Wie sicher sind Kinder im Internet?

In der letzten Woche war ich beim Internationalen Bund – Zweigstelle Wernigerode – zu Gast, um vor Eltern zum Thema „Gefahren für Kinder im Internet” zu referieren. Das Interesse war – nun ja, sagen wir einfach mal es war bescheiden bis verhalten. Eigentlich schade, denn die Thematik an sich sollte alle Eltern interessieren.

Die Zahl der jüngeren Internetnutzer wächst ständig: Mehr als die Hälfte aller 6- bis 13jährigen ist regelmäßig per PC im Internet unterwegs, etwa ebenso viele Kinder in dieser Altersgruppe verfügen über internetfähige Mobiltelefone. In der „nächsthöheren” Altersgruppe der 14- bis 18jährigen findet man heute kaum noch Kinder oder Jugendliche ohne Zugang zum Internet.

Und obwohl man sich darüber streiten kann, ob denn ein 6jähriges Kind täglich surfen oder chatten muss, ist die Entwicklung als solche nicht unbedingt negativ. PC- und Internet-Kenntnisse sind in Schule, Studium und Beruf heute absolut unerlässlich – und Kinder, die ohne Zugang zu Rechnern oder zum Internet aufwachsen, werden diesen Umstand in ihrem späteren Leben wahrscheinlich verfluchen.

Man tut seinem Kind also kaum einen Gefallen, wenn man versucht, es von PC und WWW fernzuhalten – ganz abgesehen davon, dass bei irgendeinem Freund mit Sicherheit ein PC mit Netzzugang stehen wird. Die Gefahren, die gerade im Internet auf Kinder lauern, sollten Eltern aber ebenso wenig ignorieren. Und leider gibt es da einiges, angefangen bei Stalking und sexueller Belästigung über extremistische und gewaltverherrlichende Propaganda bis hin zu zahllosen, extra für Kinder aufgestellten Kostenfallen der Sorte „100 SMS gratis” (mit automatischem Abo in den AGB).

Nicht zu unterschätzen ist auch das Risiko für Eltern, selbst wegen der Verletzung von Urheberrechten juristisch belangt zu werden, wenn der Herr Sohnemann sich (ohne zu ahnen, was er da anrichtet) die neueste Britney Spears-Single herunterlädt. Und bei Familien-PCs, die sowohl zum Surfen als auch für das familiäre Homebanking eingesetzt werden, versteht es sich von selbst, dass man sensible Bankdaten vor eingeschleppten Trojanern schützen möchte.

Grund genug für Eltern, sich mit dem Thema Online-Sicherheit auseinanderzusetzen. Wer selbst Kinder hat oder Eltern kennt, kann den IB-Foliensatz gerne von meiner Webseite herunterladen und frei verteilen. Es sei angemerkt, dass es sich lediglich um einen einführenden Vortrag handelt, also nicht jede mögliche Gefahr umfassend behandelt wird. Wer sich besser informieren möchte, findet auf Webseiten wie Klicksafe, Akademie.de und der Polizei-Beratung weiterführende Informationen. 33% aller Kinder zwischen 6 und 13 Jahren beispielsweise wissen, was „Happy Slapping” bedeutet – allein schon deshalb sollten sich 100% aller Eltern für die Thematik interessieren.

Ein besonders großes Problem sehe ich übrigens im sorglosen Umgang mit persönlichen Informationen gerade durch Kinder und Jugendliche. Als Arbeitgeber (die HarzOptics GmbH konnte vor kurzem den zehnten Mitarbeiter begrüßen) kann ich nur sagen, dass die meisten der mir bekannten Personalentscheider bei Bewerbungen gerne auch mal „im Internet nachschauen” was über die betreffende Person zu finden ist.

Wenn man „Michael Müller” heißt ist das vielleicht kein Problem (obwohl es im Wohnort Niederkleckersdorf auch nicht so viele Michael Müllers geben dürfte), wenn man aber einen Namen mit größerem „Wiedererkennungswert” hat, dann sollte man aufpassen, denn mit einer Personensuchmaschine wie yasni ist vom Amazon-Wunschzettel über das Facebook-Profil bis hin zu zehn Jahre alten Gästebucheinträgen jede Webseite mit dem eigenen Namen schnell aufzufinden.

Alle Eltern sollten sich an diesem Punkt am besten einfach mal vorstellen, wie es auf den zukünftigen Lehrherren wirkt, wenn er sich von einer potenziellen Auszubildenden von Party-, Bikini- oder gar Komasauf-Fotos vom Facebook- oder SchülerVZ-Profil über die Death Metal-Bands auf der Amazon-Wunschliste bis hin zu hitzigen Beleidigungen in irgendeinem Online-Forum in Sekundenschnelle die ganze „Web-Identität” der Tochter (oder des Sohnes) auf den Bildschirm holen kann. Schnell zerstört ist da das in Lebenslauf und Anschreiben mühsam aufgebaute Profil – und auch das Foto vom betrunken über dem Abort hängenden Sprössling wird sich bestimmt tiefer ins Gehirn des Personalentscheiders einbrennen, als das beim Fotografen um die Ecke teuer bezahlte Hochglanz-Portraitfoto.

Auf etliche Vertreter der heute 6- bis 15jährigen Generation warten spätestens bei der Lehrstellensuche einige unangenehme Überraschungen. Da kein 12jähriger, der sich heute auf irgendeiner Party ablichten lässt, ernsthaft darüber nachdenken wird, ob diese Bilder ihn vielleicht in fünf Jahren mal die Lehrstelle kosten, liegt es an den Eltern ihre Kinder darüber aufzuklären, dass man vielleicht nicht alles von sich im Internet preisgeben sollte – egal wie „uncool” einen das in den diversen Social Networks auch macht.

Kommentare

  1. #1 florian
    16. Juni 2008

    Guter Artike! Allerdings würd ich doch das Hören von Death-Metal Musik nicht unbedingt in eine Reihe mit Komasaufen und beleidigendem Verhalten im Internet stellen ;) Death-Metal mag zwar nicht jedermanns Geschmack sein – aber eine grundlegende Charakterschwäche stellt das meiner Meinung nach auch nicht unbedingt dar ;)

    Die “digitale Freizügigkeit” der jüngeren Leute überrascht mich aber auch immer wieder. Im StudiVZ kann ich mehr über meine Studenten erfahren als während eines ganzen Semester voller Vorlesungen. Den meisten ist es aber überraschenderweise wirklich egal…

  2. #2 Christian
    16. Juni 2008

    Vielen Dank für die Blumen! Ich würde Death Metal übrigens auch nicht mit Komasaufen gleichsetzen – aber der eine oder andere Arbeitgeber würde das vielleicht anders sehen. Mir ging es eher darum auszudrücken, dass die Kids jede Menge Infos ins Netz stellen, die man nie im Leben in eine Bewerbungsmappe aufnehmen würde….

    Und ja, StudiVZ ist wirklich eine erstaunlich gute Informationsquelle. Im Vergleich zu dem, was bei Facebook, MSN und SchülerVZ teilweise zu finden ist, ist die Ausbeute aber noch eher harmlos. Der Himmel sei diesen armen Menschen gnädig, wenn es den Marktforschern eines schönen Tages gelingt, all jene Informationen im Sinne des zielgerichteten Marketings zu bündeln….

  3. #3 Martin Franz
    18. Februar 2009

    Der Beitrag ist zwar mittlerweile schon einige Monate her, aber wirklich sehr gelungen. Ich kann ebenfalls nur bestätigen, dass Sie sehr gut die Gefahren verdeutlichen. Mit dem gleichen Thema habe ich mich auch intensiv befasst und möchte nun auch handeln. Mit meiner kleinen Firma easy-it-solutions starte ich jetzt ein Projekt “SafePC” (Webseite: safepc.meineis.de). Es würde mich sehr freuen, wenn Sie sich das Projekt etwas anschauen würden und sich ggf. mal bei mir per Email melden könnten. Ich wäre wirklich sehr an einem kleinen Kommentar von Ihnen interessiert.