Schon im letzten Jahr gab es im FlugundZeit-Blog eine Piloten-Crew-Weihnachtsgeschichte. Diesmal ist es allerdings keine Spätaufsteher-Tour, bei der jeder Tag kurz vor oder nach Mitternacht im Hotel endet, sondern das andere Extrem: die Frühaufsteher-Tour, bei der jeder Tag so um 4 Uhr morgens mit dem knallharten Weckergeklingel beginnt und dann gerade mal 40 Minuten bleiben, um in der Hotellobby Tipptopp angezogen und munter aufzutauchen.

Weihnachtsumlauf – fürs fliegende Personal einer Airline ist das ein ganz normaler Einsatz, in diesem Fall drei Tage lang, ohne an der Heimatbasis (Frankfurt) zu übernachten. Dass das gemeinsame Weihnachtsdinner mit der Familie unterm heimischen Tannenbaum wegfällt, ist Teil des Jobs.

Diese Bildgeschichte ist erneut speziell für alle, die an den Festtagen arbeiten: Das sind nicht nur Piloten, Flugbegleiter und Fluglotsen; auch Polizisten, Krankenhauspersonal und viele andere, die mit ihrem Arbeitseinsatz zur Weihnachtszeit anderen eine schöne Zeit bieten.

Für (in alphabetischer Reihenfolge): Andreas, Franziska, Gödela, Laura, Louise, Luisa, Marco, Martin, Michael, Senta, Stefanie, Vanessa und alle weiteren Menschen, die sich an Weihnachten 2014 für das Wohlergehen und die Freude anderer einsetzten.

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Beginn der Tour ist frühmorgens am 23.12. und Ende abends am 25. Dezember.

Die ersten beiden Flüge (“Legs”) am 23.12. führen nach Toulouse und wieder zurück nach Frankfurt. Dann folgt ein Flug nach Rom. Ankunft im Hotel um halb vier nachmittags. Round about in 13 Stunden heißt es am nächsten Morgen, dem 24.Dezember, wieder aufstehen. Aber zunächst geht es erst mal per Linienbus hinunter in die Stadtmitte, rund acht Kilometer.

Wie laufen durch die geschäftige Stadt, von Motos (kleinen stinkigen Motorrädern) umgeben und vielen geschäftigen Menschen, die auch hier offensichtlich noch einiges zu erledigen haben vor Heiligabend. Dann gibt es ein vernünftiges Essen, wieder einmal das erste richtige Essen am Tag und danach geht es zu Fuß wieder zurück auf den Berg ins Hotel. Ein so gesehen komplett uneventvoller Tag.

Das Ganze ab Abflug von Frankfurt nach Rom sieht in Fotos so aus:

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Abflug in Frankfurt von der 18.

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Von oben sehen die Wolken etwas besser aus, aber es sind noch immer dichte Wolken.

 

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And on and on, viel in Europa sieht keine Sonne.

 

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Ein Foto für die Bayern: welche Seen sind das wohl?

 

 

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Ankunft in Rom im Hotel: der erste Weihnachtsbaum am Umlauf für die Crew.

 

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Roller (Motos) ohne Ende. Im Stehen stinken sie wenigstens nicht so.

 

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Eine der zahlreichen, kuscheligen Pizzerias am Weg. 13 Grad Außentemperatur sind allerdings mir zu wenig fürs gemütliche Essen im Freien.

 

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Ein weiterer Christbaum für unsere Weihnacht 2014.

 

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Kurzer Blick auf die Engelsburg.

 

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Abendessen unter rockigen Engeln.

Ende des ersten Tages.

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Am nächsten Morgen, dem 24. Dezember, klingelt der Wecker um 3:50. Viel zu früh, aber was soll’s. Andere müssen auch arbeiten heute. Der Flieger hebt im Dunkeln in Rom ab und landet auch noch im Morgengrauen wieder sicher in Frankfurt.

Nach einer Stunde Turnaround am Boden in Frankfurt hebt die Crew und ein mit Passagieren vollbesetzter A321 in Richtung Madrid ab. Bisher läuft alles ohne Probleme ab, kein Enteisen, dazu sind die Temperaturen überall zu hoch und auch sonst nichts außergewöhnliches außer dem Datum und dass alle Passagiere möglichst rechtzeitig zu ihren Weihnachtsfeiern bei ihren Lieben sein wollen. Die Alpen sind, so man sie ohne Wolkenschichte sieht, überwiegend ohne Schnee. Es grünt so grün…

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Auch die Technik in Frankfurt arbeitet wie an allen anderen Tagen und Nächten. Fast ein Tag wieder jeder andere…

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An der Position. Aus dem Cockpit.

 

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Kann das sein, dass die Spanier auch Mautstellen auf den Strassen bauen?

 

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Im Anflug auf Madrid, im Hintergrund die Stadt.

 

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Aeropuerto de Madrid Barajas Adolfo Suárez. So viel Zeit muss sein.

 

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Das nächste Hotel, der nächste Weihnachtsbaum.

Einige Stunden Schlaf bis kurz vor dem Weihnachtsessen mit den Crewmembern tun gut. Ich bin platt und zu nichts Vernünftigem mehr fähig.

Das Dinner – von sieben bis neun – or none, ganz nach Plan des Hotels – fand zwar nicht in der eigenen familiären Umgebung statt, aber mit netten Crewkollegen, die auch alle im gleichen Boot sitzen und so macht man eben das beste daraus. Nur die Springerin* für den Morgenflug am den nächsten Tag kam für ein entspanntes Dinner zu spät im Hotel an.

Als Springer bezeichnet man einzelne Flugbegleiter (FB), die mehr oder minder bei jedem Flugleg zu einer neuen Crew wechseln. Die rechtlich vorgeschriebene Mindestanzahl von Flugbegleitern pro Flug errechnet sich nämlich nicht nach den servierten Speisen an Bord, sondern nach der Anzahl der Notausgänge des Flugzeugtyps und der Flugzeug-Bestuhlung der jeweiligen Fluglinie.

Je 50 Passagiersitze und/oder je Türe oder Türenpaar muss ein Flugbegleiter an Bord sein. Das hat zum Leidwesen der Fluglinien auch nichts mit der tatsächlichen Anzahl der Passagiere zu tun, sondern mit der Anzahl der Sitze. Und während die Pilotencrew aufgrund ihrer Berechtigungen anstandslos von einem A319 auf einen A321 oder A320 wechseln kann, muss die Anzahl der Flugbegleiter entsprechend aufgestockt werden oder kann auch (und wird in der heutigen Zeit in jedem Fall) verringert werden. Der Springer wechselt dann zu einer anderen Crew, die wieder einen FB mehr braucht für das nächste Flugleg. Das zu Weihnachten – alle paar Stunden mit neuen, anderen Kollegen zusammenarbeiten und “zu Weihnachten einen auf Familie machen” – ist schon extrem.

 

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Ein wenig Sport am Tag oder besser nun am Abend muss schon sein. Und darum laufen wir noch eine größere Runde ums Hotel. Der Stadtteil wirkt wie ausgestorben, so leer ist es. “Wir haben keine so schöne Weihnachtsatmosphäre wie in Deutschland”, meint der Ramp-Agent am nächsten Morgen bedauernd. Spanier feieren eher den Jahresübergang, den aber dann mit Pomp und Gloria und Knall und viel Krach und natürlich den einzelnen, ganz schnell hinuntergeschluckten Weintrauben.

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Damit endet der zweite Tag.

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Heute ist Ausschlafen auf der Frühaufsteher-Tour angesagt – der Wecker geht erst um 5:50. Dementsprechend ist beim Rollen zur Enteisung und dann zur Bahn schon die Morgenröte in Sicht. Es ist klar, bitterkalt (knapp unter null Grad) und auf den Flächen das A321 ist eine dünne Eisschicht sichtbar.
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Auch in Madrid stehen um die Weihnachtsfeiertage viele Flugzeuge am Boden, der Flugplan vieler Fluggesellschften ist ausgedünnt. Nicht weil die Crews nicht fliegen würden, sondern viele Passagiere wollen zwar rechtzeitig zum Fest zu Hause sein, die Festtage aber nicht im Flugzeug verbringen.

 

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Das Foto wurde während des Rollens zur Bahn aufgenommen. Erstaunlich, wie eng hier die Wohnhäuser an den Flugplatz gebaut sind. Das wäre in Deutschland nicht möglich.

 

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Rollen zum Enteisungsplatz B12.

 

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Eines der Enteisungsfahrzeuge eilt heran und besprüht die linke Tragfläche und die Stabilizer mit Enteisungsflüssigkeit.

 

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Rückzug des Enteisungswagens nach getaner Arbeit.

 

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Endlich mal ein knallblauer Himmel. Gestern hatten wir den schönen Nachmittag ja verschlafen. Klirrend kalt ist es aber auch heute morgen.

 

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Ja, ich mag Berge. Dies hier ist die Bergkette der Sierra de Guadarrama.

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Der A321 ist mit dem neuen Entertainmentsystem der Lufthansa ausgestattet. Wenn man VOR dem Flug die App herunterlädt, kann man während des Fluges per WLAN Zeitschriften, Magazine, Zeitungen lesen und ausgewählte Filme gucken – auf dem eigenen elektronischen Device: Smartphone, Tablet, Computer.

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Es scheint wieder Richtung Frankfurt zu gehen, die Wolken nehmen zu.

 

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Und man kann mit der APP auch den Flugweg verfolgen und sehen, dass rechts schon der Mont Blanc naht.

 

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Im Anflug auf Frankfurt. Der blaue Himmel liegt weit hinter uns.

 

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Das nächste Flugleg geht nach Warschau.

 

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Anflug auf Warschau.

 

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Und beim letzten Flug dieser Tour, von Warschau zurück nach Frankfurt, taucht die Sonne wieder unter die Wolken. Die Landung erfolgt gerade noch vor Sonnenuntergang.

 

Ein weiterer Weihnachtsumlauf ist zu Ende. Die Passagiere sind zufrieden an ihre Zielorte gelangt und die Crew kommt endlich auch ihrem Heimatort und damit zu ihrer wohlverdienten Ruhepause.

rhomben

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Kommentare (1)

  1. […] Helga denkt bei FlugundZeit an die Piloten die an Weihnachten arbeiten müssen und beschreibt in Text und vielen Bildern einen so genannten Weihnachtsumlauf: Drei Tage unterwegs und nicht im eigenen Bett. […]