In einem kleinen Ort mitten in Neuseeland gehen jede Nacht die Lichter aus – alle Lichter. Tekapo schickt sich an, das erste “Sternenlicht-Reservat” der Welt zu werden – mit 0% Lichtverschmutzung und einem traumhaften Ausblick ins Universum.

Die natürliche Dunkelheit der Nacht – die uns aufgrund exzessiver Nachtbeleuchtung bereits mehr oder weniger vollständig verlorengegangen ist – wird im neuseeländischen Tekapo wie ein Kleinod behütet. Für 2009 hofft der 850-Seelen-Ort auf die Verleihung des UNESCO-Titels “Starlight Reserve”. Sollte die UNESCO zustimmen (und danach sieht es momentan aus, wenn man der AP Glauben schenken darf), wäre Tekapo das erste “Sternenlicht-Reservat” weltweit – und dürfte damit vermutlich zum Traumziel vieler Hobby-Astronomen werden.

Für diese spezielle Zielgruppe bietet Tekapo sogar noch mehr als “nur” einen klaren Nachthimmel. Das Mount John University Observatory (MJUO) liegt in unmittelbarer Nähe des Ortes. Den Astronomen des Observatoriums zuliebe begann 1965 auch die Verdunklung von Tekapo, die von findigen Reiseveranstaltern mittlerweile als regionale Besonderheit vermarktet wird, wie das offenbar recht erfolgreiche Astro Café beweist.

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Tekapo Township, fotografiert vom Mount John Observatorium von Ingolfson

Das Observatorium selbst hat – obwohl es erst seit knapp 40 Jahren existiert – übrigens bereits ein wenig “astronomische Geschichte” geschrieben: 2008 entdeckte man dort den bis dato kleinsten bekannten extrasolaren Planeten (MOA-2007-BLG-192Lb), wie man bei BBC News nachlesen kann. Ermöglicht wurde diese Entdeckung durch den “Mikrolinseneffekt”, den zu erklären ich als astronomischer Laie liebend gern Ludmilla oder Florian überlasse.

Aufgrund der Tatsache, dass wir bei HarzOptics selbst gerade an Möglichkeiten forschen, wie sich LED-Straßenbeleuchtung “astronomiefreundlich” gestalten lässt, interessiert mich eher, wie genau man in Tekapo den Nachthimmel schützt. Denn anders als im Anreißer geschrieben, wird der Ort selbst nachts nicht vollständig dunkel – eine Straßenbeleuchtung gibt es schon, ebenso wie das eine oder andere “überflüssige” Licht. Offenbar achtet man aber strengstens darauf, dass die Sicht der Sterne davon nicht beeinträchtigt wird. So verwendet – wiederum laut AP – ein auch in der Nacht betriebener Eissportplatz spezielle Lichter um zu verhindern, dass UV-Licht von der Eisdecke in den Himmel reflektiert wird.

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Die Galaxie NGC 4214, Foto aus der “Great Images of NASA Library”

Das klingt mehr als faszinierend – umso trauriger ist es, dass es zum Beleuchtungskonzept von Tekapo im Internet offenbar kaum Unterlagen gibt – sicher hätte man daraus auch für unsere Projekte noch etwas lernen können. Den lokalen Tourismusverband habe ich trotzdem einmal angeschrieben, vielleicht ist man ja so nett, mir mehr Infos zu schicken.

Angst vor Konkurrenz braucht man in Tekapo jedenfalls kaum zu haben, denn den Rang des schönsten “Sternenlicht-Reservats” wird dem Ort keine Stadt in Deutschland streitig machen können. Ganz abgesehen davon, dass sich Bevölkerungsdichte und Urbanisierungsgrad ohnehin nicht vergleichen lassen, hat die Lichtverschmutzung in den meisten europäischen Ländern bereits solche Ausmaße angenommen, dass es schon ein großer Erfolg wäre, wenn man die Milchstraße wieder (fast) überall mit bloßem Auge erkennen könnte.

Für Deutschland habe ich aktuelle Zahlen zwar gerade nicht vorliegen, dafür aber für die Schweiz – und dort hat die Beleuchtung auf einer Siedlungsfläche von gerade mal 2.800 Quadratkilometern dazu geführt, dass es in dem 41.000 Quadratkilometer großen Land keinen einzigen Ort mehr gibt, in dem noch natürliche Nachtverhältnisse vorherrschen*.

Soviel zu einem möglichen europäischen “Sternenlicht-Reservat”…

Aber träumen darf man ja noch. Und gegen Lichtsmog kann man sich schließlich auch hierzulande engagieren – beispielsweise in der VdS-Fachgruppe “Dark Sky”, der größten deutschen Initiative gegen Lichtverschmutzung.


Quellenangaben

* o.V.: Empfehlungen zur Vermeidung von Lichtemissionen – Ausmaß, Ursachen und Auswirkungen für die Umwelt, herausgegeben vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Bern, 2005

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Kommentare (5)

  1. #1 isnochys
    10. Februar 2009

    *lach*
    Hier in D hatten wir solch eine Verdunkelung vor über einem halben Jahrhundert ja schon einmal
    *gg*

    Ja, gleich mit einem dummen Kommentar auf einen guten Artikel antworten
    😉

  2. #2 Florian Freistetter
    10. Februar 2009

    Warum muss Neuseeland so weit weg von Deutschland sein… Wird Zeit, dass sowas auch hier eingeführt wird!

  3. #3 Ludmila Carone
    10. Februar 2009

    Hier ist übrigens die Erklärung für den Mikrolensing-Effekt. Kurz: Allgemeine Relativitätstheorie in Aktion.

    http://www.scienceblogs.de/planeten/2009/01/journalisten-aufgepasst.php

  4. #4 isnochys
    10. Februar 2009

    War der Artikel Grund für dich, einen Konkurrenzartikel zu schreiben, Florian?
    :))

  5. #5 Christian Reinboth
    10. Februar 2009

    @Ludmilla: Vielen Dank – mir war doch so, als ob ich auf den SB schonmal was zum Thema gelesen hatte. War leider zu betriebsblind, um die Suchfunktion zu nutzen – in diesem Sinne danke für den Link.