Es ist sicher grottenfalsch, die einzige, noch laufende Engine auch auszuschalten, wenn die andere bereits ihren Dienst quittiert hat, und das noch dazu kurz nach dem Abheben. Keine Frage. Was mich aber daran interessiert, ist, wie immer das WARUM. Warum ist das so abgelaufen und wie kann man das in Zukunft vermeiden.

Der Fehler passiert in der Luftfahrt nicht zum ersten Mal. Kommt immer wieder vor. Es gibt Procedures (vorgeschriebene Handlungsabläufe), die das verhindern sollen. Waren sie hier nicht ausreichend vorhanden, oder wurden sie nur nicht praktiziert, hat die Psyche zu schnell übernommen – Panik: “das darf nicht passieren, wir stürzen ab” – oder was auch immer.

Genau der Grund, warum alles so abgelaufen ist und die beiden Piloten so gehandelt haben, muss herausgefunden werden und für die Zukunft eliminiert werden. Und das kann durchaus tiefer ins System oder zur Crew gehen. Das kann von fehlerhaftem Bordcomputeren, über die Ausbildung der Piloten bis zur Disziplin in der Airline, von der Tagesverfassung der Piloten, über die Kommunikation zwischen den beiden, kulturspezifischen Hindernissen beim Fliegen (Kapitän hat immer recht und darf nicht korrigiert werden, auch wenn wir abstürzen) reichen und vielem mehr.

Da sich drei Piloten im Cockpit befanden, und der dritte “in der zweiten Reihe” die höchste Flugerfahrung hatte, liegt auch die Vermutung nahe, dass es um einen Linecheck oder einen anderen Ausbildungs- oder Überprüfungsflug handelte. Dabei ist die Stresssituation (bei vielen Piloten) nochmals erhöht.

Es liest und redet sich immer so leicht am Schreibtisch (Biertisch). Die Realität ist knallhart. Es ist das letzte Glied in der Kette, das bricht, aber die Ursache liegt vermutlich weiter vorne.

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