Biomechanics.)

Meine ersten Eindrücke schwanken ein wenig. Zuerst wirkt der Sport leicht chaotisch, da ein Spiel damit beginnt dass jede Mannschaft aus der Entfernung aufeinander los rennt. Aber da steckt unheimlich viel Methode und noch mehr Taktik hinter. Jeder Spieler hat einen Gegner – und einen Plan wie er den so gut wie möglich abhängt um das Frisbee zu bekommen. Ist es erst mal gefangen, bleibt man stehen und sucht nach einer Möglichkeit innerhalb von 10 Sekunden eine Lücke zu einem Mitspieler zu finden. Ähnlich wie beim Fußball, aber völlig körperlos und deswegen auch ohne den Überfluss an Schwalben (die „sterbenden” Fußballer, nicht die Vögel).

Es ist sowieso interessant dass man bei Ultimate völlig fair spielt, denn es gibt keine Schiedsrichter. Das ist neben Golf wahrscheinlich die einzige Sportart bei der das funktioniert. Die Spieler hier entscheiden selber ob sie gefoult wurden, und jeder passt auf dass die Regeln eingehalten werden. Unglaublich, aber es geht.

Ein Spiel, entwickelt vom Produzenten von Stirb langsam

Ein Grund für die Fairness des Spiels liegt vielleicht in seiner Entstehungsgeschichte. Ultimate wurde 1968 erfunden, an einer High School in New Jersey, USA.

Von Schülern.

Die Idee kommt vom 16-jährigen Joel Silver, der von einem Lehrer dazu inspiriert wurde, Frisbee als eine Teamsportart zu spielen. Filminteressierte kennen Joel Silver wahrscheinlich als Produzenten großer Action-Filme wie Stirb langsam, Lethal Weapon, Matrix und vor kurzem Sherlock Holmes. Damals setzte er sich dafür ein, Frisbee als Schulsport einzuführen und bekam vom Schülerkomitee eine überragende Mehrheit. Kurz darauf schrieben sie gemeinsam die Regeln auf.

Laut einem Interview mit Sports Illustrated spielten sie auf einem neuen Parkplatz neben der Schule und ihr erster Manager war ein Nacht-Wachmann. Als Silver dann zum College ging, brachte er das Spiel mit und von da verbreitete sich der Sport in der ganzen Welt. Mittlerweile wird Ultimate in mehr als 40 Ländern gespielt, wobei es bevorzugt in Nordamerika verbreitet ist.

Der Name ist angeblich daraus entstanden, dass Joel Silver bei der Vorstellung seiner Ideen behauptete es wäre „der ultimative Sport”.

Der größte Fang

Nun aber zurück zu der Weltmeisterschaft und zu dem Titel dieses Artikels. „Der größte Fang der Geschichte”, das ist vielleicht eine gewagte These, und da mir Aufzeichnungen anderer Fänge fehlen kann ich das wahrscheinlich gar nicht beurteilen. Aber da sämtliche Online-Nachrichtenagenturen das genauso sehen, will ich mich da nicht hervorheben indem ich sage, „Der beste Fang den ich in 3 Minuten Online-Recherche finden konnte”. Nein, schaut euch dieses Video an und sagt mir ob das nicht absolut irre ist. Ich habe gelernt, dass schon Fangen in der aufrechten Position sehr schwer sein kann, wenn man mitten im Spiel ist. Das hier ist einfach … beeindruckend.

Andrew Fleming von den Seattle Sockeye macht den spektakulärsten Fang des Turniers bei dem Sieg über Boston Ironside im Halbfinale der WFDF World Ultimate Club Championships 2010.

Kommentare (8)

  1. #1 MartinB
    August 12, 2010

    Interessant – hab mich schon immer gefragt, wie das Spiel geht.

    “Die Spieler hier entscheiden selber ob sie gefoult wurden”
    Das funktioniert erstaunlicherweise auch beim Profi-Snooker – selbst in einem Finalspiel zeigen sich Spieler selbst an, wenn sie ein Foul begehen.

  2. #2 Jo
    August 12, 2010

    Bei der gezeigten Aktion handelt es sich um den sog. “Dive”. Bei hart umkämpften Spielen recht häufig zu sehen. Recht spektakulär ist auch der sog. “Greatest”, bei dem der Reciever (also der Fänger) innerhalb des Feldes abspringt und die Scheibe bevor er ausserhalb des Feldes landen würde, wieder in das Feld zurückwirft: http://www.youtube.com/watch?v=SXJqLFBqXh4

  3. #3 derari
    August 12, 2010

    “Das Spielfeld ist ungefähr so groß wie ein Fußballfeld, aber nur ungefähr halb so breit.”
    Heißt das es ist genauso lang wie ein Fußballfeld, oder ist es doppelt so lang, um auf den gleichen Flächeninhalt zu kommen?

  4. #4 Biologe
    August 12, 2010

    Keine Fouls?
    Langweilig! 😀
    Da bleib ich lieber bei Handball 😉

  5. #5 Nils
    August 12, 2010

    @derari:
    Groß, lang, ist doch alles das selbe. 😉 Nein, ich meine es ist genauso lang, es kommt einem aber viel länger vor wenn man 10 Minuten auf und ab rennt. Hier ist eine Illustration des Spielfeldes um einen besseren Eindruck zu vermitteln.

  6. #6 Tillmann
    August 13, 2010

    Das jeder seine eigenen Fouls ansagt funktioniert auch auf dem Boltzplatz und auf jedem öffentlichen Streetballplatz. Es hängt mehr von den Leuten und gemeinsamen Normen als vom Spiel ab.

  7. #7 Wb
    August 14, 2010

    Spiele ohne Schiedsrichter und selbstanzeigenden Spielern funktionieren, wenn das anzuzeigende Foul so eindeutig und klar erkennbar ist, dass der soziale Druck genügt, oder aber, wenn das Foul keine besonderen Vorteile ergibt.
    Das Ganze korreliert dann noch ziemlich stark mit der Verdienstmöglichkeit.

    MFG
    Wb

  8. #8 max schwarz
    Januar 15, 2011

    max schwarz (Webseite) am 15.01.2011 um 23:58 Uhr (#)

    Hallo mein Name ist Max Schwarz und bin Student an der Macromedia Hochschule für Medien ich schreibe eine Semesterarbeit über Blogs im Zusammenhang mit Bürgerjournalismus. Dafür führe ich eine Umfrage durch und würde euch bitte kurz den link zu benutzen und kurz die Umfrage zu beantworten! Falls der link nicht per Mausklick funktioniert einfach markieren und oben als Internetseite einfügen
    es sind KEINE persönlichen Daten nötig !!!!!!!!!!

    http://www.q-set.de/q-set.php?sCode=YYJEWQTEAAVK

    Vielen Dank
    Schwarz