Foto: Jörg Mitter/Red Bull Content Pool

Schallgeschwindigkeit und starke Beschleunigung

Für die Auswirkungen auf Druckmessungen lagen bisher noch keine wissenschaftlich fundierten Analysen für den Überschallbereich vor. Um die mögliche Bedeutung für die Auslösekriterien zu beurteilen, unternahm Cloth eigene wissenschaftliche Forschung.

Mit zunehmender Höhe schwindet die Schutzwirkung der Atmosphäre vor kosmischer Strahlung. Neben der kosmischen Teilchenstrahlung können energiereiche Gamma und Betastrahlung elektronische Systeme erheblich schädigen. Nicht nur der Mensch Baumgartner sondern auch das Datenlog-Gerät musste gegen solche Gefahren geschützt werden.

Welche Auswirkungen hat extrem niedriger Luftdruck ausserhalb der unteren Spezifikation des Drucksensors? Umfangreiche Testszenarien, Simulationen und Anpassungen mussten vor dem Sprung beweisen, dass das Stratos Cypres in seiner Funktion dadurch nicht beeinträchtigt wird.

Konstruktion der Notauslösung

Foto: Airtec

Foto: Airtec

Auch der Container des Reserveschirmes wird durch einen Pin gesichert. Während bei einer vom Springer ausgelösten (normalen) Öffnung des Containers (Rigs) der Pin aus einer Schlaufe herausgezogen wird – man will die Schlaufe (Loop) ja beim nächsten Sprung wieder verwenden – wird bei der automatischen Aktivierung im Notfall der Loop von einem sogenannten Cutter (Messer) durchgetrennt.

Das kleine Kästchen namens Stratos Cypres hatte also mehrere Aufgaben
Über eine Kontrolleinheit konnten Funktionsbereitschaft und Selbsttest geprüft werden. Es gibt jedoch keine fest eingestellt Auslösehöhe, diese muss vor dem Sprung am Gerät eingestellt werden.
Während man ein normales Cypres nach Höhe (über Grund) auf dem Ort einstellt, auf dem der Sprung gelandet werden soll, wird das Stratos Gerät direkt in Form eines Luftdruckwertes eingegeben. Hier waren das 812 Millibar. Das entsprach 810 Meter über Roswell. Die Auslösegeschwindigkeit war mit 35 m/s die gleiche wie beim normalen Cypres, da Rig und Schirme für ein normales Sinkverhalten an die Sprungbedingungen angepasst waren.

Foto: Jay Nemeth/Red Bull Content Pool

Foto: Jay Nemeth/Red Bull Content Pool

Und da ein Cypres schon jede Menge Daten sammeln muss für die eigene Funktionsfähigkeit, war es prädestiniert dazu, auch die Daten zum Beweis für die Rekorde zu liefern.

Insgesamt wurden die Daten in drei Einheiten erfasst: dem kleinen Kästchen mit den Kabeln auf dem Foto oben (entspricht dem üblichen Notauslösesystem mit weiteren Funktionen für den Stratos-Sprung), einem Datenlogger, vorne neben das Lebenserhaltungssystem von Felix Baumgartner geschnallt, und dazu ein weiterer Datenlogger in der Kapsel.

 

Links
Red Bull veröffentlichte Anfang Februar einen Stratos Summary Report, der zukünftigen Weltraumnahen Unternehmungen als Basis und/oder Referenz dienen soll.

Fundierte, aber etwas tröge Hintergrundinfo zum Springen steht in der Wikipedia.
( 🙂 Das liegt vielleicht auch daran, dass Fallschirmspringen zu den Tätigkeiten gehört, die man nur durch Zusehen auf dem Sofa weder begreifen noch nachvollziehen kann.)

Der Wiki Link zu Felix Baumgartner.

Und jetzt geht es weiter in Teil 2, mit den ausgewerteten Daten…

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Kommentare (1)

  1. […] neuen Blog Flug und Zeit wird der Rekordsprung von Felix Baumgartner nochmal unter die wissenschaftliche Lupe […]