Foto: Brian Genereux. Die Fallschirmspringer im Bild sind Julien Le, Damian Galleger, Lawrence de Laubader und Henri Bourrellis.

Die Überschrift hinkt sprachlich etwas, ich gebs zu. Gemeint ist, heute gibt es wieder einmal einen Tipp für ein Reiseziel, das spannend ist für Piloten, Fallschirmspringer und eigentlich in erster Hinsicht überwiegend für den erdgebundenen Leser. Trotzdem ist es in jeder Hinsicht ungewöhnlich, aussergewöhnlich, und sehr anspruchsvoll. Extrem in jeder Hinsicht.

Es kostet Geld und das nicht zu knapp (außer man kann sich an ein Team oder Freunde “anhängen”), der Ort ist extrem karg, heiß, unwirtlich und selbst der Veranstaltungsort ist zeitlich begrenzt. Einmal komittet, kann man auch schlecht mal wieder schnell den Ort vor Ende der Veranstaltung verlassen.

Kurz gesagt, es geht um: Burning Man.

map-burnEinmal im Jahr treffen sich mehrere zehntausend Menschen mitten in der Black Rock Wüste von Nevada. Es entsteht eine künstlich angelegte Stadt, die nur für rund eine Woche existiert. Black Rock City ist der Name der temporären Besiedlung in der unwirtlichen Gegend mit mehr als 40 Grad Celsius unerbittlicher Sonneneinstrahlung, Wüstensandsturm oder auch Regenschwall.

Sinn des Treffens ist eine Gemeinschaft, in der jeder sich selbst so künstlerisch ausdrücken kann, wie er möchte, die aber trotzdem auch im Zusammenhang als Schwarm funktioniert. Jeder ist willkommen und auch jede Art, sich künstlerisch zu verwirklichen.

Der etwas umstrittene Cyber-Philosoph Alexander Bard bezeichnet die Veranstaltung als physische Umsetzung des Internets, als zeitlich begrenztes Utopia.

Eigentlich sind die Teilnehmer am Burning Man Festival keine Teilnehmer. Die Teilnehmer sind die Veranstaltung. Erst durch sie entsteht die Stadt, die Interaktionen, die Kunst, die Aufführungen und eben das, was Burning Man ausmacht.

“Man kann es schlecht beschreiben, man muss das selbst erleben und es ist auch eine unterschiedliche Erfahrung für jeden einzelnen”, meint Brian Genereux, der im letzten Jahr als Fallschirmspringer teilnahm. Es ist etwa so wie beim Grand Canyon: Man kann sich Fotos davon ansehen, oder auch Filme. Aber erst wenn man selbst über dem Abgrund steht, wird dieses Wunderwerk der Natur in seine Größe auch mental erfassbar.

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Leave no Trace ist oberstes Gebot. Also nichts zurücklassen in der Wüste, was nicht schon vorher da war. Man muss auch alles mitbringen, was man braucht und damit ist außer Luft wirklich alles gemeint. 1,5 Gallonen Wasser pro Person und Tag (rund 6 Liter) ist Minimum, ohne dem darf keiner ins Camp. Es gibt weder offizielle Duschen noch Gebäude noch sonstige in einer normalen Stadt vorhandenen Objekte, wie Krankenhäuser, Shops oder Restaurants. Das sogenannte Cafe ist zwar ein Treffpunkt, bietet aber keine Verpflegung für 27000 Menschen.

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Mutant Vehicles – ist die Bezeichnung für alles Fahrbare, mit denen die Burning Man Teilnehmer zum Event reisen.

 

Hier gibt es den Guide (BM-SG2014) zum Download, in dem genau steht, was man alles vor der Teilnahme wissen muss und was zu beachten ist. Spannend zu lesen, auch ohne Teilnahme.

 

Burning Man für Piloten

Während der Veranstaltung existiert ein offizieller, temporärer Flugplatz gleich neben Black Rock City, der prinzipiell von jedem anfliegbar ist. FAA Airport Identifier: 88NV. Als zeitlich begrenzter Flugplatz hat er klarerweise keine Instrumentenanflug. Öffnungszeiten: 6 a.m. bis 7:30 p.m. während der Dauer der Veranstaltung.

Zum Wort prinzipiell:

Mehr als 40 Grad und eine normale Platzhöhe von 4000 Fuß (knapp 1200 Meter) ergeben schon mal eine Dichtehöhe von 7500 Fuß.

Zumindest eine vorherige Bergflugeinweisung und ernsthafte Überlegungen zum Fliegen in extrem heißen Gebieten sind Voraussetzung für sicheres Fliegen zur und während der Veranstaltung. Wenn die Physik zur Dichtehöhe nur Kopfschütteln auslöst, sollte man besser auf ein Mutant Vehicle zur Beförderung umsteigen.

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Photo: Brian Genereux

Die “Landebahn” ist ein mehr oder minder festgeklopftes, sandiges Wüstenbett, bei dem man nie sicher sein kann, in welcher Beschaffenheit sich der Untergrund tatsächlich befindet. Sandstürme (sogenannte WhiteOuts) sind ebenso häufig, wie wabernde Rauchschwaden von den künstlerischen Verbrennungsaktionen.

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