Foto: Oliver Rösler
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Foto: Oliver Rösler

Das Allerheiligste einer Airline ist nicht der Schreibtisch des Vorsitzenden (sorry) sondern die Schnittstelle der operativen Mitarbeiter – bei Lufthansa Integrated Operations Control Center (IOCC) genannt. Es liegt örtlich im sechsten Stock des BG2* (also ganz oben) und vereint an Technik alles, was das kommunikative Herz begehrt.

Im IOCC treffen alle Entscheidungen zusammen, die das operative Geschäft des Tages bringt. Im besten Fall bemerkt der Passagier nichts von seiner Existenz – wenn alles, wie geplant läuft, das Wetter 1a mitspielt und gegebenenfalls die Crews und die Bodenmitarbeiter die kleineren Missgeschicke mit ihrem Einsatz ausmerzen.

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Rund 74 Prozent der Passagier am Frankfurter Flughafen sind sogenannte Umsteige-Gäste. Nun kann ein Kapitän mit seiner Crew vielleicht die Verspätung seines Fluges minimieren, und das auch nur, wenn er weiter denkt, als sein eigentlicher Einsatz es erfordert. Eine Verspätung am Morgen zieht sich durch den ganzen Tag und addiert sich in der Praxis gerne zu weiteren Verspätungen des Fliegers auf Folgeflügen auf. Um zwei Uhr nachmittags fangen die ersten Überlegungen an, welche Flüge auch später noch am Tag zu Problemfällen werden könnten und mit welchen Mitteln oder Planungsänderungen man dies vermeiden oder zumindest abschwächen kann.

Richtig brenzlig wird es dann, wenn abends das Nachtflugverbot zuschlägt und der Langstreckenflieger nicht ewig auf die Connecting-Gäste warten kann. In Frankfurt ist um 23 Uhr Schluss. Egal, wie viele Gewitter, Schneeflocken, politische Entscheidungen oder andere Widrigkeiten den Flugplan durcheinandergebracht haben.

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Der Ausblick nach draußen ist umwerfend. Bei der Anzahl der Bildschirme, die die Mitarbeiter auf ihrem Arbeitsplatz im Blick haben müssen, zählt das leider wenig. Foto: hkl

Das IOCC vereint das Operations Control Center (OCC) und das Hub Control Center (HCC) und steuert von hier aus die täglichen Flüge von und nach Frankfurt mit rund 200 stationierten Flugzeugen.

Seit 16. November 2015 sind ihm IOCC alle operativen Einheiten für die Steuerung des Boden- und Flugbetriebs von Lufthansa vereint, alle Profis der Verkehrs- und Passagiersteuerung sind somit in der neuen Verkehrsleitzentrale am Frankfurter Flughafen räumlich unter einem Dach vereint. Die Mitarbeiter können so schnell rund um die Uhr auf operative Änderungen reagieren und den weltweiten Flugbetrieb der Lufthansa leichter steuern.

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Dr. Gerrit Klempert, Chef des HCC, macht so manches möglich, was so nicht im Buch steht: Mit seinem energischen und dem großen Einsatz seiner Mitarbeiter, in Zusammenarbeit mit “Boden”, Catering, Cleaning und vielen anderen schaffte er ein “Umdrehen” (Zeit von der Landung mit Passagieren bis wieder zum Losrollen mit den Gästen des nächsten Fluges (und ihrem Gepäck!) eines Langstreckenfliegers von 89 Minuten.
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Was bei allem Einsatz der Mitarbeiter und technischen Aufgebot (Nachtbeleuchtung im Raum**) ein wenig auf der Strecke bleibt, ist bei dieser auf Effizienz optimierten Steuerung der persönliche Kontakt zu den Crews.

Während früher, als die einzelnen Abteilungen des heutigen IOCCs noch nicht über den Schreibtisch hinweg kommunizierten, sondern unterschiedliche Abteilungen an unterschiedlichen Orten waren, sich auch ein Crewmitglied persönlich mit einem Verantwortlichen austauschen und Lösungen präsentieren konnte, funktioniert das heute nur mehr über das mühsame ACARS-Sytem (im Flug) oder per Telefon am Boden.

Die Mitarbeiter des IOCCs sitzen für die Allgemeinheit hinter einer verschlossenen Glastür, hermetisch abgeschlossen. Das mag die Prozesse intern beschleunigen, ist aber für die Kommunikation zu den handelnden Personen draußen nicht unbedingt förderlich. Im alten OCC konnte jedes Crewmitglied, also auch ein Flugbegleiter, direkt mit dem betreffenden Personaleinsatzplaner sprechen. Das ist im neuen IOCC nicht mehr gewünscht. Die Crews, inklusive der Kapitäne, haben keinen Zutritt mehr. Kommunikation kann also nur über Telefon stattfinden, auch wenn man sich ohnehin im Gebäude aufhält. Ist der Anschluss des nunmehr einzigen Ansprechparters besetzt, fällt die Kommunikation also erstmal aus. Mit allen Konsequenzen.

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