Das scheinbar nicht zu erschütternde Google-Monopol auf die Suche im Internet sorgt nicht nur unter den Online-Marketing-Experten regelmäßig für Stirnrunzeln. Zu den brauchbaren Alternativen yahoo, msn und web.de gesellte sich vor kurzem eine neue Suchmaschine – Ecocho. Der Clou: 70% der Einnahmen sollen in Ökoprojekte investiert werden.

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Ecocho wird von einer australischen Firma gleichen Namens betrieben und arbeitet zur Zeit hauptsächlich mit den yahoo-Ergebnissen (vor allem nach dem Ausstieg von Google aus dem Projekt), d.h. eine Suchanfrage bei Ecocho führt momenten zu den gleichen Ergebnissen wie eine Suchanfrage bei yahoo. Ebenso wie yahoo und Google verdient Ecocho Geld mit Werbeeinblendungen über und neben den Suchergebnissen – mit dem schon erwähnten Unterschied, dass 70% des Gewinns wieder für die Umwelt ausgegeben werden, nämlich für die Anpflanzung von Bäumen. Laut Ecocho können auf diese Weise bereits 500 Suchanfragen genügend Einnahmen generieren, um einen Baum zu pflanzen. Hätte Ecocho die Bekanntheit von Google (150 Millionen Suchanfragen pro Tag!), käme da jeden Tag ein kleiner Wald zusammen – dafür reicht es momentan aber natürlich noch nicht….

Carbon-Offset-Projekte wie dieses erinnern mich zwar immer ein wenig an modernen Ablasshandel, solange aber ein tatsächlicher Nutzen erkennbar ist und das Ganze transparent umgesetzt wird, kann ich mit diesem philosophischen Problem leben. Und da gerade die Serverfarmen von Suchmaschinen durchaus einen beachtlichen Beitrag zum Energieverbrauch leisten (laut dieser Übersicht verbraucht beispielsweise das Google-Rechenzentrum 810 Gigawattstunden pro Jahr , d.h. 810 Milliarden Wattstunden)….

Gerade beim Thema Stromverbrauch gibt es allerdings noch ein Problem mit Ecocho, denn dort rechnet man zwar den Stromverbrauch der eigenen Server in die eigene Klimaschutz-Bilanz ein, nicht aber den Verbrauch der yahoo-Server, über die ja letztendlich die Suchergebnisse generiert werden. Dies hat zwar ein wenig was von “Ökobilanz-Fälschung”, ändert aber nichts daran, dass seit dem Projektstart vor gerade mal einem Monat fast 5.000 Bäume gepflanzt werden konnten – und das macht die Sache doch unterstützenswert….

Ich habe die Suchmaschine heute selbst einmal in Augenschein genommen und muss sagen, dass die Suchergebnisse recht übersichtlich präsentiert werden und die Bildschirme auch nicht mit Werbung überladen sind. Wer viel im Internet sucht, kann also ruhig mal einen Blick auf Ecocho werfen und beim Suchen gleichzeitig etwas für die Umwelt tun.

Green IT mal anders….

Kommentare (5)

  1. #1 Kageko
    15. Mai 2008

    Oh, sowas finde ich klasse!
    Ich finde, gerade so große Unternehmen, die ja auch entsprechend Ressourcen verbrauchen, sollten ma anfangen umzudenken und diese Ressourcen auch irgendwie wieder anzusetzen.

    Das Baumprojekt finde ich gar nicht schlecht. In ein paar Jahren könnten diese Bäume zu Holzpallets verarbeitet werden, um die ganzen Server mit Strom und die Mitarbeiter mit Wärme und Warmwasser zu versorgen.

    Ich werd mir die Suchmaschine auch mal genauer ansehen.
    Danke für den Tipp.

  2. #2 Michael Blume
    15. Mai 2008

    Es tut einfach auch mal gut, nicht nur Zynisches zu lesen! Danke dafür (und für den Beitrag in den Wissenslogs)! Und willkommen auf meiner Blogroll! :-)

  3. #3 Walther
    16. Mai 2008

    Hallo!
    Ich habe gestern einen ähnlichen Beitrag in heise.de gefunden und im epowerblog verlinkt. Wisst ihr mehr über dieses Google Aktivitäten?

  4. #4 Christian Reinboth
    16. Mai 2008

    @Kageko & Michael Blume: Freut mich, dass das Projekt auf Interesse stößt. Und ja – es tut gut, auch mal über etwas Positives berichten zu dürfen (ich zumindest tue das viel zu selten…). Über die Blogroll-Aufnahme freue ich mich natürlich besonders….

    @Walther: Da muss man zwischen zwei verschiedenen Entwicklungen unterscheiden. Zum einen hat Google die Mitarbeit bei Ecocho aufgekündigt, nach eigenen Angaben wegen nicht näher erläuterter Probleme mit den AdSense-Richtlinien (welche die Einblendung von Werbeanzeigen über Google regeln). Zum anderen investiert Google zur Zeit offenbar massiv in regenerative Energieprojekte: Dieses Jahr soll bereits ein zweistelliger Millionenbetrag in gemeinsame Projekte mit den Unternehmen Esolar und Makani Power fließen, in denen es um Solarthermie und Geothermie geht. Ausführendes Organ ist hier Google.org – im Unternehmensgefüge so etwas wie der “wohltätige Flügel” des Konzerns.

    Mehr hierzu findet sich bei Andy im EnergyNet-Blog:

    http://www.energynet.de/2007/11/28/google-will-erneuerbare-energien-gunstiger-als-strom-aus-kohle-machen/

  5. #5 Frank Abel
    19. Mai 2008

    Tolles Geschäftsmodell!